Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Die gekaufte WM und der Zwiespalt der Gefühle

Katar hat einen Katarrh, aber nicht nur der WM-Gastgeber zeigt sich angesichts der weltweiten Kritik verschnupft, sondern gefühlt die halbe Welt ist verschnupft, weil in einem Land, das die Menschenrechte nicht achtet und immer noch Frauen unterdrückt, die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Seltsam ist allerdings, dass die Wahl auf Katar schon 2010 fiel. Damals hätte man mit weltweiten Protesten diese Entscheidung der FIFA eher rückgängig machen können als jetzt. Das Turnier verhindern zu wollen, nachdem alle Stadien gebaut und viele Gastarbeiter gestorben sind, ist unmöglich. Jetzt sollte der Sport im Mittelpunkt stehen, um die Einhaltung der Menschenrechte muss sich die Politik kümmern.

Die Politik kämpft aber ebenso mit dem Zwiespalt der Gefühle wie manche Fußball-Fans. Katar wird kritisiert, aber auch hofiert, weil es wertvolle Energie liefern kann. Viele Fußball-Fans wollen das Emirat in Vorderasien mit seinen mittelalterlichen Lebensgewohnheiten an den Pranger stellen, andererseits sich aber den Spaß am Fußball nicht nehmen lassen. Katar ist ein kleines Land, nicht größer als Hessen, mit nur rund 2,7 Millionen Einwohnern. Was erstaunt: Nur 10 Prozent sind echte Einheimische, der Rest Arbeitsmigranten, die vor allem aus Süd- und Südostasien kommen. Sie können in Katar keineswegs ein angenehmes Leben führen, wollen aber Geld für ihre Familien verdienen.

Die Entscheidung für Katar fiel beim Fußball-Weltverband bereits am 2. Dezember 2010. 14 Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees stimmten in Zürich für Katar, acht für die USA. Es war von Anfang eine gekaufte WM, Katar wollte diese WM mit aller Macht, griff zu allen Tricks und viel Geld. Die FIFA missachtete ihre eigenen Statuten, die von einem WM-Ausrichter die Achtung der Menschenrechte fordern. Um den Coup zu landen, wurden erstmals gleich zwei WM-Gastgeber gewählt, nämlich Russland für 2018 und Katar für 2022. Ein Gastgeber umstrittener als der andere.

Korruptionsvorwürfe wurden bald laut, Untersuchungen gestartet, sogar der FBI in den USA und die Schweizer Staatsanwaltschaft schalteten sich ein, die Hälfte der insgesamt 24 Wahlmänner der FIFA wurden mittlerweile verhaftet. Der damalige FIFA-Präsident Josef Blatter betont, dass er nicht für Katar gestimmt hätte. Sein Nachfolger Gianni Infantino, der offensichtlich mit üblen Machenschaften das Amt eroberte, zog im Hintergrund die Fäden, entzieht sich bis heute aber der Gerichtsbarkeit, wohnt mittlerweile in Katar und spricht schon jetzt von der „besten und größten WM aller Zeiten“. Dass die Verbandspräsidenten in aller Welt nichts gelernt haben, zeigt sich daran, dass Infantino vor der Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten steht. Ein Armutszeugnis.

Aber sprechen wir über den Sport, es heißt ja hier Sport-Grantler und nicht Katar-Grantler oder FIFA-Grantler. Also Fußball-Fans, die WM könnt ihr mit ruhigen Gewissen verfolgen, ein bisschen Spaß muss sein. Die FIFA hat ja auch schon die Begeisterung gebremst, weil nachträglich das Turnier auf den Winter gelegt wurde, weil es im Sommer in Katar zu heiß ist. Auch hier wurde also getrickst. Bei der Bewerbung wurde eine Austragung im Sommer offeriert, obwohl das unmöglich war.

Tricks wollen wir künftig nur von den Spielern auf dem grünen Rasen sehen. Das Turnier könnte besonders spannend werden, denn einen klaren Favoriten gibt es nicht. Titelverteidiger Frankreich gehört ebenso zum Favoritenkreis wie Brasilien, Argentinien, Spanien, England, die Niederlande, aber auch Deutschland. In einer Umfrage des kicker sehen 25 Prozent der Leser Deutschland als Weltmeister, 20,8 Prozent sind für Brasilien, 15.4 tippen auf Argentinien und 15,3 auf Frankreich. Der Titelverteidiger muss aber gegen einen besonderen Fluch ankämpfen, seit Brasilien 1962, das auch 1958 Weltmeister wurde, hat kein Land mehr den Titel erfolgreich verteidigt. Also seit 60 Jahren! Ganz im Gegenteil, die letzten 20 Jahre ist der amtierende Weltmeister meist frühzeitig ausgeschieden, Italien 2010 (Gruppenletzter!), Spanien 2014 und Deutschland 2018 überstanden zuletzt als Weltmeister nicht einmal die Gruppenphase. Deutschland könnte dennoch einen Coup landen, denn in der ewigen Tabelle steht der vierfache Weltmeister ebenso wie der fünffache Weltmeister Brasilien bei 109 WM-Spielen, wobei Brasilien (237 Punkte) bei allen 21 Turnieren dabei war, Deutschland (221 Punkte) nur 19 bestritten hat.

Erstaunlich ist, dass deutsche Spieler und Trainer in vielen Statistiken vorn sind. Lothar Matthäus hat mit 25 die meisten Spiele bestritten, könnte aber von Lionel Messi bei einer Finalteilnahme überholt werden. Miroslav Klose ist der Rekordtorschütze (16 Treffer), sein nächster Verfolger ist Thomas Müller (10). Klose hat auch die meisten Siege errungen (17) und Helmut Schön, der Weltmeister-Trainer von 1974, die meisten Spiele (25) gecoacht. Vor einem Rekord steht auch Kapitän Manuel Neuer, er könnte der Rekord-Torwart werden, denn wenn er dreimal antritt, steht er bei 19 Spielen, den Bestwert halten bisher sein früherer Bayern-Kollege Sepp Maier und Brasiliens Taffarel mit je 18 Spielen. Die Bayern holten auch den aktuellen Rekord, sie stellen mit 17 die meisten Spieler ab (allerdings fällt jetzt Mané verletzt aus). Auf Platz zwei kommen Manchester City und der FC Barcelona mit je 16, danach folgt Katars Meister Al-Sadd (15), der praktisch die Nationalmannschaft stellt. Bei Katar stellen nur sechs Vereine Spieler ab, Kamerun dagegen rekrutiert das Nationalteam aus 26 Vereinen!

Am Sonntag, 17.00 Uhr (MEZ), geht es mit dem Eröffnungsspiel Katar gegen Ecuador los. Bezeichnend, dass auch diese Begegnung kurzfristig von Montag auf Sonntag vorgezogen wurde, um ein echtes Eröffnungsspiel zu haben. Deutschland startet am Mittwoch, 14.00 Uhr, gegen Japan in die WM. Ein guter Auftakt wäre wichtig, obwohl der letzte Test gegen Oman (1:0) nicht unbedingt Mut macht. Es folgen Spanien (Sonntag, 20.00 Uhr) und Costa Rica (Donnerstag, 1. 12., 20.00 Uhr) als weitere Gruppengegner. Platz zwei ist zum Weiterkommen notwendig. Im Achtelfinale folgt ein Gegner aus der Gruppe F mit Belgien, Kroatien, Kanada und Marokko. Im Viertelfinale könnte Brasilien der Gegner sein!

Acht Stadien hat Katar gebaut, es wird also eine WM der kurzen Wege. Drei bis vier Milliarden Euro soll das Scheichtum investiert haben, ein Teil der Stadien wird danach sogar abgebaut, soll zum Teil aber an ärmere Länder verschenkt werden. Die WM in der Wüste und im europäischen Winter wird also auf jeden Fall eine seltsame Angelegenheit. Konzentrieren wir uns zu Hause auf den Sport und hoffen auf gute Spiele mit viel Spaß. Ein Boykott vor den Bildschirmen ist sinnlos.

Die Vorrunde war Werbung für die Fußball-Bundesliga

Gut, die Vorrunde ist nicht ganz vorbei, zwei Spieltage stehen noch aus und werden im Januar quasi nachgeholt, die Winter-WM in Katar will es so, dass der Spielplan ein wenig in Schieflage gerät. Zwei Monate sind Winterpause, deshalb kann eine erste Bilanz gezogen werden. Man darf sagen, dass es keine Vorrunde wie immer war, so turbulent ging es selten zu. Gravierende Merkmale: Die Bayern zwischendurch in der Krise, dafür trumpften die Underdogs von Union und Freiburg auf und mit Leverkusen geriet ein Kandidat auf einen Platz für die Champions League in den Abstiegskampf. Die englische Woche zum Abschluss der Punktrunde 2022 rückte allerdings einiges wieder gerade und sorgte damit ebenfalls wieder für Werbung für die Fußball-Bundesliga.

