Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Formel 1

Das Jahr des Lewis Hamilton

Pustekuchen! Da hatten die Formel-1-Fans lange Zeit die Hoffnung, dass die Saison 2017 Spannung bis zum Schluss bringen würde, aber plötzlich gingen Ferrari und Sebastian Vettel die Puste aus und Mercedes und Lewis Hamilton wurden wieder vorzeitig Weltmeister. Und dennoch: In diesem Jahr der Formel 1 war vieles anders.

Was vor Beginn der Saison keiner gedacht hat: 2017 ist das Jahr des Lewis Hamilton. Der Titelverlust 2016 gegen den Konkurrenten im Team, Nico Rosberg, hat den Briten wohl tief getroffen. Er hat an sich gearbeitet, er scheint erwachsen geworden zu sein, ohne aber seinen Spaß am Leben mit der High Society zu verlieren. Mit 32 Jahren hat er jetzt sein Herz auch für die Technik entdeckt, wurde zum Rennwagen-Verbesserer und zur Führungspersönlichkeit. Dass Mercedes nach 2014, 2015 und 2016 zum vierten Mal hintereinander triumphierte und die Konkurrenz in Schach hielt, war ein Verdienst des gereiften Lewis Hamilton. Er bewies, dass er der beste Fahrer im Feld ist und erfüllte auch die Vorbildfunktion, die man von ihm erwartet. Der neue Formel-1-Boss Chase Carey lobte: „Keiner präsentiert den Sport besser als Lewis Hamilton.“ Ein Ritterschlag für das Feier-Biest, bei dem es scheint, als sei der Sport für ihn manchmal Nebensache. Vorbei?

Nico Rosberg wird sich nachträglich noch oft beglückwünschen, dass er mit dem Gewinn des WM-Titels seine Karriere auf dem Höhepunkt beendet hat. Er wird erkannt haben, dass er den Nervenkrieg mit dem ehrgeizigen Konkurrenten nicht ein zweites Mal gewinnen kann. Hamilton wiederum profitierte offensichtlich davon, dass er die unangefochtene Nummer 1 bei Mercedes war und vom neuen Konkurrenten, dem Finnen Valtteri Bottas, nichts zu befürchten hatte. So verlor Hamilton seine Kraft nicht im Kleinkrieg mit dem Kollegen, sondern konzentrierte sich auf Team und Auto. Formel-1-Sportchef Ross Brawn beobachtete: „Lewis ist noch einmal gereift. Es lässt sich nicht mehr so schnell von äußeren Einflüssen von seinem Weg abbringen.“ Insofern hat vielleicht auch Nico Rosberg noch einen nachträglichen Anteil an der Formsteigerung von Hamilton! Der hat jetzt seinen vierten WM-Titel nach 2008 (mit McLaren), 2014 und 2015 errungen, ist der erfolgreichste britische Rennfahrer und steht auf einer Stufe mit Alain Prost und Sebastian Vettel. Nur Michael Schumacher (7) und Juan Manuel Fangio (5) haben mehr Titel errungen.

Diese Wende war wohl auch notwendig, denn Konkurrent Ferrari hatte offensichtlich wesentliche Fortschritte gemacht. Die Italiener und ihr Fahrer Sebastian Vettel wollten Siege und träumten vom Titel. Lange Zeit waren sie auf dem richtigen Weg, schockten Mercedes gleich mit dem Auftaktsieg in Melbourne und Vettel führte zwischendurch die WM-Wertung an. Die Rennen eins, drei, sechs und elf gewann Vettel, dann war es vorbei. Es blieb bei vier Siegen, Hamilton hat zwei Rennen vor Schluss bereits neun. Seit Ferrari nach dem Erfolg am 30. Juli in Budapest quasi der Sprit ausging, siegten nur noch Hamilton und zweimal Max Verstappen.

Sebastian Vettel musste in diesem Jahr erkennen, dass ihm zum großartigen Lewis Hamilton einiges fehlt, vor allem ein starkes Nervenkostüm. Der Brite blieb auch in der Bedrängnis cool, als Vettel führte, während der Heppenheimer hektisch und zum Rambo wurde, als ihm die Felle davon zu schwimmen drohten. Bezeichnend sein Rammstoß gegen Hamilton, bezeichnend aktuell der Startunfall in Mexiko, als Vettel die Karambolage verursachte und die letzte Chance auf den Titelgewinn vergab. Vettel findet nicht das richtige Maß. Gewinnt er, jubelt er mit einem richtigen Kindergeschrei ins Mikrofon, verliert er, wirkt er ratlos. Doch er wird die Hoffnung von Ferrari bleiben, Anerkennung hat er sich dort verschafft, aber die Fußstapfen eines Michael Schumacher sind zu groß für ihn. Es liegt an den Technikern, ob das Ferrari-Hoch 2018 länger hält.

Vielleicht wird Red Bull sogar der größere Konkurrent von Mercedes und Lewis Hamilton. Das Auto ist reif für Siege, wie Max Verstappen bewies. Der 20-jährige Belgier gilt als Mann der Zukunft und wird auf Dauer der größte Konkurrent des Briten sein bzw. ihn langfristig wohl an der Spitze des Feldes ablösen. Vielleicht sogar im Mercedes. Doch das ist Zukunftsmusik. Auf jeden Fall dürfen die neuen Besitzer der Formel 1 schon zwei Rennen vor Saisonende glücklich sein: Die Formel 1 ist zurück, ist wieder interessant und hat Zukunft. Vielleicht sogar mit Elektro-Antrieb, dann schaut sowieso wieder alles anders aus. 2017 war jedenfalls das Jahr des Lewis Hamilton.

Glückliche Formel 1: Nörgler Vettel gegen Lebemann Hamilton

2017 – welch ein Jahr! Genau das hatte sich die Formel 1 gewünscht, endlich wieder Spannung an der Spitze. Ferrari kann Mercedes wirklich herausfordern. Bei Halbzeit, nach zehn von 20 Rennen, führt Mercedes zwar erneut in der Konstrukteurs-Wertung (330 Punkte, Ferrari 275, Red Bull 174), aber in der Fahrer-Wertung hat Ferrari-Pilot Sebastian Vettel mit 177 Punkten noch einen Zähler Vorsprung vor Lewis Hamilton (Mercedes). Das Duell des Deutschen mit dem Engländer elektrisiert endlich wieder einmal die Formel-1-Fans. Hier der Nörgler Vettel, der sich oft benachteiligt sieht, dort der Lebemann Hamilton, der den Sport nicht so ernst zu nehmen scheint. Allerdings sprechen die Ergebnisse eine andere Sprache.

