Meister-Bayern: Jetzt müssen noch Pokale her!

von knospepeter

Die Salatschüssel wurde frühzeitig gewonnen, doch die Bayern haben weitere große Ziele: Jetzt müssen Pokale her! Die Deutsche Meisterschaft war offensichtlich die leichteste Aufgabe für die Münchner. Fußball-Deutschland hat Angst vor einer langweiligen Bundesliga, aber die Konkurrenz macht es dem Rekordmeister zu einfach. Das Wochenende war bezeichnend, Verfolger Dortmund leistete sich mit dem 1:2 bei Hoffenheim die zweite Niederlage in Folge, Stuttgart konnte die Bayern nur kitzeln und Leverkusen patzte gegen Augsburg (1:2 trotz Saisonrekord von 36 Schüssen auf Tor!). Da reichte den Bayern die B-Auswahl, um den Titelgewinn bereits am 30 Spieltag perfekt zu machen. Doch groß gefeiert wurde nicht, Pflicht erfüllt, Mund abputzen, denn das Triple ist das große Ziel, das nun ein bisschen konkreter wird. Vor der Saison wurde es noch als Traumziel genannt.

Die englischen Wochen mit den Endspielen gehen weiter, die Bundesliga ist nur noch eine Pflichtaufgabe mit Spielpraxis für den ganzen Kader. Am Mittwoch steht das Pokal-Halbfinale gegen Bayer Leverkusen an, die beiden Wochen darauf kommt es zum Halbfinale in der Champions League gegen Titelverteidiger Paris St. Germain. Die Hürde Real Madrid wurde grandios genommen, das mitreißende 4:3 im Halbfinalrückspiel faszinierte alle Fußball-Fans und sorgte mit für einen Imagewandel der einst als hochnäsig verschrienen Bayern. Sie sind nahbar geworden, was vor allem am allseits beliebten Trainer Vincent Kompany liegt, der Notnagel als Glücksfall für den Verein, aber auch an ihrem attraktiven Spiel, das gar nichts mehr von der früheren Überheblichkeit hat. So werden die Bayern jetzt sogar als „Meister der Herzen“ bezeichnet. Und Leistung wird belohnt: Durch den Sieg über Real zogen die Bayern am Gegner vorbei und übernahmen in der UEFA-Rangliste sowohl in der Fünf- als auch Zehn-Jahres-Wertung Platz eins!

Aber die letzten Hürden sind hoch. Über dem DFB-Pokal liegt für die Münchner fast ein Fluch, seit dem letzten Sieg 2020 schieden sie immer frühzeitig aus. Jetzt fehlt nur noch ein Schritt ins Finale, doch Leverkusen ist kein Kanonenfutter. Die schnellen Stürmer können den Bayern wehtun, außerdem wird der Ehrgeiz besonders groß sein, um die letzte Chance auf einen Titel zu erhalten. Wie heißt es so schön, „in einem Spiel ist alles möglich“, auch wenn die Münchner mit voller Kapelle antreten werden. In der Bundesliga gab es in Leverkusen ein 1:1. Zudem haben die Bayern auch Sorgen, der Verletzungsteufel geht um. Nach den Talenten Karl und Bischof (Muskelfaserrisse) hat sich jetzt Serge Gnabry an den Adduktoren im Oberschenkel schwer verletzt, so dass er bis zum Saisonende ausfällt. Sogar die WM ist in Gefahr. Die stressige Saison hinterlässt ihre Spuren. Auch weitere Talente, die für den BL-Kader vorgesehen wären, fallen verletzt aus. Das ist die Crux, zur Erfüllung aller Träume muss auch alles passen. Ein Glück, dass wenigstens wieder Jamal Musiala fast alte Form zeigt.

International erfolgreich ist ebenfalls der SC Freiburg, der sich fast schon sensationell gegen die Spanier von Celta Vigo mit 3:0 und 3:1 durchsetzen konnte. Die Mannschaft befindet sich im Flow und träumt sogar vom Gewinn der Europa League. Die starken Portugiesen von Sporting Braga sind im Halbfinale die nächste Hürde, sie schalteten Betis Sevilla mit 4:2 und 1:1 aus, das zweite Halbfinale ist ein englisches Duell zwischen Nottingham Forest und Aston Villa. Da ist also kein übermächtiger Gegner dabei. Die derzeitige internationale Konstellation lässt die Bundesligisten sogar davon träumen, das im günstigsten Fall im nächsten Jahr gleich neun Mannschaften in den drei Wettbewerben dabei sein könnten. Da müsste natürlich alles passen, die Bundesliga einen fünften CL-Platz ergattern und Freiburg die Europa League gewinnen, was zur Teilnahme in der CL berechtigen würde, dann als sechster Bundesligist! Das sind Rechenspiele, näher liegt den Freiburgern das Halbfinale im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart, das wegen der internationalen Verpflichtungen erst am Donnerstag ausgetragen wird. Freiburg erlebt wahrlich ein erfolgreiches Jahr.