Vier Vereine trumpften in dieser Woche mit drei Siegen auf: Bayern (zuletzt sechs am Stück), Leipzig, Wolfsburg (beide vier in Folge) und Leverkusen. Die Auswirkungen waren zum Teil enorm: Die Bayern stürmten nach drei Punkten Rückstand zu Spitzenreiter Union wieder auf Platz eins und haben jetzt vier Zähler Vorsprung auf Freiburg. Leipzig ist unter dem neuen Trainer Marco Rose seit 13 Pflichtspielen ungeschlagen, geht als Dritter in die Pause. Wolfsburg zählte zu den Teams im Abstiegskampf, jetzt klopft der VW-Klub als Siebter (zwei Punkte hinter Dortmund und Union) wieder an die Tür zu Europa. Und Leverkusen befreite sich von den größten Abstiegsängsten, verdoppelte mit drei Siegen seine Punktzahl und sprang auf Rang 12. Zu den Gewinnern zählt natürlich auch der SC Freiburg, der gegenüber Union mehr Beständigkeit zeigt und fast schon sensationell erster Bayern-Verfolger ist.

Es gab aber auch Vereine, die anderes erlebten. Drei Niederlagen kassierten Hoffenheim und Köln, Tristesse in der Weihnachtspause. Einen Absturz erlebte Union Berlin mit zwei Niederlagen und einem 2:2 gegen Augsburg, statt stolzer Leader nur noch im Verfolgerfeld auf Platz fünf. Oder der FCA, der seltsamerweise bei Union punkten konnte, aber nach drei stolzen Siegen im September (u. a. gegen Bayern) und dem Blick nach oben, nun nach sieben erfolglosen Spielen mit gerade mal drei Zählern wieder mitten im Abstiegskampf steht. Torhüter Rafael Gikiewicz klagt: „15 Punkte aus 15 Spielen, das ist ein Witz“. Wie schwach das 0:1 gegen Bochum war, zeigt die Bilanz des Vorletzten, der nach acht Auswärtspleiten in Folge erstmals wieder siegte. Noch schlechter sieht die Bilanz auf fremden Plätzen beim VfB Stuttgart aus: Für den Drittletzten war das 0:2 in Leverkusen nicht nur ein Rückschlag im Abstiegskampf, sondern das 17. Auswärtsspiel, damit alle im Kalenderjahr 2022, ohne Sieg! Das wird im Ländle eine unruhige Weihnachtspause, wird doch über die Zukunft von Sportchef Sven Minslat und Interimstrainer Michael Wimmer verhandelt. Boss Alexander Wehrle hat eine USA-Reise abgesagt, in der Heimat brennt es. Ähnlich geht es wohl in Dortmund zu, Rang fünf ist nicht der Anspruch. Trainer Edin Terzic steht aber nicht zur Debatte, er ruft schon jetzt zur Aufholjagd.

Wer Freude an der Vorrunde hatte, wird ungeduldig, aber mit Freude auf die Fortsetzung warten. Der Spielbetrieb 2023 startet mit brisanten Begegnungen: Start ist am Freitag, 20. Januar, mit dem Duell der Seriensieger Leipzig und Bayern, mit Freiburg und Wolfsburg stehen sich am Samstag ebenfalls zwei zuletzt erfolgreiche Mannschaften gegenüber. Anders sieht es bei Schlusslicht Schalke aus, das sich in der Winterpause verstärken will. Mit Leipzig und Frankfurt stehen dann gleich hohe Hürden bevor.

Wie aber überbrücken die Vereine die lange Pause, die es so noch nie gab und Neuland darstellt? Natürlich ist ein individuell kürzerer oder längerer Urlaub angesagt und meist leichter Trainingsbetrieb, ehe es im Januar wieder mit Volldampf losgeht. Bei den Bayern sieht es ziemlich leer aus, 17 (!) Spieler sind für die WM nominiert, Rekord in Europa. Der Rest trainiert mit der U23, am 3. Januar ist Trainingsauftakt, dann geht es ins Trainingslager – trotz aller Debatten wieder nach Katar. Auf Reisen sind einige Vereine schon in den nächsten Tagen, sie betreiben im Ausland u. a. Werbung für die Bundesliga. Frankfurt (Japan) und Dortmund (u. a. Indonesien) fliegen nach Asien, Leverkusen hat die Ehre in St. Louis das neue Stadion zu eröffnen, Köln und Stuttgart spielen am 19. November in Austin (Texas) gegeneinander.

Die Nationalmannschaft flog am Freitag von Frankfurt aus zur WM nach Katar, allerdings hatte der Linienflieger (keine Charta!) das Ziel Maskat im Oman. Dort hat Bundestrainer Hansi Flick zunächst ein kurzes Trainingslager zur Eingewöhnung angesetzt und am Mittwoch (18.00 Uhr) steht ein Testspiel gegen die Auswahl vom Oman auf dem Programm. Erst am Donnerstag geht es dann weiter nach Katar ins Teamquartier Zulal Wellness Resort im Norden des Landes. Im Aufgebot fehlte am Montag Torhüter ter Stegen, der sich mit Magen-Darm-Probleme plagt und nachreist.

Natürlich gibt es in dieser Woche noch einen eigenen Blog zur WM in Katar. Vorweg: Der Sport wird im Mittelpunkt stehen, es heißt ja Sport-Grantler und nicht Katar-Grantler.

Neuer Wettbewerb für die Frauen

Die Frauen-Nationalmannschaft hat bereits Werbung für den deutschen Fußball betrieben und darf den Männern als Vorbild dienen. Die Mädchen bezwangen nämlich im ersten Vergleich Weltmeister USA in Florida mit 2:1, für die Gastgeberinnen war es die erste Niederlage nach 71 ungeschlagenen Heimspielen! Im zweiten Spiel in New Jersey nahmen die Amerikanerinnen mit 2:1 Revanche, aber beide Spiele zeigten, dass Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg optimistisch der WM im nächsten Jahr in Australien und Neuseeland entgegen sehen kann, zumal ja nicht die Bestbesetzung zur Verfügung stand.

Für die Frauen gibt es einen neuen Wettbewerb: Die UEFA führt 2023 auch für die Frauen eine Nations League ein. Die Mannschaften werden nach der Rangliste des Verbandes einer von drei Ligen zugeordnet, zwischen denen es Auf- und Abstieg gibt. Damit soll die Aufmerksamkeit für die Frauen-Auswahlteams gesteigert werden. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin lobte sich selbst: „Ich habe nach der historischen EM in England gesagt, dass wir weiter in den Frauen-Fußball investieren werden.“

Der Boom in Deutschland ist schon sichtbar geworden, die Bundesliga verzeichnete nach sieben Spieltagen 119.286 Zuschauer, das ist bereits mehr als in der gesamten Vorsaison (108.483). Eine Studie geht davon aus, dass die Vereine bis 2032 einen kommerziellen Wert von 130 Millionen Euro erwirtschaften, derzeit sind es nicht ganz 20 Millionen pro Saison. Da passt dazu, dass Hertha BSC Berlin jetzt auch in den Frauen-Fußball einsteigen will und eine eigene Mannschaft gründen. Deshalb wurde die Zusammenarbeit mit Potsdam aufgekündigt. In der Bundesliga geht es am 25. November weiter, wenn Potsdam am Freitag Hoffenheim erwartet. Wegen de Männer-WM gibt es keine Pause, auch die Champions League läuft weiter. Viele Fans, die die WM in Katar boykottieren wollen, wenden sich vielleicht den Spielen der Frauen zu. Für gute Zuschauerzahlen wäre dann weiterhin gesorgt.

Hansi Flick freut sich über einen „tollen Kader“

Das Geheimnis ist gelüftet, Bundestrainer Hansi Flick hat den 26-Mann-Kader für die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar veröffentlicht. Große Überraschungen werden für die Fans nicht dabei gewesen sein, viele Namen standen vorher schon fest und es gab wohl auch nur wenige unangenehme Telefonate für den Bundestrainer mit Absagen. Das Ergebnis sieht Hansi Flick so: „Wir haben einen tollen Kader.“ Meister Bayern stellt mit sieben die meisten Spieler ab (davon kein Abwehrrecke!), von Dortmund wurden fünf nominiert. Blockbildung nennt man das.

Der Bundestrainer hat offensichtlich darauf geachtet, dass er Spieler im Aufgebot hat, die als Joker ein Spiel drehen können. So fanden vor allem Niclas Füllkrug, Youssoufa Moukoko, Karim Adeyemi und Mario Götze den Weg in den Kader, weil Flick geschaut hat: „Wer kann in der einen oder anderen Situation Matchwinner sein?“ Da dachte er wohl an Götzes goldenes Tor zum WM-Sieg 2014, so dass der Neu-Frankfurter nach fünf Jahren Pause wieder in die Nationalmannschaft zurückkehrt. Füllkrug wird im ersten Spiel am 23. November gegen Japan wohl nicht zur Startelf zählen, aber er könnte zum Nothelfer werden, wenn die kleinen Japaner in der Abwehr nichts durchlassen. Adeyemi wiederum kann in manchen Situationen seine Schnelligkeit nutzen und der erst 17-jährige Youssoufa Moukoko machte mit beeindruckenden Auftritten und Toren in Dortmund auf sich aufmerksam. „Er hat das Momentum auf seiner Seite,“ gesteht der Trainer.

Natürlich hat sich Hansi Flick bei seinem Aufgebot etwas gedacht und am Ende auf einen vierten Torhüter (wie angedacht) verzichtet, um lieber eine Alternative im Feld nominiert. So rutschte wohl auch Lukas Klostermann ins Aufgebot. Allerdings verzichtet Flick auf einen Abräumer im Mittelfeld neben Kimmich, Goretzka oder Gündogan, dafür hat er ein Überangebot auf der Zehn mit Musiala, Müller und jetzt auch Götze. Irgendwo dazwischen finden sich auch Julian Brandt und Kai Havertz.

