Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kampf um Punkte, Kampf ums Geld

Englische Woche in der Fußball-Bundesliga, eigentlich müsste bei diesem kompakten Programm der Sport im Vordergrund stehen. Tut er aber nicht, der Kampf um Punkte gerät in den Hintergrund, der Kampf ums Geld dagegen in den Vordergrund. Am Donnerstag ist der Neujahrsempfang der DFL und diesen Termin nutzen die Vereine, um in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die einige Klubs erzwungen haben, über den Ausschüttungsschlüssel für die erste und zweite Bundesliga zu beraten. Es geht dabei (natürlich) um viel Geld.

Der TV-Vertrag für die nächsten vier Jahre bringt ja sogar ein bisschen mehr Geld als bisher, aber schon bei Abschluss war klar, dass jetzt über die Verteilung der 4,484 Milliarden Euro und dazu über die internationalen Töpfe gestritten wird. Die Zweitligisten wollen mehr Geld, dazu fordern Traditionsklubs, die nicht mehr erstklassig kassieren können, dass bei der Geldverteilung die Säule „Interesse“ mehr Gewicht (Geld) erhalten soll. Nach dem Motto, Schalke oder der HSV sind doch bedeutender als Mainz oder Augsburg. Da ist Streit natürlich vorprogrammiert, wer sportlich ins Hintertreffen geraten ist, will finanziell dennoch erstklassig bleiben!

Ein Blick auf die Ausschüttungen in der Saison 23/24 (Quelle kicker): Aus dem nationalen Topf flossen 871,32 Millionen Euro ans Oberhaus, 203,34 ans Unterhaus, das sind 19,1 Prozent, vorgesehen ist eigentlich eine Verteilung 80:20. Aus den internationalen Geldern kassierte die 2. Liga 4,62 Millionen Euro, gerade mal 2,65 Prozent, die Erstligisten erhielten 169,49 Millionen Euro. Natürlich entfachen vor allem die international erfolgreichen Vereine wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und RB Leipzig das Interesse an der Bundesliga. Davon profitieren am Ende alle Klubs. Die Bundesligisten kamen dem Unterhaus sogar entgegen. Solidaritätszahlungen, die die UEFA den Ligen zahlt, gaben sie an die Zweitligisten weiter, immerhin waren das 8,5 Millionen Euro, so dass langjährige Zweitligisten wie Karlsruhe oder Hannover rund 420.000 Euro kassierten. Aber den Streit ums Geld gibt es schon so lange, so lange Einnahmen zu verteilen sind. Der Streit ums Geld ist wohl als menschlich anzusehen.

Ums Geld geht es auch bereits am Dienstag und zwar vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Das fällt ein letztinstanzliches Urteil im Streit zwischen der DFL und dem Land Bremen um zusätzliche Polizeikosten bei Hochrisikospielen. Da währt der Streit schon lange, die DFL hat bisher sieben Gebührenbescheide in Höhe von insgesamt fast zwei Millionen Euro erhalten, die Hälfte musste Werder der DFL erstatten. Vor Landgericht, Oberlandesgericht und Bundesverwaltungsgericht hat das Land Bremen gesiegt, die DFL ging jeweils in die Berufung. Gewinnt das Land Bremen auch in Karlsruhe, kommen auf die Vereine erhebliche Kosten zu, aber nicht alle Bundesländer sehen die Vereine in der Verantwortung. So hat zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, das die meisten Bundesligisten stellt, abgewunken, desgleichen das Land Bayern. Dort wird geurteilt, dass für Krawalle rund um die Stadien nicht die Vereine zur Verantwortung gezogen werden können, das ist eine öffentliche Polizeiaufgabe. In den Stadien haben die Vereine für Ordnung zu sorgen und tragen auch die Kosten. Ursprung der Krawalle sind doch eher schlechte Erziehung der Chaoten, Lust auf Streit (sie sprechen sich zur Konfrontation ab) und Ergötzung an Pyrotechnik oder dergleichen. Da für Verbesserung zu sorgen, liegt an vielen Stellen. Die Vereine arbeiten mit Fanbetreuung daran, für mehr Sicherheit zu sorgen.

Um Geld und Gerechtigkeit geht es auch beim Feuerzeugwurf beim 1:1 zwischen Union Berlin und VfL Bochum in der Nachspielzeit. Das DFB-Gericht erklärte Bochum zum Sieger, da Torhüter Drewes ausscheiden musste und der VfL geschwächt war. Schiedsrichter Petersen wollte einen Spielabbruch vermeiden, doch das Gericht meinte, es hätte einen geben müssen und urteilte entsprechend. Bei Union ist die Empörung groß, Boss Dirk Zingler spricht sogar von einem Skandal. Der Täter konnte ermittelt werden, so dass sich Union wohl für alle Verluste an ihn wenden sollte. Das Argument, bei diesem Urteil wäre einem gezielten Spielabbruch Tür und Tor geöffnet, sticht nicht. Wird ein Schiedsrichter getroffen, ist ein Spielabbruch sogar zwingend. Die Konkurrenz mosert, dass der Abstiegskampf verfälscht wird. Union hat natürlich Berufung eingelegt, nun muss das Bundesgericht entscheiden. So lange bleibt alles offen.

Die Bayern und das gute Omen

Der erste Titel ist in der Bundesliga vergeben, allerdings nur ein Titel auf dem Papier oder sagen wir „Ehrentitel“. Nach dem mühevollen 1:0 in Gladbach sind die Bayern einen Spieltag vor Ende der Hinrunde bereits Herbst- oder besser Halbzeitmeister. Das kommt nicht überraschend, denn meistens stehen die Bayern vorn, auch hier halten sie den Rekord, wurden bereits 27mal Herbstmeister, Platz zwei belegt Werder Bremen mit gerade mal sechs „Titeln“. Jetzt wollen die Münchner natürlich am Ende auch richtiger Meister werden und hoffen, dass das gute Omen sich wiederholt: In 23 von 26 Fällen des Herbsttitels wurden sie auch Meister! Nur Mönchengladbach 1971, Bremen 1993 und Dortmund 2012 verhinderten ihre Siegesfeier. Aber vier Punkte Vorsprung vor Leverkusen sind kein sanftes Ruhekissen. Mit zwei Heimspielen gegen Hoffenheim am Mittwoch und Wolfsburg am Samstag geht es weiter.

Verfolger Bayer Leverkusen hat die erste Hürde im Duell mit Mitkonkurrenten gemeistert. Allerdings war die von Ausfällen geplagte Borussia aus Dortmund kein wirklicher Gradmesser. Die Not-Abwehr wusste am Anfang gar nicht, was ihre geschah und Leverkusen führte nach acht Minuten mit 2:0. Für die Dortmunder ist die vermeidbare 2:3-Niederlage doppelt bitter, denn die Ausfälle werden ausgerechnet in der englischen Woche kaum weniger und es stehen in Kiel und Frankfurt gleich zwei Auswärtsspiele an. Bekanntlich hat die Borussia in der Fremde sowieso ihre Probleme. Da kommt der Verkauf von Flügelflitzer Malen nach England zu Aston Villa doppelt ungelegen. Vielleicht fehlt bei Frankfurt am Freitag aber auch ein wichtiger Spieler. Torjäger Omar Marmoush steht ebenfalls vor einem Wechsel nach England, Manchester City hat sein Interesse hinterlegt, 80 Millionen Euro Ablöse sind im Gespräch. Der 1:0-Siegtreffer auf St. Pauli könnte das Abschiedstor des Ägypters gewesen sein.

Der Abstiegskampf wird noch heißer, wenn Bochum tatsächlich die Punkte aus dem Union-Spiel erhält und Anschluss zur Konkurrenz finden würde. Union selbst konnte auch mit dem neuen Trainer Steffen Baumgart nicht in die Erfolgsspur einbiegen. Ganz im Gegenteil, von den Teams am Tabellenende gewann allein der 1. FC Heidenheim, eben mit 2:0 gegen Union. Damit endete für die Schmidt-Schützlinge eine Serie von zehn sieglosen Spielen. Torschütze zum 1:0 war ausgerechnet Neuzugang Frans Krätzig, der in Stuttgart zu wenig Spielpraxis bekam und den die Bayern deshalb an Heidenheim weiterreichten. Hat sich gelohnt. Für beide Teams warten in dieser Woche wichtige Aufgaben: Union gegen Augsburg und Mainz, Heidenheim in Bremen und gegen St. Pauli. Wieder einmal geht es um Weichenstellungen für die nahe Zukunft!

Am kommenden Wochenende legt auch die 2. Bundesliga mit dem Rückrundenstart wieder los. Dabei können die Traditionsklubs unterstreichen, dass ihre Forderungen bei der Geldverteilung berechtigt sind. Dritter gegen Erster heißt das absolute Schlagerspiel, wenn der HSV den 1. FC Köln empfängt. Zwei Vereine, die sich in der Bundesliga sehen und die das Oberhaus auch gerne aufnehmen würde. Am meisten Theater um mehr Geld macht aber Schalke 04 und der einstige Top-Klub kämpft eher gegen den Abstieg. Da hilft zunächst einmal eine bessere Leistung.

Am Dienstag beginnt die Handball-Weltmeisterschaft, die in Dänemark, Norwegen und Kroatien ausgetragen wird. Die deutsche Mannschaft hofft auf eine Medaille. Mehr dazu im nächsten Blog „Letzter WM-Titel 2007: Handball-Team träumt wieder“.

Letzter WM-Titel 2007: Handball-Team träumt wieder

Die Durststrecke ist lang, aber die Hoffnung groß. Seit 18 Jahren gewann die Handball-Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften keine Medaille mehr, doch das soll jetzt anders werden, eigentlich schon in den nächsten Wochen bei der WM , die in drei Ländern ausgetragen wird, in Kroatien, Dänemark und Norwegen. 2024 macht nämlich Mut, dass es 2025 wenigstens mit einer Medaille klappen kann, am liebsten natürlich Gold. Unter dem Isländer Alfred Gislason, der seit März 2020 Bundestrainer ist, ging es stetig aufwärts, Platz vier gab es bei der Heim-EM vor einem Jahr, die Krönung bisher Platz zwei bei Olympia in Paris. Da darf man schon von Platz 1 bei der WM vom 14. Januar bis 2. Februar träumen!

