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Kategorie: Champions League

Die Bundesliga zeigt ihr besseres Gesicht: Tore, Tempo, Siege

Welch ein Wandel! Vor noch gar nicht langer Zeit hörte man im und über den deutschen Fußball nur Wehklagen (auch an dieser Stelle). International fehlten die Erfolge, national in der Bundesliga eher Langeweile als Spannung und fehlende Qualität. Das hat sich total geändert. Auf Europas Bühne feierten die Bundesligisten quasi eine Wiederauferstehung mit teils überraschenden, teils glücklichen Siegen, in der Punktrunde reiben sich manche Fans die Augen, sie sehen Tempo und Tore, so dass Urteile wie „großes Kino in Augsburg“ (beim 2:3 gegen Bremen) keine Seltenheit sind. In Berlin heißt es „wir genießen“. Die Bundesliga wohlgemerkt – Frühlingserwachen im Herbst.

Es sind auch die Geschichten am Rande, welche die Bundesliga im Gespräch halten. Zum Beispiel auf Schalke der Disput zwischen Trainer und Spieler, als Stürmer Franco di Santo (einst ein Torjäger) mit seiner Auswechslung nicht einverstanden war und Trainer Domenico Tedesco anmeckerte, der beendete die Diskussion mit einem „halt die Fresse“. Logisch, nach vier Niederlagen in Folge ist die Stimmung ebenso im Keller wie die Mannschaft als Schlusslicht. Der Trainer fordert deshalb jetzt drei Siege, die Gegner heißen Freiburg, Mainz und Düsseldorf, allesamt vor der Saison dem Kreis der Abstiegsanwärter zugerechnet. Wenn nicht jetzt, wann dann? Und wenn später, dann wohl ohne Tedesco. Die Zeiten haben sich geändert.

Auch Bayern-Trainer Niko Kovac haben die Auguren Ärger mit Auswechslungen vorausgesagt, schließlich tritt er dabei immer einem Star auf die Füße. Bisher moderiert der neue Coach alle Schwierigkeiten hervorragend, wenn auch Arjen Robben auf der Bank oder Franck Ribery bei seiner Auswechslung keine gute Laune zeigen. Eigentlich logisch, bei Ribery aber deshalb seltsam, weil er vorher in einem Interview noch betont hat, dass er die Wechsel versteht und alle spielen müssten. Auf dem Spielfeld und neben dem Feld sind halt zwei paar Stiefel bzw. Ansichten. Bisher betonen allerdings alle Bayern-Spieler die gute Stimmung und Kovac lässt mit viel Gespür wirklich alle spielen. So durfte Renato Sanches in der Champions League in seiner Heimat Lissabon glänzen und Leon Goretzka bei seinem alten Verein Schalke auflaufen. Nur Siege sind für die Münchner das Resultat, Bayern ist das Gegenteil zu Schalke.

Siege verschenkt hat der FC Augsburg. Der Schuldige: Torhüter Fabian Giefer. Gegen Mainz kam er zweimal unglücklich aus dem Tor, aus dem 1:0 wurde ein 1:2. Gegen Bremen hatte der FCA mit viel Elan aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und war am Siegtreffer nahe dran, dann unterlief dem Schlussmann der Fehler eines Schülertorhüters, er ließ den Ball durch Hände und Beine rutschen – 2:3. Augsburg ist Elfter mit vier Punkten, könnte aber Vierter (jetzt Bremen) mit acht Punkten sein! Armer Torwart, armer Trainer. „Er ist ein Mensch, Menschen machen Fehler, aber ich muss nach Leistung gehen“, jammerte Trainer Manuel Baum, den Tränen nahe. Giefer oder Konkurrent Andreas Luthe (derzeit leicht verletzt) waren laut Baum auf gleicher Höhe, es war eine „Bauch-Entscheidung“ meint der Trainer, jetzt hat der Bauchschmerzen. In München, gegen Freiburg und in Dortmund braucht er einen guten Torhüter. Der nach Dortmund abgewanderte Marwin Hitz hinterlässt offensichtlich eine größere Lücke als gedacht.

Die Hetzjagd um Punkte geht weiter, viele Ligen in Europa nutzen die internationale Pause in dieser Woche zu Ligaspielen am Dienstag und Mittwoch, so bleibt eben auch die Bundesliga im Gespräch. Allerdings hat sie selbst verschuldet bzw. aus Geldgier die Regelung getroffen, dass am Freitag das Spitzenspiel Hertha BSC – Bayern München nur von einem kleinen Teil der Interessenten gesehen werden kann. Die TV-Rechte liegen bei Europasport, doch nur wenige nehmen die zusätzlichen Kosten für den Eurosportplayer zum anderen Pay-TV-Anbieter Sky auf sich. Oder wie wäre es mit einem Schmankerl bzw. PR im Free-TV?

Bekanntlich ist ja in Deutschland auch die Champions League im Pay-TV verschwunden, die Anbieter Sky und DAZN teilen sich den Kuchen. UEFA und Vereine kassieren mehr Geld, aber vielleicht geht der Schuss nach hinten los, denn das Interesse lässt nach. Sahen in den letzten Jahren beim ZDF Spiele der Bayern zum Beispiel bis zu acht Millionen Zuschauer, so waren es diesmal beim Match in Lissabon bei Sky gerade mal 770.000 bzw. zusammen mit der Konferenz insgesamt bescheidene 1,3 Millionen Fußball-Fans. So kann die Champions League keine Werbung für sich machen.

Damit sah die Masse der Fans auch das Schauspiel der Saison nicht. Superstar Cristiano Ronaldo flog beim Gastspiel seines neuen Vereins Juventus Turin in Valencia mit Rot vom Platz. Der „Schuldige“ war der deutsche Schiedsrichter Dr. Felix Brych bzw. sein Landsmann Marco Fritz, der eine Tätlichkeit von Ronaldo anzeigte (er griff nach einem Foul dem Gegenspieler in die Haare, gewertet als ein Ziehen). Brych reagierte erst auf einen Hinweis seines Kollegen.

So könnte die Diskussion abgelaufen sein, nachdem Brych zum Kollegen eilte: Brych: „Was hast Du denn gesehen?“ Fritz: „Der Ronaldo hat den anderen an den Haaren gezogen, das ist Rot.“ Brych: „Rot für Ronaldo, das können wir doch nicht machen.“ Fritz: „Gerade Rot für Ronaldo geht, der affektierte Bursche muss mal vom Feld, dem zeigen wir, wer hier das Sagen hat.“ Brych: „Rot für Ronaldo, das gibt einen Skandal.“ Fritz: „Toll, da sind wir doch mal richtig im Gespräch, los schick ihn runter.“ So schafften sie es, dass der Superstar in Tränen ausbrach und der Portugiese musste erkennen, es gibt auf dem Feld eine höhere Macht als ihn! Außerdem bitter: Ohne ihn lief es bei Juve besser…

EM 2024: Übrigens, es gibt in dieser Woche am Donnerstag noch die wichtige Entscheidung der Vergabe der Fußball-Europameisterschaft für 2024. Deutschland und die Türkei wollen die EM ausrichten. Mehr lesen Sie im nächsten Kommentar „Vergabe Fußball-EM 2024: Wie ticken die Funktionäre?“

Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs

Eigentlich freuen sich die Fußball-Fans drauf, aber die Funktionäre sorgen dafür, dass die Freude auf die neue Champions-League-Saison getrübt wird. Überschattet wird der Start am Dienstag, 18. September, von der Diskussion um einen dritten europäischen Pokal-Wettbewerb. Nach Champions League (CL) und Europa League (EL) soll 2021 pünktlich zu den neuen Fernsehverträgen ein dritter Pokal ausgespielt werden, damit auch die kleinen Verbände bzw. Vereine „ihren“ Cup haben. Da ist der Sport-Grantler aber gespannt, wie der Wettbewerb heißen wird, die „Liga der Kleinen“ vielleicht? Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann hat es auf den Punkt gebracht: „Wer sich rar macht, ist wertvoll, hier wird der Sport verwässert.“ Es ist wie immer: Ein neuer Wettbewerb wird eingeführt, damit die großen Funktionäre bei der nächsten Wahl die Stimmen der Kleinen bekommen. Darauf einen Cup!

