In der Bundesliga sind keine Schwächen mehr erlaubt

von knospepeter

Die Ruhepause ist vorbei, jetzt geht es richtig los! Aber was heißt Ruhepause in der Fußball-Bundesliga, dies gilt nur für den Spielbetrieb, dafür hatten die Manager Hochbetrieb, die Telefone glühten zum Ende der Wechselfrist hin. Wieder einmal galt bei vielen das Motto „immer langsam, am letzten Tag schlagen wir zu“. Mal sehen, wer sich wirklich verstärkt hat und wer im Abstiegskampf die Wende schafft. Jetzt kommt die vorentscheidende Phase mit sieben Spieltagen am Stück vor der nächsten Pause. 20 von insgesamt 34 Spieltagen sind absolviert, fast zwei Drittel der Saison vorbei, jetzt sind keine Schwächen mehr erlaubt.

Mit einem Blick auf die Spielerwechsel wird deutlich, dass vor allem zwei Vereine an ihrem Kader Änderungen vornahmen, die sich im Abstiegskampf befinden, wo sie ihrer Meinung nach eigentlich nicht hingehören. Neue Spieler sollen die Wende schaffen. Es galt das Motto „wer hat (Geld), der hat (Spieler)“. Allerdings: Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, weder für Wolfsburg, noch für Hertha.

In Wolfsburg müssen sich Sportchef Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer eingestehen, dass sie im Sommer schlecht gearbeitet haben. Sie haben die Situation bei Trainer und Mannschaft vollkommen falsch eingeschätzt. Coach Mark van Bommel musste gehen, die Spieler blieben, die Stimmung im Team wurde immer schlechter, jetzt wurde aufgeräumt. Vor allem der einstige Hoffnungsträger, Torjäger Wout Weghorst, wurde inzwischen zum Unruheherd. Er wollte schon lange weg, am liebsten in die Premier League, jetzt nahm er den Notausgang und wechselte zu Schlusslicht FC Burnley. Gleich mehrere Spieler sollen ihn ersetzen. Vor allem die Rückkehr von Max Kruse war „die“ Überraschung aller Wechsel. Kruse machte seinem Ruf als Pokerspieler und Freigeist alle Ehre, er begründete selbst seinen Abschied von Union Berlin als Chance, die es zu ergreifen galt: Der Vertrag sei „langfristig und hoch dotiert“. Aber Kruse kommt nicht allein, er soll den neuen Torjäger, den 22-jährigen Jonas Wind vom FC Kopenhagen (12 Millionen Euro Ablöse) in Szene setzen. Aus den USA kommt Flügelflitzer Kevin Paredes vom DC United, erst 18, aber 6,5 Millionen Euro teuer. Aussortiert wurden u. a. der ehemalige Kapitän Guilavogui (Bordeaux), Mehmedi (Antalyaspor) und Ginczek (Düsseldorf). Alles für eine neue Stimmung in der Kabine und mehr Erfolg. Trainer Florian Kohfeldt (einst mit Kruse in Bremen) darf bleiben und jetzt wieder davon reden, dass wir „einen neuen VfL Wolfsburg sehen werden“.

Neue Gesichter im Sturm wollte auch Sportchef Fredi Bobic bei der Hertha sehen. Vor allem Südkoreas Nationalspieler Dong-Jon Lee (24, Ulsan Hyundai) soll für neuen Schwung sorgen, Talent Anton Kade (18) gilt als Wirbelwind und rückt zu den Profis auf. Mit Wunschstürmer Alario von Bayer Levekusen klappte es allerdings nicht, Außenstürmer Nsona (19, Caen) wurde zwar verpflichtet, ist aber noch verletzt. Dafür soll Marc Oliver Kempf vom VfB Stuttgart die Abwehr verstärken, Torunarigha (Gent) und Zeefuik (Blackburn) wurden dagegen verliehen. Mal sehen, ob das mit dem neuen Schwung klappt. Wer sich verkalkuliert hat, setzt darauf, dass er es im Sommer besser machen wird.

Am Tabellenende lebt die Bundesliga

Aber wer ist dann noch erstklassig? Am Tabellenende lebt die Bundesliga. Am Wochenende geht es also wieder los, in Konkurrenz zu Olympia, aber an den Fernsehschirmen wird Fußball die Oberhand behalten. In den Stadien dürfen bei unterschiedlichen Regelungen einige Fans (bei Bayern 10.000) dabei sein. Einige Klubs wollen gegen die Zuschauerbeschränkungen vor Gericht gehen. Vielleicht füllen die Richter die Stadien zum Augenschein, bevor sie ihr Urteil fällen…

Im Abstiegskampf involviert ist Borussia Mönchengladbach, dort wackelt der Stuhl von Trainer Adi Hütter. Doch der bleibt Hoffnungsträger, Max Eberl will aber nicht mehr der Krisenmanager sein. Es war die traurigste Meldung der Pause, dass der Macher aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hat. Aufrüttelnd sein Bekenntnis: „Ich kann nicht mehr“. Der Stress ist zu groß, die Pausen sind zu wenig. Die Tretmühle Bundesliga zermalmt manchmal ihre Kinder.

