Die Justiz muss die FIFA retten

von knospepeter

Man glaubt es kaum, es gab eine Zeit, da hatte der Fußball-Weltverband FIFA Schulden und lebte keineswegs in Saus und Braus. Heute hat die FIFA Millionen auf ihrem Konto, gilt als reich, aber auch geldgierig und korrupt. Geschafft hat dies unter anderem ihr derzeitiger Präsident Joseph Blatter. Er hat Millionen gescheffelt, gleichzeitig aber auch den Ruf des Weltverbandes ruiniert und so macht die FIFA heute eher den Eindruck eines Verbrechersyndikats. Nicht umsonst ermitteln die Justizbehörden in den USA und der Schweiz wegen dunkler Geschäfte. Eigentlich müssten sie die Funktionäre in Angst und Schrecken versetzen, denn wer von der Justiz verfolgt wird, schläft gemeinhin nicht mehr besonders gut. Das scheint in der Fußball-Welt anders zu sein. Viele sehen die Ermittlungen als Licht im Tunnel. Anders gesagt: Die Justiz muss die FIFA retten! Nur wenn korrupte Funktionäre aus dem Verkehr gezogen werden, kann sich der Weltverband erneuern.

Eine besondere Rolle spielt natürlich der Präsident auf Abruf, Joseph Blatter, gegen den jetzt die Schweizer Behörden auch ermitteln und dem schlimmstenfalls Gefängnis droht. Doch welche Gelder auch verschoben wurden, welche dubiosen Geschäfte auch getätigt wurden, der gute Sepp sieht sich als schuldlos an, er habe nichts Verbotenes getan. Bei Blatters Selbsteinschätzung ist man platt. Hält er Korruption für etwas Normales? Im Auftrag der FIFA war Korruption offensichtlich Alltag, übliches Geschäftsgebaren also. Oder leidet der 79jährige ganz einfach an einer Bewusstseinsstörung, die man alten Leuten ja manchmal nachsagt.

Schlecht für den Weltverband, auch der aussichtsreichste Kandidat als Nachfolger Blatters, UEFA-Präsident Michel Platini, ist jetzt im Visier der Ermittler. Eine Zahlung von zwei Millionen Euro gilt als dubios und eigentlich können es Blatter und Platini nicht richtig erklären, welch wertvolle Arbeiten zwei Millionen (verspätet und zu einem delikaten Zeitpunkt rund um eine Wahl gezahlt) Wert waren. Platini hat mit der WM-Vergabe nach Katar mit einem Posten im Scheichtum für seinen Sohn schon eine unrühmliche Rolle gespielt. Der Sport-Grantler hatte schon am 1. August erkannt: „Platini auf den Spuren von Sepp Blatter“. Viele in der FIFA wollen es vielleicht so: Mit Platini ändert sich nichts, auch bei Platini ist man platt!

Es ist die Crux beim Fußball-Weltverband, dass er dringend erneuert werden muss, dass aber die alten Strukturen der vielen unterschiedlichen Verbände und Interessen nicht so einfach aufgebrochen werden können. Der Sport-Grantler will keine Länder und keine Funktionäre unschuldig an den Pranger stellen, aber viele werden so reagieren, wie man es bei der FIFA gewohnt ist: „Natürlich bin ich für eine Veränderung, alles soll besser und ehrlicher werden. Ich bin dafür, wenn auch mein Verband davon profitiert, Gelder müssen schließlich weiterhin fließen…“ Das „mein Verband“ darf man gern auch mit „ich“ übersetzen.

Schwachsinn am Rande der Diskussion ist die Einmischung von Politikern. Da hört man den tollen Rat, dass sich der DFB für einen neuen Weltverband einsetzen soll, für einen sauberen Fußball ohne FIFA. Wer glaubt hier an Märchen, wie soll das organisatorisch gehen? Das sind Äußerungen von Ahnungslosen und Laien. Ihnen kann man nur einen guten Rat geben: Schweigen. Natürlich kann man die FIFA nicht abschaffen, sie muss von innen heraus reformiert werden, aber ob das möglich ist, steht in den Sternen. Der gute Wille ist bei vielen noch nicht sichtbar. So fehlt auch der internationale Druck, um Joseph Blatter endlich zum sofortigen Rücktritt zu bewegen. Das wäre der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Wer auch immer neuer Präsident wird und es ehrlich meint, den Saustall aufzuräumen, steht vor einer Herkulesaufgabe, an der jeder eigentlich nur scheitern kann. Er wird zu viele Knüppel zwischen die Beine bekommen. Dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der als Kandidat gehandelt wird, kann man nur raten, sich diese Aufgabe nicht aufzuhalsen.

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