Bleiben wir also bei der Champions League, bei der Königsklasse. Schon die Europa League hat „Kaiser“ Franz Beckenbauer einst als „Cup der Verlierer“ verunglimpft, die Bedeutung aber damit deutlich herausgestellt. In der CL aber dürfen sich die Fußball-Fans in der neuen Saison auf neue Spannung freuen. So richtig allerdings erst – wie immer – nach der Gruppenphase, im Herbst sind die echten Highlights dünn gesät, eins davon allerdings zum Start, wenn in der Gruppe C Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Kollegen Thomas Tuchel mit Paris St. Germain erwartet. Das elektrisiert natürlich auch die deutschen Fans. Damit sind aber schon zwei Vereine genannt, die auch am Ende im Blickpunkt stehen wollen und die mit einigen anderen Konkurrenten nur ein Ziel haben: Den Hattrick-Sieger Real Madrid entthronen und selbst den Pokal holen. Also: Alle gegen Real!

Die üblichen Verdächtigen, also die Favoriten, werden auch in diesem Jahr wieder genannt. Eine große Rolle traut man vor allem Juventus Turin zu, nachdem sich die Italiener den Weltfußballer Cristiano Ronaldo geangelt haben. Vorne dran aber vor allem die Engländer, wo sich alle Starter Titelhoffnungen machen: Manchester City, Manchester United, FC Liverpool und Tottenham Hotspur. Mittendrin auch wieder der FC Bayern München, der eine konträre Transferpolitik betrieb, kein Geld für Neue ausgeben, lieber sparen und dennoch verdeutlicht Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge das Ziel: Wir wollen den Pott. Alle gegen Real, natürlich auch die spanischen Konkurrenten FC Barcelona und Atletico Madrid, das mit seinem Stadion am 1. Juni 2019 quasi Gastgeber ist. Das muss doch interessant werden, allerdings so richtig wie gesagt erst im Frühjahr. Die Gruppenphase kann allein die Wartezeit verkürzen.

Die Bundesliga ist in den europäischen Wettbewerben dabei, aber eigentlich – außer den Bayern – nicht mehr mittendrin. Die letztjährige Pleite ist unvergessen, die Bundesliga verlor den vierten Platz in der UEFA-Rangliste an Italien und wird jetzt bedrängt von Frankreich. Deshalb befinden sich die sieben Klubs auf der internationalen Bühne auf Wiedergutmachungskurs. Neben den Bayern heißt es für Borussia Dortmund, Schalke 04 und der TSG Hoffenheim in der CL sowie Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig in der Europa League punkten, die Gruppenphase überstehen und damit auch wieder etwas für die Rangliste tun. Es geht nicht nur um den Verein, sondern auch um die Reputation der Bundesliga und des deutschen Fußballs insgesamt, der bekanntlich in diesem Sommer ziemlich gelitten hat. Trainer, Spieler und Fans sollten sich eines deutlich machen: Europa ist keine Mehrfachbelastung, sondern eine zusätzliche Belohnung!

Die Gruppen-Auslosungen sorgten eigentlich dafür, dass die deutschen Klubs hoffen dürfen. Bayern München ist in der Gruppe E gegen Ajax Amsterdam, AEV Athen und Benfica Lissabon klarer Favorit, Schalke 04 hat mit FC Porto, Galatasaray Istanbul und Lokomotive Moskau zwar drei Meister, aber keinen echten Brocken erwischt. Borussia Dortmund hat es da schon schwerer, Atletico Madrid ist ein echter Stolperstein, aber auch AS Monaco kann es sein, dazu geht es gegen Club Brügge. Bei Neuling Hoffenheim muss man abwarten, wie sich die Mannschaft im neuen Umfeld einfindet, dazu geht es gegen Pep Guardiola und Manchester City, einen der großen Favoriten. Aber auch Olympique Lyon und Schachtor Donezk sind nicht zu unterschätzen. Das Ausscheiden wäre keine Überraschung.

In der Europa League haben die deutschen Klubs fast schon seit Menschengedenken nichts mehr zuwege gebracht. Da ist der Wiedergutmachungskurs besonders notwendig, die Hoffnungen ruhen dabei auf Bayer Leverkusen, trotz des schlechten Starts in der Bundesliga. Larnaka, FC Zürich und Rasgrad sind schlagbare Gegner. Der RB Leipzig musste durch die Qualifikationsmühle und hat fast in letzter Sekunde bestanden. Der Lohn der Auslosung: „Bruderduell“ gegen den FC Salzburg, der nicht mehr Red Bull heißen darf, dazu gibt es Trondheim und Celtic Glasgow. Bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt ist die Euphorie nach dem Coup gegen die Bayern inzwischen verflogen, dabei könnten die Hessen ein bisschen Elan gegen Limassol, Marseille und Lazio Rom schon brauchen. Zweifellos die schwerste Gruppe der deutschen Teilnehmer. Das Finale wird übrigens am 29. Mai in Baku gespielt. Ob da ein deutscher Vertreter dabei ist?

Nicht alles, aber doch das Eine oder Andere ist neu in der CL. Auffallend die Anfangszeiten, es geht nicht mehr einheitlich um 20:45 Uhr los, sondern es gibt zwei Startzeiten: 18.55 Uhr und 21.00 Uhr. Eine Entzerrung zugunsten des Fernsehens und zulasten der Fans – wie es im Fußball halt so ist. Deshalb gibt es auch wieder mehr Geld, 15,25 Millionen Euro kann jeder Verein schon für die Gruppenphase einplanen, jeder Sieger bekommt statt bisher 1,5 Millionen Euro jetzt sogar 2,7 Millionen. Geld statt Ehre als Anreiz! Gewinnt ein Verein alle Spiele, kann er am Ende 82,45 Millionen Euro einstreichen. Mit rund 70 Millionen kalkulieren auch die Bayern, wenn sie wieder einsamer deutscher Vertreter wären.

Die Klubs streichen ein, die Fans sollen zahlen. Nicht nur in den Stadien, sondern auch an den Bildschirmen. Engländer oder Italiener sind dies zum Beispiel gewohnt, die deutschen Zuschauer müssen sich komplett umstellen. Im freien Fernsehen gibt es kein Spiel mehr zu sehen (Ausnahme wäre nur das Finale mit deutscher Beteiligung und einige Spiele der EL bei RTL Nitro). Mit dem gewohnten Pay-TV-Sender Sky (hat die EL nicht mehr) allein ist es auch nicht mehr getan, wenn man alle Spiele live sehen will, zweiter Rechteinhaber ist der Streamingdienst DAZN. Es könnte sein, dass die Champions Laegue zumindest in Deutschland an Glanz und Interesse verliert.

Wussten Sie schon? Wir haben die Woche des Fußballs!

Keine Weltmeisterschaft, keine Europameisterschaft, egal, ob die Formel 1 ihre Sommerpause beendet hat oder was in der Politik passiert – hätten Sie gewusst was in diesen Tagen dominiert? Wir haben die Woche des Fußballs!