Viele im Verband hoffen eine neue „Goldene Generation“. Bereits bei Olympia haben junge Spieler Verantwortung übernommen, die neuen Aushängeschilder sind Juri Knorr (Rhein-Neckar-Löwen), Renars Uscins (Hannover-Burgdorf), Marko Grgic (Eisenach) und Julian Köster (Gummersbach). Dazu gibt es mit Routinier Andreas Wolff (Kiel) und Jungstar David Späth (Rhein-Neckar-Löwen) ein überragendes Torhüter-Gespann. So gibt Kapitän Johannes Golla (Flensburg) das Ziel aus: „Wir wollen auf jeden Fall das Halbfinale schaffen und um die Medaillen spielen.“

Bundestrainer Gislason freut sich zwar über die „tolle Atmosphäre“ im Team, der 65-jährige Coach bremst aber, er sieht ein Trio im engen Favoritenkreis, an der Spitze Dänemark, „die sind klarer Favorit“. Am Titelverteidiger scheiterte Deutschland auch im Olympia-Finale deutlich. Dahinter sieht der Trainer noch Frankreich und Schweden vor Deutschland „und ein paar andere auf unserer Höhe“. Dänemark ist übrigens für das DHB-Team auf jedem Fall eine Hürde auf dem Weg ins Finale. Übersteht Deutschland die Gruppenphase gehört der Weltmeister und Olympiasieger zu den Gegnern in der Hauptrunde.

In der Gruppe A in der dänischen Handball-Hochburg Herning gibt es für das DHB-Team keine unüberwindbaren Hürden. „Alles starke Gegner, wir dürfen nicht leichtsinnig sein“, warnt der Trainer vor Polen (15.1. 20.30 Uhr), der Schweiz (17.1., 20.30 Uhr) und Tschechien (19.1., 18.00 Uhr). Die ersten drei Mannschaften kommen weiter, in der Hauptrunde I in Oslo warten die drei besten Teams der Gruppe B, die Dänemark, Italien, Algerien und Tunesien bilden. Hier geht es dann um zwei Plätze für das Viertelfinale. Dies könnten dann Dänemark und Deutschland sein…

Zukunftsgedanken, erst zählen die Gruppenspiele. Gislason hat fast seinen stärksten Kader zur Verfügung, muss aber den Ausfall von Rückraumspieler Sebastian Heymann und Kreisläufer Jannik Kohlbacher (beide Rhein-Neckar-Löwen) verkraften. Tim Zechel (Magdeburg), der von seiner Nominierung auf einer Kreuzfahrt erfuhr, und Lukas Stutzke (Hannover) rückten nach. Mit 18 Spielern reist das Team nach Dänemark (19 im Kader, einer muss zu Hause bleiben), 16 dürfen für ein Spiel nominiert werden.

Sollte der Traum von einer Medaillen platzen, dann wird Handball-Deutschland dennoch weiter träumen, nach dem Motto „wir haben eine Mannschaft der Zukunft“.

Das Aufgebot: Tor: Joel Birlehm (Hannover), David Späth (Rhein-Neckar-Löwen), Andreas Wolff (Kiel). Feld: Rune Dahmke, Lukas Zerbe (beide Kiel), Justus Fischer, Renars Uscins (beide Hannover), Juri Knorr (Rhein-Neckar-Löwen), Johannes Golla, Lukas Stutzke (beide Flensburg), Marko Grgic (Eisenach), Timo Kastening (Melsungen), Julian Köster (Gummersbach), Nils Lichtlein (Füchse Berlin), Lukas Mertens, Tim Zechel (beide Magdeburg), Franz Semper, Luca Witzke (beide Leipzig), Christoph Steinert (Erlangen).

Start der Bundesliga: Bayern gegen Bayer – das Duell um den Titel

Es soll Leute geben, die jubeln, „endlich wieder Bundesliga“. Dabei war die Winterpause, die diesmal eine reine Weihnachtspause war, so kurz wie nie, gerade mal drei Wochen, zwischen dem 22. Dezember und 10. Januar, ruhte der Spitzenfußball – und schon haben einige Entzugserscheinungen! Die Vorfreude ist aber berechtigt, wir können uns nämlich auf ein spannendes Frühjahr in der Bundesliga freuen. Es geht gleich mit geballter Macht los, die Spitzenklubs erwarten vier englische Wochen in Folge, die Bundesliga kehrt mit drei Spieltagen innerhalb einer Woche zurück.

Die Tabelle nach 15 Spieltagen macht deutlich, dass es in allen Regionen spannend zugehen wird, den Plätzen für Europa sei dank. Elektrisierend natürlich in erster Linie der Kampf um den Titel, der allerdings wohl nur ein Zweikampf sein wird, denn die Verfolger von München und Leverkusen liegen bereits neun bzw. fünf Punkte zurück und zeigen nicht die notwendige Konstanz. Auch sind Frankfurt, Leipzig und Dortmund nicht so gut besetzt wie die Titelanwärter. Das Duell heißt Bayern gegen Bayer.

Wer aber hat die besseren Aussichten auf die Meisterschaft? Titelverteidiger Leverkusen schwächelte zu Saisonbeginn, hat sich inzwischen gefangen, hat sich aber vier Punkte Rückstand eingehandelt. Die Münchner starteten dagegen schwungvoll, wurden inzwischen aber müde, eine unnötige Niederlage in Mainz nagt am Selbstbewusstsein. Das Rennen ist also offen, wobei Leverkusen aus der Pause besser starten sollte als zu Saisonbeginn, denn die großen Duelle mit den anderen Spitzenklubs sind alle vom 16. bis 24. Spieltag. Los geht es am Freitag in Dortmund, dann folgt die Aufgabe in Leipzig (25.1.), der direkte Vergleich mit den Bayern (15.2.) und die Fahrt nach Frankfurt (1.3.). Dreimal muss der Meister also auswärts ran! Für die Bayern geht es gemächlicher los, obwohl sie zum Auftakt gleich nach Gladbach müssen, eine Art Angstgegner. Aber die Vergleiche mit den Verfolgern sind später und je zweimal zu Hause (Frankfurt und Dortmund) und auswärts (Leverkusen und Leipzig).

Wem ist der Titelgewinn am ehesten zuzutrauen? Ein Vergleich der beiden Konkurrenten:

Mannschaft: Leverkusen hat zweifellos einen ausgeglicheneren Kader, kann Ausfälle besser verkraften. Bayer hat zwei fast gleichstarke Torhüter, zwei gute Torjäger und in Abwehr und Mittelfeld mehr Alternativen. Sicher sind Spieler wie Tah, Xhaka und Wirtz fast unersetzlich, aber die Bayern haben da mehr Probleme. So kann Kapitän Manuel Neuer nicht adäquat ersetzt werden, auch wenn sein Karriereende immer näher rückt. Upamecano und Kim bilden ein festes Abwehrduo, Torjäger Harry Kane ist unersetzlich, Ersatz gibt es nicht. Lücken tun sich bei den Außenverteidigern auf, wenn Davies fehlt oder schwächelt hakt es links und rechts. Besser besetzt sind die Bayern auf den offensiven Außenpositionen, wo es für zwei Stellen mit Olise, Coman, Gnabry und Sané gleich vier Kandidaten gibt. Musiala spielt eine starke Rolle, aber nicht so beherrschend wie Spezl Wirtz bei Leverkusen.

Trainer: Xabi Alonso war Trainer des Jahres und gilt derzeit als Nummer 1 in der Bundesliga, doch es scheint, Leverkusen wird sich nicht mehr lange an seinem Star erfreuen können, der Spanier wird verstärkt mit Real Madrid als Nachfolger von Carlo Ancelotti in Verbindung gebracht. Aber Alonso hat einen Vertrag bis 2026 und er hat einen festen Karriereplan, den er natürlich preis gibt. Könnte also durchaus sein, dass er ein weiteres Jahr in Leverkusen für sich als gut erachtet. Doch die Diskussionen wird Bayer nicht los. Die Bayern sind mit Vincent Kompany glücklich. Der Belgier war ja quasi eine Notlösung nach vielen Absagen bei der Trainersuche, doch Kompany erwies sich als Glücksfall, brachte Schwung in die Mannschaft und Ruhe in den Verein. Ruhe auf Dauer gibt es allerdings nur bei Siegen und Titeln, da fehlt also noch die Bestätigung. Von Alonso als künftigen Bayern-Trainer spricht niemand mehr

Das Umfeld: Vorteil für Leverkusen, das Umfeld bei Bayer ist ruhiger und gefestigter als das in München. Dort sind die Medien mehr zugange, wird alles und jeder hinterfragt, wird aus jeder kleinen Sache ein Skandal gemacht, da bröckelt dann selbst das „mia san mia“. Andererseits würde der Bundesliga ohne „Bayern Hollywood“ etwas fehlen. Permanenter Unruheherd ist auch Vereinsikone Uli Hoeneß, dem seine Aussage, die Meisterschaft sei schon an die Bayern vergeben, bei jeder Schwäche um die Ohren gehaut wird. Die Bayern begleitet derzeit auch die Diskussion um die Vertragsverlängerungen von Musiala, Kimmich, Gnabry und Sané, die Medien fordern eine Vollzugsmeldung. So lange es die nicht gibt, herrscht Unruhe. In Leverkusen ist dagegen klar, dass Tah im Sommer geht, Barcelona ist Favorit (nicht München). Alles ruhiger.

Das Fazit: Leverkusen hat die besseren Karten, aber die Bayern haben vielleicht den größeren Ehrgeiz, weil sie ein Jahr ohne Titel nicht mehr erleben wollen und im Pokal (gegen Leverkusen!) schon ausgeschieden sind.

Was passiert hinter den beiden Favoriten? Da scheint wirklich alles offen zu sein, Mainz galt zuletzt zwar als „Mannschaft der Stunde“, wird wohl kaum auf Dauer ein Anwärter für die Champions League sein, kämpft aber um die Europa League. Anwärter auf die zwei CL-Plätze sind Frankfurt, Leipzig und Dortmund, das aber seine Auswärtsschwäche ablegen muss. Ein Erfolg gegen Leverkusen zum Start ins neue Jahr würde den nötigen Schwung geben.

Große Spannung herrscht auch im Abstiegskampf, der zudem durch Veränderungen angeheizt wird. Spektakulär Union Berlin mit einem erneuten Trainerwechsel. Mit Steffen Baumgart kommt für den Dänen Bo Svensson ein altes Union-Urgestein und Publikumsliebling. Doch Achtung: In Köln musste er vorher gehen (damals hatte ihn der heutige Union-Manager Horst Heldt geholt) und vom HSV war er auch Fan, doch Erfolg hatte er nicht. Heidenheim, das auf dem Relegationsplatz steht, geht einen anderen, für den Verein untypischen Weg, und verstärkt sich im Winter. Der Karlsruher Torjäger Budu Zivzivadze soll die Lücke schließen, die Tim Kleindienst hinterlassen hat. Auffallend: Auch Kleindienst kam im Winter. Der Georgier ist Top-Torjäger und Skorerkönig der zweiten Liga, doch eine Klasse höher wird es einige Nummern schwerer! Dazu holten die Heidenheimer eine zweite Verstärkung von den Bayern, die schon mit Paul Wanner geholfen haben. Weil er in Stuttgart zu wenig Spielpraxis bekam, darf Frans Krätzig es nun auf der Ostalb versuchen. Fraglich, ob er wirklich eine Verstärkung ist. Der Spielplan will es so: Heidenheim erwartet am Samstag Union! Schlusslicht Bochum und Vorletzter Kiel hoffen dagegen darauf, dass ihre letzten Erfolgserlebnisse (2:0 gegen Heidenheim, 5:1 gegen Augsburg) für den nötigen Aufwind sorgen. Die Aufgaben zum Start in Mainz bzw. Freiburg sind aber schwer.

