Fluch und Segen der Länderspielpause

von knospepeter

Länderspielpause. Die einen fürchten sie, die anderen nutzen sie, wollen zur Ruhe kommen, ihre Wunden zu lecken, neuen Mut und Kraft schöpfen. Die Nationalspieler verstreuen sich in die ganze Welt, die Angst reist mit. Die Angst vor Verletzungen und die Angst vor Corona, vor Infektionen und Quarantäne. Länderspielpausen waren bei den Vereinen noch nie beliebt, derzeit rangieren sie in der Beliebtheitsskala ganz unten. Die Spieler sind unterwegs, die Aufarbeitung von Fehlentwicklungen muss warten. Bei Bayern München sind insgesamt 18 Spieler aus dem Profikader weg. Ausgerechnet jetzt.

Die Bayern verabschiedeten sich mit der ersten Saison-Niederlage in die Pause. Sie stehen nicht allein, seltsam, gerade an den letzten Spieltagen haben Europas Spitzenklubs in ihren Ligen Federn lassen müssen. Wie die Bayern, so haben auch die Millionäre von Paris St. Germain (0:2 in Rennes) das erste Mal verloren. Real Madrid (immer noch Tabellenführer in Spanien) verlor nach der Pleite in der Champions League auch bei Espanyol Barcelona mit 1:2, der FC Barcelona bei Atletico Madrid 0:2. In England teilten sich die Spitzenteams Liverpool und Manchester City die Punkte (2:2). Sieger gab es also keine.

Vor allem in München werden sie jetzt nach den Ursachen der Pleite suchen. Das 1:2 gegen Eintracht Frankfurt freute zwar die Konkurrenz, wurmte aber natürlich den Rekordmeister, der sich bisher so dominant durch die Saison gesiegt hatte. Dominant waren die Bayern diesmal auch, doch die notwendigen Tore wollten nicht fallen, unter anderem, weil Eintracht-Torhüter Kevin Trapp einen Sahnetag erwischt hatte, die Bayern-Stürmer aber nicht. So war mit der ersten Niederlage für den neuen Trainer Julian Nagelsmann die Serie von neun Siegen in Pflichtspielen beendet. Es war die erste Heimniederlage seit dem 30. November 2019, damals ein 1:2 gegen Bayer Leverkusen. Das passt: Bayer ist der erste Gegner nach der Länderspielpause, allerdings in Leverkusen, und liegt mit dem Tabellenführer punktemäßig gleichauf, nur um vier Tore schlechter. Gegen Frankfurt unterlagen die Bayern übrigens zuletzt vor 20 Jahren zu Hause, damals noch im Olympiastadion! Auffallend auch: Torjäger Robert Lewandowski traf nach dem Ende seiner Serie von 15 Spielen mit Torerfolg zum zweiten Mal hintereinander nicht. Nennt man das schon Krise?

In der Länderspielpause wird wohl eine erste Bilanz gezogen, von den Spitzenklubs hat RB Leipzig noch Nachholbedarf (Rang 8), im Gegensatz dazu ist der SC Freiburg Vierter und der einzige Verein noch ohne Niederlage! Spannung pur, da die ersten vier Klubs München, Leverkusen, Dortmund und Freiburg nur einen Punkt getrennt sind. Brisant: Freiburg erwartet am nächsten Spieltag RB Leipzig zum ersten Match im neuen Stadion.

Am Tabellenende zeichnet sich der Kreis der gefährdeten Mannschaften ab. Die Neulinge Fürth (ein Zähler) und Bochum (4) zieren das Tabellenende, noch nie sind beide Neulinge so schlecht gestartet! Schlechte Stimmung auch in Bielefeld, Augsburg und bei Hertha. Das könnte ein Dauer-Zittern werden. Beim FCA ist man um die Pause froh, man will Trainingsrückstände aufholen, viele Spieler seien nicht in der besten Verfassung. Haben sie vielleicht den Saison-Start verschlafen? Trainer Pal Dardai macht bei Hertha auf Optimismus, bis Weihnachten, also zum Ende der Vorrunde, will er 20 Punkte gesammelt haben. Nach sieben Runden sind es sechs. Stellt sich die Frage: Wird der Ungar Weihnachten noch Hertha-Trainer sein? Vor diesen Klubs liegen Frankfurt, Stuttgart und Hoffenheim, ihnen darf man zutrauen, mit dem Abstiegskampf auf Dauer nichts zu tun zu haben.

