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Der Spaß am Fußball ist zurück

Kann ein erster Spieltag bedeutend sein? Angesichts der seltsamen Saison 2020/21 in der Fußball-Bundesliga schon. Allerdings stand nicht der Sport im Vordergrund, sondern diesmal waren es die Zuschauer, die erstmals wieder in diesen Coronazeiten wieder ein Spiel besuchen durften. Zwar nicht überall und nur in reduzierter Zahl, aber doch mit Wucht und es gibt nur eine Meinung: Der Spaß am Fußball ist zurück! Dort, wo Fans auf den Rängen zu sehen waren, hieß es: „Schön, dass ihr wieder da seid!“ Allerdings monierten in dem einen oder anderen Fall die Spieler schon wieder Unmutsäußerungen von den Rängen. Mancher Fan dagegen dachte sich wohl: Endlich wieder pfeifen.

Aber auch sportlich könnte es ein außergewöhnlicher erster Spieltag gewesen sein. Es ist zwar ein Stück voreilig, jetzt schon, nachdem insgesamt 34 Spieltage zu absolvieren sind, von Weichenstellungen zu reden, aber es gab handfeste Hinweise. So zum Beispiel, dass das Spitzentrio nicht gewillt, die Plätze an der Sonne abzugeben. Bayern München machte mit einem furiosen 8:0 gegen Schalke den Auftakt, Dortmund zog mit Tempo-Fußball beim 3:0 gegen von Verletzungen gebeutelte Gladbacher nach, Leipzig zeigte sich souverän beim 3:1 gegen Mainz. Langweilig muss es an der Spitze nicht werden, vor allem die jungen Spieler bei Dortmund weckten die Neugier. War es ein Ausnahme? Zeigen sie es immer? Was, wenn der Tempo-Fußball von Bayern und Borussia aufeinander trifft? Wir werden es schon am 30. September beim Supercup in München sehen. Bei beiden Klubs heißt es „Jugend forsch“.

Handfeste Hinweise aber auch am Tabellenende. Schalke 08 wird es künftig oft heißen, ohne dass deswegen eine Moderatorin ihren Arbeitsplatz verliert. Und bei Werder Bremen schütteln alle den Kopf nach dem Aussetzer gegen Hertha BSC und der 1:4-Niederlage. Ja, geht das denn schon wieder los? Vor einem Jahr galt sogar die Europa League als Ziel, jetzt wollte Werder nach dem glücklichen Klassenerhalt nur in Ruhe arbeiten – schon vorbei. Der Spielplan ist glücklich: Schalke und Werder treffen aufeinander, dass Duell der Enttäuschten und Enttäuschenden als „Topspiel des Tages“ am Samstag. Manche Planung sorgt dann doch für Ironie. Allerdings: Für Schalke vielleicht die leichteste Aufgabe an den ersten fünf Spieltagen.

Doch das war es noch nicht mit den Hinweisen. Köln unglücklich beim 2:3 gegen Hoffenheim, Union Berlin uneffektiv beim 1:3 gegen Augsburg (das zweite Jahr gilt als das Schwerste, obwohl die Statistik anderes aussagt), Bremen und Schalke sowieso von der Rolle – der Kampf um den Klassenerhalt hat mancherorts bereits begonnen. Augsburg machte diesbezüglich „big points“, Aufsteiger Bielefeld bewies mit dem 1:1 in Frankfurt dass man die Rolle von Union vom Vorjahr spielen kann, Mit-Aufsteiger Stuttgart haderte beim 2:3 gegen Freiburg über die Unerfahrenheit. „Stuttgart wird noch manchem Probleme bereiten,“ tröstete Christian Streich, der Trainer vom Gegner. Mit solchem Lob ist mancher schon abgestiegen…

Also, der erste Spieltag machte Lust auf mehr, der Spaß am Fußball und an der Bundesliga ist zurück, da sollte uns der zweite Spieltag nicht enttäuschen. Leverkusen – Leipzig heißt das Schlagerspiel mit der Prüfung von zwei Spitzenteams oder solchen, die es sein wollen. Dortmund in Augsburg und die Bayern in Hoffenheim sollen zeigen, ob das mit dem Tempo immer stimmt. Bielefeld – Köln ist schon ein Duell im Abstiegskampf und dann haben wir eben noch das „Top-Spiel“, Schalke und Bremen sollten ihre Leistung der Bedeutung anpassen. Übrigens: Hertha BSC und der FC Augsburg werden sich die Tabelle vom ersten Spieltag ausschneiden: Beide liegen auf einem Platz für die Champions League. Wie wird es am Ende ausschauen? Der erste Spieltag hat nie die Tabellenkonstellation wie der letzte. Eine Ausnahme höchstens: Bayern ist Erster.

Das Ärgernis Supercup in Budapest

Der Europäische Fußball-Verband UEFA ist dabei, sich zu blamieren. Wenn es in den nächsten Tagen nicht ein Umdenken gibt, dann bleibt das Spiel um den UEFA-Supercup am Donnerstag in Budapest ein Ärgernis. Die beiden Rivalen Bayern München als Sieger der Champions League und FC Sevilla als Gewinner der Europa League müssen wohl antreten, können jedoch in einer „Blase“ reisen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Aber das rund 20.000 Zuschauer in einer Stadt, die von Deutschland als Corona-Risikogebiet eingestuft wird, im Stadion sein sollen, ist unbegreiflich. Von Bayern sollen sich angeblich 2100 Fans auf den Weg nach Budapest machen, sie können sich vorher beim Verein kostenlos einem Corona-Test unterziehen, ebenso nach der Rückkehr. Eine reibungslose Rückkehr ist möglich, weil sie bei einem Aufenthalt von höchstens 48 Stunden nicht in Quarantäne müssen. Aber die Ansteckungsgefahr ist groß und ebenso groß ist deshalb das Unverständnis, dass die UEFA angesichts der steigenden Infektionszahlen in Europa und sogar in der ganzen Welt nicht den sicheren Weg wählt und auf Zuschauer verzichtet. Wichtig für den Verband ist doch nur das Spiel selbst, damit die TV-Einnahmen fließen. Übrigens dazu passt die nächste Kolumne: „Reden wir über Geld“.

Dass die Bayern in dieser Saison eine einzige Hetzjagd absolvieren müssen, ist bekannt. Spannend ist die Frage, wie Trainer Hansi Flick darauf reagiert. Die besten Spieler können nicht alle Spiele absolvieren und deshalb wird es interessant sein, zu sehen, ob Flick rotiert oder nicht. Soll der Gewinn des Supercups das Triple vergolden und wird der eine oder andere Stammspieler dafür am Sonntag in Hoffenheim geschont oder heißt es „Augen zu und durch“? Wie groß ist der Ehrgeiz, dass die Serie der ungeschlagenen Spiele weiter anhält? Nächste Woche wartet ja schon wieder der deutsche Supercup gegen Dortmund (siehe oben). Das mit der Hetzjagd ist ja nicht nur so dahingeredet.

Beide Kontrahenten haben je einmal die Trophäe schon hoch gehalten, Sevilla 2006 nach einem 3:0 gegen den FC Barcelona, die Bayern 2013 als Triple-Sieger nach einem 5:4 nach Elfmeterschießen gegen Chelsea London. Diesmal sollte hinterher nur nicht Corona als Sieger bezeichnet werden.