Bundesliga als Überraschungskiste

Die Bayern sind die Ausnahme, ansonsten ist in der Bundesliga nichts gewiss, die Punktrunde entwickelt sich zur Überraschungskiste. So bleibt es wenigstens bei genügend Spannung bis zum Saisonende, vor allem im Tabellenkeller. Da hat sogar der VfL Wolfsburg wieder das Siegen gelernt und meldet nach dem 2:1 bei Union Berlin wieder Ansprüche auf den Klassenerhalt an. Allerdings scheint es so, dass Union ein Herz für die Kellerkinder hat. Erst das 1:3 bei Schlusslicht Heidenheim, jetzt der Ausrutscher gegen die Wölfe. Da erlebte die erste Bundesliga-Trainerin Marie-Louise Eta leider einen Fehlstart. Eine Frau als Trainerin im Spitzenfußball – das sorgte weltweit für Schlagzeilen und für besondere Aufregung rund um das Spiel. Ob ihr ausgerechnet am Freitag in Leipzig der erste Erfolg vergönnt ist? Neue Hoffnung bei Werder Bremen, der 3:1-Triumph im Nordderby gegen den HSV sorgt sicher für Aufwind, während bei den Hamburgern Flaute herrscht. Fünf Spiele ohne Sieg bedeuten wieder Abstiegssorgen. 31 Punkte (wie Bremen, Gladbach und Köln) sind kein Ruhekissen, zumindest ein Sieg muss noch her, die Gegner (Hoffenheim, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen) sind aber hochkarätig, ähnlich für Werder (Stuttgart, Augsburg, Hoffenheim, Dortmund), da sind fünf Punkte auf St. Pauli und sieben auf Wolfsburg schnell weg. Vorteil: Die Teams unten nehmen sich auch gegenseitig die Punkte weg. Seltsam: Der HSV handelte sich mehr Platzverweise ein, als er Siege einfuhr (8:7)! Gladbach (Wolfsburg, Dortmund, Augsburg, Hoffenheim) und Köln (Leverkusen, Union, Heidenheim, Bayern) haben auch noch zu kämpfen!

Frauen: Rückschritt statt Fortschritt

Das hatten sich Bundestrainer Christian Wück und seine Mädels ganz anders vorgestellt. Nach dem 5:1-Sieg in Nürnberg gegen Österreich wollten sie im Rückspiel in Ried die Weichen für die Qualifikation zur WM 2027 in Brasilien stellen. Es kam ganz anders, die Mannschaft von der Rolle, der Rasen holprig, der Gegner zäh, heraus kam ein 0:0. Nicht nur eine große Enttäuschung, sondern überhaupt der erste Punktverlust gegen Austria! Zudem bekam Janina Minge noch eine Rote Karte und fällt im nächsten Spiel am 5. Juni in Köln gegen Norwegen aus. Die DFB-Frauen haben sich nun ein echtes Endspiel um Platz eins eingehandelt, Norwegen siegte glücklich mit 3:2 in Slowenien und liegt nur einen Zähler zurück. Der 4:0-Sieg im Hinspiel ist nur ein kleines Ruhekissen, ein Unentschieden reicht für Platz 1, aber nur bei einem abschließenden Sieg in Slowenien. Christian Wück enttäuscht: „Bisher ging es nach oben, jetzt sind wir wieder einige Stufen der Treppe runtergefallen.“ Rückschritt statt Fortschritt also, vor allem die spielerische Leistung enttäuschend.

Gut, dass in der nächsten Zeit die Bundesliga ablenkt. Die Bayern-Mädchen wollen es am Mittwoch bei Union Berlin den Männern im Verein nachmachen und vorzeitig den Meistertitel holen. 13 Punkte beträgt der Vorsprung vor Verfolger Wolfsburg, bei dann noch vier ausstehenden Spielen. Wichtiger wird für die Bayern aber das Wochenende, denn da pausieren sie in der Bundesliga weil sie in der Champions League beschäftigt sind. Das Halbfinale gegen den FC Barcelona steht am Samstag (18.15 Uhr) an, gespielt wird in der Allianz Arena, mit rund 20.000 Zuschauern darf wieder gerechnet werden. Die Münchnerinnen haben noch etwas gut zu machen, denn in den Gruppenspielen unterlagen sie in Barcelona mit 1:7. Jetzt sind sie besser in Form, aber schon auf Augenhöhe? Das ist fraglich. Barcelona als Champion 2021, 2023 und 2024 gilt als Favorit, im Vorjahr unterlag man Arsenal London überraschend mit 0:1. Sorgenfrei sind aber auch die Spanierinnen nicht, der Verein hat finanzielle Probleme. Die Männer haben zwar noch einen Etat von 500 Millionen Euro, für die Frauen fallen aber „nur“ 15 Millionen ab, so machen sich einige Starspielerinnen Gedanken über einen Wechsel (England lockt). Vielleicht hilft diese Unruhe ja den Münchnerinnen, die am 3. Mai zum Rückspiel nach Barcelona müssen.

Normal werden die Spiele der Champions League exklusiv nur von Disney+ im kostenpflichtigen Streaming übertragen, allerdings nimmt das ZDF nach Protesten der Spielerinnen und des Verbandes jetzt eine ausgehandelte Sondergenehmigung wahr und überträgt beide Spiele im freien Fernsehen. Das ZDF hat sich vielleicht daran orientiert, dass der Frauen-Fußball zuletzt immer gute Einschaltquoten lieferte.