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Kategorie: Bayern München

Bayern und Pep: Das Triple oder es war nix!

 

Der Countdown läuft. Die Fußball-Welt weiß, Trainer Pep Guardiola wird am Saison-Ende den FC Bayern München und die Bundesliga verlassen. Seine Wege führen ihn nach England, nur den (glücklichen?) Verein will er noch nicht nennen. Der Spanier wurde am Montag 45 Jahre alt und sucht eine neue Herausforderung. Sein Nachfolger in München steht im Gegensatz dazu fest, der Italiener Carlo Ancelotti.

Muss er das unvollendete Werk von Pep Guardiola vollenden oder schafft es Pep selbst? Der Katalane steht unter Druck. In Anlehnung an seine Forderung zu Beginn seiner Tätigkeit in München, als er seinen Lieblingsspieler forderte mit dem Satz „Thiago oder nix“, heißt es nun: Das Triple oder es war nix! Die Bayern erfüllten ihm seinen Wunsch, erfüllt jetzt Pep den Traum der Bayern?

Mit glänzenden Augen wurde Pep Guardiola vor zweieinhalb Jahren in München empfangen. „Der beste Trainer der Welt“ hieß es, nach neun Titelgewinnen mit dem FC Barcelona, davon zweimal die Champions League (2009 und 2011), die Erfolge schienen buchstäblich auf der Straße zu liegen. Fünf Titel holte er auch mit seiner neuen Mannschaft, die zumindest als eine der besten Welt gilt. Aber neben der FIFA-Klub-WM, zwei deutschen Meisterschaften, dem UEFA-Supercup und DFB-Pokal fehlt eben die Krönung, der Traum vom erneuten Gewinn der Champions League. Wer national von einem Rekord zum anderen eilt und schier keinen adäquaten Gegner mehr zu besitzen scheint, der strebt natürlich nach Höherem, in dem Fall die Krone Europas.

Die Konstellation könnte ja spannender nicht sein: Vor drei Jahren beendete Trainer Jupp Heynckes sein Engagement in München und seine Trainer-Laufbahn mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League. Er packte seinem Nachfolger Guardiola einen dicken Rucksack. Der beeindruckte durchaus, trieb seine Spieler teilweise zu traumhaften Fußball, verwunderte aber auch mit manchen Experimenten und zeigte eine Schwäche: Jeweils im Frühjahr, wenn die deutsche Meisterschaft frühzeitig entschieden war, kam seine Mannschaft international aus dem Tritt. Jetzt hat Pep noch eine Chance…

Der FC Bayern München hatte (logisch) eine ganze Reihe von international anerkannten Trainern wie Giovanni Trapattoni oder Branko Zebec, aber die deutschen Trainer Ottmar Hitzfeld (zudem auch mit Borussia Dortmund) und Jupp Heynckes holten die europäische Trophäe. Doch einen deutschen Trainer, der es mit Guardiola oder Ancelotti aufnehmen könnte, ist derzeit nicht zu sehen. Deshalb blieben die Bayern auf der internationalen Schiene und im Gegensatz dazu müssen die Trainer halt deutsch lernen, wie es Pep getan hat und wie es dem Vernehmen nach derzeit der Italiener Ancelotti fleißig tut. Beide Coaches haben aber eines gemeinsam, sie beherrschen mehrere Sprachen, was in der Multikulti-Gesellschaft einer internationalen Mannschaft heute wohl notwendig ist. Andererseits heißt es in München, „bei uns wird in erster Linie deutsch gesprochen“ – oder vielleicht noch bayrisch…

Die nächsten Monate werden also zeigen, wie nach drei Jahren das Wirken von Pep Guardiola in München bewertet werden wird. Geht er als großer Triumphator (was ihm natürlich jeder Bayern-Fan sehr eigennützig wünscht!) oder geht er als der Fachmann, der eben ein unvollendetes Werk hinterlässt, das seinen Ruf als weltbester Trainer einen Kratzer zufügen würde. An Ehrgeiz wird es Spielern und Trainer nicht mangeln, was beide brauchen, ist zweifellos etwas Glück.