Die Bundesliga beginnt das Jahr 2024 also mit großem Schwung, die anderen Sportarten sehen es allerdings gar nicht gern, das „König Fußball“ jetzt auch im Winter herrscht.

Das Sportjahr 2024 hat Spaß gemacht! Was bringt 2025?

Es geht ja nicht nur um Titel und Medaillen, sondern oft ist die Stimmung entscheidend, ob eine Veranstaltung Spaß macht oder nicht. Und da war 2024 ein Sportjahr, das Spaß gemacht hat. Die beiden Großereignisse Olympische Sommerspiele in Paris und Fußball-Europameisterschaft in Deutschland begeisterten vor allem durch ihre einzigartiges Ambiente (Paris) und die tolle Stimmung rund um die Wettkämpfe (bei beiden). Der sportliche Erfolg trat da (fast) in den Hintergrund. 2025 bringt keine Großereignisse dieser Art, aber ein interessantes Sportjahr dürfte es trotzdem werden. Im Mittelpunkt dabei die aufgeblasene Klub-Weltmeisterschaft im Fußball mit 32 Vereinen, die außer bei der FIFA selbst bei allen umstritten ist.

Aber erinnern wir uns erst an die großen Momente von 2024. Paris zeigte der Welt wie Olympia geht. Die französische Metropole war eine echte Olympia-Stadt, die Organisatoren wagten es, die ganze Stadt mit ihre prächtigen Bauwerken zu einer einzigartigen Sportstätte zu machen. Beachvolleyball am Eiffelturm, Reiten am Schloss Versailles oder Fechten im Grand Palais sind nur einige Beispiele. Der Fluss Seine wurde zum Mittelpunkt, die Eröffnungsfeier fand erstmals nicht in einem Stadion statt, sondern auf dem Wasser. Paris hat viel gewagt und viel gewonnen. Das wird kaum wiederholbar sein, auch wenn sich in Deutschland Politik und Sport bei ihren Gedanken über eine Bewerbung für die Spiele 2040 mit den Städten Berlin und München an Paris orientieren wollen.

Sportlich waren die Spiele für Deutschland in der Gesamtbilanz eher eine Enttäuschung. Zu den führenden Nationen gehört Deutschland im Spitzensport nicht mehr. 33 Medaillen (12 Gold, 13 Silber, 8 Bronze) waren nicht das, was sich die Verbände erhofft haben. Rang 10 im Medaillenspiegel verdeutlicht das Mittelmaß. Erfolgreichste Nation war die USA mit 126 Medaillen (40-44-42) vor China (91/40-27-24) und Japan (45/20-12-13). Beste Nation Europas war Gastgeber Frankreich, der zwar 64 Medaillen holte (16-26-22), aber weniger Gold als Japan und Australien.

Jubel im deutschen Team gab es natürlich schon, nennen wir vor allem diejenigen, die dann als Sportler des Jahres ausgezeichnet wurden, nämlich die überragende Sportgymnastin Darja Varfolomeev, Ruderer Oliver Zeidler, für den nach früheren Olympia-Enttäuschungen ein Traum in Erfüllung ging, und vor allem die 3×3 Basketballerinnen, die in der neuen Sportart wohl das überraschendste Gold holten. Eine besondere Leistung vollbrachte auch Dressurreiterin Isabell Werth, die Gold in der Equipe und Silber im Einzel holte. Ihre Olympia-Bilanz insgesamt sind achtmal Gold und sechsmal Silber, damit löste sie die Kanutin Birgit Fischer als erfolgreichste deutsche Olympionikin ab.

Die Fußball-Europameisterschaft beeindruckte ebenfalls mit einer Lockerheit und guter Stimmung, die an das Sommermärchen der WM 2006 erinnerte, selbst das Ausscheiden der deutschen Mannschaft im Viertelfinale tat dieser Begeisterung keinen Abbruch. Allerdings war das Ausscheiden sehr schmerzhaft, in der 106. Minute (also Verlängerung!) war der Ball nach einem Schuss von Jamal Musiala auf dem Weg zum 2:1, Spaniens Verteidiger Cucurella wehrte mit dem ausgestreckten Arm vor der Torlinie ab, was Schiedsrichter Taylor aber nicht als Hand und Elfmeter wertete. So gewann Spanien nach einem Treffer 13 Minuten später mit 2:1 und wurde Europameister. Die deutsche Nationalmannschaft ging aber ehrenvoll unter, begeisterte mit ihrem erfrischenden Spiel und hat sich unter Bundestrainer Julian Nagelsmann wieder in die Herzen der Fans gespielt. Als nächste große Aufgabe steht die Nations League an, dazu beginnt 2025 die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2026.

Zurück in die Herzen der Fans hat sich auch die Frauen-Nationalmannschaft gespielt, die bei Olympia Bronze gewann und damit ihrem Interimstrainer Horst Hrubesch einen tollen Abschied ermöglichte. Christian Wück heißt sein Nachfolger, der nun auf eine erfolgreiche Europameisterschaft seiner Mädchen im Sommer in der Schweiz hofft. Im Vereinsfußball war Bayer Leverkusen die Mannschaft des Jahres. Bayer holte unter Trainer Xabi Alonso das Double und blieb in der Bundesliga in der Saison 2023/24 als erste Mannschaft überhaupt ungeschlagen. Bayern München hatte als Dritter nach elf Titeln in Folge und einem Jahr ohne Pokal keinen Spaß an 2024. Leverkusen dagegen kam zudem ins Finale der Europa League, erlitt da aber gegen Bergamo die erste Niederlage. Ein bitteres Finale auch für Borussia Dortmund, das in der Bundesliga schwächelte, aber international für Furore sorgte, im Endspiel der Champions League jedoch Real Madrid mit 0:2unterlag.

2025 ein Zwischenjahr mit Höhepunkten

Gute Stimmung und Spaß sollte es auch 2025 geben, das ein sogenanntes Zwischenjahr ist, ohne Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaft. Dennoch gibt es genügend Weltmeisterschaften und hochwertige internationale Turniere in vielen Sportarten. Die FIFA wollte dennoch im Mittelpunkt stehen und motzte die kleine Klub-Weltmeisterschaft mit den kontinentalen Sieger zu einem großen Turnier mit 32 Mannschaften auf. Gleich zwölf europäische Mannschaften (nicht alle Meister!) sind dabei, aus der Bundesliga Bayern München und Borussia Dortmund. Meister Leverkusen fehlt, weil es nach einem internationalen Ranking ging. Von 15. Juni bis 13. Juli wird in den USA gespielt, wobei das Turnier als Test für die WM 2026 in Mexiko, USA und Kanada gilt. Der Termin macht aber Sorgen, weil die Spitzenspieler kaum Erholungspausen im Sommer bekommen, zumal auch im Rest des Jahres der Terminkalender voll ist. Spieler und Trainer protestierten bereits gegen diese zusätzliche Belastung. So wird vom 4. bis 8. Juni die Endrunde in der Nations League ausgespielt, da könnte auch Deutschland dabei sein, das sich im März gegen Italien qualifizieren muss. Die Fußball-Frauen haben ihr großes Turnier mit der Europameisterschaft vom 2. bis 27. Juli in der Schweiz, Bundestrainer Christian Wück träumt da von einem Medaillengewinn des DFB-Teams.

2025 ist ein Jahr der Weltmeisterschaften, vor allem im Wintersport. Den Start zur WM-Reihe gibt aber Handball mit der Weltmeisterschaft vom 14. Januar bis 2. Februar in Kroatien, Dänemark und Norwegen. Auch hier hat Deutschland als Silbermedaillengewinner von Paris eine Medaille im Visier. Die erste attraktive WM im Wintersport ist die alpine Ski-WM vom 4 bis 16. Februar in Saalbach-Hinterglemm in Österreich, die nordische Ski-WM findet vom 26. Februar bis 9. März in Trondheim/Norwegen statt. Dazwischen liegt die Biathlon-WM vom 12. bis 23. Februar in Lenzerheide in der Schweiz. Den WM-Reigen der publikumsträchtigen Sportarten beschließt die Leichtathletik vom 13. bis 21. September in Tokio. Dazwischen liegen viele Höhepunkte, Masters- und Grand-Slam-Turniere im Tennis Golf. Die Formel 1 startet am 16. März in Melbourne und beschließt die Saison mit dem 24. Rennen am 7. Dezember in Abu Dhabi.

Es ist also wieder viel los im Sportjahr 2025, der Sport-Grantler wünscht seinen Leserinnen und Leser viel Spaß, vor allem aber alles Gute und Gesundheit im neuen Jahr.

Wer frohe Weihnachten feiert und wo der Baum brennt

Schon zwei Tage vor dem Heiligen Abend wurden in der Fußball-Bundesliga Geschenke verteilt, es gab Mitleid für die Klubs vom Pott und so durfte Schlusslicht Bochum seinen ersten Sieg feiern und Dortmund seinen ersten Auswärtssieg. Aber es stellt sich ja überhaupt die Frage vor der Weihnachtspause, wer denn frohe Weihnachten feiern kann und wo der Baum brennt.

Gute Stimmung unter dem Christbaum herrscht auf jeden Fall in München und Leverkusen, bei den Mannschaften, die nach Stand der Dinge die Meisterschaft unter sich ausmachen werden. Aber in Mainz (5.!), Bremen (7.) und Mönchengladbach (8.) wird die Stimmung sogar noch besser sein. Bei den Vereinen hatte man nicht mit einem so guten Abschneiden gerechnet. Vor allem Mainz erlebt einen sensationellen Aufwind mit fünf Siegen in den letzten sechs Spielen. Vor einem Jahr kämpfte der Verein gegen den Abstieg, war als 16. punktgleich mit Schlusslicht Darmstadt. Der wuselige Däne Bo Henriksen führte den Verein nach oben. Als es zu Beginn der neuen Saison wieder holperte, mehrten sich die Stimmen, die meinten, Henriksen könne als Trainer den Retter spielen, aber nicht auf Dauer erfolgreich sein. Offensichtlich schon. Auch Werder Bremen überrascht, dort war ebenso wie in Gladbach das Ziel, ins gesicherte Mittelfeld zu gelangen. Auch hier war eine gewisse Anlaufzeit nötig, doch jetzt darf man bei nur zwei oder drei Punkten hinter Frankfurt und Leipzig sogar von der Champions League träumen. Frohe Weihnachten also.

