Das Wechseltheater ist die größte Gefahr

von knospepeter

Es gibt nicht nur Corona. Das Virus ist nicht die einzige Gefahr, welche die Klubs der Fußball-Bundesliga aus der Spur bringen könnte. In den nächsten Wochen könnte das Wechseltheater zur größten Gefahr werden. Die vielen Fragezeichen um die Zukunft der Spieler, der wirtschaftliche Druck der Vereine, Profis, deren Verträge im Sommer auslaufen, im Winter schnell noch an den Mann zu bringen, kann für eine Unruhe sorgen, die den sportlichen Erfolg gefährdet.

Bestes Beispiel ist Borussia Mönchengladbach, wo die Verträge von Matthias Ginter und Denis Zakaria im Sommer auslaufen und beide Spieler bereits kundgetan haben, dass sie den Verein verlassen werden. Damit entgehen dem Verein beachtliche Ablösesummen, also will Manager Max Eberl am liebsten beide noch im Winter verkaufen. Doch welcher Verein zahlt für Spieler, die ein paar Monate später ablösefrei zu haben sind? Es sieht aus, als wolle Eberl Druck machen und den Spielern signalisieren, „geht, sonst sitzt ihr auf der Bank“. Das traf beim 1:2 gegen Leverkusen Matthias Ginter, weil sein Nachfolger bereits verpflichtet wurde: Marvin Friedrich kam von Union Berlin – und gab einen unglücklichen Einstand, er verschuldete einen Elfmeter, war an beiden Gegentreffern beteiligt. Hat man Ginter auf der Bank lächeln sehen? Nicht zu vergessen, Gladbach befindet sich im Abstiegskampf, braucht eigentlich Ruhe, kein Theater.

Wechseltheater hat auch Borussia Dortmund. Die Freude über das 5:1 gegen Freiburg und die souveräne Leistung, die den BVB als Bayern-Herausforderer bestätigte, war schnell verflogen, als Torjäger Erling Haaland auf den Verein schimpfte. „Sie setzen mich unter Druck, damit ich über meine Zukunft entscheide.“ Bekanntlich kann der 21-jährige Norweger im Sommer für eine feste Ablösesumme von 75 Millionen Euro gehen, fast ein Schnäppchen. Sein Manager hat das Wechseltheater bereits begonnen, Dortmund kämpft aber darum, dass Haaland zumindest eine Saison noch bleibt. Dass er irgendwann geht, können sie nicht verhindern. Die BVB-Bosse dementieren den Druck, aber bis Mai wollen sie Klarheit haben: Bleibt er oder geht er? Das Team könnte leiden, wenn der Norweger mehr ans Geld als an Tore denkt. Dann wäre es vorbei mit der Bayern-Jagd.

Die Bayern selbst wollen ebenfalls ein Wechseltheater verhindern und auch, dass ein Star wieder ablösefrei die Fliege macht, so wie David Alaba im letzten Sommer. Real Madrid reibt sich heute noch die Hände über das Geschäft mit dem neuen Abwehrchef. Die Bayern konnten immerhin erste Erfolge erzielen und Verträge, die im Sommer oder 2023 auslaufen, frühzeitig verlängern. Nach Kimmich und Goretzka unterschrieb jetzt auch Flügelflitzer Kingsley Coman bis 2027, als Dank erhielt er eine wesentliche Gehaltssteigerung. Jetzt fehlen noch Serge Gnabry, der ebenfalls mehr Geld will, und Niklas Süle, deren Verträge im Sommer auslaufen. So ganz ist das Wechseltheater also nicht beendet. Und dann laufen auch die Verträge von Neuer, Müller und Lewandowski 2023 aus. Angeblich liebäugeln Neuer und Müller schon mit einem Karriere-Ende in München, von Torjäger Lewandowski sind diese Gedanken nicht bekannt. Auch da werden Vertragsverlängerungen teuer werden.

Allerdings gibt es einen neuen Anreiz für den Polen, er brachte sich selbst in diese Situation. Beim überzeugenden 4:0 in Köln erzielte er nicht nur drei Tore, sondern vor allem den Jubiläumstreffer zu seinem 300. Bundesligator! Nur der legendäre Gerd Müller hat mit 365 Toren mehr, dafür würde bei seiner derzeitigen Quote Lewandowski noch zwei Bundesliga-Jahre benötigen – hieße also Vertragsverlängerung. Für die 300 Treffer benötigte der Torjäger übrigens 369 Spiele, Gerd Müller schaffte das nach 350 Spielen. Dritter in der ewigen Torschützenliste ist Klaus Fischer mit 268 Toren (in 535 Spielen von 1968 – 88) vor Jupp Heynckes mit 220 (369 von 1965 – 78). Ein Jubiläum feiert auch Thomas Müller, er bereitete zwei Treffer vor und erzielte so seinen 150. Assist in der Bundesliga, baute seinen Rekord also weiter aus. Nummer zwei ist sein ehemaliger Vereinskollege Franck Ribery mit 92 Assists! Die Bayern zeigten also, dass sie sich von Corona nicht bremsen lassen, allerdings kam ihnen Köln mit einem offenen Schlagabtausch entgegen. Trainer Steffen Baumgart blieb sich treu: „So spielen wir, auch gegen die Bayern.“ Erfolg hat er ja. Die Bayern stellten nebenbei wie erwartet einen neuen Bundesliga-Rekord auf, sie trafen jetzt in 66 Spielen hintereinander, bisher waren 65 die Höchstmarke, von den Münchnern selbst gehalten.

