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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: FIFA

Bei der FIFA wird sich nichts ändern

 

Keine drei Wochen sind es noch, bis im Weltfußball die Weichen neu gestellt werden sollen. Ein neuer FIFA-Präsident wird gesucht und soll am 26. Februar gewählt werden. Doch kann ein neuer Präsident überhaupt gewählt werden? Die Angst geht um vor den Tricks des alten Präsidenten Joseph S. Blatter, der, so sagt er es selbst süffisant „nicht offiziell zurückgetreten ist. Ich bin immer noch der gültige Präsident, wenn auch das Amt zwangsläufig ruht“. Es droht eine Schlammschlacht.

Alle Anzeichen deuten sowieso darauf hin, dass sich beim Fußball-Weltverband nichts ändern wird. Siegchancen für eine mögliche Neuwahl werden allein noch Gianni Infantino, dem UEFA-Generalsekretär, und Scheich Salman bin Ibrahim Al-Khalifa (Bahrain), Mitglied der Königsfamilie und Verbandsboss in Asien, eingeräumt. Infantino weiß die Europäer auf seiner Seite, Al-Khalifa hat die Verbände von Asien und Afrika hinter sich, gilt als Favorit. Er will mehr als 100 Stimmen schon hinter sich haben, insgesamt 209 Verbände stimmen ab…

Beide Kandidaten stehen keineswegs für einen Neuanfang bei der FIFA. Wie man es den Scheichs so nachsagt, wird bei Al-Khalifa vor allem das Geld eine Rolle spielen, das Geld, das er großzügig vor allem an die kleinen Verbände verteilen wird und auf deren Stimmen er also hoffen kann. Dass ihm in Bahrain Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, spielt da fast keine Rolle. Der Scheich bestreitet dies, andere machen es nicht zum Thema. Der Schweizer Infantino schielt natürlich auch auf die Stimmen der kleinen Verbände und hat sich für die Stimmenfang etwas anderes ausgedacht: Aufstockung der WM auf 40 Nationen. Da dürfen weitere kleinere Verbände aus Afrika, Asien und Südamerika auf ein Festmenü an den WM-Fleischtöpfen hoffen. Vorschläge im Sinne des Sportes hat man bisher keine gehört. Mit 40 Teilnehmern würde die WM weiter verwässert. Ein Vorschlag, der wie ein verzweifelter Rettungsring aussieht.

Sollte Infantino nicht gewinnen können, wäre Europa einmal mehr auf der Weltbühne der große Verlierer. Die sportlich starken Verbände bringen es nicht fertig, den Weltfußball im Sinne des Fußballs zu verändern. Nicht Geld darf die Hauptrolle spielen, der Sport muss es tun. Aber die Funktionäre in allen Herren Ländern sind zwar für den Sport zuständig, aber sie treiben meist keinen Sport mehr, sondern sind eher am Geld für sich und die Verbände interessiert und da ist ihnen das Hemd näher als die Hose, heißt, erst das Geld, dann der Sport. Alles deutet darauf hin, dass es nach der Korruptionsära des Sepp Blatter auch weiterhin vor allem um das Geld gehen wird.

Aber vielleicht gibt es keine Neuwahl, wenn Blatter den Weg nicht freimacht, Rechtsexperten sagen, dass ohne wirksame und schriftliche Rücktrittserklärung und ohne ordnungsgemäß angekündigte formelle Abwahl des Präsidenten die Wahl eines Nachfolgers angefochten werden könnte. Blatter selbst kann aufgrund seiner Sperre am FIFA-Kongress nicht teilnehmen. Sein von ihm sehnlichst gewünschter großer Abgang muss wohl ausfallen. Wir wissen aber, Blatter gefällt sich in der Rolle des großen Spielers ohne Rücksicht darauf, ob der Ruf des Fußballs leidet oder nicht. Von einem Abpfiff seines Spiels will er nichts wissen.

