Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Fußball-Nationalmannschaft

Joachim Löw und die Suche nach dem richtigen System

Eigentlich dürfte Joachim Löw als Bundestrainer der Fußball-Nationalmannschaft ein fröhlicher Mann sein. Nach außen hin strahlt er auch Zuversicht und Gelassenheit aus, doch im Inneren sieht es vermutlich anders aus. Jogi Löw könnte auch ein Mann sein voller Zweifel, voller Bedenken und zerfressen von der Unsicherheit, wie er es denn wirklich bewerkstelligen soll, aus rund 40 überdurchschnittlichen Kickern ein Weltmeister-Team zu formen. Einmal hat er es schon geschafft, doch beim Titelgewinn 2014 war die Auswahl der Kandidaten nicht so groß, was die Arbeit sogar erleichtert hat.

Eines muss man wissen: Die Aussagen in der Öffentlichkeit und die Gedanken bei der Fortentwicklung der Mannschaft sind zwei Paar Stiefel. So muss der Bundestrainer seinen Kader loben und die Welle der Begeisterung mitgehen. Deutschland ist Weltmeister, gewann den Confed-Cup und die U21 wurde Europameister. Auch der Sport-Grantler fragte: „Ist Deutschland jetzt unschlagbar?“. Die Auswahl ist immens, vielleicht aber auch erdrückend und erschwert die Sichtung. Es wird ein Puzzle-Spiel und Löw braucht am Ende vor allem eine glückliche Hand. Das weiß er. Nach außen hin gibt er sich optimistisch und kämpferisch: „Die Auswahl war noch nie so groß, der Konkurrenzkampf noch nie so hart.“ Er sagt das, was die Öffentlichkeit hören will.

Doch bei aller Auswahl, Joachim Löw ist auch auf der Suche nach dem richtigen System für die richtigen Spieler. Er kann in jede System-Kiste greifen und wird immer die richtigen Spieler dafür im Kader haben. Der Erfolg ist damit allerdings noch nicht garantiert. Siehe das mühselige 2:1 in Prag gegen Tschechien. Die „variable Offensive“ war die Losung, der defensive Gegner sollte quasi schwindlig gespielt werden, doch schwindlig wurde es eher den Löw-Schützlingen. Müller und Co. rannten auf dem Feld durcheinander und wussten am Ende selbst nicht mehr, wo das gegnerische Tor steht. Die tschechischen Abwehrreihen behielten ihre Ordnung und rätselten: „Ja wohin laufen sie, denn (die Deutschen)?“ Also: Ein Fehlschlag. Übrigens auf der ganzen Linie, durch die verbalen Ausfälle einer Horde deutscher Chaoten.

Dagegen war das nächste WM-Qualifikationsspiel in Stuttgart gegen Norwegen ein Genuss. Spielfreude pur auf dem Feld, ein fröhliches Publikum, das seinen Spaß hatte, keine Ausfälle auf dem Feld und der Tribüne. So soll die Stimmung bei einem Länderspiel sein. Leider heute eine Ausnahme. Die Spielfreude sollte allerdings keine Ausnahme sein, war aber auch dem zuvorkommenden Gegner geschuldet, der sich als Zuschauer gefiel. Solche Freiheiten bekommen Özil, Draxler, Müller, Kroos und Werner in keinem Training. Aber eine Gewissheit muss Joachim Löw gewonnen haben: Die Mannschaft braucht eine klare Linie, ein klares Konzept, kein Durcheinander.

Gegenüber vielen anderen Nationen, die auf eine WM-Teilnahme 2018 in Russland gehofft hatten und jetzt bangen müssen, befindet sich die DFB-Elf in einer komfortablen Situation. Ein Punkt am 5. Oktober in Belfast gegen Nordirland und Deutschland ist durch. Zweifel gibt es keine, notfalls muss ein Sieg zum Abschluss gegen Aserbaidschan her. Dagegen bangen die Niederlande, steht Österreich vor dem Aus, muss Italien wohl in die Qualifikation und in Südamerika jammern Argentinien und Chile. Dagegen hat ein wieder erstarktes Brasilien bereits die Fahrkarte zur WM gelöst und auch Frankreich beeindruckt mit einem Offensivspiel mit den Assen Griezmann, Mbappe und Pogba. Und doch gingen die gefürchteten Stürmer gegen den Fußball-Zwerg Luxemburg beim sensationellen 0:0 leer aus. Das macht deutlich: Man darf sich nie zu sicher fühlen. Kein Wunder, dass Joachim Löw insgeheim doch von Zweifeln geplagt wird.

DFB und VW: Gleich und gleich gesellt sich gern

Insider munkelten bereits, dass die Ehe zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und Mercedes-Benz nach 45 Jahren geschieden wird. Jetzt ist es Tatsache, Volkswagen löst Mercedes als Generalsponsor des DFB zum 1. Januar 2019 ab, der Vertrag läuft bis zum 31. Juli 2024. Mal sehen, ob sich das sportlich auswirkt, wenn die Fußball-Nationalmannschaft unter keinem guten Stern mehr steht…

Eigentlich hat es niemand für möglich gehalten, dass die Ehe zwischen DFB und Mercedes jemals geschieden wird. Freilich gab es auch viel Kritik an den bisherigen Verträgen, denn eine transparente Ausschreibung hat es mehrheitlich nicht gegeben. Die gute und passende Verbindung sollte einfach aufrecht erhalten bleiben, zumal der Stuttgarter Konzern sicherlich nicht schlecht zahlte. Keiner der Partner hatten einen Grund zur Klage, Deutschlands Automarke Nummer 1 und Deutschlands Sport Nummer 1, das war einfach eine passende und erfolgreiche Verbindung.

