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Beim Nationalteam muss Hansi Flick ein Puzzle lösen

Das ist ein stolze Zahl: Am Montag, 12. Juni 2023, bestreitet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr 1000. Länderspiel. Gegner ist um 18.00 Uhr (bewusst wurde eine „jugendfreundliche“ Anstoßzeit gewählt) in Bremen die Ukraine. Angesichts der Kriegsleiden durch Russland ein besonderer Partner. Erster Gegner war am 5. April 1908 die Schweiz, in Basel gab es eine 3:5-Niederlage. Inzwischen sieht die Bilanz nach 999 Länderspielen positiv aus: 578 Siege, 207 Unentschieden und 214 Niederlagen stehen zu Buche. Dazu gab es die WM-Titel 1954, 1974, 1990 und 2014. Das kann sich sehen lassen. Gratulation an den Deutschen Fußball-Bund, der leider in letzter Zeit eher durch Skandale auf sich aufmerksam machte.

Mit dem ersten WM-Titel 1954 in Bern, mit dem überraschenden 3:2-Triumph über Favorit Ungarn, wurde die Basis für die Fußball-Begeisterung in unserem Land gelegt. Das vom Zweiten Weltkrieg gebeutelte Deutschland hatte plötzlich wieder Hoffnung. So stark kann Fußball in der Bevölkerung wirken, doch der Glanz ist leider eher verloren gegangen, Fußball ist heute fast reine Unterhaltung, wird als geldgierig gebrandmarkt und Spieler und Funktionäre wirken teils abgehoben gegenüber dem „einfachen Volk“. Aber der Fußball wirkt, er wird trotz aller Anfeindungen nicht untergehen.

Die aktuelle Fußball-Nationalmannschaft hat jetzt die Aufgabe, die Begeisterung für die „Nati“ wieder zurück zu holen. Eine schwere Aufgabe für Bundestrainer Hansi Flick nach den letzten Pleiten bei großen Turnieren. Die Hoffnung gilt jetzt der Europameisterschaft 2024 in Deutschland, da soll es ein ähnliches Sommermärchen geben wie bei der Weltmeisterschaft 2006 hierzulande. Das geht natürlich nur über Erfolge und da muss Hansi Flick ein Puzzle lösen, er hat viele talentierte Spieler, aber wie passen sie wirklich zusammen. Er wird viel probieren müssen, andererseits aber auch rechtzeitig ein Stammteam finden müssen. Einen Neustart gibt es jetzt gegen die Ukraine. Danach stehen noch die Testspiele am 16. Juni in Warschau gegen Polen an und am Dienstag, 20 Juni in Gelsenkirchen gegen Kolumbien (jeweils 20.45 Uhr).

Eine erste Entscheidung hat der Bundestrainer getroffen, in diesen drei Länderspielen testet er in der Abwehr eine Dreierkette, sie soll für Stabilität sorgen, ohne die Offensive zu vernachlässigen. Das macht Hansi Flick deutlich: „Wir möchten unsere Gegner mit viel Offensivpower über die Außenspieler unter Druck setzen und gleichzeitig mit der Dreierkette kompakt stehen.“ Erstaunlich, dass er da auf den Dortmunder Niklas Süle verzichtet. Ein Warnschuss an den Spieler, der endlich sein ganzes Potenzial abrufen soll. Dazu wird Flick in der Offensive experimentieren, das Angebot ist groß. Fehlen werden Ilkay Gündogan und Robin Gosens, die noch im Finale der Champions League beschäftigt sind. Kevin Schade reiste angeschlagen gleich zur U21, Timo Werner fällt auch mit einer Sprunggelenkblessur aus. Dafür kommen Vagnomann und Moukoko für das Ukraine-Match von der U21.

Südtirol als gutes Omen

Für die Nationalmannschaft der U21 steht die große Aufgabe unmittelbar bevor, vom 21. Juni bis 8. Juli wird in Rumänien und Georgien die Endrunde der Europameisterschaft ausgetragen. Gruppengegner der DFB-Elf sind Israel (Donnerstag, 22. Juni), Tschechien (Sonntag, 25. Juni) und England (Mittwoch 28. Juni, jeweils 18.00 Uhr). Am Samstag beginnt der Lehrgang der U21 in Prad in Südtirol mit einem vorläufigen Kader von 26 Spielern (23 dürfen nominiert werden), wobei Südtirol für deutsche Nationalteams schon immer als gutes Omen gilt. Den einzigen Test gibt es gegen eine Auswahl von Südtirol. Für einen guten Start sorgte der Verband, der die Verträge mit Bundestrainer Antonio di Salvo und Assistent Hermann Gerland schon vor dem Turnier bis zum 31. Juli 2025 verlängerte.

Sein stärkstes Team kann di Salvo nicht aufbieten, die größten Talente Musiala und Wirtz weilen ebenso bei der A-Nationalmannschaft, wie Malik Thiaw (AC Mailand), der eigentlich erst die EM spielen sollte. Dazu fällt mit Armel Kella Kotchap (Southampton) ein weiteres Abwehr-As aus. Das Ersatz-Pärchen hat sich allerdings gemausert, Jordan Beyer wurde beim FC Burnley in der Premier League Stammspieler, Yann Aurel Bisseck verpasste in der dänischen Liga beim Tabellendritten Aarhus GF keine einzige Spielminute! Schlagzeilen machte zuletzt auch Torhüter Noah Atubolu, der beim SC Freiburg den Niederländer Mark Flekken ersetzen soll, den es zum FC Brentford in die Premier League zieht. Die U21 hat außerdem ein schönes Vorbild, die U17 wurde gerade Europameister. Nach dem Titel greifen wollen auch di Salvo und seine Schützlinge.

Alle Augen richten sich auf die Schale

Das hat der Pokal eigentlich nicht verdient. Das Finale des DFB-Pokals bildet in Berlin immer einen schönen Saison-Abschluss und oft können Vereine feiern, die in der Bundesliga einem großen Erfolg hinterher rennen. So erging es auch RB Leipzig, das im Vorjahr erstmals Pokalsieger wurde und in diesem Jahr die Wiederholung schaffte. Und immer haben Spieler, Trainer und Bosse gleich die Zukunft im Blick. „Im nächsten Jahr das Triple“, träumt Kapitän Orban vom dritten Finale in Folge, „jetzt wollen wir aber auch mal die Schale“, richtet Emil Forsberg den Blick auf einen anderen Wettbewerb. Die Meisterschaft ist für alle Vereine das größte Ziel. Alle Augen richten sich auf die Schale.

Leipzig reiht sich ein in den kleinen Kreis der ernsthaften Anwärter auf den Titelgewinn. Die letzten Jahre war der Kreis sehr klein, Bayern München gewann bekanntlich zum elften Mal in Folge, als heißer Konkurrent galt eigentlich nur Borussia Dortmund, in dieser Zeit sieben Mal Vize-Meister. Leverkusen bekam einst den „Titel“ Vizekusen, Vizemund klingt aber nicht so gut. Jetzt will RB ein ernsthafter Mitkonkurrent werden, wobei es wohl ein heißer Transfer-Sommer voller Spekulationen wird, bevor die Kader zum Saisonbeginn am 18. August einigermaßen feststehen. Vor allem Manager Max Eberl in Leipzig wird viel Arbeit haben, weil sich das Gesicht der Mannschaft offensichtlich eklatant ändern wird. Vor allem der Franzose Christopher Nkunku steht vor dem Abschied, der Torjäger und beste Spieler des Finals, der mit seinem Tor zum 1:0 die Weichen auf Pokalgewinn stellte, wird vermisst werden. Er versucht sein Glück angeblich bei Chelsea London. Stark auch wieder Konrad Laimer, der Österreicher mauert zwar nach wie vor, doch der Wechsel zu Bayern München soll angeblich perfekt sein. Dazu äußerte auch der Ungar Szoboszlai Abwanderungsgedanken, dies wäre eine weitere Schwächung.

Doch mit einem Umbau im Kader steht der Pokalsieger nicht allein da, gravierend könnte er vor allem bei Bayern München ausfallen. Der Meister sucht bekanntlich einen neuen Mittelstürmer und einen Abräumer im Mittelfeld, aber die Bayern könnten auch die halbe Abwehr verlieren. Die Franzosen Pavard und Hernandez (angeblich mit Paris einig) stehen vor dem Absprung, Kurzarbeiter Cancelo ist schon weg und auch der Marokkaner Mazroui ist unzufrieden und bringt einen Wechsel ins Gespräch. Dazu wird sich Torhüter Yann Sommer nicht mit der Rolle als Ersatzmann von Manuel Neuer zufrieden geben. Dies würde ihm den Platz im Schweizer Nationalteam kosten. Viel Arbeit und kein Sportdirektor da bei den Bayern, da gab es schon bessere Voraussetzungen. So müssen es wieder einmal Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge richten. Weil halt die Vergangenheit besonders erfolgreich war.

Borussia Dortmund will auch nicht aus dem Spiel sein, sondern fast trotzig heißt es, nachdem der Griff an die Schale nur um ein Tor verpasst wurde, „wir greifen wieder an“. Die Bayern sollen sich nicht zu sicher fühlen, allerdings geht es zunächst um Abgänge und die Kompensation. Vor allem Talent Jude Bellingham, Herz der Mannschaft, wird fehlen. Der Engländer ist sich angeblich mit Real Madrid einig, 120 Millionen Euro Ablöse stehen zur Debatte. Guerreiro (in München im Gespräch), Dahoud, Unbehaun, Passlack und Modeste wurden bereits verabschiedet, Meunier, Schulz und Hazard können auch gehen – das wird ja fast eine neue Mannschaft. Kommen sollen Spieler, die Konstanz und Siegeswillen mitbringen. Die Augen sind auf die Schale gerichtet.

Von der Meisterschaft träumt man in Frankfurt nicht, die Eintracht entwickelte sich als typische Pokalmannschaft, aber nach dem Triumph im Vorjahr in der Europa League gelang diesmal nicht ein erneuter Pokalgewinn. Trainer Oliver Glasner verabschiedete sich nach dem 0:2 gegen Leipzig dennoch erhobenen Hauptes, er wollte gleich zwei Tage durchfeiern und bleibt Eintracht-Fan. „Ich habe mich bei den Spielern bedankt, dass sie mir zwei wunderbare Jahre in meinem Leben geschenkt haben.“ Wo es den Österreicher hin verschlägt, ist offen, auch England ist im Gespräch, als sein Nachfolger wird wohl bald Dino Toppmöller vorgestellt, zuletzt Co-Trainer von Julian Nagelsmann in München.

Pep will das Triple

Das nächste große Finale steht an, am Samstag geht es in Istanbul um die Champions League. Gut vorbereitet ist Manchester City, das nach der Meisterschaft der Premier League jetzt auch mit 2:1 gegen Lokalrivalen United den FA-Cup gewann. Kapitän Ikay Gündogan war der gefeierte zweifache Torschütze. Nun will Trainer Pep Guardiola das Triple, so wie 2011 zuletzt mit dem FC Barcelona. Mit City jagte er den CL-Henkelpott bisher vergebens nach. Gegner Inter Mailand, Dritter in Italien, dürfte sich aber als harte Nuss entpuppen.