Reden wir über Geld

Das passt ja wie die Faust aufs Auge: Vor dem Start der Fußball-Bundesliga diskutieren sie in der Öffentlichkeit schon lange, intern in den nächsten Woche über die Verteilung der TV-Gelder international und national. Wenn es heißt „reden wir über Geld“ ist natürlich besondere Brisanz drin. Über Geld redete jetzt auch das amerikanische Forbes-Magazin, es stellte nämlich wieder eine Liste der bestverdienenden Fußball-Profis auf. Und da werden manche geschluckt haben, dass mit Bayern-Torjäger Robert Lewandowski auch ein Bundesliga-Spieler unter den Top Ten zu finden ist. Mit 28 Millionen Dollar an Gehalt und Werbeeinnahmen ist er als Neunter aber eine armer Schlucker gegenüber der Spitze, die Barca Lionel Messi mit 126 Millionen vor dem ewigen Rivalen Cristiano Ronaldo (117, das wird ihn ärgern) und Neymar (96, diesbezüglich also nicht der teuerste Spieler der Welt) anführt. Im deutschen Fußball haben wir da immer noch eine andere Geld-Welt.

Imposant sind die Summen allerdings schon, welche die DFL für die Bundesliga kassiert. In der Saison 2019/20 waren es 1,216 Milliarden Euro an nationalen und 252 Millionen Euro an internationalen TV-Einnahmen an die 36 Profi-Klubs. Die Verteilung der Gelder ist kompliziert, fußt aber größtenteils auf dem Leistungsprinzip. Und genau dagegen lehnen sich vor allem die kleineren Vereine mit dem geringeren Budget auf, weil die Schere zwischen Armen und Reichen immer größer wird. Hier wird eher an eine Sozialkasse appelliert, dass doch Bayern und Co. von ihrem Reibach abgeben sollten. Das gipfelt in der Forderung von Kölns Sportvorstand Horst Heldt, dass doch die Vereine, die an den europäischen Wettbewerben teilnehmen und Prämien kassieren, von der Verteilung der internationalen Fernsehgelder ausgeschlossen werden sollen. Andere Forderungen gehen sogar so weit, dass zum Beispiel die Bayern von den 135 Millionen, die sie in der Champions League kassiert haben, in den deutschen Topf abgeben sollen. So weit die Sozialkasse, die das Leistungsprinzip außer Kraft setzt.

Eines sollte man wissen, bisher war die Verteilung der Fernsehgelder schon gestaffelt, als Basis wurden 54 Prozent der nationalen TV-Gelder gleichmäßig aufgeteilt. Aber es gibt eben zwei Szenarien: Wer weniger hat, schreit, er will mehr, wer viel hat, will nicht abgeben. Aber die Spitzenklubs sind ja nicht von heute auf morgen in ihre bevorzugte Position gekommen, sondern sie haben sich diese durch Erfolge erarbeitet. Da steht eigentlich jedem Verein die Tür offen. Gerade die Kritiker aus Köln, Mainz oder Düsseldorf müssen sich sagen lassen, dass sie vielleicht nicht so gewirtschaftet haben, um Erfolge aufbauen zu können. Sie sollten sich Gladbach als Beispiel nehmen, dass vor einigen Jahren noch in Abstiegsnot war, jetzt aber zu den Spitzenklubs gehört und wieder Champions League spielt. Gute Arbeit wird belohnt – nachmachen!

Die kleineren Vereine dürfen nie vergessen, dass zum Beispiel die Bayern oder Dortmund viel für das positive Image der Bundesliga leisten, siehe Münchens Triumph in der Champions League. Der derzeit beste Verein der Welt lenkt das Interesse auf die Bundesliga. So macht auch Dortmunds Boss Watzke deutlich: „Am Ende profitieren alle vom Erfolg der Spitze, diese Zugmaschinen dürfen nicht geschwächt werden.“ Eine Gleichschaltung aller hat sowohl in der Wirtschaft als auch im Sport noch nie zum Erfolg geführt.

„Reden wir über Geld“ heißt es also in nächster Zeit in der Bundesliga, wobei ja interessant ist, dass im neunköpfigen DFL-Präsidium die kleineren Vereine (Freiburg, Köln, St. Pauli, Kiel, Darmstadt) mit 5:4 Stimmen in der Überzahl sind. Der Verteilungskampf wird interessant.

Über Geld reden könnte man übrigens auch mit dem ZDF, dass ein paar Millionen für die Rechte bezahlt, Zusammenfassungen im Aktuellen Sportstudio am Samstag senden zu können. Wenn die Sendung allerdings ausgerechnet am ersten Spieltag erst um 23.30 Uhr beginnt, da darf man sich schon fragen, ob das Geld gut angelegt ist bzw. wie die Verantwortlichen mit dem Geld umgehen. Jedenfalls wird eine gute Zuschauerquote hergeschenkt, mit anderen Worten, bei diesen Sendezeiten (es ist ja kein Einzelfall) hätte man sich das Geld schenken können.

Reden wir über Zuschauer

Zum Bundesliga-Start wird aber eher nicht über das Geld, sondern mehr über die Zuschauer geredet. Prima, sie dürfen zumindest teilweise zurück. Zwar geht das Eröffnungsspiel ohne Zuschauer über die Bühne, weil die Corona-Infektionszahlen in München zu hoch sind, aber generell hat sich die Politik auf rund 20 Prozent der Kapazitäten geeinigt, mit strengen Hygienevorschriften natürlich. Das gilt nicht nur für den Fußball, sondern auch für die anderen Profi-Sportarten wie Handball, Basketball, Eishockey oder Volleyball. Dies sind allerdings Sportarten, die nicht wie der Fußball von TV-Geldern leben, sondern neben Werbe- und Sponsoren-Einnahmen vor allem von Eintrittsgeldern. Deshalb sind sie teilweise nicht glücklich und fordern eine weitere Lockerung. Aber da sind wir auch wieder beim Geld: Geht Gewinn vor Vorsicht bzw. Gesundheit?

Gut, Zuschauer im Stadion sollen das echte Fußballgefühl wieder zurückbringen. Aber deshalb Risiko eingehen? Die UEFA will beim Supercup am 24. September in Budapest beim Duell der Sieger von Champions- und Europa-League, Bayern München gegen FC Sevilla, 20.000 Zuschauer ins Stadion lassen, je 3000 Fans von den Vereinen und 14.000 einheimische Besucher. Nur: Die Hauptstadt Ungarns gilt als Corona-Hotspot, die deutsche Regierung hat eine Reisewarnung ausgesprochen. Kann man da guten Gewissens nach Budapest reisen? Und obwohl die Spieler in ihrer Blase leben, sind sie nicht dennoch hoch gefährdet? Das Horrorszenarie: Nach dem Spiel muss der gesamte Bayern-Tross in Quarantäne! Dann reden wir nicht mehr über Geld und Zuschauer, sondern nur noch über Corona und Leichtsinn.

Auf geht’s: Die Fußball-Hetzjagd beginnt

„Die Bayern-Fans müssen in diesem Jahr tapfer sein“ hieß es vor einem Jahr an dieser Stelle. Die Realität hat diese Prognose bestätigt, allerdings anders als gedacht. Es war sportlich gemeint, doch den Umbruch haben die Münchner nach Problemen im Herbst schließlich mit Hansi Flick als Trainer noch bestens gemeistert. Allerdings mussten die Bayern-Fans wegen Corona doch tapfer sein, weil sie die Triple-Siege nicht in den Stadien feiern konnten, sondern mehr oder weniger nur still zu Hause.

Die Pandemie hat die Welt durcheinander gebracht und natürlich auch den Fußball. Mit dem Start der Bundesliga wird es ab dem kommenden Wochenende wirklich ernst, es beginnt eine Termin-Hetzjagd ohnegleichen. Jetzt müssen nicht die Fans, sondern die Bayern-Spieler tapfer sein, denn längere Ruhepausen sind bis nach der Europameisterschaft, die vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 ausgetragen werden soll, nicht vorgesehen. Die Bundesliga endet am 22. Mai, die Winterpause fällt aus, drei Tage vor Weihnachten wird am 21. Dezember noch gespielt, einen Tag nach Neujahr, am 2. Januar geht es wieder weiter. Der Jahreswechsel wird also nicht gefeiert, sondern besser verschlafen.