Aber angesichts dieser Duelle, zumal sich auch Red Bull immer wieder mal in den Vordergrund drängt, ist die Formel 1 aus ihrem Dornröschenschlaf wieder erwacht. Es ist auch wieder Leben in der Bude, wenn auch nicht immer im Sinne des Sports, wie Vettels Rammstoss in Baku gegen Konkurrent Hamilton. Der Deutsche hätte viel gravierender bestraft werden müssen als mit einer Verwarnung. Ein Punktabzug wäre gerechter gewesen, hätte aber der Spannung geschadet. Da geht offensichtlich das Geschäft vor den Sport. Zum Sport gehören allerdings auch Reifenplatzer und da war Ferrari in Silverstone im Pech. Vettel fiel auf Rang sieben zurück und büßte gegenüber Sieger Hamilton seinen einst komfortablen Vorsprung fast gänzlich ein. Und nörgelte: „Geht es bei den Reifen mit rechten Dingen zu?“ Man wird ja noch mal fragen dürfen… Beim angeblichen Frühstart von Mercedes-Pilot Bottas in Spielberg vergaloppierte er sich allerdings in der Kritik, schließlich lieferten die TV-Bilder den Beweis, dass der Finne einfach nur schnell und glücklich reagiert hatte. Vettel schießt auf der Strecke und verbal gerne einmal über das Ziel hinaus. So wird er in den Herzen der Fans nicht zum Nachfolger von Formel-1-Ikone Michael Schumacher.

Da setzt Hamilton ganz anders in Szene, der Engländer ist dabei, in den nächsten Rennen einen der legendären Rekorde von Schumacher zu brechen. Er steht bei 67 Pole Positions, Schumacher liegt mit 68 vorn, einst dachte man für die Ewigkeit. Dafür waren dann Mercedes und Hamilton in den letzten Jahren einfach zu stark. Ferrari brauchte zu lange, um den Stuttgarter Paroli zu bieten und seinem einstigen Star den Rekord zu retten.

Die Formel 1 aber schaut nicht nur in eine glückliche Zukunft, sondern hat auch schon wieder Sorgenfalten. Grund dafür ist ein neuer Kopfschutz an den Autos, der die Piloten bei Überschlägen und herumfliegenden Gegenständen (das können sogar Reifen sein) schützen soll. Seltsam, dass sich der Weltverband FIA gegen die Teams, die es ja eigentlich betrifft, durchsetzte und die Einwände ignorierte. Der Schutzbügel sieht wie ein Heiligenschein aus und wird dementsprechend auch „Halo“ (englisch für Heiligenschein) genannt. Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda bringt die Kritik auf den Punkt: „Es ist grundfalsch, diesen Cockpit-Schutz einzuführen. Wir haben neue Autos gebaut, die für den Fan und für den Fahrer wieder attraktiver sind, und jetzt setzt man denen ein Stahlgerüst drauf. Die Autos sind mittlerweile so sicher und das Restrisiko so klein, dass diese Entscheidung nicht gut ist für die Formel 1. Es ist eine Überreaktion.“

Das meint der Sport-Grantler zu „Halo“: Einst liebten die Fans beim Rennsport vor allem den Nervenkitzel. Was ist davon geblieben? Natürlich wollen wir keine Toten mehr sehen, aber ein „Sicherheitskasten“ gehören nicht zum Rennsport!

Die Probleme gehen bei der Formel 1 nicht aus. So hoffen die Fans, dass die Spannung bleibt, zwischen Nörgler Vettel und Lebemann Hamilton, zwischen den roten Ferraris und den Silberpfeilen, am Besten bis zum letzten Rennen am 26. November in Abu Dhabi.

Strafe muss sein! Im Sport nicht immer!

„Der Sport hat seine eigenen Gesetze“ heißt es oft bei strittigen Entscheidungen. Manchmal werden dann auch allgemeine Lebensregeln außer Kraft gesetzt, zum Beispiel die Weisheit „Strafe muss sein“. Die gilt zwar auch im Profisport, aber eben nicht immer. Drei Beispiele, die in der letzten Zeit zu Diskussionen in der Öffentlichkeit führten.

Nummer 1 die Attacke von Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton in der Formel 1. Der Deutsche wurde zum Rächer, als ihn Konkurrent Lewis Hamilton vermeintlich widerrechtlich ausbremste, was für ihn eben nur in der Wahrnehmung galt, aber nicht wirklich so war. Vettel ließ seinem Wutausbruch freien Lauf, die Vernunft hatte Pause und zudem ignorierte er die Regeln und fuhr Hamilton als Revanche seitlich ins Auto. Eine Aktion, die im Rennsport überhaupt nicht geht, wo es immer wieder Todesopfer zu beklagen gibt und sich Fahrer und Verbände Gedanken machen, wie die Sicherheit erhöht werden kann. All diese Bemühungen konterkarierte Vettel. Seine Strafe: Zehn Sekunden „Nachsitzen“, eine Wartezeit, die nicht ausreichen kann, um sein Mütchen zu kühlen. Weil Konkurrent Hamilton dann auch noch technische Probleme hatte, wurde „Rambo“ Vettel zum punktemäßigen Gewinner des Laufs in Baku. Der Weltverband beschäftigte sich zwar im Nachhinein noch einmal mit dem Vorfall, beließ es aber nach einer Entschuldigung von Vettel bei einer Verwarnung. Hier wurde die Weisheit „Strafe muss sein“ außer Kraft gesetzt, Vettel hätte zumindest die WM-Punkte für diesen Lauf verlieren müssen oder eine Sperre für wenigstens ein Rennen zur Abkühlung gebraucht. Den Gerüchten sind Tür und Tor geöffnet, profitierte Vettel davon, dass sein Rennstall Ferrari oft Sonderbehandlungen erhält oder von der Nähe des FIA-Präsidenten Jean Todt zu Ferrari? Vettels Vorbild Michael Schumacher hat für einen ähnlichen Rammstoß mal alle WM-Punkte einer Saison verloren. Noch Fragen?