Kein Weihnachtswunder ist es, dass die Bayern und Bayer oben stehen, wobei beide Teams nicht immer glücklich waren. Vor allem der Titelverteidiger fremdelte anfangs mit der Rolle des Favoriten, hat sich aber wieder gefestigt und wirkt momentan stärker als der Tabellenführer. Die Münchner trumpften zuerst mit großem Schwung unter dem neuen Trainer Vincent Kompany auf, doch Mängel im System wurden deutlich, vor allem in der Champions League. Die erste Bundesliga-Niederlage in Mainz schmerzte besonders, das 5:1 gegen Leipzig sorgt allerdings für Weihnachtsruhe. Dennoch gibt es allerdings hektische und wichtige Tage für Manager Max Eberl. Vor allem die Medien warten darauf, wann die Vertragsverhandlungen mit Musiala, Kimmich und Davies endlich zu Ende gehen. Die Verträge laufen aus – bleiben sie oder gehen sie? Auch Sané steht auf der Liste, hat aber nicht mehr die große Priorität. Leverkusen ist da weiter, Hincapie hat verlängert, Florian Wirtz, immer mehr Herz der Mannschaft, angeblich auch, doch der Verein hat es noch nicht bestätigt. Vielleicht kommt die Meldung als Weihnachtsgeschenk für die Fans.

Es gibt natürlich ein Zwischending zwischen Feiern und Krach, so dazwischen liegen die meisten Vereine. Dortmund haderte mit der Auswärtsschwäche, Rang 6 ist nicht das, was man sich erhofft hat, die Champions League muss sein. Aber der Auswärtssieg in Wolfsburg sorgt vorerst für Ruhe für Trainer Sahin. In Frankfurt war man eigentlich glücklich, lange Zeit war die Eintracht erster Verfolger der Bayern, doch zuletzt haperte es. Im Tannenbaum versteckt hätte sich wohl am liebsten der unglückliche Torwart Kaua Santos nach seinen Slapstick-Einlagen die zu einer fast skurrilen Niederlage gegen Mainz führten. Auch in Freiburg, Stuttgart und Wolfsburg weiß man nicht so recht, ob man sich freuen oder ärgern soll. Einerseits schaut man nach oben, andererseits will es nicht so recht klappen. Zumindest herrscht Ruhe, aber frohe Weihnachten sind es nicht unbedingt.

Wer unten steht, bei dem brennt normalerweise der Baum, das kann man bei den Klubs am Tabellenende nicht unbedingt sagen, Erfolge am Wochenende haben die Stimmung verbessert. Bochum schaffte endlich den ersten Saisonsieg, könnte mit einem weiteren Sieg vor Gericht wegen des Spielabbruchs bei Union den Anschluss nach oben schaffen. Die Aufsteiger Kiel und St. Pauli haben mit Siegen gegen Augsburg und Stuttgart Lebenszeichen gesendet und für Ruhe im Verein gesorgt. Man hat ja gewusst, dass es nur gegen den Abstieg geht. Keine Panik also.

Da sieht es bei Leipzig, Union Berlin, Augsburg, Heidenheim und Hoffenheim schon anders aus. In Leipzig herrscht trotz Rang 4 permanente Unruhe, die Leistung stimmt nicht, was auch Verletzungspech geschuldet ist. Vor allem international versagte RB und das gefällt Oberboss Oliver Mintzlaff gar nicht. Leipzig soll ein Hochglanzprodukt sein. So wird es in der Weihnachtspause statt Ruhe Diskussionen geben, auch Trainer Marco Rose wird hinterfragt werden. Da wartet gleich Arbeit auf Jürgen Klopp. Ähnlich bei Union und Hoffenheim. Beide Klubs haben schon die Trainer gewechselt, doch Wesentliches hat sich nicht geändert und so wird auch über Bo Svensson bzw. Christian Ilzer diskutiert. Gespräche werden auch in Augsburg geführt, vor allem über Verstärkungen, Trainer Jess Thorup hat man den Rücken gestärkt. In Heidenheim ist der Trainer wie ein Vereinsmaskottchen, also wird Frank Schmidt nicht in Frage gestellt. Eigentlich müsste der Baum brennen nach jetzt sieben Niederlagen in Folge, doch der Verein von der Ostalb ist für seine Ruhe bekannt. Vorbei ist die Euphorie mit dem internationalen Auftreten, der sensationelle Erfolg des Vorjahres sorgt für die Doppelbelastung in dieser Saison und die wird trotz aller Rotation nicht verkraftet. Notfalls geht man wohl mit Ruhe sogar in die zweite Liga…

Apropos 2. Bundesliga, dort tat sich auch Erstaunliches. Die Kölner warten nicht nur auf den Karneval, sondern feiern als Tabellenführer auch fröhliche Weihnachten. Fast ebenso in Karlsruhe, das überraschend auf dem zweiten Aufstiegsplatz steht. Dort möchte der HSV hin, bei den Hamburgern ging es auf und ab, als Dritter sind sie punktgleich mit Elversberg, Magdeburg und Paderborn. Ein 5:0-Sieg gegen Fürth war der Befreiungsschlag für Interimstrainer Merlin Polzin, der jetzt bis zum Sommer bleiben darf. Der einstige HSV-Fan soll den Klub zurück in die Bundesliga führen.

Bis zum 2. Januar gibt es für die Spieler eine Weihnachtspause, dann beginnen die meisten Vereine wieder mit dem Training. Die Bundesliga beginnt wieder am 10. Januar, sie muss ja die Hinrunde noch zu Ende spielen, die zweite Liga startet mit der Rückrunde am 17. Januar.

Spaß im Schnee

Erstaunliche Erfolge feiern die deutschen Frauen und Männer im Wintersport. Die Biathletinnen und die Skispringer haben buchstäblich Spaß im Schnee. Vor allem die fast schon chronisch kranke Franziska Preuß trotzt in diesem Winter den Unbillen und trumpft im Biathlon auf. Fünf Jahre nach ihrem ersten Weltcupsieg ließ sie gleich zwei weitere folgen, sie stand sechsmal auf dem Podium und war nie schlechter als Fünfte. Die Führung im Gesamtweltcup ist die logische Folge. Im Massenstart am Sonntag in Frankreich wurde sie aber überraschend von einer jungen Mannschaftskollegin geschlagen, die 20-jährige Selina Grotian, die am Vortag noch einen Ski verloren hatte, holte sich ihren ersten Weltcupsieg.

Erstaunliches auch im Skispringen, da wurde der 34-jährige Pius Paschke, der bisher nur selten in Erscheinung trat, zum Seriensieger. Zwar klappte es bei der Generalprobe in Engelberg in der Schweiz nicht so gut, doch jetzt kommt er im Gelben Trikot zur Vierschanzentournee nach Oberstdorf. Allerdings muss er sich dessen bewusst sein, dass ein Deutscher im Gelben Trikot da noch nie gewonnen wird. Gesprungen wird am Samstag in Oberstdorf, an Neujahr in Garmisch-Partenkirchen, am 4 Januar in Innsbruck und zum Abschluss am 6. Januar in Bischofshofen. Auch Andreas Wellinger und Karl Geiger werden gute Chancen eingeräumt. Kann einer den Erfolg von Sven Hannawald wiederholen, der 2001/02 triumphiert hat und als erster Springer überhaupt alle vier Springen der Tournee gewinnen konnte? Da dürften aber vor allem die Österreicher etwas dagegen haben, die mit Daniel Tschofenig, Jan Hörl und Stefan Kraft das Siegerpodium in Engelberg komplett in ihrer Hand hatten.

Eine Vierschanzentournee für die Frauen gibt es immer noch nicht. Das wird vor allem Katharina Schmid aus Oberstdorf ärgern, die ebenfalls eine ausgezeichnet Saison springt und im Weltcup führt. Spaß im Schnee hat sie also und so kann sie frohe Weihnachten feiern.

Der Profi-Fußball ist nur noch ein Spielball

Die Infantino-Show beim Online-Kongress der FIFA zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2030 und 2034 war eigentlich ein Trauerspiel und machte deutlich, dass der Profi-Fußball in vielerlei Hinsicht selbst zum Spielball geworden ist. Doch dieser Online-Kongress war der Höhepunkt für den FIFA-Präsidenten, der ohne Skrupel sich selbst zu Schau stellte und der Welt deutlich machte, dass er die Verbände in der Hand hat. Die Ränkespiele hatten Erfolg, Infantino knüpfte schon das Abstimmungsnetz in dem es gleichzeitig um die Turniere 2030 und 2034 ging und so wurde jede Kritik an dem Austragungsland Saudi-Arabien im Keim erstickt. Per Internet hieß es zweimal Klatschen für die WM-Vergabe, Kritik war nicht erwünscht. Dabei ist es auch interessant zu wissen, dass alle Mitglieder des FIFA-Rates in ihrer vierjährigen Amtszeit eine Million Dollar einsacken, auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Da haben sie sich wohl selbst beklatscht.

WM-Turniere werden nicht mehr in Abwägung von mehreren Interessenten vergeben, sondern nach dem Gutdünken des Herrn Gianni Infantino. Unsinnig ist es auch, die WM 2030 gleich auf drei Kontinenten zu spielen. In Erinnerung an die erste WM, die vor 100 in Uruguay stattfand, erhält das Land das erste Spiel, je eins wird 2030 auch Paraguay und Argentinien ausgetragen, danach geht es nach Spanien, Portugal und Marokko. Der Schachzug von Infantino: Weil die FIFA die Turniere wechselweise vergeben will, blieb nur Asien/Ozeanien als nächster WM-Kontinent übrig und Saudi-Arabien war schon im Spiel. Um pro forma eine andere Bewerbung zu ermöglichen, wurde eine vierwöchige Bewerbungsfrist eingeräumt. Eine Farce, das sah auch Interessent Australien so. Also Saudi-Arabien 2034, ohne Rücksicht auf Menschenrechte, ohne Rücksicht auf westliche Kritik an diesem Land, ohne Rücksicht darauf, dass wie in Katar 2022 nicht im Sommer gespielt werden kann. Bei beiden Turnieren 2030 und 2034 zählen auch die Belange der Fans keine Rolle oder der Klimaschutz. Die FIFA macht, was sie will und was sie am besten kann: Kassieren. Saudi-Arabien ist ein williger Zahler, Infantino ein williger Lakai.

