Kraftakt der Bayern: Kein Trainer, keine Stars, aber Punkte!

von knospepeter

Die erfolgsverwöhnten Bayern erleben derzeit schwere Zeiten. Dabei geht es nicht um den Sport, der natürlich dennoch im Mittelpunkt steht und Ursache ist, es geht vor allem um den oder die Menschen. Der Zusammenbruch von Trainer Vincent Kompany am Freitag, als er nach dem Training der Profis noch die zweite Mannschaft besuchte, hat den Verein erschüttert. Der 40-jährige Belgier hat mit seinem Körper offensichtlich Raubbau betrieben, zu viel Stress und dazu eine Viruserkrankung unterschätzt. Jetzt brachte ihn der Notarzt in ein Krankenhaus, sein Zustand wird als stabil bezeichnet, Probleme mit dem Herz werden ausgeschlossen. Jetzt ist Erholung angesagt, die nicht nur Tage betrifft, sondern einige Wochen andauern kann. Weltweit zeigte sich die Sportwelt erschüttert, zahlreiche Kollegen übersandten Genesungswünsche. Nicht umsonst nehmen sich manche Trainer nach einem Engagement eine längere Auszeit, ununterbrochen in der Verantwortung zu stehen und nur an die Mannschaft zu denken, verträgt nicht jeder, richtige Entspannung ist auch eine Kunst. Solche Ereignisse sollten aber jedem deutlich machen: Sei achtsam mit dir selbst!

Bei den Bayern kommt aber derzeit alles zusammen, nicht nur der Trainer fehlt, sondern auch einige Stars. Ebenso erschütterte die Nachricht, dass es bei Joshua Kimmich einen Todesfall im engen Familienkreis gab, wie inzwischen bekannt, ist sein 57 Jahre alter Vater an einem Herzinfarkt gestorben. Auch Kimmich wird Zeit gegeben, ehe er sich wieder mit dem Fußball ablenken kann. Das passt in die Reihe der besonderen Ausfälle, denken wir an den Zusammenbruch von Jamal Musiala, der ebenso fehlt wie die verletzten Diaz, Kim, Neuer und Pavlovic. Bei all den Geschehnissen betonen die Bayern, dass sie eine echte Familien sind und man sich um jeden intensiv kümmert. So brachte „Familienoberhaupt“ Uli Hoeneß dem erkrankten Kompany besonders leckeres Essen ins Krankenhaus.

Es ist derzeit ein Kraftakt der Bayern, kein Trainer, keine Stars und dennoch gab es Punkte. Der 3:1-Sieg beim Verfolger SC Freiburg hat deshalb besondere Bedeutung, weitere schwere Aufgaben folgen Schlag auf Schlag, im Pokal gegen Magdeburg, Bundesliga-Schlager gegen Dortmund, Gastspiel bei Atletico Madrid. Eine Rotation, die geboten wäre, ist nicht möglich. Dennoch beendeten die Bayern eine Serie, sechs verschiedene Tabellenführer an den ersten sechs Spieltagen gab es noch nie, jetzt bannte der Titelverteidiger den Fluch, erstmals gewann der Spitzenreiter sein nächstes Spiel. Die Freiburger haderten, denn sie müssen jetzt mit einer Serie von drei Niederlagen fertig werden. Ob es im Pokal am Mittwoch gegen Wolfsburg besser läuft? Aber wir kennen Freiburg, im Verein bleibt es ruhig…

Feuer unter dem Dach war dagegen in Mönchengladbach, ging doch der Saisonstart total in die Hose, in Stuttgart drohte die siebte Niederlage, was ein neuer Bundesliga-Rekord gewesen wäre. Wurde es nicht, obwohl die Gladbacher eine Vielzahl von Ausfällen beklagten, dabei war aber der 17-jährige Wael Mahya, der den VfB schwindlig spielte und mit drei Torbeteiligungen den 3:2-Sieg in die Wege leitete. Damit bleiben die Gladbacher zwar Schlusslicht, haben aber Anschluss gefunden. Besser läuft es in Bremen, das in Mainz ebenfalls 3:2 siegte, weil Niclas Füllkrug trifft und trifft. Das wird auch Bundestrainer Jürgen Klopp aufmerksam verfolgen. Werder feiert den besten Saisonstart seit acht Jahren auf Rang sechs, Füllkrug hat den Vereinsrekord von Rudi Völler im Visier, wenn er auch am Samstag gegen Hoffenheim trifft. Hoffenheim feierte übrigens auch, beim überraschenden 3:0-Sieg gegen Leverkusen erzielte Andrej Kramaric den 1000. Bundesliga-Treffer des Vereins.

