Ein würdiger Abstieg oder nicht?

von knospepeter

Es ist ja nicht so, dass die Eishockey-Fans oder -Funktionäre besonders unruhig wären, aber es würde sie doch interessieren, ob es für die Wintersportart einen heißen Sommer gibt oder nicht. Grund sind Ankündigungen der Offiziellen der Krefelder Pinguine, einen Abstieg aus der Deutschen Eishockey Liga nicht akzeptieren zu wollen. Der steht seit einer Woche sportlich fest, doch nach Drohungen herrscht Schweigen. Wahrscheinlich werden noch Unterlagen studiert, ob es überhaupt rechtlich eine Möglichkeit gibt, Einspruch einzulegen. Es könnte auch sein, dass die Überlegungen dahin gehen, ob der Traditionsverein ein würdiger Absteiger sein will oder nicht.

DEL-Boss Gernot Tripcke sieht einem möglichen Einspruch gelassen entgegen, haben doch die Pinguine die Vereinbarung der Liga mit unterschrieben. Die sieht vor, dass es nur einen Absteiger gibt, zwei waren sogar vorgesehen. Doch Corona mischte ja wieder im Winter den Sport auf. Schon die letzten Saison brachte das Virus vor allem die DEL durcheinander, da wurde der Abstieg ganz ausgesetzt, aber gemäß der Vereinbarung mit der DEL 2 gab es mit Bietigheim einen Aufsteiger. Eigentlich wollte man die DEL wieder aufs Normalmaß von 14 Klubs bringen, doch der Spielplan geriet erneut durcheinander. So wurde ein Notfallplan erarbeitet, der eine Besonderheit vorsah, wenn nicht alle Spiele ausgetragen werden können: Es zählt der Punktequotient (Punkte durch Spiele) und nicht die tatsächliche Zahl der Punkte. Der Notfall trat ein, nur sechs Teams absolvierten alle 56 Spiele (darunter Krefeld), am wenigsten spielte Augsburg (52). Augsburg kämpfte noch um einen Platz in den Play-Offs, aber ein Zähler fehlte, Köln (1,321 gegen 1,288) war vorn. Die Panther haben sich vielleicht selbst ein Bein gestellt, haben zur Corona-Hochphase einige Heimspiele verlegen lassen, weil wegen Corona keine Zuschauer kommen durften. Dabei sammelten sie die Punkte vor allem zu Hause.

Zurück zu Krefeld, so ist die Lage der Dinge. Mit Krefeld verlässt allerdings ein ruhmreicher Verein die Liga, der Krefelder EV wurde bereits 1953 Deutscher Meister, da gab es den Deutschen Eishockey-Bund noch gar nicht. Er wurde 1963 ausgerechnet in Krefeld gegründet. Die Pinguine gehörten bisher neben Augsburg, Berlin, Köln, Mannheim und Nürnberg zu den sechs Standortorten, die seit Gründung der DEL 1994 immer in der höchsten Klasse gespielt haben. Gut, der Abstieg wurde abgeschafft, doch die geschlossene Gesellschaft inzwischen aufgelöst. Also muss es einen Absteiger geben (erstmals seit 2006, Kassel), die DEL 2 will schließlich eine Perspektive haben und einen Aufsteiger stellen. Dies sollte Frankfurt sein, das als einziger Verein die Auflagen erfüllt. Krefelds Abstieg aber ist nicht unsportlich, sondern hausgemacht. Selbst Spieler monieren, dass die Mannschaft im Sommer schlecht zusammengestellt war. Da will wohl Manager Sergey Savelijev mit dem angekündigten Protest von eigenen Fehlern ablenken.

Sicher ist, dass die DEL unter allen Mannschaftssportarten als teurer Sport wohl am meisten gelitten hat. Die Zuschauer-Einnahmen stellen einen wichtigen Einnahmefaktor dar. Das Programm musste überhaupt gekürzt werden, jetzt auch in den Play-Offs, die quasi mit einem Vorspiel begonnen haben und ab Sonntag in die Vollen gehen, wenn die acht besten Teams den Titel unter sich ausmachen. Als Favorit gilt Vorrunden-Sieger Eisbären Berlin, Red Bull München und die Grizzlys aus Wolfsburg gelten als stärkste Konkurrenten. Die Adler Mannheim hatten keine gute Saison. Die Play-Offs wurden aus Zeitgründen gekürzt, statt Best of Seven heißt es Best of Five, spätestens am 8. Mai muss der Meister feststehen, bereits fünf Tage später beginnt die Weltmeisterschaft in Finnland. Es wird heiß auf dem Eis.

Eishockey leidet nicht als einzige Sportart unter Corona und Terminproblemen. Nur ein kleiner Hinweis auf das Programm der Basketballer von Bayern München, die vom 1. bis 10. April in zehn Tagen sechs Spiele austragen müssen mit zusätzlichen Reisen. Sie starteten mit dem wichtigsten Spiel und einem Sieg gegen Belgrad und sicherten sich so die Play-Off-Teilnahme in der Euroleague. Am Samstag schenkten sie das Bundesliga-Spiel in Oldenburg mit einem B-Team ab, was sportlich natürlich fragwürdig ist, aber verständlich. Dann ging es nach Istanbul, wo am Montag Fenerbahce und am Mittwoch Efes die Gegner waren (zwei Niederlagen). Weiter geht es nach Madrid (Freitag) und der „krönende“ Abschluss erfolgt am Sonntag in der Bundesliga in Gießen. Gesund ist das nicht für die Spieler, das hat auch mit Profitum nichts zu tun. Trainer Andrea Trincheri sagt es sarkastisch: „Es geht ums Überleben.“ Sport soll doch Spaß machen!