Aber auch die hartgesottenen Fans machen den Profi-Fußball mehr oder weniger zu ihrem Spielball, zu ihrem Vergnügen, und die Vereine lassen sich das gefallen. Das wurde an dieser Stelle schon mehrfach angeprangert und wurde an diesem Bundesliga-Wochenende wieder deutlich. Am Millerntor auf St. Pauli feierten die Fans aus Hamburg und Bremen eine Pyroorgie, die sowohl die restlichen Zuschauer als auch die Spieler im Qualm versinken ließ. Logisch, dass das Spiel unterbrochen werden musste, die Teams wurden sogar in die Kabinen geschickt. Die Ultras hatten ihr Vergnügen, der Rest seinen Ärger. Noch schlimmer bei Union Berlin, als Bochums Torhüter von einem Feuerzeug getroffen wurde und zu Boden ging. Patrick Drewes war benommen und landete im Krankenhaus. Nur noch drei Minuten waren beim Stand von 1:1 zu spielen, nach einer etwa halbstündigen Unterbrechung einigten sich beide Teams auf eine Fortsetzung und vereinbarten einen Nichtangriffspakt. Schiedsrichter Petersen hat wohl alles richtig gemacht, dennoch gibt es ein gerichtliches Nachspiel, Bochum legt Protest ein und hofft auf die Punkte. Der Täter wurde immerhin gefasst, die Idioten sterben aber nicht aus, die den Sport zur Spielwiese für ihre Gewaltbereitschaft machen. Vereine und Verbände müssen endlich reagieren und dem Treiben Einhalt gebieten.

Leverkusen in Form, Bayern in Not

Damit zum Sport. Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat wohl zu früh getönt, dass den Bayern die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen sei. Einige glanzvolle Auftritte haben ihm wohl den Sinn vernebelt, denn plötzlich befindet sich Bayern in Not und Titelverteidiger Bayer Leverkusen wieder in Form. Nach neun Punkten Rückstand sind es jetzt nur noch vier und ein Blick auf die Statistik lässt an den Bayern zweifeln: Immerhin sieben von 23 Pflichtspielen in dieser Saison haben die Bayern nicht gewonnen, mit dem 1:2 in Mainz nun ihre erste Bundesliga-Niederlage erlitten und nach 14 Spieltagen haben sie sogar zwei Punkte weniger als vor einem Jahr! Wird man so Meister? In Mainz ist für die Münchner kaum etwas zu holen, von fünf Gastspielen gewannen sie in den letzten Jahren nur eins. Da wird es kein Trost sein, dass sie einen Rekord von RB Leipzig eingestellt haben, nämlich in einem Jahr 47 Tore auf gegnerischen Plätzen. Ausgerechnet Leipzig ist am Freitag letzter Gegner in diesem Jahr, in München wohlgemerkt. Ein Spitzenspiell.

Konkurrent Leverkusen hat mit dem 2:0 in Augsburg einen imposanteren Rekord aufgestellt, Bayer hat 2024 keine Auswärtsniederlage hinnehmen müssen! Die Meisterform ist offensichtlich wieder da, Bayer wirkt abgeklärt und hat wohl den ausgeglichensten Kader der Liga. Auftrieb sollte es auch geben, dass Jungstar Florian Wirtz seinen Vertrag vorzeitig bis 2027 verlängert hat. Der Weg zur Meisterschaft ist für die Bayern also noch lang, Weihnachtsmeister sind sie, aber nur ein Sieg über Leipzig bringt auch Weihnachtsruhe. Dann haben die Spieler bis 1. Januar frei, aber am 10. Januar geht es schon wieder weiter. München muss in der Hinrunde noch nach Gladbach und erwartet Hoffenheim, Leverkusen spielt am Samstag gegen Freiburg, muss am 10. Januar nach Dortmund und hat Mainz zu Gast.

Hinter dem Spitzenduo gibt es keinen konstant guten Mitbewerber. Leipzig schoss sich gegen Frankfurt aus der Krise, eliminierte die Eintracht im Pokal und machte nun mit einem 2:1-Sieg Leverkusen den Weg auf Platz zwei frei. Dahinter Freiburg, Stuttgart und überraschend Mainz, das mit vier Siegen in den letzten fünf Spielen zum Europakandidaten wurde. Punktgleich (22) sind auch Bremen – und Dortmund. Die Borussia schwächelt erheblich, kann jetzt nicht einmal mehr zu Hause gewinnen (1:1 gegen Hoffenheim) und droht den angestammten Platz für die Champions League zu verlieren. Da wird Trainer Nuri Sahin keine ruhigen Weihnachten erleben. Ruhige Weihnachten gibt es für die Teams am Tabellenende sowieso nicht, Schlusslicht Bochum macht sich noch einmal Hoffnung auf den ersten Saisonsieg, denn am Sonntag kommt Heidenheim, das die letzten sieben Pflichtspielen alle verloren hat. Trainer Frank Schmidt muss sich allerdings keine Sorgen machen.

Die Bilanz in der Champions League schaut für die Bundesligisten auch nicht so gut aus, nur Bayer Leverkusen (4.) muss im Moment nicht in die Play-Offs, RB Leipzig (34., noch ohne Punktegewinn) ist bereits ausgeschieden. Stuttgart (26.) hofft für die letzten zwei Spiele im Januar noch auf den Sprung in die Play-Offs (Rang 24 notwendig), Dortmund (9.) und die Bayern (10.) könnten es noch unter die ersten Acht schaffen. Drei Bundesligisten vorne dabei, das wäre wiederum ein großer Erfolg. Frankfurt (5.) kann dies in der Europa League schaffen, Hoffenheim (26.) droht eher das Ausscheiden. Heidenheim (15.) liegt in der Conference League im Mittelfeld, nach Siegen zu Beginn ist jetzt der Wurm drin, aber noch alles möglich, wenn sie wieder das Siegen lernen.

Aktueller war jetzt der DFB-Pokal, da wurde das Viertelfinale ausgelost. Titelverteidiger Leverkusen trifft im Rhein-Derby auf Köln, Drittligist Bielefeld hat Bremen zu Gast und träumt vom Halbfinale, außerdem spielen am 4./5. bzw. 25./26. Februar Stuttgart – Augsburg und Leipzig – Wolfsburg.

Gruppenfinale in der CL der Frauen

Die Frauen-Bundesliga hat ihre letzten Spiele vor der Weihnachtspause absolviert, Frankfurt (3:0 in Jena) hat dabei Platz eins gegen die punktgleichen Bayern (2:0 gegen Potsdam) verteidigt, Wolfsburg (3:1 in Bremen) liegt einen Zähler zurück. Für München und Wolfsburg gibt es aber noch eine Zusatzaufgabe, die letzten Gruppenspiele in der Champions League stehen an. Beide Teams sind bereits für das Viertelfinale qualifiziert, wobei die Bayern-Mädchen am Mittwoch bei Arsenal London Platz 1 in der Gruppe C verteidigen wollen, ein Remis ist notwendig. Wolfsburg hat am Dienstag bei Tabellenführer Lyon ein Spiel ohne Bedeutung, kann nicht mehr Erster werden und hat Platz zwei nach dem Sieg gegen AS Rom sicher. Im Viertelfinale wird den vier Erstplatzierten (Stand Lyon, Chelsea London, Bayern, Manchester City) ein Zweiter zugelost (Wolfsburg, Real Madrid, Arsenal London, FC Barcelona). Der Blick auf die Vereine zeigt, einen starken Gegner gibt es immer.

In der Frauen-Bundesliga geht es mit dem 13. Spieltag am 31. Januar weiter, vom 11. – 13. Februar wird das Viertelfinale im DFB-Pokal ausgetragen, dabei darf sich Titelverteidiger Wolfsburg freuen, dass die größten Konkurrenten Bayern und Frankfurt aufeinander treffen. Wolfsburg muss nach Hoffenheim, Leverkusen spielt gegen Bremen und interessant das Duell zweier Zweitligisten mit prominenten Namen, HSV gegen Gladbach.

Die Zukunft der Formel 1: Das Gesicht ändert sich

Die Saison 2024 ist schon wieder Vergangenheit, in der Formel 1 haben alle bereits die Zukunft ins Visier genommen. Dabei wird 2025 nur ein Übergangsjahr werden und dennoch bei einigen Rennställen neue Gesichter bringen. Doch so richtig ändert sich die Formel 1 ab 2026. Neue Regularien, neue Autos und neue Firmen sorgen heute schon für eine große Erwartungshaltung. Für den einen oder anderen wird 2025 aber die Richtung für 2026 vorgeben. Spannend dürfte also auch das nächste Jahr werden.

Die Saison 2024 muss man zweigeteilt sehen. Im ersten Halbjahr dominierte Red Bull mit Weltmeister Max Verstappen. Das zweite Halbjahr gehörte allerdings McLaren, der Rennstall, der 2023 noch hinterherfuhr, führte plötzlich das Feld an und gewann am Ende sogar die Konstrukteurswertung, die bei den Firmen große Bedeutung, was die Fans oft unterschätzen. Verständlich, dass bei den Engländern groß gefeiert wurde, der Traditionsrennstall mit dem großem Namen gewann zuletzt vor 26 Jahren diesen Titel!

Red Bull schwächelte und Max Verstappen wurde nervös. Schon immer galt er als Fahrer, der keine Rücksicht nahm und nur seinen Erfolg suchte, aber diese Rücksichtslosigkeit steigerte sich, als er um seinen Titelgewinn, der bei Halbzeit fast schon in trockenen Tüchern war, noch zittern musste. Die Nervosität äußerte sich in Beleidigungen, noch im letzten Rennen nannte er die Jurymitglieder, die es wagten, ihm eine Zeitstrafe zu verpassen, „Idioten“. Das ist einem viermaligen Weltmeister nicht würdig.

Verstappen gewann wegen seiner Klasse, aber auch wegen der Nervenschwäche seines Konkurrenten Lando Norris, der oft die Pole Position holte, dann aber seinen Vorteil verspielte. Der Engländer muss selbstbewusster und härter werden, um Weltmeister werden zu können. Verbal greift er nach dem Sieg im letzten Rennen schon an: „Das nächste Jahr wird meins.“ Das nächste Jahr wird aber auch für Ferrari interessant, denn mit Lewis Hamilton fährt der siebenmalige Weltmeister künftig in Rot. Eine Erfolgsserie legte Hamilton in 246 Rennen für Silber hin, 84 Siege, 78 Pole Positionen, 153 Podestplätze, 8 Konstrukteurstitel und 6 Fahrer-Weltmeisterschaften. Hamilton tat auf einfache Art und Weise kund, was er fühlte. Auf seinem Helm prangte im letzten Rennen für Mercedes der Schriftzug „Danke“. Die Silbernen werden ihn vermissen, obwohl er in diesem Jahr hinter George Russell nur noch die zweite Geige spielte. Mercedes kann sich übrigens ein bisschen als Weltmeister fühlen, lieferte es McLaren doch die Motoren. McLaren siegte mit 666 Punkten vor Ferrari (652), Red Bull (589) und Mercedes (468).