Absagen gab es für den Trainer schon vorher, weil sich vor allem Stürmer abmeldeten, angefangen von Timo Werner bis zu Lukas Nmecha und Marco Reus, dem Flick die WM nach einer erneuten Verletzungsmisere nicht zutraut. Reus ist der Turnier-Pechvogel schlechthin, nach 2014, 2016 und 2021 verpasst er zum vierten Mal eine EM oder WM.

Dagegen sagte Flick drei Kandidaten ab und mit ihnen gab es wohl keine angenehmen Gespräche. So verzichtet er auf Oldie Mats Hummels (und lag damit auf einer Linie mit dem Sport-Grantler), den andere als derzeit besten deutschen Innenverteidiger sehen. Vielleicht gab es die Absage aber auch unter dem Aspekt, dass Flick vor allem auf eine intakte Gemeinschaft setzt. Hummels spricht von „seiner größten Enttäuschung“. Enttäuscht ist natürlich auch Maximilian Arnold, der aber als Wackelkandidat galt. Robin Gosens konnte vor ein paar Monaten noch fest mit der WM rechnen, doch der Wechsel zu Inter Mailand hat ihm nicht gut getan. So lief ihm Christian Günter als zweiter Mann neben David Raum den Rang ab, weil er „im Rhythmus ist“ (Flick).

Die Mannschaft trifft sich am Montag in Frankfurt und fliegt zunächst zu einem Kurztrainingslager bis Donnerstag in den Oman, wo am Mittwoch noch ein Testspiel gegen die Hausherren ansteht. Danach geht es in den Norden Katars, in das Zulal Wellness Resort, das Erinnerungen an das abgelegene Campo Bahia 2014 in Brasilien wecken soll. Am Ende stand damals bekanntlich der WM-Titel. Doch vor acht Jahren gab es auch eine perfekte Vorbereitung, das ist diesmal nicht so. Es bleiben nur wenige Tage bis zum WM-Start, aber das geht allen Nationen so. Auch deshalb liegt eine große Ungewissheit über dem Turnier. Los geht es für die DFB-Elf am 23. November (14.00 Uhr MSZ) gegen Japan, es folgt am Sonntag, 17.11., (20.00 Uhr) das Spiel gegen Spanien und zum Abschluss der Gruppenspiele der Vergleich mit Costa Rica am Donnerstag, 1. Dezember (20.00 Uhr). Das Finale findet am Sonntag, 18. Dezember (16.00 Uhr) statt. Mal sehen, ob Deutschland mit dem „tollen Kader“ dabei ist!

Das WM-Aufgebot

Torhüter: Manuel Neuer (Bayern), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Frankfurt).

Abwehr: Antonio Rüdiger (Real Madrid), Niklas Süle, Nico Schlotterbeck (beide Dortmund), Mathias Ginter, Christian Günter (beide Freiburg), David Raum, Lukas Klostermann (beide Leipzig), Thilo Kehrer (West Ham), Armel Bella-Kotchap (Southampton).

Mittelfeld und Angriff: Joshua Kimmich, Leon Gorotzka, Jamal Musiala, Thomas Müller, Serge Gnabry, Leroy Sané (alle Bayern), Julian Brandt, Karim Adeyemi, Youssoufa Moukoko (alle Dortmund), Niclas Füllkrug (Bremen), Mario Götze (Frankfurt), Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (Chelsea London), Jonas Hofmann (Gladbach).

Bayern am Ziel und für alle gilt: Die Woche noch überstehen!

Jetzt ist es passiert: Am 6. Spieltag hatte Union Berlin erstmals die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga übernommen, ausgerechnet am 13. (böse 13?) war der Höhenflug zu Ende. Mit ein Grund war neben der Siegesserie von Jäger Bayern wohl auch die Europa League. Bei Union schwanden die Kräfte. Dennoch: Die Berliner spielen eine großartige Saison!

Auffallend: Als Union am 6. Spieltag Erster wurde, rangierten die Bayern auf Rang drei mit zwei Punkten Abstand. Jetzt hat sich das Ganze umgedreht: Die Münchner führen und die Berliner sind Dritter und zwei Punkte zurück! Überhaupt begleitete den Union-Sturz Auffälligkeiten: Erstmals brach das Team beim 0:5 in Leverkusen auseinander, die bis dahin beste Abwehr mit nur neun Gegentreffern in zwölf Spielen kassierte gleich einen Fünfer-Pack, Bayer dagegen „explodierte“, vorher 16 Tore in zwölf Spielen, jetzt fünf in einem. Verantwortlich auch Trainer Xabi Alonso, die Umstellungen fruchteten und der Ex-Bayern-Star konnte seinem alten Verein helfen…

Mittendrin zwischen den Rivalen jetzt das zweite Überraschungsteam der Saison, der SC Freiburg, der seine überhaupt beste Saison spielt, 27 Punkte nach 13 Spielen gab es noch nie und Trainer Christian Streich spielt erfolgreich die Klaviatur der Rotation: Gegenüber dem 1:1 in der Europa League bei Qarabag Agdam wechselte Streich zehn Spieler! Nur Kapitän Günter war beide Male dabei. Dem Trainer fiel das Wechselspielchen leicht, Freiburg war schon Gruppensieger, Union zum Beispiel musste noch um das Weiterkommen (erfolgreich) kämpfen.

Kämpfen müssen derzeit alle Vereine, denn schon das „normale“ Bundesliga-Programm ist ein Stresstest und jetzt haben alle nur ein Ziel: Die Woche noch überstehen mit gleich zwei Spieltagen! Nach dem 13. November geht es in die durch die Winter-WM in Katar erzwungene WM- und Weihnachtspause, ehe am 20. Januar 2023 mit dem Duell Leipzig – Bayern der Ball wieder in der Bundesliga rollt, es ist dann der 16. Spieltag. Erstmals wird die Hinrunde nicht im gleichen Jahr beendet. Der Schlager zum Abschluss am Sonntag ist das Duell der Überraschungsteams Freiburg – Union (15.30 Uhr).

Die Woche überstehen als Ziel oder eben, zum Abschluss noch einmal Zuversicht tanken für den Wiederbeginn im Januar. An Selbstvertrauen mangelt es den Bayern nicht, sie stehen jetzt da, wo sie ihrem Selbstverständnis nach hingehören und nur Leichtsinn könnte Bremen und Schalke als letzte Gegner zu Stolpersteinen machen. Armes Schalke, das Schlusslicht hat jetzt sieben Niederlagen am Stück erlitten, zwei Heimspiele könnten Hoffnung machen, doch neben Mainz kommen eben die Bayern, die haben sechsmal nicht verloren. Die gleiche Erfolgsserie haben auch Leipzig und Wolfsburg (!), allerdings mit nicht so vielen Siegen wie der neue Tabellenführer. Halten die Serien? Leipzig erwartet im Spitzenspiel Freiburg und muss nach Bremen, Wolfsburg empfängt Dortmund und muss zu Hoffenheim. Da sind die Serien in Gefahr. Im Minusbereich neben Schalke liegt vor allem der FC Augsburg, der zuletzt viel Lob einheimste, aber fünfmal nicht siegreich blieb. Das gab es schon öfters, dass man mit Lob in die zweite Liga verabschiedet wurde, der FCA befindet sich nämlich wieder im Abstiegskampf und hat zum Abschluss eine Art „Endspiel“ gegen Bochum, aber vorher geht es zu Union. Ein interessanter Jahresabschluss der Bundesliga steht auf jeden Fall bevor.

Der Fluch des Erfolgs

Am Montag haben einige Bundesligisten und ihre Fans zunächst einmal mit viel Spannung nach Nyon an den Sitz der UEFA geschaut, wo die nächsten Runden in Europa ausgelost wurden. In der Gruppenphase glänzte die Bundesliga, die gleich vier ihrer fünf Kandidaten ins Achtelfinale durchgebracht hat. Bei den Losen, die Ex-Bundesligaspieler Hamit Altintop zog, schluckten allerdings alle. Besonders die Bayern traf der Fluch des Erfolgs (neuer Rekord, zum dritten Mal in allen Gruppenspielen siegreich), denn der einzige deutsche Gruppensieger durfte eigentlich auf ein leichteres Los mit einem Zweiten rechnen, doch es kam anders – der Gegner heißt Paris St. Germain. Paris patzte am letzten Spieltag gegenüber Benfica Lissabon, das punktgleich auf Grund von mehr Auswärtstreffern auf Platz eins kam, Paris wurde Zweiter. Inter Mailand als Gruppenzweiter hinter Bayern hat es gegen Porto zweifellos leichter, Benfica erwischte das Glückslos Brügge. Die Bayern haben dagegen Angstgegner Paris St. Germain (sechs Niederlagen) vor der Brust, doch Bange machen gilt nicht, vor allem erinnern sie sich an das Finale von 2020 als die Münchner durch ein Tor von Coman den Henkelpott gewannen. Allerdings drehte Paris 20/21 im Viertelfinale den Spieß um. Wenigstens ins Halbfinale wollten die Bayern eigentlich kommen, nach der Blamage im Vorjahr mit dem Ausscheiden im Achtelfinale gegen Villarreal. Diesmal wäre ein Ausscheiden gegen Mbappé, Messi und Neymar zumindest keine Blamage.

