Der FIFA-Traum von neuen und alten Zeiten

von knospepeter

 

Es sollte der Start in eine neue Zukunft sein, es wurde eine Erinnerung an das Grauen der Vergangenheit. Das FIFA-Exekutivkomitee befasste sich in Zürich mit Reformen und Verbesserungen beim Fußball-Weltverband, doch die Schlagzeilen gehörten der US-Justizministerin Loretta Lynch. Zielgenau gab es 16 Verhaftungen, darunter die FIFA-Vizepräsidenten Juan Napout aus Paraguay und Alfredo Banegas aus Honduras. Der Name FIFA steht also weiterhin für „Fall In Finstersten Abgrund“. Bezeichnend: Die US-Aufklärung betreibt die Abteilung für organisiertes Verbrechen. Der Sport-Grantler hat schon einmal behauptet, dass die Justiz die FIFA retten muss (Kolumne vom 29. September). Diese Aussage hat weiterhin Gültigkeit.

Einiges spricht dafür, dass zumindest ein großer Teil der FIFA-Funktionäre den Ernst der Lage noch gar nicht erkannt hat. Am liebsten würden sie einfach zur Tagesordnung übergehen, nach dem Motto „lassen wir die Leichen im Keller liegen und schließen die Tür ab“. So seltsam es für Außenstehende und „normale Leute“ klingt, es gibt bei den FIFA-Funktionären den Traum nach neuen und alten Zeiten. Die einen hoffen auf eine Zukunft, in der der Sport wieder im Mittelpunkt steht, fernab von Schiebereien und Korruption. Die anderen träumen weiterhin von den alten Zeiten, auf den Erhalt ihrer Pfründe, dass ja die Gelder fließen und das schöne und ertragreiche Funktionärsleben nicht beendet sein möge. Typisches Beispiel ist der suspendierte FIFA-Präsident Joseph Blatter. Sein Blick ist auf den Kongress am 26. Februar 2016 gerichtet, wenn die wichtigen Entscheidungen fallen sollen. Seine Sorge ist, dass er ja in verantwortlicher und öffentlichkeitswirksamer Position teilnehmen kann. Keiner dieser Konsorten spricht davon, dass auch wirklich richtig „aufgeräumt“ werden muss!

Nichts gelernt haben vor allem die Vertreter aus Afrika und Asien. In diesen Zeiten, in der die Glaubwürdigkeit des Weltverbandes erschüttert ist, legen sie den Vorschlag einer Aufstockung der WM-Endrunde von 32 auf 40 Teilnehmern auf den Tisch. Verhaftungen und Skandale links und rechts interessieren nicht, sondern nur der eigene Vorteil. Vor allem die Nationen aus Afrika und Asien, gnädigerweise auch Südamerika und Ozeanien, sollen mit mehr Teilnehmern bedacht werden. Widersinnige Gedanken, weil die Endrunde der Weltmeisterschaft noch teurer wird, mehr Spiele zu organisieren sind und mehr Stadien benötigt werden. Vereine und Spieler hoffen für die Zukunft eher auf eine Reduzierung der Anzahl der Spiele, die Funktionäre, die ja nicht laufen und trainieren müssen, machen ihre eigene Rechnung auf: Mehr Spiele ist gleich mehr Geld. Diese Gedanken sind die Basis für Korruption und dunkle Machenschaften. Am Ende steht die Abteilung für organisiertes Verbrechen…

Es ist widersinnig, wenn Außenstehende, auch manche Medien, einen neuen Weltverband fordern. Den kann es nicht geben, wie soll das organisatorisch bewältigt werden. Aber auch die dümmsten und geldgierigsten Funktionäre müssten erkannt haben, dass es im Fußball-Weltverband einen Neuanfang geben muss, dass all die Funktionäre kaltgestellt werden müssen, die auch nur im Ansatz mit den bisherigen Machenschaften in Verbindung stehen. Gute Reformvorschläge wurden bereits gemacht (so sollen mehr Frauen in die Führungszirkel kommen), aber sie sind noch nicht weitreichend genug, vor allem müssen die Vereine als Arbeitgeber der Spieler mehr Mitspracherecht erhalten. Außerdem muss es heißen „Vorrang für Kontrolle“. Aber alle Reformen müssen eine Hürde nehmen: Eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist beim Kongress im Februar notwendig. Heißt: Die Mehrheit muss auf die alten Pfründe verzichten, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Bis dahin träumen sie von neuen und alten Zeiten…

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