Pep Guardiola und die verbotene Frage

von knospepeter

Ob jetzt wirklich Ruhe einkehrt? Karl-Heinz Rummenigge, Boss des FC Bayern München, wollte die Diskussionen rund um den Trainer beenden und beschied der Öffentlichkeit: „Wenn die Hinrunde vorbei ist, wird es ein Gespräch mit dem Trainer geben. Dann gibt es eine Weihnachtsüberraschung – so oder so.“ Ob die Pille wirkt? Und ob die Beteiligten nicht schon viel mehr wissen? Rummenigge will, die Spieler wollen, dass Pep Guardiola bleibt. Doch was will der Spanier selbst? Er hüllt sich in Schweigen und wehrt alle Fragen zu seiner Zukunft ab. Stereotyp antwortet er darauf nur so: „Die nächste Frage bitte“. Die Frage nach der Zukunft ist bei Pep eine verbotene Frage.

Es wird sich zeigen, ob Rummenigge mit seinem Statement vor allem die Medien wirklich beruhigen kann. Sie werden nämlich weiterhin versuchen, Pep Guardiola aus der Reserve zu locken, was seine Zukunft angeht. Zur Debatte stehen im Prinzip nur drei Richtungen: Vertragsverlängerung in München (der Vertrag läuft am 30. Juni 2016 aus), ein Sabbatjahr wie nach seinem Engagement beim FC Barcelona oder eben ein neuer Verein, wobei hier bisher vor allem Manchester City im Gespräch ist, weil dort ein Freund von Pep als Sportdirektor das Sagen hat. Neuerdings kommt auch Chelsea London in Frage, weil dort der Stuhl von Peps Lieblingsfeind Jose Mourinho wackelt. Ob ihm eine Nachfolge von Mourinho Freude bereiten würde?

Beobachter sagen, eine bessere Mannschaft als derzeit in München wird Pep bei anderen Klubs kaum bekommen. Geld hin oder her. Er hat sie in den letzten zweieinhalb Jahren nach seinem Gusto entwickeln können, der Verein hat die Wünsche des Spaniers beim neuen Personal weitgehend erfüllt. In der Tat muss Guardiola mit einem Blick auf die Leistung der Bayern seinen Wunsch nach Ballbesitz und perfektem Fußball kurz vor der Erfüllung sehen. Will der Baske „sein“ Werk nicht zur Vollendung bringen, selbst wenn es auch in diesem Jahr mit dem Gewinn der Champions League nicht klappt? Will Guardiola eine Entscheidung vielleicht sogar bis ins nächste Jahr hinauszögern, nach dem Motto, „bei einem CL-Sieg bin ich am Ziel und höre auf. Gelingt der große Wurf nicht, dann gebt mir noch eine Chance“? Ob der Verein bei einer solchen Konstellation mitspielt, ist die andere Frage.

Pep Guardiola ist sicherlich in der besseren Position, denn er kann wählen, nicht der Verein. Ganz im Gegenteil, die Bayern würden wohl vor große Probleme gestellt, müssten sie einen Nachfolger für den Spanier suchen. Der Italiener Carlo Ancelotti, mit dem AC Mailand 2003 und 2007 sowie mit Real Madrid 2014 ebenfalls Champions-League-Sieger, steht angeblich Gewehr bei Fuß. Er musste bekanntlich trotz erfolgreichen Wirkens in Madrid gehen. Andere Beobachter glauben aber, dass es Ancelotti keineswegs in die Bundesliga zieht, er würde Italien oder eine Rückkehr nach England bevorzugen. Auch Ancelotti ist bei Chelsea im Gespräch. Die Aura eines Pep Guardiola hat Ancelotti allerdings nicht. Der Spanier wäre für die Bayern weiterhin ein Ass im Pokerspiel, wenn es um Neuzugänge geht. Pep kann für Spieler reizvollere Angebote aus England aufwiegen!

Wie auch immer, eine Frage des Geldes wird die Entscheidung nicht sein. Pep Guardiola kann in München sicherlich gut leben, sein Jahresgehalt wird einmal bei rund zehn Millionen, dann wieder bei zwölf Millionen Euro geschätzt. Möglicherweise wäre nicht einmal eine Gehaltserhöhung notwendig, um ihn zum Bleiben zu Überreden. Der Schlüssel liegt wohl bei der Mannschaft bzw. der Liga. Reizt England mehr? Gibt es eine Rückkehr nach Spanien? Wird ihm die Bundesliga zu langweilig? Es gäbe genügend Fragen, doch in dieser Richtung sind sie verbotene Fragen. Warten wir also auf die Weihnachtsüberraschung.

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