Da werden manche sagen, der Fußball ist doch immer im Gespräch, aber was in den nächsten Tagen alles auf uns zukommt, hat schon besondere Bedeutung für die Zukunft (des Fußballs, nicht für das sonstige Weltgeschehen!). Das gilt nicht nur für Deutschland, hat aber andererseits schon eine besondere Wichtigkeit für den Fußball hierzulande. Das gilt nicht nur für die Bundesliga, die am Wochenende endlich ihre neue Saison gestartet hat. Leider mit erneuten unsäglichen Diskussionen über den Videobeweis. Doch dazu später mehr.

Schauen wir auf die nächsten Tage, im Mittelpunkt steht Bundestrainer Joachim Löw, der am Mittwoch in München offenlegen wird, wie er sich die Zukunft der Nationalmannschaft vorstellt. Die Pläne tangieren natürlich auch die Bundesliga. Löw muss die Weichen stellen, damit der Fußball die bei der WM verlorene Anerkennung wieder zurückgewinnt. Die spannende Frage also, wie verändert er den Kader der Nationalmannschaft und wie verändert er den Kader der Mitarbeiter und Trainer rund um das DFB-Team (oder wie der DFB will „Die Mannschaft“). Es wird ein erster Fingerzeig sein, wie Löw die Taktik in der Zukunft ändern will. Die erste Bewährungsprobe steht dann unmittelbar bevor, am 6. September in München gegen Weltmeister Frankreich zum Start der neuen Nations League.

Am Donnerstag geht es um die nahe Zukunft in Europas Fußball und um Ehrungen. Die Auslosung der Champions League in Monaco wird sicherlich mit mehr Spannung erwartet als die Ehrungen zum Fußballer und Fußballerin des Jahres. Was die Champions League angeht, da bangen manche Favoriten, ob sie trotz Setzliste mit harten Gegnern rechnen müssen. Das Los entscheidet auch darüber, ob wir interessante Gruppenspiele erwarten dürfen.

Die Wahl zum Fußballer des Jahres hat ihre Spannung allein darin, ob der ewige Cristiano Ronaldo wieder Erster ist oder den Juroren doch mal ein anderer Name eingefallen ist. „Fußballer des Sommers“ war ja Ronaldo schon, also sind wohl die Chancen der Herausforderer Luka Modric und Mohamed Salah wohl gering (das Ergebnis steht fest, wird nur erst am Donnerstag in Monte Carlo verkündet). Erstaunlich, Lionel Messi landete nur auf Rang fünf (eine kleine Wachablösung!), davor auf Rang vier ist Antoine Griezmann zu finden, immerhin mit Atletico Madrid Sieger der Europa League und Weltmeister. Ihn hatte der Sport-Grantler eigentlich als größten Herausforderer von Ronaldo erwartet. Unter den Top ten befindet sich übrigens kein deutscher Spieler. Hoffnung auf den Titel „Fußballerin des Jahres“ dürfen sich die Dänin Pernille Harder (Wolfsburg), die Norwegerin Ada Hegerberg und die Französin Amandine Henry (beide Lyon) machen.

Ja, und dann kommt der 31. August und damit in den meisten Ländern das Ende der Transferzeit. Große Hektik auf dem Spielermarkt ist in den nächsten Tagen noch zu erwarten und der eine oder Manager wird wohl trotz modernster Technik den Transferschluss um einige Minuten oder sogar Sekunden verpassen und als Depp der Nation dastehen. Das Ende der Transferzeit birgt ja einige Überraschungen und Kuriositäten in sich. Zum Beispiel wird dann auch bei Bayern München endgültig die Frage beantwortet, ob Jerome Boateng den Verein noch verlässt oder nicht. Der 31. August bringt es an den Tag.

Am Samstag gebührt ein wenig Aufmerksamkeit der deutschen Damen-Nationalmannschaft. Die DFB-Mädchen tragen da ihr entscheidendes Spiel der Saison aus, sie müssen nämlich ein Missgeschick vom Oktober in der WM-Qualifikation reparieren. Damals war eine 2:3-Niederlage gegen Island der Tiefpunkt einer negativen Entwicklung des einstigen Welt- und Europameisters sowie amtierenden Olympiasiegers. Steffi Jones erwies sich als Bundestrainerin als Fehlgriff, nun soll es der alte Kämpe Horst Hrubesch als Nothelfer richten, bevor Martina Voss-Tecklenburg (mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht) ihr Amt antritt. Hrubesch und seine Mädchen müssen noch zweimal gewinnen, um die direkte WM-Qualifikation zu schaffen, nämlich Samstag in Island und Dienstag auf den Faröer. Der Tabellenzweite muss in die Play-Offs. Hrubesch hat Vertrauen: „Wir werden gewinnen, das ist klar.“ Vor Monaten noch hätte es darüber auch keine Zweifel gegeben.

Der Bundesliga-Start leitete die Woche des Fußballs ein und er sorgte für Diskussionen. Schon das Auftaktspiel der Bayern gegen Hoffenheim (3:1) hatte es in sich, mit umstrittenen Entscheidungen rund um den Videobeweis, mit Wild-West in punkto Härte, wie es Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete, und mit einer schweren Verletzung von Coman nach einer „Blutgrätsche“ von Gegner Schulz (das hätte eigentlich Rot geben müssen). Am Samstag und Sonntag ging vor allem der Ärger mit dem Videobeweis weiter. Dabei war die Hoffnung groß, dass es ähnlich wie bei der Weltmeisterschaft in Russland klappen würde. Doch anders als bei der FIFA, war es in Deutschland zu unruhig. Der „Keller in Köln“, wo die Video-Referees residieren, wollte wohl seine Berechtigung dokumentieren und meldete sich viel zu oft. Es wurden die Fehler wie am Anfang gemacht: Der Video-Schiedsrichter verdrängte den Schiedsrichter auf dem Feld ins zweite Glied und verunsicherte ihn. So ist der Videobeweis sinnlos! Es sollen nur grobe Fehler repariert werden, das heißt, der Videobeweis dürfte höchstens drei- bis viermal pro Wochenende zum Einsatz kommen! Also mäßigt Euch, ihr Möchtegerns im Kölner Keller.

Ansonsten sind ein paar Dinge zum Saison-Start aufgefallen: Dortmund kann sich für seine Transferpolitik schon jetzt feiern lassen, das Mittelfeld-Duo Witsel/Delaney erweist sich als Volltreffer. Mit dem 4:1 gegen Leipzig profilierte sich die Borussia (als erster Tabellenführer) gleich als Bayern-Jäger Nummer 1. Die Bayern selbst mussten erleiden, wie die Konkurrenz die Jagd angehen will: Mit Härte. Hoffenheim sei gesagt, bei der Jagd auf den Meister geht es um Punkte, nicht um die Beine der Bayern-Spieler. Ein besonderes Glücksgefühl erlebte man beim FC Augsburg: Im achten Jahr der Bundesliga gelang der erste Sieg am ersten Spieltag. Leidtragender war Neuling Fortuna Düsseldorf und auch Mitaufsteiger Nürnberg verlor unglücklich in Berlin. Den Neulingen wurde also gleich verdeutlicht, wie hart das Brot in der Bundesliga ist.