„Auf geht’s“ gilt in diesem Corona-Jahr nicht für die Wiesn in München, die bekanntlich ausfällt, sondern für die Hetzjagd der Fußball-Profis. Ein Beispiel für die Terminnöte: Die Bayern haben sich auf die Verlegung des Pokalspiels gegen Oberligist 1. FC Düren auf Donnerstag, 15. Oktober, eingelassen. Nach dem Endspiel in der Champions League sollte den Spielern ein kurzer Urlaub gewährt werden, der DFB verschob das Spiel, ein anderer Termin als der 15. Oktober wurde offensichtlich nicht gefunden. Bereits 44 Stunden danach treten die Münchner allerdings bereits wieder in der Bundesliga bei Aufsteiger Arminia Bielefeld an, zwei Tage vorher spielt Deutschland in der Nations League in Leipzig gegen die Schweiz, wohl mit Bayern-Stars, Frankreich (vier Bayern möglich), Österreich (Alaba) und Polen (Lewandowski) spielen sogar erst am Mittwoch! Mit welchem Team werden die Bayern also gegen Düren antreten? Der Oberligist könnte seine Chance wittern – in der Allianz Arena!

Diese Hetzjagd macht deutlich, dass die Saison 2020/21 eine andere werden wird als normal. Ob dies am Ende auch sportlich gilt? Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn die Bayern nicht Meister werden würden, sondern eben müde darniederliegen. Freilich, alle Teams mit internationalen Aufgaben müssen eine Hetzjagd überstehen, aber die geballte Macht trifft doch die Bayern am meisten. Ein entsprechender Kader ist notwendig, die Rotation fast schon Pflicht. Aber Überraschungen sind also Tür und Tor geöffnet. Vielleicht nutzt schon Schalke 04 im Auftaktspiel am Freitag die Chance, weil die Bayern bis dahin wenig Training haben und kaum in Form sein können. Aber das Eröffnungsspiel wollten sie sich nicht nehmen lassen.

Dennoch haben alle davor Angst, dass die Langeweile Bestand haben wird und die Bayern den neunten Titel in Folge einfahren. Borussia Dortmund will sich nicht noch einmal hinreißen lassen, die Münchner verbal herauszufordern, denn von der Qualität der Mannschaft hätten sie es drin. Misstrauen die Bosse ihrem eigenen Trainer Lucien Favre, dem nicht zugetraut wird, in seinem Team die Begeisterung zu wecken, die für einen Coup notwendig ist? Auch in der besonderen Saison bleiben also die üblichen Einordnungen, Leipzig, Gladbach und Leverkusen gelten als die weiteren Anwärter auf die Plätze für die Champions League, der Verlierer aus diesem Trio muss sich mit der Europa League begnügen, die vor allem Hertha BSC, Wolfsburg, Hoffenheim und Frankfurt anstreben.

Dahinter beginnt schon der Kampf um den Klassenerhalt. Nicht einmal der letztjährige Achte, der SC Freiburg, will nach den Sternen greifen, sondern bleibt bei der gewohnten Zurückhaltung, „es geht nur um den Klassenerhalt“. Worte, die auch beim Überraschungsteam des Vorjahres, Union Berlin, fallen ebenso wie beim Rest des Feldes, in Mainz, Köln, Augsburg, Bremen und sogar auf Schalke und natürlich bei den Aufsteigern aus Stuttgart und Bielefeld. Die wahre Spannung in der Bundesliga gibt es also in der unteren Tabellenhälfte. Wobei da die Frage ist, wie sich die Aufsteiger schlagen, Stuttgart hat eine junge und unerfahrene Mannschaft, Bielefeld könnte als Zweitliga-Meister eine ähnliche Rolle wie zuletzt Union Berlin spielen. Ein böses Erwachen könnte es für Schalke geben, das unter finanziellen Nöten und schwacher Führung leidet, und für Köln, das bis jetzt kein bundesligareifes Team hat. Manche Fans müssen in diesem Jahr auf jeden Fall wieder tapfer sein.

Wegen den Terminverschiebungen durch Corona starten auch die 2. Bundesliga und die 3. Liga zusammen mit dem Oberhaus, sie müssen also auf ein Alleinstellungsmerkmal und erhöhte Aufmerksamkeit verzichten. Die 2. Bundesliga kann immerhin für sich in Anspruch nehmen, dass sie fast mehr Traditionsklubs aufzuweisen hat als das Oberhaus selbst. Vor allem der einstige Bundesliga-Dino Hamburger SV möchte endlich zurück in die erste Liga. Das Ziel hat auch Hannover, Düsseldorf hofft auf die sofortige Rückkehr, während Nürnberg bescheidener ist und nur keine Angst vor dem Abstieg haben will.

Hertha macht sich im Pokal lächerlich

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das trifft vor allem auf Hertha BSC Berlin zu, da der Verein über Sponsor Lars Windhorst zur Bundesliga-Spitze gehören und „Big City Club“ werden will. Da passt das 4:5 im Pokal beim Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig gar nicht ins Konzept, die Hertha machte sich lächerlich, die Leistung war eine Katastrophe. Schön, dass auch Amateure wieder für Paukenschläge sorgten. Die Regionalligisten Ulm und Elversberg schalteten die Zweitligisten Aue und St. Pauli aus. Da lohnten sich für sie die Heimspiele, viele verlegten ihre Partien ja zu den Proficlubs. Eine schlechte Meldung gab es durch den DFB, der die Prämie wegen der Verluste durch Corona kürzte, so gibt es nur 138.000 Euro statt 175.000 in der ersten Runde, dennoch ein Batzen Geld für die kleineren Vereine.

Ein Ärgernis aber überschattete die erste Runde im Pokal. 72 Stunden vor dem Anpfiff kippte ein Gericht das Spiel von Schweinfurt auf Schalke. Türkgücü München hatte den Spruch per gerichtliches Eilverfahren erwirkt. Das Landgericht München stoppte die Begegnung per einstweilige Verfügung. Das Problem: Richterin Dr. Gesa Lutz ignorierte die vorher getroffenen Vereinbarungen und Satzungsänderungen, die vom Bayerischen Fußball-Verband mit Zustimmung der Vereine bereits im Mai getroffen wurden. Im Entscheidungsgremium saßen Richter und Anwälte. Weil die Saison der Regionalliga unterbrochen wurde und ein Aufsteiger gemeldet werden musste, erhielt Türkgücü als Tabellenführer den Zuschlag und wurde aus der Wertung der Regionalliga genommen, weil die Saison am 19. September fortgesetzt werden soll. Dadurch war jetzt der Zweite Schweinfurt 05 Tabellenführer und wurde vom BFV für den DFB-Pokal gemeldet. Türkgücü hätte also genug Zeit gehabt, sich gegen diesen Entscheid zu wehren, Präsident und Geldgeber Hasan Kivran setzte wohl auf einen Überraschungscoup und hoffte auf Schlagzeilen. Sportlich war das nicht, sondern nur ärgerlich. Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider tappte zudem in die Falle und kritisierte den BFV für dieses Urteil, er zeigte sich damit als uninformiert und wurde seinem Posten in keinem Fall gerecht. Vielleicht kein Wunder, dass Schalke solche Probleme hat…

1000 Grand Prix von Ferrari: Eher Tränen statt Freude

Ein Nachbar fährt einen (natürlich) roten Ferrari. Das Röhren des Straßenflitzers war nicht zu überhören, wenn er an schönen Wochenenden die Garage verlassen durfte. Stolz wurden ein paar Runden gedreht, die Nachbarschaft sollte wohl ein bisschen neidisch werden. Das Röhren ist aber schon lange nicht mehr zu hören. Hat er den Flitzer verkauft? Oder muss der Ferrari jetzt in der Garage bleiben, weil es derzeit keine Neider, sondern höchstens Spötter geben würde, nach dem Motto: „Was, Du fährst so eine Schrottkiste?“