Nummer 2 im Finale des Fußball-Confed-Cup in Russland. Deutschland brachte den selbsternannten Favoriten Chile zur Verzweiflung und der Ehrgeiz der Südamerikaner wurde ebenso wie die Ungeduld immer größer. Da schlägt man schon mal über die Stränge, Gonzalo Jara tat dies eine halbe Stunde vor Schluss mit einem Rammstoss mit dem Ellenbogen in das Gesicht des Deutschen Timo Werner. Bilder zeigen, wie sich dessen Gesicht verformte. Die Fernsehbilder sprachen eine deutliche Sprache. Nicht für Schiedsrichter Mazic. Der Serbe konnte auf den Videobeweis zurückgreifen und griff dann mit seiner Karte daneben, nachdem er die Tätlichkeit zuvor sogar ignoriert hatte: Gelb statt Rot. Die Weisheit „Strafe muss sein“ wurde also auch hier außer Kraft gesetzt, ein Sträfchen statt Strafe. Immerhin siegte ja Deutschland dennoch mit 1:0. Ein bisschen Gerechtigkeit.

Nummer 3 betrifft den Radsport, nach dem Motto, die Tour de France muss doch dabei sein. Aber gerade dort, wo in Sachen Doping lange Zeit viel zu wachsweich gehandelt wurde und auch heute noch die Augen gerne verschlossen werden, wurde als Zeichen „wir wollen Gerechtigkeit“ hart durchgegriffen. Für viele, selbst für die Konkurrenten, zu hart. Weltmeister Peter Sagan fuhr im Zielsprint die Ellenbogen aus, brachte Mitstreiter Mark Cavendish zu Fall und kassierte die härteste Strafe, die es nur geben kann: Ausschluss von der Tour de France. Im Radsport wird immer hart gesprintet, sind Stürze im Gewühl des Zielsprints fast schon an der Tagesordnung, da hat die Tour-Leitung über das Ziel hinausgeschossen. Das Zeichen für die Öffentlichkeit, „schaut, wir greifen durch“ war daneben, denn im führenden Team Sky, das die Tour bisher dominiert und dies wahrscheinlich bis zum Schluss in Paris auch weiter tun wird, fahren die Doping-Verdächtigungen weiter mit. Gültige Antworten auf die Anschuldigungen hat es bisher nicht gegeben, sondern nur Ausflüchte. „Strafe muss sein“, aber nicht für den Falschen.

So zeigt sich wieder einmal, dass wir im Spitzensport die Gerechtigkeit leider viel zu selten finden. Im Vordergrund steht das Geschäft und es herrscht eben oft auch trotz aller Regeln die Willkür, dass gerecht ist, was dem Geschäft dient. Ein Wunder, dass der Profisport weltweit noch so viele Anhänger hat. Zugegeben: Auch der Sport-Grantler ist einer

Die Formel 1 soll wieder die Formel 1 werden

Leise, langsam, langweilig – so war die Formel 1 in den letzten Jahren, urteilten jedenfalls viele Kritiker. Nur noch ein Abklatsch der früheren Rennen, von einer Königsklasse des Motorsports weit entfernt. Lauter, schneller, spannender – so soll die Formel 1 in der neuen Saison sein. Die Boliden sind breiter, schneller, die Technik weniger, die Fahrer wichtiger – die Formel 1 wird also wieder die Formel 1. Eine echte Königsklasse.

Bis auf das Gros des Fahrerfeldes ist eigentlich alles neu bei der Formel 1 im Jahr 2017. Die Autos (siehe oben) von vielen „Monster“ genannt, fallen als erstes auf. Die wichtigste Veränderung fand aber im Hintergrund statt: Es ist das Jahr eins nach Bernie Ecclestone. Für den 86-jährigen Briten ist die Zeit abgelaufen, der US-amerikanische Medienkonzern Liberty Media ist der neue Besitzer, die Amerikaner Chase Carey (Geschäftsführer) und Sean Bratches (Kommerz) sowie Technik-Genie Ross Brawn als Sportchef sind die neuen Herren. Sie versprechen eine bessere Zukunft, zurück zum Sport, zurück zur Tradition und zurück zu einer Formel 1, die auch für kleine Teams finanzierbar bleibt. Dies wird nur in kleinen Schritten vorangehen, denn die alten Verträge laufen noch bis 2020. Erst dann sind wirklich große Veränderungen möglich. Doch Vorsicht: Auch der neue Besitzer will an der Formel 1 vor allem gut verdienen.

Der Fan aber schaut auf Autos und Fahrer und wünscht sich Spannung. Sicher ist, es wird einen neuen Weltmeister geben. Nico Rosberg ist nach seinem Titelgewinn im Vorjahr überraschend zurückgetreten, was für viele unverständlich war. Sieht man allerdings die Entwicklung, hat der Deutsche, der in Monte Carlo lebt, vielleicht den richtigen Riecher gehabt. Sollte er sich das noch einmal antun? Alles neu, alles schwieriger, wieder der Hader mit dem Kollegen und darüber die Ungewissheit, ob sein Auto überhaupt noch das schnellste ist? Rosberg wählte die Gewissheit des schönen Lebens statt der Ungewissheit in der Formel 1.

Ungewissheit aber elektrisiert die Fans. Sind die Autos neu, werden die Karten auch wieder neue gemischt. Dies war auch der Sinn, um die Dominanz von Mercedes zu beenden. Allerdings wird bei Mercedes immer noch der stärkste Motor vermutet. Andererseits haben wohl vor allem Ferrari und Red Bull in punkto Aerodynamik aufgeholt. Bei den ersten Tests in Barcelona beeindruckte Ferrari die Konkurrenz, die Karten werden aber erst bei den Rennen aufgedeckt. Also am Sonntag, 26. März, in Melbourne. 20 Rennen stehen bis Ende November auf dem Programm, Deutschland bleibt nur die Rolle des Zuschauers. Das Land der Weltmeister (16 Titel gegenüber 12 von Großbritannien) wird erst wieder 2018 Gastgeber sein.

Sind die Rennen spannend, wird auch der Kampf um den Titel spannend. Dabei müssen sich die Sportchefs auch eine neue Taktik einfallen lassen, denn die neuen Reifen von Ausrüster Pirelli sind breiter und haltbarer, so dass es wohl nur zu ein bis zwei Boxenstopps kommen wird. Die Fahrer müssen sich wieder an höhere Geschwindigkeiten und höhere Fliehkräfte in den Kurven gewöhnen, die Rundenzeiten sollen um ca. fünf Sekunden schneller werden, außerdem sind die Fahrer beim Start gefordert.

