Bei der Eishockey-WM steht Deutschland unter Druck

von knospepeter

Ein Blick zurück löst Unzufriedenheit aus, der Vize-Weltmeister von 2023 schied sowohl bei der WM 2024 als auch bei Olympia in Mailand sang- und klanglos im Viertelfinale aus und noch schlimmer, 2025 kam das Ende bereits nach der Vorrunde. Der Blick voraus macht einerseits Hoffnung, erhöht andererseits den Druck, denn 2027 findet die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland (Mannheim und Düsseldorf) statt, da wäre Werbung im Vorfeld schon ganz gut. „Vorfeld“ heißt bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in der Schweiz, die in Zürich und Fribourg ausgetragen wird und bei der Deutschland endlich wieder einmal für positive Schlagzeilen sorgen soll – und natürlich auch will.

Unter Druck steht besonders Bundestrainer Harold Kreis, der 66-Jährige musste sich nämlich nach dem Olympiaturnier einige Kritik anhören. Sein Coaching wurde ebenso kritisiert wie sein Umgang mit den Spielern, er hätte eindeutig die Stars aus der NHL favorisiert und deshalb wäre keine richtige Mannschaft am Start gewesen. Bei Olympia spielten überhaupt die NHL-Stars die Hauptrolle, weil die NHL pausierte, diesmal ist es so wie immer, in Nordamerika geht es um die Entscheidung im Stanley Cup, die WM spielt nur eine Nebenrolle und im Vergleich zu Olympia auch nur die zweite Geige. Dennoch will jeder Weltmeister werden und ein paar Vorzeige-Stars sind dabei, so Sidney Crosby (Pittsburgh) und Macklin Celebrini (San José) für Kanada oder Matthew Tkachuk (Florida) für die USA.

Gespielt wird in der Vorrunde in zwei Gruppen mit je acht Nationen, die jeweils vier besten Teams qualifizieren sich für das Viertelfinale. Der große Favorit ist die USA, die als amtierender Weltmeister und Olympiasieger auf das Eis geht. Rekordweltmeister Kanada will aber ebenfalls wieder mal ganz oben stehen und Schweden dürfte mit einer starken Mannschaft am Start sein. Gastgeber Schweiz ist zumindest der Einzug ins Halbfinale zuzutrauen, Erfolgstrainer Patrick Fischer musste nach einer Verfehlung aber gehen.

Für das DEB-Team, das in Zürich spielt, beginnt das Turnier gleich mit den größten Prüfungen. Finnland ist am Freitag (16.20 Uhr) der erste Gegner, gegen Lettland könnte es am Sonntag (20.20 Uhr) danach das vorentscheidende Spiel um Platz vier in der Gruppe geben, danach folgen Gastgeber Schweiz (Montag, 20.20 Uhr) und Titelverteidiger USA (20. Mai, 20.20 Uhr). Danach wird es leichter, muss gegen Ungarn (22., 16.20 Uhr), Österreich (23., 20.20 Uhr) und Großbritannien (25., 20.20 Uhr) auf jeden Fall gepunktet werden. Die Spiele gibt es übrigens live auf ProSieben im Free-TV und MagentaSport im Streaming.

Bundestrainer Harold Kreis muss auf einige NHL-Stars verzichten, vor allem der große Star Leon Draisaitl fehlt, der sich mit Verletzungen schon in der NHL quälte und mit Edmonton im Stanley Cup in der ersten Runde ausschied. Mit Tim Stützle (Ottawa) fehlt ein weiterer Top-Stürmer. Dafür ist Josh Samanski von den Oilers dabei und vor allem Verteidiger Moritz Seider (Detroit) und Torhüter Philipp Grubauer (Seattle) gelten als die großen Mannschaftsstützen. Ansonsten baut der Bundestrainer vor allem auf die Meisterspieler der Eisbären Berlin, die gleich mit sechs Mann vertreten sind. Außerdem wollen Kreis und Sportdirektor Christian Künast versuchen, dass wieder ein echtes Team bei der WM zu sehen ist. Allerdings fehlt erstmals der langjährige Kapitän Moritz Müller, der bei Olympia jedoch sein Amt an Leon Draisaitl abgeben musste, was allein tief blicken ließ. Kampfgeist und Zusammenhalt sind also gefordert, damit Deutschland nicht wieder eine WM-Enttäuschung erlebt. Eishockey hat viele Fans in Deutschland, das zeigt sich auch daran, dass die DEL wieder einen Zuschauerrekord vermelden durfte. Das Aushängeschild einer Sportart ist aber die Nationalmannschaft, allerdings auch nur dann, wenn sie Erfolge vermelden kann. Das Viertelfinale kann deshalb nur das Minimalziel sein.