Das CL-Finale der Frauen war für die Wölfinnen zum Heulen. Sie führten in Eindhoven gegen Barcelona zur Halbzeit mit 2:0 und wurden dann in der zweiten Hälfte überrollt. Das 2:3 war ein Schock, aber aufgeben gilt nicht. „Das wird uns nicht umhauen,wir greifen wieder an,“ kündigte Verteidigerin Kathrin Hendrich an. 2013 und 2014 gewann Wolfsburg den Pokal, die nächsten vier Finals gingen aber alle verloren. Trainer Thomas Stroot warnt: „Es wird von Jahr zu Jahr schwerer, die Konkurrenz rüstet auf.“ Er bezieht sich dabei auf die Teams aus Barcelona, Paris und London.

Aber auch national könnte es für die Wölfinnen immer schwerer werden. „Ich bin stolz auf den DFB-Pokal,“ sagte Hendrich auch, doch in der Meisterschaft musste man den Bayern den Vortritt lassen und jetzt in der CL Barcelona. Und auch die Münchnerinnen rüsten auf, die Verpflichtung der Weltstars Pernille Harder und Magdalena Eriksson ist perfekt. Man hat dieser Saison schon gesehen, welche Verstärkung Europameisterin Geogia Stanway war. Auch die Bayern-Mädchen träumen von einem Triiple.

Hansi Flick mit Dreierkette

In den nächsten Wochen rücken die Fußball-Nationalmannschaften in den Mittelpunkt. Die Aufgebote für Länderspiele und Weltmeisterschaft sind benannt. Bundestrainer Hansi Flick überraschte dabei mit der Ankündigung, dass in den Spielen gegen die Ukraine, in Polen und gegen Kolumbien Tests mit der Dreierkette durchführen wird. Und dennoch verzichtet er auf den Dortmunder Niklas Süle. Abwehrchef soll Antonio Rüdiger sein, daneben kämpfen Thilo Kehrer, Lukas Klostermann, Nico Schlotterbeck, Matthias Ginter und Malick Thiaw um zwei Plätze. Nicht im Aufgebot sind auch Mario Götze und Serge Gnabry, wobei Letzterer wegen einer Fußblessur geschont werden soll. Dafür ist Leroy Sané wieder dabei und die Talente Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kevin Schade können sich beweisen. Moukoko wurde zur U21 für die EM abgestellt, Schade soll folgen.

Apropos Talente, die Zukunft sieht wohl nicht so schlecht aus, nachdem die Nationalmannschaft der U17 Europameister wurde. Beim 0:0 (5:4 im Elfmeterschießen) gegen Frankreich bedurfte es aber ein wenig Glück, um den Titel zu holen. Held im Finale war Torhüter Schmitt (Bayern), Brunner (Dortmund) und Ramsak (Bayern) glänzten als Toptorschützen unter vier Spielern, die viermal trafen.

Für die Frauen steht bekanntlich die Weltmeisterschaft vor der Tür, die Vorbereitung beginnt am 20. Juni in Herzogenaurach, doch nicht mit dem kompletten Kader. Die Bayern sorgten für Knatsch, verweigern den fünf nominierten Spielerinnen die frühzeitige Anreise, da die Abstellpflicht der FIFA erst am 23. Juni beginnt. Allerdings war dies vorher anders abgesprochen und Bundestrainer Martina Voss-Tecklenburg entsprechend sauer. Die Bundestrainerin hat sich mit drei Nachnominierungen für den erweiterten Kader beholfen und verweist auf Wolfsburg, das zehn Spielerinnen abstellt und am Samstag noch das CL-Finale zu verarbeiten hatte. Nicht dabei sind sowie die verletzten Bayern-Mädchen Giulia Gwinn und Linda Dallmann. Die WM in Australien und Neuseeland beginnt am 20. Juli. Zeit genug also, um noch in Form zu kommen. Allerdings drängt die Zeit, dass endlich ein TV-Vertrag ausgehandelt wird. Noch stehen keine Fernsehübertragungen fest.

Die Nachspielzeit macht den Fußball verrückt

„Ein Spiel dauert 90 Minuten“ hieß einst die Regel im Fußball. Heute weiß keiner mehr, wie lange ein Spiel dauert, die Nachspielzeit wird unendlich ausgedehnt, die Spielverzögerungen der Aktiven, die Verletzungen vortäuschen, sind ätzend, so muss man heute auf 120 Minuten Fußball gefasst sein. In der Nachspielzeit wird das Geschehen dann allerdings gerne auf den Kopf gestellt. Das Wochenende der Entscheidungen machte deutlich: Die Nachspielzeit macht den Fußball verrückt!

Blickpunkt Köln: Die Bayern brauchen keine Nachspielzeit, Jamal Musiala schießt den Siegtreffer zum 2:1 in der 89. Minute, nachdem er vier Minuten vorher erst aufs Feld kam. Nachspielzeit fünf Minuten, danach jubeln die Bayern, brechen aber abrupt ab, weil sie feststellen, in Dortmund wird noch gespielt. Dort hatte man später angefangen und die Borussia hat sich noch nicht aufgegeben. Dortmund nutzt die Nachspielzeit, in der 96. Minute erzielt Süle das 2:2 – noch ein Tor und Dortmund ist Meister. Es fällt aber nicht, trotz einer großen Chance. Die Bayern feiern, die Borussia trauert. Trauriger Held: Haller verschießt einen Elfmeter.

Blickpunkt Stuttgart/Mönchengladbach: In Gladbach verliert der FC Augsburg mit 0:2 und muss um den Klassenerhalt zittern. In Stuttgart wird noch gespielt, dem VfB reicht ein 1:1 gegen Hoffenheim nicht, es gibt Nachspielzeit. Der FCA bangt und hofft, doch Endo und Tomas treffen nicht, der FCA bleibt drin, der VfB muss in die Relegation. Doch wer ist der Gegner?

Blickpunkt Regensburg/Sandhausen: Auch in der zweiten Liga wird unterschiedlich lang gespielt. So ist der HSV in Sandhausen früher fertig, siegt 1:0 und ist Zweiter, weil Konkurrent Heidenheim in Regensburg 1:2 zurück liegt. Die Fans strömen auf den Platz, feiern den Aufstieg, weil fälschlicherweise das Ende in Regensburg verkündet wird. Doch dort gibt es mehr als elf Minuten Nachspielzeit. Heidenheim muss gewinnen und macht die Sensation perfekt: In der 93. Minute verwandelt Beste einen Foulelfmeter zum 2:2, in der 99. Minuten (!) macht Torjäger Kleindienst das 3:2 und schießt Außenseiter Heidenheim in die Bundesliga! Der HSV wird Gegner des VfB. Heidenheim feiert am Montag dann das „Wunder“ im eigenen Stadion. Trainer Frank Schmidt führte den Verein von der Oberliga bis in die Bundesliga!

Blickpunkt Osnabrück: Nach 90 Minuten steht Wehen-Wiesbaden auf einem Aufstiegsplatz in die 2. Bundesliga, hinter Elversberg. Doch in Niedersachsen spielt der Fußball auch verrückt. Osnabrück nutzt die Nachspielzeit, ein Doppelpack in der 94. und 96. Minute bringt die Wende, macht aus einem 0:1 gegen Dortmund II ein 2:1 und damit ziehen die Schützlinge von Weltmeister-Bruder Tobias Schweinsteiger an den Hessen vorbei – bei Punktgleichheit mit einem Tor besser! Wehen muss in die Relegation gegen Bielefeld um den Platz in die 2. Bundesliga. Der Fußball kann grausam und spannend sein.

Bayern feiert und feuert, der Pott trauert

Es ist nicht zu fassen, die Bayern haben wirklich den 11. Titel in Folge geholt. Wenn nicht jetzt, wann dann wollen die Dortmunder diese Erfolgsserie beenden. Alles sprach für die Borussia, in Dortmund wurde schon am Vormittag gefeiert, 200.000 freuten sich auf die Schale, doch auf dem Spielfeld wurden die Beine der Stars schwer. Gegner Mainz, zuletzt fünfmal nicht erfolgreich und auswärts schwach, hatte frische Beine und ging sensationell innerhalb von 24 Minuten mit 2:0 in Führung. Dazu kam die Kunde vom Tor der Bayern in Köln – Dortmund war nur noch Zweiter und schaffte den Umschwung nicht, schenkte den Münchnern quasi den Titel.

In München stand aber nicht das Feiern im Mittelpunkt, sondern das Feuern. Während des Spiels in Köln und offiziell nach dem Match wurde bekannt, dass die Bayern Boss Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic vorher schon entlassen hatten! „Es war unbedingt notwendig,“ heißt es beim Aufsichtsrat, der per Videoschaltung diese Entscheidung getroffen hatte. Im Hintergrund wirkte dabei Uli Hoeneß, der Befürworter von Kahn und Brazzo, der jetzt sagt, die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. So ging eine chaotische Saison chaotisch zu Ende und dass dennoch die Meisterschaft errungen wurde, ist fast ein Wunder.

Eine gute Figur gab die Bayern-Führung sicherlich nicht ab, aber sie entschied zweifellos richtig. Kahn wurde vorgeworfen, dass er keinen Draht zu den Mitarbeitern fand, außerdem umgab er sich mit Beratern, die für schlechte Stimmung im Verein sorgten. Salihamidzic zeigte ebenso menschliche Schwächen, wie der Knatsch mit Hansi Flick und Hermann Gerland zeigte. Fehler waren auch seine Verpflichtungen von Mané und Trainer Julia Nagelsmann, vor allem dessen lange Vertragslaufzeit von fünf Jahren. Kahn und Salihamidzic reagierten auch nicht rechtzeitig, als sich Probleme mit Nagelsmann und der Mannschaft ergaben.

Jetzt soll das „mia san mia“ und das Familiäre, das die Bayern auszeichnete, wieder zurückkehren. Der bisherige Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen, der den Verein eigentlich nach zehn Jahren verlassen wollte (u. a. wegen Kahn) und Wert auf ein gutes Betriebsklima legt, wurde als neuer CEO berufen, so dass keine Vakanz entsteht. Dreesen, Präsident Herbert Hainer, Uli Hoeneß und dazu der frühere Boss Karl-Heinz Rummenigge sowie Trainer Thomas Tuchel werden sich um die Zukunft kümmern. Rummenigge soll in den Aufsichtsrat aufrücken und bei der Suche nach einem neuen Sportdirektor helfen, Tuchel muss vorerst auf seinen Urlaub verzichten und wird sich um eine Verstärkung der Mannschaft kümmern. Die Bayern wollen so ein Jahr der Enttäuschung und Unruhe nicht mehr erleben und wieder zu alter Stärke und Reputation finden.

Der Pott dagegen trauert. Fassungslosigkeit und Tränen in Dortmund, mit dem Schlusspfiff war plötzlich Ruhe im Hexenkessel des Stadions. Gleichzeitig war der Abstieg von Schalke 04 perfekt, wobei die Knappen diesmal erhobenen Kopfes und geordnet ins Unterhaus gehen. Dort wollen sie ebenso angreifen, wie die Borussia die Bayern: „Wir geben nicht auf, wir werden unsere Chance nutzen“, macht man sich selbst Mut. Die größte Chance wurde aber wohl nicht genutzt.

Ihre Chancen genutzt haben RB Leipzig und Union Berlin, die beide in der Champions League vertreten sind. Vor allem Union war ein Gewinner der Saison, die Ruhe um Trainer Urs Fischer war das Gegenteil zum Theater in München. Erstaunlich, wie Union Jahr für Jahr von der Conference League über die Europa League bis jetzt zur Champions League aufstieg. Leidtragender war der SC Freiburg, der in Frankfurt 1:2 verlor, aber für die Schwarzwälder ist die Europa League ein Erfolg. Frankfurt und Leverkusen haben Europa sicher, wo, entscheidet das Pokalfinale. Großer Verlierer war der VfL Wolfsburg, der mit der 1:2-Niederlage gegen Absteiger Hertha aus dem Europa-Rennen ausschied.

