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Kategorie: Fußball-Bundesliga

Rote Bullen nehmen die Bundesliga auf die Hörner

 

Die Fußball-Bundesliga ist durcheinander geraten. Der FC Bayern München ist nicht mehr Tabellenführer, zum ersten Mal seit 14 Monaten. Was sich die Konkurrenz gewünscht hatte, aber eigentlich nicht zu hoffen wagte, ist eingetreten. Die erste Niederlage nach 20 Spielen ohne doppelten Punktverlust, das 0:1 in Dortmund und der gleichzeitige Siegeszug des RB Leipzig lässt in der Bundesliga quasi eine neue Zeitrechnung beginnen. Das Ende der Bayern-Dominanz ist gekommen.

Es gibt zwei Ursachen für diese Wende im deutschen Fußball. Da sind einmal die Bayern selbst. Die Ära Pep Guardiola war eine erfolgreiche, der Spanier sammelte national Titel, unter anderem den Hattrick in der Meisterschaft, in Verbindung mit dem Sieg von Vorgänger Jupp Heynckes war es 2016 ein Rekord, noch nie zuvor hatte ein Team in der Bundesliga viermal hintereinander die Meisterschaft geholt. Und der fünfte Titel lag auf dem Präsentierteller, niemand wagte daran zu denken, dass die Bayern ins Wanken geraten könnten, ganz zaghaft wurde angemerkt, dass jede Siegesserie noch immer ein Ende gefunden hatte und vielleicht wären die Münchner einfach satt, nicht mehr erfolgshungrig genug. Offensichtlich sind sie satt, Beobachten mahnen, dass die Spieler Übergewicht mit rumschleppen würden, außerdem fehle die Gier nach Erfolg. Und plötzlich sind die Bayern nur noch Zweiter. Da ist der Ärger zumindest so groß wie beim VfL Wolfsburg auf Platz 14.

Zehn Spieltage lang ging ja alles gut. Die Bayern begannen furios und es kam ob des Sturmlaufs in den ersten Spielen sogar leise Kritik an Pep Guardiola auf. „Unter Ancelotti werden die Spieler von der Leine gelassen“, hieß es ein bisschen hämisch. Danach schwächelte der Meister allerdings, doch er hielt die Tabellenspitze und so wurde übersehen, dass die Bayern weniger lauffreudig waren, sich die Fehlpässe häuften, das Spiel in die Spitze schlampig war. Die Quittung folgte: Drei Unentschieden, eine Niederlage nach einem Drittel der Punktrunde. Heute heißt es, „bei Pep hat es das nicht gegeben“. Verloren gegangen ist die Dominanz auf dem Feld. Die Konkurrenz wittert ihre Chance: Die Bayern in der Saison 2016/17 sind schlagbar.

Die Bayern dankten früher ab als gedacht, ein Neuling trumpft dafür früher auf als gedacht und wahrscheinlich sogar selbst geplant. Die Roten Bullen aus Leipzig nehmen die Bundesliga auf die Hörner. Mit Argwohn wurden die Pläne des Brause-Herstellers Red Bull und dessen Besitzer Dietrich Mateschitz beobachtet, als er in Leipzig mit dem Aufbau einer Mannschaft begann und die Bundesliga und sogar die Champions League als Fernziel ausgab, im Bewusstsein, das dauert Jahre. „Das schafft er nie“, höhnten die einen, „Vorsicht, mit seinen Millionen geht alles“, waren andere skeptisch. Der DFB verschloss die Augen vor der Mateschitz-Masche des „leibeigenen“ Vereins, wollte nur den Firmennamen nicht als Vereinsnahmen akzeptieren. So wurde im Mai 2009 aus dem Vorortklub SSV Markranstädt der RasenBallsport Leipzig, eben RB und im Sprachgebrauch die „Roten Bullen“. Da kann der DFB halt nichts machen.

RB begann in der Oberliga und als Ralf Rangnick 2012 die Geschicke übernahm, begann der Aufstieg. 2013 Aufstieg in die 3. Liga und Durchmarsch in die 2. Bundesliga, dort hielt man sich auch gerade mal zwei Jahre auf. Nun die Bundesliga, nun die Tabellenspitze, die Bundesliga fühlt sich auf die Hörner genommen. Über 100 Millionen hat Mateschitz mit Sicherheit in sein Projekt gesteckt, doch das Geld nicht für teure Stars ausgegeben, sondern ein Vorzeigemodell im Gesamten hingestellt, nämlich auch ein verheißungsvolles Nachwuchsleistungszentrum. Rangnick suchte bewusst Spieler aus, die in sein Konzept passen mussten, zum Beispiel für die Bundesliga schnelle und technisch begabte Spieler, zudem mit Ralph Hasenhüttl einen Trainer, der seinen Höchstgeschwindigkeitsfußball als sein eigenes Credo sieht. So überrollte Leipzig die Bundesliga, immer mit Tempo, rasende Bullen sind es geworden.

Die Konkurrenz muss sich umstellen und neu einstellen. Jetzt ist nicht die Frage, wer stoppt die Bayern, sondern jetzt ist die Frage, „wer stoppt die Bullen?“ Von Null auf Hundert, sprich zum Titel, ist nicht unmöglich. Zwei Beispiele dienen der Bundesliga als Warnung: Der 1. FC Kaiserslautern wurde 1978 unter Otto Rehhagel als Aufsteiger gleich Meister und in England dominierte im Vorjahr Nobody Leicester City, von der Konkurrenz lange Zeit nicht ernst genommen.

