Vorsicht! Olympia!

von knospepeter

Wenn es um Olympia in Peking geht, dann ist es in Deutschland derzeit wie in einer Diktatur: Es scheint so, als treffe man auf gleichgeschaltete Medien. Aber zu den Winterspielen in China gibt es offensichtlich keine zwei Meinungen und an den Tross, der sich jetzt bei den Spielen befindet, nur eine Warnung: Vorsicht!

Seit der Vergabe der Spiele nach Peking hagelte es Kritik: Wie konnte das IOC nur so weit gehen. Der Sport denkt nur ans Geld und ignoriert die Greueltaten im Austragungsland. Überwachungsstaat, Menschenrechtsverletzungen, Massenverhaftungen – das verbindet man mit China und seiner rigorosen Regierung. Als 2008 die Sommerspiele in Peking stattfanden, gab es die Hoffnung, dass sich die Menschenrechtslage in China verbessern würde, das Land sich öffnen würde. Dies tat es nur, was die Wirtschaft angeht. Die Menschenrechtssituation habe sich dagegen laut Bundestag sogar „dramatisch verschlechtert“. Das IOC hat dazu nichts zu sagen.

China war dagegen sieben Jahre lang glücklich, schließlich ging es darum, die Welt auf den ersten Austragungsort, der Sommer- und Winterspiele veranstalten würde, aufmerksam zu machen. Die PR-Maschine lief, es ging um Glanz, nicht um Menschen. Das IOC durfte sich glücklich schätzen, einen Partner gefunden zu haben, Oslo und München waren interessiert, standen aber nicht mehr zur Debatte, in Bayern statt in China hätten erstmals Sommer- und Winterspiele stattfinden können. Und Kasachstan war in der Endauswahl kein würdiger Gegner, wäre auch in Sachen Menschenrechte kein besserer Partner gewesen.

Glücklich wird Partei- und Staatschef Xi Jinging heute auch nicht mehr sein über das, was er sich aufgehalst hat. Die Corona-Pandemie, die ihren Ursprung (welche Ironie) in China hatte, machte alle PR-Aktionen von Glanz und Glorie mit den überwältigenden Bauwerken zunichte. Jetzt wird kein Fest des Jubels mehr gefeiert, sondern die Olympischen Spiele werden buchstäblich abgearbeitet in einer Blase, aus der es kein Entrinnen kommen darf. Nicht für die Olympia-Teilnehmer, vor allem aber nicht für Corona und Omikron. Andererseits kommt diese Pandemie dem Staat auch entgegen. Er nutzte die Corona-Vorkehrungen für den Überwachungsmechanismus. Jeder bekommt sein Handy mit eigenem Programm, das vermutlich abgehört werden kann. Keiner darf sich frei bewegen, selbst kürzeste Strecken dürfen nicht zu Fuß absolviert werden, sondern müssen mit dem Shuttle zurückgelegt werden. Vorsicht!

Und nun zum Sport. Doch dort heißt es auch „Vorsicht!“ Corona wird auch den Sport beeinträchtigen, die Pandemie wird Medaillenfavoriten ins Quarantäne-Hotel zwingen. So kann der Kampf um die Medaillen auch zu einem Glücksspiel werden. Es sei allen angeraten, erst einmal einen Glückskeks zu essen. Vielleicht hilft’s!

Die deutsche Delegation will in der Nationenwertung wieder unter die ersten drei kommen, doch das wird schwer. Vor vier Jahren in Pyeongchang regnete es gleich 14 Goldmedaillen, dazu 10mal Silber und 7mal Bronze, macht 31 Medaillen und Platz zwei. Nur Norwegen war erfolgreicher, mit ebenfalls 14x Gold, aber insgesamt 39 Medaillen. Auch Norwegen wurde schon von Corona ausgebremst, könnte aber Nummer 1 bleiben. Kanada und die USA sind Medaillensammler im Winter, die Russen werden wieder zu den führenden Nationen aufschließen. Wo landet also Deutschland? Und was macht China? In Südkorea gab es gerade mal eine Goldmedaille und Platz 16. Ein Wintersportland wird China nicht werden, auch nach 2022 nicht. Selbst wenn Xi große Anstrengungen unternimmt. Die Spiele sollen die Chinesen zu Wintersportlern machen, 300 Millionen hätten schon Interesse gezeigt. Dafür laufen ununterbrochen die Schneekanonen in einer Gegend ohne natürlichen Schnee.

Die Deutschen haben ihre größten Medaillenchancen auf der beeindruckenden, aber schweren Bob- und Rodelbahn. Ziel: In jedem Rennen eine Medaille. Futuristisch auch die Sprungschanzen, aber der Weltcup-Führende Karl Geiger und Co. kennen die Auf und Abs in ihrer Sportart. Glück mit Wind, Corona und Gegnern muss dabei sein. Das gilt für die nordisch Kombinierer ähnlich, vor vier Jahren war das quasi noch die deutsche Sportart schlechthin. Da sahnten auch die Biathleten ab, sie hatten eine Laura Dahlmeier, jetzt haben sie eher Probleme. Medaillen sind möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, zumal bei den Frauen Denis Herrmann nicht in Form kommt und Franziska Preuß zuletzt mit Verletzung und Corona zu kämpfen hatte. Immerhin schafften die Männer Kühn und Doll zwei Weltcup-Siege. Auch die Alpinen haben wieder den einen oder anderen Hoffnungsträger. Insgesamt aber Vorsicht vor allzu großen Erwartungen der Fans. Ein bisschen Spaß wird Olympia schon machen, auch wenn der Olympische Geist gesucht werden muss. Den meisten Spaß haben die Sportler dann vielleicht auf dem Heimflug…