Frauen feiern mit den Männern

Weniger überraschend als der Titel bei den Männern kam die Meisterschaft für die Frauen des FC Bayern München. Sie mussten gegen Absteiger Turbine Potsdam gewinnen und stellten schon nach vier Minuten die Weichen. Am Ende stand es 11:1, die Schale gehört zum fünften Mal den Bayern, sie lösten damit den VfL Wolfsburg als Titelträger ab. Die Bundesliga-Stars des Vereins saßen auf der Tribüne und standen dann den Mädchen Spalier. Gemeinsam wurde danach vor rund 10.000 Fans auf dem Rathausbalkon am Marienplatz gefeiert. Ein Traum vor allem für die Frauen, die vier Spielerinnen verabschiedeten (u. a. Torschützing Kumagai), vor allem aber auch die langjährige Managerin Karin Danner. Und das in Ruhe! Nachfolgerin wird Bianca Rech, bisher rechte Hand, die die Mannschaft weiter verstärken will. Aus Hoffenheim kommt Katharina Naschenweng und in den Medien wird gemunkelt, dass zwei Weltstars von Chelsea London den Weg nach München finden werden: Die Schwedin Magdalena Eriksson und die Dänin Pernille Hader, die beide ein Paar sind.

Hinter den Münchnerinnen landeten der VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt, die beide ebenfalls für die Champions League qualifiziert sind. Absteigen müssen der SV Meppen und Turbine Potsdam. Mit RB Leipzig und dem 1. FC Nürnberg haben Frauen-Teams aus prominenten Vereinen den Aufstieg geschafft, was der Frauen-Bundesliga weiter Auftrieb geben sollte.

Die Zeit der Finals

Die Punktrunden sind beendet, aber mit dem Fußball ist es noch lange nicht vorbei. Jetzt beginnt die Zeit der Finals. Bereits am Mittwoch macht das Endspiel in der Europa League den Anfang, in Budapest stehen sich Rekordsieger FC Sevilla und der AS Rom gegenüber. Deutsche Teams sind in Europa nicht mehr vertreten, deshalb steht am Samstag das Pokalfinale in Berlin im Mittelpunkt. Titelverteidiger RB Leipzig hat sich wieder qualifiziert und trifft diesmal auf Eintracht Frankfurt, ein Team, das Finals mag und nach dem Gewinn der Europa League nach dem nächsten Pokal greift. Erstaunlich, dass der sportliche Erfolg stimmt nach dem Theater mit Trainer Oliver Glasner, der den Verein nach diesem Endspiel verlassen wird. Gibt es ein Abschiedsgeschenk?

Aus deutscher Sicht wird der Samstag wieder zu einem Fußballtag, den vor dem DFB-Pokalfinale kämpfen die Frauen des VfL Wolfsburg um die Krone in der Champions League. Gegner um 16.00 Uhr in Eindhoven ist der FC Barcelona, der als Favorit gilt, im Vorjahr aber Olympique Lyon unterlag. Wolfsburg hatte zuletzt 2014 die CL gewonnen, der letzte deutsche Sieger war ein Jahr später der 1. FFC Frankfurt (heute Eintracht).

Die nächsten Finals sind am 7. Juni in Prag das Endspiel in der Conference League zwischen West Ham United und dem AC Florenz sowie zum Abschluss am 10. Juni in Istanbul das große Duell zwischen Manchester City und Inter Mailand in der Champions League. City kann schon diesen Samstag in Wembley einen Pokal holen, nämlich den FA-Cup. Gegner ist Lokalrivale Manchester United. Das Triple ist für City und Pep Guardiola also möglich.

„Endspiele“ sind eigentlich auch die Prüfungen in der Relegation. Um den Platz in der Bundesliga kämpfen bereits am Donnerstag in Stuttgart der VfB und der Hamburger SV, das Rückspiel folgt am Montag, 5. Juni. Um den Platz in der 2. Bundesliga geht es am Freitag für Wehen-Wiesbaden und Arminia Bielefeld, das Rückspiel ist am 6. Juni.

Sensation im Eishockey

Gefeiert wurde nicht nur im Fußball. Eine Sensation gab es im Eishockey, die deutsche Mannschaft gewann Silber bei der Weltmeisterschaft in Finnland und Lettland. Im Endspiel unterlag Deutschland zwar Rekord-Weltmeister Kanada mit 2:5, aber erstmals nach 70 Jahren gab es wieder Silber! Es war also ein erfolgreicher Einstand für den neuen Bundestrainer Harold Kreis, den niemand erwartet hatte. Damit rückte Deutschland auf Platz fünf der Weltrangliste vor und hat sich für die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand qualifiziert. Torjäger JJ Peterka wurde zudem zum besten Stürmer des Turniers gewählt. Die Mannschaft wurde bei ihrer Ankunft in Deutschland am Montag entsprechend gefeiert, u. a. in München warteten über 100 Fans auf die Eis-Cracks.

Ob Fußball-Bundestrainer Hansi Flick mit seinem Team nächstes Jahr bei der Europameisterschaft auch so erfolgreich sein kann? Am Freitag will er jedenfalls das Aufgebot für die nächsten Länderspiele im Juni bekannt geben. Mal sehen, wie sich das Chaos in München bzw. die anderen Platzierungen auf seinen Kader auswirken.

Danke, Bundesliga, für das spannende Finale

Davon haben die Fans seit Jahren geträumt: Am Samstag gibt es ein Finale der Fußball-Bundesliga, bei dem die meisten Entscheidungen noch nicht gefallen sind. Die letzten zehn Jahre mussten sie damit leben, dass Bayern München zum Beispiel die Meisterschaft schon an Ostern unter Dach und Fach gebracht hatte. Manchmal standen am letzten Spieltag auch schon die Absteiger fest. 2023 ist alles anders, vielleicht ein Jahr, das in die Geschichte eingehen wird.

Alles sieht danach aus, dass es nach zehn Jahren Bayern-Dominanz einen neuen Meister geben wird. Dortmund schwächelte, aber auf der Zielgerade tut dies – vollkommen untypisch – München auch. Die Bayern gaben mit dem 1:3 gegen Leipzig der Borussia den Weg zum Titel frei, die ließ sich nicht lumpen und übernahm mit dem 3:0 in Augsburg die Tabellenführung. Jetzt fehlt bei zwei Punkten Vorsprung noch ein Sieg gegen Mainz, das müsste zu Hause möglich sein. Die Bayern wären machtlos und sie müssen sich von allen Seiten harte Kritik gefallen lassen. „Diese Mannschaft ist am Ende“, urteilte der kicker und dies kann man auf das Führungspersonal ausweiten. Am 30. Mai wird in München aufgeräumt. Auf der anderen Seite kann sich Trainer Edin Terzic feiern lassen, endlich ist einer da, der in die Fußstapfen von Jürgen Klopp tritt. Und mit Sebastien Haller hat die Borussia auch einen Torjäger, der diese Saison ebenfalls nicht vergessen wird: Vom Krebspatienten zum Torjäger und vielleicht zum Meistermacher.

Aber nicht nur oben ist Spannung angesagt, sondern auch unten. Nur eine Entscheidung ist gefallen: Hertha BSC Berlin muss zum siebten Mal den Gang in die zweite Liga antreten, nach elf Jahren Bundesliga. Der Abstieg ist selbst verschuldet und wurde hier schon behandelt (siehe „Der Reichtum hat Hertha BSC in den Ruin getrieben“). Davor aber ist alles offen, der VfB Stuttgart hat sich mit einem 4:1-Sieg in Mainz nach oben geschoben und Schalke wieder auf einen Abstiegsplatz befördert. Die Rettung kann nur in Leipzig gelingen, ausgerechnet bei der Mannschaft, die die beste Form aufweist und die Bayern ins Dilemma geschickt hat. Bochum (gegen Leverkusen) und Stuttgart (gegen Hoffenheim) kämpfen bei jeweils 32 Punkten um die absolute Rettung, der VfB hat mit dabei die um 23 Tore bessere Tordifferenz. Aber auch Augsburg muss noch zittern und in Gladbach zumindest einen Punkt holen, um sicher zu gehen. Freude dagegen in Bremen und bei Hoffenheim – beide gerettet.

Ein bisschen wird auch noch um die Plätze in Europa gestritten, wobei sich RB Leipzig Platz drei und die Champions League gesichert hat. Die beiden Überraschungsteams Union Berlin und SC Freiburg sind mit 59 Punkten gleichauf, für einen geht es in die Champions League, für den anderen in die Europa League. Freiburg liegt vier Tore vorn, aber das heimstarke Union hat vielleicht gegen Bremen die leichtere Aufgabe als Freiburg in Frankfurt. Und wer darf noch nach Europa? Leverkusen, Wolfsburg oder Frankfurt? Alles offen. Danke, Bundesliga, für das spannende Finale.

Ähnlich spannend geht am Sonntag die 2. Bundesliga zu Ende. Darmstadt 98 hat schon groß den Aufstieg gefeiert (Vater des Erfolges ist Trainer Thorsten Lieberknecht), der FC Heidenheim will in der Kleinstadt mit 49.000 Einwohnern den Traum von der Bundesliga wahr werden lassen, nur ein Sieg in Regensburg steht noch im Wege. Das Oberhaus würde lieber den Hamburger SV aufnehmen, doch danach geht es nicht. Der HSV hat die Relegation sicher, der direkte Aufstieg hängt von Heidenheim ab. Sandhausen sollte keine unüberwindbare Hürde sein. Ausgerechnet die beiden Absteiger spielen hier das Zünglein an der Waage. Gerettet ist Hansa Rostock, Braunschweig, Nürnberg und Bielefeld sind die drei Kandidaten für die Relegation. Zittern ist weiter angesagt. Danke, Bundesliga, für das spannende Finale.

Auch in der Frauen-Bundesliga gab es noch keine Entscheidung. Für Bayern München stand die Tür nach Wolfsburgs Niederlage in Frankfurt schon offen, doch die Münchnerinnen gingen nicht durch, leisteten sich nach 15 Siegen in Folge ein 0:0 in Leverkusen. Die Nervosität war unverkennbar. Auch die Wölfinnen taten sich schwer, kamen aber in der Nachspielzeit durch einen Treffer von Alexandra Popp zu einem glücklichen 3:2-Sieg in Meppen. Jetzt müssen die Bayern-Mädchen im letzten Spiel den Sack zumachen, das sollte gegen Schlusslicht Potsdam gelingen.

Die Wölfinnen haben den ersten Titel in der Tasche. Mit einem 4:1 gegen Freiburg holten sie sich den DFB-Pokal. Den wollen sie gar nicht mehr hergeben, sie gewannen in jetzt zum neunten Mal in Folge! Sie können also sogar noch auf das Triple hoffen, am 3. Juni steht bekanntlich das Finale der Champions League gegen den FC Barcelona an. Das Stadion in Eindhoven ist schon ausverkauft. Ausverkauft war auch im Finale das Rhein-Energie-Stadion in Köln, mit 44.808 Zuschauern gab es eine Rekordkulisse, der Frauen-Fußball boomt also nach wie vor.