Doch, ernst nehmen tun die Münchner, Dortmunder und die anderen Leipzig jetzt schon. Sie vertrauen allerdings darauf, dass die Bullen mal müde werden, dass sie mal eine Schwächephase haben werden und dann wollen die anderen zuschlagen. Klar ist, diesen Tempo-Fußball könnte Leipzig nicht durchhalten, wenn die Mannschaft unter der Woche auch international gefordert wäre. „Sie liegen unter der Woche auf der Couch und können sich schonen“, ätzte der baldige neue Präsident der Bayern, Uli Hoeneß. Er ist einer der Hoffnungsträger, dass die Bayern wieder schnelle Beine bekommen und die Roten Bullen einfangen. Plötzlich gehören den Bayern die Sympathien der Fußball-Fans. Ein Brause-Meister, das geht gar nicht!

Die neue Generation der Fußball-Trainer

 

Das ist nichts Neues: Die Zeiten ändern sich. Manchmal erstaunt es aber schon, wie schnell sich die Zeiten ändern. Zum Beispiel in der Fußball-Bundesliga. Eine neue Generation von Fußball-Trainern mischt den Laden auf. Jürgen Klopp oder Pep Guardiola – das war gestern. Otto Rehhagel – kennen die jungen Fußball-Fans wahrscheinlich schon gar nicht mehr. Heute sind diese Namen „in“: Ralph Hasenhüttl, Julian Nagelsmann, Niko Kovac oder Peter Stöger.

Eins fällt auf: In Deutschland setzt der Fußball auf die junge Trainer-Generation, in England, dort wo das Geld üppig fließt, geben vor allem prominente Namen den Ton an, vorne weg eben Pep Guardiola und Jose Mourinho, beide bei den Klubs in Manchester. Doch Erfolge können sie auch nicht garantieren (Tabellenführer ist aktuell der FC Liverpool mit Jürgen Klopp). Und in der Bundesliga melden sich die ersten Kritiker an der Arbeit des prominentesten Trainers – Carlo Ancelotti hat die Dominanz des FC Bayern München verspielt.

Ancelotti und der Titelverteidiger spüren den Atem der jungen Trainer, die ihren Mannschaften einen „jungen Fußball“ beibringen. Nicht abwartend, zögernd und mauernd, sondern forsch, fordernd, laufintensiv und erfolgreich. Dafür stehen vor allem Hasenhüttl in Leipzig und Nagelsmann in Hoffenheim. Die TSG Hoffenheim raubte in der Allianz-Arena beim 1:1 unter anderem deshalb einen Punkt, weil die Spieler 123,2 Kilometer rannten (ein Rekord) und damit rund acht Kilometer mehr als die Bayern. Die hechelten dem Gegner also mehr oder weniger hinterher, aus 66 Prozent Ballbesitz machten sie nichts, eher drückt das eine gewisse Ratlosigkeit aus. Dass Hoffenheim 63 Prozent der Zweikämpfe gewann, spricht auch eine deutliche Sprache. Ähnlich sieht es in Leipzig aus, wo Geschwindigkeit Trumpf ist und der Kader bewusst von Sportdirektor Ralf Rangnick so zusammengestellt wurde. Die Bundesliga wird quasi überrannt.

Zu den Aufsteigern in der Trainer-Branche gehören auch Niko Kovac und Peter Stöger. Beide wurden bei ihrem Start im neuen Verein kritisch beäugt, heute stehen beide auf dem Sprung zu einem Spitzenverein. Kovac führte Frankfurt von einem Abstiegskandidaten zu einem Anwärter auf Europas Plätze, Stöger führte den 1. FC Köln von der 2. Bundesliga bis in die Spitzengruppe im Oberhaus. Beide arbeiten ähnlich, fordern Disziplin und ein hohes Maß an Fitness. Das sind die Grundlagen dafür, dass ihre Mannschaft eben nichts dem Abstieg zu tun bekommt. Und das ist schon mal ein Erfolg.

Die neue Trainer-Generation macht die Bundesliga wieder spannend. Nichts deutet auf einen erneuten Alleingang der Bayern hin, ganz im Gegenteil, Ancelotti könnte vom Schatten Guardiolas erdrückt werden. Der Spanier führte die Münchner zum vierten Titel in Folge – ein Rekord. Der fünfte schien eine Selbstverständlichkeit zu sein. Er ist es nicht mehr, auch die Bayern wurden vom Geschwindigkeitsfußball eingeholt (bald überholt?). Bezeichnend: Das Spiel des Meisters wirkt oft zu langsam!

Bundesliga-Milliarden: Was hat der Fan davon?

 

Die Öffentlichkeit staunt, die Funktionäre jubeln: Der Verkauf der Fernsehrechte beschert der Fußball-Bundesliga einen Geldregen. Eine Steigerung gleich um 85 Prozent konnte die DeutscheFußball-Liga beim Verkauf der Bundesliga-TV-Rechte erzielen. Ein Rekorderlös und für Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und seine Kollegen wurde ein Traum wahr. „Eine Milliarde plus x“, hatte sich Rummenigge gewünscht, 1,1 Milliarden sind es geworden ab 2017 für vier Jahre, 628 Millionen waren es zuletzt im Schnitt. Die Vereine jubeln, weil sie (angeblich) im internationalen Geschäft so besser mithalten können, doch der Sport-Grantler fragt sich: Was haben die Fans davon?