Lewis Hamilton sorgt für den spektakulärsten Fahrerwechsel, andere sind bekannt oder werden folgen. Bei Red Bull gibt es wohl keine Zukunft für den Mexikaner Perez, den Mann hinter Verstappen. Eine neue Heimat findet der einzige deutsche Fahrer Nico Hülkenberg, er wechselt von Haas zu Sauber, doch eine bessere Zukunft beim bisher schwächsten Team kündigt sich erst für 2026 an, wenn Audi groß einsteigt. 2025 wird also ein Vorbereitungsjahr. Vielleicht wird dann auch das Interesse für die Formel 1 in Deutschland wieder größer, die übertragenden Fernsehanstalten Sky und RTL, das vom Pay-TV-Sender für einige Rennen Rechte für das Free-TV erwarb, klagten über einen Rückgang der Zuschauerzahlen.

Diese Tendenz passte nicht zum sonstigen Interesse für die Formel 1, das weltweit eher steigt. Vor allem der amerikanische Markt wird intensiv beworben und zeigt sich immer mehr interessiert. Das wird 2026 noch besser, wenn Cadillac als elfter Rennstall einsteigt. Auch für die Ölstaaten ist die Formel 1 interessant, Audi schloss eine strategische Partnerschaft mit dem Staatsfonds von Katar, Bahrain ist der Geldgeber für McLaren und Saudi-Arabien will bei Aston Martin einsteigen. Das Gesicht der Formel 1 ändert sich, da sollte es eigentlich möglich sein, dass es auch in Deutschland wieder ein Formel-1-Rennen gibt. Mehr Atmosphäre als in der Wüste ist garantiert.

Die Fußall-Bundesliga im Milliarden-Rausch

Wie oft hören wir die Klagen, dass es im Profi-Fußball nur um das Geld gehe und nicht um den Sport. Diese negativen Stimmen könnten sich in den letzten Tagen bestätigt fühlen, denn die Fußball-Bundesliga befand sich sprichwörtlich im Milliarden-Rausch. Stolz präsentierte die DFL die Zahlen vom neuen Fernsehvertrag, der nicht wie erwartet einen Rückgang brachte, wie ihn andere Top-Ligen in Europa hinnehmen mussten, sondern sogar eine leichte Steigerung: 4,484 Milliarden Euro für vier Jahre von 2025/26 bis 2028/29, immerhin 84 Millionen Euro mehr pro Jahr. Am Sonntag zog Bayern München bei der Jahreshauptversammlung mit einer Milliarden-Meldung nach: Erstmals übertraf ein Bundesligist beim Jahresumsatz die Milliarden-Marke!

Trotz aller Erfolgsmeldungen gibt es nicht nur Sonnenschein. In der DFL steht nämlich ein Streit um die Verteilung der Milliarden bevor. Die Kritiker dürfen sich bestätigt sehen, denn einerseits wollen die sportlich erfolgreichen Vereine den größten Batzen abbekommen, andererseits bringen sich die Traditionsklubs ins Millionenspiel und verweisen darauf, dass sie mit ihrem großen Namen für beste Werbung sorgen würden. Dumm nur, dass Schalke, der HSV oder Nürnberg nur zweitklassig sind. Auch das Fanaufkommen soll berücksichtigt werden. Gladbachs Sportchef Roland Virkus bringt es auf den Punkt: „Natürlich muss das alles bewertet werden, aber in einem vernünftigen Verhältnis. Misswirtschaft darf nicht belohnt werden, sondern die Leistung.“ Bisher werden 50 Prozent der TV-Einnahmen an alle zu gleichen Teilen ausgeschüttet, 43 Prozent nach sportlicher Leistung, vier Prozent für den Nachwuchs und drei in Sachen Interesse. Eine Kommission soll nun alle Wünsche unter einen Hut bringen, aber beim Geld geht der Streit los.

Bei den Bayern wurde bei der Hauptversammlung nicht gestritten, sondern gejubelt. Vergessen waren die titellose Saison oder das Aus im Pokal gegen Leverkusen nicht, sondern dies wurde abgehakt und der finanzielle Erfolg gefeiert. Die magische Grenze von einer Milliarde Euro Umsatz wurde geknackt, der Klub-Umsatz (mit allen Abteilungen) stieg von 882 Millionen im Vorjahr auf 1,017 Milliarden – unerreicht in der Bundesliga. Als Überschuss blieben 43,1 Millionen, das Eigenkapital stieg auf 571 Millionen Euro. Erfolgszahlen. Doch Geld ist nicht alles, gefeiert wurde besonders der verstorbene Franz Beckenbauer, dessen Trikotnummer 5 nie mehr vergeben wird. Ab dem neuen Jahr hat die Allianz Arena passend die Anschrift „Franz-Beckenbauer-Platz 5“. Aber auch sportlich soll es künftig wieder Erfolgsmeldungen geben. Vorstandschef Jan-Christian Dreesen kündigte eine neue Titelsammlung an, „nach der Serie ist vor der Serie“ und auch den Sieg in der Champions League mit dem Finale in der eigenen Arena im Visier: „Wir sprechen nicht vom Finale dahoam, sondern vom Titel dahoam“. Für Ruhe im Verein sollen auch Vertragsverlängerungen sorgen, Dreesen zeigte sich zuversichtlich, dass Musiala, Kimmich und Davies noch länger das Bayern-Trikot tragen. Nach den guten Zahlen werden die Profis betonen, „ihr könnt Du gut zahlen“. Da schmälert der Gewinn die gute Ausgangsposition für den Verein.

Auch sportlich hatten die Bayern ein glückliches Wochenende nach dem Schock im Pokal und der ersten Roten Karten von Manuel Neuer in seiner Karriere. Beim 4:2 über Heidenheim gab es zwar nicht nur den Glanz von zwei Musiala-Toren, sondern auch bittere Verletzungen von Coman und Davies, die wohl in diesem Jahr nicht mehr spielen werden. Da Frankfurt gegen Augsburg beim 2:2 patzte, vergrößerte sich der Vorsprung auf sechs Punkte. Leverkusen, sieben Punkte zurück, wird der größte Konkurrent bleiben und hat seine Vorjahresform gefunden. Bei Borussia Dortmund bleibt dagegen die Auswärtsschwäche bestehen, mit dem 1:1 in Gladbach wieder kein Sieg, die schlechteste Auswärtsbilanz seit 33 Jahren ist perfekt.

Es wurde in der Bundesliga aber auch ein 33 Jahre alter Rekord eingestellt: Erstmals seit 1990/91 gab es wieder drei Joker-Torschützen mit je zwei Treffern. Nick Woltemade, Jamal Musiala und Jonas Wind schafften dieses besondere Joker-Erlebnis, vor 33 Jahren waren es Stefan Kohn für Bochum, Lothar Sippel für Frankfurt und Martin Driller für Dortmund. Seltsam zudem, dass gleich drei ehemalige und aktuelle Nationaltorhüter mit Fehlern m Blickpunkt standen, Manuel Neuer, Alexander Nübel, und Kevin Trapp patzten alle mehr oder weniger folgenschwer.

Im Blickpunkt stand zudem ein Ex-Dortmunder: Was Marco Reus mit den Borussen in Gladbach und Dortmund in 15 Jahren nicht schaffte, holte er jetzt in den USA nach. Mit den Los Angeles Galaxy gewann er mit einem 2:1 gegen New York Red Bull die MLS-Meisterschaft und erfüllte sich damit den lang ersehnten Titeltraum. Trotz Verletzung spielte er einige Finalminuten. Galaxy ist mit sechs Titeln Rekordmeister, hat also Reus einiges voraus.

Der Schlusss-Spurt steht an

In der Bundesliga stehen noch zwei Spieltage an, wer international beschäftigt ist, hat noch drei bzw. Heidenheim mit der Conference League noch vier Spiele vor sich. Dabei stöhnen schon alle Spitzenklubs über die Belastung. „Reisen, spielen, regenerieren, zu mehr kommen wir nicht“, klagte Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß. Training kommt nicht vor, dafür zahllose Ausfälle von den Bayern (das Personal wird knapp) über Leverkusen (ohne Torjäger) bis zum VfB. Dabei stehen vor allem in Europa noch wichtige Spiele an, es geht schließlich ums Weiterkommen. Die letzten Spieltage werden allerdings erst im Januar absolviert.

Vor allem Leipzig kämpft ums Weiterkommen in der Champions League, wo es bisher nur fünf Niederlagen gab. Es ist also „fünf vor zwölf“, gegen Aston Villa (Dienstag), Sporting Lissabon und in Graz helfen nur Siege, was aber selbst für die wiederbelebten Rose-Schützlinge schwer werden wird. Besser steht Stuttgart da, hat gegen die Young Boys Bern wohl auch eine leichtere Aufgabe. Die Bayern haben ihr Auswärtsspiel gegen Donezk in Gelsenkirchen und wollen den Sprung in die Zone der besten Teams schaffen. Ihren Platz unter den ersten Acht müssen Dortmund gegen Barcelona (derzeit mit Hansi Flick etwas in der Krise) und Leverkusen gegen Inter Mailand verteidigen. In der Europa League hat Frankfurt in Lyon die schwere Aufgabe als Hoffenheim gegen Bukarest. Eine Sonderaufgabe gibt es für Heidenheim, das am Donnerstag bei Basaksehir Istanbul antritt und am 19. Dezember auf St. Gallen trifft. Jede Liga bekam von der UEFA einen eigenen Spieltag, die Conference League muss dafür eine Woche vor Weihnachten ran. Ein besonderes Geschenk!

Neues Bild bei den Frauen

Die Frauen-Nationalmannschaft beendete ihre Saison mit einer vermeidbaren 1:2-Niederlage gegen Italien, zwei dumme Fehler waren dafür verantwortlich. Insgesamt zog Bundestrainer Christian Wück aber ein positives Fazit, viele junge Talente hat er bereits herangeführt. Das Jahr 2024 war insgesamt erfolgreich mit Bronze bei Olympia in Paris und der Qualifikation für die Europameisterschaft 2025 in der Schweiz. Die Siegquote in den 18 Spielen lag bei 0,61 Prozent und damit höher (0,5) als vor einem Jahr. In allen 18 Spielen war Klara Bühl dabei, die mit 16 Skorerpunkten auch erfolgreichste Spielerin war. Nach den Rücktritten einiger verdienter Spielerinnen ergab sich beim Team fast ein neues Bild, Wück ist vor der Zukunft nicht bange.

Auch die Bundesliga bietet bei Halbzeit ein neues Bild, denn in diesem Jahr gibt es keinen Alleingang, ganz im Gegenteil die über Jahre dominierenden VfL Wolfsburg und Bayern München werden von Eintracht Frankfurt und überraschend Bayer Leverkusen herausgefordert. Wolfsburg erlebte die neue Stärke der Konkurrenz mit einer 0:1-Niederlage in Leverkusen und verlor die Tabellenführung vorerst an München (2:0 in Essen). Halbzeitmeister könnte noch Frankfurt werden, das mit einem Sieg gegen Leipzig zu den Bayern aufschließen kann und die bessere Tordifferenz hat.