Ferrari ist ein Trauerfall, dabei sollten am Sonntag alle Ferrari-Fans strahlen, der 1000. Grand Prix der einst so erfolgreichen Scuderia steht an. Die Bosse der Formel 1 haben das Rennen eigens auf die Hausstrecke des Rennstalls nach Mugello vergeben. Doch Freude will nicht aufkommen, der Bolide mit der Jubiläumsbezeichnung SF 1000 ist kein flotter Flitzer, sonder eine lahme Ente. Es werden in diesem Jahr keine Preise eingefahren, sondern man kann sich eher nach Schrottpreisen erkundigen. Das Schlimme dabei ist, dass Teamchef Mattia Binotto und sein Team einen hilflosen Eindruck machen und eine Besserung nicht in Sicht ist. So schwelgt man am Sonntag wohl eher in Erinnerungen, zum Beispiel an Michael Schumacher, der von 2000 bis 2004 fünf Titel in Serie holte. Heute liegt Ferrari in der Konstrukteurswertung gerade mal auf Rang sechs.

Die Fahrer sind natürlich die Leidtragenden, wenn das springende Pferd von Ferrari keine Sprünge mehr macht. Sebastian Vettel kann das inzwischen egal sein, bei ihm kommt wohl eher heimliche Freude auf, dass er die Leiden mit Ferrari hinter sich lassen kann. Binotto wollte den Deutschen nicht mehr, der nicht den Eindruck machte, als könnte er die Erfolge von Schumacher zurückbringen. Doch der hatte damals wohl ein besseres Team um sich und damit auch ein besseres Auto. So wird Vettel die Ausnahme sein, der sich auf das 1000. Rennen von Ferrari freut, weil er weiß, dass er nächstes Jahr voraussichtlich in einem schnelleren Auto sitzen wird. Er wechselt zu Aston Martin, der legendäre Hersteller übernimmt den Rennstall Racing Point, der gerade mit Platz drei in Monza auf sich aufmerksam machte und zwei Plätze vor Ferrari in der Team-Wertung rangiert. Also Trauer wird bei Vettel nicht aufkommen.

Nicht nur die Ferrari-Fans hoffen darauf, dass aus der lahmen Ente wieder ein Siegerauto wird. Ferrari braucht Siege, die Formel 1 braucht Ferrari. Nicht umsonst hieß es früher, Ferrari ist bedeutender als der Grand-Prix-Sport selbst. Die Italiener produzieren seit den 50er Jahren sensationelle Sportwagen, die Strahlkraft ist eigentlich ungebrochen, bei einer Umfrage nach der beliebtesten Marke in 70 Jahren Formel 1 liegt Ferrari mit 60 Prozent weit in Führung vor Mercedes mit 13 Prozent. Die Grand-Prix-Bilanz spricht auch für sich, 1000 Rennen, 238 Siege, 16 Team- und 15 Einzeltitel. So gibt es ein Strahlen über glorreiche Vergangenheit, aber leider nur Tränen über die triste Gegenwart mit einem schwachen Motor und katastrophaler Aerodynamik. Dort, wo Ferrari draufsteht, ist kein echter Ferrari drin. Ein trauriges Jubiläum.

Jogi Löw belügt sich selbst – Keine Pokal-Festtage für die Amateure

Der Tatort in der ARD besiegte in der Gunst der Fernsehzuschauer am Sonntag die Fußball-Nationalmannschaft im ZDF. Über 8 Millionen Zuschauer entschieden sich für den Krimi, nur rund 6,5 Millionen waren der Meinung, das Länderspiel gegen die Schweiz könnte spannender sein. Diese Zahlen verdeutlichen den Werteverfall der DFB-Elf, einst ein zuverlässiger Quotengarant im Fernsehen. Aber: Gute Länderspiele sind selten geworden, der Spaß blieb zuletzt auf der Strecke zwischen Corona-Pandemie, Geisterspielen und zur Nations League aufgemotzten Freundschaftsspielen. Nur noch Großereignisse wecken Interesse oder wenn es wirklich um etwas geht. Bayern Münchens Sieg in der Champions League sahen über 12 Millionen Zuschauer.

Dazu kam, dass sich Bundestrainer Joachim Löw nicht als pflichtbewusster Werbeträger des Verbandes präsentierte. Ganz im Gegenteil, er beschwerte sich über den Terminkalender, über den Stress und stellte Experimente über den sportlichen Erfolg. Dabei merkt der Bundes-Jogi gar nicht, dass er sich selbst widerspricht und belügt. Herausgekommen sind zwei 1:1 gegen Spanien und die Schweiz, die Spiele waren nur zum Teil ansprechend und die naheliegende Rotation hat Löw gescheut. Deutschland ist in der Nations League bisher nach sechs Spielen immer noch ohne Sieg – eine Bilanz, die den Trainer in Frage stellen könnte. Löw hat dennoch eine erfolgreiche Zukunft im Auge: „Bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land wollen wir eine siegfähige Mannschaft haben.“ Bis dahin kommen die TV-Quoten bei dieser Entwicklung im Keller an. Oder es gibt ein Oktober-Fest, am 10. Oktober in der Ukraine oder spätestens drei Tage später in Köln soll der erste Sieg in der Nations League her.

Gut, es gibt Entschuldigungen für Löw. Eine vernünftige Vorbereitung auf die Länderspiele war nicht möglich, viele Spieler waren nicht fit, andere kamen gerade aus dem Urlaub, Spielpraxis war Mangelware. Die Gegner hatten allerdings die gleichen Probleme. Vernunft ließ Löw walten, als er auf die in der Champions League strapazierten Spieler aus München und Leipzig verzichtete. Die dürfen sich jetzt doppelt als Gewinner sehen, denn keiner der Konkurrenten auf dem Feld kann Stammplatzansprüche stellen. Es gab mehr Fragezeichen als Antworten.

Jogi Löw muss sich vor allem auch die Frage stellen, ob sein geliebter Toni Kroos wirklich der große Chef im Mittelfeld ist. Zusammen mit Ilkay Gündogan bildete er zweimal die Mittelfeldachse, doch dominant waren sie nicht, sie übernahmen keine Führung, vor allem verbal nicht. Da fehlte ein Antreiber wie Joshua Kimmich, der im Verbund mit Leon Gorotzka bei Bayern Tempo reinbringt. Überhaupt, Löw sollte sich seinen einstigen Assistenten Hansi Flick zum Vorbild nehmen und das Bayern-Spiel auf die Nationalmannschaft übertragen. Bei Neuer, Kimmich, Gorotzka und Gnabry sowie Süle und Sané, die trotz mangelnder Fitness positive Akzente setzten, weiß er, was er hat. Dagegen weiß er bei Julian Draxler was er nicht hat und es könnte sein, dass der für Vertragsverhandlungen freigestellte Kai Havertz ebenso als ewiges Talent endet, das die Hoffnungen nicht erfüllen kann. Ein Fragezeichen bleibt auch Timo Werner, einen echten Mittelstürmer bzw. Torjäger wird Jogi Löw womöglich noch oft vermissen, weil ohne Tore Siege Mangelware sein werden. Erstaunlich ist, dass Löw die Chance verstreichen ließ, weitere Kandidaten aus der zweiten Reihe zu testen, zumal er ja auf eine gewisse Schonung der Spieler bedacht sein wollte.