Die erste, schnelle Antwort wird sein: Nichts! Das Geld sacken auch nicht die Vereine ein, sie sind nur die Umverteilungsstation, das Geld geht an den Fiskus, vor allem aber an die Spieler und ihre Berater. In England wird mehr als das Doppelte kassiert und zuletzt lockten auch die Vereine in China mit viel Geld. Wer also beim Werben um die Top-Spieler der Welt mithalten will, der muss eine gut gefüllte Kasse haben. Mit Nachwuchsförderung allein wird die Bundesliga auf Dauer nicht mithalten können. Was hat also der Fan davon? Er darf weiterhin darauf vertrauen, dass er sich an jedem Wochenende an dem einen oder anderen großen Star erfreuen kann (wenn der denn auch wirklich Freude macht!).

Die großen Geldgeber sind Fernsehanstalten, im deutschen Fall vor allem der Pay-TV-Sender Sky. Und da wird es schon wieder zweifelhaft, ob der Fan wirklich etwas davon hat, weil er ja auch für das Bezahlfernsehen Geld hinlegen muss und höchstwahrscheinlich in der Zukunft sogar mehr Geld, weil die teuren TV-Rechte ja auch refinanziert werden wollen. Nach einer Verfügung des Kartellamtes hat Sky allerdings kein Alleinstellungsmerkmal mehr bei den Live-Spielen, so kam Eurosport ins Spiel und wird künftig Begegnungen am Freitag, Sonntag und Montag übertragen. Heißt also für den Fan: Bei Sky sieht er nicht mehr wie bisher (2016/207 bleibt noch alles gleich) alle Spiele, dafür muss er noch ein anderes Abonnement bestellen und bezahlen. Auch wenn der Sender dagegen gerichtlich vorgeht, Stand jetzt: Die Bundesliga wird für den gleichen Service spürbar teurer. Den Milliarden-Deal bezahlen vor allem Werbewirtschaft (im Umfeld der Übertragungen) und die Zuschauer!

Eines hat der Fan aber vielleicht doch noch davon: Die Bundesliga-Vereine müssten aufgrund des Geldsegens die Eintrittspreise, die gegenüber England zum Beispiel sowieso sehr moderat sind, weiterhin im Vergleich niedrig halten können. Wenigstens eine Hoffnung.

Ob sich der Geldsegen sportlich auswirken wird, das darf bezweifelt werden. Die Bundesligisten werden auf Europas Bühnen kaum erfolgreicher sein. Er wird auch nicht dazu führen, dass sich die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga ändern. Alles läuft auf einem höheren Geld-Niveau ab. Wobei die Millionen und Milliarden auch Begehrlichkeiten wecken, denn jeder will mehr Anteil am Kuchen. Der Bundesliga steht diesbezüglich noch ein Verteilungskampf bevor. Es haben sich ja schon Interessenten gemeldet, die eine andere Verteilung wünschen. Nicht nur das sportliche Abschneiden soll zählen, sondern auch Attraktivität (TV-Einschaltquoten) und Tradition der Vereine. Noch immer war es ja so: Wo viel Geld ist, da ist auch viel Streit!

Schiedsrichter spielen Schicksal

 

Überall dort, wo der Mensch urteilt, passieren Fehler. Im Sport wird dies besonders deutlich, bei Wertungs- und Punktrichtern bzw. im Mannschaftssport bei Schiedsrichtern. Eine besondere Brisanz erhalten Fehlentscheidungen vor allem beim Fußball, wo es um viel Geld geht. Da spielen die Schiedsrichter Schicksal, sie entscheiden mit über Meisterschaft und Abstieg, ja sie können sogar die Existenz eines Vereins gefährden. Die Fußball-Bundesliga ist da ein gutes Beispiel. Der Internet-Dienst www.wahretabelle.de rechnet aus, wie sich die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter auswirken und siehe da, es hätte ohne falsche Pfiffe einen ganz anderen Absteiger gegeben!

Zum Glück wurde die Meisterschaft nicht durch die Schiedsrichter entschieden, auf den ersten drei Plätzen gibt es keine Verschiebungen. Aber dahinter! Nach der „wahren Tabelle“ wäre Hertha BSC Berlin Vierter und damit in der Qualifikation zur Champions League und nicht in der zur Europa League, die wäre damit nämlich sicher. Zehn Punkte mehr hätten die Berliner und landeten vor Mönchengladbach (minus drei) und Köln (plus acht). Aus dem Rennen wären Schalke 04 (minus eins) und Mainz 05 (0). Die Folgen sind gravierend, bedeuten bares Geld. Der Glückliche kann kassieren, der Unglückliche schaut auf die leere Kasse.

Noch entscheidender haben sich die falschen Pfiffe im Abstiegskampf ausgewirkt. Der VfB Stuttgart ist neben Hannover der sportliche Absteiger, aber bei immer korrekten Entscheidungen hätte es Eintracht Frankfurt getroffen und Hoffenheim hätte in die Relegation gemusst!

So sah die Tabelle aus: 15. Hoffenheim 37 Punkte, 16. Frankfurt 36, 17. Stuttgart 33.

So sieht die „wahre Tabelle“ aus: 15. Stuttgart 35, 16. Hoffenheim 29, 17. Frankfurt 27.