Die Bayern-Mädchen und die Wölfinnen sind in dieser Woche auch in der Champions League gefordert. Die Bayern (Donnerstag gegen Juventus Turin) haben den Einzug ins Achtelfinale sicher, Wolfsburg muss am Mittwoch gegen AS Rom unbedingt gewinnen, um den Sprung zu schaffen. Es ist nach der Niederlage in Rom quasi ein Endspiel. Die letzten Spiele werden in einer Woche ausgetragen.

Der Machtkampf im Fußball als Pokal-Knaller

Immer wieder gibt es Stimmen, die bezweifeln, ob der DFB-Pokal noch seine Berechtigung hat. Die Antworten darauf geben die ersten Runden mit der Begeisterung bei den Amateuren bzw. den sogenannten kleinen Vereinen, aber auch das Achtelfinale in dieser Woche – der Pokal reißt die Fußballfans von den Sitzen, denn der Machtkampf im Fußball ist der Knaller schlechthin! Besser geht es nicht, wenn sich der Rekordpokalsieger Bayern München und der Titelverteidiger Bayer Leverkusen gegenüberstehen und gleichzeitig in der Bundesliga darum kämpfen, wer die Nummer 1 in Deutschland ist.

Die Brisanz für diesen Knaller hat in den letzten Tagen noch zugenommen, weil sich das in der letzten Saison ungeschlagene Leverkusen nach Startschwierigkeiten im neuen Spieljahr inzwischen erholt hat und das Formbarometer nach drei Siegen in Serie nach oben zeigt. Trainer Xabi Alonso hat mit seinen Mannen die Wende geschafft und selbstbewusst heißt es: „Wir sind bereit.“ Bayer vertraut auch auf die Statistik: Die letzten vier Spiele gegen die Münchner hat Leverkusen nicht verloren (2 Siege, 2 Unentschieden), Alonso ist im Pokal in acht Spielen noch ungeschlagen!

Selbstbewusst sind die Bayern ohnehin, das „mia san mia“ ist wieder aktuell, so dass man zwischen den Schlagerspielen gegen Paris (1:0), Dortmund (1:1) und Leverkusen am Sonntag noch Zeit für eine Weihnachtsfeier für Spieler und alle Mitarbeiter im Verein hatte. „Es war eine schöne Sache,“ schwärmt Trainer Vincent Kompany, legt aber den Schalter sofort wieder um: „Jetzt müssen wir uns ganz auf Leverkusen konzentrieren.“ Dabei muss der Trainer ein großes Problem lösen: Wer ersetzt Torjäger Harry Kane, der mit seiner Art als mannschaftsdienlicher Spieler so etwas wie das Herz der Mannschaft ist. Kane fiel in Dortmund frühzeitig mit einem kleinen Muskelfaserriss aus, die Ausfallzeit soll nicht zu lange dauern, aber für Dienstag gibt es keine Chance. Als Optionen nennt Kompany nicht nur Thomas Müller, sondern auch Tel, Olise, Sané oder Gnabry, dessen Einsatz aber noch ungewiss ist. Leverkusen ist da besser dran, hat mit Boniface und Schick gleich zwei Torjäger, fällt der eine aus, trifft der andere, Schick zuletzt in vier Spielen sechsmal! Die Bayern stützen sich aber ebenfalls auf eine Statistik, sind sie doch noch nie im Achtelfinale ausgeschieden und haben noch nie gegen einen Titelverteidiger verloren. Zuletzt schlugen sie Dortmund vor sieben Jahren mit 2:1. Vielleicht hilft auch wieder Jamal Musiala als Torjäger, er stellte nämlich mit sechs Toren in Folge in den letzten sechs Auswärtsspielen einen neuen Rekord auf! Es könnte aber auch auf eine Verlängerung oder sogar Elfmeterschießen hinauslaufen, das hieße die Spannung auf die Spitze treiben.

Bayern gegen Bayer ist nicht der einzige Schlager, das Duell Leipzig gegen Frankfurt präsentiert sich ebenfalls als Top-Duell, hat allerdings durch die Formdelle von Gastgeber RB etwas an Reiz verloren, dafür zeigte sich die Eintracht in Bestform und gilt als Favorit. Mit Wolfsburg – Hoffenheim gibt es ein weiteres Bundesliga-Duell. Arminia Bielefeld vertritt die 3. Liga gegen den SC Freiburg.

Die Spiele im DFB-Pokal: Dienstag: Regensburg – Stuttgart, Bielefeld – Freiburg (beide 18.00 Uhr), München – Leverkusen, Bremen – Darmstadt (beide 20.45 Uhr). Mittwoch: Wolfsburg – Hoffenheim, Köln – Hertha BSC (beide 18.00 Uhr), Leipzig – Frankfurt, Karlsruhe – Augsburg (beide 20.45 Uhr). Das Viertelfinale wird am 4./5. und 25./26. Februar 2025 ausgetragen.

Dortmund: Welche Krise?

Die unruhigen Zeiten in Dortmund sind wieder vorbei, zumindest sportlich gesehen. Unruhig war es nur auf der Hauptversammlung, weil viele Mitglieder die Rüstungsfirma Rheinmetall als Werbepartner nicht akzeptieren. An Akzeptanz gewonnen hat dagegen wieder Trainer Murat Sahin, drei Spiele ungeschlagen in der Bundesliga, 3:0-Sieg in Zagreb in der Champions League und am Ende der Woche noch ein 1:1 gegen Bayern, es geht aufwärts. „Welche Krise“, heißt es jetzt. Schlüsselfigur war Flügelflitzer Jamie Gittens, der in Zagreb nicht zu halten war und auch den Bayern davon lief. Er ist der neue Hoffnungsträger. Einen Hoffnungsträger sucht RB Leipzig, bisher vergeblich, das Verletzungspech ist groß und Trainer Marco Rose ratlos, aber noch hält der Verein zum Coach, doch alles wartet auf die Wende und Ende der Krise. So wird am Samstag das Gastspiel bei Neuling Kiel zum Schlüsselspiel.

Zweiter in der Bundesliga, noch vor Leverkusen, Leipzig und Dortmund ist aber Frankfurt. Auf vier Punkte verkürzte sich der Abstand zu den Bayern, mehr als ein Hoffnungsträger ist dabei Omar Marmoush, der trifft wie er will und die Eintracht quasi von Sieg zu Sieg trägt. Auch die Heidenheimer konnten über den Ägypter nur staunen. Das Team von der Ostalb hat da ganz andere Probleme, zwar wurde ein Fest beim CL-Gastspiel des Weltvereins Chelsea London gefeiert (trotz 0:2-Niederlage) aber eigentlich herrscht Katerstimmung, sieben Spiele in Folge hat man jetzt in der Bundesliga nicht gewonnen, am 2. Spieltag war man noch Tabellenführer, jetzt der Sturz auf den Relegationsrang 16. Die Aufgaben werden nicht leichter, Bayern und Stuttgart sind die nächsten Gegner, bevor es zum bisher noch sieglosen Schlusslicht Bochum geht. Dort konnte der neue Trainer Dieter Hecking noch nicht viel bewirken.

Sky verliert Bundesliga-Konferenz

Die neue TV-Rechtevergabe der Bundesliga geht seltsame Wege. Nach einer Beschwerde von DAZN und der Neuauflage der Vergabe, darf sich der Streamingdienst als Sieger fühlen. Er hat sich die Rechte für die beliebte Samstagskonferenz unter den Nagel gerissen. Was aber eigentlich unlogisch ist, denn Sky überträgt weiterhin alle Spiele am Samstag und da gehört doch eigentlich die Konferenz dazu. Die DFL hat sie aber extra ausgeschrieben. Sky ist dafür ab 2025 freitags auf Sendung, bisher DAZN, das aber die Sonntagsspiele behält. Wie bisher bekannt, bleibt auch die 2. Liga, die immer interessanter wird, bei Sky, das Top-Spiel am Samstagabend wechselt von Sport1 zu RTL. Ob es dort im Pay-TV-Kanal verschwindet? Noch zu vergeben sind die Zusammenfassungen am Samstag und da könnte die ARD-Sportschau bald der Vergangenheit angehören, die DFL biete auch eine verkürzte Form für die Privatsender an. Hauptsache der Rubel rollt… Über Zahlen wurde bisher nichts bekannt.

Ein Fest der Talente

Der neue Bundestrainer Christian Wück wirbelt die Frauen-Nationalmannschaft ganz schön durcheinander. Die alten Pfründe zählen nicht mehr, zum Teil ist der Umbruch aber auch zwangsläufig durch Rücktritte bedingt. Wück sorgte jedenfalls für ein Fest der Talente, das mit einem 6:0-Sieg in Zürich gegen die Schweiz gefeiert wurde. Im Mittelpunkt dabei die 20-jährige Cora Zicai, die am Freitag Geburtstag feierte, in der zweiten Halbzeit für Klara Bühl ins Spiel kam, ein Tor bei ihrem Debüt erzielte und zu einem weiteren die Vorlage gab. Ihr Debüt feierte auch die erst 18-jährige Alara Sehitler von den Bayern und im Tor stand Neuling Sophia Winkler. Die wird im nächsten Spiel gegen Italien schon wieder abgelöst, da darf die 20-jährige Ena Mahmutovic, die bei den Bayern die erkrankte Grohs gut vertritt, debütieren.

Wie jedes Fest, so wird auch das Fest der Talente wieder zu Ende gehen, Wück hat für die nächsten Aufgaben im neuen Jahr mit sechs Spielen in der Nations League bereits angekündigt, dass die Zeit der Experimente dann vorbei ist und er eine Stammbesetzung für die Europameisterschaft in der Schweiz finden will. Gelegenheiten, sich zu empfehlen hat der Bundestrainer geboten, das gilt vor allem auch für Laura Freigang aus Frankfurt, die hinter der Spitze eine größere Rolle spielen will und gegen die Schweiz mit zwei Tore überzeugen konnte.

Brisante und wichtige Weichenstellungen im Fußball

Der 25. November könnte ein Datum werden, an das man sich lange erinnern wird. Es beginnt die Auktion der nationalen Medienrechte für die Bundesliga und zweite Liga. Es ist ein Poker um Milliarden, die Medienrechte sind die wichtigste Einnahmequelle im Profi-Fußball. Es geht um die neuen Verträge für die Jahre 2025/26 bis 28/29. Doch nicht allein dabei geht es im brisante Weichenstellungen, sondern es gibt auch sportlich wichtige. Das gilt für die Punktrunde genauso wie für die internationalen Aufgaben der Bundesligisten, die stehen nämlich teilweise mit dem Rücken zur Wand, jetzt müssen Siege her. Auch da geht es um viel Geld durch Prämien.