Das Glück des Carlo Ancelotti wäre es allerdings, wenn ihm Guardiola ein unvollendetes Werk übergeben würde… Man könnte sich gut vorstellen, dass er eher Real Madrid, dem FC Barcelona und vielleicht sogar schon Juventus Turin im Achtelfinale die Daumen drückt. Je weniger Guardiola gewinnt, umso leichter wird die Aufgabe für Ancelotti!

Pep Guardiola und die verbotene Frage

Ob jetzt wirklich Ruhe einkehrt? Karl-Heinz Rummenigge, Boss des FC Bayern München, wollte die Diskussionen rund um den Trainer beenden und beschied der Öffentlichkeit: „Wenn die Hinrunde vorbei ist, wird es ein Gespräch mit dem Trainer geben. Dann gibt es eine Weihnachtsüberraschung – so oder so.“ Ob die Pille wirkt? Und ob die Beteiligten nicht schon viel mehr wissen? Rummenigge will, die Spieler wollen, dass Pep Guardiola bleibt. Doch was will der Spanier selbst? Er hüllt sich in Schweigen und wehrt alle Fragen zu seiner Zukunft ab. Stereotyp antwortet er darauf nur so: „Die nächste Frage bitte“. Die Frage nach der Zukunft ist bei Pep eine verbotene Frage.

Es wird sich zeigen, ob Rummenigge mit seinem Statement vor allem die Medien wirklich beruhigen kann. Sie werden nämlich weiterhin versuchen, Pep Guardiola aus der Reserve zu locken, was seine Zukunft angeht. Zur Debatte stehen im Prinzip nur drei Richtungen: Vertragsverlängerung in München (der Vertrag läuft am 30. Juni 2016 aus), ein Sabbatjahr wie nach seinem Engagement beim FC Barcelona oder eben ein neuer Verein, wobei hier bisher vor allem Manchester City im Gespräch ist, weil dort ein Freund von Pep als Sportdirektor das Sagen hat. Neuerdings kommt auch Chelsea London in Frage, weil dort der Stuhl von Peps Lieblingsfeind Jose Mourinho wackelt. Ob ihm eine Nachfolge von Mourinho Freude bereiten würde?

Beobachter sagen, eine bessere Mannschaft als derzeit in München wird Pep bei anderen Klubs kaum bekommen. Geld hin oder her. Er hat sie in den letzten zweieinhalb Jahren nach seinem Gusto entwickeln können, der Verein hat die Wünsche des Spaniers beim neuen Personal weitgehend erfüllt. In der Tat muss Guardiola mit einem Blick auf die Leistung der Bayern seinen Wunsch nach Ballbesitz und perfektem Fußball kurz vor der Erfüllung sehen. Will der Baske „sein“ Werk nicht zur Vollendung bringen, selbst wenn es auch in diesem Jahr mit dem Gewinn der Champions League nicht klappt? Will Guardiola eine Entscheidung vielleicht sogar bis ins nächste Jahr hinauszögern, nach dem Motto, „bei einem CL-Sieg bin ich am Ziel und höre auf. Gelingt der große Wurf nicht, dann gebt mir noch eine Chance“? Ob der Verein bei einer solchen Konstellation mitspielt, ist die andere Frage.

Pep Guardiola ist sicherlich in der besseren Position, denn er kann wählen, nicht der Verein. Ganz im Gegenteil, die Bayern würden wohl vor große Probleme gestellt, müssten sie einen Nachfolger für den Spanier suchen. Der Italiener Carlo Ancelotti, mit dem AC Mailand 2003 und 2007 sowie mit Real Madrid 2014 ebenfalls Champions-League-Sieger, steht angeblich Gewehr bei Fuß. Er musste bekanntlich trotz erfolgreichen Wirkens in Madrid gehen. Andere Beobachter glauben aber, dass es Ancelotti keineswegs in die Bundesliga zieht, er würde Italien oder eine Rückkehr nach England bevorzugen. Auch Ancelotti ist bei Chelsea im Gespräch. Die Aura eines Pep Guardiola hat Ancelotti allerdings nicht. Der Spanier wäre für die Bayern weiterhin ein Ass im Pokerspiel, wenn es um Neuzugänge geht. Pep kann für Spieler reizvollere Angebote aus England aufwiegen!