Wer also kommt mit den neuen Bedingungen am besten zurecht? Lewis Hamilton, Weltmeister von 2008, 2014 und 2015) hofft darauf, dass Mercedes ihm wieder das beste Auto hinstellt und das der neue Kollege Valtteri Bottas zwar bei der Entwicklung des Boliden Klasse zeigt, aber nicht auf der Strecke. Sebastian Vettel will, soll oder muss sogar die Misserfolgsserie von Ferrari beenden, den letzten Sieg gab es 2015, den letzten Titel 2007 von Kimi Räikkönen. Am Saisonende läuft der Drei-Jahres-Vertrag von Vettel bei den Italienern aus. Entweder er wird gefeiert oder er wird gefeuert! Angeblich wartet Mercedes schon auf ihn, der Finne Bottas habe deshalb nur einen Vertrag für dieses Jahr. Zu beachten sind aber auch die Red Bull mit Draufgänger Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Es könnte ein gutes Jahr eins nach Bernie Ecclestone werden.
Die Rennen: 26. März Melbourne, 9. April Shanghai, 16. April Bahrain, 30. April Sotschi, 14. Mai Barcelona, 28. Mai Monte Carlo, 11. Juni Montreal, 25. Juni Baku, 9. Juni Spielberg, 16. Juli Silverstone, 30. Juli Budapest, 27. August Spa, 3. September Monza, 17. September Singapur, 1. Oktober Sepang, 8. Oktober Suzuka, 22. Oktober Austin/Texas, 29. Oktober Mexico City, 12. November Sao Paulo, 26. November Abu Dhabi.

Die Teams: Mercedes: Lewis Hamilton, Valtteri Bottas. Ferrari: Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen. Red Bull: Daniel Ricciardo, Max Verstappen. Williams: Felipe Massa, Lance Stroll. Haas: Kevin Magnusson, Romain Grosjean. Force India: Sergio Perez, Esteban Ocon. Renault: Nico Hülkenberg, Jolyon Palmeer. Toro Rosso: Daniil Kwjat, Carlos Sainz jr.. Sauber: Pascal Wehrlein, Marcus Eriksson. McLaren: Fernando Alonso, Stoffel Vandoorne.

Nico Rosberg – der ungeliebte Formel-1-Weltmeister

 

Für ihn ging ein Traum in Erfüllung, für andere war der Weltmeister Nico Rosberg eher ein Albtraum. Die Stimmung in der Welt der Formel 1 ist geteilt: Da die Vernünftigen und Sportlichen, die von einem verdienten Titel für Nico Rosberg sprechen, dort die Geschäftemacher und PR-Strategen, die auf der Linie von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone liegen: „Ein Weltmeister Rosberg ist für ihn selbst und Mercedes gut, bringt aber der Formel 1 nichts“. Der 86jährige vermisst den Glamour-Faktor beim Deutschen.

Nico Rosberg ist endlich am Ziel, deshalb können diese Kritiken dem 31jährigen neuen Weltmeister egal sein. Er muss allerdings mit der Rolle des ungeliebten Weltmeisters leben. Da sind schon die Deutschen, die den gebürtigen Wiesbadener nicht als „ihren“ Weltmeister adoptiert haben. Rosberg liegt nicht auf der gleichen Beliebtheitsskala wie Sebastian Vettel oder schon gar nicht Michael Schumacher, die anderen beiden deutschen Weltmeister. Aufgewachsen in Wiesbaden und auf Ibiza, seit langem mit Wohnsitz in Monte Carlo, sehen die Deutschen den Rennfahrer mit deutscher Mutter und finnischem Vater nicht als „Einheimischen“. Rosberg hat die deutsche und finnische Staatsbürgerschaft, fährt mit deutscher Lizenz und spricht nicht einmal finnisch, dafür deutsch, englisch, französisch und italienisch fließend.

Das ist eben der Unterschied: Rosberg gilt als Liebling der oberen Elite, als gut erzogen, gebildet und gibt sich zurückhaltend. Glamour ist seine Sache nicht, Frau und Tochter geben ihm die notwendige Entspannung zwischen den Rennen. Konkurrent Lewis Hamilton, ebenfalls 31, ist der Lebemann, er sucht die Aufmerksamkeit, hat internationale Stars als wechselnde Freundinnen, beeindruckt mit Tätowierungen und dicken Goldketten. Der Engländer sorgt für die Schlagzeilen, die Bernie Ecclestone so gut für das Geschäft findet. Na ja, Hamilton war Weltmeister 2008, 2014 und 2015, da kann die Formel 1 einen braven Weltmeister Nico Rosberg verkraften. Zumal er dadurch, dass sein Vater Keke vor 34 Jahren ebenfalls Weltmeister war (das gab es außerdem nur bei Graham und Sohn Damon Hill), eine besondere WM-Geschichte schrieb.

Eine besondere WM-Geschichte schrieb sicherlich auch Mercedes und ebenso die Saison 2016. Sie war mit 21 Rennen die längste aller Zeiten und sie sorgte weitgehend für die in den letzten Jahren so schmerzlich vermisste Spannung. Das war zwar in erster Linie dem Stall-Duell bei Mercedes zuzuschreiben, aber das Finale in Abu Dhabi bewies, dass die Zeit der Alleinherrschaft von Mercedes zu Ende gehen könnte. Vor allem Red Bull hat aufgeholt.

Ein Verlierer der Saison war aber Ferrari, weil die Träume von einem Saisonsieg nicht in Erfüllung gingen und Red Bull an den Italienern vorbeizog. Ein Verlierer war deshalb auch Sebastian Vettel, der Ferrari in naher Zukunft den WM-Titel holen sollte, doch der ist weiter weg als vor einem Jahr. „Wie es weitergeht, werden wir im Laufe der nächsten Saison sehen“, äußerte sich Teamchef Maurizio Arrivabene bedeutungsschwer zur Zukunft des Deutschen, der allerdings beim Finale mit einer wilden Aufholjagd und Platz drei Punkte für sich gutmachen konnte. Vielleicht findet Vettel bei Mercedes einen Ausweg!

Gespannt darf man nämlich sein, wie die Zukunft bei Mercedes aussieht. Zum wiederholten Male hat Lewis Hamilton gegen die Stallorder verstoßen. Die Aufforderung, er solle schneller fahren, hat ihn in Abu Dhabi kalt gelassen, er hat alle taktischen Kniffe aus dem Hut gezogen, Nico Rosberg eingebremst und die Konkurrenz (sehr zum Unwillen von Mercedes) aufholen lassen. Sein Kalkül: Rosberg sollte Probleme bekommen und möglichst zwei Konkurrenten an ihm vorbeiziehen. Das wäre der Titel für Hamilton gewesen. Rosberg bewies eiserne Nerven, beeindruckte mit einem weltmeisterlichen Überholmanöver gegen Verstappen und hielt bis zum Ende Platz zwei, was reichte, auch wenn Hamilton mit elf Saisonsiegen die Nase vorn hatte. Rosberg genügten zehn Siege, er hatte u. a. 2016 das Glück, dass Hamilton wiederholt von technischen Problemen gestoppt wurde. Andererseits machte der Engländer selbst Fehler und machte so den Weg zum Titel frei.

