Jürgen Klopp überrascht die Fußball-Welt – Jetzt müssen nur noch Siege her!
von knospepeter
Am Wochenende stand die Bundesliga noch im Mittelpunkt, doch ab Montag dreht sich in Fußball-Deutschland alles um die Nationalmannschaft. Vier Spiele stehen in der Nations League an und der neue Bundestrainer Jürgen Klopp hat trotz aller Gerüchte im Vorfeld alle überrascht. Er nominierte 44 Spieler in zwei getrennten Kadern, das hat es bisher noch nie gegeben. Da wunderte sich die ganze Fußball-Welt, von „Klopp revolutioniert Deutschland“ über „Wahnsinn“ bis „bizarrer neuer Ansatz“ lauteten die Kommentare. Jürgen Klopp hat ein einfaches Argument: „Ich möchte möglichst viele Spieler sehen.“ Ob es der richtige Ansatz ist, kann erst die Zukunft zeigen, jetzt müssen nämlich auch Siege her, um die Stimmung wieder zu verbessern. Klopp beruhigt die Gemüter: „Natürlich will ich auch gewinnen.“
Wieder gibt es also einen Neustart bei der Nationalmannschaft, zuletzt hatte es weder 2021 mit Hansi Flick noch 2023 mit Julian Nagelsmann geklappt. Das DFB-Team gehört nicht mehr zur Spitze im Welt-Fußball, das soll unter Jürgen Klopp wieder anders werden. Der 59-Jährige hat einen Vertrag bis zur Weltmeisterschaft 2030, der DFB will ihm also Zeit einräumen. Skeptiker unken nämlich, „was passiert denn, wenn Klopp die Spiele verliert?“ Das käme in der Tat einer Katastrophe gleich. Der Auftakt hat es am Donnerstag (20.45 Uhr) in Amsterdam schon in sich, der alte Kontrahent Niederlande ist der Gegner, mit dem Spanier Xavi agiert dort ebenfalls ein neuer Trainer. Augsburg sieht am Sonntag das Klopp-Debüt in Deutschland gegen Griechenland, am Donnerstag, 1. Oktober, ist in München Serbien der dritte Gegner, ehe am Sonntag, 4. Oktober das Rückspiel in Griechenland folgt. Erstmals gibt es eine so lange Länderspielpause, Zeit genug also für die neuen Trainer ihre Spieler kennenzulernen. Aber mit zwei Kadern wie Klopp arbeitet kein Kollege.
Auffallend ist, das der neue Bundestrainer vor allem junge, unverbrauchte Spieler sehen will, die zwar noch über wenig Erfahrung verfügen, sich noch nicht über längere Zeit in Bestform zeigen konnten, aber in den ersten Punktspielen aufgefallen sind. Im ersten Kader betrifft das unter anderem Behrens (Augsburg), Bisseck (Inter Mailand), Treu (Freiburg), Conté (Hoffenheim), Engelhardt (Freiburg) und Ebnoutalib (Frankfurt). Dafür wurden ältere Spieler nicht berücksichtigt (Groß, Andrich), andere sind verletzt oder nicht in Form (Goretzka, Stiller, Sané), könnten aber in Zukunft noch eine Rolle spielen. Ein Comeback feiert Torhüter Marc ter Stegen ausgerechnet in der neuen Heimat Amsterdam, denn bei Ajax hat er zuletzt überzeugt. Der Augsburger Keeper Finn Dahmen ist der einzige Spieler in beiden Kadern, allerdings gilt Neuer-Vertreter Jonas Urbig von den Bayern als Nationaltorhüter der Zukunft. Aber selbst Kapitän Joshua Kimmich (wieder im Mittelfeld) bekommt beim zweiten Lehrgang eine Pause, was ihm wohl gar nicht schmecken wird. Auch Musiala und Wirtz kommen nicht zusammen. Die Vereinstrainer sind allerdings froh, man hört „schön, wenn die Spieler auch ein bisschen Pause bekommen“. Einen Wechsel hat es am Montag noch gegeben, im Homeground in Herzogenaurach tauchte Karim Adeyemi für den ersten Lehrgang auf, er wechselte mit Lennart Karl.
So könnte das erste Team (im von Klopp bevorzugten 4-3-3) aussehen: ter Stegen – Treu, Tah, Schlotterbeck, Brown – Engelhardt, Kimmich, Nmecha – Adeyemi Havertz, Musiala.
Dortmund führt, Bayern trifft
Allen Unkenrufen zum Trotz könnte es doch eine spannende Bundesliga-Saison werden – auch an der Spitze. An vier Spieltagen gab es jetzt vier Tabellenführer und rechtzeitig zur dreiwöchigen Länderspielpause thront Borussia Dortmund ganz oben, als einziges Team ohne Punktverlust. Die Kovac-Schützlinge zeigen eine gewisse Beständigkeit, die ihnen in den letzten Jahren abging und bauen vor allem auf eine starke Abwehr. So reichte beim Spitzenspiel in Stuttgart ein Tor von Maxi Beier, der sich ärgert, dass er von Klopp nicht nominiert wurde. Auf Platz zwei schoben sich die Bayern vor, die eigentlich den Platz an der Sonne beanspruchen. Schon heute haben sie einen Termin im Auge, am 31. Oktober kommen die Dortmunder nach München. „Spätestens dann werden wir sie ablösen“, droht Bayern-Boss Dreesen.