Der FIFA-Traum von neuen und alten Zeiten

 

Es sollte der Start in eine neue Zukunft sein, es wurde eine Erinnerung an das Grauen der Vergangenheit. Das FIFA-Exekutivkomitee befasste sich in Zürich mit Reformen und Verbesserungen beim Fußball-Weltverband, doch die Schlagzeilen gehörten der US-Justizministerin Loretta Lynch. Zielgenau gab es 16 Verhaftungen, darunter die FIFA-Vizepräsidenten Juan Napout aus Paraguay und Alfredo Banegas aus Honduras. Der Name FIFA steht also weiterhin für „Fall In Finstersten Abgrund“. Bezeichnend: Die US-Aufklärung betreibt die Abteilung für organisiertes Verbrechen. Der Sport-Grantler hat schon einmal behauptet, dass die Justiz die FIFA retten muss (Kolumne vom 29. September). Diese Aussage hat weiterhin Gültigkeit.

Einiges spricht dafür, dass zumindest ein großer Teil der FIFA-Funktionäre den Ernst der Lage noch gar nicht erkannt hat. Am liebsten würden sie einfach zur Tagesordnung übergehen, nach dem Motto „lassen wir die Leichen im Keller liegen und schließen die Tür ab“. So seltsam es für Außenstehende und „normale Leute“ klingt, es gibt bei den FIFA-Funktionären den Traum nach neuen und alten Zeiten. Die einen hoffen auf eine Zukunft, in der der Sport wieder im Mittelpunkt steht, fernab von Schiebereien und Korruption. Die anderen träumen weiterhin von den alten Zeiten, auf den Erhalt ihrer Pfründe, dass ja die Gelder fließen und das schöne und ertragreiche Funktionärsleben nicht beendet sein möge. Typisches Beispiel ist der suspendierte FIFA-Präsident Joseph Blatter. Sein Blick ist auf den Kongress am 26. Februar 2016 gerichtet, wenn die wichtigen Entscheidungen fallen sollen. Seine Sorge ist, dass er ja in verantwortlicher und öffentlichkeitswirksamer Position teilnehmen kann. Keiner dieser Konsorten spricht davon, dass auch wirklich richtig „aufgeräumt“ werden muss!

Nichts gelernt haben vor allem die Vertreter aus Afrika und Asien. In diesen Zeiten, in der die Glaubwürdigkeit des Weltverbandes erschüttert ist, legen sie den Vorschlag einer Aufstockung der WM-Endrunde von 32 auf 40 Teilnehmern auf den Tisch. Verhaftungen und Skandale links und rechts interessieren nicht, sondern nur der eigene Vorteil. Vor allem die Nationen aus Afrika und Asien, gnädigerweise auch Südamerika und Ozeanien, sollen mit mehr Teilnehmern bedacht werden. Widersinnige Gedanken, weil die Endrunde der Weltmeisterschaft noch teurer wird, mehr Spiele zu organisieren sind und mehr Stadien benötigt werden. Vereine und Spieler hoffen für die Zukunft eher auf eine Reduzierung der Anzahl der Spiele, die Funktionäre, die ja nicht laufen und trainieren müssen, machen ihre eigene Rechnung auf: Mehr Spiele ist gleich mehr Geld. Diese Gedanken sind die Basis für Korruption und dunkle Machenschaften. Am Ende steht die Abteilung für organisiertes Verbrechen…

Es ist widersinnig, wenn Außenstehende, auch manche Medien, einen neuen Weltverband fordern. Den kann es nicht geben, wie soll das organisatorisch bewältigt werden. Aber auch die dümmsten und geldgierigsten Funktionäre müssten erkannt haben, dass es im Fußball-Weltverband einen Neuanfang geben muss, dass all die Funktionäre kaltgestellt werden müssen, die auch nur im Ansatz mit den bisherigen Machenschaften in Verbindung stehen. Gute Reformvorschläge wurden bereits gemacht (so sollen mehr Frauen in die Führungszirkel kommen), aber sie sind noch nicht weitreichend genug, vor allem müssen die Vereine als Arbeitgeber der Spieler mehr Mitspracherecht erhalten. Außerdem muss es heißen „Vorrang für Kontrolle“. Aber alle Reformen müssen eine Hürde nehmen: Eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist beim Kongress im Februar notwendig. Heißt: Die Mehrheit muss auf die alten Pfründe verzichten, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Bis dahin träumen sie von neuen und alten Zeiten…

Fußball-WM und Olympische Spiele: Ohne Geschenke geht gar nichts!