Übrigens haben sich die Verantwortlichen rund um die Nationalmannschaft selbst ins Knie geschossen, dass sie die Mannschaft von Stuttgart zum nur rund 250 Kilometer entfernten Basel fliegen ließen. Der DFB hat sich vermehrt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit ausgesprochen, praktiziert es aber nicht. Ein schwaches Argument, dass eine Busfahrt die Fitness der Spieler beeinträchtigen würde. So waren die Länderspiele keine Werbung, sondern eher Anti-PR für den Verband. Nicht nur Löw hat sich also selbst belogen.

Amateure gehen lieber auf Reisen

Busfahrten kennen die Amateur-Fußballer zur Genüge. Sie fliegen höchstens privat in den Urlaub, aber nicht zu ihren Spielen. Busfahrten werden sie auch am kommenden Wochenende im DFB-Pokal vielfach auf sich nehmen, denn den heiß ersehnten Festtag im Pokal, wenn Bundesligisten zu Gast sind und in ein Kleinstädten und Dörfern Ausnahmezustand herrscht, wird es in diesem Jahr nicht geben. Das Virus Covid-19 raubt den Spaß, die meisten Amateurvereine sehen sich nicht in der Lage, die erforderlichen Hygienemaßnahmen zu stemmen und treten lieber beim Gegner aus dem Profibereich an. Dazu kommt, dass nur einige Vereine auch eine begrenzte Anzahl von Zuschauern zulassen können, ein Ertrag für die Klubkasse bleibt so oder so nicht übrig.

Statt dem besonderen Erlebnis zu Hause, weil der Deutsche Meister kommt, gibt es jetzt zumindest für die Spieler das Erlebnis in einer Bundesliga-Arena antreten zu können. So wie die Fußballer aus Düren, die allerdings erst am 15. Oktober bei den Bayern antreten werden, weil der Triple-Sieger erst in diesen Tagen wieder mit dem Training beginnt. Aber die Dürener freuen sich schon heute auf die Allianz-Arena. Bereits am Wochenende treten u. a. Havelse in Mainz, Celle in Augsburg, Oberneuland in Mönchengladbach, Straubing in Gelsenkirchen oder Norderstedt in Leverkusen an. Es wird also viele Busfahrten geben. Zum Glück gibt es ja seit einigen Jahren auch viel Geld, was vor allem den Amateuren hilft. 175.000 Euro gibt es für die erste Runde im DFB-Pokal und meistens tragen die Profi-Klubs die Organisationskosten in ihren Stadien selbst. Darüber hinaus könnten sie die Amateure finanzielle unterstützen, zum Beispiel bei den Fahrtkosten. Das wäre für diese wenigstens ein bisschen ein Ausgleich für das entgangene Fest zu Hause und der DFB-Pokal dann doch so etwas wie ein Lotto-Gewinn.

Die Fans wollen ihren Spaß und einen Fußball von gestern

Die Fußball-Bundesliga macht sportlich Sommerpause, aber die Diskussionen um die Geisterspiele kennen keine Pause. Ganz im Gegenteil, nachdem ein Fußball ohne Fans ein Fußball ohne Atmosphäre war, drehen sich die Gedanken um die Möglichkeit, wie schnell wieder mit Zuschauern gespielt werden bzw. wie eine Öffnung der Stadien ohne Gefährdung der Gesundheit aller organisiert werden kann. Es ist fast ein gordischer Knoten, der hier gelöst werden muss, entsprechend abenteuerlich sind auch die Gedanken, die durch die Gegend geistern.

Es ist auffallend: Die Klubs machen sich Gedanken, ob man mit einer geringen Zuschauerzahl anfangen kann, damit vor allem die Grundvoraussetzung im Kampf gegen das Coronavirus erfüllt ist, nämlich Abstand halten. Entsprechend der Kapazitäten der Stadien könnten dann vielleicht 2000 bis sogar 10.000 Zuschauer den Spielen beiwohnen. Von Fans kann hier nicht die Rede sein, denn diese meldeten sich schon zu Wort und kennen keinen Kompromiss: Entweder alle oder keiner. Bis es allerdings volle Stadien ohne Gesundheitsrisiko geben kann, wird noch viel Zeit vergehen mit vielen Geisterspielen. Aber warum nicht mit kleineren Kapazitäten anfangen, es wäre ein Schritt nach vorn. Um auch die Anfahrt der Zuschauer zu vereinfachen, muss wohl auf Gästefans verzichtet werden. Was den Fans auch wieder nicht gefällt.

Fan-Organisationen haben in einer gemeinsamen Erklärung bereits gefordert, dass der Fußball zurück zu den Wurzeln müsse. Die Corona-Krise soll die Klubs zur Besinnung kommen lassen, der Kommerz soll eingeschränkt werden, Gehälter gekürzt bzw. gedeckelt. Nicht das Geld soll im Mittelpunkt stehen, sondern der Sport. Die Fans machen den Eindruck, als ob für sie die Qualität der Spiele keine Rolle spielt, sie auf Stars verzichten würden und es in Kauf nehmen, wenn die internationale Konkurrenzfähigkeit dann nicht mehr gegeben ist. Was sie wollen, ist ihre Fankultur mit Nähe, Emotionen und Freiheit ausleben. Sie wollen in erster Linie ihren Spaß und plädieren auf ein Zurück zum Fußball von gestern. Mit dem Leistungssport der heutigen Zeit lässt sich das nicht vereinbaren und wahrscheinlich wäre es ihnen am Ende sogar egal, wenn die Bundesliga international nur noch unter „ferner spielten“ registriert würde. Am Ende könnte es dazu kommen, dass sich die Ultras vom Profi-Fußball ganz abwenden. Vielleicht finden sie bei den Amateuren ihre wirkliche Erfüllung. Andererseits: Erst die Masse macht’s, sorgt für Stimmung.

Der Fußball muss aber weiter geplant werden. Die DFL hat in diesem besonderen Jahr auf ein strenges Lizenzierungsverfahren verzichtet und allen Vereinen der 1. und 2. Bundesliga die Lizenz erteilt, damit die Klubs die Möglichkeit haben, sich finanziell zu erholen. Der Terminkalender für die neue Saison steht auch, mit einem Start der Bundesliga am 18. September und ohne Winterpause. Letzter Spieltag soll der 22. Mai sein.

In der Bundesliga wird weiterhin Werder Bremen vertreten sein, das im Duell mit dem Zweitliga-Dritten 1. FC Heidenheim zwar kein Spiel gewinnen konnte, doch das 0:0 und 2:2 auswärts reichte zum überaus glücklichen Klassenerhalt nach einer verkorksten Saison. Damit wurde sogar belohnt, dass die Bremer entgegen der üblichen Gesetzmäßigkeiten an Trainer Florian Kohfeldt festhielten. Logischerweise bleibt er nun weiterhin Coach und alle hoffen auf ein ruhigeres Jahr.

Wer verliert, würde die Relegation natürlich am liebsten abschaffen. Das gilt vor allem für den FC Ingolstadt der eine besonders bittere Zeit hinter sich hat. Am letzten Spieltag der 3. Liga träumte der Verein schon vom direkten Aufstieg, als ein Tor in Würzburg nach einem zweifelhaften Elfmeter alle Träume platzen ließ und stattdessen den Kickers den Aufstieg beschwerte. In der Relegation ging es wieder ähnlich zu. Zuerst lag das Aus gegen Nürnberg nach dem 0:2 im Hinspiel nahe, dann führte Ingolstadt zu Hause plötzlich 3:0 und träumte wieder von der 2. Bundesliga. Doch die Nachspielzeit war erneut eine Zeit der Ernüchterung, Nürnberg traf und jubelte. Ingolstadt fand in Schiedsrichter Christian Dingert den Schuldigen, fünf Minuten Nachspielzeit und die auch noch verlängert, wären nicht korrekt gewesen, außerdem hätte er vor dem entscheidenden Treffer ein Foul übersehen. Verständnis muss man für diese Sichtweise nach der Enttäuschung haben, aber Dingert hatte bei allen Entscheidungen korrekt gehandelt. So kann er beruhigt am Dienstag seinen 40. Geburtstag feiern. Aber alles in allem: Die Relegation hat ihre Berechtigung, spannender geht es nicht.