Besondere  Auswirkungen hat das natürlich für den VfB Stuttgart, der in die 2. Bundesliga absteigen muss. Die Schiedsrichter spielten also Schicksal und es wird sich zeigen, welchen Schaden der VfB nimmt. Kommt er gleich zurück und ereilt ihn ein Schicksal wie viele Absteiger, die quasi ewige vergebliche Anläufe zum Aufstieg nehmen? Glücklich schätzen darf sich die Eintracht, der dieses Schicksal erspart blieb, weil sie die Relegation gegen Nürnberg bestand und natürlich auch Hoffenheim, das gar nicht in diese Gefahr kam. Es war ein gütiges Schicksal. Allerdings: Hier geht es um Millionen, die Stuttgart verlieren durch den Abstieg 20 – 30 Millionen Euro, müssen ihren Etat halbieren. Dies zeigt deutlich: Es muss Mittel und Wege geben, die falschen Pfiffe zu reduzieren.

Die Fachzeitung kicker spricht von „Problemen an der Pfeife“ und hat festgestellt, dass die Schiedsrichter eine ganz schwache Saison hatten. Der ehemalige Schweizer FIFA-Schiedsrichter Urs Meier urteilt: „Die Schiedsrichter sind grundsätzlich noch amateurhaft“. Er fordert bessere Vorbereitung, bessere Einstellung, also den Profi-Schiedsrichter für Profi-Fußballer. Das nächste Mittel wird wohl der Videobeweis sein, der zumindest einen Teil der groben Fehler einschränken kann. Falsche Elfmeterpfiffe und falsche Rote Karten tun besonders weh. Am Ende könnte die „wahre Tabelle“ so sein, dass sie sich von der Wirklichkeit nicht gravierend unterscheidet. Das wäre im Sinne des Sportes. Auf der anderen Seite staunt der Sport-Grantler, dass noch kein Absteiger versucht hat, sich über die „wahre Tabelle“ in die Bundesliga zurückzuklagen. Allerdings wäre das das Ende des regulären Spielbetriebs. Auch die Spieler könnten viel dazu beitragen, den Schiedsrichtern zu helfen. Wenn sie wirklich nach dem Fair Play handeln würden. Aber das gibt es wohl nur in einem Fußball-Märchen.

Fußball-Trainer drehen den Spieß um

 

Das normale Geschäft im Profi-Fußball geht so: Spielt die Mannschaft schlecht und es besteht die Gefahr, dass die anvisierten Ziele nicht erreicht werden, vielleicht sogar der Abstieg droht, dann muss der Trainer gehen. Der Trainer ist bekanntlich das schwächste Glied in der Kette. Vorstand und Manager oder Sportdirektor haben die Macht, eine ganze Mannschaft kann man schlecht austauschen. Mit warmen Worten wird der Coach verabschiedet, er hat tolle Arbeit geleistet, aber es hat halt nicht gepasst. Eine hohe Abfindung versüßt den zeitweiligen Ruhestand.

Inzwischen hat sich das Blatt allerdings gewendet. Gerade in dieser Saison ist es in der Fußball-Bundesliga auffällig, wie viele Trainer im Gespräch sind, ihren Verein von sich aus frühzeitig zu verlassen. Die Fußball-Trainer drehen ganz einfach den Spieß um. Sie sagen zum Saisonende ihrem Verein, ich habe gern bei Dir gearbeitet, aber ich habe Größeres vor. Ade Abstiegskampf, willkommen Champions League. So ungefähr. Es gehört wohl auch zum Geschäft, dass interessierte Vereine Trainer auf ihrem Zettel haben, die woanders noch untere Vertrag stehen. Mit Millionen lassen sich Verträge auflösen.

Bisher kannte man es nur von den Spielern, dass sie ihre Vereine vorzeitig verlassen wollen und andere, höhere Ziele anstreben. Nach dem Bosman-Urteil war es sowieso üblich, dass der Vertrag vorzeitig beendet wurde, damit der Verein noch eine Ablösesumme kassieren kann. Jetzt also auch bei den Trainern. Nehmen wir das Beispiel Markus Weinzierl beim FC Augsburg. In Zeiten, als er schon bei anderen Klubs begehrt war, setzte er ein Zeichen und verlängerte seinen Vertrag beim FCA bis 2019. Jubel im Verein und bei den Fans. Kaum beachtet, aber wohl Wahrheit: Sollte ein gutes Angebot kommen, könne Weinzierl gehen. Der Verein hat dann zwar ein paar Millionen Euro, aber keinen Trainer mehr.

Weinzierl steht nicht allein da, auch Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt hat noch einen Vertrag, flirtet aber heftig mit anderen Vereinen. Die Gerüchteküche kocht. Mittendrin der RB Leipzig, wo Manager Ralph Rangnick die Doppelrolle als Trainer nicht mehr spielen möchte. Viele Namen kursierten, auch Weinzierl war im Gespräch, aber jetzt scheint es auf Hasenhüttl hinaus zu laufen. Das Problem: Erst muss Leipzig in die Bundesliga aufsteigen, damit der Verein für den Österreicher überhaupt interessant wird. Oder nimmt er notfalls den Umweg über die 2. Bundesliga in Kauf? Aber die Brause von Red Bull scheint in Leipzig attraktiver zu sein, als Audi in Ingolstadt.

Seltsam ist, dass Trainer zum Ende der Saison angezählt werden, obwohl ihre Vereine gar nicht so schlecht dastehen. Andre Breitenreiter steht bei Schalke 04 auf verlorenem Posten. Da gibt es Theater um den scheidenden Manager Horst Heldt und den künftigen Manager Christian Heidel, der derzeit noch für seinen alten Verein Mainz 05 arbeitet, aber dennoch Schalke im Visier hat. Offensichtlich mit Markus Weinzierl als neuen Trainer. Breitenreiter kam vor der Saison als Hoffnungsträger, legte den besten Saisonstart aller Zeiten hin und dann ging die Luft aus. Offensichtlich machte er sich im Umfeld unbeliebt, aber nicht bei der Mannschaft. Sollte Weinzierl kommen, könnte er von Anfang an zwischen den Stühlen sitzen. Vom beschaulichen Augsburg ins Chaos von Schalke 04? Wer nach oben will, muss leiden können!