Wie auch immer, eine Frage des Geldes wird die Entscheidung nicht sein. Pep Guardiola kann in München sicherlich gut leben, sein Jahresgehalt wird einmal bei rund zehn Millionen, dann wieder bei zwölf Millionen Euro geschätzt. Möglicherweise wäre nicht einmal eine Gehaltserhöhung notwendig, um ihn zum Bleiben zu Überreden. Der Schlüssel liegt wohl bei der Mannschaft bzw. der Liga. Reizt England mehr? Gibt es eine Rückkehr nach Spanien? Wird ihm die Bundesliga zu langweilig? Es gäbe genügend Fragen, doch in dieser Richtung sind sie verbotene Fragen. Warten wir also auf die Weihnachtsüberraschung.

Bayern München und die Sache mit dem Nachwuchs

Stammleser werden jetzt sagen, „jetzt schreibt er schon wieder über Bayern München, war doch erst vor kurzem der Fall“. Stimmt schon, aber zuletzt ging es um die Profis und heute aus aktuellem Anlass um den Nachwuchs (aktuell ist natürlich auch der mögliche Bestechungsskandal um die WM 2006 in Deutschland, aber dazu nächste Woche mehr, erst mal abwarten, was noch aufkommt).

Der Nachwuchs beschäftigt die Bayern schon lange, weil in den letzten Jahren Mängel festgestellt wurden. Erfolge liegen schon einige Zeit zurück und wie sollen Talente den Sprung in die beste Mannschaft Deutschlands bzw. eine der besten der Welt schaffen, wenn sie schon in jungen Jahren nicht zu den Siegern gehören. Jetzt wurden Nägel mit Köpfen gemacht, wobei wieder einmal Uli Hoeneß eine entscheidende Rolle spielt. Der einstige erfolgreiche Manager und zuletzt Präsident hat seine „Auszeit“ der Gefängnisstrafe nach Steuerhinterziehung genutzt, um den Nachwuchsbereich umzukrempeln. Seine Arbeitsstelle im Freigang war die Nachwuchsabteilung der Bayern. Praktisch, denn die langgehegten Pläne wurden jetzt Wirklichkeit: Am Freitag war Grundsteinlegung des neuen Leistungszentrums für den Nachwuchs in Fröttmaning in der Nähe der Allianz Arena. Die Talente sollen wohl den „Tempel“ der Profis im Auge haben, nach dem Motto „da will ich auch mal hin“. Uli Hoeneß war der am meisten bestaunte Gast beim Festakt.

Wie bei den Bayern so üblich, wird das neue Nachwuchszentrum eine Anlage der Superlative die Seinesgleichen sucht. 50 bis 70 Millionen Euro (die Zahlen, die in der Öffentlichkeit bekannt werden schwanken) legt der Verein dafür hin. Neben acht Plätzen gibt es ein kleines Stadion mit bis zu 3000 überdachten Plätzen, eine Dreifeldhalle, Basketballcourt, Beachsoccerfeld, eine Rundlaufbahn, Vereinsheim, Akademie mit Internat sowie ein Restaurant und natürlich einen Fanshop. Ende 2017 soll die Anlage bezugsfertig sein. An der Säberner Straße, der traditionellen Bayern-Heimat, bleiben die Profis, die U21 und die Frauen, die auch weiterhin im Stadion an der Grünwalder Straße spielen. Der Platz an der Säberner Straße war für alle aber zu eng geworden. So gehen die Bayern jetzt also in die Offensive.

Die Nachwuchsoffensive ist aber auch dringend notwendig, schließlich fehlten zuletzt Nachfolger für Typen wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Holger Badstuber. Eine Überfremdung des Meisters wird befürchtet, wenn mehr Spanier als Einheimische im Bayern-Team stehen und das obligatorische „mia san mia“ vielleicht gar nicht mehr verstehen. Das es Zeit wird zu handeln, zeigt auch ein Blick auf die Auswahlmannschaften des DFB: Die U21 spielt die EM-Qualifikation, die U20 und U19 internationale Turniere um den Elite-Cup – ein Bayern-Spieler war nicht dabei!

