Thema der Woche: Robert Lewandowskis Rückkehr zu den Bayern

von knospepeter

Der Blick auf die Bundesliga-Tabelle am Samstag war irritierend: Bayern München Erster, klagte aber nach drei Unentschieden in Folge über den schlechtesten Start seit zwölf Jahren. Am Sonntag sah es wieder anders: Geklagt wurde in München immer noch, die Gründe analysiert, aber Erster war Union Berlin! Nach Freiburg der nächste Überraschungsgast an der Spitze, ein Wechselspiel der Kultvereine, der 1:0-Sieg in Köln machte es möglich. Union ist in seiner Geschichte erstmals Tabellenführer der Bundesliga und der 34. Verein ganz oben insgesamt. Die Bayern sind Dritter, das gefällt ihnen gar nicht, zumal die Leistung nicht stimmt.

Der Abfall gegenüber dem Saisonstart ist unverständlich oder waren die torreichen Siege nur Augenwischerei, weil Leipzig, Frankfurt und Bochum einfach nur zu schwach waren oder die Bayern keine Gegenwehr spürten wie gegen Gladbach, Union und jetzt Stuttgart? Noch ist der Meister wie Berlin ungeschlagen (Union seit 13 Spielen in Folge, Rekord!); aber Platz drei sorgt für Unruhe. Auch Trainer Julian Nagelsmann trägt seinen Teil dazu bei, die Wechselarie gegen wohl unterschätzte Stuttgarter war ein Schuss in den Ofen, der hochgelobte Kader scheint doch nicht in seiner Breite so hochkarätig zu sein. Die Wechsel sollte für gute Stimmung sorgen, alle merken, dass sie gebraucht werden. Doch den Bossen ist Platz eins lieber mit schlechter Stimmung als Platz drei und gute Stimmung. Da ist der Trainer gefordert. Und jetzt folgt der ultimative Test gegen den FC Barcelona, die Rückkehr von Torjäger Robert Lewandowski ist das Thema der Woche, das überall diskutiert wird. Der Pole trifft beim neuen ebenfalls FCB wie er will. Auch in München?

Doch zunächst die Bundesliga. Ein weiterer Trainer stand im Mittelpunkt: Marco Rose. In Dortmund unerwünscht, war er bei RB Leipzig nach der schnellen Trennung von Domenico Tedesco absolut erwünscht. RB-Boss Oliver Mintzlaff hatte im Vorjahr lange gewartet, ehe er auf mäßige Erfolge mit einer Trainer-Entlassung reagierte und Tedesco holte, der die Wende herbeiführte und sogar den DFB-Pokal holte. Doch alte Meriten zählen nicht, wieder holperte es bei RB und Mintzlaff versuchte eigene Fehler durch eine neuen Trainer zu kaschieren. Marco Rose war frei und scheint der ideale Mann für Leipzig zu sein: Er wohnt in der Stadt und hat das RB-Gen, nachdem er schon in Salzburg erfolgreich war. Und er hatte einen Einstand nach Maß mit einem 3:0-Sieg ausgerechnet über Dortmund. Leipzig war nicht wiederzuerkennen, was eigentlich dafür spricht, dass es in der Beziehung von Mannschaft zu Trainer nicht mehr stimmte. Dortmund wiederum leidet unter Verletzungsproblemen und Modeste scheint kein adäquater Ersatz für Torjäger Haaland zu sein. Rose ist aber weiter gefordert, es folgen die Duelle mit Real Madrid und pikanterweise die Rückkehr nach Gladbach, wo er vor Dortmund erfolgreich war. Und wenn jetzt noch Max Eberl als Sportdirektor nach Leipzig kommt, ist das alte Erfolgsduo komplett.

Egal ob Freiburg oder Union, die Vereine, die immer noch den Klassenerhalt als erstes Ziel ausgeben, freuen sich über den Platz an der Sonne, können aber die Lage realistisch einschätzen: „Wir haben 14 Punkte, das zählt,“ sagt Union-Trainer Urs Fischer, „die schweren Zeiten kommen noch mit den ständigen Belastungen“. Nur wer den Stress-Test besteht, wird auf Dauer erfolgreich sein. Der erste Test von den Bayern ging aber schon einmal daneben.

Am Wochenende ist der letzte Spieltag vor der Länderspielpause, er hat es in sich. So das große Revierderby zwischen Dortmund und Schalke, das sich im kleinen Revierderby gegen Bochum mit dem 3:1-Sieg Mut geholt hat. Bochum dagegen ist nach einem historisch schlechten Start immer noch punktlos, da bricht dann Panik aus, am Montag ging deshalb die Amtszeit von Trainer Thomas Reis zu Ende. Im Vorjahr der Held, jetzt der Sündenknabe. Er brachte Bochum in die erste Liga und schaffte auch den Klassenerhalt. Dies trauen die Bosse Reis wohl jetzt nicht mehr zu. Vorerst übernimmt U19-Coach Heiko Butscher.

Die Blicke sind aber auch auf Roses Rückkehr in Gladbach gerichtet und aufs bayerische Derby des FCA gegen die Bayern. Die Augsburger sorgten mit dem 1:0 in Bremen für Ruhe im Verein, auf dem Spielfeld war es alles andere als ruhig, denn Torhüter Gikiewicz, der wieder einmal gefeiert wurde, weil er einen Elfmeter hielt und damit den Erfolg sicherte, legte sich mit den Werder-Fans hinter seinem Tor an, die ihn offensichtlich beleidigt hatten. Aber auch Trainer Enrico Maaßen war eine Art Held, weil er Mut zeigte mit gleich vier Stürmern und damit gewann. Vor allem zeigte der FCA Geschlossenheit und Kampfgeist, eine Gegenwehr, die den Bayern in den letzten Spielen gar nicht gefiel.

