Streit in der Formel 1: Spaß für die Fahrer oder für die Fans?

von knospepeter

Die Formel 1 musste nach dem Rennen in Japan Ende März eine unfreiwillige Pause einlegen. Der Iran-Krieg verhinderte aus Sicherheitsgründen die Rennen in Bahrein und Saudi-Arabien. Statt 24 gibt es deshalb nur 22 Rennen, aber am Sonntag geht es in Miami in den USA weiter. Bei den Schlagzeilen legte die Königsklasse des Motorsports keine Pause ein, ganz im Gegenteil, um die neuen Motoren und das neue Reglement wurde heftig diskutiert und den nörgelnden Fahrern zumindest ein kleiner Erfolg gewährt: Die Handhabung der Technik wurde geringfügig vereinfacht.

Mit Spannung wurde ja auf die Revolution der neuen Boliden gewartet, die Motoren gehen mit der Zeit und sind zur Hälfte elektrisch, die Autos langsamer und die Reifen kleiner. Für die Fahrer wurde die Arbeit schwieriger, weil sie auch darauf achten müssen, nicht zu viel Energie der Batterie zu verbrauchen, andererseits können sie für Überholmanöver auf einen Booster zurückgreifen – wenn entsprechend geladen wurde. Diese Handhabung ist manchen Assen ein Dorn im Auge, die Vollgasjunkies wollen eben nur eins: Gas geben. Ihr prominentester Vertreter ist Max Verstappen, der schimpft: „Das ist kein Racing, wenn ich in einer Kurve nicht Vollgas fahren kann, das Können des Fahrers zählt nicht mehr so viel.“ Dafür zählen Taktik und Vernunft mehr und der 7fache Weltmeister Lewis Hamilton ist begeistert: „Ich glaube, es ist das beste Racing, das ich je in der Formel 1 erlebt habe“. Tatsache ist, dass es viel mehr Überholmanöver gibt, beim Auftakt in Melbourne waren es 120, im Vorjahr dagegen nur 45! Die Fans sind begeistert. Stellt sich also die Frage: Ist der Spaß für die Fahrer da oder für die Fans?

Die Diskussion über Pro und Contra wird wohl vor allem auch vor dem Hintergrund geführt, wer mit der Technik besser zurecht kommt und wer nicht. Mercedes hat im Vorfeld besonders gut gearbeitet und bisher das beste Auto auf die Piste gebracht. Vielleicht führt auch wegen der neuen Technik ein Teenager das Feld an, weil er mit Computern aufgewachsen ist. Der Italiener Kimi Antonelli ist jedenfalls der neue Star der Branche und liegt vor seinem Mannschaftskollegen George Russell, der angesichts der Klasse von Mercedes als WM-Favorit gehandelt wird. Bei den in den letzten Jahren sieggewohnte Red Bull gibt es dagegen Feuer unter dem Dach, weil die Entwicklung des neuen Boliden nicht so funktioniert hat. Das dürfte auch der Hintergrund der Unzufriedenheit von Max Verstappen sein, der sogar mit einem Abschied aus der Formel 1 liebäugelt. Auch das amtierende Weltmeisterteam McLaren hat noch Nachholbedarf, Ferrari dagegen ist vorne dabei, das gefällt vielen Fans. Und die Neulinge, wie Audi, sind ja nur wegen dem neuen Reglement eingestiegen, weil der Elektroantrieb beste Reklame für die Autos von Otto Normalverbraucher ist.

So wird die goldene Mitte zwischen bestem Racing und besten Verkaufschancen gesucht. Den Fahrern sind die Verbandsfunktionäre insofern ein bisschen entgegengekommen, dass für das die Qualifikation mehr Power zur Verfügung gestellt wird, also weniger mit der Kräfteregelung taktiert werden muss. Das wird Verstappen gefallen, Mercedes wird im Laufe des Rennens überholen. Probleme gab es für viele auch beim Start, auch das soll durch Technikänderung verbessert werden. Aber am Grundsatz darf nicht gerüttelt werden, die neuen Motoren sind zeitgemäß und Überholmanöver sind schließlich das Salz in der Suppe. So werden viele auf die nächsten Rennen in Miami und am 24 Mai in Montreal schauen. Danach kommt die Formel 1 endlich nach Europa, wobei es am 7. Juni in Monte Carlo vielleicht besonders schwierig werden kann. Da muss auch der enge Straßenkurs in die Taktik einbezogen werden.