So mag Nico Rosberg ein ungeliebter Weltmeister sein, ein würdiger und sympathischer ist er auf jeden Fall. Und Bernie Ecclestone mag sich trösten. 2016 mit dem Weltmeister Rosberg macht mehr Lust auf die WM 2017 als ein Dauer-Weltmeister Hamilton. Und nachdem der Formel-1-Chef quasi Krawall sucht, hat er ja noch Max Verstappen in der Hinterhand, der vom Zweitteam Toro Rosso in die erste Liga bei Red Bull aufstieg, Der 19jährige Niederländer mischte die Formel 1 mit forschen Auftritten auf und verunsicherte sie gleichzeitig. Dem jungen Draufgänger gehört die Zukunft – ganz im Sinne von Bernie Ecclestone.

Der Motorsport steht am Scheideweg

 

Es soll ja Zeitgenossen geben, die dem Motorsport sowieso skeptisch gegenüberstehen. Ausdauersportler zum Beispiel ätzen, „die treiben ja gar keinen Sport, die sitzen ja nur im Auto“. Umweltschützer sind die Luftverpester vom Grundsatz her ein Dorn im Auge, obwohl sich der Motorsport in allen Bereichen um mehr Umweltverträglichkeit bemüht hat. All diese Zeitgenossen werden Hoffnung schöpfen: Ist der Motorsport vielleicht am Ende?

Nein, am Ende wohl nicht, Motorsport wird es so lange geben, so lange die Konzerne ihn als Marketinginstrument sehen. Aber es wird einen gehörigen Wandel geben und die meisten sehen in der Zukunft keine röhrenden Motoren (vielen ist die Formel 1 heute schon zu leise), sondern leise Autos, die mit einem Elektromotor das Rennen bestreiten. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die Abgasaffäre von Volkswagen und den daraus bedingten wirtschaftlichen Problemen beschleunigt. So zieht sich die Konzernmutter VW aus der Rallye-Weltmeisterschaft zurück, Konzerntochter Audi steigt aus den 24-Stunden-Rennen von Le Mans (für viele die Mutter aller Rennen) aus.

Bei diesen Entscheidungen gibt es nicht nur den einen Aspekt. Gut, die wirtschaftlichen Verhältnisse schlagen derzeit wohl am meisten durch. Da ist aber auch die elektrische Zukunft der Autoindustrie und die Rennen der Formel E kommen durchaus an. Zudem werden sich sowohl VW als auch Audi überlegt haben, ob die Seriensiege überhaupt noch dem Konzern einen Marketingwert bringen. Viermal hintereinander wurde VW Rallye-Weltmeister, seit 1998 hat Audi 13 Siege in Le Mans geholt. Auch dort gab es technische Entwicklungen, Audi gelang 2006 der erste Sieg mit einem Diesel-Rennwagen und 2012 der erste Sieg mit Hybridantrieb. Jetzt will man die Formel E aufmischen, dort war bisher der Allgäuer Partner Abt für Audi vertreten, künftig wird es ein Werksteam geben.

Der Motorsport steht am Scheideweg. Die Zukunft gehört zweifellos der Formel E. Neben Audi sind auch BMW, Renault und Jaguar in der Formel E dabei, Mercedes hat sich bereits ein Startrecht reserviert und auch prominente Interessenten von außen gibt es, so ist Hollywood-Star Leonardo DiCaprio am Team Venturi beteiligt. Die Formel E hat zudem den Weg in die Großstädte gefunden, statt weit draußen im Grünen wird mitten in New York, Paris oder Berlin gefahren. Davon hat ja die Formel 1 immer geträumt, in den Herzen von Großstädten wie Singapur vertreten zu sein. Durchaus vorstellbar, dass in Monte Carlo zum Beispiel künftig die Formel E präsent sein wird.

Für die Formel 1 könnte es dann schwierig werden, wenn neben Mercedes auch andere Konzerne wie Ferrari und Red Bull ihr Herz für den Elektromotor entdecken. Ist das vorstellbar, ein elektrischer Ferrari? Alles eine Sache der Entwicklung bzw. des Marketing. Mobilisiert die Formel E die Massen, wird Red Bull zum Beispiel dort vertreten sein. Mercedes wird bei seinen Überlegungen auch einbeziehen, dass Seriensiege in der Formel 1 den Bekanntheitsgrad nicht mehr steigern können. Siege sind kein Highlight mehr, Niederlagen dafür die weitaus größere Schmach. Die PR-Abteilung in der Zwickmühle.

Eines deutet sich aber an, was eben nicht allen Zeitgenossen gefallen wird: Motorsport wird es weiterhin geben, aber die Umweltschützer werden nicht mehr so zetern.

Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt

 

Die Meldung passte wie die Faust aufs Auge. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Toni Kroos verlängerte seinen Vertrag bei Real Madrid bis 2022. Das Salär angeblich 120 Millionen, 20 Millionen pro Jahr (angeblich netto), das sind, so haben es findige Leute ausgerechnet, 2283 Euro pro Stunde. „Das ist unverschämt“, argumentiert der Mann von der Straße, „das ist kein Sportler wert“. Kroos stieg damit zwar zum bestverdienenden deutschen Fußballer auf, aber wir wissen, in Europa ist er damit keineswegs Spitze. Und die Profisportler in Nordamerika lachen teilweise über solche Summen.

Das Wettrüsten im europäischen Fußball, aber nicht nur da, ist im vollen Gang. Englands Fußball schüttet nach lukrativen TV-Verträgen das Geld bekanntlich mit vollen Händen aus und bringt damit die ganze Fußball-Welt durcheinander. Das Rad wird überdreht und es droht eine Gefahr: Geld regiert zwar die Welt, macht aber den Sport damit kaputt, weil sich der gemeine Fan mit den Vereinen und Stars bald nicht mehr identifizieren kann. Viele Vereine laufen Gefahr, dass sie die Verbindung zur Basis verlieren und bald im luftleeren Raum schweben. Verlieren die Fans die Lust, ist es auch mit der guten Stimmung in den Stadien vorbei und der Fußball verliert seinen größten Reiz, nämlich ein Ereignis zu sein. Vereine und Verbände (siehe Erweiterung der Teilnehmer bei Welt- und Europameisterschaften) haben nur noch eine Gewinnoptimierung im Blick, aber nicht mehr die Fans!