Mit Niko Kovac stand bei Wolfsburg ein weitere Trainer im Mittelpunkt. Er zog die Konsequenzen, die man bereits bis zum Ende der Transferfrist erwartet hatte. Kovac suspendierte Max Kruse, weil er nicht die Kondition oder den Willen habe, das strapaziöse Kampfspiel anzunehmen. Kruse hat hohe spielerische Fähigkeiten, wirkt aber nicht austrainiert und passt nicht ins taktische Konzept. Die Maßnahme zeitigte Erfolg, Wolfsburg holte durch Einsatz und Kampfeswillen beim 1:0 in Frankfurt den ersten Saisonsieg. Kruse kann in Wolfsburg mittrainieren, einen hoch dotierten Vertrag hat er ja noch, wird aber nicht mehr eingesetzt. „Seine Karriere ist zu Ende“, hatte Kovac orakelt, doch da widerspricht Pokerspieler, Zocker und Influencer Kruse: „Wann meine Laufbahn zu Ende geht, bestimme noch immer ich.“ Auf einen neuen Verein muss er bis Dezember warten.

Knaller in der Champions League

Der Start auf Europas Bühne war für die Bundesligisten keineswegs von Glanz geprägt. Nur Bayern, Dortmund und Freiburg gewannen ihre Spiele, Köln schaffte immerhin ein Remis in Nizza, aber Leipzig, Leverkusen, Frankfurt und Union mussten teils peinliche Niederlagen hinnehmen. Ob es in der zweiten Runde besser läuft? Es sieht nicht unbedingt danach aus, vor allem in der Champions League stehen Knaller an und Vereine wie Leverkusen und Frankfurt machen nicht unbedingt Mut mit ihren gezeigten Leistungen.

Brisanz steckt vor allem hinter dem Wiedersehen von Bayern München und Borussia Dortmund mit ihren alten Torjägern. Lewandowski kommt in die Allianz-Arena, die Borussia besucht Erling Haaland in Manchester. Beide Torjäger fehlen ihren Vereinen. Bei den Bayern schwärmte man zwar anfangs von dem variablen Spiel, doch nach drei Unentschieden wird der Ruf nach einer echten Neun wieder lauter. Jetzt geht die Angst um, dass ausgerechnet der Pole den Bayern die erste Niederlage nach 29 erfolgreichen Gruppenspielen zufügen könnte, dann wäre der Rekord von 30 (gehalten von Real Madrid) futsch. Andererseits sind die Bayern der Angstgegner von Barca, von 13 Vergleichen gewannen die Bayern neun (zwei Remis, zwei Niederlagen), alle Aufeinandertreffen in der Gruppenphase verlor Barca und in Erinnerung bleibt vor allem der 14. August 2020, da demütigte Bayern im Viertelfinale Barcelona mit 8:2. Mit Lewandowski soll alles anders werden, Trainer Xavi schwärmt, „er bringt die Siegermentalität mit.“ Genau die fehlt den Münchnern aber jetzt offensichtlich!

Ähnlich gelagert ist der Fall Dortmund mit Erling Haaland. Der Norweger wurde bei Manchester City schnell zum Star, er führt die Torjägerliste in der Premier League an und ist für Trainer Pep Guardiola unverzichtbar geworden. Wie werden sich die Borussia und Trainer Edin Terzic wehren? Könnte sein, dass er erstmals alle drei Abwehrrecken Hummels, Süle und Schlotterbeck in einer Dreier-Kette aufbietet. Schwere Aufgaben aber auch für Leipzig bei Real Madrid, Bayer Leverkusen gegen Atletico Madrid und Eintracht Frankfurt bei Olympique Marseille. Dort haben die Behörden Einschränkungen für die Eintracht-Fans verfügt, um Ausschreitungen zu verhindern.

In der Europa League spielen der alte und der aktuelle Tabellenführer der Bundesliga, das sollte sich eigentlich in positiven Ergebnissen niederschlagen. Der SC Freiburg muss zu Olympiakos Piräus, keine leichte Aufgabe, auch wenn die Griechen zunächst beim FC Nantes mit 1:2 unterlagen. Union Berlin verlor das erste Match, aber die Reise nach Braga wird nicht leichter. Die Portugiesen haben sich international etabliert und zum Auftakt in Malmö 2:0 gewonnen. Der 1. FC Köln hat in der Conference League gegen die Tschechen von Slovacko Heimrecht, ist aber gewarnt, der Gegner bot gegen Partizan Belgrad beim 3:3 ein Torfestival. Insgesamt aber geht es für die Bundesliga um eine bessere Reputation und da sollte die Bilanz mehr Siege als Niederlagen aufweisen.

Ein Hinweis: Am Freitag beginnt die neue Saison sowohl in der Fußball-Bundesliga der Frauen, als auch in der Deutschen Eishockey Liga der Männer. Zwei konträre Ligen, die aber durchaus Gemeinsamkeiten aufweisen. Mehr darüber in dieser Woche ein einem weiteren Blog.