Der Korruptionsskandal rund um den Fußball-Weltverband FIFA wird uns noch Wochen und Monate in Atem halten und auch nach den Neuwahlen am 26. Februar 2016 nicht beendet sein. Mit Gelassenheit können die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf die Kollegen vom Fußball schauen. Sie haben ihren Skandal, der kleinere Ausmaße hatte, aber auch schneller abgehandelt wurde, hinter sich. Auch hier ging es um Korruption und Geschenke, aber das IOC handelte schnell, verbot größere Zuwendungen und versuchte mit Vorentscheidungen bei der Auswahl der Städte und strengeren Ethik-Regeln bei der Vergabe der Olympischen Spiele möglicher Korruption einen Riegel vorzuschieben. Allerdings ist eines gewiss: Egal, ob in der Vergangenheit oder in der Zukunft – ohne Geschenke geht bei der Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gar nichts. Die Frage ist, ob die Geschenke wirklich klein gehalten werden und das erträgliche Maß von Aufmerksamkeiten nicht überschreiten.

Früher war es so, dass die IOC-Mitglieder die Bewerberstädte besuchten, da gab es nicht nur teure Geschenke, sondern es wurde mancherorts auch zum Urlaub eingeladen und vieles mehr. Im Fußball ist wohl vor allem Geld geflossen, wie früher schon gemunkelt wurde und wie man jetzt sicher weiß. Manche Funktionäre haben es mit Hilfe der FIFA zu persönlichem Reichtum gebracht. Nicht der Sport stand im Vordergrund, sondern das eigene Wohlergehen. Insofern dürfen vor allem die Sportfans froh sein, wenn mal richtig ausgemistet wird. Aber schon jetzt zeichnet sich ab: Viel Mist wird wohl noch liegenbleiben.

Dass auch Deutschland mit der Weltmeisterschaft 2006 in den FIFA-Sumpf hineingezogen wurde, darf nicht verwundern. Das „Sommermärchen“ ist trotzdem nicht zerstört, die Erinnerung an heitere Tage bleibt ebenso wie der positive Eindruck, den Deutschland weltweit hinterlassen hat. Schon früher, als die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar in den Fokus von möglicher Korruption gerieten, brachte ausgerechnet FIFA-Präsident Joseph Blatter auch Deutschland, wohl als Ablenkungsmanöver, ins Gespräch: „Gekaufte WM…da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ.“ (Zitat Fachzeitung kicker). Jack Dempsey, der Vertreter Ozeaniens hatte zuerst für England gestimmt, sich aber dann nicht dem Votum seiner Heimat gebeugt und für Südafrika seine Stimme abgegeben, sondern ist gegangen und hat sich dem Druck entzogen. Dadurch siegte Deutschland 12:11. Bei einem Remis hätte der FIFA-Präsident entschieden und Blatter hatte Südafrika eigentlich die WM versprochen – und für 2010 das Versprechen verspätet eingelöst. Fragen wir nicht, wie…

So darf man als Außenstehender leicht vermuten, dass sich Blatter an seine früheren Unkenrufe erinnert hat und durch getreue Helfer die WM-Vergabe für 2006 ins Zwielicht gebracht hat, um vor allem seinem Hauptkritiker DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ins Zwielicht zu rücken. Beweisen kann der Sport-Grantler ebenso wie das Magazin Spiegel mit seinen Anschuldigungen nichts, aber der Sport-Grantler kennt ebenso wie der Spiegel das Geschäft. Dubios bleibt die Zahlung von 6,7 Millionen von Deutschland 2005 an die FIFA. Aber eigentlich sollte solch ein Betrag in den Büchern der FIFA zu finden sein. Oder ist es so, wie die Vereinbarung zwischen Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini ablief, wie wiederum der kicker bzw. die französische Tageszeitung Le Monde berichten. Platini sei 1998 nach der Wahl Blatters zum FIFA-Präsidenten dessen Berater geworden. Platini schildert die nicht schriftlich festgehaltene Vereinbarung so: Blatter habe ihn damals gefragt: „Was willst Du?“ Platinis Antwort: „Eine Million“. Die Gegenfrage: „Eine Million was?“ Platini war es egal, „Rubel, Pfund, Dollar“ und Blatter habe entschieden: „Okay, eine Million Schweizer Franken.“ Das waren damals etwa 925.000 Euro, in Rubel wäre es mit 93.000 Euro der FIFA billiger gekommen. Aber einen Vertrag gibt es ja nicht, also hätte Blatter diese Gelder eigentlich aus seiner Privatschatulle zahlen müssen! Wegen dieses dubiosen Geschäftes sind beide ja derzeit gesperrt.