Dortmund führt, Bayern trifft. Den holprigen Start schossen sie sich mit einem 7:0 gegen das bedauernswerte Union Berlin von der Seele. Der Gegner fühlte sich „wie bei einem Zahnarztbesuch“. Die Bayern feierten aber vor allem Torjäger Harry Kane, der wieder einen Rekord erzielt hat. Er schoss sein 100. Bundesliga-Tor im 98. Spiel und übertrumpfte damit alte Größen, wie Dieter Müller (damals Köln), der bisher mit 129 Spielen für 100 Tore Rekordhalter war und Legende Gerd Müller (Bayern, 136 Spiele) und Lothar Emmerich (Dortmund, 140). Da ist sogar Kane ein bisschen stolz: „100 Tore in zwei Ligen, das ist schon was“. In England ist er Rekordhalter mit 213 Toren in 320 Spielen. Er konterte damit auch Barca-Talent Lamine Yamal, der behauptete, Toreschießen wäre nicht alles, er oder Mbappé wären die einzigen ernsthaften Anwärter um den „Ballon d:Or“ als weltbester Fußballer zu erhalten. Kane brachte dagegen noch andere ins Gespräch, Vereinskollegen Michael Olise, der erstmals in seiner Karriere drei Tore in einem Spiel erzielte und Spaniens Mittelfeldstar Rodri. Am 26. Oktober fällt die Entscheidung.
Manche Bundesligisten werden froh um die Länderspielpause sein. Vor allem in Gladbach ist zittern angesagt, Schlusslicht, noch kein Sieg, da geht die Angst um. Eine Herkulesaufgabe für den neuen Trainer, der Alexander Blessiin (zuletzt St. Pauli) heißen könnte. Aber auch Union kommt nicht in Fahrt und Stuttgart sowie Hoffenheim wundern sich auch über den Platz im Tabellenkeller. Freude dagegen in Hamburg, 2:1 gegen Köln, der HSV kann doch noch gewinnen!
Neue Heimat für die Bayern-Frauen
Dei Männer haben den Start der Champions League hinter sich, für die Frauen geht es am Dienstag los. Leider ist mit Bayern München nur ein Bundesligist dabei, Wolfsburg und Frankfurt schaffte die Qualifikation nicht und treten im Europa Cup an. Die Bayern haben ein schweres Los für die Ligaphase erwischt, so kommen Real Madrid und der FC Barcelona nach München, auswärts geht es zu Benfica Lissabon, Paris St. Germain und Austria Wien. Der Start am Dienstag (18.45 Uhr) erfolgt aber gegen Manchester City – und das in einer neuen Heimat!
Erstmals treten die Münchnerinnen in Unterhaching an, den Sportpark hat der Verein von der Stadt Unterhaching für das Frauen-Team gekauft. Da finden in diesem Jahr alle CL-Spiele statt, künftig sollen die Mädchen dort immer spielen. Außerdem soll sich ein Campus anschließen, um den Frauen-Fußball zu fördern. Das verspricht eine goldene Zukunft, was die Gegenwart angeht, ist jetzt schon das Finale der CL das Ziel. Doch die Hürden sind hoch. ManCity ist ein Beispiel dafür, dass die reichen Klubs die besten deutschen Spielerinnen wegholen. Allerdings sind Rebecca Knaak und Ex-Bayerin Sydney Lohmann derzeit verletzt. Dafür trumpft bei City Carlotta Wamser auf, deutscher Shooting-Star und für 600.000 Euro von Leverkusen nach England geholt. Auch die Bayern hatten sie auf dem Zettel. Verletzungssorgen haben auch die Müncherinnen, die aber nach dem 5:2 über Köln wieder die Bundesliga anführen, nachdem Hauptkonkurrent Wolfsburg mit 1:2 bei der TSG Hoffenheim gestolpert ist.
Deutschland sucht den Olympia-Kandidaten
Am Samstag, 14 Uhr, ist der große Moment: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird in Baden-Baden einen Umschlag öffnen und den Namen des deutschen Olympia-Kandidaten für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 nennen. Nach dem Rückzug von Hamburg gibt es noch drei Bewerber, wobei sich im Vorfeld folgende Reihe der Favoriten herausgebildet hat:Vorne sieht man München mit seinen vorhandenen Sportstätten und dem international guten Ruf, die Region KölnRheinRuhr wirbt ebenfalls mit bestehenden Sportstätten und verspricht dem IOC große Einnahmen, eine Rekordzahl von 17 Millionen Eintrittskarten soll verkauft werden (München schätzt 14 Millionen). Ins Hintertreffen geriet ein wenig Berlin, zumal jetzt die Linken die Wahl gewonnen haben und gegen eine Olympia-Bewerbung sind.
Der Deutsche Olympische Sport-Bund hat ein besondere Versammlung, die die Entscheidung trifft. Zwei Jahre lang konnten sich die Kandidaten quasi präsentieren, eine Kommission gibt noch ein Urteil der Prüfungen an. Insgesamt werden 143 Stimmen vergeben, die 42 Spitzenverbände haben jeweils drei Stimmen, dazu stimmen ausgewählte Athleten, Funktionäre und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ab. Das IOC wird 2029 über die Olympia-Vergabe 2036 entscheiden, Indien gilt dabei als besonders starker Kandidat.