Pep, die Bayern und der Frust im Frühling

von knospepeter

Im Frühling erwacht die Natur zu neuem Leben, im Herbst ist es dann wieder vorbei, die Blätter fallen. Beim Deutschen Fußball-Meister FC Bayern München gelten die Gesetze der Natur nicht. Die Bayern erblühen im Herbst und welken im Frühjahr. Gerade dann, wenn es um die Titel geht, welken sie dahin. Der Traum vom Triple, das 2013 unter Jupp Heynckes gelang, ist wieder ausgeträumt. Meisterschaft, Pokalsieg und den Pott der Champions League in den Trophäenschrank zu holen, ist ja auch eine besondere Leistung. Da muss alles passen. Und das tut es in diesem Jahr wieder nicht.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr waren die Münchner frühzeitig Deutscher Meister und Trainer Pep Guardiola ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, dass die Spiele der Bundesliga nur noch Nebensache seien. Die Spannung im Team ging verloren, eine gehörige Pleite gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League war die Folge. Das deutsche Double, der Sieg im Pokal, war da nicht mal mehr ein Trostpflaster.

Barcelona in Form, die Bayern im Krankenstand

Besserung im Frühjahr 2015? Nein. Eigentlich war dem Meister nach der Weltmeisterschaft ein schwieriger Herbst vorhergesagt worden, doch trumpften die Bayern auf, stellten die Weichen für eine erfolgreiche Titelverteidigung. Doch jetzt, im Frühjahr, geht die Mannschaft „am Stock“. Verletzungen am laufenden Band bringen alle Planungen durcheinander, von einer großzügigen und kräftesparenden Rotation kann keine Rede sein, ganz im Gegenteil, der Trainer muss froh sein, wenn er genügend erstklassige Spieler für die großen Aufgaben zur Verfügung hat. Der Gewinn der Champions League wäre unter diesen Voraussetzungen ein Wunder, zumal der Gegner diesmal FC Barcelona heißt und sich ganz im Gegensatz zu den Münchnern in Form zeigt. Wer soll Messi, Suarez und Neymar stoppen? Pep Guardiola war nach der Auslosung glücklich, wieder nach Barcelona zu kommen, er wird privat freudige Stunden erleben, aber sportlich wird er mit seiner neuen Mannschaft Bauchschmerzen bekommen.

In diesem Jahr ist es nicht gewollt, aber nach Lage der Dinge wird für den FC Bayern die Bundesliga wieder zur Nebensache. Einer nach dem anderen aus dem Luxuskader scheidet aus: Alaba und Ribery werden nicht rechtzeitig fit, Badstuber erneut verletzt, jetzt Robben wieder bis zum Ende der Saison draußen und ob der mit Gehirnerschütterung, Oberkiefer- und Nasenbeinbruch lädierte Torjäger Lewandowski noch helfen kann, steht in den Sternen. Wenn, dann geht er auf jeden Fall ein gesundheitliches Risiko ein. Spieler wie Lahm, Schweinsteiger und Martinez stehen zwar wieder zur Verfügung, aber in Bestform können sie nach unterschiedlich langen Pausen nicht sein.

Die Gesundheit! Sie spielt bei den Bayern eine besondere Rolle und ist unabhängig vom Rücktritt des Mannschaftsarztes Dr. Müller-Wohlfahrt zu sehen. Liegt es an den Ärzten oder nicht doch mehr an den Trainern? Die auffallend vielen Verletzungen müssen eigentlich Ursachen haben. Hier muss der Verein Ursachenforschung betreiben, um den Traum vom Triple für 2016 neu beleben zu können. So lange läuft auch der Vertrag von Guardiola.

Der Schiedsrichter half Dortmund

Spanier agiert allerdings auch in diesem Jahr äußerst unglücklich, zumindest was seine personellen Entscheidungen angeht. Beim Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund war nicht nur Pech dabei. Logisch, schon in der 55. Minute hätten die Bayern nach einem Handspiel von Schmelzer einen Elfmeter bekommen müssen und da war Topschütze Thomas Müller noch auf dem Platz. Als Torhüter Langerak Gegenspieler Lewandowski in Grund und Boden rammte, da war wieder ein Elfmeter fällig. Schiedsrichter Peter Gagelmann war also Wegbereiter für Dortmunds Sieg.

Den aber dennoch Guardiola hätte verhindern können. Warum nahm er Thiago nach 68 Minuten vom Platz? Warum Müller nach 76 Minuten? Gut, Thiago war leicht angeschlagen, Nachfolger Robben nach wenigen Minuten aber ganz kaputt. Das Pech konnte nicht größer sein. Der sprichwörtliche Bayern-Dusel blieb aus. Schweinsteiger, der für Müller kam, vergab dann die größten Chancen. Verzockt hatte sich Pep Guardiola auch mit dem Einsatz von Talent Mitchell Weiser. Der hatte ein Glanzsolo in der Bundesliga gegen Hertha BSC hingelegt, doch das war wohl mehr Zufall. Gegen Dortmund konnte er den Nachweis nicht erbringen, besser zu sein als Weltmeister Mario Götze. Pep Guardiola lag da falsch! Und alle sicheren Elfmeterschützen waren nicht mehr auf dem Platz!

Dortmunds schlechter Stil

Da passten die Slapstick-Elfmeter, als Lahm und Alonso beim Schuss ausrutschten, zum gesamten Ganzen. Kein Bayern-Dusel, sondern Bayern-Pech. Die Dortmunder feixten, fühlten eine gewisse Wiedergutmachung, nachdem ihnen im letzten Pokalfinale ein eindeutiger Treffer nicht gegeben wurde. Dass sie aber hinterher die Bayern verhöhnten, war nicht die feine Art, zumal die bessere Mannschaft ausschied. Dortmunds Spieler hatten keinen Grund, sich aufs hohe Ross zu setzen! Doch wer am Abgrund stand, feiert die Wiederbelebung vielleicht besonders euphorisch. 37 Punkte liegt Dortmund in der Bundesliga hinter den Bayern! Schlechter Stil Dortmund!

Die Bayern aber können gegen Barcelona nur auf ein Wunder hoffen. Die Meisterschaft als alleiniger Titel reicht bei den Münchnern nicht für eine erfolgreiche Saison. Da ist gefühlter Herbst im Frühling.

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