Der Sport-Grantler mag glauben, dass Deutschland keine Funktionäre bestochen hat, doch Geschenke gab es und seien es eben Gastspiele von Bayern München oder der Nationalmannschaft gewesen. Nur wegen der schönen Stadien hat Deutschland die WM nicht bekommen. Klar ist, dass bei der FIFA nach wie vor nichts klar ist, sondern dubiose Ränkespiele weiterhin den Ruf des Fußball-Weltverbandes schädigen. Gezielte Aufräumarbeiten sehen anders aus. Der Sport-Grantler schließt sich denen an, die eine Veröffentlichung des Garcia-Reports fordern. Der frühere US-Bundesstaatsanwalt hat Ermittlungen um die Vergabe der WM 2018 und 2022 geführt und auf den 430 Seiten des Reports vermutlich das Korruptionssystem offengelegt. Wohl deshalb gibt es keine komplette Veröffentlichung.

Sind wir froh, dass in aller Welt wenigstens der Fußball rollt.

Die Justiz muss die FIFA retten

Man glaubt es kaum, es gab eine Zeit, da hatte der Fußball-Weltverband FIFA Schulden und lebte keineswegs in Saus und Braus. Heute hat die FIFA Millionen auf ihrem Konto, gilt als reich, aber auch geldgierig und korrupt. Geschafft hat dies unter anderem ihr derzeitiger Präsident Joseph Blatter. Er hat Millionen gescheffelt, gleichzeitig aber auch den Ruf des Weltverbandes ruiniert und so macht die FIFA heute eher den Eindruck eines Verbrechersyndikats. Nicht umsonst ermitteln die Justizbehörden in den USA und der Schweiz wegen dunkler Geschäfte. Eigentlich müssten sie die Funktionäre in Angst und Schrecken versetzen, denn wer von der Justiz verfolgt wird, schläft gemeinhin nicht mehr besonders gut. Das scheint in der Fußball-Welt anders zu sein. Viele sehen die Ermittlungen als Licht im Tunnel. Anders gesagt: Die Justiz muss die FIFA retten! Nur wenn korrupte Funktionäre aus dem Verkehr gezogen werden, kann sich der Weltverband erneuern.

Eine besondere Rolle spielt natürlich der Präsident auf Abruf, Joseph Blatter, gegen den jetzt die Schweizer Behörden auch ermitteln und dem schlimmstenfalls Gefängnis droht. Doch welche Gelder auch verschoben wurden, welche dubiosen Geschäfte auch getätigt wurden, der gute Sepp sieht sich als schuldlos an, er habe nichts Verbotenes getan. Bei Blatters Selbsteinschätzung ist man platt. Hält er Korruption für etwas Normales? Im Auftrag der FIFA war Korruption offensichtlich Alltag, übliches Geschäftsgebaren also. Oder leidet der 79jährige ganz einfach an einer Bewusstseinsstörung, die man alten Leuten ja manchmal nachsagt.

Schlecht für den Weltverband, auch der aussichtsreichste Kandidat als Nachfolger Blatters, UEFA-Präsident Michel Platini, ist jetzt im Visier der Ermittler. Eine Zahlung von zwei Millionen Euro gilt als dubios und eigentlich können es Blatter und Platini nicht richtig erklären, welch wertvolle Arbeiten zwei Millionen (verspätet und zu einem delikaten Zeitpunkt rund um eine Wahl gezahlt) Wert waren. Platini hat mit der WM-Vergabe nach Katar mit einem Posten im Scheichtum für seinen Sohn schon eine unrühmliche Rolle gespielt. Der Sport-Grantler hatte schon am 1. August erkannt: „Platini auf den Spuren von Sepp Blatter“. Viele in der FIFA wollen es vielleicht so: Mit Platini ändert sich nichts, auch bei Platini ist man platt!

