Fußball-Frauen hoffen auf den Durchbruch

von knospepeter

Der Mannschaftssport hat wieder Hochkonjunktur, die meisten Punktrunden sind am Laufen oder beginnen jetzt, wie am Wochenende die Fußball-Bundesliga der Frauen oder die Deutsche Eishockey Liga. Zwei vollkommen konträre Sportarten, die aber eine Gemeinsamkeit aufweisen: Sie sind mit ihrer Rolle im Schatten der Fußball-Bundesliga der Männer und mit mangelnder Anerkennung und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit nicht zufrieden. Das soll in diesem Jahr besser werden.

Vor allem die Fußball-Frauen hoffen auf den Durchbruch. Sie erlebten mit den Erfolgen bei der Europameisterschaft und dem Vize-Titel ein Sommermärchen, sie gewannen die Sympathien der Sportfans in Deutschland, was in der TV-Zuschauerzahl von 18 Millionen beim Finale gegen England gipfelte. Dieser Schwung soll genutzt werden und zu mehr Anerkennung der Frauen-Bundesliga führen. Dafür gibt es positive Nachrichten, zum Beispiel mehr Fernsehübertragungen zu attraktiveren Zeiten, aber auch schlechte Nachrichten: Nach einer Umfrage wollen sich trotz EM-Euphorie 49 Prozent der Sportfans dennoch keine Bundesligaspiele der Frauen anschauen.

Trotzdem beginnt die Saison 22/23 der Bundesliga mit einem Rekord: Für das Eröffnungsspiel Eintracht Frankfurt gegen Bayern München am Freitag, 16. September (19.15 Uhr) im Deutschen-Bank-Park, dem Stadion der Männer, werden mehr als 20.000 Zuschauer erwartet, was eine neue Bestleistung bedeuten würde, die alte datiert aus der Saison 2013/14, als 12.464 Zuschauer in Wolfsburg die Partie gegen den 1. FFC Frankfurt sahen. Übrigens war die jetzige Kapitänin der Nationalmannschaft, Alexandra Popp, damals die Torschützin zum 2:1-Siegtreffer, der zwei Minuten vor Schluss Wolfsburg die Meisterschaft sicherte. Und noch eine von damals ist diesmal dabei, die Japanerin Saki Kumagai, die letztes Jahr von Lyon zu den Bayern wechselte.

Spiele in großen Stadien sind ein Wunsch, der andere eben eine höhere Fernsehpräsenz, aber auch mehr Anerkennung und bessere Organisation. Den Frauen geht es nicht um die gleiche (teilweise astronomische) Bezahlung wie bei den Männern, sie sehen ein, dass die Einnahmen dafür zu wenig sind, aber es geht ihnen um Gleichstellung in der Organisation und grundsätzlichen Voraussetzungen. Wunsch wäre das Vollprofitum in der Bundesliga, dass alle Spielerinnen vom Fußball leben können. Heute gehen mit Ausnahme von Wolfsburg (Etat 2,6 Millionen) und München (2,3 Millionen) die meisten Spielerinnen noch einer Arbeit nach, die Trainingszeiten und -verhältnisse sind oft schlecht, im Umfeld herrschen Amateurbedingungen.

Zumindest was das Fernsehen angeht, stellen sich auf Grund der EM-Euphorie Verbesserungen ein. Ein neuer Fernsehvertrag ab der Saison 23/24 bis 26/27 wurde ausgeschrieben, er soll eine spürbare Steigerung bringen, etwa fünf Millionen Euro sind im Gespräch, eine Verdoppelung der Einnahmen für jeden Verein. Außerdem steigert sich die TV-Präsenz bereits ab jetzt, MagentaSport überträgt alle Spiele im Streaming, Eurosport ist jeden Freitag mit einem Spiel wie bisher im Free-TV dabei, aber auch die ARD will mindestens zwei Spiele live übertragen, so am Samstag, 24. September, um 17.45 Uhr die Partie Hoffenheim – Wolfsburg, außerdem soll es vermehrt Übertragungen in den Dritten Programmen geben und Präsenz in der Sportschau. Die Bundesliga wird auch vom nächsten Länderspiel profitieren, wenn Deutschland am 7. Oktober in Dresden auf Frankreich trifft. Die ARD wird zur Primetime um 20.30 Uhr live übertragen, 20.000 Karten sind für das Spiel in Dresden schon verkauft.