Das soll in der Zukunft wieder anders sein. Die Bayern nehmen Geld in die Hand, um künftig im Hinblick auf Neuverpflichtungen und horrenden Preissteigerungen auf dem Spielermarkt Geld zu sparen!

Bayern München ist die Nummer 1!

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die Gruppenspiele in der Fußball-Champions-League laufen, doch alle haben schon das Finale am 28. Mai 2016 in Mailand im Auge. Wer wird da im Endspiel stehen? Die Protagonisten kennen wir: Titelverteidiger FC Barcelona, der spanische Kontrahent Real Madrid sowie der FC Bayern München werden als die großen Favoriten gehandelt, dazu der letzte Final-Teilnehmer Juventus Turin, Frankreichs Meister Paris St. Germain und gleich drei oder vier englische Klubs. Seltsam aber: So richtig in Form ist jetzt im Herbst nur Bayern München. Aktuell sind die Bayern klar die Nummer 1!

Es ist wirklich erstaunlich, wie manche Klubs schwächeln. Der FC Barcelona hat in der Primera Division schon zwei Niederlagen hinnehmen müssen, Real Madrid kassierte bereits das dritte Unentschieden, die beiden Top-Klubs hecheln der Konkurrenz hinterher, Villarreal führt vor Celta Vigo. Von wegen, dass die Meisterschaft in Spanien nur eine Angelegenheit zwischen zwei Klubs ist. Ähnlich in England, wo Titelverteidiger Chelsea London nicht in die Gänge kommt und nach acht Spielen erst acht Punkte geholt hat. Trainer José Mourinho hat zwar nicht an Selbstbewusstsein verloren („Einen besseren Trainer bekommen sie nicht“), aber ratlos ist er trotzdem. Vorne tummeln sich mit Manchester City, Arsenal London und Manchester United zwar drei Favoriten, aber sie haben sich alle international in der Champions League bereits blamiert. Ähnlich sieht es in Italien aus, Titelverteidiger Juventus Turin ist wie Chelsea in England nur 16. und schaut sich den Titelkampf derzeit nur mit dem Fernglas an. Nur Paris marschiert in Frankreich vorne weg, zeigt aber keineswegs große Form.

Barcelona hat es doppelt schwer

Was ist also los? Gut, bei Barcelona ist Superstar Lionel Messi verletzt, Barca wurde quasi das Herz gestohlen. Aber das zeigt auch die Unwägbarkeiten im Sport, wenn es wirklich um die Entscheidung geht: Da spielen Verletzungen eine große Rolle, da darf das Glück nicht fehlen, da muss im entscheidenden Moment alles passen. Barcelona muss noch gegen den Fluch des Siegers ankämpfen: Noch nie wurde in der Champions League der Titel erfolgreich verteidigt!

Das spricht wiederum für den FC Bayern München. Der Deutsche Meister hat aus der Vergangenheit gelernt und seinen Kader noch breiter aufgestellt. Verletzungen sollen die Mannschaft nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Das zeigt sich derzeit deutlich: Einst waren die Flügelflitzer Arjen Robben und Franck Ribery unentbehrlich, jetzt wird ihr Fehlen gar nicht bemerkt, Douglas Costa und Kingsley Cowman flitzen auf den Flügeln, dass es eine Freude ist – nur für die Gegner nicht. Die Bayern sind in der Champions League noch ohne Gegentor und siegten in der Bundesliga in den ersten acht Spielen im Schnitt mit 3:5:0,5 Toren. Noch Fragen?