Ein Drama spielte sich rund um die Vergabe der Medienrechte ab, die schon längst unter Dach und Fach sein sollten. Doch gegen die erste Entscheidung der DFL ging der Streamingdienst DAZN gerichtlich vor, da er sich gegenüber dem Pay-TV-Sender Sky benachteiligt fühlte, obwohl sein Angebot wesentlich höher war. Aber die DFL verlangte zusätzliche Sicherheiten. Jetzt geht es wieder von vorne los, sieben verschiedene Pakete werden angeboten, das größte Paket beinhaltet die Spiele am Samstag um 15.30 Uhr sowie am Freitag und die Relegation. Die Angebote sorgen dafür, dass die Übertragungen bei entsprechenden Interessenten zerpflückt werden könnten. Aber es ist auch möglich, dass ein Sender alle Pakete kauft, doch wird von einem Sender so viel Geld für den Fußball ausgegeben? Der letzte Abschluss über drei Jahre war insgesamt 1,1 Milliarden Euro schwer, mindestens eine Milliarde soll es wieder sein, doch die Vereine müssen sich wahrscheinlich auf eine Reduzierung einstellen. Möglich ist auch, dass im Rahmen der neuen Rechtevergabe mit der ARD-Sportschau eine Institution des Fernsehens und Fußballs wegfällt.

Damit die Medienrechte interessant sind, muss erst einmal guter Sport geboten werden. Auch da gibt es Weichenstellungen, vor allem international müssen Erfolge her, damit die Reputation der Bundesliga nicht leidet. Die deutschen Klubs hinken in Champions League, Europa League und Conference League größtenteils hinterher. Selbst Bayern München (17.) muss kämpfen, um direkt ins Achtelfinale einzuziehen. Dazu muss am Dienstag ein Sieg gegen Paris St. Germain her, das auf Rang 25 sogar außerhalb der Qualifikation platziert ist, also noch mehr unter Druck steht. Die letzte CL-Niederlage in der Allianz Arena erlitten die Bayern übrigens gegen Paris…

Besonders unter Druck steht aber RB Leipzig (32.), das auch in der Bundesliga in eine Misserfolgsserie reingerutscht ist. Die Aufgabe bei Inter Mailand lässt nicht gerade auf eine Wende hoffen. Da sollte schon eher der VfB Stuttgart (27.) trotz Verletzungssorgen bei Roter Stern Belgrad (35. und Vorletzter) Boden gutmachen können, ebenso Bayer Leverkusen (13.) gegen das schwächelnde RB Salzburg (30.). Borussia Dortmund (7.) ist bei Dinamo Zagreb (18.) ebenfalls Favorit, international gibt es ja keine Auswärtsschwäche. In der Europa League müssen Frankfurt (4.) und Hoffenheim (19.) am Donnerstag auswärts antreten, Midtiylland (13.) ist ebenso eine nicht zu unterschätzende Hürde wie Sporting Braga (26.) für die TSG. Der 1. FC Heidenheim (6.) will in der Conference League ein Fest feiern, zu Gast ist am Donnerstag mit Tabellenführer Chelsea London ein Weltklub, der überhaupt attraktivste Klub der drittklassigen Liga. Beide Teams sind noch ungeschlagen, beide Teams sind national nicht unbedingt glücklich. Aber für das kleine Städtchen Heidenheim in der schwäbischen Ostalb ist es das größte Fußballfest aller Zeiten.

Internationale Erfolge sollen die Bundesliga noch attraktiver machen, als sie sowieso schon ist. Die Punktrunde sorgt außer dem Alleingang von Bayern München an der Spitze für viel Aufsehen. Positiv vor allem Eintracht Frankfurt, das sich mit einem 1:0 gegen Werder Bremen zum ersten Bayern-Verfolger aufschwang. Es war ein besonderer Siegtreffer, erzielt vom Schützen, der Deutschland 2014 zum Weltmeister machte. Diesmal war es für Mario Götze in seinem 100. Spiel für die Eintracht ein toller Jubiläumstreffer. Welche besonderen Tore erzielt er noch…

Am kommenden Wochenende schauen die Fußballfans vor allem auf das ewige Duell Borussia Dortmund gegen Bayern München. In der Tabelle trennen die Klubs derzeit zwar vier Plätze und zehn Punkte, aber die Borussia ist zuversichtlich, weil sie zu Hause spielt und mit dem 4:0 gegen Freiburg Selbstvertrauen getankt hat. Der heimstärkste spielt gegen den auswärtsstärksten Klub. Die Bayern blieben bis dato ungeschlagen und kassierten in den letzten sechs Pflichtspielen nicht einmal ein Gegentor! Am Freitag hatte es den Anschein, als wollte Gegner Augsburg gar kein Tor erzielen und die 90 Minuten möglichst schadlos überstehen. Doch unglückliche Elfmeter machten diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Mit Harry Kane bedankte sich der derzeit sicherste Elfmeterschütze Europas, der zum 1:0 und 2:0 seinen 25. Elfmeter in Folge verwandelte und beim 3:0 ein artistisches Traumtor zu seinem vierten Hattrick in dieser Saison anfügte. 64 Tore hat er jetzt in 62 Pflichtspielen für die Bayern erzielt, für 50 Bundesliga-Treffer brauchte er nur 43 Spiele – neuer Rekord. Vorgänger Erling Haaland brauchte dazu 50 Spiele..

Eine spektakuläre Meldung aus der 2. Bundesliga: Der Hamburger SV trennte sich von seinem Trainer Stefan Baumgart. Dabei war das doch die große Liebe, der 52-jährige Baumgart ist HSV-Fan und galt als großer Hoffnungsträger. Jetzt ist der HSV um eine Hoffnung ärmer, Manager Stefan Kuntz musste handeln. Baumgart scheiterte an einer zu großen defensiven Ausrichtung. Das 2:2 gegen Schalke brachte das Fass zum Überlaufen. Nach einer 2:0-Führung zur Halbzeit war der HSV Dritter, Baumgart wechselte defensiv, am Ende hieß es 2:2 und der HSV ist nur Achter! So ist er auf dem Weg zum ewigen Zweitligisten und der Aufstieg bleibt ein Traum.

Ein starkes Länderspieljahr

Mit einem schmucklosen 1:1 gegen Ungarn beendete die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Länderspieljahr, das allerdings ein ganz starkes war. Bundestrainer Julian Nagelsmann setzte im bedeutungslosen letzten Spiel auf Erholung der Stars und gab der zweiten Garnitur eine Chance. Vor allem Alexander Nübel und Felix Nmecha haben diese Chance genutzt, Julian Brandt und Chris Führich sich eher aus dem Kader gespielt. Insgesamt gab es für die DFB-Elf in 15 Spielen nur eine Niederlage, die war aber mit dem 1:2 n. V. gegen Spanien im EM-Viertelfinale mit einem nicht gegebenen Handelfmeter besonders bitter. Da verblassten die zehn Siege, bei vier Unentschieden. Die besten Torschützen waren Kai Havertz und Florian Wirtz mit je sechs Treffern, Jamal Musial erzielte fünf. Havertz und Musiala führen mit je zehn Punkten die Skorerliste an. Die meisten Spielminuten sammelte Kapitän Joshua Kimmich mit 1282, Robert Andrich (1006) und Musiala (1001) kamen ebenfalls noch auf über 1000 Minuten. Die meisten Spieler, nämlich acht, stellte überraschend Borussia Dortmund ab, bei 32 Einsätzen. Die sieben Spieler von Bayern München kamen allerdings auf 56 Einsätze, die Leverkusener Andrich, Wirtz und Tah hatten 42 Einsätze.

Im nächsten Jahr stehen das Viertelfinale und das Final Four der Nations League im Mittelpunkt, dazu die WM-Qualifikation, für die sich Deutschland Lostopf 1 gesichert hat. Für das Viertelfinale der Nations League erhielten die Nagelsmänner den wohl stärksten möglich Gegner, nämlich Italien, das sich ähnlich wie Deutschland mit jungen Spielern ebenfalls im Aufwind befindet. Am 26. März wird in Italien gespielt, das Rückspiel ist am 31. März in Deutschland. Beide Nationen haben sich auch für die Austragung der Endrunde beworben. Der Sieger trifft im Halbfinale auf den Sieger der Partie Dänemark – Portugal, außerdem spielen Kroatien – Frankreich und Niederlande – Spanien.

Zweimal Viertelfinale der Bayern-Frauen

Die Mädchen von Bayern München haben eine glückliche Woche hinter sich, denn sie schafften sowohl in der Champions Leageu als auch im DFB-Pokal den Einzug ins Viertelfinale. Eigentlich war das 1:1 bei Valerenga eine Enttäuschung, aber durch den 1:0-Sieg von Arsenal London gegen AS Rom blieben die Bayern Tabellenführer der Gruppe C und sind eine Runde weiter. Im DFB-Pokal machte ihnen der SC Freiburg das Leben schwer, die Bayern siegten aber 2:1, wobei beim ersten Treffer, einem Eigentor, von Pernille Harder wohl eine knappe Abseitsstellung vorlag.

Der VfL Wolfsburg als Dauersieger des Pokals hatte beim Regionalligsten Mainz seine Probleme, lag sogar zurück aber dank Alexandra Popp reichte es zum 4:1–Sieg. In der CL wurde Galatasaray Istanbul mit 5:0 geschlagen, nun müssen weitere Sieg zum Weiterkommen her. Im DFB-Pokal-Viertelfinale sind außerdem Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt, TSG Hoffenheim, Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen und der Hamburger SV.

Sonstige beachtliche Ereignisse: In der Formel 1 holte sich der Holländer Max Verstappen den vierten WM-Titel in Folge. Ausschlaggebend war eine überragende erste Saisonhälfte, als es später bei Red Bull haperte und vor allem McLaren immer stärker wurde, da profitierte Verstappen auch davon, dass sein größer Konkurrent Landon Norris nicht die starken Nerven hatte und öfters patzte, vor allem beim Start. McLaren wird aber wohl Konstrukteursweltmeister werden.

Im Skispringen hatte Deutschland in Lillehammer einen Traumstart und dominierte die Konkurrenz. Es begann mit einem Sieg im Mixed-Wettbewerb, danach gewann der 34-jährige Pius Paschke den ersten Wettbewerb der Männer und wurde Zweiter im zweiten Springen. Die Frauen sorgten am Schlusstag sogar für einen Doppelsieg mit Katharina Schmid und Selina Freitag. Schmid war zuvor Zweite geworden, so dass jetzt Paschke und Schmid jeweils das Gelbe Trikot des Weltcupführenden tragen! Wirklich außergewöhnlich!