Auch bei Borussia Mönchengladbach wurde Trainer Andre Schubert gefeiert, als er Lucien Favre abgelöst hatte und mit der Mannschaft eine Siegesserie hinlegte. Der Verein konnte gar nicht anders, als der öffentlichen Meinung nachzugeben, dass Schubert, eigentlich als Übergangslösung gedacht, bleiben müsse. Doch seit der Vertragsverlängerung ist der Lack ab, Gladbach rutschte ab, zeigt vor allem eine bedenkliche Auswärtsschwäche. Bezeichnend, dass Schalke und Gladbach bei 45 Punkten beide um einen Platz im europäischen Wettbewerb fürchten müssen, also die Trainer angezählt sind. Hier gilt noch das alte Geschäft.

In Bremen wissen sie nicht so recht, was sie machen sollen. Da soll Trainer Viktor Skripnik die Klasse halten, dennoch wird er angezählt. Geschäftsführer Thomas Eichin zeigt sich mutig und hält am Trainer fest, macht allerdings unterschwellig deutlich, dass diese Treue nur bis zum Ende der Saison gilt. Skripnik macht eine mürrische Miene zum bösen Spiel, zog mit dem 3:2-Sieg aber den Kopf aus der Schlinge. Werder ist für ihn eine Herzensangelegenheit, sonst hätte er schon lange ebenfalls den Spieß umgedreht.

Neu ist auch, dass sich die Trainer heutzutage gern die Freiheit nehmen, ein sogenanntes Sabbatjahr einzulegen. Das können sich freilich nur die großen Namen leisten. Bestes Beispiel war Pep Guardiola, der beim FC Barcelona vorzeitig ging, weil er ausgebrannt war. Nach einem Jahr Pause entschied er sich für den FC Bayern München, zeigte aber auch frühzeitig an, dass er seinen Dreijahresvertrag nicht verlängern würde. Immerhin erfüllt er ihn bzw. darf ihn erfüllen. Ob am Ende auch die Erfüllung steht, nämlich das Triple, das steht in den Sternen. Möglich auch, dass er wieder Pech hat. In München löste er Alt-Meister Jupp Heynckes ab, der sich mit dem Triple verabschiedete. Bei Manchester City sollte Guardiola endlich für internationale Erfolge sorgen, aber gerade jetzt liefert die Mannschaft ihre beste Saison und steht im Halbfinale der Champions League. Armer Pep, wenn City gerade jetzt die Champions League gewinnt…

Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti kommt übrigens ebenfalls ausgeruht zu den Bayern. Er hat nach seiner Aufgabe bei Real Madrid ein Sabbatjahr hinter sich, hat sich abwechseln in Vancouver und New York vergnügt. Es scheint, wir müssen die Fußball-Trainer nicht bemitleiden. Sie haben immer mehr das Heft des Handelns in der Hand.

Die Bundesliga denkt ans Geld, nicht an die Fans

 

Der Startschuss zum Wettrennen um die TV-Vermarktung der Fußball-Bundesliga ist gefallen. Mit der Ankündigung der Ausschreibung hat das Milliardenspiel begonnen. Die Klubs gieren nach mehr Einnahmen, sind unruhig geworden, nachdem die Premier League in England groß abkassiert. 2,3 Milliarden Euro kassieren die englischen Klubs künftig, dazu kommen rund eine Milliarde aus der Auslandsvermarktung. Dagegen sind es nur bescheidene 663 Millionen Euro, die in dieser Saison die Bundesliga vom Fernsehen erhält, noch bescheidener liest sich die Auslandsvermarktung mit 154 Millionen. Die Bundesliga fürchtet, angesichts dieses Ungleichgewichts von England abgehängt zu werden und giert ebenfalls nach mehr Geld. Eine Milliarde soll es mindestens sein. Notfalls will man auch beim Spielplan den TV-Sendern entgegenkommen. Von den Fans spricht niemand.

Stand der Dinge ist, dass die Fußball-Fans mit dem derzeitigen Angebot zufrieden sind. Seit 25 Jahren ist das Bezahlfernsehen der Hauptgeldgeber der Bundesliga, Sky zahlte beim letzten Vertrag bis 2017 durchschnittlich 485 Millionen Euro pro Saison. Vor allem die Konferenzschaltung am Samstag wurde Kult wie früher im Radio. Fester Bestandteil ist auch die ARD-Sportschau am Samstag ab 18.30 Uhr. Die Klubs würde diese „heilige Kuh“ notfalls schlachten, doch das Kartellamt hat bereits einen Riegel vorgeschoben und verfügt, dass es weiterhin eine Sendung der Höhepunkte im freien Fernsehen geben muss. Doch wann und von welchem Sender ist offen. Die ARD zahlte zuletzt 100 Millionen Euro für die Rechte und durfte jeweils zu Saison- und Rückrundenbeginn ein Startspiel live übertragen.