In München bleiben sie allerdings auf dem Teppich. Gut so, denn im Frühjahr kann es eben ganz anders ausschauen. Zuletzt hatte das Timing nicht gestimmt, im Herbst wurde gewonnen, im Frühling die Pokale verspielt. Das soll diesmal anders sein, Torjäger Thomas Müller macht seinen Mitspielern Beine: „Wir dürfen nicht nachlassen, wir müssen jedes Spiel gewinnen.“ Na ja, zumindest den entsprechenden Ehrgeiz entwickeln und Einsatz zeigen, um wirklich zu gewinnen. Eine Saison ohne Niederlage wird kaum möglich sein. Aber eins zeigt sich: Die Bayern haben keine Überfigur wie Messi in Barcelona oder Cristiano Ronaldo bei Madrid. Sie könnten höchstens Probleme bekommen, wenn der beste Torhüter der Welt ausfällt. Einzig für Manuel Neuer gibt es keinen adäquaten Ersatz.

Aber noch ist ja Herbst. Schon heute allerdings wird die Spannung zusätzlich angeheizt. Bleibt Bayern auf der Siegesstraße, kommt die Konkurrenz endlich in Form? International bekommt die Saison einen zusätzlichen Reiz!

Bayern kassierte bereits 533,3 Millionen

Übrigens: Bayern München ist derzeit nicht nur sportlich die Nummer 1, sondern in der Champions League auch der Krösus. Das hat zumindest die Fachzeitung kicker ausgerechnet. Seit Einführung der Champions League gingen 10 Milliarden Euro aus der Vermarktung an 129 Klubs. 30 Vereine haben mehr als 100 Millionen Euro kassiert! Bayern München bekam am meisten, wobei hier auch die dominierende Rolle in Deutschland pures Geld wert ist. 533,3 Millionen Euro waren es für die Münchner, Manchester United ist mit 516,4 Millionen die Nummer 2, Real Madrid kassierte 507,3 und Barcelona 502,9 Millionen. Borussia Dortmund ist als Elfter der Geldliste die Nummer 2 in Deutschland und erhielt bisher 229,4 Millionen Euro, Schalke (17.) 172,3 und Leverkusen (19.) 163,9 Millionen. In der Champions League gibt es also offensichtlich wirklich die Lizenz zum Gelddrucken!

Pep, die Bayern und der Frust im Frühling

Im Frühling erwacht die Natur zu neuem Leben, im Herbst ist es dann wieder vorbei, die Blätter fallen. Beim Deutschen Fußball-Meister FC Bayern München gelten die Gesetze der Natur nicht. Die Bayern erblühen im Herbst und welken im Frühjahr. Gerade dann, wenn es um die Titel geht, welken sie dahin. Der Traum vom Triple, das 2013 unter Jupp Heynckes gelang, ist wieder ausgeträumt. Meisterschaft, Pokalsieg und den Pott der Champions League in den Trophäenschrank zu holen, ist ja auch eine besondere Leistung. Da muss alles passen. Und das tut es in diesem Jahr wieder nicht.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr waren die Münchner frühzeitig Deutscher Meister und Trainer Pep Guardiola ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, dass die Spiele der Bundesliga nur noch Nebensache seien. Die Spannung im Team ging verloren, eine gehörige Pleite gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League war die Folge. Das deutsche Double, der Sieg im Pokal, war da nicht mal mehr ein Trostpflaster.

Barcelona in Form, die Bayern im Krankenstand

Besserung im Frühjahr 2015? Nein. Eigentlich war dem Meister nach der Weltmeisterschaft ein schwieriger Herbst vorhergesagt worden, doch trumpften die Bayern auf, stellten die Weichen für eine erfolgreiche Titelverteidigung. Doch jetzt, im Frühjahr, geht die Mannschaft „am Stock“. Verletzungen am laufenden Band bringen alle Planungen durcheinander, von einer großzügigen und kräftesparenden Rotation kann keine Rede sein, ganz im Gegenteil, der Trainer muss froh sein, wenn er genügend erstklassige Spieler für die großen Aufgaben zur Verfügung hat. Der Gewinn der Champions League wäre unter diesen Voraussetzungen ein Wunder, zumal der Gegner diesmal FC Barcelona heißt und sich ganz im Gegensatz zu den Münchnern in Form zeigt. Wer soll Messi, Suarez und Neymar stoppen? Pep Guardiola war nach der Auslosung glücklich, wieder nach Barcelona zu kommen, er wird privat freudige Stunden erleben, aber sportlich wird er mit seiner neuen Mannschaft Bauchschmerzen bekommen.