Ums Geld geht es aber auch in vielen anderen Sportarten. Nehmen wir Boxen, das man fast schon nicht mehr als Sport bezeichnen darf, es ist nur mehr ein schmutziges Geschäft. Beispiel ist die Posse um Schwergewichts-Champion Tyson Fury, der des Dopings angeklagt ist, aber angeblich unter Depressionen leidet und seine Titel abgegeben hat. Das Gerangel um die Nachfolge hat begonnen und es ist ein Kampf ums Geld. Wladimir Klitschko hat seine vier Titel von verschiedenen Verbänden an den Clown aus England verloren, nun bestimmt das Geld und nicht der Sport, wer jetzt um die Schwergewichtskrone kämpfen kann. Nicht die Besten werden kämpfen, sondern wer am meisten bietet, wird den Zuschlag erhalten. Geld regiert den Sport. Typisches Beispiel auch die Formel 1, wo es praktisch nur um das Geld geht und der Sport zur Nebensache wird. Für Firmen wie Mercedes, Red Bull, Ferrari und Renault ist die Formel 1 vor allem eine PR-Plattform.

Das Geld ist auch der Grund, warum sich der Basketball-Verband zum Gespött macht. Deutsche Basketballteams kämpfen gleich in vier Wettbewerben auf Europas Bühnen um die begehrten Pokale. Aus dem Dschungel von Euroleague, Europacup, Champions League und Fiba Europe Cup kennt sich keiner mehr aus. Hintergrund ist der Machtkampf zwischen dem Kontinentalverband Fiba Europe und der Euroleague, die zudem den Europacup organisiert. Beide Organisationen kämpfen um die besten Klubs in Europa, die sich quasi aussuchen können, wo sie mitspielen wollen. Der Machtkampf ist ein Kampf ums Geld und wird begleitet von Drohungen und Sanktionen und macht somit den Sport Basketball lächerlich. Der Beweis an diesem Beispiel: Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt. Mal sehen, wie lange der Fußball noch im Geld schwimmen kann, ohne Schaden zu nehmen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Golf. Auch dort schwimmen die Spitzenspieler im Geld, Die Profi-Turniere sind eine lukrative Einnahmequelle, der einst beste Spieler der Welt, Tiger Woods, war auch immer der bestverdienende Sportler der Welt, vor allem aber durch seine Werbeaktivitäten. Geht es allerdings um den prestigeträchtigsten Pokal, den Ryder Cup im Kontinentalvergleich zwischen den USA und Europa, dann spielt Geld keine Rolle. Die Spieler erhalten keinen Cent, es gibt keine Prämie. Es zählt allein der sportliche Vergleich – so geht es also auch.

Die Formel 1 fährt wieder – und Vettel fährt hinterher

 

Rasant ist die Formel 1 aus ihrer Sommerpause gekommen. Als wollte sie ein Signal setzen, dass die Königsklasse des Motorsports keineswegs langweilig ist, sorgte sie mit einem Crash in der ersten Kurve gleich für Aufmerksamkeit. Der Verursacher in Spa, Jungtalent Max Verstappen (oder war doch Sebastian Vettel der Schuldige?), bekam aber kein Lob, sondern einiges auf die Ohren (einige sagten, „dem fehlt es zwischen den Ohren“). Die Formel 1 fährt also wieder, aber nicht immer, Manchmal steht sie auch. Ein seltenes und seltsames Bild, als in Spa nach einem schweren Unfall alle Boliden in der Boxengasse standen und auf die Fortführung des Rennens warteten.

Wie auch immer, die Formel 1 war im Gespräch, allein das ist für die Macher um Bernie Ecclestone wichtig. Vorbei sind die Schattenwerfer Fußball-Europameisterschaft und Olympische Sommerspiele. Wenn die Formel 1 auch nicht in Belangen freie Fahrt hat, geht es um die Höhepunkte im Sport, so mischt die Formel 1 zumindest wieder mit. Tatsache ist: Die Rennen sind interessanter geworden.

Noch acht Rennen von insgesamt 21 stehen an, am kommenden Sonntag, 4. September, präsentiert sich mit Monza in Italien gleich wieder ein Hochgeschwindigkeitskurs, so, als hieße es, mit Vollgas in den Endspurt. In Spa standen die aktuellen Fahrer sowieso im Schatten eines Altmeisters, Michael Schumacher nämlich, der vor 25 Jahren in Spa seine große Karriere in der Formel 1 begonnen hatte. „Plötzlich war er da…“ hieß es, das Talent kam aus dem Nichts und mischte die Rennkönige auf. Nach seinem folgenschweren Skiunfall ist Michael Schumacher plötzlich wieder weg – leider (alles Gute, Michael).

Einen würdigen Nachfolger hat er bisher nicht gefunden. Sebastian Vettel ist es nicht, was die deutschen Fahrer angeht, und Lewis Hamilton ist es nicht, was die Spitze angeht. Ganz im Gegenteil, Vettel ist bisher der Verlierer der Saison. Im Vorfeld der neuen Saison hatten die Beobachter eine Hoffnung: Ferrari sollte die Alleinherrschaft von Mercedes ins Wanken bringen und von einem Dreikampf um den Titel war die Rede, zu Hamilton und Nico Rosberg sollte sich Sebastian Vettel gesellen. Doch die Hoffnung, genährt durch drei Siege im Vorjahr, trog, Vettel fuhr bisher mehr hinterher als vorneweg, Ferrari ist nicht die zweite Kraft, sondern die dritte. Red Bull hat ihnen die Show gestohlen, Daniel Ricciardo (Australien) ist in der Fahrerwertung Dritter vor Vettel und in der Konstrukteurswertung zeigt Red Bull den Ferraris den Auspuff. Während das Brause-Team große Fortschritte erzielte, herrschte in Maranello Stillstand. Ferrari kommt buchstäblich nicht vom Fleck. Vettel ist ein Stück weg verzweifelt, Optimisten verweisen darauf, dass es unter Schumacher auch drei Jahre gedauert hatte, bis sich die Erfolge einstellte. Ein gutes Rennen in Monza soll jetzt zum Stimmungsaufheller werden.