Viel leichter haben es auch die Kollegen nicht, sie treffen allesamt auf Top-Gegner. RB Leipzig duelliert sich mit Manchester City, Pep Guardiola muss mit seinem Team nach Dortmund in der Gruppenphase also erneut nach Deutschland. Die Borussia bekommt wieder ein Team aus der Premier League vorgesetzt, allerdings ist Chelsea derzeit nicht so stark wie City. Eintracht Frankfurt hat bei der Premiere die Ehre mit der derzeit besten Mannschaft Europas, nämlich den SC Neapel, Spitzenreiter der Serie A in Italien. Zuletzt konnten Teams aus Italien die Eintracht nie stoppen. Das absolute Schlagerspiel ist die Neuauflage des letztjährigen Finals zwischen dem Liverpool und Real Madrid, das mit einem 1:0-Sieg den Pokal gewann. Zudem gibt es noch die Partie AC Mailand – Tottenham Hotspur. Im Achtelfinale zieht sich jede Runde über zwei Wochen hin, Start ist am 14. Februar die Rückspiele gibt es ab 7. März. Die Premier League ist wie die Bundesliga mit vier Teams vertreten, was fast schon Tradition hat. Dagegen ist es ein Novum, dass nur Real Spanien vertritt, während Nachbar Portugal mit Benfica und Porto erstmals mit zwei Vereinen dabei ist.

In der Europa League wurden die Play-Offs ausgelost, bei denen der SC Freiburg als Gruppensieger zuschauen darf. Bayer Leverkusen rettete sich vor Atletico Madrid als CL-Absteiger in diese Runde und hat ebenso wie Union Berlin einen attraktiven Gegner. Bayer trifft auf den AC Monaco mit Ex-Bayer-Spieler Kevin Volland. Bei Ajax Amsterdam muss Union Berlin antreten, das sich mit drei 1:0-Siegen qualifiziert. Das Schlagerspiel bringt aber zwei Favoriten zusammen: FC Barcelona mit Robert Lewandowski gegen Manchester United mit Cristiano Ronaldo. Die Europa League kann also auch interessant sein. In der Conference League ist der 1. FC Köln ausgeschieden.

Spannung gibt es in dieser Woche weiterhin, am Donnerstag gehört die Bühne Hansi Flick und der Nationalmannschaft, denn der Bundestrainer wird das WM-Aufgebot bekannt geben. Es wird viel spekuliert, einige Kandidaten wie Moukoko, Füllkrug oder Mario Götze haben am Wochenende noch auf sich aufmerksam gemacht. Mehr dafür in der anschließenden Kolumne „“Spielen Sie doch mal Hansi Flick“.

Die Frauen-Nationalmannschaft hat auch ihre Weltmeisterschaft im Visier, doch die findet erst im Juli nächsten Jahres in Australien und Neuseeland statt. Jetzt steht erst einmal eine USA-Reise an, was mitten in der Bundesliga-Saison undankbar ist, doch es gilt, alte Verpflichtungen einzulösen. Mit einem ersatzgeschwächten Team muss Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg am 11. November in Fort Lauderdale (Florida) und zwei Tage später in Harrison (New Jersey) gegen den Weltmeister klarkommen. Die Bundesliga geht am 25. November weiter.

Spielen Sie doch mal Hansi Flick!

Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aktiv ist, dann gibt es angeblich 80 Millionen Bundestrainer, die meist sowieso alles besser wissen als der amtierende Coach, der aktuell Hansi Flick heißt. Jetzt steht er wieder im Blickpunkt und die 80 Millionen Bundestrainer werden genau hinschauen, wen er für sein Aufgebot zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar nominiert. Am 10. November legt er die Karten auf den Tisch, nennt er die 26 Namen, die ab dem 23. November (erstes Spiel gegen Japan) die Kastanien aus dem Feuer holen sollen, sprich, den WM-Titel gewinnen. Für die Fans ist deshalb in diesen Tagen die letzte Gelegenheit, ihren eigenen Kader zu nominieren und zu schauen, inwieweit der denn von Flicks Auswahl abweicht. Spielen Sie doch einfach mal Hansi Flick, der Sport-Grantler hilft dabei.

Torhüter: Hier ist die Auswahl am leichtesten, die Rangfolge steht fest, es geht allein darum, wer wirklich fit ist. Fragezeichen standen zuletzt hinter Manuel Neuer wegen einer Schulterverletzung. Die Reihenfolge aber hat Flick schon festgelegt mit Neuer, ter Stegen und Trapp. Als vierter Mann dürfte Oliver Baumann dabei sein, Bernd Leno ist außen vor.

Innenverteidiger: Auch hier stehen mit Abwehrchef Rüdiger, dazu Süle, Schlotterbeck und Ginter vier Mann fest. Die Frage ist, was wird mit Mats Hummels? Der Sport-Grantler hält ihn international für die langsam, auch Tah hat nicht die Form für eine WM. Thilo Kehrer wird im Aufgebot stehen, er kann innen und außen eingesetzt werden.

Außenverteidiger: Erste Wahl sind wohl David Raum und links und Jonas Hofmann rechts in der offensiven Rolle oder Thilo Kehrer in der defensiven Rolle sein. Hofmann kann auch offensiv eingesetzt werden und sollte rechtzeitig fit sein. Alternativen gibt es, den Freiburger Günter zum Beispiel, der Gosens den Rang abgelaufen hat. Und da wären noch drei Leipziger: Klostermann und Halstenberg leiden oft unter Verletzungen, Henrichs hat im Moment Formprobleme, er könnte dennoch zur Wahl stehen, weil er auf beiden Seiten und im Mittelfeld aushelfen kann.

Mittelfeld defensiv: Die Bayern-Achse hat Vorrang, Kimmich und Goretzka sind in der derzeitigen Form gesetzt, da muss Gündogan hinten anstehen, der vierte Mann, vielleicht ein defensiver Abräumer, wird gesucht. Flick setzt wohl auf Arnold oder Stach, eine Überraschung kommt hier ins Spiel: Grischa Prömel aus Hoffenheim, ein Laufmonster, Mannschaftsspieler und torgefährlich. Auch Musiala kann aushelfen.

Mittelfeld offensiv: Die beste Dreier-Reihe bilden wohl Gnabry, Musiala und Sané, wieder ein Bayern-Block also, am Ende bleibt nicht einmal Platz für Thomas Müller, doch der kann offensiv überall eine Rolle spielen, wenn er fit ist. Auch Havertz gehört dazu oder sogar in den Sturm. Dazu gibt es viele Kandidaten, aber Reus ist zu verletzungsanfällig, Talent Wirtz leider noch nicht fit, Mario Götze steht leicht dahinter ebenso wie Julian Brandt, alles Kandidaten, wenn einer ausfällt.

Sturm: Deutschland hat das Problem, dass ein echter Torjäger fehlt, einer wie Klose, Gomez oder eben Lewandowski, den man aber von Polen nicht ausleihen kann. So sollen es also Werner und Co. richten, Flick sollte auf Alternativen achten. Timo Werner bringt seine Schnelligkeit ins Spiel, Füllkrug sollte im Aufgebot stehen, um als Rambock eventuell eine Abwehr zu knacken, aber auch Adeyemi oder sogar der erst 17-jährige Moukoko könnten helfen. Überraschungsgast könnte Jonathan Burkhardt aus Mainz sein, der frühere Kapitän und Torjäger der U21. Lukas Nmecha hat bisher nicht mit Abschlussqualitäten überzeugt.

Das Spiel der Nominierung ist eröffnet, es gibt sicherlich noch viele andere Kandidaten die helfen könnten. So träumt Hany Mukhtar aus Nashville von einer WM-Teilnahme, er war Torjäger in der MSL in Amerika und wurde dort zum „Wertvollsten Spieler (MVP)“ gewählt. Hat ihn Flick auf dem Zettel? „Hansi Sport-Grantler“ nominiert jedenfalls folgendes Aufgebot:

Tor: Neuer (Bayern), ter Stegen (Barcelona), Trapp (Frankfurt), Baumann (Hoffenheim). – Innenverteidiger: Rüdiger (Real), Süle, N. Schlotterbeck (beide Dortmund), Ginter (Freiburg). – Außenverteidiger: Raum, Henrichs (beide Leipzig), Hofmann (Gladbach), Kehrer (West Ham). – Mittelfeld defensiv: Kimmich, Goretzka (beide Bayern), Gündogan (ManCity), Prömel (Hoffenheim). – Mittelfeld offensiv: Musiala, Müller, Gnabry, Sané (alle Bayern), Havertz (Chelsea), Brandt (Dortmund). – Sturm: Werner (Leipzig), Adeyemi, Moukoko (beide Dortmund), Füllkrug (Bremen).