Apropos Wechsel, es braucht nicht immer neue Spieler, um besser zu sein, manchmal entdeckt man „Retter“ auch im eigenen Kader. Der FC Augsburg rüstete im Sturm auf, zu Niederlechner und Finnbason kam schon Zeqiri dazu und kürzlich US-Boy Pepi. Alle standen beim 1:1 gegen Frankfurt auf dem Feld, das Tor erzielte allerdings einer, der schon gehen sollte, der aber jetzt Hoffnungsträger sein könnte: Michael Gregoritsch hat wieder getroffen, nachdem der Österreicher vorher schon für Punkte sorgte. Mit vier Treffern ist er der beste Torschütze im Verein!

Im Abstiegskampf hilft ein Punktgewinn nicht viel, immerhin bleibt der FCA auf dem rettenden 15. Rang, weil Bielefeld gegen Schlusslicht Fürth nicht über ein 2:2 hinauskam. Vorletzter ist jetzt der VfB Stuttgart, der nicht auf Neuzugänge hofft, sondern auf Gesunde. Zuletzt verletzte Spieler sollen in Form kommen und für den Umschwung sorgen, wie Torjäger Sasa Kalajdzic zum Beispiel. Unentschieden helfen nicht weiter, das erfuhren auch die Sorgenklubs Wolfsburg und Hertha. Am Wochenende geht es noch einmal um Punkte, dann folgt eine Länderspielpause.

Der DFB-Pokal ist zu haben

Für zehn Bundesligisten und fünf Zweitligisten steht eine englische Woche an, der DFB-Pokal ruft. 16. im Bunde ist im Achtelfinale Drittligist 1860 München. Wer hätte das gedacht, dass die „Blauen“ den jetzt ansonsten übermächtigen „Roten“ voraus sind, aber die Bayern haben nach der 0:5-Pleite in Gladbach den Pokal praktisch „freigegeben“, sind allerdings jetzt froh um eine Trainingswoche. Der DFB-Pokal ist also zu haben. Jetzt dürfen auch mal andere Klubs von einem Pott träumen. Dortmund zum Beispiel, der Titelverteidiger, der vor einem Jahr RB Leipzig im Finale 4:1 schlug. Jetzt wird St. Pauli geprüft, ob die Hamburger wirklich das Zeug zur Bundesliga haben. Bayern-Besieger Gladbach sollte es in Hannover leichter haben, aber leicht wird es dennoch nicht. Im Mittelpunkt aber das Berliner Derby Hertha BSC gegen Union, die (wohl wenigen) Fans können singen „wir fahren nach Berlin“. Herthas Profis erfüllten sich aber noch nie den Traum vom Finale im eigenen Olympiastadion, blöd, wenn ihnen Union zuvor käme. Und 1860 München will noch eine Runde weiterkommen, gegen Karlsruhe.

Die Spiele: 1. FC Köln – Hamburger SV, 1860 München – Karlsruher SC, St. Pauli – Dortmund, Bochum – Mainz, Hannover – Gladbach, Leipzig – Rostock, Hoffenheim – Freiburg, Hertha – Union.

Die Last des Novak Djokovic

Im Mittelpunkt der Schlagzeilen stand am Wochenende nicht Fußball, sondern Tennis. Allerdings ging es im Vorfeld der Australian Open nicht um den Sport, sondern um rechtliche Fragen und um die Falscheinschätzung eines Weltstars, der glaubt, der Beste der Welt zu sein, die Regeln zu bestimmen und das Gesetze für ihn nicht gelten. Tennis-Star Novak Djokovic wurde schon öfters wegen seiner kruden Gedankengänge und Verhaltensweisen schief angeschaut, aber er wurde als Sportler respektiert. Der Serbe ist ein Ehrgeizling, der alles gewinnen will und sich von niemanden aufhalten lassen will. Auf dem Weg zum Grand-Slam-Rekord stoppten ihn allerdings australische Richter. Ungeimpfte lässt Australien nicht rein – auch die Nummer 1 der Welt im Tennis nicht. Das wollte Djokovic nicht wahrhaben, verstrickte sich in Lügen und hat wohl auch ganz einfach betrogen, offensichtlich sogar mit Hilfe von serbischen Behörden. Der Kampf um die Einreise wurde fast zur Zerreißprobe für Australiens Justiz, aber die Gerechtigkeit siegte doch.

Verlierer ist eindeutig Novak Djokovic, der den zehnten Triumph in Melbourne erzwingen wollte, der alleiniger Rekordinhaber der Grand-Slam-Siege mit 21 Erfolgen sein wollte, jetzt bleibt er bei 20 stehen wie die von den Fans mehr geschätzten Nadal und Roger Federer. Djokovic wird nie mehr die Anerkennung erfahren, die er erwartet, auch in den Geschichtsbüchern wird vor allem sein unrühmliches Auftreten rund um das Impfen im Vordergrund stehen. Vielleicht gewinnt der Serbe die Einsicht, dass er seine Karriere nur als Geimpfter krönen kann, in die USA kann er nach Stand der Dinge auch nicht einreisen. Oder steht das nächste Theater bevor? Legt er vielleicht Impfunterlagen vor, ohne geimpft zu sein? Würde jetzt wohl keinen mehr wundern!