So verrückt ist der Profi-Fußball

von knospepeter

In der ganzen Welt laufen die Fußballspiele in geordneten Bahnen, dank guter Organisation der kleinen und großen Verbände, dank der Arbeit von vielen hauptamtlichen, vor allem aber auch ehrenamtlichen Helfer. Ohne sie ginge gar nichts. Die schöne Idylle wird nur von oben getrübt. Ohne die Ehrenamtlichen geht nichts, ohne den Weltpräsidenten ginge es wahrscheinlich besser. FIFA-Boss Gianni Infantino ist das beste Beispiel dafür, wie ein machtbesessener und geldgieriger Funktionär, der eigentlich das Wohl seiner Sportart im Auge haben sollte, dabei ist, seinen Sport von der Basis zu entfernen und aus ihm vor allem eine reine Geldmaschine zu machen. Infantino wird unterstellt, dass er korrupt ist, Gerichtsverhandlungen sind am Laufen, ein Stückchen weit ist er wohl auch verrückt. Das färbt ab, zahlreiche Gedanken und Intrigenspiele sind im Gange und deshalb soll hier zu einem kleinen Teil einmal aufgezeigt werden, wie verrückt der Profi-Fußball ist.

Wie verlogen Infantino ist, zeigt sich an seinen Gedanken, den Fußball als Geldmaschine zu missbrauchen, und an seinen Äußerungen, die als reine Lüge aus seinem Mund kommen: „Wir wollen mehr wichtige Wettbewerbe für die Fans, ohne mehr Spiele.“ Dabei will er immer mehr Nationen bei den verschiedenen Turnieren und auch die Klub-WM ausweiten. Seine neuesten Pläne, die er ehrgeizig und mit Unterstützung von Scheichs der arabischen Welt vorantreibt, sehen eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre vor. Es gab einen Aufschrei in der Fußballwelt und vor allem UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte nur die einzige gültige Antwort parat: „Wir lehnen diesen Plan ab, er schadet eher dem Fußball, als dass er nützt.“ Europa droht sogar mit Boykott, Südamerika schloss sich an und vor allem die skandinavischen Verbände gehen inzwischen einen Schritt weiter: Sollte Infantino durch seine gekonnten Ränkespiele über kleinere Verbände weltweit, den WM-Rhythmus ändern können, drohen sie, die FIFA zu verlassen! Wer macht dabei noch mit? Bilden Europa und Südamerika einen eigenen „Weltverband“? Verrückt.

Eins ist klar, entgegen der Worthülsen von Infantino ergeben mehr Turniere mehr Spiele und damit mehr Stress für die Spieler, die jetzt schon an der Grenze der Belastbarkeit angekommen sind. Infantino will dem Fußball noch mehr Macht verleihen, aber der internationale Sport wehrt sich, doch welche Mittel hat er? Die Europäische Kommission merkte schon an, dass sie die Pläne stoppen will, weil sie den restlichen Sport in seiner Existenz beeinträchtigt, sogar gefährdet sieht. IOC-Präsident Dr. Thomas Bach ging auf die Barrikaden, weil eine Fußball-WM alle zwei Jahre auch die Olympischen Spiele in den Hintergrund drängt. Was Infantino nicht bedenkt: Die Gelder von Sponsoren und Fernsehen sind endlich. Fließen sie wirklich ganz dem Fußball zu oder werden es pro Turnier weniger? Das könnte zum Bumerang werden. Ganz zu schweigen, dass die Dauerschleifen-WM auch dem Amateur-Fußball Probleme bereitet. Infantino sollte mit dem Hirn und nicht mit dem Geldbeutel denken.

Die Fans werden sich nie daran gewöhnen, dass es im Profi-Fußball vermehrt immer nur um Geld geht. Das ist ja auch bei den Plänen für die Super League so, die keineswegs bereits in der Schublade verschwunden sind. Die Initiatoren Florentino Perez (Real Madrid), Andrea Agnelli (Juventus Turin) und Joan Laporta (FC Barcelona) wollen jetzt über Gerichte das Wettbewerbsmonopol der UEFA aushebeln. Auch hier Scheinheiligkeit: „Wir wollen den Fußball besser machen.“ Jetzt soll es zwei Ligen mit je 20 Vereinen geben, sie wollen den Kreis der Teilnehmer vergrößern, das Interesse steigern. Motto: Mehr kassieren und dafür die Champions League zu Fall bringen. Dort sind ja die Pläne auch schon gereift, für mehr Spiele und Geld. Doch das genügt den großen Klubs nicht, weil vor allem die Spanier inzwischen eher Pleiteklubs sind. Ihnen ist es egal, ob die Masse der Vereine leidet, der Fußball liegt ihnen nicht wirklich am Herzen, Hauptsache ihrem Verein geht es besser. Verrückt.

Verrückt auch die Investitionen in der Premiere League in England. Es scheint, dass sich die Scheichs bald überbieten, wer den besten Klub der Welt zusammenkaufen kann. Saudi Arabien ist jetzt bei Newcastle United eingestiegen, rund 300 Millionen Euro wurden angeblich für 80 Prozent der Anteile bezahlt. Nicht der Staat taucht auf, sondern ein Privat Fonds, der dem mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman unterstellt ist. Die Saudis stehen in der Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen, bin Salman gilt als Auftraggeber am Mord des Journalisten Khashoggi. Verstörend, dass die Fans in Newcastle die Saudis als Retter feiern und von Titeln träumen. Newcastle ist derzeit Vorletzter in der Premiere League, es wäre endgültig verrückt, wenn der Verein am Ende auch absteigen würde! Allerdings darf man gespannt sein auf die Einkaufstour in der nächsten Transferzeit nach Weihnachten.

Komisch, dass sich Fachleute und solche, die es gern sein wollen, immer wieder Gedanken machen, wie man den Fußball noch attraktiver machen kann. Er ist doch beliebt genug. Zum Teil steht dabei ebenfalls der Drang nach mehr Einnahmen dahinter, zum Beispeil beim Vorschlag der Südamerikaner, die Halbzeitpause von 15 auf mindestens 25 Minuten zu verlängern, damit man als Abwechselung mehr Show bieten kann. Diese wäre ein Anreiz für das Publikum wie im US-Sport. Den Fans, die wegen dem Sport kommen, gefällt das weniger. Könnte sein, dass die Zuschauerzahlen dann eher zurückgehen. Seltsam oder sogar absurd auch die Idee, die Entscheidungen über Abseits künftig nicht mehr den Schiedsrichtern an der Linie zu überlassen, sondern einem Computer, da ja u. a. schon die Torlinie überwacht. Es reicht schon jetzt, wie lange es dauert, bis Abseitsentscheidungen auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Wenn es künftig diese Unterbrechungen bei jedem Abseits geben würde, na dann gute Nacht. Seltsam ist, dass viele dieser Ideen vom einst erfolgreichen Trainer Arsene Wenger in die Welt gesetzt werden, der von Infantino als Chef einer Fachkommission berufen wurde, um den Fußball attraktiver zu machen. Anscheinend hat Wenger die Ideen seines Chefs als seine übernommen. Verrückte Ideen.

Das Schlusswort gehört Bayern-Präsident Herbert Hainer, der eine WM alle zwei Jahre strikt ablehnt und warnt: „Natürlich spielt Geld im Profisport eine wichtige Rolle, aber man darf den Fußball niemals auf dem Altar der finanziellen Interessen opfern.“ Alles andere wäre verrückt.