Die Bilanz der Bundesliga: Das Jahr der Bayern und von Freiburg

von knospepeter

Die Saison 2025/26 endete mit einem Krimi, die Sieger heißen Stuttgart, Freiburg und Wolfsburg. Doch zieht man eine Bilanz, dann war es das Jahr der Bayern und vom SC Freiburg. Die Bayern beherrschten die Liga, Freiburg war das Überraschungsteam, das sich am letzten Spieltag als Nobody die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb sicherte. Am Mittwoch steht das größte Vereinsereignis bevor, das Finale der Europa League in Istanbul gegen Aston Villa. Ein Sieg, und die Schuster-Buben ziehen in die Champions League ein. Mit Platz 7 in der Bundesliga ist ihnen aber die Conference League sicher. Julian Schuster war wieder ein Trainer des Jahres.

Gefeiert wurde aber auch in Stuttgart, in Frankfurt vergab der VfB zwar einen 2:0-Vorsprung, doch das 2:2 reichte zu Platz vier und den Sprung in die Champions League. Dazu steht ja am Samstag noch das Pokalfinale gegen die Bayern an. Auch Sebastian Hoeneß darf sich feiern lassen. Den Weg frei machten aber Hoffenheim und Leverkusen, die zum Saisonschluss patzten, aber in der Europa League spielen dürfen. Das 0:4 von Hoffenheim in Gladbach war fast eine Blamage, Bayer mühte sich zum 1:1 gegen den HSV, was sinnbildlich für eine enttäuschende Saison war. In der Trainerfrage als Nachfolger von Xabi Alonso agierte der Verein unglücklich, Erik ten Hag wurde schnell abgelöst, aber auch Kasper Hjumland war keine Idealbesetzung, er kam mit der Mannschaft nicht zurecht, es gab keine Konstanz. Seine Ablösung gilt als sicher, als Nachfolger werden Oliver Glasner, dessen Vertrag bei Crystal Palace ausläuft, und der Spanier Michel (Gorona), der ebenfalls frei ist, gehandelt. Als sicher gilt auch, dass sich Frankfurt von dem exzentrischen Albert Riera trennt. Der Spanier wurde im Training dieser Tage von Jonathan Burkhardt beleidigt, der 20.000 Euro Strafe zahlen muss, gegen Stuttgart dennoch zum Zug kam und beide Tore per Elfmeter erzielte. Als Nachfolger von Riera ist u. a. der einstige Eintracht-Coach Adi Hütter im Gespräch. „Ich liebe die Eintracht immer noch“, sagt der Österreicher.

Frankfurt verlor den Kampf um die Conference League, von den drei Kontrahenten war nur Freiburg mit dem 4:1 über Leipzig strahlender Sieger, der zuletzt aufstrebende FC Augsburg erlebte zum Saisonschluss mit 0:4 bei Union Berlin eine Pleite. Trainer Manuel Baum führte als Nachfolger des unglücklichen Sandro Wagner den Verein aber noch Platz 9, die drittbeste Platzierung des FCA in der Bundesliga. Es liegt wohl an Baum selbst, ob sein Vertrag in Augsburg verlängert wird. Was schlecht anfing, wurde am Ende doch noch eine gute Saison. Und der Sieg in München wird ewig in Erinnerung bleiben.

Ein chaotisches Jahr endete auch für den VfL Wolfsburg insofern noch glücklich, weil wenigstens die Relegation erreicht wurde. Das war von vornherein das realistische Ziel von Dieter Hecking, der dem Schlusslicht als dritter Trainer des Jahres neue Hoffnung gab, aber noch ist die Bundesliga natürlich nicht sicher. Am 21. und 25. Mai geht es gegen den Dritten der 2. Bundesliga um den Platz im Oberhaus. Bei diesen Duellen siegte meist der Bundesligist, das dürfte Wolfsburg Zuversicht geben. Dieter Hecking wird als Trainer wohl aufhören, aber er als sportlicher Leiter weiter dem Verein zur Verfügung stehen. Schließlich hat er für Ruhe beim VfL gesorgt.

Absteigen müssen der FC St. Pauli und der 1. FC Heidenheim. Eine fast unglaubliche Parallele, das ausgerechnet die beiden Absteiger ihre Trainer nicht wechselten. St. Pauli scheiterte an der mangelnden Torgefährlichkeit, erzielte mit 29 mit Abstand die wenigsten Tore. Das traurige Resultat ist der fünfte Abstieg – Rekord in der Bundesliga. Auch für Heidenheim ist das Abenteuer Bundesliga (vorerst?) beendet. Ein sympathischer Verein nimmt Abschied, der mit Frank Schmidt den dienstältesten Trainer im Profi-Fußball stellt. Schmidt kokettierte mit einem Abschied, will aber zumindest noch ein Jahr an Bord bleiben.