Gladbach gehört zu den Klubs, die vor wegweisenden Spielen beim Wiederbeginn stehen. Am Samstag geht es nach Bielefeld, danach kommt Augsburg, gewiss eine Weichenstellung. Nicht mehr dabei ist Zakaria, der sofort zu Juventus Turin wechselte, um dem Verein eine Ablösesumme zu ermöglichen. Da stellt sich die Frage, welche Rolle Matthias Ginter, dessen Vertrag auch ausläuft, bis Ende der Saison spielt. Ab Platz 11 (Bochum, 24 Punkte) darf man die Klubs dem Abstiegskampf zurechnen und so wird auch die Partie des Neulings bei Hertha (22 Punkte) wegweisend. Hertha muss nächste Woche nach Fürth. Da gibt es also Parallelen zu Gladbach, wegweisende Spiele. Schlusslicht Fürth testet übrigens am Sonntag den „neuen“ VfL Wolfsburg, dies galt als Schicksalsspiel für Florian Kohfeldt. Ist es jetzt, nach den Neuzugängen sogar noch mehr? Man stelle sich vor, das geht in die Hose… Immerhin ließ das Schlusslicht zuletzt sein Licht leuchten!

Europa ist das Ziel

An der Tabellenspitze gab es in punkto Wechsel mehr oder weniger eine Flaute, der Knüller fehlte. Dortmund verleiht seine Talente Raschl und Knauff nach Fürth bzw. Frankfurt, damit sie Spielpraxis bekommen (wer keine Ahnung hat, sagt, sie werden nicht mehr gebraucht). Bayern München tut dasselbe mit Abwehrmann Arrey-Mbi, der schon im Bundesliga-Kader stand, jetzt in Köln Spielpraxis bekommen soll. Ob Steffen Baumgart da den Bayern hilft? Das 16-jährige Talent Paul Wanner hat dagegen eine Profi-Vertrag unterschrieben und soll fest zum Kader gehören. Ein Argument, sein Glück bei dem Meister zu suchen, war für Wanner Trainer Julian Nagelsmann, der damit wiederum bewies, dass die Bayern mit ihm einen guten Fang gemacht haben.

Da kommt ja das Duell mit Nagelsmanns altem Verein gerade recht, RB Leipzig gastiert am Samstag in München und will es da besser machen als beim 1:4 in Vorrunde. Eigentlich ein Spitzenspiel, wenn die Leipziger nicht Anlaufschwierigkeiten gehabt hätten. Aber unter dem neuen Trainer Domenico Tedesco gelang zumindest der Sprung auf Rang sechs, also die Fahrkarte für Europa – das Ziel der Spitzenteams. Das eigentliche Spitzenspiel findet zwischen Dortmund (mit Haaland?) und Leverkusen statt, der Zweite gegen den Dritten, aber richtig Spannung ist nicht drin, da Bayer immerhin acht Punkte Rückstand auf die Borussia hat. Die hat vor allem das Ziel, weiter Druck auf die Bayern auszuüben.

Die große Frage, die sich wohl alle Fans stellen, ist für den Rest der Saison: Halten Union Berlin und der SC Freiburg weiter an der Spitze mit? Sie brachten Leben in die Bude, auch wenn die Tiefstapelei nicht abnahm (wir holen nur Punkte gegen den Abstieg). Union versucht den überraschenden Abgang von Max Kruse mit Paderborns Torjäger Michel zu kompensieren. So ist das Geschäft. Erster Test ist in Augsburg, Freiburg muss die Aufgabe in Köln lösen. Die Bundesliga wird sicherlich gleich richtig Fahrt aufnehmen!

Interessant, was sonst noch geschah. Der FC Barcelona, der ja vor allem mit hohen Schulden kämpft, rüstet sein Team trotzdem weiter auf, holte Adama Traore aus Wolverhampton zurück und erhielt Dortmunds früheren Torjäger Aubameyang kostenlos von Arsenal London. Auch Juventus Turin setzt auf einen neuen Torjäger, nämlich Dusan Vlahovic vom FC Florenz. Und der neureiche Saudi-Klub Newcastle United gab 100 Millionen Euro für Verstärkungen aus, um nicht reichster Absteiger der Welt zu werden.

Überraschend kommt auch eine Nachricht von Nationaltorhüterin Almuth Schult, die kundtat, dass sie den VfL Wolfsburg im Sommer nach neun erfolgreichen Jahren verlassen wird. Welche Ziele sie hat, verriet sie nicht, Schult hatte zuletzt als TV-Expertin für Furore gesorgt, zudem als aktives Mitglied der Frauen-Initiative „Fußball kann mehr“. Nach Schulteroperation und Geburt von Zwillingen und damit verbundener Pause sieht sich Schult noch nicht in Bestform und machte deutlich, dass sie sich durchaus Aufgaben abseits des Rasens vorstellen kann. In der Frauen-Bundesliga hat der VfL Wolfsburg mit einem 3:0 im Nachholspiel gegen Potsdam wieder die Tabellenführung vor Bayern München übernommen. Auch in der Frauen-Bundesliga geht es am Wochenende wieder weiter.

Am Freitag starten die Olympischen Winterspiele in Peking. Corona und Politik überschatten den Sport. Was der Sport-Grantler zu sagen hat lesen Sie in einer weiteren Kolumne in dieser Woche.