Von einer „passenden Verbindung“ spricht jetzt auch VW. „Volkswagen und der Volkssport Nummer 1, das ist eine gelungene Partnerschaft“, heißt es aus Wolfsburg. Der DFB und VW sind ja auch bereits Partner und VW hat seinen Fuß überhaupt schon dick im Fußball, ist nämlich Sponsor des DFB-Pokals bis 2022 und der VfL Wolfsburg in der Bundesliga ist eine 100prozentige VW-Tochter. Nur, es passt auch einiges nicht.

Zur neuen Verbindung zwischen DFB und VW könnte man auch sagen „Gleich und gleich gesellt sich gern“, wie es im Volksmund heißt. Der Autokonzern schlägt sich seit einigen Monaten mit einem Betrugsskandal herum, doch von einer offenen Aufklärung kann nicht die Rede sein, eher versucht der Konzern mit Milliardenzahlungen den wahren Hintergrund im Geheimen zu halten. Ähnliches lässt sich ja leider auch vom DFB berichten, der die Affäre um die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bisher noch nicht vollends aufgeklärt hat. Vielleicht hat man so zu einer Zusammenarbeit gefunden, gemeinsame Vertuschung, gemeinsame Schadensbegrenzung. Früher hieß es, DFB und Mercedes stehen beide für Seriosität und Qualität, heute ist man da vorsichtiger, denn auch Mercedes hat mit einem Abgasskandal Probleme.

Erstaunlich ist, dass Volkswagen eine sicherlich nicht ganz billige Partnerschaft eingeht (über Zahlen wird geschwiegen), weil zuletzt immer von einem Sparprogramm die Rede war, weil die Milliarden an Strafzahlungen irgendwo halt wieder hereingeholt werden müssen. Andererseits kann einer der größten Autokonzerne der Welt natürlich nicht auf Werbung verzichten und da ist der Fußball zweifellos weltweit das beste Aushängeschild. Der DFB wiederum lässt sich vom Wechsel vom Nobelkonzern Mercedes zu „Volkswagen“ wohl davon leiten, dass der Verband eben mehr volkstümlich erscheinen will. Was schwierig wird, denn geht es um Fußball, ist durch das Profi-Geschäft auch sehr viel von Geld die Rede.

Ab 2019 wird der Mercedes-Stern im Hintergrund fehlen und durch das langweilige „VW“ ersetzt werden. 2018 bei der Weltmeisterschaft in Russland steht die Nationalmannschaft noch unter einem „guten Stern“ und außerdem gehen die Sterne auf dem Trikot nicht verloren. Die vier Sterne stehen für vier WM-Titel des amtierenden Weltmeisters nicht für irgendwelche Nobelkarossen von Mercedes!

Ist Deutschland jetzt unschlagbar?

Das war ein Paukenschlag, der die Fußball-Welt aufhorchen ließ: Deutschlands U 21 wurde am Freitag, 30. Juni, Junioren-Europameister, zwei Tage später holte Deutschland in St. Petersburg auch noch den Confed Cup. Das Besondere an der Situation: Bundestrainer Joachim Löw hatte auf das Gros der Weltmeister von 2014 beim Confed Cup verzichtet und acht Spieler im jüngsten Kader des Turniers, die noch in der U 21 hätten spielen können. Und dennoch wurden die U 21 Europameister! Welch ein Potential hat der deutsche Fußball! Die Fußball-Welt ist in Aufruhr: Ist Deutschland jetzt unschlagbar?

In beiden Endspielen gab es das gleiche Muster. Der Gegner war jedes Mal Favorit. Da die jungen Spanier, die teilweise bereits in der Champions League für Furore gesorgt hatten und schon als künftige Stars gehandelt werden. Dort der Südamerika-Meister Chile, der in Person von Anführer Arturo Vidal tönte: „Wir werden siegen und dann sind wir die Besten der Welt.“ Deutschland gewann jeweils mit 1:0. Nicht mit spielerischem Glanz, aber doch mit hohem technischem Niveau, aber vor allem mit Kampfgeist und Siegeswillen. Der kann bekanntlich Berge versetzen – und damit kann man Pokale gewinnen. Auch wenn die meisten Weltmeister sich eine Ruhepause gönnen.

Jogi Löws Vorgänger und Ex-USA-Nationalcoach Jürgen Klinsmann schaut bewundernd auf das deutsche Aufgebot und konstatiert: Jogi Löw hat eine Auswahl von 50 Spielern für die Weltmeisterschaft 2018. Da ist das A-Team, das mehr oder weniger Pause hatte, da sind die Gewinner des Confed Cups, die an der Tür zur Nationalmannschaft rütteln und da sind die Junioren-Europameister, die davon träumen, das zu wiederholen, was Neuer, Höwedes, Boateng, Khedira, Özil und Co. schafften: 2009 Europameister und dann 2014 Weltmeister. Heißt: 2018 in Russland werden noch andere den Vortritt im DFB-Team haben, aber 2022 in Katar sind die Europameister von 2017 dran. Die Fußball-Welt hat nur eine Hoffnung: Nicht immer werden die Junioren-Europameister später auch Weltmeister. Das wäre zu einfach.

