Die Formel 1 soll wieder die Formel 1 werden

von knospepeter

Leise, langsam, langweilig – so war die Formel 1 in den letzten Jahren, urteilten jedenfalls viele Kritiker. Nur noch ein Abklatsch der früheren Rennen, von einer Königsklasse des Motorsports weit entfernt. Lauter, schneller, spannender – so soll die Formel 1 in der neuen Saison sein. Die Boliden sind breiter, schneller, die Technik weniger, die Fahrer wichtiger – die Formel 1 wird also wieder die Formel 1. Eine echte Königsklasse.

Bis auf das Gros des Fahrerfeldes ist eigentlich alles neu bei der Formel 1 im Jahr 2017. Die Autos (siehe oben) von vielen „Monster“ genannt, fallen als erstes auf. Die wichtigste Veränderung fand aber im Hintergrund statt: Es ist das Jahr eins nach Bernie Ecclestone. Für den 86-jährigen Briten ist die Zeit abgelaufen, der US-amerikanische Medienkonzern Liberty Media ist der neue Besitzer, die Amerikaner Chase Carey (Geschäftsführer) und Sean Bratches (Kommerz) sowie Technik-Genie Ross Brawn als Sportchef sind die neuen Herren. Sie versprechen eine bessere Zukunft, zurück zum Sport, zurück zur Tradition und zurück zu einer Formel 1, die auch für kleine Teams finanzierbar bleibt. Dies wird nur in kleinen Schritten vorangehen, denn die alten Verträge laufen noch bis 2020. Erst dann sind wirklich große Veränderungen möglich. Doch Vorsicht: Auch der neue Besitzer will an der Formel 1 vor allem gut verdienen.

Der Fan aber schaut auf Autos und Fahrer und wünscht sich Spannung. Sicher ist, es wird einen neuen Weltmeister geben. Nico Rosberg ist nach seinem Titelgewinn im Vorjahr überraschend zurückgetreten, was für viele unverständlich war. Sieht man allerdings die Entwicklung, hat der Deutsche, der in Monte Carlo lebt, vielleicht den richtigen Riecher gehabt. Sollte er sich das noch einmal antun? Alles neu, alles schwieriger, wieder der Hader mit dem Kollegen und darüber die Ungewissheit, ob sein Auto überhaupt noch das schnellste ist? Rosberg wählte die Gewissheit des schönen Lebens statt der Ungewissheit in der Formel 1.

Ungewissheit aber elektrisiert die Fans. Sind die Autos neu, werden die Karten auch wieder neue gemischt. Dies war auch der Sinn, um die Dominanz von Mercedes zu beenden. Allerdings wird bei Mercedes immer noch der stärkste Motor vermutet. Andererseits haben wohl vor allem Ferrari und Red Bull in punkto Aerodynamik aufgeholt. Bei den ersten Tests in Barcelona beeindruckte Ferrari die Konkurrenz, die Karten werden aber erst bei den Rennen aufgedeckt. Also am Sonntag, 26. März, in Melbourne. 20 Rennen stehen bis Ende November auf dem Programm, Deutschland bleibt nur die Rolle des Zuschauers. Das Land der Weltmeister (16 Titel gegenüber 12 von Großbritannien) wird erst wieder 2018 Gastgeber sein.

Sind die Rennen spannend, wird auch der Kampf um den Titel spannend. Dabei müssen sich die Sportchefs auch eine neue Taktik einfallen lassen, denn die neuen Reifen von Ausrüster Pirelli sind breiter und haltbarer, so dass es wohl nur zu ein bis zwei Boxenstopps kommen wird. Die Fahrer müssen sich wieder an höhere Geschwindigkeiten und höhere Fliehkräfte in den Kurven gewöhnen, die Rundenzeiten sollen um ca. fünf Sekunden schneller werden, außerdem sind die Fahrer beim Start gefordert.

Wer also kommt mit den neuen Bedingungen am besten zurecht? Lewis Hamilton, Weltmeister von 2008, 2014 und 2015) hofft darauf, dass Mercedes ihm wieder das beste Auto hinstellt und das der neue Kollege Valtteri Bottas zwar bei der Entwicklung des Boliden Klasse zeigt, aber nicht auf der Strecke. Sebastian Vettel will, soll oder muss sogar die Misserfolgsserie von Ferrari beenden, den letzten Sieg gab es 2015, den letzten Titel 2007 von Kimi Räikkönen. Am Saisonende läuft der Drei-Jahres-Vertrag von Vettel bei den Italienern aus. Entweder er wird gefeiert oder er wird gefeuert! Angeblich wartet Mercedes schon auf ihn, der Finne Bottas habe deshalb nur einen Vertrag für dieses Jahr. Zu beachten sind aber auch die Red Bull mit Draufgänger Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Es könnte ein gutes Jahr eins nach Bernie Ecclestone werden.
Die Rennen: 26. März Melbourne, 9. April Shanghai, 16. April Bahrain, 30. April Sotschi, 14. Mai Barcelona, 28. Mai Monte Carlo, 11. Juni Montreal, 25. Juni Baku, 9. Juni Spielberg, 16. Juli Silverstone, 30. Juli Budapest, 27. August Spa, 3. September Monza, 17. September Singapur, 1. Oktober Sepang, 8. Oktober Suzuka, 22. Oktober Austin/Texas, 29. Oktober Mexico City, 12. November Sao Paulo, 26. November Abu Dhabi.

Die Teams: Mercedes: Lewis Hamilton, Valtteri Bottas. Ferrari: Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen. Red Bull: Daniel Ricciardo, Max Verstappen. Williams: Felipe Massa, Lance Stroll. Haas: Kevin Magnusson, Romain Grosjean. Force India: Sergio Perez, Esteban Ocon. Renault: Nico Hülkenberg, Jolyon Palmeer. Toro Rosso: Daniil Kwjat, Carlos Sainz jr.. Sauber: Pascal Wehrlein, Marcus Eriksson. McLaren: Fernando Alonso, Stoffel Vandoorne.

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