WM-Qualifikation schon möglich

Jetzt ist erst einmal Länderspielpause. Dank Hansi Flick werden die Fußball-Fans nicht stöhnen, „was sollen wir mit der Nationalmannschaft?“ Das Interesse könnte nach den Siegen gegen Liechtenstein und Island durch die erfreuliche Konstellation noch gesteigert werden, dass Deutschland mit Siegen über Rumänien (Freitag in Hamburg) und Nordmazedonien (Montag, 11. Oktober, in Skopje) bereits die WM-Qualifikation für Katar 2022 schaffen könnte, wenn Verfolger Armenien in Island oder Rumänien Federn lässt. Aber aufgepasst, vor den Gruppenspielen galt gerade Rumänien als stärkster Gegner, liegt jetzt aber fünf Punkte zurück. Im Hinspiel siegte Deutschland 1:0 – und das mit Jogi Löw. Also, dass müsste Hansi Flick dann doch auch schaffen. Und dann muss er natürlich die Schmach gegen Nordmazedonien tilgen, als die DFB-Elf 1:2 unterlag. Ein Tiefschlag für Fußball-Deutschland und Jogi Löw. Damals rutschte „die Mannschaft“ auf Rang drei ab, jetzt ist man Erster mit 15 Punkten vor Armenien (11) und Rumänien (10). Mit zwei Erfolgen könnte Flick übrigens den Startrekord von Jogi Löw mit fünf Siegen aus dem Jahr 2006 einstellen. Und dann weiter ausbauen.

Hansi Flick will die WM-Qualifikation „so schnell wie möglich“ schaffen, vertraut wieder seinem ersten Kader, muss allerdings Ausfälle verkraften, Gosens und Gündogan mussten verletzt absagen, Hummels ist noch kein Thema. Auch Kevin Trapp fehlt im Aufgebot, der Frankfurter ist in der Rangfolge der Torhüter nur Nummer vier, da kam die Glanzleistung in München zu spät. „Der Bundestrainer wird wohl jetzt nicht mehr anrufen“, vermutet Trapp. Gespannt sein darf man, wie Flick auf die Formkurven reagiert, zum Beispiel auf das Hoch von Florian Wirtz und das Tief von Kai Havertz.

Neben den Spielen der WM-Qualifikation bringt sich auch die Nations League in Erinnerung. Manche haben diesen Wettbewerb vielleicht schon vergessen, aber in dieser Woche steht das Finalturnier der Gruppensieger in Turin und Mailand an. Am Mittwoch stehen sich Italien und Spanien gegenüber, am Donnerstag Belgien und Frankreich. Vier neue Finalteilnehmer, 2019 waren in Portugal der Gastgeber sowie England, die Niederlande und die Schweiz dabei. Im Finale bezwang Portugal die Niederlande mit 1:0. Alle Spiele des Final Four werden vom Streamingdienst DAZN übertragen. Das Spiel um Platz drei und das Finale sind am Sonntag.

Frauen feiern eine Premiere

Schlagzeilen machte der Frauen-Fußball am Wochenende durch einen Sex-Skandal in den USA, gleich mehrere Trainer sollen Spielerinnen sexuell und emotional misshandelt haben. Zwei Ex-Profis haben ausgesagt und vor allem den früheren Trainer Paul Riley beschuldigt, der allerdings alles abstreitet. Die Spielerinnenvereinigung spricht von „systemischen Missbrauch über viele Jahre“, der US-Verband haben nie gehandelt. Als Folge der Anschuldigungen trat die Liga-Chefin Lisa Baird zurück.

Erfreulicher sieht es sportlich in Europa für die Fußball-Frauen aus, sie feiern nämlich die Premiere der Gruppenphase der Champions League. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung mit den Männern. Auch die finanzielle Ausstattung wurde aufgestockt, von 6 auf 24 Millionen Euro für den gesamten Wettbewerb. Der Streamingdienst DAZN überträgt alle Spiele live.

Von den deutschen Mannschaften war Meister Bayern München direkt für die Gruppenphase qualifiziert und startet am Dienstag in der Gruppe D bei Benfica Lissabon, außerdem spielt HäckenFF gegen Olympique Lyon. Der VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim haben sich über Ausscheidungsrunden ebenfalls für die Gruppenphase qualifiziert. Hoffenheim erwartet ebenfalls am Dienstag die Mannschaft aus Köge, außerdem spielt in der Gruppe C der FC Barcelona gegen Arsenal London, die beiden Favoriten. Wolfsburg wird in der Gruppe A gleich bei Chelsea London geprüft, stark ist auch Juventus Turin einzuschätzen, das erst zu Servette CF muss. Weitere Spieltage sind der 13./14. Oktober, 9./10. November, 8./9. Dezember sowie 15./16. Dezember. Die vier Gruppensieger und vier Gruppenzweiten ziehen ins Viertelfinale ein. Die weiteren Runden werden im März und April 2022 gespielt, das Finale ist im Mai in Turin.