Union verteidigt eisern den Platz an der Sonne

Nach dem 6:2-Torefestival gegen Mainz konnten die Bayern wieder einmal eine Nacht als Tabellenführer der Fußball-Bundesliga schlafen. Am Sonntag fehlte dann genau eine Sekunde für das Glück auf Dauer. Die Bayern reden nicht drumherum, Boss Oliver Kahn macht deutlich: „Die Mannschaft hat sich vorgenommen als Tabellenführer in die WM-Pause zu gehen. Es ist immer unser Anspruch, Tabellenführer zu sein.“ Doch seit dem sechsten Spieltag heißt der Spitzenreiter Union Berlin und die „Eisernen“, wie sie genannt werden, werden ihrem Ruf gerecht – sie verteidigen eisern den Platz an der Sonne. Auch mit ein bisschen Glück, nach dem Siegtreffer in der 7. Minute der Nachspielzeit (6 waren angezeigt!) von Doekhi wurde nicht mehr angepfiffen!

Bayern als Tabellenführer in die WM-Pause – da müssen die Berliner erst mal mitspielen. Die restlichen Gegner heißen Leverkusen, Augsburg und Freiburg, das den einzigen schweren Stolperstein darstellt. Die Bayern haben mit Hertha, Bremen und Schalke auch ein machbares Programm. Spannung ist überhaupt an der Tabellenspitze angesagt, wann hat es das zuletzt gegeben? Nur vier Punkte liegt Union vor dem Vierten, Borussia Dortmund, dahinter einige Teams in Schlagdistanz zur Qualifikation für die Champions League. Am Tabellenende geht es ebenfalls eng zu, wenn auch Schlusslicht Schalke sein siebtes Spiel in Folge verlor. Der neue Trainer Thomas Reis konnte noch nicht für die Wende sorgen, aber er weiß: „Das wird eine schwere Aufgabe.“ Aber auch Bochum, Leverkusen und Hertha blieben ohne Punkte, nur Stuttgart verschaffte sich mit dem glücklichen 2:1 über den FCA etwas Luft.

VAR: Führt endlich die Challenge ein!

Die Diskussionen über die Bundesliga wurden aber weniger um die sportliche Situation geführt, vielmehr standen erneut die Video-Schiedsrichter im Kölner Keller im Mittelpunkt. Mehr Gerechtigkeit gibt es nur bei den Abseitsentscheidungen, aber ansonsten konnte der VAR seine Vorschusslorbeeren nicht rechtfertigen. Am Wochenende riss bei einigen Betroffenen angesichts von gravierenden Fehlentscheidungen wieder einmal die berühmte Hutschnur. Am meisten regten sich die Frankfurter auf, weil Sascha Stegemann den Schubser von Adeyemi gegen Lindström nicht als für einen Elfmeter würdig sah und der VAR stumm blieb. Hinterher erkannte Stegemann dies als Fehler und Eintracht-Manager Markus Krösche tobte: „So geht das nicht, lasst den Schiri machen und stampft den Keller ein.“ Da liegt er mit der Mehrheit der Fans auf einer Linie: Bei einer Umfrage vom kicker plädieren 69 Prozent der Teilnehmer für eine Abschaffung des VAR!

In der Tat ist es so, dass die Schiedsrichter oft verunsichert wirken und mehr Fehler als früher produzieren und darauf vertrauen, dass ihnen der Kölner Keller hilft. Doch dort wird keineswegs professionell gearbeitet. Aber die Szene in Frankfurt zeigt deutlich, dass eine sogenannte Challenge für die Trainer eingeführt werden muss, wie es sie in anderen Sportarten gibt. Heißt: Der Trainer kann einmal im Spiel von sich aus eine Überprüfung fordern. In dem Fall hätte Stegemann sicherlich Elfmeter für Frankfurt gepfiffen. Es muss klarere Regeln für den VAR geben und Widerspruchsmöglichkeiten für die Teams.

Auffallend auch zwei Szenen: In München sah Schiedsrichter Cortus das deutliche Foul an Mané nicht, der VAR schritt ein, aber Cortus hätte dies selbst sehen müssen. Diskutiert werden durfte in Stuttgart, als Sosa von hinten aus kurzer Entfernung vom Augsburger Spieler angeköpft wurde, aber hier lag kein regelwidriges Handspiel vor. Die Augsburger tobten ähnlich wie die Frankfurter, aber grundlos. Vor allem FCA-Manager Stefan Reuter fällt immer wieder aus der Rolle, er sollte einen Benimmkurs belegen. Der FCA fällt negativ auf, hat mit Abstand die meisten Gelben Karten der Liga kassiert und in einem Pöbel-Barometer der Sport-Bild belegt Augsburg Platz eins vor Stuttgart (am brävsten Leverkusen).

Finale der Gruppenphase

Auf Europas Bühne steht der letzte Spieltag der Gruppenphase an und der hat es vor allem für einige Bundesligisten in sich. Es gibt Finals im Kampf ums Überwintern auf internationalem Parkett. Drei von den fünf Teilnehmern der Champions League müssen noch kämpfen, Bayern München steht als Gruppensieger fest, Borussia Dortmund ist als Zweiter weiter. Für Eintracht Frankfurt ist beim Gastspiel bei Sporting Lissabon dagegen alles möglich, vom Gruppensieg bis letzter Platz, so eng liegen die Teams (außerdem Tottenham und Marseille) zusammen. Bayer Leverkusen kämpft gegen Brügge ums Ausscheiden, braucht aber Schützenhilfe von Porto gegen Atletico Madrid, um wenigstens in der Europa League weitermachen zu können. Da hat es RB Leipzig leichter, darf aber in Warschau gegen Donezk nicht verlieren, ein Remis reicht, um in der CL zu bleiben.

In der Europa League steht der SC Freiburg als Gruppensieger fest, Union Berlin kämpft bei den Belgiern von Gilloise noch ums Weiterkommen, hat aber die Conference League sicher. Dort hat der 1. FC Köln wiederum ein Endspiel gegen Nizza. Endspiele mitten in der Saison – die Gruppenphase kann also durchaus interessant sein.

Es kann aber durchaus anders sein, in ihrer CL-Gruppe sind die Bayern und Gegner Inter Mailand eine Runde weiter und es wird wohl ein Schaulaufen der Reservisten geben. Allerdings könnten die Bayern auch Interesse am Erhalt ihrer guten Bilanz haben. Gewinnen sie, dann wären sie die erste Mannschaft, die dreimal die Gruppenphase ohne Punktverlust abschließt, das gelang bisher nur Real Madrid zweimal (2014/15 und 2011/12). Für die Bayern wäre es das Triple einer weißen Weste. Außerdem wollen sie vielleicht eine seltsame Bilanz gegen Inter gerade rücken: In Mailand haben sie alle vier Spiele gewonnen, zu Hause waren sie allerdings in keinem der bisher drei Vergleiche gegen Inter siegreich!

In der Champions League nicht mehr dabei sind überraschend der FC Barcelona und Juventus Turin. Der Spott der Fußball-Welt ist ihnen sicher, aber genau diese Vereine kämpfen um die Einführung der Superleague, damit sie ein solches Dilemma nicht mehr erleben und die finanziell üppigen Fleischtöpfe der CL verlassen müssen.

Frauen machen es spannend

Der Frauen-Fußball kann weiterhin die Fans begeistern, ein spannendes Spiel legten die Münchnerinnen bei Benfica Lissabon in der Champions League hin. Zuerst lagen sie überraschend 0:2 zurück, dann aber drehten sie auf und mit zwei Toren ihres neuen englischen Stars Georgia Stanway in der Schlussphase (das 3:2 in der 96. Minute!) das Spiel. Der VfL Wolfsburg hatte es beim 2:0 bei Slavia Prag leichter, und zieht auch in der Bundesliga davon, weil Verfolger Eintracht Frankfurt in Hoffenheim beim 3:3 trotz einer 3:1-Führung Punkte liegen ließ. Die Bayern-Mädchen taten sich gegen Meppen ebenfalls schwer, siegten aber erneut im Endspurt mit 3:1. Der Bayern-Campus war mit 2500 Zuschauern wieder ausverkauft, in Bremen kamen 2700 Besucher gegen Wolfsburg und nur in Duisburg und Leverkusen gab es keine vierstellige Zuschauerzahl.

Die FIFA sieht international den Frauen-Fußball auf Wachstumskurs, stellt anhand einer Studie allerdings fest, dass die Frauen gegenüber den Männern immer noch gravierend unterbezahlt sind. 30 Elite-Ligen und 294 Klubs wurden untersucht, danach verdienen die Frauen im Schnitt 14.000 Euro im Jahr, die Männer dagegen 20.000 Euro – im Monat!

In einem weiteren Blog in dieser Woche steht die WM der Männer in Katar im Mittelpunkt. Die Fans sollten nämlich die Zeit nutzen, wenn sie Bundestrainer sein wollen…

Der Schnee ist weg, das Chaos bleibt

Die Erwartungen waren hoch, die Wirklichkeit ist deprimierend: Der alpine Ski-Zirkus steht vor einem Dilemma, die Zukunft ist in doppelter Weise ungewiss. Schuld daran sind zum Teil wieder einmal Funktionäre, im aktuellen Fall vor allem Weltverbandspräsident Johan Eliasch. Der Schwede hat in einer dubiosen Wahl, über deren Gültigkeit noch gerichtet werden muss, sein Amt verteidigt und der ehemalige Chef der Intersport-Kette hat offensichtlich nur ein Ziel: Den Skisport noch spektakulärer und gewinnbringender zu machen. Sein Motto: „Wir müssen zu Abenteurern werden, uns von der Masse abheben.“ Er hat aber nicht den Klimawandel mit einbezogen und nun lautet das bittere Fazit: Der Schnee ist weg, das Chaos bleibt.