Bundestrainer Joachim Löw hat das Glück, dass er Spieler für jede taktische Ausrichtung hat und jede Menge flexibler Spieler, die für ein WM-Aufgebot unheimlich wichtig sind. Aber jetzt hat er eine einfache und eine schwere Aufgabe. Die einfache Aufgabe ist, die 23 besten Kandidaten für das WM-Team zu finden. Er kann dabei fast keine Fehler machen und Verletzungssorgen wird er kaum kennen, denn es steht auf jeder Position adäquater Ersatz bereit. Seine Aufgabe wird es sein, die Jungs in Form zu bringen und wie bei der U 21 und beim Confed Cup sowie 2014 in Brasilien eine echte Mannschaft zu formen.

Die schwere Aufgabe hat es in sich, Löw muss die Euphorie in Deutschland dämpfen. Logisch, wenn ein B-Team den Confed Cup gewinnt, wird das A-Team Weltmeister. Doch Löw beginnt bereits jetzt die Schwierigkeiten herauszuarbeiten: Die Talente sind noch nicht so weit, eine Weltmeisterschaft ist ein anderes Kaliber als ein Confed Cup, gegen Argentinien, Brasilien, Italien, England oder Spanien geht es anders zur Sache. Der Bundestrainer muss Kritik vorbeugen, ein frühzeitiges Scheitern bei der WM würde als Bumerang auf ihn zurückkommen, nach dem Motto: Bei so einer Auswahl muss herauskommen.

Doch das ist Zukunftsmusik oder die Zukunftsangst des Herrn Löw. Zunächst muss erst die WM-Qualifikation bestanden werden und da ist Deutschland (noch ohne Punktverlust) auf einem guten Weg. Und dann muss man wirklich erst sehen, wie stark die Gegner sind und was sie auf die Beine stellen. Favoriten sind oft gescheitert, wie jetzt bei der U 21-EM und beim Confed Cup. Joachim Löw muss sich die nächsten zwölf Monate vielleicht mehr mit Ausreden für den Fall der Fälle beschäftigen als mit der Taktik gegen die künftigen Gegner.

Das könnte nach heutigem Stand das WM-Aufgebot Deutschlands sein:

Tor: Neuer, ter Stegen, Trapp. – Abwehr: Boateng, Hummels, Rüdiger, Mustafi, Kimmich, Hector, Henrichs, Toljan. – Mittelfeld: Kroos, Khedira, Goretzka, Stindl, Rudy, Özil. – Angriff: Müller, Gomez, Werner, Reus, Draxler, Sané. Und dabei fehlen in dieser Aufzählung Höwedes, Gündogan, Can, Ginter, Götze, Schürrle, Weiser, Gnabry und andere, die sich ebenfalls in den Vordergrund gespielt haben. Welch eine Auswahl!

Zwei Turniere, ein Ziel – die Zukunft

Dass der Fußball-Weltverband FIFA in erster Linie ans Geld denkt und dann erst der Sport kommt, das mussten wir schon des Öfteren leidvoll erfahren. Auch die Terminplanung wird dem unterworfen, sonst würden die Gedankenspiele nicht um die Aufblähung von verschiedenen Turnieren kreisen. Unsinnig ist auch, dass jetzt der Confed Cup in Russland und die Europameisterschaft der U 21 sich terminlich überschneiden. Beides sind Turniere bei denen es um die Weiterentwicklung des Nachwuchses geht. Doch das will die FIFA nicht wahrhaben, sie sieht blauäugig den Confed Cup als „Fest der Meister“. Aus deutscher Sicht aber heißt es: Zwei Turniere, ein Ziel – die Zukunft.

Der Confed Cup oder „Confederation Cup“, wie er offiziell heißt, hatte seinen Vorläufer im „König Fahd-Pokal“, der 1992 und 1995 in Saudi-Arabien ausgetragen wurde. 1997 übernahm die FIFA, der Pokal wurde bis 2005 alle zwei Jahre ausgetragen, dann war es den meisten Nationen zu viel und danach galt der Vier-Jahres-Rhythmus und der Confed Cup als Test für den WM-Ausrichter ein Jahr vor der eigentlichen Weltmeisterschaft. Doch immer mehr Nationen sprechen sich dafür aus, den Confed Cup ganz abzuschaffen. So dürfte Russland mit dem Turnier vom 17. Juni bis 2. Juli der Abgesang sein. Vor allem 2021 in Katar ist eine Austragung undenkbar, weil der Confed Cup dann aus klimatischen Gründen wie die WM selbst 2022 auch im Winter stattfinden müsste und die Kontinentalverbände da kaum mitspielen. Geld hin und Geld her.

Beim Confed Cup starten die Meister der sechs Kontinentalverbände sowie der Weltmeister und der Ausrichter. Russland ist Gastgeber für Neuseeland (Ozeanien), Portugal (Europa), Mexiko (Mittelamerika), alle in der Gruppe A, sowie Deutschland (Weltmeister), Kamerun (Afrika), Chile (Südamerika) und Australien (Asien), alle in der Gruppe B. Die jeweils Ersten und Zweiten jeder Gruppe kommen ins Halbfinale, die Sieger sind im Finale (Sonntag, 2. Juli, 20.00 Uhr), die Verlierer spielen um Platz drei (Sonntag, 2.7., 14.00 Uhr, wo gibt es das noch?).

