Fußball-Deutschland ist ein Bayern-Land

von knospepeter

Den Leuten, die am Sport vor allem die Spannung lieben, gefällt das nicht. In den obersten Fußball-Ligen in Deutschland dominiert ein Verein so stark, dass es bei der Frage nach dem Meister nur eine Antwort gibt: Bayern München. Das gilt derzeit bei den Männern wie bei den Frauen, sie sind einfach überlegen und arbeiten so gut, dass sie ihre Vormachtstellung sogar für die Zukunft zementieren können. Ausnahmen bestätigen bekanntlich immer die Regel, aber es ist Tatsache: Fußball-Deutschland ist das Bayern-Land!

In dieser Saison beherrschen beide Teams das nationale Fußballgeschehen. Die Männer wurden ebenso frühzeitig Meister wie die Frauen. Die zogen am Mittwoch mit einem 3:2-Sieg bei Union Berlin nach und holten sich vier Spieltage vor Saisonende ebenfalls bereits ihre Meisterschale, so frühzeitig, wie es das in der Frauen-Bundesliga noch nie gegeben hat. Und wie überlegen die Münchnerinnen sind, zeigen die Statistiken: 64 von 66 möglichen Punkten, eine Rekordsiegesserie und ein Torverhältnis von 84:8. Im Ballbesitz macht dem Team des Spaniers José Barcala niemand was vor, es hat die beste Pass- und Zweikampfquote und führt natürlich auch die Fairnesswertung an. Wer den Ball hat, braucht keine Fouls! Diesbezüglich haben die Frauen den Männern noch einiges voraus, doch bei denen ist die Konkurrenz natürlich stärker.

Hand in Hand also zur Meisterschaft, beide Teams stehen auch im Pokalfinale, auf dem Rathausbalkon wird allerdings in diesem Jahr getrennt gefeiert – Terminprobleme. Gemeinsamkeiten gibt es allerdings auch international. Männer und Frauen schafften es jeweils ins Halbfinale der Champions League, haben allerdings ein dickes Brett vor der Nase. Die Frauen sind voraus, haben ihr Heimspiel gegen den großen Favoriten FC Barcelona vor 31.000 Zuschauern in der Allianz Arena bereits absolviert und wahrten mit dem starken 1:1 alle Chancen für das Rückspiel am Sonntag (16.30 Uhr/ZDF) im Camp Nou. Die Bayern.Mädchen tankten Selbstvertrauen, „warum sollten wir nicht in Barcelona bestehen können?“, fragte zum Beispiel Giulia Gwinn. Nach Anlaufproblemen hielten die Bayern mit, die starke Franziska Kett besorgte den Ausgleich, musste dann aber mit Rot vom Platz, weil sie ihre Gegnerin, um sie Aufzuhalten, an den langen Haaren zog. Das gilt bei den Frauen als Tätlichkeit. Zehn Münchnerinnen boten einen heroischen Kampf, hielten das Remis, aber Kett wird sehr fehlen. Problematisch ist auch die Belastung, am Mittwoch muss noch das BL-Nachholspiel in Bremen absolviert werden. Auch bei den Frauen ist Rotation angesagt.

Die Männer haben es nicht einfacher, Trainer Vincent Kompany lässt deshalb in der Bundesliga zunächst nur ein ziemliches B-Team ran und schont die Stars. Die waren am Mittwoch in Leverkusen gefragt und machten mit einem 2:0-Erfolg das Pokalfinale am 23. Mai in Berlin perfekt, Gegner ist Titelverteidiger VfB Stuttgart, der glücklich Freiburg ausschalten konnte. Die Bayern aber schonten sich am Samstag in Mainz und lagen prompt bei Halbzeit mit 0:3 zurück. Aber das kann der Meister nicht auf sich sitzen lassen, nun ließ Kompany die Weltklasse los, brachte Kane, Olise und Musiala. Die Wend gelang und erst zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte machten die Bayern aus einem 0:3 zur Pause einen 4:3-Sieg. Positiver Nebeneffekt: Aufwind für die Duelle mit Paris St. Germain.

Da geht es am Dienstag in Paris und am Mittwoch, 6. Mai, ebenfalls gegen einen Titelverteidiger. Das Halbfinale der Champions League gitl als eigentliches Endspiel, im zweiten Duell stehen sich Arsenal London und Atletico Madrid gegenüber. München und Paris gelten als derzeit beste Mannschaften in Europa. Wer ist die Nummer 1? In der Ligenphase siegten die Bayern in Paris mit 2:1, lieferten in der zweiten Halbzeit mit zehn Mann, weil Doppeltorschützen Diaz mit Rot vom Platz musste, einen großen Kampf. Eine tolle Leistung wird wieder notwendig sein, Paris hat eine neue starke Mannschaft aufgebaut. Mit dem Geld aus Katar wurden erst Stars verpflichtet, aber mit Messi, Mbappé und Neymar klappte es nicht. Sie gingen und es kamen Talente (auch für viel Geld) und Spieler ohne große Namen, aber mit großen Leistungen. Die Stars heißen heute Dembele, Kvaratskhelia und Doue. Dazu kommt ein starkes Mittelfeld, dass von Vitinha angeführt wird. Als Schwachpunkt gilt einzig der russische Torhüter Matvei Sofenov. Paris führt auch die französische Liga wieder an, ist also ebenfalls auf dem Erfolgsweg. Dennoch träumen die Bayern vom Triple. „Träumen darf man“, sagt Kompany.