Nur die Freigabe für die WM-Übertragungen fehlt noch. Eine Weltmeisterschaft mit einer starken deutschen Mannschaft ohne Fernsehen würde einen Rückschlag bedeuten. Der überhebliche FIFA-Präsident Gianni Infantino will wohl die Füße geküsst haben, ob ein annehmbares Angebot von ARD und ZDF zu akzeptieren.

Die Jagd nach dem Geld

Aber nicht nur bei den Frauen geht es ums Geld. Die Männer gieren in der Bundesliga nach neuen „Energiequellen“. Eine besonders brisante Idee wird am Mittwoch entschieden. Da treffen sich 1. und 2. Bundesliga, um über einen Investor zu bestimmen. Zwei Milliarden Euro soll der Investor zahlen, dafür erhält er für 20 Jahre 12,5 Prozent Beteiligungen an den in- und ausländischen Medienrechten. Das könnte sich für ihn lohnen, drei Milliarden Euro sind drin. Für die 36 Klubs geht es um das schnelle Geld, der größte Teil der Summe soll für den Aufbau einer digitalen, global aktiven Plattform und für die Verbesserung der Infrastruktur zur Stärkung des Sports hergenommen werden. Das Geld soll nicht in die Taschen der Spieler und Berater wandern.

Zwei Drittel der Vereine müssen für einen Investor stimmen, vier Kandidaten haben sich beworben, mit einem soll verhandelt werden. Die Stimmung unter den Vereinen ist angeblich mehrheitlich für einen Investor, sie denken halt an die Ausschüttung von Millionen. Nicht zufrieden sind die Fans, sie befürchten, dass sich die Bundesliga an einen Investor buchstäblich verkauft und der zum Beispiel Termine bestimmen könnte. Die DFL verneint dies allerdings. Wie gesagt, brisant ist das Thema auf jeden Fall und wird am Mittwoch nicht gänzlich entschieden werden, aber der Weg in die Zukunft wird deutlich werden.

ManCity will das Triple

Um viel Geld geht es vor allem auch in den internationalen Wettbewerben. Die größte Rolle spielen dabei in diesem Jahr die Klubs der Serie A in Italien, groß absahnen will vor allem aber Pep Guardiola mit Manchester City. Kritiker schwärmen nach dem 4:0 gegen Real Madrid von dem „perfekten Spiel“, Gegner im Finale der Champions League am 10. Juni in Istanbul wird Inter Mailand sein. ManCity träumt aber von mehr, vom Triple. Die Meisterschaft ist schon eingefahren, nachdem Verfolger Arsenal London wieder verlor, war der Titelverteidiger schon vor seinem Spiel am Sonntag am Ziel. Der nächste Titel winkt am 3. Juni im Finale des FA-Cup gegen den Lokalrivalen ManUnited. Und dann will Pep Guardiola den Coup landen, endlich den Henkelpott wieder in den Händen halten, erstmals mit ManCity und nun sieben Jahren Anlauf.

Das Finale der Europa League bestreiten am 31. Mai in Budapest AS Rom und der FC Sevilla. Bayer Leverkusen hat es nicht geschafft, schoss beim 0:1 in Rom und 0:0 zu Hause kein einziges Tor, trotz vieler Chancen. Allerdings war vor allem im Rückspiel von den Römern kein Fußball zu sehen, die Mourinho-Schützlinge spielten nur auf Zeit, lagen bei jeder Körperberührung auf dem Boden und mimten den Verletzten. Der Schiedsrichter zeigte sich dagegen machtlos. Das war kein Fußball, so etwas wollen wir nicht sehen. Leidtragende waren Bayer und die Zuschauer, die sich auf Sport gefreut hatten. So gehen die Finals ohne deutsche Beteiligung über die Bühne, in der Conference League stehen sich am 7. Juni in Prag der AC Florenz und West Ham United gegenüber.

Der Reichtum hat Hertha BSC in den Ruin getrieben

Die Fußball-Bundesliga ist in diesem Jahr spannend wie nie, aber sie ist auch wieder um ein trauriges Kapitel reicher. Gut, Hertha BSC Berlin ist noch nicht abgestiegen, aber nur ein Wunder kann den Pleite-Klub noch retten. Sechs Punkte Rückstand sind es bis zum Klassenerhalt, zwei Siege müssen also her und die Konkurrenz darf nicht punkten. Ausgerechnet der VfL Bochum, der diesen rettenden Platz einnimmt, kommt am Samstag ins Olympiastadion. Fünf Punkte sind es bis zum Relegationsplatz (Schalke), aber auch der Vorletzte Stuttgart muss mitspielen. Die Situation ist brisant. Zum Schluss geht es noch nach Wolfsburg, das selbst um Europa kämpft.

Brisant – das gilt nicht nur für den Sport. Der ganze Verein steht am Abgrund und dabei wollte er vor wenigen Jahren noch den Himmel einreißen. Mit Lars Windhorst wurde ein Geldgeber gefunden, der 2019 sage und schreibe 374 Millionen Euro in den Verein pumpte. Hertha agierte dann aber wie ein überraschter Lotto-Millionär, der mit dem Reichtum nicht umgehen kann. Der Größenwahn brach aus – und trieb Hertha in den Ruin. Die Bodenhaftung ging verloren, vom „Big-City-Club“ war die Rede, „Big Loser“ trifft heute eher zu. Das zurückgetretene Präsidiumsmitglied Ingmar Pering formulierte, was wohl Tatsache ist. Früher wäre es schon schlimm gewesen, „jetzt haben wir es nicht nur mit egoistischen und auf persönlichen Vorteile bedachte Machtmenschen zu tun, sondern auch noch mit versammelter Inkompetenz“. Überraschend: Der neue Präsident Kay Bernstein schlug bei der Mitgliederversammlung in die gleiche Kerbe: „Der Irrsinn muss ein Ende ab. Rund 250 Millionen wurden nutzlos verbrannt.“ Hertha muss mit Schulden leben, hat zwar mit der Firma „777 Partners“ einen neuen Geldgeber, aber auch der macht Sorgen. Er hat sich offensichtlich so ein weitreichendes Mitspracherecht gesichert, dass die DFL hellhörig geworden ist, die 50+1-Regel wird wohl nicht eingehalten und so ist die Lizenz so in Gefahr. Hertha muss, Abstieg hin oder her, auch hier liefern. Gefeiert von den Fans wurde Trainer Pal Dardai, der Wonneproppen des Vereins. Er skizzierte: „Wir haben eine kleine Hoffnung in der Liga zu bleiben, aber die Sache ist nicht mehr in unserer Hand. Wir müssen aber wieder nach oben kommen, wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahr.“ Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Besonders traurig ist für die Hertha-Fans, dass sie zusehen müssen, dass zwar die Champions League wohl nach Berlin kommt, aber diesen Traum ausgerechnet der ungeliebte Lokalrivale Union leben kann. Dabei hatte sich Union so hohe Ziele gar nicht gesetzt, aber vernünftig gearbeitet. Erfolg ohne Reichtum, das 4:2 gegen Freiburg stellte die Weichen, Hoffenheim und Bremen sind die letzten Gegner. Freiburg ist Fünfter und hat mit 56 Punkten die Europa League sicher, auch das darf im Schwarzwald gefeiert werden. Dahinter kämpfen vier Klubs um die nächsten Europaplätze, die punktgleichen Wolfsburg und Leverkusen (je 49), Frankfurt (46) und Mainz (45). Die Eintracht feierte dabei mit dem 3:0 gegen Mainz eine Art Wiederauferstehung und das, obwohl Trainer Oliver Glasner wegen einer Rotsperre nur aus einer Loge zusehen durfte. Der Wirbel um den Coach ging spurlos an der Mannschaft vorbei, Verein und Trainer gaben die Trennung zum Saisonende bekannt. Eine erfolgreiche Ära mit dem Gewinn der Europa League geht zu Ende. Als Nachfolger ist Dino Toppmöller im Gespräch, zuletzt Co-Trainer von Julian Nagelsmann bei Bayern München. Mehr Kontinuität gibt es in Köln, dort hat Trainer Steffen Baumgart seinen Vertrag verlängert. Auch hier gilt: Kein Reichtum, aber gute Arbeit.

Reichtum wird Bayern München nachgesagt, reich auch an Titeln, doch die elfte Meisterschaft in Folge hängt noch in der Luft, Verfolger Borussia Dortmund gibt nicht auf, ist aber auf einen Ausrutscher des Tabellenführers angewiesen. RB Leipzig ist am Samstag im „Spiel der Woche“ im 18.30 Uhr ein Gegner, der Bayern weh tun kann. Andererseits wirkten die Bayern beim 6:0 gegen Schalke erstmals wieder gefestigt und auch Trainer Thomas Tuchel war zufrieden: „Es geht aufwärts, das Selbstvertrauen wird wieder größer.“ Haben die Bayern gerade noch die Kurve bekommen? Antreiber war Thomas Müller, der falsche Gerüchte eher launig ins Reich der Fabel verwies. Bild (in dem Fall Sport-Bild) hatte wieder einmal gewusst, was andere denken: „Müller denkt an Bayern-Abschied“ hieß die Schlagzeile. Müller aber machte deutlich: „Solche Gedanken habe ich nicht, mein Herz ist roter als rot.“ Er will seinen Vertrag bis 2024 erfüllen und wird dann mit Sicherheit auch künftig im Verein eingebunden sein. Zum Titel sind aber Siege gegen Leipzig und in Köln notwendig.

Dortmund kann nur auf einen Ausrutscher hoffen. Trainer Edin Terzic realistisch: „Wir geben Gas, aber die anderen geben auch Gas“. Aufs Gas drücken muss die Borussia am Sonntag (17.30 Uhr) in Augsburg, denn der FCA ist so etwas wie ein Angstgegner, von den letzten vier Spielen in Augsburg gewann Dortmund nur eins. Aber die derzeitige Form, vor allem die der Torjäger Haller und Malen, lässt Terdic wohl ruhig schlafen. Anders sieht es bei FCA-Trainer Enrico Maaßen aus. Es war viel von positiver Entwicklung beim FCA die Rede, doch in Sachen Klassenerhalt herrscht Stillstand bzw. Rückschritt. Ein Sieg gegen Dortmund wäre die Rettung, der Schluss in Gladbach könnte aber zum Endspiel werden. Dabei sehen sich die Augsburger nach zwölf Jahren Bundesliga als unabsteigbar, immer haben sie den Klassenerhalt geschafft, manchmal auf den letzten Drücker. „Unabsteigbar“ war früher das Markenzeichen von Bochum, der 3:2-Sieg über Augsburg, der die Schwaben wieder ins Dilemma stürzte, könnte den Slogan neu beleben. Das „Endspiel“ findet in Berlin bei der Hertha statt und die Fans sangen schon mit Blick auf das Lied vom Pokalfinale „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“. An Unterstützung wird es Bochum nicht fehlen.

City will Real vom Thron stürzen

In den europäischen Wettbewerben wird in dieser Woche die Frage beantwortet, der die Finals bestreiten wird. In der Champions League hat Inter Mailand nach dem 2:0 im Hinspiel gegen den Lokalrivalen AC beste Chancen am 10. Juni in Istanbul auf dem Platz zu stehen. Aber wer wird der Gegner sein? Manchester City will Real Madrid vom Thron stürzen und endlich den Henkelpott holen. Das 1:1 vom Hinspiel lässt beiden Teams alle Chancen, doch scheint Pep Guardiolas Team besser in Fahrt zu sein, in der Premier League steht City vor dem Titelgewinn, nachdem Verfolger Arsenal wieder verlor. Real kommt ein bisschen auf dem Zahnfleisch daher, musste zusehen, wie der FC Barcelona die Meisterschaft gewann.