Jetzt fehlt nur noch der gute Sport mit Spannung. Wobei, mit der Spannung ist es so eine Sache. Seit 2013 machen Wolfsburg und die Bayern die Meisterschaft unter sich, die Münchnerinnen konnten den Lauf der Wölfinnen allerdings nur 2015, 2016 und 2021 unterbrechen. Auch in diesem Jahr ist Wolfsburg wieder Favorit, stellte zehn EM-Teilnehmerinnen (Bayern sechs) und verstärkte sich durch die Nationalspielerinnen Merle Frohms (Frankfurt), Marina Hegering (Bayern) und Jule Brand (Hoffenheim). Die Bayern können da nur mit der Europameisterin Georgia Stanway dagegenhalten, die ablösefrei von Manchester City kam. Vielleicht kann der neue Trainer die Wende bringen, Alexander Straus löste Jens Scheuer ab, dessen Vertrag zwar bis 2023 abgeschlossen war, der aber offensichtlich die Mannschaft nicht mehr erreichte, von Problemen war die Rede. Straus steht für einen neuen Stil und der Norweger hat eine bemerkenswerte Statistik aus seinem Heimatland. Mit Sandviken/Brann wurde er 2021 ungeschlagen Meister, gewann 17 von 18 Partien! Das wünschen sich die Bayern-Mädchen auch, die im Vorjahr Wolfsburg nicht stoppen konnten: In der Bundesliga unterlagen sie 0:1 und 0:6, im Pokal 1:3. In der Meisterschaft waren das am Ende vier Punkte Rückstand.

Wolfsburg, Bayern und wer noch? Der Rest des Feldes schielt auf Platz drei und damit die Teilnahme an der Champions League, außerdem geht es vor allem gegen den Abstieg. Anwärter auf Platz drei ist wie im Vorjahr Eintracht Frankfurt, also schon ein wegweisendes Eröffnungsspiel. Aber auch Hoffenheim und Turbine Potsdam melden Ambitionen an. Freiburg, Leverkusen und Köln sehen sich als Teams des Mittelfeldes, bei Bremen, Essen und die Neulingen Meppen und Duisburg geht es vor allem um den Klassenerhalt. Alle hoffen aber, dass die Zuschauerzahlen steigen, dass der mäßige Schnitt vom Vorjahr von 811 Besuchern wieder eine vierstellige Zahl erreicht oder sogar den Rekord von 2013/14 mit 1175 verbessert. Was möglich ist, wenn öfters in größeren Stadien gespielt wird und mehr Profitum Einzug hält.

Es wird heiß auf dem Eis

Da hübsche Mädchen in Trikots, dort starke Burschen in voller Montur – einer der Gegensätze von Frauen-Fußball und Männer-Eishockey. Die Deutsche Eishockey Liga startet am Freitag ebenfalls in die neue Saison, der Auftakt findet sogar schon am Donnerstag mit dem Spiel Kölner Haie gegen Red Bull München statt. Insgesamt 15 Mannschaften sind vertreten, die Wunschzahl wäre 14, weshalb es zwei Absteiger geben kann, wenn der Meister der DEL2 die Zulassungskriterien erfüllt.

Die DEL-Klubs werden jetzt mit ein bisschen Neid auf die Basketballer schauen, die bei der EM dabei sind, ähnlich wie die Fußball-Frauen, mit ihren Erfolgen Deutschlands Sportfans hinter sich zu bringen. Da steht Eishockey wieder ein bisschen im Schatten und buhlt doch so um Anerkennung. Das Problem: Eishockey ist keine Fernsehsportart, man muss die Stimmung in den Stadien erleben. Die sind nach zwei Corona-Problemjahren endlich wieder voll, die Vereine atmen auf. Dazu wurde im Hintergrund gut gearbeitet, der Vertrag mit Sponsor Penny verlängert und MagentaSport zahlt auch mehr als bisher. Bei Servus-TV gibt es zudem Spiele im Free-TV.

Alles gut also? Nein, Sorgen bleiben, diesmal spielt der Klimaschutz eine Rolle. Vor allem Eishockey als teure Sportart steht am Pranger, es gibt Forderungen, dass Eisstadien geschlossen werden sollen, der Stromverbrauch sei zu hoch, die Beleuchtung müsse eingeschränkt werden. Manche schießen über das Ziel hinaus, schließlich muss das Leben weitergehen und der Sport gehört dazu. Kalte Duschen sind auch nicht zumutbar, denn es wird heiß auf dem Eis.

Für Spannung ist in der DEL gesorgt. Die Eisbären Berlin streben nach der dritten Meisterschaft in Folge, vor allem die Red Bull München möchten diesen Titellauf beenden und ihrerseits eine neue Serie starten wie von 2016 bis 2018. Spielverderber könnten die Adler Mannheim sein. Als Neuling sind die Löwen Frankfurt dabei, die Absteiger Krefeld abgelöst haben, aber in einer alten, maroden Halle spielen, die eigentlich die Anforderungen nicht erfüllt. Dennoch heißt es bei den Hessen: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Da müssen sich Vereine wie Iserlohn, Bietigheim, Schwenningen und Augsburg Sorgen machen. Düsseldorf, Ingolstadt, Straubing, Wolfsburg und Nürnberg sollten den Weg in die Play-Offs finden. Wie immer wird eine Doppelrunde gespielt, die ersten sechs sind weiter, die Plätze sieben bis zehn spielen noch zwei Plätze für die Endrunde aus. Im April sollte dann der Deutsche Meister feststehen, hoffentlich nach einer Saison ohne Sorgen mit Corona und zu hohen Energiekosten.