Es ist bei der FIFA nicht gut angekommen, dass Bundestrainer Joachim Löw von Anfang an dem Confed Cup nur eine geringe Bedeutung beigemessen hat und vielen Stammspielern für den Sommer freigegeben hat. Sein Argument ist stichhaltig: „Ziel ist die WM 2018, da wollen wir nach Möglichkeit unseren Titel erfolgreich verteidigen. Viele Spieler sind laufend im Einsatz, die brauchen auch mal einen Sommer Pause.“ Gastgeber Russland ist verschnupft, der Eintrittskartenverkauf gestaltet sich zäh, aber nicht alle Nationen denken so. Portugal und Chile zum Beispiel kündigten ihre besten Mannschaften an (mit Cristiano Ronaldo bzw. Vidal und Sanches). Aber eigentlich ist jeder gewarnt, den Confed Cup ja nicht zu gewinnen, denn der Sieger wurde noch nie Weltmeister! Bitter war dies vor allem für Rekordteilnehmer und Seriensieger Brasilien (vier Siege). Außerdem trugen sich Mexiko (1999) und Frankreich (2002 und 2005 in Deutschland) als Titelträger ein. Deutschland war bisher nur Mitläufer und gerade mal beim eigenen Turnier 2005 Dritter.

Dritter, damit wäre Löw auch in Russland zufrieden und jeder Spieler dürfte außerdem vom DFB 30.000 Euro Prämie einstreichen (50.000 Euro für den Sieg). Der Bundestrainer hat ein anderes Ziel: Wer kann den Stammspielern im Hinblick auf die WM Druck machen? Könnte sein, dass sich sein Kreis erweitert. Wer beim Confed Cup überzeugt, der ist einen Schritt weiter und hat die WM-Teilnahme vor Augen. In den ersten Länderspielen galt dies vor allem für Torjäger Sandro Wagner.

Im Vorfeld der beiden Turniere haben die Trainer Löw und Stefan Kuntz für die U 21 genau abgestimmt, wer in welcher Mannschaft antreten soll. Auch die Europameisterschaft gilt als wichtiger Meilenstein für die Zukunft, frühere Europameister der U 21 wurden später auch Weltmeister (Torhüter Manuel Neuer zum Beispiel). Das wünscht man sich auch für die Zukunft. So galt es, für die Spieler eine Perspektive beim Confed Cup zu finden, andererseits eine starke Mannschaft zur Europameisterschaft zu schicken, denn dort ist durchaus der Titel das Ziel. Die Konkurrenz ist allerdings beim Turnier in Polen (16. bis 30. Juni) stark. Zwölf Nationen spielen zunächst in drei Gruppen, nur die Gruppensieger und der beste Zweite kommen ins Halbfinale. Ein harter Modus. Deutschland bekommt es in der Gruppe C mit Tschechien, Dänemark und Italien zu tun (Gruppe A Polen, Slowenien, Schweden, England, Gruppe B Portugal, Serbien, Spanien, Mazedonien). Einige A-Nationalspieler sind dabei, einige U 21-Kandidaten auch bei Löw. Im Hinblick auf den WM-Kader werden die Augen vor allem auf Abwehrchef Jonathan Tah (Leverkusen), die Mittelfeldasse Max Meyer (Schalke) und Mahmoud Dahoud (Gladbach) sowie Torjäger Serge Gnabry (Bremen, bald Bayern) gerichtet sein. Auch Mitchell Weiser (Hertha) und Davie Selke (Leipzig, bald Hertha) könnten sich noch in den Vordergrund spielen.

Dies zeigt, an Talenten mangelt es in Deutschland nicht. Deshalb gibt es bei zwei Turnieren nur ein Ziel – die Zukunft. Es könnte eine gute Zukunft sein.

Die Probleme mit den Länderspielen

Im Volksmund heißt es „wer bezahlt, schafft an“. Das ist im Profi-Fußball keineswegs so. Die Vereine bezahlen die Spieler, aber sie sind machtlos, wenn diese von den Verbänden angefordert werden und oft die Leidtragenden, wenn ihre Profis dann verletzt zu den Klubs zurückkehren, quasi als „totes Kapital“. Kein Wunder also, dass die Vereinigung der Profi-Klubs, die sich praktisch als Schutzgemeinschaft gegründet hat, hier Änderungen anstrebt und die Abstellungen zu Nationalmannschaften reduzieren will. Kein Wunder, dass die Trainer diese Länderspielpausen nicht gerne sehen. „Ich habe Angst vor den Länderspielen“, sagt zum Beispiel Bayern Münchens Coach Carlo Ancelotti, denn er weiß aus Erfahrung, „immer kommt einer verletzt zurück“. Besonders anfällig ist hier Chiles Star Arturo Vidal, der sich für sein Heimatland ins Zeug legt, aber eben auch bei den Bayern als Abräumer im Mittelfeld und Dampfmacher dringend gebraucht wird, wenn der Traum vom Triple (Meisterschaft, Pokalsieg, Gewinn Champions League) Wirklichkeit werden soll.

Gerade die Länderspielpause jetzt Ende März liegt denkbar ungünstig. Es stehen in aller Welt wieder Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland an, die Zeit wird aber auch für Freundschaftsspiele genutzt. Aber nach gerade zwei oder drei Spieltagen (je nach Land, die Bundesliga schiebt am 4./5. April einen Wochenspieltag ein) stehen die wichtigen Spiele im Viertelfinale der Champions League an, die innerhalb von zwei Wochen (11./12. und 18./19. April) durchgepeitscht werden. Es könnte also sein, dass Spieler, die verletzt von ihren Nationalmannschaften zurückkommen, bis zu diesen wichtigen Begegnungen ihres Vereins ihre Blessuren noch nicht auskuriert haben. Sie haben gerade zwei bis drei Wochen Zeit. Die Vereine bezahlen, schaffen aber nicht an!