Das Maß aller Dinge bleibt also Mercedes, das wenigstens durch den Zweikampf zwischen Titelverteidiger Hamilton und Herausforderer Rosberg für Spannung sorgt. Die Konkurrenz konnte offensichtlich das Entgegenkommen, dass das Reglement für mehr Entwicklungsfreiheiten gelockert wurde, nicht nutzen. Aber Red Bull befindet sich im Aufwind, weckt die Hoffnung für die Zukunft und glaubt an einen Trumpf: Im nächsten Jahr soll bei den Neuerungen die Aerodynamik eine größere Rolle spielen und da gilt Technikdirektor Adrian Newey als wahrer „Zauberer“. So einen braucht die Formel 1, damit der Zauber der Königsklasse nicht verfliegt. Mal sehen, welches Fazit wir nach dem letzten Rennen am 27. November in Abu Dhabi ziehen können. Sebastian Vettel als Weltmeister ist allerdings unwahrscheinlich.

Red Bull: Die Brause braust davon

 

Jetzt auch der erste Meistertitel in Deutschland – Red Bull bleibt im Sport erfolgreich und feierte mit Red Bull München die Deutsche Meisterschaft im Eishockey. In aller Welt giert die Brause-Firma aus Österreich nach Aufmerksamkeit, die sie vor allem mittels sportlichen Erfolgen schaffen will. Die Eishockey-Cracks in München sind dabei nur ein kleines Teilchen der Gesamtkonzeption. Man muss sich mal vergegenwärtigen, wo Red Bull überall mitmischt, sehr zum Leidwesen der sportlichen Konkurrenz, die sich angesichts der Mateschitz-Millionen im Nachteil sieht. Die Brause braust davon.

Dietrich Mateschitz, der am 20. Mai 72 Jahre alt wird, gilt als reichster Österreicher und mit einem Vermögen von 9,2 Milliarden Euro als einer der reichsten Männer der Welt. Red Bull brachte er 1987 auf den Markt und ist heute Weltmarktführer bei den Energy-Drinks mit einem Umsatz von rund 5,9 Milliarden Euro. Der Werbespruch „Red Bull verleiht Flügel“ wurde legendär und passte vor allem zum Sport, passt vor allem aber auch zum größten Hobby des Österreichers, dem Fliegen. Mit seinen „Flying Bulls“ sorgt er immer wieder für Aufmerksamkeit.

Es ist schon erstaunlich, wie Red Bull den Sport aufmischt. Insgesamt 1,4 Milliarden Euro sollen jährlich in den Sport fließen. Vor allem Extremsportarten haben es Mateschitz angetan, aber er mischt natürlich vor allem bei den publikumswirksamen Sportarten mit. Angefangen hat es mit Klippenspringern, Surfern und Snowboardern, ins Gespräch brachten Red Bull aber vor allem Motorsport, Fußball und Eishockey. Spektakulär, wie Red Bull die Formel 1 eroberte. 2005 gründete man ein eigenes Team, von 2010 bis 2013 holte der Deutsche Sebastian Vettel vier WM-Titel. Erst technische Veränderungen stoppten „Die schnellste Werbekolonne der Welt“, wie die FAZ den Rennstall nannte. Logische Konsequenz, dass sich Mateschitz auch eine Rennstrecke leistet, Spielberg ist derzeit jedes Jahr Gastgeber der Formel 1.

Vor allem Salzburg wird von Red Bull beherrscht, Red Bull Salzburg wurde im Fußball und Eishockey Meister. Und jetzt Deutschland. Red Bull München waren im Eishockey Vorreiter, RB Leipzig soll im Fußball folgen. Die Werbebestimmungen der Fußball-Liga verboten den Namen „Red Bull“, aber RB blieb, als „Rasenballsport“, das Logo wurde leicht verfremdet. Im Fußball wird mit Leipzig nach dem Aufstieg aus unteren Ligen bis zur 2. Bundesliga in diesem Jahr der Sprung in die 1. Bundesliga angepeilt, der kurz bevorsteht. Langfristig träumt der Milliardär von einer Teilnahme an der Champions League. Was weniger bekannt ist: Fußballteams von Red Bull gibt es auch in New York, Ghana und Brasilien. Red Bull fliegt rund um die Welt.

Nicht alle sind glücklich über die Aktivitäten von Dietrich Mateschitz. Sein Vorgehen war fast immer gleich, er stieg als Sponsor ein, kaufte zum Teil erfolglose Vereine und führte sie mit seinem Geld an die Spitze. Was natürlich nicht immer wie gewünscht gelang, für Kritik sorgte und vor allem die Nostalgiker auf den Plan rief. Aber Mateschitz schmeißt nicht mit den Millionen um sich, sondern er bemüht sich um Nachhaltigkeit. Siehe die Rennstrecke von Spielberg. In München ist eine Mehrzweckhalle in Planung, die auch die Eishockey-Cracks beheimaten soll. Das Projekt steht aber auf der Kippe, da die Basketballer von Bayern München nicht mitspielen wollen. Aber mit dem Erfolg hat es Red Bull in München geschafft, dass immer mehr Fans wieder das Eishockey entdeckten. Nicht vergessen werden sollte, dass das Eishockey in München 2012 vor dem Ende stand, ehe Red Bull kam. Der fliegende Retter.

In Leipzig musste der Fußball erst um die Gunst der Fans buhlen, es dauerte lange bis RB neben der traditionsreichen, aber erfolglosen lokalen Konkurrenz angenommen wurde. Inzwischen werden die Fußballer anerkannt und gefeiert, mit einem Zuschauerschnitt von bald 28.000 liegen sie hinter Nürnberg (29.500) und St. Pauli (29.000) in der 2. Bundesliga an dritter Stelle. Der Boom wird sich in der 1. Bundesliga sicher noch steigern. Der Aufstieg wird von der Konkurrenz skeptisch beurteilt, die Angst vor den Millionen geht um. Dabei bemüht sich Mateschitz auch hier um Nachhaltigkeit, Millionen wurden in ein Nachwuchsleistungszentrum gesteckt. Auch hier braust die Brause also davon.

Geld schießt Tore, heißt es im Fußball, wenn es nicht klappt, wird der Spruch umgedreht, nach dem Motto „Geld allein schießt halt keine Tore“. Red Bull hat aber vorgemacht, dass man mit Millionen im Sport erfolgreich sein kann. Ob das gut oder schlecht für den Sport ist, muss jeder für sich entscheiden. Red Bull wird im Sport nie populär werden, wie zum Beispiel eine Marke wie der FC Bayern München. Hierfür muss sich Dietrich Mateschitz noch ein anderes Marketingkonzept ausdenken.