Bei diesen eingeführten Fernsehgewohnheiten wird es nicht bleiben. Gegenüber weitergehenden Gedankenspielen hat die Bundesliga aber bereits zurück gerudert und den Samstagnachmittag als Hauptspieltag festgelegt. Im Prinzip soll es beim bisherigen Schema mit einem Spiel am Freitag, fünf plus eins am Samstag und zwei am Sonntag bleiben. Angesichts der vielfältigen Aufgaben auf Europas Bühne sind allerdings weitreichende Änderungen möglich, mit Spielen am Sonntag um 13.30 Uhr und fünf am Montagabend, was wieder von der zweiten Liga als Affront angesehen wird, wenn ihr Montagspiel als fester Bestandteil gekippt wird. Auch die Fanklubs gehen bereits auf die Barrikaden, denn wer kann schon am Montag seine Mannschaft begleiten. Die Bundesliga denkt ans Geld, nicht an die Fans.

Mit welchen Paketen die Deutsche Fußball-Liga wirklich auf den Markt geht, wird in diesen Tagen entschieden. Statt acht soll es maximal nur sechs Pakete geben, aber die Interessenten werden mehr sein und deshalb wird wohl auch der Preis in die Höhe getrieben werden. Bayern Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge setzt auch die Liga-Verantwortlichen unter Druck, bezeichnet eine Milliarde als „Muss“, als Minimum. Da wird Sky blechen müssen, wenn es die Bundesliga-Rechte als wesentlichen Bestandteil des Programms behalten will. Konkurrenten werden wohl die Telekom und auch der amerikanische Konzern Discovery sein, der schon mit dem Erwerb der Olympia-Rechte in Deutschland für Aufregung sorgte. Die Bundesliga auf einem Bezahlkanal von Eurosport? Auch die ARD muss um ihre Sportschau bangen, die sie ja früher schon einmal verloren hatte. Vor allem RTL soll wieder Interesse haben, nachdem der Privatsender ARD und ZDF schon die EM- und WM-Qualifikationsspiele der Fußball-Nationalmannschaft geklaut hat. Die Fernsehlandschaft könnte im Hinblick auf den Fußball in Unordnung geraten. Ob für die Fans dann wirklich eine Verbesserung herauskommt, steht in den Sternen.

Die Bundesliga sollte nicht nur nach dem Geld gieren, sondern auch an die Fans und die Öffentlichkeit denken. Kontinuität wäre wünschenswert und machte in den letzten Jahren die höchste Klasse im Fußball auch zu einem erstklassigen Produkt. Der gemeine Zuschauer an den Bildschirmen liebt seine Gewohnheiten und möchte nicht in irgendwelchen Pay- und Internetkanälen nach dem Fußball suchen. Die Fans sorgen für Stimmung in den Stadien und sind es leid, immer kurzfristiger ihre Reisen planen zu müssen. Die Vereine müssen aufpassen, dass sie am Ende zwar mehr Geld haben, die Stimmung aber fehlt, die einen großen Anteil daran hat, dass die Bundesliga so beliebt ist. Auch bei anderen Sendungen zeigt es sich zum Beispiel deutlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender mehr Zuschauer vor den Bildschirm bringen als die Privatsender. Auch das trägt zur Popularität der Bundesliga bei.

Die Fans können nur auf das Ergebnis warten. Noch vor der Europameisterschaft im Juni soll die Entscheidung fallen. Mal sehen, ob Geldgier und Wünsche der Fans in Einklang zu bringen sind.

Übrigens: Dass die Geldgier im Fußball keine Grenzen kennt, zeigt auch die Diskussion um die Einführung einer Super League in Europa mit Teilnahme der bekanntesten Klubs noch über der Champions League. Einerseits wird über die zu große Belastung der Spieler geklagt, andererseits gibt es für das Streben nach höheren Einnahmen offensichtlich kein Tabu! Irgendwann wird auch die Anzahl der Spiele für die Fans zu viel, die es sich schlichtweg finanziell nicht mehr leisten können. Irgendwann schneiden sich die Klubs ins eigene Fleisch.

Vor der neuen Saison: Der Bundesliga-Check

Es ist überall auf der Welt vor einer neuen Saison ein beliebtestes Spielchen der Fans, zu tippen, wer wird Meister, wer steigt ab und so weiter. Da hat sich der Sport-Grantler gedacht, dass er das Spielchen auch mitmacht und stellt deshalb einen Bundesliga-Check vor und tippt dabei gleich mal die Rangfolge der Fußball-Bundesliga wie es am Ende der Saison aussehen könnte. Schwierig ist dies allemal, wer kann schon wissen, wie sich Verletzungssorgen auswirken, welches Team einen sogenannten „Lauf“ bekommt und wie es überhaupt in der Mannschaft passt. Auffallend, dass die Trainer alle nach vorne spielen lassen wollen. Mal sehen, bei wem der Schuss dann nach hinten los geht. Jetzt geht’s aber mit der Rangliste los:

1.: FC Bayern München: Logisch, da führt kein Weg dran vorbei, der beste Kader, der beste Trainer, die Top-Platzierung soll es sein, der Rekord – der vierte Titel – wird es sein.

2.: VfL Wolfsburg: Das Duo Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking hat es geschafft, mit Unterstützung von VW Stärke und Kontinuität in den Kader zu bringen. Der Vize-Meister des Vorjahres zeigte sich zuletzt als selbstbewusster erster Verfolger der Bayern. Die Münchner haben aber weniger Ausrutscher gegen kleinere Klubs.

3.: Borussia Dortmund: Der neue Trainer Thomas Tuchel sollte es schaffen, dass Dortmund wieder direkt in die Champions League einzieht. Dortmund findet wohl (fast) zur alten Klasse zurück. Die Basis dafür: Wichtige Spieler wie Hummels und Gündogan blieben.