Alle Augen sind in der Bundesliga aber auf das große Duell der punktgleichen Spitzenteams Bayern und Dortmund am Samstag in der Allianz Arena gerichtet. Die Bayern ballern, Dortmund sammelt mit knappen Siegen die Punkte. Im Vorjahr siegten die Münchner 2:1 und 3:2, jetzt könnte die Borussia die Gunst der Stunde des angeschlagenen Gegners nutzen. Oder gelingt den Bayern der nächste Kraftakt?

DFB-Pokal: Nur ein Underdog dabei

Der DFB-Pokal ist eigentlich eine reizvolle Aufgabe für die Amateurklubs, um einmal prominente Namen begrüßen zu können und andererseits, um für Überraschungen sorgen zu können. Die blieben in der ersten Runde weitgehend aus, mit dem SSV Jeddeloh II ist nur noch ein Regionalligist dabei, dafür musste bisher kein Bundesligist ausscheiden. Jeddeloh trägt seine großen Spiele in Oldenburg aus und besiegte den FC Heidenheim mit 5:2. Nun kommt am Mittwoch Hertha BSC Berlin nach Oldenburg. Geht das Märchen weiter?

In der 2. Runde gibt es vier Bundesliga-Duelle, Start ist am Dienstag (18 Uhr) mit Hamburg – Frankfurt, außerdem duellieren sich Köln – Union Berlin, Dortmund – Bremen (kürzlich 2:2!) und Paderborn – Stuttgart. Titelverteidiger Bayern München hat am Mittwoch (20.45 Uhr) den Zweitligisten FC Magdeburg zu Gast, weitere Duelle Unterhaus gegen Oberhaus sind Bochum – Mainz, Gladbach – Karlsruhe, Elversberg – Darmstadt, Dresden – Schalke, Freiburg – Wolfsburg, Kiel – Hoffenheim und Leverkusen – Nürnberg. Zwei Drittligisten empfangen Erstligisten (Großaspach – Augsburg, Essen – Leipzig), außerdem gibt es das Zweitliga-Duell Hannover – Kaiserslautern. Weiter geht es am 1./2. Dezember mit dem Achtelfinale.

Torflut in der Frauen-Bundesliga

Die Zuschauer bei den sieben Spielen der Frauen-Bundesliga bekamen am Wochenende etwas geboten, es fielen insgesamt 33 Tore und es gab spannende Spiele. Den Vogel schoss die Partie HSV – Union Berlin ab, die sich vor 4000 Zuschauern 4:4 trennten, dabei führten die Hamburgerinnen mit 2:0 sowie 3:1 und 4:3. Der Ausgleich fiel in der 85. Minute. Hamburg (6 Punkte) steckt ebenso im Abstiegskampf wie das noch punktlose Schlusslicht Mainz 05, der Vorletzte Nürnberg (5), Stuttgart (8) und Hoffenheim (9).

Die beiden Spitzenteams ließen nichts anbrennen, Bayern München besiegte Leipzig mit 5:1 und blieb damit in 50 Spielen ungeschlagen! Wolfsburg bleibt in der Verfolgerrolle mit dem 3:0 gegen Köln. Beide Teams müssen ebenso wie Eintracht Frankfurt international ran. Die Bayern-Mädchen erwarten dabei am Mittwoch (18.45 Uhr) als einzige deutsche Mannschaft in der Champions League die Nummer 2 in Spanien (hinter dem FC Barcelona), Real Madrid. Die Bayern sind nach zwei Spielen Vierter der Liga, Real nach zwei Unentschieden nur Zwölfter. Im Sportpark in Unterhaching, wo die Bayern ihre CL-Spiele austragen, tauchen viele bekannte Gesichter auf. Real hat in den letzten Jahren vor allem Anleihen aus der Bundesliga genommen. Arianne Caruso wechselte erst im Sommer von München nach Madrid, aber auch Sara Däbritz und Lineth Beerensteyn trugen schon das Bayern-Trikot. In der Bundesliga spielten auch Torhüterin Merle Frohms, Elisa Senß und Janou Levels.

Im Europa Cup treten am Mittwoch in der K.o.-Runde des Achtelfinals der VfL Wolfsburg (gegen Feyenoord Rotterdam) und Eintracht Frankfurt (bei PSV Eindhoven) an. Auch da können die Klubs Werbung für die Frauen-Bundesliga betreiben. Die Rückspiele sind am 10./11. November.