Ob Deutschland im Finale der Europa League wieder vertreten ist? Bayer Leverkusen ist vom Erfolgskurs ein bisschen abgekommen, da wird es schwer, das 0:1 beim AS Rom auszugleichen. Auch hier hieß es im zweiten Duell zwischen dem FC Sevilla und Juventus Turin 1:1, die Chance also für die Spanier, ihrem Ruf als EL-Experten gerecht zu werden.

Bayern-Frauen vor Titelgewinn

Im Frauen-Fußball ist beim VfL Wolfsburg der Traum vom Triple geplatzt, überraschend verloren die Wölfinnen bei Eintracht Frankfurt mit 0:4 (vor 17.000 Zuschauern!), während Tabellenführer Bayern München sich gegen die TSG Hoffenheim keine Blöße gab und 1:0 gewann. Dadurch haben die Bayern-Mädchen ihren Vorsprung auf vier Punkte ausbauen können und die letzten Gegnerinnen Leverkusen und Absteiger Potsdam sollten die Siegesserie von 15 Erfolgen hintereinander nicht stoppen können. Die Münchnerinnen können sich ja sogar eine Niederlage leisten, wollen aber am Samstag in Leverkusen Meister werden. Damit wäre also wieder eine – nicht erwartete – Wachablösung fällig, Wolfsburg war Titelverteidiger, Bayern gewann 2021, nach vier Titeln der Wölfinnen in Folge.

Dafür will sich Wolfsburg im DFB-Pokal schadlos halten. Da dürfte die Siegesserie mit acht Pokalgewinnen in Folge nicht reißen, zumal Gegner SC Freiburg zuletzt in der Bundesliga achtmal sieglos blieb, also keineswegs in Bestform ist. Eine große Zuschauerkulisse ist aber am Donnerstag (16.45 Uhr) in Köln garantiert. Und dann wartet ja noch die große Aufgabe im Finale der Champions League gegen den FC Barcelona.

Die Zeit der großen Aufgaben ist für Turbine Potsdam vorbei. Der erfolgreiche Traditionsverein und sechsmalige Meister (zweimal Gewinn der Champions League) verabschiedet sich aus der Bundesliga. Gleichzeitig macht das Schicksal der Turbinen deutlich, dass im Frauen-Fußball eine neue Zeit angebrochen ist, reine Frauen-Vereine haben gegen die Teams aus der Männer-Bundesliga keine Chance mehr. Der letzte „Mohikaner“ ist die SGS Essen. Heute müssen die Männer-Bundesligisten für die Lizenz ein Frauen-Team vorweisen und nur mit den Einnahmen von Spielen in großen Stadien ist die Entwicklung zum Profi-Fußball der Frauen finanzierbar.

Eine Eishockey-WM ist immer eine Reise ins Ungewisse

Den nationalen Höhepunkt hat das deutsche Eishockey am 23. April erlebt, als der EHC Red Bull München mit einem 3:1 über den ERC Ingolstadt und damit 4:1 Siegen im Finale Deutscher Meister wurde. Es war der vierte Titel für die Münchner. Von einem Titelgewinn dürfen die deutschen Eishockey-Cracks, die am Freitag gegen Schweden in die Weltmeisterschaft 2023 starten, nicht träumen. Erstes Ziel ist das Erreichen des Viertelfinales, das würde nämlich auch die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2026 bedeuten. Mehr darf es natürlich schon sein, doch der neue Bundestrainer Harold Kreis sagt selbst: „Weltmeister können wir nicht werden.“

Gewiss ist das nicht, eine Eishockey-WM ist nämlich immer eine Reise ins Ungewisse. Damit möglichst viele NHL-Stars auch bei der WM spielen können, wird seit Jahren erst im Mai gespielt. Um das diesjährige Turnier gab es zusätzliche Probleme, weil eigentlich St. Petersburg als Austragungsort vorgesehen war, doch durch den Überfall Russlands auf die Ukraine hat der Weltverband logischerweise St. Petersburg das Mandat entzogen. Finnland, schon im Vorjahr Ausrichter, sprang zusammen mit Lettland ein, so wird jetzt in Tampere und Riga gespielt. Die DEB-Auswahl tritt in Tampere in der Gruppe A an, neben Schweden sind Finnland, die USA, Dänemark, Österreich, Ungarn und Frankreich die Gegner. In der Gruppe B in Riga spielen neben Gastgeber Lettland noch Kanada, Tschechien, die Schweiz, die Slowakei, Slowenien, Norwegen und Kasachstan. Das Viertelfinale wird in beiden Städten gespielt, ab Halbfinale ist Tampere der Schauplatz.

Die sportliche Ungewissheit ist groß, Überraschungen sind Tür und Tor geöffnet, auch ohne NHL-Stars können einige Nationen starke Teams aufbieten. Titelverteidiger ist Co-Gastgeber Finnland, der im Vorjahr mit einem 4:3 in der Overtime gegen Kanada zum vierten Mal Weltmeister wurde. Beide Mannschaften gehören zum üblichen Kreis der Verdächtigen auf Gold, ebenso wie Schweden und Tschechien. Typisch für die Ungewissheit ist die USA, die einmal mit einer Studententruppe antritt, dann wieder mit ausgebufften Profis – alles möglich.

Ungewissheit liegt auch über der deutschen Auswahl. Da ist erst einmal der neue Bundestrainer, der Toni Söderholm ablöste, der nach dem letzten Turnier überraschend um Vertragsauflösung bat. Harold Kreis (64) ist im deutschen Eishockey kein Unbekannter. Der Deutsch-Kanadier kam 1978 als Spieler nach Mannheim, machte sich als ausgezeichneter Verteidiger einen Namen und dann auch als Trainer, wurde 1980 und 1997 mit Mannheim Meister. Kreis, der seit 45 Jahren dort wohnt und zuletzt in Schwenningen tätig war, gilt als angenehmer Zeitgenosse. Allerdings begann seine Tätigkeit mit unangenehmen Meldungen. Gleich 15 (!) WM-Kandidaten mussten wegen Verletzung oder Unpässlichkeit absagen. Zuletzt auch der „Spieler der Saison“, der Münchner Torjäger Ehliz.

Natürlich wären auch Verstärkungen aus der NHL schön, doch der große Star Leon Draisaitl, der gerade die NHL als Torjäger und Top-Scorer aufmischt, ist mit seinem Klub Edmonton Oilers noch im Stanley Cup beschäftigt und möchte ihn gern gewinnen. Selbst wenn er in der laufenden Runde mit den Oilers gegen Las Vegas ausscheiden würde, ist fraglich, ob er nach so einer Enttäuschung Lust auf WM hätte. Gleiches gilt für den überragenden Torhüter Philipp Grubauer, der mit Seattle ebenfalls noch nach dem Stanley Cup greifen kann.

Ein Stanley-Cup-Sieger ist allerdings an Bord, der gebürtige Augsburger Nico Sturm (28) von den San Jose Sharks hat Zeit und feiert sein WM-Debüt im Nationalteam. Vor einem Jahr gewann er mit Colorado den Riesenpokal der NHL. Aus der NHL sind zudem JJ Peterka (Buffalo) und der als großes Verteidiger-Talent gefeierte Moritz Seider (Detroit) dabei. Kapitän Moritz Müller freut sich darüber: „Sie tun uns gut“. Die Vorbereitung war durchwachsen, gegen Tschechien gab es zwei Niederlagen, gegen Österreich Sieg und Niederlage und gegen die Slowakei zwei 4:3-Erfolge. Abschluss war ein 3:6 am Dienstag gegen die USA, als beide Nationen ihre WM-Teams auf dem Eis hatten. Dicke Brocken bekommt Deutschland auch zu Beginn der WM präsentiert, nämlich nach Schweden dann Finnland (13.) und wieder die USA (15.). Drei Niederlagen sind möglich, die Frage ist, wie dann die Stimmung ist, bevor die schlagbaren Gegner kommen. Platz vier in der Gruppe muss es sein, um ins Viertelfinale einzuziehen. Was bleibt, ist Ungewissheit.

Fußball-Trainer vergessen zu oft ihre gute Kinderstube

Es gehört leider fast schon zum Alltag im Profi-Fußball, dass sich die Trainer bei einer Entscheidung der Schiedsrichter, die ihnen nicht gefällt, am Spielfeldrand aufführen wie Rumpelstilzchen. Manche werde so ausfällig, dass man sich unwillkürlich fragt, welche Erziehung sie genossen haben und warum sie ihre gute Kinderstube im Stadion vergessen. Schlechtes Benehmen wird zwar manchmal mit Gelben oder Roten Karten geahndet, aber der DFB müsste jährlich auch noch einen Erziehungskurs ansetzen oder Beruhigungspillen zur Pflicht machen. Vor allem deshalb, weil dieses ungebührliche Benehmen Nachahmer findet. In den Amateurklassen sind die Hemmschwellen noch niedriger, auf den Dorfplätzen stehen Fans und vor allem Funktionäre und Eltern dicht am Spielfeldrand und nutzen ein Fußballspiel um den Frust der Woche abzureagieren. Der Ursprung dafür ist bei den Profi-Trainern zu suchen, die wöchentlich bei ihren Schimpftiraden im Fernsehen beobachtet werden.

Einer, der sich am Schlimmsten aufgeführt hat, war früher Jürgen Klopp, der inzwischen beim FC Liverpool eine gemäßigtere Rolle einnimmt, aber immer noch ausflippt und jetzt wieder einer Strafe entgegen sieht. Frankfurts Trainer Oliver Glasner griff zu einem „stillen Protest“ (wie er sagt) und schoss einen zweiten Ball auf das Feld als Protest gegen eine Schiedsrichter-Entscheidung. Über die Rote Karte war er erstaunt, weil er das Regelwerk nicht kennt. Auch beschämend für einen Profi-Trainer. Dazu zeigte er eine Neuerung, die auch schon um sich griff, mit Wutreden werden unliebsame Fragen der Journalisten gekontert. Auch kein gutes Benehmen. Aber ein weiteres Puzzleteilchen, dass sich die Eintracht am Saisonschluss vom Trainer trennen wird, obwohl er die letzten Jahre erfolgreich gearbeitet hat und mit dem Sieg in der Europa League fast schon Helden-Status erlangt hat. Nach einer Niederlagenserie in der Bundesliga sind die Nerven dünn geworden, da half auch der Einzug ins Pokalfinale nichts mehr.

Zum Saisonschluss wird der Fußball sowieso zur Nervensache, aber nur bei Fehlern der Schiedsrichter führen sich die Trainer auf, vergibt ein Spieler eine große Torchance, wenden sie sich meist nur enttäuscht ab, ohne ausfällig zu werden. Keinen Grund zum Ärger hatte am Sonntag vor allem Edin Terzic in Dortmund, mit einem 6:0-Schützenfest gegen Wolfsburg ging die Berg- und Talfahrt der Borussia weiter, die bei so einer Form am Ende ein verdienter Meister wäre. Doch bekanntlich liegt das bei einem Punkt Vorsprung an den Bayern, die bis zum letzten Spieltag immer vorlegen und Dortmund jeweils in Zugzwang bringen können. Die Bayern begeistern nicht, sondern haben den Minimalismus für sich entdeckt, Hauptsache gewinnen, egal wie. Das klappte gegen die Hertha und jetzt auch in Bremen, weil Serge Gnabry, der als Verkaufskandidat gilt, seinen Torriecher wieder gefunden hat. Eine ganz andere Performance zeigte allerdings Karim Ademeyi bei Dortmund. Der Zweikampf an der Spitze wird bis zum Schluss anhalten.