4.: Borussia Mönchengladbach: Die zweite Borussia war mit Rang drei die Überraschung der letzten Saison, Rang vier wäre diesmal keine Überraschung mehr. Der schwungvolle Fußball sollte auch die nötigen Punkte bringen. Bravo Trainer Lucien Favre.

5.: Schalke 04: Rang sechs war zuletzt eine Enttäuschung, in diesem Jahr sind die Verantwortlichen vorsichtig, aber mit neuem Trainer und neuem Schwung sollte zumindest wieder die Europa League drin sein.

6.: Bayer Leverkusen: Die große Frage, Leverkusen vor Gladbach und Schalke oder dahinter? Alles ist möglich, aber Bayer wirkt für eine Top-Platzierung nicht stabil genug, hat einige wichtige Spieler (u. a. Castro) verloren.

7.: 1. FC Köln: Im letzten Jahr wirkte der damalige Aufsteiger sehr stabil, das Umfeld im Verein auffallend ruhig, da könnte mit den Verstärkungen sogar ein Sprung nach vorn gelingen. Hinter den „großen Sechs“ also „the best of the rest“. Platz sieben könnte bei guter Konstellation sogar für die Europa League reichen. Allerdings: Von Platz sieben bis zumindest zwölf kann man bei der Platzierung auch würfeln.

8.: Eintracht Frankfurt: Mit Trainer Armin Veh kehrt wieder Zuversicht zurück und die Hoffnung auf einen guten Mittelfeldplatz. Sollte möglich sein.

9.: TSG Hoffenheim: Mit Firmino wurde der beste Spieler verkauft, das schränkt die Aussichten auf dem Weg nach oben ein. Aber in Abstiegsgefahr sollte die Mannschaft nicht kommen.

10.: VfB Stuttgart:
Nach dem Seuchenjahr endlich wieder Ruhe. Klappt es mit dem neuen Trainer Alexander Zorniger nicht, werden die Fans wohl zornig. Erste Eindrücke deuten aber darauf hin, dass Besserung in Sicht ist. Bis Platz zehn oder sogar höher?

11.: FC Augsburg: Der Überraschungs-Fünfte des Vorjahres wird nicht wieder oben mitmischen, sollte aber stark genug sein, trotz Belastung in der Europa League nicht ganz nach unten durchgereicht zu werden. Da gibt es schwächere Mannschaften! Ein Plus ist die Ruhe im Verein.

12.: FSV Mainz 05: Ein Vermarktungsdeal bringt in den nächsten zehn Jahren 250 Millionen Euro, doch Mainz wird auch unter dem neuen Trainer Martin Schmidt ein Team zwischen Gut und Böse bleiben. Etabliert im Mittelfeld.

13.: Hertha BSC Berlin: Die Hauptstadt zitterte um den Bundesligisten, das könnte auch mit Trainer Pal Dardai in diesem Jahr passieren, die Tendenz zeigt eher nach unten als nach oben. Hier beginnen eigentlich die Abstiegskandidaten.

14.: Werder Bremen:
Mit Trainer Viktor Skripnik Stabilität gewonnen, mit di Santo und Selke aber die Torjäger verloren. Es könnte wieder ein schwieriges Jahr werden, zumal es Unruhe um die Vertragsverlängerung von Manager Eichin gibt. Keine guten Vorraussetzungen.

15.: Hannover 96: Alles ist möglich, elf Abgänge (darunter mit Lars Stindl das Herz des Teams), acht Neue, eine verjüngte Mannschaft unter „Retter“ Michael Frontzeck, die sich schnell finden muss, wenn es nicht zu Unsicherheiten kommen soll.

16.: FC Ingolstadt 04: Kann der Bundesliga-Debütant die Rolle des vorjährigen Aufsteigers Köln spielen? Wohl nicht. Der Zweitliga-Meister muss sich mit dem Abstiegskampf beschäftigen, Trainer Hasenhüttl verspricht: „Wir werden unangenehm sein.“ Die prognostizierte Relegation wäre vielleicht sogar angenehm.

17.: Hamburger SV: Das darf doch nicht wahr sein, Platz 17? Das Ende des Dino? Es wird ein schweres Jahr, alle Anzeichen mit der Pokalpleite gleich zum Auftakt deuten darauf hin, dass der HSV wieder zittern muss – das Glück ist aufgebraucht.

18.: Darmstadt 98: Wie eine Rakete schoss Darmstadt aus der vierten Liga bis in die Bundesliga. Irgendwann fällt jeder wieder zurück. Es wäre ein Wunder, würde der Neuling nicht die Rolle von Fürth, Braunschweig und Paderborn spielen: Mit Euphorie hoch und gleich wieder runter.

Mal sehen, wie es am Ende wirklich aussieht, jeder kann ja für sich die Spielerei betreiben. Das Ergebnis liegt am 14. Mai 2016 vor.

Die Bundesliga hat Spaß gemacht

Mit einem an Spannung nicht zu überbietenden Abstiegskampf ist die 52. Saison der Fußball-Bundesliga zu Ende gegangen. Am Schluss gab es Tränen: Bei den einen aus Freude, bei den anderen aus Trauer. Dennoch bleibt als Gesamtfazit fast für alle: Die Bundesliga hat Spaß gemacht. Der Sport-Grantler hat sich auf die Spurensuche der „Spaßvögel“ gemacht.