Rückblick auf das Jahr 1993. Damals wurde erstmals die neue Ski-Saison mit Weltcup-Rennen auf dem Gletscher in Sölden eröffnet. Industrie und Tourismusbranche jubelten, das Fernsehen schickte tolle Bilder um die Welt und die Ski-Fans wurden überall mobilisiert – es geht wieder los. Das Geschäft brummte.

Fast 30 Jahre später sieht es anders aus. Die Fernsehbilder reizen nicht mehr zum Skifahren, ein dünnes weißes Band zieht sich durch die Landschaft, statt weißen Bilderbuchbilder gibt es nur traurige braune Hänge, auch auf dem Gletscher. Der hat sich zurückgezogen. Der Klimawandel beschäftigt schon lange die Menschen und die Frage steht im Raum: Hat der Skisport noch eine Zukunft? Der Schnee fehlt und künstlich erzeugt mit Schneekanonen kommt die Frage der Energieverschwendung auf.

Das alles war dem neuen FIS-Präsidenten egal, Johan Eliasch lechzt nach spektakulären Bildern und hatte sich eine Sensation ausgedacht: Abfahrt vom Matterhon, Start in über 3000m Höhe, Fahrt über den Gletscher, eine noch nie dagewesene Eröffnung der Saison. Hunderte von Arbeitern waren im Sommer mit der Präparierung der Strecke beschäftigt, doch die Natur legte ihnen das Handwerk. Der Sommer war zu warm, der Schnee weg, dafür Gletscherspalten da, die am Ende nicht mehr zugeschüttet werden konnten. Die Natur siegte, die Rennen der Männer und Frauen wurden abgesagt. Hochfliegende Pläne landeten in der Schublade des Wahnsinns. Es wäre an der Zeit für den Schweden, den Hut zu nehmen.

Seine Großmannssucht wird auch im Weltcup-Kalender deutlich. Keine Rücksicht auf Wirklichkeit, keine Rücksicht auf das neue Denken mit Klimaschonung und unnötiger Vermeidung der Luftbelastung. Erstmals wurden gleich zwei Termine in den USA in den Weltcup-Kalender aufgenommen, einfach unnütz doppelt über den großen Teich zu fliegen, wenn alle Athleten in Europa sind. Aber Eliasch will das Geschäft in Amerika ankurbeln, so wird im November in Lake Louise und Beaver Creek gefahren, im Frühjahr zusätzlich in Palisades Tahoe und Aspen. Da klingt es vernünftig, dass die Männer gleich zweimal in Garmisch-Partenkirchen gastieren, die Saison beginnt jetzt Mitte November in Lech/Zürs, Höhepunkt ist die Weltmeisterschaft vom 6. – 19. Februar 2023 in Courchevel und Méribel.

Insgesamt gibt es nur ein Zurück zur Vernunft, dafür plädieren vor allem die Sportler, die mit den Spektakeln um des Geldes Willen gar nicht einverstanden sind. Zumal in der Höhe des Matterhorn das Atmen in der dünnen Luft schwer fällt. Abfahrer Thomas Dreßen moniert zudem den überladenen Terminkalender und er warnt: „Die FIS muss aufpassen, dass sie nicht die Glaubwürdigkeit verliert.“ Chef-Renndirektor Markus Waldner gesteht bereits Fehler in der Planung ein und stellt sich gegen seinen Boss: „Wir müssen Mutter Natur respektieren. Wir haben den Klimawandel und extrem warme Sommer. Das sind Signale, die wir sehen müssen.“ Der Skisport hofft jetzt auf einen kalten Winter mit Schnee, was sich allerdings auf die Temperaturen bezieht, was den Weltverband angeht, ist ein heißer Winter programmiert. Im Gegensatz zur Natur würde ein Klimawandel dem Verband guttun!

Die Waffe der Kleinen: Dem Gegner keine Luft zum Atmen lassen

Vor kurzem verfielen die Bayern-Stars in Depression, der Oktoberfestbesuch geriet zur Trauer-Veranstaltung: Die Bayern hatten in Augsburg 0:1 verloren. Aktuell ist die Stimmung besser, Spitzenreiter Union Berlin patzte jetzt wie die Münchner damals, wobei die Niederlage in Bochum noch überraschender kam: Wann verliert der Erste schon mal beim Letzten? Das Schlusslicht bediente sich ganz einfach der Waffe der Kleinen, vorgemacht von Union bisher: Mit Willen und Leidenschaft wurde dem Gegner keine Luft zum Atmen gelassen. Es scheint die neue Tugend der sonst Erfolglosen zu sein, die besser besetzten Gegner mit einfachen Waffen zu schlagen. Bochum hat die rote Laterne an Schalke weitergereicht, Union sonnt sich zwar noch ganz oben, doch es könnte bald Schatten geben, die Bayern sind wieder in Schlagdistanz.

Einsatz und Kampfgeist sind Waffen, auf die eigentlich jede Mannschaft zurückgreifen kann – wenn sie nur will. Wenn sie nicht will, sind Trainerwechsel die Waffen der Bosse, sie sollen aufrütteln, für neuen Schwung sorgen. In Bochum war der Wechsel erfolgreich, mit Leipzig ging es aufwärts, Leverkusen kommt dagegen nicht vom Fleck, Schalke und Stuttgart suchen noch und krebsen weiter am Tabellenende herum. In Leverkusen hat der neue Coach Xabi Alonso erkannt, dass der Mannschaft der Wille zum Einsatz des Körpers fehlt und in den letzten Tagen vor allem den Kampfgeist wecken wollen. Erste Fortschritte sind erkennbar, jetzt sollte er Elfmeter üben lassen. 2022 hat Bayer bisher sechs Elfmeter bekommen und alle verschossen! Zu giftig war Verteidiger Iago beim FC Augsburg, der seine Gegner gern körperlich attackiert. Iago stieg Gegenspieler Schlager erst auf den Fuß und schubste ihn nach dessen Protest um, das gab zweimal Gelb in einer Situation und der FCA vergab gegen Leipzig einen 3:0-Vorsprung, musste am Ende über das 3:3 noch glücklich. Alles hat halt seine Grenzen.

Wille und Leidenschaft geht den Dortmundern manchmal ab, was immer wieder zu unerwarteten Niederlagen führt. Das soll nicht mehr vorkommen. Nach jedem glanzvollen Auftritt kommt der gleiche Schwur: „So müssen wir immer spielen“. Beobachter sind da skeptisch. Dabei zeigte sich die Borussia beim 5:0 gegen Stuttgart als Mannschaft der Zukunft. Es war das erste Mal in der Bundesliga-Geschichte, dass drei Teenager in einem Spiel für ein Team drei Tore erzielten. Jude Bellingham sorgte in der 2. Minute für einen Blitzstart, der ebenfalls 19-jährige Reyna legte in der 44. Minute zum 3:0 nach und der erst 17-jährige Moukoko sorgte für den Endstand. Vor allem Jude Bellingham, der Dortmund schon als Kapitän auf das Feld führte, zeigt sich als echte Führungsfigur. Da wäre der Engländer wirklich der richtige „Golden Boy“ gewesen, bei der Wahl musste er dem Spanier Gavi den Vortritt lassen und auch Bayerns Musiala war vorn dabei, aber Bellingham hat einen Vorteil: Er ist ein wirklicher Führungsspieler. Lange wird die Borussia keine Freude mehr an ihm haben.

Was rund um den 11. Spieltag noch auffiel: Einige Wolfsburger Profis traten unangenehm auf, sie trugen bei der Zugfahrt nach Leverkusen im ICE keine Maske und veräppelten auch noch die Zugbegleiterin, als diese auf die Pflicht zum Maskentragen hinwies. Da bestätigten einige wieder den Ruf der „abgehobenen Millionäre“, die Geld haben, aber kein Hirn. So sollte der Verein schon zu einer Geldstrafe greifen, eine Entschuldigung ist zu wenig. Erfreulicher das Ereignis in Freiburg: Vincenzo Grifo verwandelte gegen Hoffenheim einen Elfmeter zum 2:0-Endstand und dies war sein 39. Tor in der Bundesliga. Damit hat er den früheren Bayern-Torjäger Luca Toni als besten italienischen Torschützen abgelöst! Grifo feierte mit Tonis typischen „Ohren-Schrauber“. Toni wird deswegen keine Tränen vergossen haben. Die liefen allerdings bei Franck Ribery, einem weiteren Bayern-Ex-Star. Der inzwischen 39-jährige Franzose, zuletzt bei US Salernitana in der Liga A in Italien aktiv, verkündete sein endgültiges Karriere-Ende. Kniebeschwerden lassen keinen Profi-Fußall mehr zu.