Es ist die Crux beim Fußball-Weltverband, dass er dringend erneuert werden muss, dass aber die alten Strukturen der vielen unterschiedlichen Verbände und Interessen nicht so einfach aufgebrochen werden können. Der Sport-Grantler will keine Länder und keine Funktionäre unschuldig an den Pranger stellen, aber viele werden so reagieren, wie man es bei der FIFA gewohnt ist: „Natürlich bin ich für eine Veränderung, alles soll besser und ehrlicher werden. Ich bin dafür, wenn auch mein Verband davon profitiert, Gelder müssen schließlich weiterhin fließen…“ Das „mein Verband“ darf man gern auch mit „ich“ übersetzen.

Schwachsinn am Rande der Diskussion ist die Einmischung von Politikern. Da hört man den tollen Rat, dass sich der DFB für einen neuen Weltverband einsetzen soll, für einen sauberen Fußball ohne FIFA. Wer glaubt hier an Märchen, wie soll das organisatorisch gehen? Das sind Äußerungen von Ahnungslosen und Laien. Ihnen kann man nur einen guten Rat geben: Schweigen. Natürlich kann man die FIFA nicht abschaffen, sie muss von innen heraus reformiert werden, aber ob das möglich ist, steht in den Sternen. Der gute Wille ist bei vielen noch nicht sichtbar. So fehlt auch der internationale Druck, um Joseph Blatter endlich zum sofortigen Rücktritt zu bewegen. Das wäre der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Wer auch immer neuer Präsident wird und es ehrlich meint, den Saustall aufzuräumen, steht vor einer Herkulesaufgabe, an der jeder eigentlich nur scheitern kann. Er wird zu viele Knüppel zwischen die Beine bekommen. Dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der als Kandidat gehandelt wird, kann man nur raten, sich diese Aufgabe nicht aufzuhalsen.

Platini auf den Spuren von Sepp Blatter

Er ist eigentlich der „natürliche“ Nachfolger: UEFA-Präsident Michel Platini hat sich erklärt, er will jetzt doch Nachfolger von Joseph „Sepp“ Blatter als FIFA-Präsident werden. Noch im Frühjahr hatte er sich nicht getraut, gegen den Amtsinhaber anzutreten. Platini sah sich ohne Chance, wir sehen ihn ohne Mut. Jetzt hat der Franzose offensichtlich genügend Stimmen hinter sich gebracht, neben Europa stehen angeblich auch Süd-, Nord- und Mittelamerika hinter ihm sowie Asien. Da haben Blatters Lieblinge aus Afrika keine Chance mehr.

Michel Platini auf den Spuren von Sepp Blatter – es wird sich nichts ändern! Der Franzose ist Teil des Korruptionssystems des Fußball-Weltverbandes, er ist eine Marionette der Strippenzieher. Blicken wir zurück und hinter die Kulissen. Wäre es nach Europas Verband gegangen, wäre Blatter nie an die Macht der FIFA gekommen. Doch Platini unterstützte damals seinen Vorgänger Lennart Johansson nicht, sondern stand auf der Seite Blatters, der dann auch FIFA-Präsident wurde! Schon 2002 gab es Anstrengungen der Züricher Justiz, Blatters Korruptionsspielchen abzupfeifen, denn elf FIFA-Vorstände stellten Strafantrag gegen Blatter. Die Sache verlief im Sande. Blatter hatte freie Bahn. Wohin das führte, wissen inzwischen alle.

Michel Platini auf den Spuren von Sepp Blatter – er hat in Europa nach Blatters Prinzip gehandelt, sichere dir die Stimmen. Der Franzose hat den kleinen Nationen die Wege zu den großen Fleischtöpfen geebnet, hat durchgesetzt, dass mehr Nationen am Endturnier der Europameisterschaft teilnehmen können und den Nationscup der Nationalmannschaften ins Leben gerufen. Motto: Mehr Spiele mehr Geld. Umstritten auch die Jubiläums-EM 2020 in ganz Europa. Bei allen Entscheidungen hat Platini nicht an die Fans gedacht.