Freilich, Verletzungen können in jedem Training oder jedem Spiel des Vereins passieren, aber es ist schon seltsam, dass Klubs wie Bayern München fast bei allen Abstellungen Spieler haben, die verletzt von ihren internationalen Einsätzen zurückkommen. Gut, WM- oder EM-Qualifikationsspiele müssen sein (zumindest so lange, bis die Bosse bei FIFA oder UEFA in den Sinn kommt, ein WM-Turnier mit allen Mitgliedsverbänden zu spielen!), aber die normalen Länderspiele, die Freundschaftsspiele, sind in Verruf gekommen. Müssen sie sein? Der Fan lässt sich da nicht mehr begeistern, die Stadien sind nicht mehr voll, weil die Attraktivität fehlt und die Trainer zu Experimenten neigen, also nicht alle Stars auf dem Feld stehen. Ein Teufelskreis, der die Probleme mit den Länderspielen deutlich macht.

Jeder muss Verständnis für die Trainer haben, eine gute Lösung für alle gibt es aber nicht. Die ist auch der Nationen-Cup nicht, der im nächsten Jahr neu eingeführt wird. Hintergedanke: Die normalen Länderspiele sollen aufgewertet werden, der Zuschauer soll den Eindruck bekommen, es geht um was. Viele Trainer haben schon abgewunken und angekündigt, dass sie dann eben bei diesem Wettbewerb auf den Pokal verzichten und die Spiele lieber als Test nehmen. Die Vereine meutern sowieso und wollen einen Riegel vorschieben: Keinesfalls mehr Spiele, lieber weniger. Gibt es künftig also keine Länderspiele mehr?

Der Deutsche Fußball-Bund serviert seinen Fans zunächst einmal attraktive Länderspiele. Könnte sein, dass dann die Stadien trotz der „wertlosen“ Spiele voll sind, weil die Gegner England (Mittwoch, 22. März in Dortmund), Spanien und Brasilien (nächstes Jahr im März)) attraktiv sind. In Dortmund absolviert Publikumsliebling Lukas Podolski zudem sein Abschiedsspiel aus der Nationalmannschaft. Der Jubel ist also gewiss, doch die Probleme um die Länderspiele bleiben. Und nicht nur Carlo Ancelotti wird zittern.

Ist Jogi Löw ein guter Bundestrainer?

 

Ein Bekannter überraschte mich kürzlich mit der Frage: „Wie denkst Du denn über den Löw?“ Der Sport-Grantler war perplex. „Wie meinst Du das?“, fragte er zurück. „Na ja, ist der Löw ein guter Bundestrainer oder nicht?“ Ja, darf man denn an der Qualität eines Weltmeister-Trainers überhaupt zweifeln?

Der DFB-Präsident tut es offensichtlich nicht. Von Beginn seiner Amtszeit an zielte Reinhard Grindel auf eine Verlängerung des Vertrages mit Joachim Löw, der Stand jetzt nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 endet. Löw hat für dieses Turnier ein klares Ziel ausgegeben: Erfolgreiche Titelverteidigung, Deutschland soll wie 2014 Weltmeister werden. Eigentlich eine gute Eigenschaft, nicht den Duckmäuser zu spielen, sondern klare Kante zu zeigen. Doch der Erfolg ist damit nicht garantiert, schließlich wollte Deutschland 2016 auch Europameister werden. Der Titel ging an Portugal, Deutschland schied im Halbfinale unglücklich gegen Gastgeber Frankreich aus.

Jogi Löw feiert in diesem Jahr sein 10-Jähriges Jubiläum, im August 2006 war er erstmals als Bundestrainer für die DFB-Auswahl verantwortlich, als Nachfolger von Jürgen Klinsmann. Der Deutsche Fußball-Verband darf mit der Bilanz zufrieden sein, obwohl sich die Erfolge schon früher hätten einstellen können. Löw hat seine Mannen immer ins Halbfinale geführt, war bereits 2008 bei der EM im Finale, bei der WM 2010 Dritter und bei der WM 2014 schließlich Weltmeister. Das kaschierte, dass er bei den Turnieren zuvor den einen oder anderen taktischen Fehler begangen hat und deshalb für das vorzeitige Ausscheiden mit verantwortlich war. Inzwischen hat Löw die DFB-Auswahl sogar in mehr Länderspielen betreut als der beliebte Helmut Schön (1964 – 1978). Mit dem Match gegen Tschechien ist Löw mit 140 Spielen an Schön (139) vorbeigezogen, nur der legendäre Sepp Herberger (1936 – 1964) liegt noch vor ihm mit 167 Spielen. Damals gab es aber auch viel weniger Länderspiele. Helmut Schön schaffte das, was Löw fehlt, er wurde Weltmeister (1974) und Europameister (1972).

Joachim Löw ist in der Öffentlichkeit durchaus anerkannt, aber nicht unbedingt so beliebt, wie es Sepp Herberger und Helmut Schön waren. Löw ist bekannt, aber nicht sonderlich populär, sein Auftreten manchmal etwas seltsam, negative Schlagzeilen erntete er als Nasenpopler auf der Bundesligatribüne oder mit Hosen-Gate, dem Griff in die eigene Hose an der Seitenlinie. Löw hatte und hat den Vorteil, dass er eine Generation von überaus talentierten Spielern anführen kann, mit dem besten Torwart der Welt als Rückhalt. Der Bundestrainer hat durchaus das Können, aus guten Spielern auch eine gute Gemeinschaft zu machen, Spielfreude ist sein Programm. Auffällig, dass er sein Team immer gut in Form bringen kann, wenn er vor einem Turnier genügend Vorbereitungszeit erhält.