La Liga gegen Bundesliga

Endspurt in den Stress-Wochen vor der WM. Vier Spieltage stehen noch in der Bundesliga an, zwei entscheidende in der Gruppenphase der Champions League (und natürlich gibt es noch Europa League und Conference League). In der CL gibt es in dieser Woche wieder das Duell der La Liga und der Bundesliga. Auf den ersten Blick gelten die Spanier wohl als die stärkere Liga, doch falsch gedacht, das war einmal. Seit 2020 konnten die Iberer nur vier der 27 Europacup-Duelle beider Nationen gewinnen. Von 2013 bis 2018 sah es noch anders aus, da waren die Spanier in 50 Spielen 29mal die Sieger. Das häufigste Duell hieß Bayern gegen Real (26). Die Bayern sind diesmal aber in Barcelona und dort kein gern gesehener Gast. Die letzten fünf Vergleiche gewannen alle die Münchner, zuletzt neun von zwölf insgesamt. Auch im Hinspiel war der deutsche Meister mit 3:0 erfolgreich und im letzten Jahr schickte er Barca mit diesem Ergebnis sogar in die Europa League. Dieser Abstieg droht dem neuen Klub von Robert Lewandowski trotz des treffsicheren Torjägers erneut. Entweder, wenn die Bayern gewinnen oder wenn Inter Mailand in Pilsen siegt. Was würden die Kritiker feixen, nachdem Barca trotz Schulden eifrig auf dem Spielermarkt tätig war.

Im Gegensatz dazu sind die Münchner bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Im Blickpunkt wird natürlich wieder Lewandowski gegen seine alten Kameraden stehen (in München machte er keinen Stich), aber auch der formstarke Eric Maxim Choupo-Moting, der die Bayern wiederbelebt hat – wenn ihn denn Trainer Julian Nagelsmann spielen lässt. Mit dabei sein wird der genesene Thomas Müller, der in sieben seiner acht Spiele gegen Barca als Sieger vom Platz ging.

Anders sieht es für RB Leipzig gegen Real Madrid und Bayer Leverkusen bei Atletico Madrid aus. RB kämpft noch ums Weiterkommen, Bayer ist sogar Gruppenletzter und es droht bei einer Niederlage das Ausscheiden aus den internationalen Wettbewerben. Auch Frankfurt ist in seiner Gruppe Letzter und muss gegen Marseille gewinnen, um in der CL zu bleiben. Das Skandal-Hinspiel gewann die Eintracht mit 1:0.

Gefahr durch Wolfsburg

Die Fußball-Frauen bleiben im Gespräch und sorgen weiterhin für positive Schlagzeilen. Jetzt lockte das Spitzenspiel Wolfsburg gegen Bayern 21.287 Zuschauer in die VW-Arena, die einen 2:1-Sieg der Wölfinnen sahen, die damit in der Bundesliga fünf Punkt vor den Münchnerinnen liegen. Allein Frankfurt kann noch mithalten, mit zwei Zählern Rückstand. Es droht ein weiterer Alleingang des Dauer-Meisters und damit aber auch ein Rückgang im Interesse, wenn die Bundesliga langweilig wird.

Da wird auch die Champions League nicht helfen können, wo ebenfalls in dieser Woche wieder Spiele anstehen. Wolfsburg (4:0 gegen Pölten) und die Bayern (2:1 gegen Rosengard) starteten erfolgreich. Jetzt heißt es nachlegen, was Wolfsburg bei Slavia Prag leichter fallen sollte als den Bayern bei Benfica Lissabon. Dort geht es fast schon um das Weiterkommen hinter Favorit FC Barcelona. Im Vorjahr konnten die Münchnern, denen mit Torhüterin Benkarth, Gwinn, Lohmann und Glas vier wichtige Spielerinnen verletzt fehlen, Benfica allerdings in der ersten K.o.-Runde ausschalten.

Die Nationalmannschaft hat ihren Blick schon Richtung Weltmeisterschaft 2023 gerichtet. Für das Turnier vom 20. Juli bis 20. August in Australien und Neuseeland wurden die Gruppen ausgelost, wobei Deutschland mit Marokko, Kolumbien und Südkorea als Gegner ein eher leichtes Los erwischt hat. Im Achtelfinale drohen allerdings Frankreich und Brasilien als hohe Hürden. Die Fans in Deutschland müssen sich durch die Zeitverschiebung auf Vergnügen am Vormittag einstellen. Gespielt wird um 10.30, 11.00 und 12.00 Uhr MESZ.

Union-Fans träumen schon vom Titel

Zehn Spieltage alt ist die Saison 2022/23 der Fußball-Bundesliga und sie hat auch den Super-Sonntag hinter sich, Zeit also für eine erste Zwischenbilanz.

Der Blick auf die Tabelle erstaunt immer noch, die Außenseiter Union Berlin und SC Freiburg haben das erste Drittel der Saison bestimmt, die Top-Favoriten aus München und Dortmund dagegen Schwächen gezeigt. Dies vor allem die Borussia aus Dortmund, die jetzt auch das Duell mit dem Tabellenführer Union 0:2 verloren hat und den Anschluss zu verlieren droht. Es folgte nämlich der Absturz auf Rang acht mit immerhin sieben Punkten Rückstand nach ganz oben. Da hatte man sich nach den Verpflichtungen von Schlotterbeck und Süle etwas anderes erwartet. Dagegen Euphorie an der Alten Försterei, die Trainer Urs Fischer dämpfen will, „wir ändern unsere Ziele nicht“. Die Fans sehen das ganz anders: „Meister wird nur der FCU“ sangen sie auf den vollbesetzten Tribünen – eine Kampfansage auch an die Bayern. Nur den Klassenerhalt im Blick haben, passt wirklich nicht.

Die Münchner wollen natürlich Union stoppen, sie trumpften erneut mit einem Schützenfest auf und das gegen den Zweiten SC Freiburg. „Wir waren müde, kamen überhaupt nicht in die Zweikämpfe“, haderte dessen Trainer Christian Streich. Die Strapazen in den zusätzlichen Spielen in Europa könnten den Außenseitern Probleme bereiten, auch Urs Fischer sprach von Müdigkeit, doch sichtbar wurde sie bisher nicht. Zweifellos ist der große Kader ein Vorteil der Bayern, die aber erst einmal Konstanz beweisen müssen. „Wir wissen, dass wir liefern müssen“, merkte Leon Gorotzka an, „wir dürfen uns keine Lässigkeit mehr erlauben“. Die Bayern brauchen den großen Kader, die Ausfälle häufen sich. Kapitän Manuel Neuer (Schulter) muss derzeit zuschauen, bei Thomas Müller zwickt der Rücken, jetzt zeigte Leroy Sané beim 5:0 gegen Freiburg erst eine überragende Leistung, dann schied er mit einem Muskelfaserriss aus – Pause!

Die Bayern rückten immerhin auf Rang zwei, vor einem Jahr hatten sie sechs Punkte mehr und waren Tabellenführer mit einem Zähler Vorsprung vor Dortmund und vier vor – man höre und staune – dem SC Freiburg, der also Beständigkeit beweist (heute 18 statt 22 Punkte). Union Berlin rangierte noch auf Platz sechs und wurde am Ende Fünfter vor Freiburg. Und diesmal? Die Reise könnte wirklich bis zum Titelgewinn gehen, Union zeigt eine Zuverlässigkeit, die anderen abgeht. Da müssen die Bayern schon eher um ihre Form und die großen Ziele kämpfen. Übrigens steht am Samstag das nächste Schlagerspiel an, denn die Bayern als Zweiter gastieren beim Vierten TSG Hoffenheim. Die Breitenreiter-Schützlinge haben sich ebenso wie Frankfurt und Gladbach heimlich, still und leise nach vorne geschlichen.

Am Tabellenende fällt auf, dass im Vorjahr die späteren Absteiger Greuther Fürth und Arminia Bielefeld zu dieser Zeit bereits ganz unten rangierten. Gegen dieses böse Omen kämpfen die Revierklubs Bochum und Schalke an. Nur wenig besser geht es Leverkusen, Hertha BSC und Stuttgart. Die Stimmung bei den Klubs ist unterschiedlich. Der VfB befreite sich etwas mit dem 4:1 gegen Bochum und „befreite“ sich letzte Woche auch von Trainer Pellegrino Matarazzo. Jetzt wird ein Nachfolger gesucht, der den Erfolg zurückholen soll und möglichst auch „1000 Tage bleiben soll“ (Sportchef Mislintat). Hertha kommt nicht richtig vom Fleck, behält aber die Zuversicht. Dagegen ist der Effekt des Trainerwechsels in Leverkusen verpufft, Xabi Alonso wirkte beim peinlichen 1:5 in Frankfurt hilflos. Davor gibt es ein breites Mittelfeld, der Weg nach oben ist dabei kürzer als der nach unten. Tendenzen sind da, aber alles ist noch im Fluss.

Abwechslung im Pokal

Auch wenn auf Europas Bühne Pause ist, der Stress wird nicht weniger. Für Abwechslung sorgt in dieser Woche wieder einmal der DFB-Pokal. 15 Bundesligisten sind noch dabei, als einziger Fünftligist die Stuttgarter Kickers. Sie erwarten die Eintracht aus Frankfurt und da kommt Nostalgie auf, Erinnerungen an die Gastspiele der Kickers in der Bundesliga. Jetzt sind sie nach dem Absturz in die Fünftklassigkeit Spitzenreiter in der Oberliga Baden-Württemberg und der Aufstieg in die Regionalliga steht an erster Stelle. Der Pokal soll aber dennoch genossen werden, es gibt viel Geld und vielleicht eine Premiere: Noch nie schaffte ein Fünftligist den Sprung ins Achtelfinale (31. Januar/1. Februar und 7./8.2., Auslosung am Sonntag).