Freude über Europa, Zittern im Keller

Die Bayern sind nicht allein, weitere 17 Vereine verdienen in der Bundesliga ihr tägliches Brot. Zum Glück gibt es zudem die europäischen Wettbewerbe und da gibt es zum Saisonende die ersten fröhlichen Gesichter. Borussia Dortmund hat zum Beispiel in die Erfolgssspur zurück gefunden und feierte ein 4:0 gegen müde Freiburger. Im Blickpunkt zunächst der 18-jährige Debütant Samuele Inacio, dem eine große Zukunft prophezeit wird. In der Gegenwart feierte die Borussia den erneuten Einzug in die Champions League, der perfekt ist. Auch bei der TSG Hoffenheim wurde gefeiert, mit dem 2:1 beim HSV ist die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb sicher, zum fünften Mal in der Vereinsgeschichte und das trotz Ärger in der Führung. Den Weg dafür bereitete auch Stuttgart, weil mit dem Einzug ins Pokalfinale mit den Bayern feststeht, dass auch der Siebte der Bundesliga in Europa spielt, dem Trostpreis Conference League. Aber ein bisschen Geld gibt es da auch. Um den 7. Platz streiten sich Frankfurt und Freiburg, jeder hat 43 Punkte und nach oben geht nichts mehr. Freiburg will aber noch in der Europa League bestehen, Sporting Braga ist der Gegner im Halbfinale. Machbar, aber Vorsicht, die Portugiesen gewannen sieben von neun Duelle mit deutschen Vereinen. Um die CL-Teilnahme kämpfen vier Teams um zwei Plätze, am kommenden Wochenende gibt es ein direktes Ausscheidungsrennen, denn Leverkusen (55 Punkte) und Leipzig (62) sowie Hoffenheim und Stuttgart (beide 57) treffen direkt aufeinander!

Die halbe Liga schielt nach oben, die halbe Liga schielt nach unten. Außen sind fast nur Augsburg (37) und Mainz (34). Der FCA hat sich mit vier Spielen ohne Niederlage jeglicher Abstiegssorgen entledigt, offen bleibt nur die Trainerfrage. Manuel Baum brachte das Team auf Erfolgskurs, die Spieler würden gerne mit ihm weitermachen. Sein Vertrag endet im Sommer, dann sollte er wieder in die alte Position zurück und dort die Weichen für die Zukunft stellen. Oder will er doch Trainer bleiben? Wir haben Spannung: Was will Baum, was will der Verein?

Solche Sorgen hätten die weiteren Vereine gern. Im Tabellenkeller wird jeder Punktgewinn gefeiert, Gladbach, Bremen und Union sehen sich mit 32 Punkten schon fast gerettet, Köln und der HSV hoffen bei 31 Zählern auf einen glücklichen Ausgang und dass fünf Punkte zum Relegationsplatz reichen. Dort kommt St. Pauli nicht vom Fleck. Beide Hamburger Mannschaften haben die Frühjahrsmüdigkeit. Der HSV ist seit sechs Spielen ohne Sieg, St. Pauli sogar seit sieben! Der VfL Wolfsburg ist als Vorletzter um jeden Punkt froh, jetzt nur noch einer zur Relegation! Gibt es am letzten Spieltag wirklich ein Endspiel der beiden um den Klassenerhalt?. Aber selbst das Schlusslicht mischt noch mit, Heidenheim gibt nicht auf, stürzte St. Pauli mit einem 2:0-Sieg ins Schlamassel und macht sich selbst Mut. Vier Punkte aufholen zur Rettung. Selbst in München hofft Trainer Frank Schmidt, der 2027 aufhören will, auf einen Punktgewinn. „Warum nicht, wir haben sie schon einmal geschlagen“. Na ja, zwischen den Paris-Spielen gegen ein B-Team…

Wer vom Abstieg spricht, darf auch mal einen Blick nach unten werfen, wer aufsteigen könnte. Da kann sich das Oberhaus auf einen attraktiven Rückkehrer freuen, Schalke 04 hat dafür die Weichen gestellt. Der Tabellenführer baute seinen Vorsprung im Spitzenspiel gegen den Zweiten Paderborn aus, liegt drei Spieltage vor Schluss sechs Punkte vor dem Verfolger und sieben vor dem Dritten, Hannover 96. Da sollte eigentlich nichts mehr schief gehen.Entsprechend wurde in Gelsenkirchen schon gefeiert.

Marathon unter zwei Stunden

Es war kein Roboter, es war ein Mensch: Der 29-jährige Kenianer Sabastian Sawe lief als erster Mensch in einem regulären Rennen beim London-Marathon die Distanz unter zwei Stunden. Nach genau 1:59:30 Stunden war er dank Pacemaker und bester Bedingungen im Ziel. Der alte Rekord, von seinem Landsmann Kelvin Kiptum 2023 in Chicago aufgestellt, lautete 2:00:35 Stunden. Wenn eine neue Dimension im Sport erreicht wird, dann tauchen auch immer Zweifel auf. Ging alles mit rechten Dingen zu? Zum Beispiel, weil Kenia schon oft im Dopingverdacht stand, das Höhentraining allein wird es nicht machen. Eigentlich schade, aber wem darf man wirklich trauen?