Auch international bleibt es weiter bei Geisterspielen. So werden Champions League und Europa League in diesem Jahr ohne Zuschauer entschieden. Die Auslosung ist erfolgt, der Spielplan steht, die Spannung steigt. Der portugiesische Ex-Star Paolo Sousa hatte kein glückliches Händchen, als er für Viertel- und Halbfinale der CL die großen Favoriten so zog, dass sie sich schon im Vorfeld des Finales eliminieren werden. Bayern München droht im Viertelfinale (am 8. August erst das Achtelfinale gegen Chelsea mit 3:0-Vorsprung) der FC Barcelona (auch am 8. 8. gegen Neapel, im Hinspiel 1:1). Den Gegner im Halbfinale machen Juventus Turin und Olympique Lyon (0:1 im Hinspiel) bzw. Manchester City und Real Madrid (2:1 im Hinspiel) unter sich aus. Da hat es RB Leipzig in der anderen Hälfte leichter, hat allerdings mit Atletico Madrid ein abzocktes Team als Gegner, der große Favorit auf das Finale ist aber Paris St. Germain mit Thomas Tuchel als Trainer, das zuerst auf Atalanta Bergamo trifft. Es gibt nur K.o.-Spiele im Finalturnier vom 12. bis 23. August, da zählen dann Tagesform, Glück und der Schiedsrichter. Besonderen Schwung dürfte Manchester City haben, nachdem der Internationale Sportgerichtshof die von der UEFA ausgesprochene Sperre für die internationalen Wettbewerbe aufgehoben hat. 10 Millionen Euro Strafe für Vergehen bei Transfers sind zu verschmerzen. Pep Guardiola darf weiter vom CL-Sieg mit City träumen. Allerdings: Träume platzen schnell (siehe oben).

Aufbruchstimmung in der Bundesliga und Bayern leidet

Schon vor einer Woche hatte der Sport-Grantler davon gesprochen, dass die Bundesliga in diesem Jahr ihr besseres Gesicht zeigt. Die Liga wollte ihn wohl bestätigen, denn in der englischen Woche war buchstäblich eine Aufbruchstimmung zu spüren. Einer der Leidtragenden war ausgerechnet der Abonnementsmeister FC Bayern München: Nur 1:1 gegen den FC Augsburg, 0:2 bei Hertha BSC Berlin. Die Bundesliga lacht und Bayern leidet.

Wenn die Bayern gewinnen, klagen die Medien: Warum zeigt keiner Mut, den übermächtigen Münchner Paroli zu bieten, warum haben alle Angst, warum kämpft keiner gegen die Langeweile? Vergessen wir das, wobei auch vergessen wird, dass die Bayern am 5. Spieltag des Vorjahres auch nur Zweiter waren, mit 12 Punkten einen Zähler hinter Dortmund, dass sich jetzt wieder an die Spitze schoss. Damals saß noch der Italiener Carlo Ancelotti auf der Münchner Trainerbank, das 2:2 gegen Wolfsburg den Spieltag darauf war sein letzter Auftritt in der Bundesliga. Ein Trainerwechsel deutet sich bei den Bayern diesmal nicht an, der neue Coach Niko Kovac reagiert auf die Punktverluste mit dem Münchner Selbstverständnis: „Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Thomas Müller ergänzt: „Wir müssen wieder unser wahres Gesicht zeigen.“ Leidtragende sollen in dieser Woche Ajax Amsterdam in der Champions League am Dienstag und Borussia Mönchengladbach am Samstag sein. Dann ist Länderspielpause – mit Ruhe in München oder Unruhe?

Augsburg und Berlin haben es also vorgemacht, Angst vor den Bayern muss nicht sein, es geht auch anders, aber auch nur mit einem ungeheuren Einsatz. Aufbruchstimmung verbreitet vor allem Borussia Dortmund. Im Gegensatz zu den Bayern drehten die Borussen einen 0:2-Rückstand in Leverkusen, schossen sich mit 4:2 an die Spitze und sind die einzige noch ungeschlagene Mannschaft. Über das Ziel wollen sie nicht hinausschießen, sehen das nur als Momentaufnahme. Aber die Zukunft könnte den Westfalen gehören, die mit einer jungen Mannschaft antraten, im Schnitt 23,56 Jahre alt, den Bayern nutzte alle Routine nichts (im Schnitt 28,19 Jahre alt). Nächster Prüfstein ist Augsburg, das nach Bayern den nächsten Favoriten ärgern will.

Aufbruchstimmung aber auch am Tabellenende, Schalke und Stuttgart feierten ihren ersten Saisonsieg und ließen damit die aufkommenden Kritiker verstummen. Ähnliches gilt für Neuling Nürnberg, wo ein 3:0 gegen Mitaufsteiger Düsseldorf die Situation rund um den Verein beruhigte. Ohne Sieg ist nur noch das neue Schlusslicht Hannover 96. Unruhe bei den Niedersachsen ist fast schon obligatorisch (siehe Fanprotest gegen Boss Kind) und jetzt fast logisch. Die Leistungen bisher machen aber auch nur wenig Hoffnung.

Aufbruchstimmung aber auch bei den Torjägern – und der Titelverteidiger der Torjäger-Kanone, Robert Lewandowski, schaut torlos zu. Die größte Auferstehung feierte der Isländer Alfred Finnbogason beim FC Augsburg. Nach langer Verletzungspause stand er erstmals in der Startelf und schoss den SC Freiburg gleich mit drei Treffern ab. Das machte gute Laune bei den bayerischen Schwaben, die ja zuletzt unter Torwartfehlern litten. Tore vorn sind besser als Tore hinten, doch ein „Slapstickgegentreffer“ durfte es auch diesmal sein. Aber auch die Torjäger in Gladbach und Dortmund beeindruckten, Die Neuzugänge Plea in Gladbach und Alcacer in Dortmund erweisen sich als Volltreffer.

Noch ein Spieltag, dann geht die Bundesliga in die Länderspielpause. Da lechzen am Wochenende alle nach einem Erfolgserlebnis, denn nur das verschafft gute Stimmung für die zwei Wochen ohne Punktspiele. Das Gegenteil könnte eine Unruhe sein, die die ganze Saison negativ beeinflussen kann. In Champions- und Europa League sind die Bundesligisten wieder gefordert, die Aufbruchstimmung national auch international zu zeigen. Den dicksten Brocken hat Hoffenheim mit Manchester City vor der Brust, die Bundesliga aber freut sich auf die Rückkehr von Meister-Trainer Pep Guardiola.

Einen Erfolg errang der deutsche Fußball am Donnerstag mit dem Zuschlag für die Austragung der Europameisterschaft 2024. Beim Kontrahenten Türkei war das Jammern natürlich groß, einen Betrug zu wittern, geht aber an den Tatsachen vorbei und kann nur damit entschuldigt werden, dass Bestechung und Korruption im Fußball noch nicht ausgerottet sind. Der DFB allerdings hat seine Bewerbung diesmal so transparent wie möglich gestaltet und sicher nicht wegen falscher Versprechungen gewonnen. Die Türken eher wegen nicht einzuhaltender Versprechungen verloren.