Start der Premier League: Europa schaut nach England

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist Vergangenheit, der Ball rollt jetzt wieder auch in den großen Ligen Europas. „Appetitmacher“ waren die Ligen in Österreich, Schweiz oder Tschechien, richtig interessant wird es aber erst jetzt, wenn die Premier League in England startet, aber auch Ligue 1 in Frankreich. Allerdings könnten diese beiden Ligen unterschiedlicher nicht sein, da eine Masse an starken Traditionsvereinen, dort das übermächtige Paris St. Germain. Nächste Woche geht es auch in Spanien und Italien los, die Bundesliga wartet bekanntlich bis zum 24. August. Vorausschauend wurde Spielern und Vereinen viel Zeit gegeben, um die WM-Enttäuschung zu verarbeiten…

Im Mittelpunkt aber der Start der Premier League – alle schauen nach England. Bekanntlich übt die Premier League nicht nur eine große Anziehungskraft aus, weil dort der Fußball gelebt wird, sondern vor allem, weil die Geldtöpfe besonders gut bestückt sind. Diesmal schaut der Rest Europas allerdings auch deshalb nach England, weil die Premier League ein Experiment gewagt hat und die Transferliste bereits am Donnerstag, 9. August, geschlossen hat, so dass einigermaßen Ruhe an der Transferfront einkehrt, weil Englands Geld nicht mehr lockt. Andererseits können überzählige Spieler aus der Premier League durchaus abgegeben werden – auch deshalb lohnt sich also der Blick nach England! Mal sehen, ob es die Klubs in England am Ende als Vorteil werten, dass der Transfermarkt vor Beginn der Saison geschlossen wurde.

Aber lassen wir das Transfertheater, bleiben wir beim Sport. Und da stellt sich in England eine seltsame Frage: Gibt es wieder einen Alleingang von Manchester City? Pep Guardiola hatte in der letzten Saison die Liga geschockt, der Ex-Bayern-Coach dominierte mit seinem Team das Geschehen, eroberte 100 Punkte, sorgte für Langeweile an der Spitze mit 19 Punkten Vorsprung und seine Mannen erzielten 106 Tore. Fast eine Demütigung für die Konkurrenz, eine Überlegenheit wie sie in Deutschland mit Bayern München und Frankreich mit Paris St. Germain als schädlich erachtet wird. Der Unterschied: In Deutschland und Frankreich wird keine Änderung erwartet, in England schon.

Nur: Wer kann Pep Guardiola und seinen Mannen Paroli bieten? Dem Vorjahreszweiten und Lokalrivalen Manchester United mit Trainer Jose Mourinho wird dies eigentlich nicht zugetraut. Eher wird da der FC Liverpool mit Jürgen Klopp genannt. Der deutsche Coach hat sein Team gezielt verstärkt, vor allem die Schwachstelle Torhüter mit Roms Brasilianer Alisson geschlossen, zu dieser Zeit war es mit angeblich 72,5 Millionen Euro der teuerste Torhüter-Transfer. Zudem sollen Leipzigs Naby Keita, Fabinho und Shaqiri das Mittelfeld verstärken bzw. den Kader insgesamt besser machen. Jürgen Klopp rüstet sich wie in Dortmund in seinem dritten Jahr zum Kampf um den Titel. Schon in der Bundesliga hat er Pep Guardiola bekanntlich gerne geärgert.

Die weiteren großen Rivalen in London versuchen es mit neuen Trainern. Bei Arsenal ging die große und erfolgreiche Ära des Franzosen Arsene Wenger zu Ende, Unai Emery musste in Paris gehen, weil der Erfolg in der Champions League ausblieb. Jetzt soll er die Titelträume der Arsenal-Fans erfüllen, die letztmals 2004 die Meisterschaft feiern durften (in Liverpool wartet man schon seit 1990!). Antonio Conte hatte mit Chelsea erst 2017 den Titel geholt – und dennoch war er nicht mehr wohl gelitten. Jetzt soll es Maurizio Sarri richten, der in Neapel mit viel Erfolg gearbeitet hat. Chelsea sorgte zum Transferschluss noch für Aufmerksamkeit, weil sich Belgiens WM-Torhüter Courtois Richtung Real Madrid verabschiedet und die Londoner dafür einen 23-Jährigen Keeper namens Kepa von Athletic Bilbao holten – für 80 Millionen Euro, jetzt ist der Spanier der teuerste Torhüter der Welt. Aber alle sollten auch Mauricio Pochettino nicht übersehen, fast heimlich, still und leise hat er aus den Tottenham Hotspurs einen Meister-Anwärter gemacht, allen voran geht bzw. trifft der WM-Torjäger Harry Kane.

Der Rest des Feldes ist auch in England mehr oder weniger nur Staffage und hofft höchstens auf einen Platz in der Europa League. Apropos Europa, mit dem Brexit will sich Großbritannien ja politisch und wirtschaftlich von Europa entfernen, im Fußball will England endlich in Europa triumphieren. Fast eine Schmach und für die größte Geld-Liga Europas, dass man in der Champions League den Henkel-Pott zuletzt immer anderen überlassen musste, zuletzt dreimal Real Madrid. Immerhin war der FC Liverpool 2018 im Finale und verlor unglücklich mit 1:3. Den Titel gewann zuletzt Chelsea London 2012 glücklich gegen Bayern München, davor brachte 2008 Manchester United den Pott nach England heim. Den Run der Spanier seit 2014 (2015 siegte der FC Barcelona und davor 2013 Bayern München) will man vor allem in England endlich beenden. Man will sich nicht mehr nachsagen lassen, dass Geld keinen Erfolg bringt. Auch deshalb schaut Europa nach England.

Nach dem Finale der Tränen: Spaniens Triumph

Im Fußball Europas geht die Angst um. Wo man auch hinsieht, fast überall gibt es dominierende Mannschaften und beim Kampf um den Titel von Spannung keine Spur. Jetzt gilt das nicht nur für die nationalen Ligen, wie zum Beispiel in Deutschland und Frankreich, sondern auch für die Champions League: Real Madrid machte den Hattrick perfekt und die Konkurrenz sucht nach dem Schlüssel, um Reals Code zu knacken. Es war ein Finale der Tränen in Kiew beim 3:1 von Real gegen den FC Liverpool, aber Madrids Sieg festigte auch Spaniens Triumph in Europa, denn Lokalrivale Atletico hatte schon die Europa League gewonnen. Spanien ist die Nummer 1 in Europa, Madrid die Fußball-Hauptstadt.

Die Tränen flossen reichlich und brachten die Spötter auf die Bühne. „Die sollen in der Kabine heulen“, ätzte zum Beispiel Deutschlands Torhüter-Legende Oliver Kahn im ZDF. Aber es war vielleicht das traurigste Finale aller Zeiten. Nach 30 Minuten musste Liverpools Star Mo Salah mit einer Schulterverletzung vom Platz, niedergerungen von Real-Kapitän Sergio Ramos fiel er unglücklich auf die rechte Schulter (Ramos gab ihm den Rest) und musste unter Tränen aufgeben. Hoffnung für die WM gibt es noch. Eine notwendige Gelbe Karte für „Wrestler Ramos“ (Liverpool-Trainer Jürgen Klopp) gab es nicht. Wenig später erwischte es den Spanier Carvajal, auch hier wurden WM-Hoffnungen zerstört und Tränendrüsen aktiviert.

Am Schlimmsten aber heulte am Ende natürlich Liverpools Unglücksrabe Loris Karius, der Torhüter erlebte den fürchterlichsten Abend seiner Karriere, als er zuerst unkonzentriert den Ball abwarf und Benzema mit einem Reflex den Ball im Tor unterbrachte, dann einen Schuss von Bale ins Netz gleiten ließ. Karius wünschte sich da lieber auf dem Mond als in Kiew. Als er sich bei Fans und Mannschaft entschuldigte, flossen die Tränen wohl auch deshalb, weil er befürchten muss, dass dies Ende einer möglichen großen Karriere gewesen sein kann. Zerknirscht war er natürlich auch, weil er wusste, dass er seiner Mannschaft den Traum vom Sieg in der Champions League hat platzen lassen. Auch Jürgen Klopp muss weiter warten.