Ganz anders sieht es bei den Bayern aus, sie dominierten das Geschehen und werden sich ärgern, dass der Ausrutscher gegen Augsburg verhinderte, dass sie ein Jahr ungeschlagen blieben. Selbst zum Schluss gab es nicht nur die Meisterschale und eine große Jubelfeier, sondern auch weitere Ehrungen. Torjäger Harry Kane beendete das Jahr mit drei Treffern beim 5:1 gegen Köln und wurde in allen drei Jahren bei den Bayern Torschützenkönig mit 36, 26 und jetzt wieder 36 Toren. Das gab es noch nie. Insgesamt 24mal holten Bayern-Spieler die Torjäger-Kanone! Die Münchner pulverisierten auch ihre eigene Bestleistung an Saisontoren von 101 auf 122. Dazu wurde Michael Olise von der DFL zum „Spieler der Saison“ gewählt. Kane gewann auch vor Olise die Skorerwertung der Saison.

Das sollte erwähnt werden: Die Bundesliga verliert vier erfolgreiche Schiedsrichter, Deniz Aytekin, Patrick Ittrich, Tobias Welz und Frank Willenborg beenden ihre Laufbahn. Sie werden eine Lücke hinterlassen, vor allem die beiden Ersten beeindruckten mit Empathie und guter Konversation mit den Spielern.

Rekordsieger gegen Titelverteidiger

Die Krönung fehlte freilich den Bayern, die bekanntlich im Halbfinale der Champions League gegen Paris St. Germain knapp ausschieden. Paris steht als Titelverteidiger wieder im Finale – wie der VfB Stuttgart im DFB-Pokal. Ein zweites Mal wollen die Münchner aber nicht gegen einen Titelverteidiger den Kürzeren ziehen, sondern sie haben das Double im Visier. So stehen sich am Samstag in Berlin der Rekordsieger mit 20 Pokalgewinnen und der Titelverteidiger gegenüber, Stuttgart gewann bisher viermal den Pott (Bremen 6x, Dortmund, Frankfurt, Schalke je 4x). Der VfB setzte sich im Vorjahr gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld mit 4:2 durch und befindet sich in guter Form. In der Bundesliga siegten die Bayern aber 5:0 in Stuttgart und 4:2 zu Hause. Und die Männer wollen den Frauen nicht das Feld allein überlassen, die mit einem 4:0 gegen Wolfsburg zum zweiten Mal in Folge das Double aus Meisterschaft und Pokal gewannen. Die Männer gewannen zuletzt 2000 den Pokal. Die Sehnsucht ist also groß.

Bei den Bayern steht wieder ein Fragezeichen über dem Einsatz von Torhüter Manuel Neuer, der „was an der Wade spürte“ und gegen Köln vorzeitig den Platz verließ. Im Gespräch war er schon vorher, weil er einmal seinen Vertrag bei den Bayern um ein Jahr verlängert hat, zum anderen wurde er permanent als WM-Torhüter propagiert. Die Wade zeigt aber, dass der 40-Jährige der WM-Belastung wohl nicht mehr gewachsen ist, außerdem wäre es ein Affront gegen den neuen Stammkeeper Oliver Baumann, auch wenn der zuletzt etwas schwächelte. Baumann erhielt aber vom Bundestrainer einen Vertrauensbeweis. Neuer-Vertreter Jonas Urbig sollte wie im Verein auch bei der WM quasi der Neuer-Vertreter sein.

Bayern-Frauen die Nummer 1

Das Blatt hat sich gewendet, der VfL Wolfsburg kann bei den Frauen mit den Bayern nicht mehr mithalten und was die Zukunft angeht, so sieht es eher schlecht aus. Die Wölfinnen erinnerten sich vor dem Pokalfinale in Köln noch an ihre glorreiche Zeiten, sie gewannen ja zehnmal in Folge den Pokal, 2018 schlugen sie die Bayern im Elfmeterschießen, 2024 waren sie 2:0 überlegen, doch diesmal sorgten die Bayern mit einem 4:0-Sieg für klare Verhältnisse. In der Champions League im Halbfinale und wieder das Double – es war das erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Bayern-Frauen. Und die Zukunft soll noch besser werden, die Bayern haben den CL-Sieg im Visier, in Deutschland sind sie klar die Nummer 1. Mittelfeldmotor Georgia Stanway wird nach vier erfolgreichen Jahren den Verein zwar verlassen, aber die Dauerverletzten Lena Oberdorf und Sara Zadrazil sollten endlich zurückkehren. Weitere Verstärkungen sind im Visier. Dagegen muss Wolfsburg wieder einen Umbruch bewältigen, für die traurige Alexandra Popp war es kein schöner Abschied vom VfL, bekanntlich will sie den Aufbau bei ihrem Herzensverein Borussia Dortmund forcieren und auch Sportvorstand Ralf Kellermann will Dortmund in Höhen wie einst Wolfsburg führen. Doch noch spielt die Borussia in der dritten Liga. Bahn frei also für die Bayern!