Deutschland ist die Nummer 1!

von knospepeter

Die Pflichtaufgabe war teilweise ein Ärgernis, wurde am Ende aber zur Kür und schließlich heißt es vorzeitig: Aufgabe erfüllt. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft darf sich jetzt sogar rühmen, als erste Nation (nach Gastgeber Katar natürlich, der ein Freilos hat) die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 geschafft zu haben. Das sah zwischendurch nicht danach aus, aber die Gegner Nordmazedonien, Rumänien, Armenien, Island und Liechtenstein gehörten alle nicht zu den besten 40 Nationen der Weltrangliste. Dort rangiert Deutschland allerdings auch nur auf Platz 14 und wird deshalb wohl nicht zu den gesetzten Teams bei der Gruppenauslosung im Frühjahr gehören. Da droht in der Vorrunde ein dicker Brocken als Gegner.

Das ist ja überhaupt die Frage: Wie stark ist Deutschland wirklich? Gegen die mit Verlaub zweitklassigen Gegner war am Ende leicht Toreschießen. Allerdings zeigte Hansi Flicks Vorgänger Joachim Löw mit Rumpelfußball das es auch anders sein kann. Der neue Bundestrainer hat ungeachtet der Gegner das Nationalteam auf Vordermann gebracht, hat einen neuen Geist entstehen lassen, Schwung und Offensive dem Team eingeimpft. Das Pressing zeigte auch beim 4:0 in Nordmazedonien Erfolg und dürfte auch stärkeren Gegnern Probleme bereiten. Zur Erinnerung: Im Hinspiel hatte Deutschland noch 1:2 verloren. Jetzt zeigte sich, dass die neue Power irgendwann den Gegner auspowert, dann fallen auch die Tore, dann trifft sogar der viel gescholtene Timo Werner. Die Abwehr lässt allerdings Fragen offen. Am Ende durften auch die Youngster aufs Feld, so dass Jamal Musiala, nach effektivem Pressing zusammen mit Adeyemi, zum zweitjüngsten Torschützen des DFB-Teams aller Zeiten avancierte. Musiala ist 18 Jahre und 227 Tage alt, Nummer 1 bleibt ein Marius Hiller, der bereits 1910 beim 3:2 in der Schweiz zum 1:0 traf und da 17 Jahre, 241 Tage alt war. Vergangenheit. Musiala, Adeyemi, Wirtz und Havartz gehört die (offensive) Zukunft.

Die Spiele in der WM-Qualifikation waren nicht das reine Vergnügen, da hatte das Finalturnier der kritisierten Nations League eine andere Qualität. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass die Nations League eingeführt wurde als Ersatz für bedeutungslose Länderspiele, um mehr Aufmerksamkeit und Einnahmen zu erzielen. Es sollten eigentlich nicht mehr Spiele werden, führte aber durch die Corona-Pandemie dennoch zu Terminstress. Nach dem Premierensieger Portugal 2019 trug sich jetzt Frankreich mit einem 2:1 über Spanien in die Siegerliste ein, die Spieler feierten ausgelassen und die Franzosen holten sich nach Welt- und Europameisterschaft den nächsten Titel. Ist doch was. Dritter wurde übrigens Italien mit einem 2:1 über Belgien. Erfreulich: Alle Spiele waren gut anzuschauen. Das Spiel um Platz drei ist aber sinnlos. So kritisierte Belgiens Torhüter Thibaut Courtois hinterher die Terminhatz, zielte aber vor allem auf die aberwitzigen FIFA-Pläne, alle zwei Jahre eine Weltmeisterschaft austragen zu wollen. Courtois über die zu große Belastung für die Spieler: „Wir sind doch keine Roboter!“

In der Bundesliga werden die Weichen gestellt

Jetzt stehen wieder die Vereine und Punktspiele im Mittelpunkt. Bis zur nächsten Länderspielpause Mitte November stehen in der Bundesliga vier Spieltage an, dazu der DFB-Pokal am 26./27. Oktober und zwei Spieltage auf Europas Bühne. Stress pur für die Teams, die überall vertreten sind, überall erfolgt eine Weichenstellung, besonders aber in der Bundesliga. Da hat es schon der 8. Spieltag am kommenden Wochenende in sich.

Besonders ins Auge sticht der Abstiegskampf am Tabellenende, denn die vier letzten Mannschaften treffen aufeinander. Im Duell der Neulinge erwartet Schlusslicht Fürth (ein Punkt), das in der Bundesliga noch kein Heimspiel gewonnen hat, den Vorletzten Bochum (4). Auch Bielefeld hat nur vier Zähler und muss am Sonntag (17.30 Uhr) in Augsburg antreten. Die Arminia war mit dem Gedanken Abstiegskampf in die Saison gegangen, nicht so die Schwaben. Der FCA träumte eigentlich von einem Mittelfeldplatz, legte aber einen Fehlstart hin. Und ausgerechnet jetzt herrscht Torjäger-Not, obwohl sowieso erst drei Treffer erzielt wurden. Dennoch wären Niederlechner und Finnbogason Hoffnungsträger, aber beide sind verletzt. Kein Wunder, dass auch der FCA humpelt, ausgerechnet jetzt geht es dann nach Mainz und gegen Stuttgart. Weichenstellungen also.

Weichenstellung auch an der Spitze beim absoluten Schlagerspiel: Der Zweite, Leverkusen, erwartet am Sonntag (15.30 Uhr) den punktgleichen Tabellenführer Bayern (beide 16). Die Münchner müssen ihre erste Niederlage (1:2 gegen Frankfurt) verdauen, eine zweite gleich hinterher würde für Magenbeschwerden sorgen. Nicht nur bei Trainer Julian Nagelsmann. Bayer zeigt unter dem neuen Trainer Gerardo Seoane eine erstaunliche Konstanz und schwungvolles Spiel. Die schnellen Stürmer dürften Gift für die Bayern-Abwehr sein, andererseits wird die Bayer-Abwehr von Lewandowski und Co. wohl ziemlich geprüft – ein Torfestival zeichnet sich ab.

Interessant aber auch das Aufeinandertreffen von Freiburg und Leipzig im neuen Freiburger Stadion. Da der Überraschungsvierte, dort der Achte, der nur zeitweise in Schwung gekommen ist. Noch wackelt Trainer Jesse Marsch nicht. Freiburg hofft auf einen Traum-Einstand im Europa-Park Stadion, verlor aber im letzten Jahr beide Spiele gegen RB mit 0:3. Brisant auch das Duell Eintracht Frankfurt gegen Hertha BSC Berlin. Zwei Tabellennachbarn auf den Rängen 13 und 14, die sich eigentlich weiter oben sehen. Die Eintracht hofft auf den Schwung vom Bayern-Sieg (allerdings rutschten Bayern-Sieger danach oft in ein Tief!), bei Hertha kämpft Trainer Pal Dardai um seinen Job. Eine Weichenstellung also. Herthas weitere Gegner in dieser Phase sind Gladbach, Hoffenheim und Leverkusen. Leicht wird es nicht, den unteren Tabellenregionen zu entfliehen.

Einige Teams haben oft Probleme, nach der Länderspielpause wieder in Tritt zu kommen. Manche leiden vor allem unter Ausfällen, so wird besonders Dortmund vom Verletzungspech gebeutelt. Diese Konstellationen sorgen zusätzlich für Spannung. Die Fans dürfen sich also auf die Bundesliga freuen.