Die Konkurrenz muss auch weiterhin warten auf Schwächen von Real Madrid. Der Weg zum dritten Triumph war schon etwas eigenartig und mit vielen seltsamen Entscheidungen zugunsten der „Königlichen“ gepflastert. Für die Herausforderer bauen sich gegen Real besonders hohe Hürden auf. Juventus Turin in letzter Minute umstritten besiegt, gegen Bayern München glücklich ins Finale gekommen und nun legte sich Liverpool die Bälle selbst ins Tor. Wegbereiter dazu war auch Sergio Ramos, der Kapitän hatte Karius kurz vorher mit einem Ellenbogencheck fast ins Reich der Träume gebracht, die Aktion gegen Salah war Ringen und kein Fußball. Das Schiedsrichter-Gespann um den Serbe Mazic verschloss die Augen. Es muss in Zukunft auch für Real entsprechende Strafen geben. Das war nicht würdig für das große Real Madrid, das seinen 13. Titel in der Champions League und Vorläufer Europacup der Landesmeister gewann.

Die Konkurrenz darf hoffen, denn Weltfußballer Cristiano Ronaldo feierte seltsam emotionslos den Sieg und ließ verklausuliert einen Abschied von Real erkennen. Allerdings war er in Halbfinale und Finale kaum zu sehen. Auch Gareth Bale könnte sich einen anderen Arbeitgeber suchen, der Waliser war mit einem Traumtor der Star des Abends, möchte aber insgesamt mehr auf dem Platz stehen. Über allen Fragen steht der Name Neymar. Der Brasilianer soll in Paris nicht glücklich sein, dem neuen Trainer Thomas Tuchel wurde aber garantiert, dass der Torjäger bleiben müsse. Oder gibt es einen Tausch mit Ronaldo? In Madrid ist er immer wieder im Gespräch. Und Ronaldo geht es vor allem um eines: Er möchte nicht nur der beste Fußballer, sondern auch der am besten verdienende Fußballer der Welt sein. Wer öffnet seine Schatulle, damit er Messi und Neymar überholen kann?

In der neuen Saison wird es also einen neuen Angriff auf Real geben. Egal ob Barcelona oder Paris, die das nationale Double gewannen, der Sieg in der Champions League zählt mehr. Auch Pep Guardiola will persönlich und mit Manchester City wieder international angreifen und Bayern München endlich den nächsten Schritt machen und über das Halbfinale hinauskommen. Barcelona hatte in der nationalen Meisterschaft 17 Punkte Vorsprung auf Real, aber glücklich wurde man nicht, weil man eben in Kiew nur Zuschauer war. Wird das Ende der Ära Real Madrid demnächst eingeläutet?

Bald wird die Frage beantwortet, ob die Erfolgswelle der spanischen Klubs auch Auswirkungen auf Spaniens Nationalmannschaft hat, die bei der Weltmeisterschaft ab 14. Juni in Russland nämlich auch als großer Favorit gilt. Dann wäre der Triumph des spanischen Fußballs wirklich perfekt. Brasilien und Deutschland gelten als größte Konkurrenten, in erster Linie werden vor allem Jogi Löw und seine Mannen als Titelverteidiger gejagt. Keiner wird sich aber auf so viel Wohlwollen wie Real Madrid auf dem Weg zum Titel verlassen können.

Bayerns unerfüllter Traum vom Henkel-Pott

Wachen dunkle Mächte über dem Henkel-Pott der Champions League? Es scheint fast so zu sein, dass höhere Wesen die Hand darüber halten, dass am Ende die besten Vereine Europas um den Siegerpokal der Champions League kämpfen, am Ende aber immer Real Madrid gewinnt. Schon auffallend, dass Jahr für Jahr strittige Schiedsrichter-Entscheidungen Real den Weg zum Sieg ebnen. Real steht vor dem Hattrick, dem vierten Erfolg in fünf Jahren.

Leidtragender war wieder einmal Bayern München. Der Deutsche Meister konnte erhobenen Hauptes die Bühne Madrid verlassen, aber dass sie die bessere Mannschaft waren und den Finaleinzug verdient gehabt hätten, dafür können sich die Bayern nichts kaufen. Es bleibt der unerfüllte Traum vom Henkel-Pott und wenn sich Fehler und falsche Pfiffe wiederholen, dann bleibt der Traum noch lange unerfüllt. Nun, Wartezeiten sind die Münchner gewohnt. Nach dem Hattrick der legendären Beckenbauer-Elf 1974, 1975 und 1976 im Europapokal der Landesmeister dauerte es 25 Jahre bis zum ersten Erfolg in der Champions League 2001 und dann wieder 12 Jahre bis zur Wiederholung 2013 mit dem berühmten Triple. Seitdem stehen vor allem spanische Vereine und schwache Schiedsrichter-Leistungen im Wege. Seit dem Titelgewinn war viermal im Halbfinale und 2017 im Viertelfinale Schluss. Schon heute schwören sich die Spieler auf das nächste Jahr ein, nach dem Motto: Einmal muss es doch klappen.

Die große Frage, auf die wohl keiner eine Antwort weiß: Wie kann man diese dummen Fehler in den entscheidenden Spielen vermeiden? Die Bayern haben sich beim 1:2 und 2:2 gegen Real Madrid auch selbst geschlagen. Rafinha mit einem groben Schnitzer im Hinspiel, Torhüter Ulreich mit einem Blackout im Rückspiel waren die Wegbereiter zum Aus. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sah zwar am Dienstag „das beste Bayern-Spiel seit fünf Jahren“, aber es gab keinen Ertrag. 22:9 Schüsse und nur 2:2 Tore sind eine fast erschreckende Bilanz. Die Torjäger Lewandowski und Thomas Müller hatten in den entscheidenden Spielen Ladehemmung.

Eigentlich wähnten viele die Bayern in dieser Saison am Scheideweg. Die Flügelflitzer Robben und Ribery gehen auf die Rente zu, die Trainer Jupp Heynckes ab dem Sommer endgültig wieder genießen will. Spieler wie Lewandowski und Abwehr-Ass Jerome Boateng bringen immer wieder Wechselgedanken ins Spiel, da wird die Aufgabe nicht leichter. Allerdings zeigte diese Saison auch, dass den Bayern der Umbruch gelingen kann. Nachwuchstalent Kimmich war der Torjäger gegen Real, Niklas Süle der Überraschungsmann in der Abwehr, Coman stach vor seiner Verletzung Robben und Ribery aus, Gnabry empfahl sich in Hoffenheim.

Um aber den Henkel-Pott zu holen, muss alles passen, das hat der Sport-Grantler schon zu Saisonbeginn geschrieben. Kaum hatte zum Beispiel Jupp Heynckes davon gesprochen, dass seine Mannen fit seien, da fielen nacheinander Vidal, Boateng und Robben aus, Torhüter Neuer und Coman fehlten sowieso schon. Ausfälle die nicht zu verkraften sind. Und mit Geld wollen die Bayern weiterhin nicht um sich werfen, sie setzen auf kluge Verstärkung und sollten schnell dafür sorgen, dass James an Bord bleibt, der ja noch Real Madrid gehört. Schade für ihn, ein Sieg in Madrid wäre sein persönlicher Triumph gewesen.

Die Jagd nach dem Henkel-Pott wird nicht leichter werden, denn wir wissen, vor allem russische Oligarchen und arabische Scheichs lechzen nach dem Erfolg und schmeißen mit Geld um sich. Auch sie stoßen an Grenzen (siehe Kommentar vom 8. März „Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen“), aber vor allem Manchester City und Paris St. Germain träumen wie die Bayern vom Finale. Da platzen mehr Träume als in Erfüllung gehen können.