„Verlierer der Woche“ war der SC Freiburg, der im doppelten Duell mit RB Leipzig gleich zwei Träume platzen sah. Das Aus im Pokal ist endgültig, da spielte Leipzig wie ein Meister auf oder wie ein würdiger Teilnehmer an der Champions League. So spielen am 3. Juni in Berlin Leipzig und Frankfurt um den DFB-Pokal. Leipzig legte am Samstag noch nach, tat sich gegen diesmal tapfer wehrende Freiburger schwerer, siegte aber 1:0 und öffnete damit die Tür zur CL. RB ist plötzlich Dritter, nachdem die Überraschungsteams verloren, Union Berlin beim 0:1 in Augsburg schwächelte. Freiburg ist nur noch Fünfter, aber auch die Europa League wäre ein Erfolg, doch wenn man die Chance auf die CL verspielt, da ist man auch im Schwarzwald eher enttäuscht.

Enttäuschung? Das Wort kannte man in Leverkusen gar nicht mehr, bei einer Erfolgsserie von 14 ungeschlagenen Spielen. Doch nun riss die Serie ausgerechnet im rheinischen Derby gegen Köln im eigenen Stadion im vorverlegten Spiel wegen der Europa League. „Schlimmer geht’s nimmer,“ urteilte Bayer-Star Robert Andrich. Ein Platz in der Champions League ist bei acht Punkten Rückstand auf Platz vier wohl verspielt. Jetzt bleibt die Frage, ob sich diese Enttäuschung auf die Duelle mit AS Rom im Halbfinale der Europa League auswirkt. Schließlich träumte Bayer sogar vom Cup-Gewinn. Am Donnerstag werden wir die Antwort erfahren.

Andere jubelten. Im Abstiegskampf wurde Spieler, die eher mit Enttäuschungen leben mussten, plötzlich zu gefeierten Stars, ja sogar zu Rettern. In erster Linie Davie Selke beim 1. FC Köln. Er wurde von der Hertha geholt und sollte für mehr Torgefahr sorgen, doch die hielt sich bisher in Grenzen. Bis jetzt in Leverkusen, mit zwei Treffern wurde er zum Matchwinner und Köln hat den Klassenerhalt sicher. Zwei Treffer erzielte auch Marius Bülter für Schalke 04 beim 3:2-Sieg in Mainz, wo sogar 112 Minuten gespielt wurden. In der 102. Minute verwandelte Bülter nervenstark einen Elfmeter, den Schiedsrichter Jöllenbeck lange am Bildschirm begutachtete, zum Siegtreffer. Bisher galt Bülter nicht als Hoffnungsträger, er stand im Schatten von Torjäger Simon Terodde, der allerdings derzeit Ladehemmung hat. Schalke aber hofft wieder, hat den Abstiegsplatz verlassen und an Bochum weitergegeben.

Deshalb gibt es jetzt in Bochum das große Zittern. Allerdings gibt es zwei Chancen, am Samstag gegen den FC Augsburg und eine Woche später bei der Hertha. Der FCA muss aber erst geknackt werden, hat mit Minimalismus den Klassenerhalt fast geschafft, fünf 1:0-Siege daheim sprechen eine deutliche Sprache. Held in Augsburg war beim überraschenden 1:0 gegen Union Torhüter Tomas Koubek, der schon auf dem Abstellgeleis stand und abgegeben werden soll. Jetzt sorgt er dafür, dass der bisherige Stammtorhüter Rafal Gikiewicz (derzeit verletzt) wohl gehen muss. Dessen Vertrag verlängert sich nur automatisch, wenn er noch zwei Spiele bestreitet. Die wird er wohl nicht mehr bekommen.

Das Super-Duell

International stehen in dieser und der nächsten Woche die Halbfinals an, nur Leverkusen ist aus der Bundesliga dabei. Ganz anders Italien, gleich fünf Mannschaften sind dabei, da hat die Bundesliga noch viel aufzuholen. Nachdem es in der Champions League das Mailänder Derby AC gegen Inter gibt, steht auf jeden Fall ein italienisches Team im Finale. Allerdings steht dieses Derby im Schatten des Super-Duells von Titelverteidiger Real Madrid gegen den Favoriten Manchester City. Die Schützlinge von Carlo Ancelotti sind die Experten für die Champions League, haben in der Meisterschaft keine Chance mehr, aber mit einem 2:1 gegen Osasuna den spanischen Pokal geholt, also die Generalprobe bestanden. Bei City wird dem Traum nachgejagt, endlich die Champions League zu gewinnen. Als man Pep Guardiola als Trainer holte, schien er der Garant für diesen Erfolg zu sein, doch zu oft vercoachte er sich. In diesem Jahr stehen die Zeichen gut mit Torjäger Erling Haaland als Verstärkung. Auf der Gegenseite steht ihm Karim Benzema nicht nach. Wer wird der Held?

In der Europa League muss Bayer Leverkusen gegen AS Rom seine Bestform zeigen, darf aber auf einen angeschlagenen Gegner hoffen, der national auf Rang sieben abrutschte. Im Aufwind dagegen Juventus Turin, das auf den FC Sevilla trifft, den EL-Rekordsieger. Prominente Namen auch in der Conference League, West Ham United gegen AZ Alkmaar und AC Florenz gegen FC Basel heißen die Halbfinals.

Die Frauen haben den Männern die Show gestohlen, der VfL Wolfsburg schaffte mit einem 3:2 nach Verlängerung bei Arsenal London den Sprung ins Finale. Pauline Bremer schoss die Wölfinnen in der 119. Minute (!) ins Glück. Am 3. Juni im Finale in Eindhoven gilt allerdings Gegner FC Barcelona als Favorit. Wolfsburg hat sich aber die Chance aufs Triple erhalten, steht auch im Pokalfinale und hat noch die Chance auf die Meisterschaft. Aber da geht es den Wölfinnen wie Borussia Dortmund, sie müssen auf eine Niederlage von Bayern München hoffen. Da siegten Frauen und Männer im Gleichschritt mit 2:1, die Mädchen mühsam in Essen. Nun wartet am Freitag (19.15 Uhr, Eurosport) mit dem Tabellenvierten TSG Hoffenheim wohl der stärkste Gegner. Nur Siege führen bei Bayern zu Titeln und gemeinsam auf den Münchner Rathausbalkon.

Dortmund schimpft, München sucht, Union und Freiburg feiern

Der April war im Profi-Fußball ein wichtiger Monat, bei einigen war sogar von einem vorentscheidenden Monat die Rede, der zum Beispiel den Bayern besonders weh tat: Sie mussten den Traum von Triple ad acta legen, schieden in der Champions League und im DFB-Pokal aus. Der Mai wird jetzt aber noch wichtiger. International stehen die Halbfinals an (mit Bayer Leverkusen), national wird der Titel vergeben, nur noch vier Spieltage gibt es, am 27. Mai ist Schluss. Die Meisterschaft ist die letzte Chance für die Bayern, aber auch die große Hoffnung von Borussia Dortmund, entsprechend emotional geht es zu. Die Borussia fühlte sich am Wochenende betrogen.

In Dortmund wurde vor allem geschimpft, zum Teil berechtigt, zum Teil müssen sich vor allem die Spieler auch an die eigene Nase fassen. Nicht nur Schiedsrichter Sascha Stegemann hatte wegen eines nicht gegebenen Elfmeters Schuld auf sich geladen, beim 1:1 in Bochum schluderten auch die Stürmer, brachten bei 21 Torschüssen und 11 Ecken keinen Sieg zustande. Natürlich, Adeyemi hätte in der 65. Minuten einen Strafstoß bekommen müssen, andererseits sah es wirklich so aus, als ob er einen „Elfer“ ziehen wollte, diesbezüglich hat er einen schlechten Ruf. Die Zeitlupe zeigte, ein Strafstoß wäre berechtigt gewesen, doch Stegemann war sich seiner Entscheidung sicher, der VAR meldete sich nicht. Erst in der Zeitlupe wurde die Tragweite sichtbar, Borussia-Sportdirektor Sebastian Kehl nannte Stegemann „feige“, weil er nicht die Zeitlupe bemühte, der Referee selbst fühlte sich nach einer schlaflosen Nacht „beschissen“, weil er quasi in die Entscheidung um die deutsche Meisterschaft eingriff. Deshalb jammerte auch BVB-Trainer Edin Terzic: „Für uns ist es eine einmalige Chance, Meister zu werden, und jetzt das.“ Dortmund wird nicht aufgeben, Wolfsburg, Gladbach und Mainz hat man zu Hause, muss auswärts nur in Augsburg ran.

Die Frage war aber: Was machen die Bayern? Die Hoffnung lebte, dass der Titelverteidiger nicht aus seiner Formkrise findet, er legte erst am Sonntag nach. Die Lage: Dortmund schimpft, München sucht. Die Bayern suchen ihre Form, suchen Ruhe im Verein, suchen neue Spieler, vor allem einen Torjäger und einen Abräumer. In dieser Saison können die aber noch nicht helfen. Schlusslicht Hertha BSC kam gerade recht, wehrte sich tapfer, blieb aber zu harmlos und leistete halt doch Aufbauarbeit. Die Bayern bekamen ihre Nerven immer besser in den Griff, Joshua Kimmich bewies, dass er ein besserer Zulieferer als Abräumer ist, Gnabry und Coman waren dankbare Abnehmer, die Bayern feierten wieder die Tabellenführung. Doch deutlich wird auch: Die Verunsicherung ist noch nicht vorbei. Bremen, Schalke, Leipzig und Köln sind die letzten Gegner, da sind Stolpersteine dabei und die gelbe Gefahr droht, jetzt ist Goretzka gesperrt, aber auch de Ligt, Kimmich und Sané sind gefährdet. Zudem bleibt die Unruhe im Verein, vor allem Vorstandsboss Oliver Kahn bleibt in der Schusslinie, Patron Uli Hoeneß lässt sich immer öfters sehen, am 22. Mai tagt der Aufsichtsrat. Für wen senkt er den Daumen? Es ist nicht die richtige Begleitmusik für einen Titelgewinn. Der erste Platz ist übrigens ein Schleudersitz, die Tabellenführer gewannen in dieser Saison nicht mal die Hälfte ihrer Spiele! Dortmund verlor alle Spiele als Spitzenreiter, auch Bayern kassierte drei Niederlagen bei zehn Siegen.

Da bleiben die weiteren Verfolger wesentlich gelassener, Union Berlin und der SC Freiburg feiern lieber Rekorde. Union stellte mit dem 0:0 gegen Leverkusen den Heimrekord von 21 Spielen ohne Niederlage ein, Freiburg ist mit jetzt schon 56 Punkten so erfolgreich wie noch nie! Mit sechs Punkten Rückstand auf Platz eins dürfen beide Teams noch an den Titel denken, tun sie aber nicht. Das Restprogramm hat es auch in sich, am 32. Spieltag treffen sie direkt aufeinander. Union hat es ansonsten leichter (Augsburg, Hoffenheim, Bremen), Freiburg muss sich der Verfolger erwehren (Leipzig, Wolfsburg, Frankfurt). Zu den Verfolgern gehört auch weiterhin Leverkusen, das am besten in Form ist, 14 Pflichtspiele ungeschlagen sprechen eine deutliche Sprache, gegen Köln, Stuttgart, Gladbach und Bochum sollte Platz sechs für die Europa League verteidigt werden können. Die DFL zeigte ein Herz für Leverkusen und hat für ein Novum gesorgt: Damit Bayer mehr Ruhezeit vor dem Halbfinale gegen Rom hat, wurde das Spiel in Köln von Sonntag auf Freitag vorverlegt, so dass es erstmals zwei Spiele gibt (außerdem Mainz – Schalke)! In den Genuss längerer Ruhezeit kamen andere Klubs bisher nicht!