Niederlagen fair hinzunehmen gelingt nicht jedem. Superstar Cristiano Ronaldo schon gleich gar nicht. Der Portugiese blieb schon der Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“ fern, als er hörte, dass er nicht der Sieger sein würde. Der Kroate Luka Modric siegte jetzt auch bei der Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ und musste ohne die Seriensieger feiern, denn neben Ronaldo ließ sich auch Messi wegen privater Verpflichtungen entschuldigen. Na ja, siegen ist leichter als verlieren. Bei den Frauen gewann übrigens Marta (Brasilien), Trainer des Jahres wurde (logisch) Weltmeister Didier Deschamps (Frankreich), bei den Frauen Reynald Pedros (Lyon).

Ryder Cup nichts für den Tiger

Das Großereignis des Wochenendes war natürlich der Ryder Cup der Golfer in Paris und die Stimmung dort mit einem Fest im Fußball vergleichbar. Rund 270.000 Zuschauer an den drei Tagen sorgten für eine Atmosphäre, wie es sie sonst beim Golf nicht gibt. Superstar Tiger Woods „veredelte“ zwar durch seine Teilnahme die Veranstaltung (siehe Kommentar zuvor), aber nicht mit seiner Leistung. Der Tiger und der Ryder Cup passen nicht zusammen. Obwohl in Bestform angereist, verlor der Amerikaner alle seine vier Auftritte. Das Gegenteil schaffte der Spanier Sergio Garcia. Der war zuletzt nicht in Form, triumphierte aber in Paris und ist am Ende neuer Rekordhalter des Kontinentalvergleichs mit 25,5 Punkten (der Deutsche Bernhard Langer liegt übrigens mit 24 Punkten auf Rang drei). Besonders gefeiert haben die siegreichen Europäer, denen mit 17,5: 10,5 eine erfolgreiche Revanche für die Niederlage vor zwei Jahren in den USA gelang, Francesco Molinari. Im Gegensatz zu Woods steht der Italiener sonst nicht im Rampenlicht, jetzt aber siegte er bei allen seinen Auftritten, zweimal zusammen mit Tommy Fleetwood auch gegen den Tiger. Die schlechte Serie von Woods blieb damit ebenso erhalten wie die der USA, die die letzten 25 Jahren in Europa nicht gewinnen konnte.

Der Fußball leidet unter seinen Funktionären

Der Fußball feiert wieder einmal ein Fest, doch die Fröhlichkeit ist bei der Auslosung für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland nur aufgesetzt. In Wirklichkeit leidet der Fußball nämlich, er leidet unter seinen Funktionären. Ein Glück, dass der Spielbetrieb in aller Welt reibungslos läuft, dank der ehrenamtlichen Helfer in den Vereinen und Verbänden. An der Spitze aber, egal ob FIFA, UEFA oder in vielen nationalen Verbänden, da herrscht das Chaos, teilweise sogar Kriminalität in Form von Korruption, wie der FIFA-Prozess jetzt in New York deutlich zeigt. Beim Weltverband selbst steht nicht die Aufklärung im Vordergrund, sondern die Vertuschung. Dies machte FIFA-Präsident Gianni Infantino wieder einmal vor der WM-Auslosung deutlich.

Gianni Infantino erdreistete sich, im Vorfeld der WM davon zu sprechen, dass es 2018 in Russland intensive Doping-Kontrolle gebe, aber auf die Doping-Anschuldigungen gegen das Veranstalterland ging er nicht ein. Auch im Fußball stehen Anschuldigungen im Raum, die von einem staatlich organisierten Doping in Russland sprechen. Bekanntlich ist der olympische Sport in heller Aufregung über immer neue Sperren von russischen Sportlern, Putins Reich verliert reihenweise Olympiasieger (und die Medaillen), die bei Nachtests des Dopings überführt werden. Ein IOC-Report spricht von systematischem Doping.

Für den FIFA-Präsidenten gibt es keine Probleme, solange er sie nicht anspricht. Da stehen Forderungen im Raum, dass Katar wegen erwiesener Bestechung die Weltmeisterschaft 2022 verlieren müsste, doch eine Stellungnahme der FIFA zu den Vorwürfen gibt es nicht. Nicht einmal eine Rechtfertigung, dass es wohl aus organisatorischen Gründen und wegen möglicher gigantischer Schadenersatzforderungen eine Verlegung zu schwierig wäre. Die Lösung für die Funktionärsspitze: Schweigen.

„So wie der Herr, so das Gscherr (Untergebenen)“ heißt ein Sprichwort. Das bewahrheitet sich im Fußball, denn nicht nur die FIFA macht eine schlechte Figur, sondern viele Landesverbände ebenso. Spanien hat in der Führung ebenso Probleme wie Italien und von Südamerika und den Ländern in der Karibik ganz zu schweigen. Selbst in Deutschland häufen sich die Klagen rund um den Verband, seit Reinhard Grindel als Nachfolger von Wolfgang Niersbach an der Spitze steht. Von Ordnung und einer ruhigen Führung mit Augenmaß kann keine Rede sein. Ein Eigentor schoss der Verband u. a. damit, dass im Rahmen einer Kooperation mit China eine chinesische Auswahl in einer Regionalliga mitspielen sollte. Bei den ersten Missfallenskundgebungen (Zuschauer zeigten die Tibet-Fahne) ging Chinas Auswahl vom Platz. In Erwartung weiterer Zwischenfälle wurden die nächsten Gastspiele vertagt. Die Politik siegte über den Sport. Die Funktionäre sorgen nicht mehr für einen reibungslosen Spielbetrieb, sondern eher für Chaos. Es bleibt leider immer wieder das gleiche Urteil: Korruption können sie besser als Organisation.

Da kann bei der WM-Auslosung auch noch so gefeiert werden, die Vorfreude auf Russland 2018 ist für die Fans getrübt. Der Fußball leidet unter seinen Funktionären.

Money, Money, Money – Geht der Fußball im Geld unter?

Was haben die Zeichentrickfigur Dagobert Duck und der Fußball gemeinsam? Sie schwimmen beide gern im Geld. Während aber Dagobert der eher unsympathische Reiche ist, will der Fußball sympathisch bleiben und weltweit Fans anziehen. Derzeit ist er allerdings eher dabei, in eine unsympathische Rolle abzugleiten und Fans abzustoßen. Es geht fast nicht mehr um den Sport, sondern nur noch ums Geld. Spieler, Berater und Funktionäre haben die Dollar-Zeichen in den Augen. Das Motto heißt „Money, Money, Money“ und der Sport-</em>Grantler fragt sich: Geht der Fußball im Geld unter?

Das Thema ist ja nicht neu, kam aber jetzt mit der Vergabe der TV-Rechte für die Champions League wieder neu auf den Tisch. Vor allem in Deutschland war der Aufschrei groß, weil ab 2018 die Königsklasse des Fußballs im Pay-TV verschwindet. Das sind die Fernseh-Zuschauer in England, Spanien und Italien gewöhnt, aber nicht die in Deutschland, die ja sowieso eine monatliche Gebühr für die öffentlich-rechtlichen Sender zahlen müssen. ARD und ZDF müssen mit diesen Geldern haushalten und haben Proteste geerntet, wenn sie viele Millionen Euro für die Übertragungsrechte im Sport ausgegeben haben. Hohe Einschaltquoten bewiesen eine gewisse Berechtigung. Jetzt aber erleben sie eine Niederlage nach der anderen. Die Rechte für die Olympischen Spiele haben sie ebenso verloren wie die nun für die Champions League. Bisher zeigte das ZDF 18 Spiele live, ab dem Finale 2018 in Kiew ist dies vorbei. Das Angebot war zu niedrig, „wir sind an unsere Grenzen gegangen“, gestand der ZDF-Boss, „mehr war nicht drin“.