Bayern München: Logisch, die Bundesliga hat dem Meister Spaß gemacht, da war er der Dominator, hat teilweise Spaß-Fußball gezeigt und praktisch zu keiner Zeit um das Jubiläum bangen müssen, den 25. Titel! Weniger Spaß hatten Trainer Pep Guardiola und seine Jungs im Pokal und in der Champions League, da war jeweils im Halbfinale Endstation. Geblieben ist der Spaß in der Bundesliga und die Feier vor 20.000 Fans (so von den Bayern gezählt) auf dem Marienplatz. Dort gab es dennoch eine Double-Feier, weil sensationell auch die Bayern-Frauen Deutscher Meister wurden. Auch ihnen hat ihre Bundesliga Spaß gemacht.

VfL Wolfsburg: Die Konkurrenz beobachtet mit Argusaugen, was in Wolfsburg passiert. Wie weit kommt der VfL mit den Geldern von Volkswagen? Das Werksteam hat gezeigt: Weit. Die Vize-Meisterschaft war der erste Ertrag. Doch reicht es zum Erfolg auf Dauer? Auf jeden Fall hat die Saison den Wolfsburgern Spaß gemacht!

Borussia Mönchengladbach: Dem Dritten gebührt noch mehr Lob, Manager Eberl und Trainer Favre haben mit Geduld, guten Einkäufen und tollem Coaching aus einem Abstiegskandidaten ein Spitzenteam geformt. Die Borussia hat Spaß gemacht.

FC Augsburg: Das schwäbische Fußball-Wunder, als Fünfter noch vor Schalke und Dortmund, davon konnte man in der Fuggerstadt nicht einmal träumen. Der Klassenerhalt war das bescheidene und realistische Ziel, dann wurde der FCA von einer Erfolgswelle nach oben getragen, bis zur direkten Qualifikation zur Europa League. Vor fünf Jahren war der FCA in Deutschland ein kleines Licht, jetzt scherzen die Augsburger vor dem internationalen Debüt: In Europa kennt uns keine Sau. Sie haben ihren Spaß.

Jürgen Klopp: Es war ein schweres Jahr für Borussia Dortmund und seinen Trainer. Am 18. Spieltag noch Letzter, sprang am Ende wenigstens Rang sieben raus. Der Trainer nahm freiwillig zum Saisonschluss seinen Hut, wo er ihn wieder in den Ring werfen wird, ist derzeit unbekannt. Jürgen Klopp aber bei seinem wehmütigen Abschied in Dortmund: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“! Das Pokalfinale folgt noch, vielleicht mit einem krönenden Abschluss.

Huub Stevens: Der knorrige Holländer hat zum zweiten Mal den VfB Stuttgart gerettet, aber die Stuttgarter danken es ihrem Retter nicht, er muss gehen. Alexander Zorniger heißt sein Nachfolger, ein Nobody, der mit der Bundesliga Neuland betritt. Risiko für den VfB!!! Muss im Januar wieder Huub Stevens kommen? Er konnte nach der Rettung mit Fug und Recht behaupten: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“!

Roberto di Matteo: Ein großer Name auf dem Trainermarkt, schließlich hat er mit Chelsea London 2012 in München die Champions League gewonnen. Deshalb galt er bei Schalke 04 als Hoffnungsträger, sollte Wegbereiter für eine große Zukunft sein, doch es gab nur das große Jammern, Schalke und di Matteo, das passte nicht. Die Trennung wird prophezeit, denn so hat die Bundesliga keinen Spaß gemacht.

Alexander Meier: Mit 19 Treffern wurde der Frankfurter Torschützen-König, was erstaunlich ist, denn lange war er verletzt und fand sich anfangs auf der Ersatzbank wieder. Doch dann traf und traf er und am Ende schwächelte auch die Konkurrenz mit Verletzungen, also siegte Alex Meier vor den Münchnern Arjen Robben und Robert Lewandowski (beide 17 Treffer). Ihm hat die Bundesliga besonders viel Spaß gemacht.

Absteiger: Was? Kann das sein? Natürlich, am Ende werden auch die Absteiger mal zu dem Urteil kommen, „die Bundesliga hat Spaß gemacht“. Dann nämlich, wenn sie sich an die großen Zeiten erinnern. Neuling SC Paderborn ereilte das Schicksal, dass alle dem Aufsteiger prophezeit hatten, der SC Freiburg wehrte sich jahrelang erfolgreich, in diesem Jahr klappte es nicht. Auf baldige Rückkehr, denn wir wissen, die Bundesliga macht Spaß.

Aufsteiger: Sie feiern erst einmal und wir wissen, der nächste Kater kommt bestimmt. Die Aufsteiger jubeln und freuen sich, denn die Bundesliga macht Spaß. Ob der FC Ingolstadt und Darmstadt 98 in der Punktrunde dann noch Spaß haben, wird sich zeigen. Wenig Spaß werden die Gäste in Darmstadt haben: Ein veraltetes Stadion mit heruntergekommenen Kabinen. Dabei ist die Bundesliga ansonsten so stolz auf ihre modernen Stadien. Aber kann man deshalb dem Aufsteiger den Spaß Bundesliga verbieten?

Die Saison ist noch nicht ganz beendet, eine Reihe von Relegationsspielen steht an, es wird noch einmal Tränen der Freude und Trauer geben. Doch eines ist gewiss: Die Fans freuen sich schon auf den Neustart der Saison 2015/16 am 14. August (mit einem Heimspiel des Meisters). Denn sie wissen: Die Bundesliga macht Spaß!