Im Abstiegskampf muss sich Hertha BSC große Sorgen machen, da steht am Samstag gegen den VfB Stuttgart wirklich ein Endspiel an. Die Schwaben kommen aber mit Rückenwind, sind unter dem neuen Trainer Sebastian Hoeneß noch ungeschlagen und sprangen mit dem 2:1-Sieg gegen Gladbach auf Rang 15. Allerdings müssen sie noch im Pokal ran. Hertha hat außerdem noch ein Duell mit dem direkten Konkurrenten Bochum vor sich, außerdem Köln und Wolfsburg als Gegner. Auch Bochum hat es gegen Gladbach, Augsburg und Leverkusen nicht leicht, aber Schalke mit Mainz, Bayern, Frankfurt und Leipzig wohl das schwerste Restprogramm. Zu den stark gefährdeten Teams gehört auch noch Hoffenheim, das Frankfurt, Wolfsburg, Union und Stuttgart als Gegner hat. Fünf Kandidaten also, nur zwei werden im Wonnemonat Mai wirklich glücklich sein, einer muss am Ende noch zittern und bei zwei wird es das große Jammern geben.

Final-Neuauflage im Pokal

Im DFB-Pokal hat sich das Feld auf vier Mannschaften reduziert, die Zusatzaufgabe wird gern angenommen, schließlich winkt Europa. Das Los wollte es so, dass im Halbfinale am Dienstag eine Neuauflage vom letztjährigen Finale gibt, Freiburg und Leipzig stehen sich wieder gegenüber, diesmal im Schwarzwald. Im Vorjahr in Berlin siegte RB nach einem 1:1 nach Verlängerung mit 4:2 im Elfmeterschießen. Jetzt will Freiburg den Spieß umdrehen, der SC ist nämlich als einziges von den vier Teams noch ohne Titel. Für Leipzig war es vor einem Jahr ebenfalls eine Premiere. Der Spielplan der Bundesliga sorgt außerdem für eine Kuriosität, denn am Samstag gibt es eine Wiederholung dieses Duells, dann geht es für beide Teams um die Champions League.

Erfolgreicher waren bisher die anderen Kontrahenten, die sich am Mittwoch gegenüberstehen, nämlich Stuttgart und Frankfurt. Der VfB war dreimal Pokalsieger (1954, 58 und 97), die Eintracht sogar fünfmal (1974, 75, 81, 88 und 2018). Siege kennen die Frankfurter aber kaum noch, sie gewannen in der Bundesliga letztmals im Februar, sind seit neun Spielen ohne Erfolg. Aber sie sind Pokalexperten und so erwartet Sportvorstand Markus Krösche, „dass wir im Pokal ein anderes Gesicht zeigen.“ Auf der Erfolgswelle schwimmen dagegen die Stuttgarter, doch ihnen wird der Klassenerhalt wichtiger sein. Als Pokalsieger absteigen – das wäre ein Witz.

Manche habe vielleicht auch gedacht, es wäre ein Witz, als sie hörten, dass Fortuna Düsseldorf mit dem Gedanken spielt, allen Zuschauern künftig freien Eintritt zu gewähren. Diese Idee hat ihren Reiz, aber auch ihre Tücken. „Fortuna für alle“ heißt das Konzept und ein volles Stadien wäre wohl garantiert, bisher liegt der Zuschauerschnitt bei 29.000, die Kapazität würde aber 54.000 möglich machen. Sponsoren sollen für das nötige Geld sorgen, doch die sind eigentlich überall schon dabei und werden teilweise dringend gesucht. Vereine wie Dortmund oder Bayern werden diese Idee nicht verfolgen. Gute Stimmung wäre auch garantiert, aber es besteht die Gefahr einer großen Abhängigkeit gegenüber den Sponsoren. Fünf Jahre lang sollen die Versuche laufen, in der neuen Saison wird es erstmals drei Spiele dieser Art geben. Die Fortuna steht dann zumindest im Mittelpunkt des Interesses. Ist ja auch schon ein Gewinn.

Dortmunder Offensive und Münchner Offenbarungseid

Das Blatt hat sich gewendet: Unsichere Dortmunder strotzen vor Selbstbewusstsein, den „mia-san-mia-Bayern“ ist das Selbstbewusstsein abhanden gekommen. Die Dortmunder gingen schon vor dem Wochenende in die Offensive und verkündeten als Antwort auf das angeblich „typische“ 3:3 der Borussia in Stuttgart, als der Sieg aus der Hand gegeben wurde, dass sie „Meister werden wollten und sie würden es schaffen“. Die erste Bestätigung folgte mit einem fulminanten 4:0 gegen Frankfurt. Offensichtlich waren die Bayern ob der Ankündigung geschockt. Bevor die Dortmunder gegen den Ball traten, leisteten sich die Münchner ein 1:3 in Mainz mit einer katastrophalen Leistung nach einer 1:0-Führung. Es war nichts anderes als ein Offenbarungseid, nach zehn Titeln in Folge ist das Chaos ausgebrochen und mit der Aussicht auf einen neuen Meister sagen in der Bundesliga viele Fans „endlich“.

Die Krise in München ist hausgemacht und fußt auf falscher Personalpolitik, sowohl bei der Führung als auch in der Mannschaft. Das Hauptübel ist offensichtlich, dass die Mannschaft keine wirkliche Mannschaft mehr ist, sondern eher ein zerstrittener und jetzt auch noch verunsicherter Haufen. Zielscheibe der Kritik wurde vermehrt Vorstandsboss Oliver Kahn, der Fehler gemacht hat, doch die Hauptschuld trägt zweifellos Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der fachlich und menschlich versagt hat. Dazu kommt, dass offensichtlich im Hintergrund Ehrenpräsident Uli Hoeneß als starker Aufsichtsrat noch mitmischt und vor allem auch dem Boulevard, wohl vor allem der Bild, Futter gibt und Salihamidzic als „seinen“ Mann schützt. Die Süddeutsche Zeitung schreibt über den Zustand des Vereins: „Der Machtkampf ist eröffnet, Hoeneß, Hainer (Präsident), Kahn, Salihamidzic, die Bild, alle sammeln ihre Truppen. Das Misstrauen nimmt zu, und jedes durchgesteckte Gerücht hat ein Geschmäckle – das des Vertrauensbruchs“.

Salihamidzic als Sportvorstand, der offensichtlich menschlich Schwächen zeigt und sowohl mit dem erfolgreichen Trainer Hansi Flick, dem beliebten Co-Trainer Hermann Gerland und Torjäger Robert Lewandowski im Zwist lag und sie aus dem Verein vergraulte. Dazu kam eine schlechte Personalpolitik, die Abgänge von Lewandowski und Alaba als Führungsfiguren konnten nicht adäquat ersetzt werden, Trainer Julian Nagelsmann bekam völlig unnötig, ja dilettantisch, einen Fünf-Jahres-Vertrag und zuletzt erwies sich die Verpflichtung von Torhüter Yann Sommer als Fehlgriff, er ist den Anforderungen eines Spitzenklubs offensichtlich nervlich nicht gewachsen, bekam aber auch einen längeren Vertrag. Kasper Schmeichel (Nizza), ein renommierter Keeper, wäre für ein halbes Jahr zu haben gewesen, als Ersatz für den verletzten Manuel Neuer, der wie Lewandowski als Stütze fehlt. Talente sind da, Stützen nicht.

Die Entlassung von Julian Nagelsmann vor den entscheidenden Spielen der Saison erwies sich vom Zeitpunkt her als zu spät und war so unsinnig – allein schon ein Entlassungsgrund für die handelnden Personen. Nachfolger Thomas Tuchel hat sich das natürlich anders vorgestellt, er hat Stärke und Selbstbewusstsein des Teams falsch eingeschätzt. Er hat nur zwei von sieben Spielen gewonnen und steht ratlos vor einem Scherbenhaufen („Keine Energie, kein Aufbäumen, keine Ahnung, was los ist“). Salihamidzic leistet ebenfalls einen Offenbarungseid, wenn er sagt: „Der Trainer musste die Mannschaft erst einmal kennenlernen.“ Die Reaktion von Tuchel: In seiner ersten vollen Trainingswoche bekamen die Spieler zunächst drei Tage frei, „damit sie zur Besinnung kommen“. Dann muss er handeln. Vielleicht vertraut er im Tor auf Sven Ulreich, der Neuer schon einmal gut vertreten hat. Gegen die Formkrisen von zahlreichen Star-Spielern wie Upamecano, Goretzka, Kimmich, Gnabry, Musiala und sogar Müller, kann er nicht so schnell ankommen, die hat noch Nagelsmann zu verantworten. Einziger Hoffnungsfunke: Am Sonntag kommt Schlusslicht Hertha BSC, eine Mannschaft, die noch mehr verunsichert ist.

In Dortmund reiben sie sich die Hände, auch das Restprogramm spricht für die Westfalen, die erstmals seit 2012 wieder feiern wollen. Von vorzeitigem Jubel will Trainer Edin Terzic natürlich nichts wissen, „es sind noch fünf Schritte“, aber Sportdirektor Sebastian Kehl stellt schon in Aussicht, „bei der Meisterprämie werden wir großzügig sein“. Im Gegensatz zum Bayern-Kader zeigen sich einige Borussia-Spieler in Bestform, die vor kurzem noch eher Sorgenkinder waren, zum Beispiel Hummels, Adeyemi und Stürmer Malen, der Dortmund zum Titel schießen könnte. Vorteil außerdem: Dortmund präsentiert sich als Verein mit Zusammenhalt!

„Mannschaft der Stunde“ ist aber kein Meister-Anwärter, sondern Bayer Leverkusen mit einer beispiellosen Aufholjagd. Wie sich ein Trainerwechsel lohnen kann, zeigt Xabi Alonso, der Spanier ist jetzt schon „Trainer des Jahres“, legte mit Bayer eine Serie von 13 Pflichtspielen ohne Niederlage hin und schnuppert nach Rang 17 als Ausgangspunkt an der Champions League und steht im Halbfinale der Europa League. Mit RB Leipzig bezwang Bayer einen direkten Konkurrenten mit 2:0, jetzt folgt der nächste am Samstag, Union Berlin. Im Hinspiel siegte Leverkusen 5:0! Aber sowohl Union (55 Punkte) als auch Freiburg (53) lassen nicht locker, Leipzig (51) und Bayer (47) liegen dahinter und auch Mainz (45) mischt noch mit.

Am Tabellenende waren Bremen und Köln die großen Sieger, nach dem 4:2 bei Hertha bzw. 3:1 in Hoffenheim dürfen sich beide mit 35 Punkte eigentlich über den Klassenerhalt freuen, die Teams dahinter profilieren sich nicht als Punktesammler. Obwohl eine Statistik aufhorchen lässt: In der Rückrunde waren die Schlusslichter mit 22 Zählern erfolgreicher als die Spitzenreiter (nur 20)! Pal Dardai konnte diese Erfolgsbilanz mit Hertha allerdings nicht verbessern. Wermutstropfen für Köln, Kapitän Jonas Hector, jahrelang Identifikationsfigur im Verein, verkündete sein Karriere-Ende. Seltsames beim FC Augsburg: Mit dem 1:1 gegen Stuttgart hat der FCA schon 23 Punkte nach einer Führung abgegeben, mehr als alle anderen Teams. Im Vorjahr waren es nur acht Punkte. Dennoch war das 1:1 ein Erfolg, der Abstand nach unten wurde gehalten. Stuttgart, Schalke und Hertha bleiben am Tabellenende.