Geld spielt also nicht die entscheidende Rolle, aber die Schiedsrichter tun es. Wieder einmal erschreckend die unterschiedliche Auslegung des Handspiels bei den Referees Cakir (Türkei) in Madrid Skomina (Slowenien) in Rom. Die Bayern hätten einen Elfmeter bekommen müssen (es hätte das 2:1 sein können) und die Roma zwei Elfmeter, bevor sie in der Schlussminute doch noch einen fragwürdigen bekamen. Falsches Spiel oder nur falsche Pfiffe? Rom Sportdirektor Monchi hat nicht Unrecht, wenn er behauptet, „das Finale hätte Bayern gegen Rom heißen müssen“. Es heißt tatsächlich Real Madrid gegen FC Liverpool und nicht nur die deutschen und englischen Fans werden Jürgen Klopp und seinen Mannen die Daumen drücken. Beeindruckend ist die Siegesserie der „Reds“ schon, die mit den Play-Offs gegen Hoffenheim begann.

Die Bayern haben auch noch ein Endspiel, am 19. Mai in Berlin das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt. Ein Sieg wäre nur ein bisschen Trost und Balsam auf die Wunden, selbst das Double könnte die Enttäuschung über das verpasste Champions-League-Finale nicht gänzlich verdrängen. Die spannende Frage: Schafft es der beste Torhüter der Welt, Manuel Neuer, bis dahin wieder im Tor zu stehen oder vertraut Jupp Heynckes am Schluss seiner Karriere dem Unglücksraben Sven Ulreich? Und wenn, halten dann Ulreichs Nerven? Nur eins steht fest: Am 20. Mai wird auf dem Marienplatz in München gefeiert. Das lassen sich die Bayern nicht nehmen, ohne DFB-Pokal wäre die Stimmung allerdings schon getrübt. Die Meisterschale allein macht die Bayern nicht mehr glücklich.

Von Königen und den Königlichen

Die Fußball-Bundesliga ist für den FC Bayern München nur noch Alltag, jetzt stehen aber die großen Feiertage bevor. Das Duell mit Real Madrid in der Champions League ist schließlich etwas Besonderes. Die „schwarze Bestie“ wurden die Bayern einst in Madrid genannt, weil die Münchner Real leiden ließen. Das hat sich zuletzt gedreht, vor den beiden Begegnungen am Mittwoch, 25. April, in München und Dienstag, 1. Mai, in Madrid kann sich Real auf eine positive Bilanz stützen und muss nur die Erfolgsbilanz von Jupp Heynckes fürchten.

Beide Vereine haben etwas Königliches gemeinsam. Da sind die Bayern, in deren Landen die sogenannten Königstreuen noch von einem bayerischen König träumen. Schloss Neuschwanstein, der Prachtbau von Ludwig II., lässt grüßen. Der moderne Touristenmagnet ist aber die Allianz-Arena in München, das Stadion mit dem Schwimmreif, der aber keinem Gegner zugeworfen wird, wenn er ins Schwimmen kommt. Das wird allerdings der Titelverteidiger nicht fürchten, denn Real wird schließlich als die „Königlichen“ bezeichnet. Nur einer aber kann in der Champions League am Ende regieren (wobei man den Sieger aus der Partie Liverpool – AS Rom nicht unterschätzen sollte).

Die Bilanz also spricht für Real. Zum 19. Mal kommt es in der Champions League zu diesem Vergleich (Rekord!), neunmal siegte Real, achtmal Bayern. Aber: Bayern verlor die letzten fünf Duelle! Die Bayern verloren überhaupt nur zwei der letzten 25 CL-Heimspiele – beide gegen Real. Auffallend: Welt-Fußballer Cristiano Ronaldo trifft immer gegen die Münchner. Einzige Statistik-Hoffnung: Mit Trainer Jupp Heynckes erreichten die Bayern immer das Finale (2012 und 2013) und holten 2013 bekanntlich das begehrte Triple. Noch gut in Erinnerung ist aber der Vergleich vom letzten Jahr, als Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Ausscheiden tobte: „Wir sind beschissen worden.“ Trainer Carlo Ancelotti machte beim 1:2 und 2:4 n. V. auch Fehler, mehr Fehler (insgesamt sieben schwere, davon fünf gegen Bayern) aber machte Schiedsrichter Kassai (Ungarn) und Real profitierte davon. Die Bayern sagen, sie treten mit breiter Brust an, was sie aber auch brauchen, ist ein guter Schiedsrichter. Nominiert ist der Holländer Kuipers.

Ein Finale haben die Münchner bekanntlich schon erreicht, das DFB-Pokalfinale mit einem überzeugenden 6:2 bei Bayer Leverkusen, das einen Vorgeschmack auf die Real-Duelle gab. Der 19. Mai wird im deutschen Fußball jetzt zum Bayern-Tag, denn vor den Männern in Berlin gegen Frankfurt treten die Frauen ebenfalls im Finale in Köln gegen Wolfsburg an. Es könnte ein besonderes Double für München werden. Begehrter wäre aber noch der Final-Termin am 26. Mai in Kiew – das Champions-League-Finale.

In der Bundesliga gewinnen die Bayern quasi mit einer besseren B-Elf, herschenken wollen sie nichts. Geschenke machen andere, so RB Leipzig, das dabei ist, einen Platz in der Champions League zu verspielen. Kein Wunder, dass dort der Baum brennt und plötzlich sogar Erfolgscoach Ralph Hasenhüttl angezählt wird. Sind das nur Nachwirkungen aus den zusätzlichen Belastungen aus den Europa-Abenden? Konstanz zeigt kaum eine Mannschaft, Leverkusen wähnte sich im Aufwind und musste dann folgenschwere Niederlagen gegen die Bayern und Dortmund hinnehmen. Dortmund wiederum feierte mit dem 4:0 gegen Leverkusen fast schon eine wundersame Wiederauferstehung. Frankfurt wiederum hat den Kovac-Abschied nicht verdaut und droht ganz aus den Europa-Rängen zu verschwinden. Es bleiben noch drei Spieltage voller Brisanz.

Dies natürlich vor allem im Abstiegskampf. Für einige der beteiligten Vereine heißt es, der Abstiegskampf kann zu Hause entschieden werden. Dies gilt vor allem den kommenden Samstag, wenn mit Freiburg (gegen Köln) und Wolfsburg (gegen Hamburg) zwei Vereine, die der Relegation entgehen wollen, ihre Gegner in die zweite Bundesliga schicken können. Da gibt es also echte Endspiele.

Kein Endspiel mehr muss der FC Augsburg bestreiten. Vor der Saison als einer der heißesten Abstiegskandidaten gehandelt, sicherten sich die Schwaben mit dem 2:0 gegen Mainz vorzeitig den Klassenerhalt. Eine starke Vorrunde (9. mit 24 Punkten) war die Basis. Jetzt wurde nach zuvor vier Heimniederlagen in Folge besonders gefeiert und ironisch auf speziellen Trikots gefragt: „ObACHT – auch im nächsten wieder Abstiegskandidat Nummer 1?!“ Könnte sein, wenn der FCA seine Stars verliert, die für Furore gesorgt haben. Verteidiger Philipp Max zum Beispiel, bisher bester Vorlagengeber der Bundesliga, jetzt aber von Thomas Müller (14:13) übertrumpft. Oder Torjäger Alfred Finnbogason. Der Isländer war nach langer Verletzungspause erstmals wieder dabei und zeigte seinen Wert für die Mannschaft. Er wird Begehrlichkeiten wecken bei der Konkurrenz, wäre vielleicht sogar einer für die Bayern, wenn Torjäger Robert Lewandowski doch dem Werben von Real Madrid erliegt. Da ist auch Michael Gregoritsch, der eine starke Saison spielte und schon mal ein „Ätsch“ nach Hamburg schickte, die ihn nicht mehr wollten. Augsburg kann die letzten Spiele genießen, aber für Manager Stefan Reuter beginnt die Arbeit jetzt erst richtig. Die achte Saison ist gesichert, wie die Kegler wollen sie aber „alle Neune“.