Ja, Jogi Löw ist zweifellos ein guter Bundestrainer. Er hat wohl seine Berufung gefunden, denn als Vereinstrainer hielten sich seine Erfolge in Grenzen (Pokalsieger mit dem VfB Stuttgart, Meister in Österreich mit Tirol Innsbruck, Supercupsieger in der Türkei mit Fenerbahce Instanbul). Aber Löw ist kein sehr guter oder überragender Bundestrainer, als dass es nicht eine Steigerung geben könnte. Deshalb ist es verwunderlich, dass DFB-Präsident Reinhard Grindel so auf eine Vertragsverlängerung über 2018 hinaus drängt. Die WM-Qualifikation sollte kein Problem darstellen, aber der Titel in Russland ist keineswegs garantiert. Und was, wenn Deutschland frühzeitig scheitern sollte? Dann wäre eine Trennung die logische, aber auch teure Folge für den Verband. Also ruhig Blut, Herr Präsident. Der Löw rennt Ihnen nicht davon! Vertragsverlängerung höchstens dann, wenn es eine entsprechende günstige Ausstiegsklausel für den DFB gibt.

Übrigens: In einer Umfrage fragt die Fachzeitung kicker Ihre Leser, ob der DFB mit Löw den Vertrag verlängern soll. 54 Prozent stimmten bisher mit Nein.

Red Bull: Die Brause braust davon

 

Jetzt auch der erste Meistertitel in Deutschland – Red Bull bleibt im Sport erfolgreich und feierte mit Red Bull München die Deutsche Meisterschaft im Eishockey. In aller Welt giert die Brause-Firma aus Österreich nach Aufmerksamkeit, die sie vor allem mittels sportlichen Erfolgen schaffen will. Die Eishockey-Cracks in München sind dabei nur ein kleines Teilchen der Gesamtkonzeption. Man muss sich mal vergegenwärtigen, wo Red Bull überall mitmischt, sehr zum Leidwesen der sportlichen Konkurrenz, die sich angesichts der Mateschitz-Millionen im Nachteil sieht. Die Brause braust davon.

Dietrich Mateschitz, der am 20. Mai 72 Jahre alt wird, gilt als reichster Österreicher und mit einem Vermögen von 9,2 Milliarden Euro als einer der reichsten Männer der Welt. Red Bull brachte er 1987 auf den Markt und ist heute Weltmarktführer bei den Energy-Drinks mit einem Umsatz von rund 5,9 Milliarden Euro. Der Werbespruch „Red Bull verleiht Flügel“ wurde legendär und passte vor allem zum Sport, passt vor allem aber auch zum größten Hobby des Österreichers, dem Fliegen. Mit seinen „Flying Bulls“ sorgt er immer wieder für Aufmerksamkeit.

Es ist schon erstaunlich, wie Red Bull den Sport aufmischt. Insgesamt 1,4 Milliarden Euro sollen jährlich in den Sport fließen. Vor allem Extremsportarten haben es Mateschitz angetan, aber er mischt natürlich vor allem bei den publikumswirksamen Sportarten mit. Angefangen hat es mit Klippenspringern, Surfern und Snowboardern, ins Gespräch brachten Red Bull aber vor allem Motorsport, Fußball und Eishockey. Spektakulär, wie Red Bull die Formel 1 eroberte. 2005 gründete man ein eigenes Team, von 2010 bis 2013 holte der Deutsche Sebastian Vettel vier WM-Titel. Erst technische Veränderungen stoppten „Die schnellste Werbekolonne der Welt“, wie die FAZ den Rennstall nannte. Logische Konsequenz, dass sich Mateschitz auch eine Rennstrecke leistet, Spielberg ist derzeit jedes Jahr Gastgeber der Formel 1.

Vor allem Salzburg wird von Red Bull beherrscht, Red Bull Salzburg wurde im Fußball und Eishockey Meister. Und jetzt Deutschland. Red Bull München waren im Eishockey Vorreiter, RB Leipzig soll im Fußball folgen. Die Werbebestimmungen der Fußball-Liga verboten den Namen „Red Bull“, aber RB blieb, als „Rasenballsport“, das Logo wurde leicht verfremdet. Im Fußball wird mit Leipzig nach dem Aufstieg aus unteren Ligen bis zur 2. Bundesliga in diesem Jahr der Sprung in die 1. Bundesliga angepeilt, der kurz bevorsteht. Langfristig träumt der Milliardär von einer Teilnahme an der Champions League. Was weniger bekannt ist: Fußballteams von Red Bull gibt es auch in New York, Ghana und Brasilien. Red Bull fliegt rund um die Welt.

Nicht alle sind glücklich über die Aktivitäten von Dietrich Mateschitz. Sein Vorgehen war fast immer gleich, er stieg als Sponsor ein, kaufte zum Teil erfolglose Vereine und führte sie mit seinem Geld an die Spitze. Was natürlich nicht immer wie gewünscht gelang, für Kritik sorgte und vor allem die Nostalgiker auf den Plan rief. Aber Mateschitz schmeißt nicht mit den Millionen um sich, sondern er bemüht sich um Nachhaltigkeit. Siehe die Rennstrecke von Spielberg. In München ist eine Mehrzweckhalle in Planung, die auch die Eishockey-Cracks beheimaten soll. Das Projekt steht aber auf der Kippe, da die Basketballer von Bayern München nicht mitspielen wollen. Aber mit dem Erfolg hat es Red Bull in München geschafft, dass immer mehr Fans wieder das Eishockey entdeckten. Nicht vergessen werden sollte, dass das Eishockey in München 2012 vor dem Ende stand, ehe Red Bull kam. Der fliegende Retter.

