Löw und die Probleme mit seinen Weltmeistern

von knospepeter

Weltmeister werden ist nicht schwer, Weltmeister sein dagegen sehr – so müssen sich derzeit Bundestrainer Joachim Löw und seine Schützlinge nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien fühlen. Die erste Saison der DFB-Elf mit dem vierten Stern auf der Brust war der eines Weltmeisters nicht würdig. Kurios: Nicht nur Brasilien leidet noch heute unter dem Schock des Ausscheidens mit der katastrophalen 1:7-Niederlage gegen Deutschland, der Weltmeister selbst leidet noch unter den Nachwehen des Kraftaktes bis zum Titelgewinn. Die Bilanz klingt nicht sehr erbaulich: Zehn Spiele, fünf Siege, drei Niederlagen, zwei Unentschieden, 22: 12 Tore. „Ein schweres Jahr“, meint Jogi Löw rückblickend.

Jetzt ist allerdings erst einmal wirklich Sommerpause, im August beginnt die neue Saison. Dann jedoch gilt es mit Blickrichtung auf die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Gefährlich ist, dass alle Beteiligten im deutschen Team davon sprechen, dass die Qualifikation dafür kein Problem sei. Ein Blick auf die Mannschaft zeigt allerdings, dass durchaus Probleme entstehen könnten. Siege gegen Polen (4. September, die nächste Aufgabe), in Schottland (7. September) und in Irland (8. Oktober) sind keine Selbstverständlichkeit, aber wichtig im Kampf um einen der beiden ersten Plätze in der Gruppe D. Den Abschluss der Qualifikation bildet das Match gegen Georgien am 31. Oktober. Es könnte sogar noch entscheidenden Charakter bekommen, Polen trifft dann auf Irland, Schottland darf sich auf Gibraltar freuen.

Frisches Blut durch die U21

Was wird sich bis dahin in der deutschen Mannschaft ändern, was muss sich ändern? Erst einmal muss Jogi Löw über seinen Schatten springen und für frisches Blut im Team sorgen. Er hat ja in letzter Zeit schon bewiesen, dass er durchaus bereit ist, einen Schnitt zu machen, siehe die Dortmunder Schmelzer und Großkreutz. Auf der Kippe steht vor allem sein Liebling Lukas Podolski, der in seiner derzeitigen Form keine Daseinsberechtigung im Team mehr hat. Torhüter Roman Weidenfeller hat wohl gegen Gibraltar seine Abschiedsvorstellung gegeben. Gesucht werden vor allem Außenverteidiger und ein Stürmer mit eingebauter Torgarantie. Doch dies geht nicht nur Löw so, sondern vielen Vereinen und Nationaltrainern auf der ganzen Welt. Wohl dem, der einen Messi, Cristiano Ronaldo, Neymar oder Ibrahimovic hat. Deutschland hat wenigstens noch Thomas Müller. Keine „echte Neun“, aber immer für Tore gut.

Hoffnungen setzt Jogi Löw für die Zukunft – und die beginnt im August – auf einige Akteure der U21, die ab Mittwoch bei der Europameisterschaft in Tschechien um den Titel und Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro kämpft. Da stehen zum Beispiel die Torhüter ter Stegen und Bernd Leno auf dem Sprung die Nachfolge von Roman Weidenfeller anzutreten oder sogar Ron-Robert Zieler zu verdrängen. In der Abwehr gibt es einige junge Spieler, doch vorerst sind wohl Boateng, Hummels, Höwedes und Badstuber (wenn er nur mal längere Zeit fit bleibt) nicht zu verdrängen. Ein Faible hat der Bundestrainer zudem für Mustafi und Rüdiger, der aber noch zuverlässiger werden muss. Im Mittelfeld herrscht fast kein Bedarf, Emre Can könnte aber auch eine Lösung für den rechten Außenposten sein. Im Angriff könnte Kevin Volland früher oder später eine Rolle spielen.

Fragezeichen um Kapitän Schweinsteiger

Die Stützen der Mannschaft werden auch in naher Zukunft die Weltmeister sein, wenn es auch bei dem einen oder anderen Fragezeichen gibt. In erster Linie gilt dies für den neuen Kapitän Bastian Schweinsteiger. Die Frage, die sich sowohl die Bayern als auch Jogi Löw stellen: Macht der auch im WM-Finale so geschundene Körper noch lange mit? Schweinsteiger müssen wohl öfters Pausen gegönnt werden, die Bayern haben dafür den Wechsel Alonso/Schweinsteiger im Visier. Bei beiden reicht die Kraft nur für eine gewisse Anzahl von Spielen. Löw muss aber auch abwarten, wie Khedira und Reus wieder in Form kommen und ob Andre Schürrle sich in Wolfsburg durchsetzen kann. Als dreifacher Torschütze gegen Gibraltar und Vorbereiter des entscheidenden WM-Tores hat er sicherlich einen Bonus. Ein Rätsel auch: Wohin mit Mario Götze? Er war übrigens als einziger in allen zehn Spielen dabei!

Kapitän Schweinsteiger gehört aber normal zur bestimmenden Achse im Team, die Torhüter Neuer, Abwehr-As Boateng, Schweinsteiger, Kroos, Özil und Thomas Müller bilden. Darum herum sollte sich eine Mannschaft formen lassen, die im Hinblick auf die Qualifikation zur Europameisterschaft nichts anbrennen lässt. Löw muss aber noch Schlüssel dazu finden, Abwehrbollwerke zu knacken und sich von tief stehenden Mannschaften nicht auskontern zu lassen. Diesbezüglich kann er sich auch mit Bayern-Trainer Pep Guardiola austauschen. Im Prinzip ist es auch so: Erfolgreiche Bayern werden für ein erfolgreiches DFB-Team sorgen.

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