Europas irre Fußball-Abende

Mein Gott, warum haben wir solange auf solche Abende warten müssen. Quälend lang zieht sich die Champions League ab September mit der Gruppenphase dahin. Verband und Fernsehen wollen es so, das Geld zählt, nicht der Spaß. Aber erst im Frühjahr erwacht der Fußball zusammen mit der Natur, beide explodieren förmlich und wir erfreuen uns an Europas irren Fußball-Abenden.

Es war wirklich viel los in den vergangenen Spielen und dass vier Teams aus vier Nationen im Halbfinale der Champions League (CL) stehen, hat es auch schon lange nicht mehr gegeben. Aber der Weg dahin war so attraktiv, dass es in den letzten fünf Spielen wohl keine Steigerung mehr geben kann. Die Aufholjagd der Roma gegen den FC Barcelona wird ebenso unvergessen bleiben wie der Triumph des FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp gegen Manchester City und seinen alten Kontrahenten aus der Bundesliga, Pep Guardiola.

Auch Juventus Turin kratzte an der Sensation, als es ein 0:3 gegen Real Madrid aufholte, dann aber von einer harten Schiedsrichter-Entscheidung des Engländers Oliver gestoppt wurde. Nicht jeder Referee hätte bei dem Einsteigen von Benatia gegen Vazquez Elfmeter gepfiffen, vor allem nicht in der Verlängerung eines solch dramatischen Spiels. So waren Oliver und Torschütze Cristiano Ronaldo Spielverderber und Henker zugleich, so dass sich Turins Torhüter-Legende Gigi Buffon mit einer Roten Karten von Europas Bühne verabschiedete, weil er (verständlich) die Entscheidung so nicht hinnehmen wollte. Es war Dramatik pur, das Tüpfelchen aufs „i“ der irren Fußball-Abende.

Sauer war auch Manchesters Trainer Pep Guardiola. Der Katalane vermutet sogar eine spanische Verschwörung hinter den Entscheidungen des eigentlichen Landsmannes Lahoz, der einem regulären Tor von Flügelflitzer Sane die Anerkennung verweigerte. Schon im Hinspiel mussten City und Pep unter falschen Schiedsrichter-Entscheidungen leiden, doch da war der Münchner Felix Brych an der Pfeife. Aber diese Spiele zeigten einmal mehr deutlich, dass es zum Titelgewinn neben Leistung und ein bisschen Glück auch einen guten Schiedsrichter braucht. Das wollen wir nicht, dass es erst durch zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen irre Fußball-Abende gibt.

An irre Fußball-Abende mit zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidungen wird sich auch Bayern München erinnern, nämlich im letztjährigen Viertelfinale gegen Real Madrid mit einem unglücklichen Ausscheiden nach 2:1 und 2:4 nach Verlängerung. Jetzt treffen die beiden Giganten im Halbfinale wieder aufeinander und die Gesamtbilanz liest sich für die Bayern gar nicht so schlecht, die Bilanz ist nämlich ausgeglichen mit je elf Siegen und zwei Unentschieden. Was aber die Münchner zum Außenseiter macht: Die letzten fünf Vergleiche gingen alle an Real. Und was auch noch dazu kommt (siehe oben): Die Königlichen haben bei den Referees offensichtlich ein Stein im Brett, die Pfiffe gibt es im Zweifel für die Königlichen. Wenn es denn im Halbfinale überhaupt Außenseiter gibt, dann treffen diese im zweiten Duell mit Liverpool und Rom aufeinander. Da darf Jürgen Klopp weiter vom ersten Titel mit Liverpool träumen.

Auffallend ist, dass die Bayern eine Ausnahme unter den vier Halbfinalisten darstellen: Nur sie können sich mit einem nationalen Titel schmücken. Alle anderen sind in der nationalen Meisterschaft abgeschlagen, selbst Real sieht in Spanien Tabellenführer FC Barcelona nur aus der Ferne. Das macht die Aufgabe der Bayern noch einmal schwerer, weil sich Real allein auf die Champions League konzentrieren kann, die Bayern wollen stattdessen auch noch im nationalen Pokal bestehen (Dienstag in Leverkusen). Andererseits überstrahlt der Sieg in der CL die nationale Meisterschaft, so dass sich Barcelona, Juventus und Paris St. Germain praktisch nur einen Trostpreis abholen. Nur die Bayern haben deshalb noch die Chance auf das Triple. Real wiederum will den Hattrick mit drei CL-Siegen in Folge. Damit steht fest: Ein Traum wird im Halbfinale platzen, vielleicht nach einem irren Fußball-Abend.

Start in das WM-Jahr – die heiße Fußball-Zeit beginnt

Am Freitag, 16. März, fiel gewissermaßen der Startschuss: In der Champions League wurde das Viertelfinale ausgelost, die Top-Teams sind unter sich. Zwei Stunden später verkündete Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader für die Länderspiele gegen Spanien und Brasilien, die erste Auswahl im WM-Jahr, die wohl Fingerzeige geben sollte. Das bedeutet: Wir haben den Start in das WM-Jahr – die heiße Fußball-Zeit beginnt.

Das es heiß wird, davon kann vor allem der FC Bayern München reden, denn nach der Länderspielpause stehen dem Deutschen Meister vom 31. März an (Gegner Dortmund) mit Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League (also das Triple, von dem die Bayern träumen) sieben Spiele in 21 Tagen bevor, der April wird der Monat der Entscheidung. Der Start in die heiße Phase war für die Münchner glücklich, bei der Viertelfinal-Auslosung der Champions League wurde keiner der großen Favoriten gezogen, sondern der FC Sevilla. Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, „es gibt keine leichten Gegner mehr“, heißt es natürlich, aber Sevilla ist sicher leichter als Barcelona oder Real Madrid. Das Halbfinale sollte möglich sein. Aber: Sevilla gewann schließlich die Europa League von 2014 bis 2016 dreimal hintereinander und schaltete Manchester United aus. So schlecht sind die Spanier also nicht.

Drei Teams aus Spanien, zwei aus England und Italien sowie die Bayern schafften es ins Viertelfinale. Ein englischer Vertreter wird auch im Halbfinale zu finden sein, denn der FC Liverpool und Manchester City treffen aufeinander, die alten Konkurrenten Jürgen Klopp und Pep Guardiola duellieren sich also wieder. Erstaunlich: Die Bilanz spricht mit sechs Siegen, einem Remis und fünf Niederlagen für Klopp! Das zweite heiße Duell ist der Aufguss des letzten Finals, Juventus Turin und Titelverteidiger Real Madrid treffen sich diesmal bereits im Viertelfinale. Schwierig für die alten Herren der alten Dame Juve, Real will seine letzte Chance auf einen Pokal in der Champions League nutzen und außerdem den historischen Triumph erweitern: Sie schafften erstmals eine erfolgreiche Titelverteidigung, jetzt wollen Ronaldo und Co. den Hattrick. Er ist nur noch fünf Spiele entfernt. Im vierten Duell ist der FC Barcelona großer Favorit gegen den AS Rom.