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung

 

Drei Mann und ein Befehl: Macht die Weltmeisterschaft der Formel 1 spannend! Diese drei Mann sind Titelverteidiger Lewis Hamilton, sein Herausforderer im Mercedes-Team Nico Rosberg und Sebastian Vettel im Ferrari. Vor allem ihm drücken die Formel-1-Fans die Daumen, die endlich wieder Spannung wollen. Selbst Mercedes wäre froh, mehr herausgefordert zu werden. Langeweile ist schlecht für das Geschäft, leichte Siege bringen keine Anerkennung. 22 Autos, aber nur drei, denen Siege zugetraut werden – die Formel 1 lebt von der Hoffnung.

Die neue Saison wird lang, die längste aller Zeiten. Von Melbourne am kommenden Sonntag, 20. März, bis Abu Dhabi am 27. November stehen 2016 erstmals 21 Rennen auf dem Programm. Auch Deutschland ist mit dem Hockenheimring (31. Juli) wieder dabei. 21 Rennen und Langeweile – nichts kann tödlicher sein.

Für Spannung könnte Nico Rosberg sorgen. „Es muss mein Jahr werden“, hofft er, weil er weiß, dass mit jedem Jahr hinter dem Rivalen Lewis Hamilton die Chance auf den Titel immer kleiner wird und sogar sein Cockpit in Gefahr gerät. Als der Engländer im letzten Jahr als Weltmeister feststand, siegte Rosberg plötzlich in den letzten drei Rennen. Ein Zeichen, dass er dem Druck nicht gewachsen ist? Die Bilanz 2015 sah Hamilton immer vorn: Zehn Siege (Rosberg 6), 17 Podestplätze (15), Elfmal Pole Position (7), 18 Rennen in den Punkten (17) und im Trainingsduell 12:7. Für Rosberg gibt es Verbesserungspotential. Aber der Deutsche strahlt nicht das Selbstbewusstsein des Engländers aus, der Extravaganzen liebt und sich die Gelassenheit offensichtlich im Showbusiness holt.

Für Spannung soll Sebastian Vettel sorgen. Er ist sich sicher, „unser Auto ist besser geworden“, aber er schränkt ein, „wir wissen nicht, wie viel besser auch der Mercedes geworden ist“. Im Vorjahr sorgte Vettel gleich im zweiten Rennen in Malaysia mit seinem Sieg für einen Paukenschlag, dann aber war es erst einmal vorbei. Erst im zehnten Rennen in Budapest klappte es wieder und schließlich noch einmal in Singapur. Drei Siege als Anfang, drei Siege als Hoffnung.

Traurig, dass von den restlichen Teams wohl keines für einen Sieg in Frage kommt. Selbst Vettel kann nur hoffen, dass er von Teamkollege Kimi Räikkönen Unterstützung bekommt. Williams, Red Bull, McLaren, Force India, Toro Rosso, Renault, Manor, Sauber und die Neulinge vom Team Haas kämpfen darum, zwischendurch wenigstens einmal auf dem Treppchen zu stehen. Red Bull möchte Williams Platz drei in der Konstrukteurswertung streitig machen. Von Erfolgen wie in der Vor-Hybrid-Ära sind sie weit entfernt.

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung, aber auch von den Deutschen. Mercedes hat den besten Motor und stellt mit vier Piloten das Gros im Fahrerfeld. DTM-Meister Pascal Wehrlein bekam ein Cockpit bei Manor, das jetzt mit Mercedes-Motoren beliefert wird. Der 23jährige gilt als große Nachwuchshoffnung und sitzt Nico Rosberg im Nacken. Nico Hülkenberg will mit dem starken Force India wenigstens ab und zu aus dem Schatten von Rosberg und Vettel treten.

Neuerungen gibt es natürlich ebenfalls wieder, wenn auch im bescheidenen Rahmen. Für die echten Renn-Fans erfreulich: Die Motoren werden wieder lauter. Das Qualifying soll dadurch interessanter werden, dass alle 90 Sekunden der Langsamste rausfliegt. Dadurch sollen alle Teams frühzeitig auf die Strecken gezwungen werden. Ein Pokerspiel wird es bei der Reifenwahl geben, 13 Sätze gibt es für ein Rennwochenende für jeden Fahrer, drei werden von Hersteller Pirelli vorgeschrieben, der neue Ultrasoft ist besonders weich und schnell. Die Top 10 müssen mit dem Reifensatz im Rennen starten, mit dem sie im zweiten Qualifying die Bestzeit erzielt haben. Die Formel 1 liebt es immer noch kompliziert. Es müssen ja nicht gleich alle den richtigen Überblick haben. Neu im Rennkalender ist auch Baku, am 19. Juni wird in der Hauptstadt von Aserbaidschan gefahren. Der bekannt geldgierige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat dort eine neue Einnahmequelle entdeckt. Unter diesem Aspekt ist die Zukunft in Deutschland ziemlich mit einem Fragezeichen zu versehen. Ob Hockenheim alle zwei Jahre das nötige Kleingeld besorgen kann, ist nicht sicher.

Noch immer sieht sich die Formel 1 als die Krone des Motorsports. Doch ist sie das wirklich, wenn nur drei von 22 Autos um den Titel fahren können, vielleicht aber auch wieder nur zwei? Die Formel 1 lebt von der Hoffnung und die Fans auch. Wie schön wäre es, wenn wenigstens die Hälfte des Feldes für den Sieg in Frage käme! Träume!

Die Rennen: 20. 3. Melbourne/Australien, 3. 4. Manama/Bahrain, 17. 4. Shanghai/China, 1. 5. Sotschi/Russland, 15. 5. Barcelona/Spanien, 29. 5. Monte Carlo/Monaco, 12. 6. Montreal/Kanada, 19. 6. Baku/Aserbaidschan, 3. 7. Spielberg/Österreich, 10. 7. Silverstone/England, 24. 7. Budapest/Ungarn, 31. 7. Hockenheim/Deutschland, 28. 8. Spa/Belgien, 4. 9. Monza/Italien, 18. 9. Singapur, 2. 10. Sepang/Malaysia, 9. 10. Suzuka/Japan, 23. 10. Austin/USA, 20. 10. Mexiko City/Mexiko, 13. 11. Sao Paulo/Brasilien, 27. 11. Abu Dhabi/VAE.