So ein richtiges Schlagerspiel gibt es nicht, ARD und ZDF haben sich die Partien Darmstadt 98 – Borussia Mönchengladbach (Dienstag) und FC Augsburg – Bayern München (Mittwoch) ausgesucht (der Rest live auf Sky). Eine durchaus gute Wahl, Darmstadt macht als Spitzenreiter der 2. Bundesliga das Duell mit Gladbach interessant und der FCA kann darauf verweisen,dass er erst kürzlich die Bayern geschlagen hat. Das 0:1 vor einem Monat ärgert die Münchner heute noch, die zudem besonders motiviert sind, weil sie die letzten zwei Jahre gegen Gladbach und Kiel jeweils in der zweiten Runde ausgeschieden sind. Die Chance auf den Pokalgewinn soll erhalten bleiben, zumal auch Gastgeber Augsburg personelle Probleme hat. Das Geld spielt beim Meister nicht die Hauptrolle, er präsentierte bei der Jahreshauptversammlung einen Gewinn von 12,7 Millionen Euro, andere Spitzenklubs in Europa melden Schulden! Es war diesmal eine ruhige Versammlung, auch wenn erneut die Verbindung zu Katar im Mittelpunkt stand. Vor allem der wiedergewählte Präsident Herbert Hainer hatte im Vorfeld den Kontakt zu den Fans gesucht.

Bayern-Frauen fordern Wolfsburg

Wie die Männer, so sind auch die Frauen des FC Bayern in ihrer Bundesliga Zweiter. Da dominierte die letzte Jahre der VfL Wolfsburg und der leistete sich in dieser Saison noch keinen Punktverlust, während die Bayern in Frankfurt zum Auftakt nur zu einem 0:0 kamen. Umso wichtiger für die Münchnerinnen also das erste direkte Duell am Sonntag (14.00 Uhr/MagentaSport) in Wolfsburg. Die Wölfinnen ziehen in die große VW-Arena um, rund 10.000 Karten sind bereits verkauft. Der Zuschauer-Boom bei den Frauen hält an, der Bayern-Campus war beim Spiel gegen Köln (4:0) mit 2500 Besuchern ausverkauft, bisher saßen meist nur rund 1000 Fans auf den Tribünen. Über 2000 Zuschauer waren es auch in Potsdam und Essen.

Die positiven Nachrichten reißen für die Fußball-Frauen nicht ab, die künftig mit den neuen Fernsehrechten ab 2023 bis 2026/27 finanziell ein dickes Plus machen. 5,1 Millionen jährlich bedeuten eine 16-fache Steigerung, nie gab es mehr Geld. Außerdem steigert sich die Fernsehpräsenz eklatant, neben MagentaSport überträgt künftig auch DAZN alle Spiele, ARD und ZDF sicherten sich zehn Highlight-Partien pro Saison und die Nationalmannschaft soll mindestens zweimal zur Primetime gesendet werden! Der Montag-Spieltag wird von der 3. Liga der Männer übernommen und da überträgt Sport1. Bei dem Sender ist der Montag etabliert. „Das ist ein bedeutender Schritt nach vorn, das ist das, was wir uns nach der erfolgreichen Europameisterschaft erhofft haben“, freut sich Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Auch in der Champions League gibt es für die beteiligten Vereine mehr Geld, da sind Meister Wolfsburg und Vize Bayern dabei, wenn in dieser Woche die Gruppenspiele beginnen (DAZN überträgt alle Spiele). Die Bayern-Mädchen werden es am Mittwoch (18.45 Uhr) gegen den FC Rosengard schwerer haben als die Wölfinnen am Donnerstag (ebenfalls 18.45 Uhr) gegen St. Pölten. Die Münchnerinnen freuen sich aber schon auf das letzte Gruppenspiel gegen den FC Barcelona am 7. Dezember, da dürfen sie nämlich in die Allianz-Arena umziehen. Der Kartenvorverkauf ist bereits gut angelaufen, der Frauen-Fußball boomt. Gut so!

Mad Max und die Schatten über seinen WM-Titeln

Max Verstappen ist also wieder Weltmeister in der Formel 1. Er siegte beim Chaos-Rennen in Suzuka und wusste am Ende selbst nicht, bin ich jetzt Weltmeister oder nicht. Wenn der 25-jährige Niederländer den Titel holt, dann begleitet ihn das Chaos. Die Gazetten fragen zwar schon, „wird Verstappen der Größte aller Zeiten?“, aber zunächst sollte er erst einmal einen sauberen Titel einfahren. „Mad Max“ wurde er früher wegen seiner rücksichtslosen Fahrweise genannt und dazu passt, dass über seinen ersten beiden WM-Titeln ein Schatten liegt.

Erinnern wir uns an das Finale vor einem Jahr, als der Rennleiter zugunsten von Verstappen eine Entscheidung fällte, die es so vorher noch nie gegeben hatte. Damit wurde Titelverteidiger Lewis Hamilton ausgebremst und alle Welt moserte „gerecht war das nicht“. Verstappen konnte das egal sein, Hauptsache Weltmeister. In diesem Jahr konnte ihm eigentlich keiner den Titel streitig machen, die Konkurrenz besiegte sich selbst. Doch die Entscheidung endete wieder im Chaos, weil der Motor-Weltverband FIA offensichtlich nicht in der Lage ist, lupenreine Statuten zu erstellen. Der Rennleiter urteilte diesmal zwar nach einem Regen-Chaos und langen Unterbrechungen buchstabengetreu, doch was er ausgrub, hatten alle anderen nicht auf dem Schirm. Selbst der eigene Rennstall von Mad Max nicht. Vier Rennen vor Schluss ist also die Entscheidung gefallen.

Doch Halt, eigentlich doch nicht, Schatten bleiben. Nach monatelangen Buchprüfungen hat der Verband bekanntgegeben, dass Verstappens Rennstall Red Bull gegen die Satzung verstoßen hat, nämlich die Kostengrenze der Teams von 148,6 Millionen US-Dollar überschritten hat. Alle anderen hatten sich an die Regeln gehalten. Red Bull fällt oft damit auf, dass es die Konkurrenz der üblen Machenschaften bezichtigt. Wer laut schreit, lenkt offenbar von eigenen Fehlern ab. Bezeichnend ist, dass der Strafenkatalog ungewiss bleibt. Die einen glauben sogar, dass Verstappen seinen Titel verlieren könnte, die anderen sehen nur eine Geldstrafe auf Red Bull zukommen, nach dem Motto „ist ja nicht so schlimm, wenn einer betrügt“. Das Gegenteil hatte aber der Sportdirektor der Formel 1, Ross Brawn, behauptet: „Dieses Regelwerk hat Biss. Wenn du betrügerisch die Finanzregeln brichst, wirst du deinen WM-Titel verlieren.“ Geht es wirklich so weit? Müsste eigentlich, denn die Regeln wurden eingeführt, um den kleineren Teams bessere Chancen zu geben. So klagt ein betrogener Teamleiter: „Mit dem Geld hätten wir auch ein besseres Auto bauen können.“ Wie es ausgeht, ist aber auch klar: Die Formel-Bosse werden sich nicht selbst schädigen! Schatten bleiben. Die Formel 1 urteilt, wie es ihr beliebt.

Zunächst einmal muss sich Max Verstappen bei seinem genialen Chefkonstrukteur Adrian Newey bedanken, der am besten die neuen technischen Vorgaben umgesetzt hat und dem Niederländer ein Auto hinstellte, das den anderen überlegen war. Dann darf er sich bei Ferrari bedanken, das den Weg frei gemacht hat. Ferrari hat sich selbst geschlagen, der Autos schienen ebenbürtig zu sein, Charles Leclerc träumte vom Titel. Doch sein Rennstall patzte, unnötige Boxenstopp mit Pannen, viermal platzte der Motor und als Fazit blieb: „Es ist unglaublich, wie Ferrari es schafft, es in jedem Rennen zu vergeigen“, klagte Ex-Teamchef Flavio Briatore. Mercedes hatte von den Top-Teams die größten Probleme die Regeln umzusetzen für ein schnelles Auto. Lewis Hamilton sah von der Konkurrenz nur die Rücklichter, aber es gibt auch Hoffnung, eine stete Verbesserung wurde sichtbar. Könnte sein, dass Red Bull im nächsten Jahr stärkere Konkurrenz bekommt. Nur, wie schaut dann der nächste Griff in die Trickkiste aus?

Unabhängig davon darf sich Verstappen im Moment zu dem Kreis von 16 Fahrern zählen, die Doppel-Weltmeister wurden. Sebastian Vettel bleibt mit 24 Jahren der jüngste in diesem illustren Haufen, Verstappen mit 25 Jahren liegt auf Platz zwei. Rekordhalter sind allerdings Michael Schumacher und Lewis Hamilton mit sieben Titeln. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, zumal Hamilton immer noch darauf hofft, alleiniger Rekordhalter zu werden. Dazu braucht er ein schnelles Auto, denn eins ist auch gewiss. Mad Max ist nicht leicht zu schlagen. insofern können wir den Rest der Formel-1-Saison abhaken und schon auf 2023 mit einer Rekordzahl an Rennen schauen. Aber Vorfreude ist eigentlich nicht angebracht, angesichts der Machenschaften.