Im April und Mai gehören die Fußball-Schlagzeilen der Champions League, danach übernimmt endgültig die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Doch die WM ist quasi bei jedem Spiel präsent, geht es doch um die endgültige Auswahl der Nationaltrainer, jedes Match ist eine Bewährungsprobe für die Kandidaten. Bundestrainer Joachim Löw hat ein bisschen Einblick gegeben, aber die Karten noch nicht auf den Tisch gelegt. Der Kader für die Länderspiele gegen Spanien am 23. März in Düsseldorf und Brasilien am 27. März in Berlin wurde bewusst groß gehalten. Bei 26 Spielern muss Löw nicht allzu viele enttäuschen, zumal er zwei Kandidaten guten Gewissens zu Hause lassen kann, nämlich die Dortmunder Marco Reus und Mario Götze, die nach langer Verletzungspause noch nicht in Hochform sein können und sich lieber schonen sollen. Sie stehen auf der Warteliste. So ist kein einziger Dortmunder im Aufgebot. Das Ausscheiden gegen Salzburg in der Europa League (1:2 und 0:0) zeigte, warum.

Ein bisschen in die Karten schauen kann man Jogi Löw jedoch schon, obwohl er wie üblich betont, dass die Tür für jeden noch offen stehe. So hält er an seinem bekannten Torhüter-Trio fest (außer Kapitän Manuel Neuer auf den er ja noch hofft), Münchens Neuer-Vertreter Sven Ulreich, der derzeit als bester Torhüter der Bundesliga gilt, bekam keine Chance. Wenn Löw ihn hätte testen wollen, dann wohl jetzt. Das gilt auch für den Augsburger Philipp Max, dem viele eine Chance als Linksverteidiger gegeben hätten, schließlich ist er der Vorlagen-König der Bundesliga. Statt ihm kehrt der etablierte Jonas Hector vom 1. FC Köln wieder zurück. Ein schlechtes Zeichen hat wohl auch Flügelflitzer Amin Younes bekommen, der gerade bei Ajax Amsterdam Probleme hat, denn er fehlt.

Dagegen drückt sich Löw bei 26 Kandidaten vor weiteren Entscheidungen. So sind neben Timo Werner die klassischen Strafraum-Mittelstürmer Mario Gomez und Sandro Wagner dabei, doch nur für einen wird Platz im WM-Aufgebot sein. Kandidaten für die Streichliste sind wohl auch Lars Stindl (Gladbach) und Sebastian Rudy (Bayern). Der eine hat nicht die Form wie zum Beispiel vom Confed-Cup, der andere hat nicht allzu viele Spielanteile beim neuen Verein. Keine guten WM-Voraussetzungen.

Soll es draußen auch noch einmal stürmen und schneien, der Fußball ist ganz heiß. Das Frühjahr ist traditionell in den großen Ligen die Zeit der Entscheidungen. Im Fußball wird die Ernte im April und Mai eingefahren, doch die Mehrheit der Klubs wird am Ende eher von einer schlechten Ernte sprechen.

Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen

Das hat sich Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani so einfach vorgestellt: Wenn ich ein paar hundert Millionen Euro in eine Mannschaft stecke, dann ist der Erfolg garantiert. Jetzt weiß er: Das ist garantiert nicht so. Spätestens am Dienstag muss ihm das schmerzhaft bewusst geworden sein, enttäuscht verließ er nach 66 Minuten den Prinzenpark in Paris, um nicht die große Demütigung seiner Mannschaft erleben zu müssen. Da führte Real Madrid bei Paris St. Germain mit 1:0 und nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel war eigentlich alles klar. So bekam der Emir von Katar auch die letzte Demütigung nicht mit, die zweite Niederlage von Paris.

Die Fußball-Fans in aller Welt, vor allem die Ultras (außer denen in Paris oder Frankreich vielleicht) werden glücklich sein, weil sich der begehrteste Pokal in Europa gewehrt hat, der Henkel-Pott der Champions League lässt sich nicht so einfach kaufen.

Der Emir hat das wohl nicht als Experiment sondern als Geschäft angesehen, als er 2011 beim Pariser Nobelklub einstieg. Inzwischen soll er 935 Millionen Euro investiert haben, aber es reichte in allen Jahren sogar nicht immer zum nationalen Titel. Mit der Verpflichtung des Brasilianers Neymar sollte der Großangriff endlich erfolgreich sein. Für Neymar blätterte der Scheich 222 Millionen Euro hin und machte den Stürmer zum teuersten Spieler der Welt. Mit Geld allein kann man den Pokal aber nicht kaufen, ausgerechnet vor den entscheidenden Spielen verletzte sich Neymar, das Geld versickerte buchstäblich im Sand der Wüste.

Die Katari haben übersehen, dass viele gute Einzelspieler bis zu einer gewissen Grenze Erfolge garantieren, aber für den ganz großen Coup braucht es mehr, nämlich auch ein Quäntchen Glück, vor allem aber Mannschaftsgeist. Und eine gewachsene Mannschaft mit großem Teamgeist ist Paris St. Germain nicht, kann es vielleicht auch nicht sein. In einer Ansammlung von Stars herrscht meist vor allem der Geist des Neids. Und sinnvoll zusammenstellt scheint die Mannschaft des französischen Meisters auch nicht, manchmal kann man für weniger Geld zielgerichtet die sinnvolleren Spieler einkaufen. In den Duellen mit Real Madrid zeigte sich, das die alternden Dani Alves (34 Jahre), Thiago Silva (33) und Thiago Motta (35) nicht unbedingt die großen Hoffnungsträger sind.

Es muss für Weltfußballer Cristiano Ronaldo eine Genugtuung gewesen sein, mit Real den Emporkömmling mit dem vielen Geld in die Schranken verwiesen zu haben. Ronaldo schmerzt es, dass er als bester Spieler der Welt, als der er sich fühlt (und der vielleicht Messi heißt), nicht auch der teuerste und der meistverdienende ist. Dafür gibt es eigentlich nur eine Lösung: Der Emir muss noch einmal tief in die Kasse greifen und Ronaldo verpflichten! Nein, besser wäre es, nicht den schnellen Erfolg zu suchen, sondern eine Mannschaft langfristig aufzubauen. Die letzten Jahre kam das Aus im Achtelfinale gegen die großen Favoriten FC Barcelona (mit dem 1:6 nach 4:0 in Paris) und eben Real Madrid, das in der Champions League zu besonderen Leistungen fähig ist und vom Hattrick träumt. Da wird sich der Henkel-Pott wohl nicht wehren. Das erste Opfer des Misserfolgs steht fest, Trainer Unai Emery muss nach der Saison gehen.

Die ersten Achtelfinal-Rückspiele bewiesen, dass Geld keine Berge versetzen kann, wohl aber der Mannschaftsgeist. Die alternden Stars von Juventus Turin waren der Gegenentwurf zu Paris St. Germain und bewiesen beim 2:1 bei den Tottenham Hotspur Comeback-Qualitäten. Tottenham war überlegen, war die bessere Mannschaft, doch die alte Dame Juve war quicklebendig und wendete in drei Minuten das Blatt. Der England-Fluch mit dem Ausscheiden in den letzten fünf Duellen war besiegt und die Premier League wird nicht in voller „Mannschaftsstärke“ (fünf Teams im Achtelfinale) in die nächste Runde einziehen.

Das nächste große Duell steht mit FC Barcelona – Chelsea London am Mittwoch, 14. März, an, die Auslosung am 16. März wird besonders interessant werden. Mit dabei sicher der deutsche Meister Bayern München nach dem 5:0 im Hinspiel gegen Besiktas Istanbul. Da steht beim Gastspiel am Mittwoch (18.00 Uhr) in der Türkei wohl mehr das Sightseeing im Mittelpunkt. Die Bayern schwören übrigens auch auf den Mannschaftsgeist, der damit die Grundlage für den Cup-Gewinn 2013 war. Das sollte der Emir wissen.