In Leipzig musste der Fußball erst um die Gunst der Fans buhlen, es dauerte lange bis RB neben der traditionsreichen, aber erfolglosen lokalen Konkurrenz angenommen wurde. Inzwischen werden die Fußballer anerkannt und gefeiert, mit einem Zuschauerschnitt von bald 28.000 liegen sie hinter Nürnberg (29.500) und St. Pauli (29.000) in der 2. Bundesliga an dritter Stelle. Der Boom wird sich in der 1. Bundesliga sicher noch steigern. Der Aufstieg wird von der Konkurrenz skeptisch beurteilt, die Angst vor den Millionen geht um. Dabei bemüht sich Mateschitz auch hier um Nachhaltigkeit, Millionen wurden in ein Nachwuchsleistungszentrum gesteckt. Auch hier braust die Brause also davon.

Geld schießt Tore, heißt es im Fußball, wenn es nicht klappt, wird der Spruch umgedreht, nach dem Motto „Geld allein schießt halt keine Tore“. Red Bull hat aber vorgemacht, dass man mit Millionen im Sport erfolgreich sein kann. Ob das gut oder schlecht für den Sport ist, muss jeder für sich entscheiden. Red Bull wird im Sport nie populär werden, wie zum Beispiel eine Marke wie der FC Bayern München. Hierfür muss sich Dietrich Mateschitz noch ein anderes Marketingkonzept ausdenken.

Jogi Löw in der Kapitäns-Falle

 

Als seine Entscheidung gefallen war, da war sie absolut nachvollziehbar. Als nach der Fußball-Weltmeisterschaft Philipp Lahm als Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft seinen Abschied nahm, da bestimmte Bundestrainer Joachim Löw den damaligen Co-Kapitän Bastian Schweinsteiger als Nachfolger von Lahm. Schweinsteiger hatte sich im WM-Finale buchstäblich für sein Team aufgearbeitet, das Team zum Titel geführt und abseits des Feldes schon immer Verantwortung übernommen. So weit so gut, doch Schweinsteiger galt auch zu der Zeit schon als verletzungsanfällig und fehlte oft bei Länderspielen. Dies hat sich fortgesetzt, doch jetzt fehlt der Mannschaft eben der Kapitän – und Jogi Löw befindet sich in der Kapitäns-Falle.

Gut möglich, dass die Fußball-Europameisterschaft im Juni ohne den deutschen Kapitän über die Bühne geht. Als die Nationalmannschaft in den letzten Tagen ihre Länderspiele gegen England (2:3) und Italien (4:1) austrug, da weilte Schweinsteiger lieber in Florida und drückte seiner Freundin Ana Ivanovic auf der Tribüne die Daumen. Wieder einmal hatte ihn eine Knieverletzung außer Gefecht gesetzt und es heißt, er würde wohl bis Saisonende ausfallen und Manchester United in der Premier League nicht mehr zur Verfügung stehen. Wegen dieser Verletzungsanfälligkeit hat ihn wohl auch Bayern München leicht nach England ziehen lassen. Doch was wird mit der EM? Wird Schweinsteiger rechtzeitig wieder fit und kann er noch helfen? Zur Erinnerung: Auch bei der Weltmeisterschaft 2014 kam der 31jährige erst verspätet zum Einsatz. Dies wird eventuell ein Vabanquespiel für Löw.

Bleibt die Frage, ob Schweinsteiger überhaupt noch helfen und wenn ja, wie. Auf dem Feld? Oder besser daneben, als Teil des Teams, aber nicht als Spieler? Wie man den Bundestrainer kennt, wird Jogi Löw bis zur letzten Sekunde warten und Schweinsteiger am 17. Mai zumindest in das erweiterte Aufgebot berufen. Am 31. Mai ist dann allerdings Meldeschluss für den 23-köpfigen EM-Kader. Hat Schweini Schwein und kann dabei sein?

Bei den letzten Länderspielen führten einmal Sami Khedira und dann Thomas Müller die Mannschaft aufs Feld, davor fungierte auch Torhüter Manuel Neuer als Kapitän. In einer Umfrage der Fachzeitung kicker votierten immerhin 34 Prozent der Leser für Schweinsteiger als Kapitän, damit siegte er klar vor Neuer (19%), Müller (18) und Khedira (12). Bei den Fans hat er also noch Kredit.

Bei den Länderspielen machte sich das Fehlen von Schweinsteiger bemerkbar, dann wiederum nicht. Als das DFB-Team gegen England einen 2:0-Vorsprung verspielte, da hieß es allgemein, ein Stratege und eine Führungspersönlichkeit wie Bastian Schweinsteiger habe gefehlt. Beim 4:1 gegen Italien lief vieles allein, Bundestrainer Löw hatte der Mannschaft eine interessante Formation mit Dreier-Kette in der Abwehr verpasst. Das spricht für Schweinsteiger: In der Not tut der Kapitän vielleicht doch gut.

Die letzten Test-Länderspiele überall in Europa waren eigentlich generell ein Muster ohne Wert. In vielen Vergleichen war zu beobachten, dass es ein Auf und Ab gab. England siegte zum Beispiel in Deutschland und verlor gegen die Niederlande. Für die Trainer wird sich nicht viel geändert haben und in den Kreis der Favoriten hat sich auch keiner neu hineingespielt. Interessanter wird es im Mai und abgerechnet wird zwischen dem 10. Juni und 10. Juli in Frankreich.

Anmerkung: Der Sport-Grantler feiert ein kleines Jubiläum, dies ist die 150. Kolumne seit dem 20. August 2013! Ein Dank an meine geschätzten Leser auf allen fünf Kontinenten!

