Verstappen kann die Formel-1-WM noch einmal spannend machen

von knospepeter

Erinnern wir uns an das Vorjahr, als Titelverteidiger Max Verstappen mit Red Bull abgeschlagen war und für ihn keiner mehr einen Pfifferling gab. Doch plötzlich begann eine beeindruckende Aufholjagd und McLaren und Lando Norris retteten sich gerade noch ins Ziel. Das Spiel könnte sich in diesem Jahr wiederholen, allerdings wird es für die Niederländer noch ein bisschen härter. Die Sommerpause ist beendet, die zweite Saisonhälfte beginnt am Wochenende ausgerechnet in Verstappens Heimat, in Zandvoort. Den nötigen Schwung könnte er sich geholt haben, denn seinen bis 2028 laufenden Vertrag bei Red Bull hat er bis 2030 verlängert. Alle Abwander-Spekulationen haben sich damit erledigt.

Mercedes hatte bei der Frage, ob man Interesse an Verstappen habe, bereits abgewunken. Die erfolgreiche Fahrerpaarung George Russell und Kimi Antonelli bleibt erhalten. Vielleicht war es auch deshalb für Red Bull leichter, den viermaligen Weltmeister zu halten. Schwerer wird es, den sensationellen 19-jährigen Italiener Antonelli aufzuhalten. Sechs der elf Saisonrennen hat er gewonnen, obwohl er einmal sogar durch einen technischen Defekt ausfiel. Antonelli hat bisher 219 Punkte geholt und damit 50 Zähler Vorsprung vor Comebacker Lewis Hamilton (Ferrari) und 59 vor seinem Stallgefährten Russell. Verstappen folgt erst auf Rang sechs mit 110 Punkten Rückstand, das zeigt, dass die Aufholjagd nicht leicht wird, zumal die Dominanz von Mercedes mit dem besten Auto keineswegs ins Wanken geriet. Auch in der Konstrukteurswertung ist Red Bull nur Vierter (177 Punkte), Mercedes führt (379) vor Ferrari (307) und McLaren (220).

Die Regeländerungen mit neuen Motoren haben sich bewährt, sie haben die Formel 1wieder interessanter gemacht, es gibt mehr Überholmanöver, vor allem im Feld, das insgesamt ausgeglichener wurde. Das Motorenmanagement ist für manchen Fahrer fast zu kompliziert, Kimi Antonelli beherrscht es allerdings perfekt und kann so Probleme beim Start mit seinem starken Mercedes wieder kompensieren. Schlechter dran sind vor allem die Neulinge Audi und Cadillac. Während aber Audi immer im Kampf um die Punkte mitmischt, gehören die Amerikaner zu den Hinterherfahrern, sie sind in der Formel 1 noch nicht angekommen. Bisher reichte es für Sergio Perez und Valtteri Bottas nicht einmal für einen Punkt. Ähnlich schwach ist überraschend Aston Martin trotz Fernando Alonso, das Auto funktioniert überhaupt nicht, der Spanier ist frustiert. Gerade einmal ein Pünktchen sind für einen Ex-Weltmeister demütigend. Partner Lance Stroll gilt als Crash-Pilot des Feldes, keine gute Aussichten also. Da geht es dem Deutschen Nico Hülkenberg bei Audi schon besser. Zwar hat Kollege Gabriel Bortoleto noch mehr Punkte eingefahren, aber Audi ist mit seiner Fahrer-Paarung zufrieden. Das erste Jahr gilt sowieso als Lehrjahr und gelernt haben die Ingolstädter schon sehr viel. Platz acht ist im Rahmen der Erwartungen, in der zweiten Saisonhälfte soll es sogar weiter aufwärts gehen.

Die Fans dürfen sich also auf eine spannende zweite Saisonhälfte freuen. An Beliebtheit hat die Formel 1 weltweit zugenommen, vor allem in den USA befindet sie sich im Aufwind. Leider steht Deutschland bei den Rennen weiterhin im Abseits, aber es gibt Hoffnung. Zandvoort ist zum letzten Mal Ausrichter, will oder kann sich die teure Veranstaltung nicht mehr leisten. Dafür zeigt Hockenheim wieder Interesse, dort haben sich die Besitzverhältnisse geändert, es gibt angeblich Sponsoren, um das finanzielle Budget zu stemmen. Für Deutschland haben die Formel-1-Bosse immer ein offenes Ohr, denn der Markt hierzulande gilt als lukrativ. Doch deswegen verschleudern sie nicht ihr wertvolles Produkt. Leichter wäre es, wenn auch Deutschland wieder einen Siegfahrer hätte.