Den Weg für Platini bereitete offensichtlich der angeblich größte Strippenzieher im internationalen Sport, der kuwaitische Scheich Ahmed Al-Sabah, vor. Er ist in vielen Ämtern im Weltsport aktiv und hat das Gros der Stimmen aus Asien und Afrika unter Kontrolle. Er soll schon dem Deutschen Dr. Thomas Bach den Weg zur Wahl als IOC-Präsident geebnet haben. Gewisse Entscheidungen verwundern angesichts dieser Konstellation nicht mehr.

Michel Platini hat nach Stand der Dinge nur einen ernsthaften Gegenkandidaten, den Südkoreaner Chung Mong-Joon, der der Autobauer-Dynastie Hyundai angehört. Auch er hat sich schon als Strippenzieher profiliert und war wohl entscheidend daran beteiligt, dass die Weltmeisterschaft 2002 nicht nur nach Japan vergeben wurde, sondern Südkorea noch als Co-Ausrichter auf den WM-Zug springen konnte. Chung wirbt für sich damit, dass nur er eine dringend notwendige Änderung im Weltverband bewerkstelligen kann. Doch Zweifel sind auch hier angebracht.

Die weiteren bisher bekannten Kandidaten spielen nur eine untergeordnete Rolle, wenn sie überhaupt bis zuletzt ihre Kandidatur aufrecht erhalten. Der seriöseste Kandidat ist noch der jordanische Prinz Ali bin Al-Hussein, vor Europa ins Rennen gegen Blatter geschickt. Ein unbeschriebenes Blatt ist der liberianische Verbandspräsident Musa Bility, höchstens zur Unterhaltung tragen die ehemaligen Stars Maradona und Zico bei. Sie haben keine Erfahrung im Verbandswesen und ohne Strippenzieher geht gleich gar nichts. Es gibt ja Stimmen, die meinen, nur jemand von außen könnte den „Stall“ FIFA ausmisten, aber jemand von außen hat keine Chance auf die nötigen Stimmen!

Asien hat ein Monopol auf Olympia

Wenn es um Strippenzieher geht, dann kann man sich auch den Olympischen Spielen zuwenden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich in eine Zwangsjacke stecken lassen und kommt da nicht mehr raus. War es früher so, dass Sommer- und Winterspielen ziemlich gleichmäßig zwischen den Kontinenten wechselten, so haben die IOC-Mitglieder diese sicherlich vernünftige Regelung aus den Augen verloren. Asien hat inzwischen ein Monopol auf Olympia! Nach den Spielen 2016 in Rio de Janeiro sind 2018 die Winterspiele in Pyeonchang in Südkorea, die Sommerspiele 2020 in Tokio und jetzt hat sich Peking die Winterspiele 2022 gesichert. Ein historisches Ereignis, weil Peking als erste Stadt nach den Sommerspielen 2008 auch Winterspiele ausrichtet. Die Entscheidung war mit 44:40 gegenüber Almaty (Kasachstan) knapp, aber es entschied der Kommerz gegen den Sport. Almaty präsentierte kompakte Spiele der kurzen Wege im Schnee, während es in Peking Spiele ohne natürlichen Schnee geben wird. Der wird künstlich erzeugt und alles wird weiß. Eine weiße Weste wird China allerdings nicht vorweisen können, schon jetzt gehen Menschenrechtler auf die Barrikaden, verweisen auf die Unterdrückung der Menschenrechte in China. Viel besser sieht es in Kasachstan auch nicht aus, so dass die Menschenrechte (leider) bei der Vergabe wohl keine oder höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Auch hier steckt das IOC in einer Zwangsjacke, da es zwar genug Kandidaten für die Sommerspiele, aber viel zu wenige für die Winterspiele gibt. Einer der ursprünglichen Interessenten, Oslo und München, wäre wohl zum Zug gekommen, dort aber lehnte sich die Bevölkerung gegen olympischen Kommerz und Belastung der Natur auf. Das IOC will diesbezüglich zwar eine Umkehr und verspricht Verbesserungen und weniger Gigantismus, aber für 2022 wurde dieser gute Wille noch nicht sichtbar. Die Strippenzieher haben auch hier gesiegt.