In diesem Jahr ist es nicht gewollt, aber nach Lage der Dinge wird für den FC Bayern die Bundesliga wieder zur Nebensache. Einer nach dem anderen aus dem Luxuskader scheidet aus: Alaba und Ribery werden nicht rechtzeitig fit, Badstuber erneut verletzt, jetzt Robben wieder bis zum Ende der Saison draußen und ob der mit Gehirnerschütterung, Oberkiefer- und Nasenbeinbruch lädierte Torjäger Lewandowski noch helfen kann, steht in den Sternen. Wenn, dann geht er auf jeden Fall ein gesundheitliches Risiko ein. Spieler wie Lahm, Schweinsteiger und Martinez stehen zwar wieder zur Verfügung, aber in Bestform können sie nach unterschiedlich langen Pausen nicht sein.

Die Gesundheit! Sie spielt bei den Bayern eine besondere Rolle und ist unabhängig vom Rücktritt des Mannschaftsarztes Dr. Müller-Wohlfahrt zu sehen. Liegt es an den Ärzten oder nicht doch mehr an den Trainern? Die auffallend vielen Verletzungen müssen eigentlich Ursachen haben. Hier muss der Verein Ursachenforschung betreiben, um den Traum vom Triple für 2016 neu beleben zu können. So lange läuft auch der Vertrag von Guardiola.

Der Schiedsrichter half Dortmund

Spanier agiert allerdings auch in diesem Jahr äußerst unglücklich, zumindest was seine personellen Entscheidungen angeht. Beim Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund war nicht nur Pech dabei. Logisch, schon in der 55. Minute hätten die Bayern nach einem Handspiel von Schmelzer einen Elfmeter bekommen müssen und da war Topschütze Thomas Müller noch auf dem Platz. Als Torhüter Langerak Gegenspieler Lewandowski in Grund und Boden rammte, da war wieder ein Elfmeter fällig. Schiedsrichter Peter Gagelmann war also Wegbereiter für Dortmunds Sieg.

Den aber dennoch Guardiola hätte verhindern können. Warum nahm er Thiago nach 68 Minuten vom Platz? Warum Müller nach 76 Minuten? Gut, Thiago war leicht angeschlagen, Nachfolger Robben nach wenigen Minuten aber ganz kaputt. Das Pech konnte nicht größer sein. Der sprichwörtliche Bayern-Dusel blieb aus. Schweinsteiger, der für Müller kam, vergab dann die größten Chancen. Verzockt hatte sich Pep Guardiola auch mit dem Einsatz von Talent Mitchell Weiser. Der hatte ein Glanzsolo in der Bundesliga gegen Hertha BSC hingelegt, doch das war wohl mehr Zufall. Gegen Dortmund konnte er den Nachweis nicht erbringen, besser zu sein als Weltmeister Mario Götze. Pep Guardiola lag da falsch! Und alle sicheren Elfmeterschützen waren nicht mehr auf dem Platz!

Dortmunds schlechter Stil

Da passten die Slapstick-Elfmeter, als Lahm und Alonso beim Schuss ausrutschten, zum gesamten Ganzen. Kein Bayern-Dusel, sondern Bayern-Pech. Die Dortmunder feixten, fühlten eine gewisse Wiedergutmachung, nachdem ihnen im letzten Pokalfinale ein eindeutiger Treffer nicht gegeben wurde. Dass sie aber hinterher die Bayern verhöhnten, war nicht die feine Art, zumal die bessere Mannschaft ausschied. Dortmunds Spieler hatten keinen Grund, sich aufs hohe Ross zu setzen! Doch wer am Abgrund stand, feiert die Wiederbelebung vielleicht besonders euphorisch. 37 Punkte liegt Dortmund in der Bundesliga hinter den Bayern! Schlechter Stil Dortmund!

Die Bayern aber können gegen Barcelona nur auf ein Wunder hoffen. Die Meisterschaft als alleiniger Titel reicht bei den Münchnern nicht für eine erfolgreiche Saison. Da ist gefühlter Herbst im Frühling.