Schon bei den Bundesliga-Rechten wurde es für ARD und ZDF knapp, aber die Sportschau und das Sportstudio wurden gerettet, es gibt weiter ein paar Live-Spiele im ZDF, aber alle Spiele weiterhin nur im Bezahl-Fernsehen, wobei dem Platzhirsch Sky Konkurrenz erwachsen ist. Vor allem der Streamingdienst DAZN mischt die Branche auf und schmeißt mit Geld um sich. Ob sich das lohnt? Dem Sport, vor allem dem Fußball, ist das egal: Hauptsache die Kasse stimmt. Es könnte aber auf lange Sicht auch ein Eigentor werden. Bleibt der Fußball wirklich Volkssport, wenn er im Pay-TV und Internet verschwindet?

Die Grenzen gesprengt haben vor allem die Fernsehsender in England, die der Premiere League das Geld quasi hinterher werfen. Da entstanden auch gesteigerte Begehrlichkeiten in anderen Ländern, vor allem in Deutschland, wo die Vereine jammern, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig sein können, wenn der Letzte der Premiere League mehr TV-Gelder kassiert als der Erste in Deutschland, Bayern München. Dazu kommen Scheichs aus den Golfstaaten, Oligarchen aus Russland, Milliardäre aus Asien und Afrika, die sich im Fußball Europas verwirklichen wollen und quasi mit dem Geld um sich werfen. Als Beispiel zwei Überschriften zum Saisonschluss: „Geld aus Nigeria hilft beim Titel“ hieß es zum Titelkampf in Kroatien, „Investoren aus China feiern“ zur Meisterschaft in Tschechien. Money, Money, Money – das Geld regiert überall.

Es ist ein riskantes Spiel, das der Fußball derzeit spielt. Die Bundesliga kassiert jetzt auch Milliarden über das Fernsehen, aber dieses Geld stößt anderweitig sauer auf. Immer drängender wird die Frage, ob die Fußballvereine nicht für den Polizei-Einsatz zahlen müssen. Immer mehr Leute sehen nicht ein, dass die öffentliche Hand Gelder zum Bau von Fußball-Stadien in die Hand nimmt. Darf der Staat die reiche Unterhaltungsindustrie Fußball unterstützen? Dazu kommen die Probleme mit den Hooligans, die vor Gewalt nicht zurückschrecken und manchen davon abhalten können, auf einen Besuch im Stadion zu verzichten. Dann aber wird es gefährlich: Weniger Leute im Stadion, keine Zuschauer mehr vor den Bildschirmen (im ZDF sahen bisher 7 – 9 Millionen Zuschauer die Champions League, auf Sky höchstens 2 Millionen), da ist der Werteverlust programmiert. Money, Money, Money kommt in den großen Geldspeicher. Dagobert schwimmt im Geld, der Fußball geht in der Geldmenge vielleicht eines Tages unter. Vernunft wäre ein guter Rettungsring.

Der unbekannte Gegner unserer Wintersportler

 

Der Winter 2015/16 ist vorbei, zumindest für die Wintersportler. Was die deutschen Athleten angeht, so könnte man sagen „Pyeongchang kann kommen“. Es ist zwar noch ein bisschen Zeit bis zu den Olympischen Winterspielen vom 9. bis 25. Februar 2018 in Südkorea, doch alle Augen, sprich Training und Wettkampfergebnisse, sind auf dieses Großereignis gerichtet. Auch viele Karrieren richten sich auf dieses Ziel aus, so heißt es immer wieder „Olympia 2018 will ich noch erleben, danach ist Schluss“.

Die Winterbilanz der deutschen Sportlerinnen und Sportler fällt ausgesprochen gut aus, ohne dass der Sport-Grantler hier auf Einzelheiten eingehen kann. Vor allem bei Bob und Rodel sind die Medaillenaussichten ausgesprochen gut, allerdings müssen sich die lange Zeit fast schon drückend überlegenen deutschen Rodler immer mehr einer erstarkten Konkurrenz erwehren. Schlecht sieht es eigentlich nur auf dem Eis aus, dort werden Medaillen Mangelware sein.

Auf Schnee (wenn es ihn denn gibt) fühlen sich die deutschen Athleten wohl. Einzig im Langlauf wurde vor allem bei den Männern der Anschluss verpasst, das lässt sich wahrscheinlich bis Olympia nicht mehr beheben. Vorbild sollten die Nordischen Kombinierer sein, die einen sehr erfolgreichen Winter mit zahlreichen Siegen und Erik Frenzel als Weltcupsieger hinter sich haben. Da sind trotz der starken Norweger und Österreicher Medaillen fast garantiert. Deutschland hat eine starke Mannschaft. Die Skispringer blickten vor allem dem „Überflieger“ Peter Prevc aus Slowenien hinterher, doch an günstigen Tagen kann ihn Deutschlands Vorzeigespringer Severin Freund (Zweiter im Weltcup) herausfordern. Dahinter klafft allerdings eine Lücke, die Thomas Freitag und Andreas Wellinger schon lange schließen sollten. Im alpinen Bereich bleibt bei den Männern Felix Neureuther der Vorzeigefahrer, doch bremst ihn oft der Rücken. Bei den Frauen steht Viktoria Rebensburg allein auf weiter Flur, nur knapp verpasste sie die kleine Kugel im Riesenslalom. Ein perfekter Winter könnte sie sogar einmal ganz an die Spitze bringen.

Deutschlands Vorzeigesport im Winter ist nach wie vor Biathlon. Die Deutschen verfolgen die Wettkämpfe gern an den Bildschirmen, gerade bei der Weltmeisterschaft waren die TV-Einschaltquoten wieder überragend. Fast in jedem Rennen sind die Deutschen beim Kampf um die Podestplätze dabei, Simon Schempp war dabei, dem dominierenden Franzosen Martin Fourcade (er gewann alle Gesamtwertungen!) Paroli zu bieten, doch Krankheiten stoppten ihn. Ähnlich sah es bei Laura Dahlmeier aus, die wegen Verletzungen und Krankheiten nicht nach dem Sieg in der Gesamtwertung (Gabriela Soukalova, Tschechien) greifen konnte, aber bei der Weltmeisterschaft in Oslo zur Medaillensammlerin wurde. Sie hat das Zeug, dies bei Olympia auch zu schaffen. Immerhin waren die deutschen Männer in der Weltcup-Nationenwertung Zweite hinter Norwegen und vor Russland, die Frauen waren sogar das stärkste Team vor Frankreich und Tschechien. Also gute Aussichten.

Ein unbekannter Gegner trübt allerdings die Erfolgsaussichten unserer Wintersportler. Das heißt, eigentlich ist er bekannt, aber unbekannt ist, wann er zuschlägt, leider ist es so, dass er dies meist zur ungelegenen Zeit tut. Die Rede ist von Verletzungen und Krankheiten. Typisches Beispiel ist Biathlet Simon Schempp, den ausgerechnet vor der Weltmeisterschaft eine starke Bronchitis zum Nichtstun verdammte. Die Form ging verloren, Schempp trumpfte erst eine Woche nach der WM wieder auf. Pech gehabt. Ein fahrender Lazarus ist Slalom-As Felix Neureuther, der aufgrund von Rückenbeschwerden wohl den ganzen Winter über nicht zu seiner Bestform finden konnte. Auch aussichtsreiche Ski-Talente wurden durch Brüche und Kreuzbandrisse gestoppt. Fast liegt ein Fluch vor allem über der alpinen Mannschaft, so dass ein Aufwind immer wieder gestoppt wird.

Stürze werden sich im Skisport nie vermeiden lassen, diese Pechserie muss aber einmal zu Ende gehen. Was allerdings Erkältungen und andere Krankheiten angeht, da sind Ärzte, Betreuer und die Sportler selbst gefordert, hier entsprechende Vorkehrungen zu treffen (allerdings keineswegs mit Medikamenten, die auf der Dopingliste stehen!). Es kann nicht sein, dass Deutschland in Pyeongchang höchstens die Schnupfen-Medaillen gewinnt.