In der 2. Bundesliga ist an der Spitze fast eine Vorentscheidung gefallen, Darmstadt, Heidenheim und der HSV haben sich von den Verfolgern abgesetzt. Den emotionalsten Sieg landete dabei der HSV mit dem 4:3 im Derby gegen St. Pauli.

Wieder Rekord der Frauen

Das Boomjahr im Frauen-Fußball hält an. Am Sonntag kamen 38.365 Zuschauer zum Bundesliga-Spiel 1. FC Köln gegen Eintracht Frankfurt und sorgten damit für einen neuen Rekord. Am 1. Spieltag hatte Frankfurt – Bayern 23.000 interessiert. Allerdings musste Köln eine 0:2-Niederlage hinnehmen und bleibt in Abstiegsgefahr. Vermehrt können die Frauen in große Stadien ausweichen und werden mit fünfstelligen Besucherzahlen belohnt. So sahen auch 22.617 Wolfsburgs Duell im Halbfinale der Champions League gegen Arsenal London (2:2). In der Bundesliga stieg der Zuschauerschnitt auf fast 2500, 811 waren es in der letzten Saison.

In der Bundesliga machen es die Frauen des FC Bayern München bisher besser als die Männer, sie verteidigten Platz eins mit einem Schützenfest von 8:2 gegen den Pokalfinalisten SC Freiburg und bleiben damit weiter einen Punkt vor Titelverteidiger Wolfsburg. Vier Spiele müssen noch gewonnen werden, um den Bayern doch noch einen Titel zu holen. Die Wölfinnen sind zudem in der Champions League gefordert, verspielten aber eine 2:0-Führung gegen Arsenal, das die Bayern-Mädchen ausgeschaltet hatte. Die Wölfinnen wollen es am 1. Mai in London besser machen. Auf dem Weg ins Finale befindet sich der FC Barcelona, der bei Chelsea London 1:0 gewann. Übrigens wurden alle Partien der Champions League ab dem Viertelfinale in großen Stadien mit den entsprechenden Zuschauerzahlen ausgetragen. Der Frauen-Fußball bleibt im Aufwind.

Der Kampf um den Titel ist reine Nervensache

Samstag, 15. April 2023, Tag des Ärgers beim FC Bayern München. 14.00 Uhr: Die Frauen bestreiten im Campus das Pokal-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg. 16.00 Uhr: Nach dem enttäuschenden 0:5 hört man von Trainer Alexander Straus: „Die Leistung war Bayern München nicht würdig.“ 15.30 Uhr: Bundesliga-Pflichtaufgabe für die Männer gegen die TSG Hoffenheim, nach der Pleite von Manchester soll ein Sieg her, Aufwind für das Rückspiel, Chancen für die Meisterschaft intakt halten. 17.30 Uhr: Nach dem enttäuschenden 1:1 hört man von Trainer Thomas Tuchel: „Die Leistung war Bayern München nicht würdig.“ Statt Erfolgen, Glanz und Gloria mutierte der FC Bayern wieder zum FC Hollywood, gibt es Krach und Theater statt Tore, statt „mia san mia“ muss es heißen „mia san am Boden“. Die Tabellenführung tröstet noch, doch 59 Punkte nach 28 Spieltagen sind die schlechteste Bilanz seit zwölf Jahren.

Die Bayern schlecht, Borussia Dortmund nicht besser. Der Kampf um den Titel ist zur reinen Nervensache geworden. Bisher hieß das Vorteil Bayern, zuletzt traute man Dortmund mehr zu, doch das 3:3 beim VfB Stuttgart war ein Rückfall in alte Zeiten. „Ich dachte, wir haben das Dümmste hinter uns,“ war Trainer Edin Terzic verzweifelt. Der Gleichstand mit Bayern war nahe, 2:0-Führung nach 33 Minuten, der Gegner ab der 39. Minute mit einem Mann weniger – was soll da passieren? Es passierte der Ausgleich für Stuttgart (in Unterzahl!), alles schien wieder gut nach dem 3:2 in der 92. Minute durch Joker Reyna, doch dann das oft erlebte Blackout der Borussia: Debütant Soumalia Coulibaly tritt am Ball vorbei, VfB-Silas haut ihn in der 97. Minute zum 3:3 rein. Die Bayern bleiben zwei Punkte vorn, Dortmund schlägt sich selbst, wie schon so oft. Allerdings: Meisterlich sind beide Kandidaten nicht.

Die Bayern haben es also weiterhin selbst in der Hand, aber die Verunsicherung ist größer als jegliche Zuversicht. Dazu der Krach zwischen Mané und Sané mit der Suspendierung des Senegalesen. Der Hoffnungsträger wurde zum Sorgenkind. Das gilt auch für Torhüter Yann Sommer. Mit 1,83 m gilt er als „klein“ für einen internationalen Klasse-Torhüter. Beim ersten Gegentreffer in Manchester reichte er nicht hin und die Frage tauchte auf: Hätte den der zehn Zentimeter größere Manuel Neuer gehalten? Ex-Nationaltorhüter René Adler machte im ZDF noch einen Sommer-Fehler deutlich: Falsches Stellungsspiel, zu spät abgesprungen. Die Diskussion wurde am Samstag fortgeführt beim Freistoß-Gegentor von Kramaric, der sich diesen Schuss durch einen Faller (er sagt „clever“) erschlichen hat: Sommer war mit der Hand dran, der Ball aber via Innenpfosten doch drin, die Bayern am Boden.

„Wir haben eine der besten Mannschaften Europas“ hieß es immer in München, die Tatsachen sagen anderes aus: Der Torhüter gibt keine Sicherheit, die Gier im Team fehlt, bei Kampfgeist ebenso Fehlanzeige wie bei Toren, Künstler am Ball, aber keine Arbeiter, im Mittelfeld fehlt ein Anführer, Joshua Kimmich ist es nicht. Erschreckend: Für die Tore müssen die Abwehrspieler sorgen, zuletzt Pavard,de Light und Upamecano, doch ausgerechnet Pavard fehlt jetzt am Samstag in Mainz mit Gelbsperre. Mainz hat auch das Zeug zum Stolperstein, ist seit neun Spielen ungeschlagen!

Doch zunächst steht die Aufgabe Manchester City in der Champions League an, ein 0:3-Rückstand muss aufgeholt werden. Das hat es schon gegeben, so machen sich die Münchner Mut. Doch der derzeitige Leistungsstand gibt das nicht her. City hat Erling Haaland, der erzielte am Wochenende wieder einen Doppelpack, mischt die Premier League auf, steht vor einem Rekord. Die Bayern haben dagegen keinen Robert Lewandowski mehr. Der Verlust schmerzt mehr als gedacht. In der Bundesliga müssen die Münchner eher darauf hoffen, dass den Dortmundern die starken Nerven zum Titelgewinn fehlen. Nächste Bewährungsprobe ist Frankfurt, seit sieben Spielen ohne Sieg.

Es wird wohl an Bayer Leverkusen liegen, ob die Bundesliga in Europa weiterhin vertreten ist. Das 1:1 gegen die Belgier von Saint-Gilloise verströmt auch nicht gerade Hoffnung, doch sind die Chancen noch intakt. Das 0:0 in Wolfsburg wiederum machte auch deutlich, dass die Belastung der Erfolgsserie in den letzten Wochen zunehmend die Substanz angreift. Hält Bayer durch? Zwei „Endspiele“ in einer Woche: Nach dem Match am Donnerstag in Belgien geht es am Sonntag gegen RB Leipzig, wieder auf Rang vier, dem letzten Platz für die Champions League. Bayer ist sieben Punkte zurück – nur ein Sieg lässt weiterhin Hoffnung zu. Übrigens: Xabi Alonso hat Bayer geweckt, so einen wie ihn früher als Spieler (auch bei Bayern) würden die Münchner heute im Mittelfeld benötigen.

Im Abstiegskampf hat Hertha BSC als Schlusslicht gehandelt. Die 2:5-Niederlage im „Endspiel“ auf Schalke war ein Offenbarungseid. Trainer Sandro Schwarz musste gehen, der „ewige“ Pal Dardai übernimmt bis zum Sommer, er sitzt zum dritten Mal auf dem Trainer-Stuhl. Der Größenwahn hat Hertha das Genick gebrochen, jetzt wird der „Berliner Weg“ von Neu-Präsident und Ex-Fan Kay Bernstein ausgerufen, er könnte direkt in die 2. Bundesliga führen. Pal Dardai wird erst gegen Bremen gefordert, danach geht es nach München. Gegen Werder ist es fast ein Endspiel, beide Teams eint eine Misserfolgsserie von sechs Spielen. Ein paar Punkte brauchen die Bremer auch noch, ebenso wie Augsburg, das schon seit fünf Spielen kein Erfolgserlebnis hatte. Jetzt kommt Stuttgart, derzeit auf dem Relegationsplatz mit fünf Zählern Rückstand auf den FCA. Da geht es für beide Team also um eine Weichenstellung.

Die gibt es übrigens auch in der 2. Bundesliga und sorgt so für besondere Brisanz im Hamburger Derby. Der HSV wankt, lässt die Fans nach der 0:2-Niederlage in Kaiserslautern verzweifeln, aber auch St. Pauli wurde gestoppt. Die Erfolgsserie endete überraschend zu Hause gegen Braunschweig, es gab keinen neuen Rekord. Das Derby am Freitag also unter besonderen Vorzeichen, das Duell der Gebeutelten und der Hoffenden – die Bundesliga lockt Hamburg. Doch welcher Verein schafft es?

Wölfinnen träumen vom Triple

Das war ein Statement: Die Frauen des VfL Wolfsburg wiesen Bayern München im Halbfinale des DFB-Pokals mit 5:0 in die Schranken, und das, obwohl mit Popp, Lattwein und Hegering wichtige Spielerinnen fehlten. Doch Wolfsburg hat einfach den besseren Kader, die Münchnerinnen können Ausfälle nicht so gut verkraften. Der Pokal ist sowieso die Heimat der Wölfinnen, die zum neunten Mal in Serie gewinnen wollen. Letzte Hürde ist das Finale am 18. Mai in Köln gegen den SC Freiburg, der den aufstrebenden RB Leipzig mit 1:0 bezwang. Das Siegtor fiel in der 96. Minute! Leipzig durfte dennoch jubeln, der Aufstieg in die Bundesliga steht fest.

Die Wölfinnen träumen dagegen vom Triple, haben in der Champions League gegen Arsenal London gute Chancen und in der Bundesliga hetzen sie Bayern München bei nur einem Punkt Rückstand. Halten die Bayern-Mädchen diesem Druck stand? Im Pokal-Duell wirkten sie ausgelaugt, verunsichert und müde. In der Bundesliga sollte die Erfolgsserie von zwölf gewonnen Spielen Selbstvertrauen geben. Die letzte Niederlage gab es im Oktober mit dem 1:2 in Wolfsburg. Fünf Spiele stehen noch aus, Freiburg ist aber am Samstag bereits eine gefährliche Hürde.