Löw und die Probleme mit seinen Weltmeistern

Weltmeister werden ist nicht schwer, Weltmeister sein dagegen sehr – so müssen sich derzeit Bundestrainer Joachim Löw und seine Schützlinge nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien fühlen. Die erste Saison der DFB-Elf mit dem vierten Stern auf der Brust war der eines Weltmeisters nicht würdig. Kurios: Nicht nur Brasilien leidet noch heute unter dem Schock des Ausscheidens mit der katastrophalen 1:7-Niederlage gegen Deutschland, der Weltmeister selbst leidet noch unter den Nachwehen des Kraftaktes bis zum Titelgewinn. Die Bilanz klingt nicht sehr erbaulich: Zehn Spiele, fünf Siege, drei Niederlagen, zwei Unentschieden, 22: 12 Tore. „Ein schweres Jahr“, meint Jogi Löw rückblickend.

Jetzt ist allerdings erst einmal wirklich Sommerpause, im August beginnt die neue Saison. Dann jedoch gilt es mit Blickrichtung auf die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Gefährlich ist, dass alle Beteiligten im deutschen Team davon sprechen, dass die Qualifikation dafür kein Problem sei. Ein Blick auf die Mannschaft zeigt allerdings, dass durchaus Probleme entstehen könnten. Siege gegen Polen (4. September, die nächste Aufgabe), in Schottland (7. September) und in Irland (8. Oktober) sind keine Selbstverständlichkeit, aber wichtig im Kampf um einen der beiden ersten Plätze in der Gruppe D. Den Abschluss der Qualifikation bildet das Match gegen Georgien am 31. Oktober. Es könnte sogar noch entscheidenden Charakter bekommen, Polen trifft dann auf Irland, Schottland darf sich auf Gibraltar freuen.

Frisches Blut durch die U21

Was wird sich bis dahin in der deutschen Mannschaft ändern, was muss sich ändern? Erst einmal muss Jogi Löw über seinen Schatten springen und für frisches Blut im Team sorgen. Er hat ja in letzter Zeit schon bewiesen, dass er durchaus bereit ist, einen Schnitt zu machen, siehe die Dortmunder Schmelzer und Großkreutz. Auf der Kippe steht vor allem sein Liebling Lukas Podolski, der in seiner derzeitigen Form keine Daseinsberechtigung im Team mehr hat. Torhüter Roman Weidenfeller hat wohl gegen Gibraltar seine Abschiedsvorstellung gegeben. Gesucht werden vor allem Außenverteidiger und ein Stürmer mit eingebauter Torgarantie. Doch dies geht nicht nur Löw so, sondern vielen Vereinen und Nationaltrainern auf der ganzen Welt. Wohl dem, der einen Messi, Cristiano Ronaldo, Neymar oder Ibrahimovic hat. Deutschland hat wenigstens noch Thomas Müller. Keine „echte Neun“, aber immer für Tore gut.

Hoffnungen setzt Jogi Löw für die Zukunft – und die beginnt im August – auf einige Akteure der U21, die ab Mittwoch bei der Europameisterschaft in Tschechien um den Titel und Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro kämpft. Da stehen zum Beispiel die Torhüter ter Stegen und Bernd Leno auf dem Sprung die Nachfolge von Roman Weidenfeller anzutreten oder sogar Ron-Robert Zieler zu verdrängen. In der Abwehr gibt es einige junge Spieler, doch vorerst sind wohl Boateng, Hummels, Höwedes und Badstuber (wenn er nur mal längere Zeit fit bleibt) nicht zu verdrängen. Ein Faible hat der Bundestrainer zudem für Mustafi und Rüdiger, der aber noch zuverlässiger werden muss. Im Mittelfeld herrscht fast kein Bedarf, Emre Can könnte aber auch eine Lösung für den rechten Außenposten sein. Im Angriff könnte Kevin Volland früher oder später eine Rolle spielen.

Fragezeichen um Kapitän Schweinsteiger

Die Stützen der Mannschaft werden auch in naher Zukunft die Weltmeister sein, wenn es auch bei dem einen oder anderen Fragezeichen gibt. In erster Linie gilt dies für den neuen Kapitän Bastian Schweinsteiger. Die Frage, die sich sowohl die Bayern als auch Jogi Löw stellen: Macht der auch im WM-Finale so geschundene Körper noch lange mit? Schweinsteiger müssen wohl öfters Pausen gegönnt werden, die Bayern haben dafür den Wechsel Alonso/Schweinsteiger im Visier. Bei beiden reicht die Kraft nur für eine gewisse Anzahl von Spielen. Löw muss aber auch abwarten, wie Khedira und Reus wieder in Form kommen und ob Andre Schürrle sich in Wolfsburg durchsetzen kann. Als dreifacher Torschütze gegen Gibraltar und Vorbereiter des entscheidenden WM-Tores hat er sicherlich einen Bonus. Ein Rätsel auch: Wohin mit Mario Götze? Er war übrigens als einziger in allen zehn Spielen dabei!

Kapitän Schweinsteiger gehört aber normal zur bestimmenden Achse im Team, die Torhüter Neuer, Abwehr-As Boateng, Schweinsteiger, Kroos, Özil und Thomas Müller bilden. Darum herum sollte sich eine Mannschaft formen lassen, die im Hinblick auf die Qualifikation zur Europameisterschaft nichts anbrennen lässt. Löw muss aber noch Schlüssel dazu finden, Abwehrbollwerke zu knacken und sich von tief stehenden Mannschaften nicht auskontern zu lassen. Diesbezüglich kann er sich auch mit Bayern-Trainer Pep Guardiola austauschen. Im Prinzip ist es auch so: Erfolgreiche Bayern werden für ein erfolgreiches DFB-Team sorgen.