Die Konkurrenz wird mutig: Das Ende der Bayern-Ära?

von knospepeter

Die Sommer-Belustigung Nations League geht zu Ende, dann bekommen auch die Nationalspieler ihren verdienten Urlaub. Die Klubs der Fußball-Bundesliga beginnen allerdings noch im Juni mit der Vorbereitung auf die neue Saison, die am Freitag, 5. August, eingeläutet wird (am Freitag stellt die DFL den Spielplan vor). Frühstarter sind Schalke 04 und der VfL Bochum am 20. Juni. Spätstarter ist Bayern München am 4. Juli, die Nationalspieler bekommen sogar bis zum 8. Juli frei. Der Meister kann es sich wohl leisten, aber auf die kommende Saison sollte er sich eigentlich besonders gewissenhaft vorbereiten. Von zehn Bayern-Titeln in Folge hat die Konkurrenz die Nase voll und sie wird mutig, rüstet auf. Dagegen gibt es bei den Münchnern eher Krach und auf einen Transferknüller warten die Fans noch. Steht das Ende der Bayern-Ära bevor?

Die Medien sind sich einig: Die Verfolger blasen endgültig zur Bayern-Jagd, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig werden mutiger und haben den Titelgewinn in ihre Agenda aufgenommen. Bisher war ihnen immer vorgeworfen worden, dass sie schon vor der Saison nur schauen, wer denn nun Zweiter wird und allein die Teilnahme an der Champions League als Ziel ausgeben. Das hat sich offensichtlich geändert.

Das spannendste Projekt tut sich wohl in Dortmund auf. Die Borussia wandelt auf den Spuren, die eigentlich Bayern hinterlassen wollte. Uli Hoeneß hat vor einiger Zeit als Manager die Devise ausgegeben, das Herz der deutschen Nationalmannschaft muss in München schlagen. Das könnte sich ändern, Dortmund verstärkt sich mit deutschen Nationalspielern, die Bayern vertrauen vor allem auf die französische Klasse, da schlägt eher das Herz Frankreichs in München. Aber ein Abwehrchef fehlt. Die Borussia hat dagegen den Bayern Abwehr-As Niklas Süle weggeschnappt und zudem Talent Nico Schlotterbeck aus Freiburg an seine Seite gestellt (und Mats Hummels ist ja auch noch da!). Auch wenn es im DFB-Team noch nicht so geklappt, ein Duo der Zukunft. Dazu kommt Nationalspieler Karim Adeyemi aus Salzburg und für das Mittelfeld Salih Özcan aus Köln, der zuletzt auf sich aufmerksam machte. Dazu kehrt Edin Terzic als Trainer zurück, der Mann, der Dortmund vor einem Jahr Beine gemacht und zum Pokalsieg geführt hat. Interessant also, auch wenn Torjäger Erling Haaland vermisst werden wird, sein Wechsel zu Manchester City ist perfekt. Leverkusen und Leipzig setzen auf bewährte Teams, wobei Bayer vor allem einen Erfolg damit verbuchen konnte, dass Torjäger Patrik Schick seinen Vertrag bis 2027 verlängert hat.

Die Bayern liegen dagegen mit ihrem Torjäger im Clinch, Robert Lewandowski, einer der Meister-Macher, hat mit seinem Verein trotz Vertrag bis 2023 abgeschlossen. Er wurde zwar hier Weltfußballer und Europas bester Torjäger, doch der finanziell marode FC Barcelona lockt ihn trotzdem, bietet einen Vertrag über drei Jahre (Bayern nur jährliche Verlängerung) und mehr Geld, das eigentlich nicht da ist. Der Pole hat scheinbar keine Angst, dass Zahlungen ausbleiben könnten… Die Bayern tun sich dagegen schwer, adäquaten Ersatz zu finden, mit Sadio Mané ist zwar ein Weltklasse-Mann im Gespräch (zu Lewandowski oder als Ersatz), aber der FC Liverpool will weit mehr Geld, als die Bayern geboten haben, nämlich 45 Millionen Euro statt nur 32. Ausgang offen. Als Notlösung (oder vielleicht sogar mehr) bieten sich Talent Sasa Kalajdzic vom VfB Stuttgart oder auch Jonas Hofmann an, der Mönchengladbach verlassen möchte und im Nationalteam beste Werbung für sich betrieb.

Es ist ja nicht so, dass Hasan Salihamdzic und Oliver Kahn untätig geblieben sind, aber die Talente Ryan Gravenberch (20) und Noussair Mazraoui (24) von Ajax Amsterdam sind eher Optionen für die Zukunft. Dazu kommen ausgeliehene Talente wie Joshua Zirkzee oder Chris Richards wieder zurück. Sind das Meister-Spieler? Wäre der Verein stolz auf die Schlagzeile „Bayerns Talentschuppen mischt Europa auf“? Könnte sein, dass auf Trainer Julian Nagelsmann eine diffizile Aufgabe zukommt. Er ist mit seinem Trainer-Team schon in Klausur gegangen und hat erkannt, dass er die Spieler mit seinen Lernzielen wohl überfrachtet und verunsichert hat. Auch Lewandowski moniert, dass die Spielstruktur nicht mehr auf ihn zugeschnitten sei. Majestät ist also beleidigt. Aber Warnungen gibt es für die Titel-Verwöhnten: 77 Punkte sind die schwächste Ausbeute der Titel-Orgie, in der Rückrunde waren die Münchner mit 34 Punkten nur Vierter hinter Leipzig (36), Leverkusen (36) und Dortmund (35). Da sagt sich die Konkurrenz „na, geht doch!“ Die Bayern sollten also gewarnt sein.

Nationalteam: Keine Entwicklung

Im Vorfeld hatten Verbände und viele Trainer zwar die Wichtigkeit der Nations League betont, doch ein Knüller war der unfreiwillige Wettbewerb zur ungünstigsten Zeit nicht. Die Trainer setzten eher auf Experimente und achteten darauf, keinen Spieler zum Ende der Saison zu überfordern (dabei können sie sich jetzt ja ausruhen!). Das führte zu der Tatsache, dass zur Halbzeit führende Nationen wie Frankreich und England in der Liga A als Schlusslichter grüßen und Deutschland nach einer 1:1-Serie zwar noch ohne Niederlage, aber auch ohne Sieg ist. Was Hansi Flick gar nicht gefällt. Er wollte in den Spielen gegen Italien, England und Ungarn eine Entwicklung sehen, doch die hat nicht stattgefunden und der Bundestrainer selbst sagt enttäuscht nach dem weiteren 1:1 in Ungarn: „Ein Rückschritt.“ Eine endgültige Bilanz kann man erst nach dem Spiel gegen Italien am Dienstag in Mönchengladbach ziehen, das tut dann auch der Sport-Grantler.

Für einen Fortschritt ist allein Hansi Flick zuständig, aber in seinen Rotationen war er zum Teil zu zurückhaltend. Bisher gab es keine echte Chance für Tah in der wackligen Abwehr (enttäuschend Kehrer, mit Schwächen Raum und Schlotterbeck) oder im Angriff, Brandt, Adeyemi und Nmecha hätte man gern mal länger gesehen. Auch der Schwung fehlte vielfach und so können Aussagen, dass man bei der Weltmeisterschaft in Katar um den Titel mitspielen wolle, nur als Selbstüberschätzung eingestuft werden. Vielleicht gelingt gegen Italien ein Befreiungsschlag dahingehend, dass die Mannschaft mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen kann und nicht verunsichert den Endspurt der Nations League im September angeht.