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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

EM war ein Fest des Frauen-Fußballs – England Europameister, Deutschland ein Gewinner

„Wir schreiben Geschichte“ hatten sie in der Schweiz gejubelt und damit ihren erstmaligen Einzug ins Viertelfinale gemeint. Aber mit der Austragung der Fußball-Europameisterschaft der Frauen haben sie auch in der Organisation Geschichte geschrieben. Es war ein einzigartiges, stimmungsvolles Fest, garniert mit einem neuen Zuschauerrekord (650.000). Alle waren begeistert von einer lockeren, angenehmen Atmosphäre, egal, ob Fans oder Spielerinnen, egal, ob in den Städten oder Stadien. Im Gegensatz zu den Männern gab es keine Ultras, keine Hooligans, keine Schlägereien. Es war ein Fest für die ganze Familie, der Frauen-Fußball der große Gewinner!

Eigentlich gab es fast nur Gewinner, als Verlierer fühlten sich allerdings die Spanierinnen, die als spielerisch beste Mannschaft des Turniers dennoch nicht den Titel holten. Glücklicher waren da die Engländerinnen, die erstaunliche Bilanzen präsentieren. In der K.o.-Runde konnten sie kein Spiel in 90 Minuten entscheiden. Der 3:1-Sieg nach Elfmeterschießen (0:1/1:1/1:1) im Finale gegen Spanien war der zweite Erfolg vom Punkt aus, im Viertelfinale gegen Schweden bedurfte es bekanntlich 14 Elfmeter (Rekord), von denen nur fünf verwandelt wurden, beim 3:2. Im Halbfinale setzte sich England gegen Italien nach Verlängerung mit 2:1 durch, Chloe Kelly traf in der 119. Minute, bis zum Schlusspfiff waren es die einzigen vier Führungsminuten in der K.o.-Runde! Kelly sorgte immer wieder als Joker für entscheidende Momente und verwandelte schließlich auch den letzten Elfmeter! Die Engländerinnen verteidigten ihren Titel also erfolgreich.

Eine besondere Bilanz hat auch Trainerin Sarina Wiegmann vorzuweisen, die Holländerin erreichte ihre fünftes Finale (einschließlich WM) in Folge und wurde dreimal in Folge Europameisterin. 2017 gewann sie noch mit der Niederlande, trainierte dann ab 2021 England und holte 2022 (ein Jahr später wegen Corona) wieder den Titel und jetzt erneut. „Ich weiß nicht, wie das alles gegangen ist,“ schüttelte die 55-Jährige selbst den Kopf. Verwundert war sie auch über ihre Verteidigerin Lucy Bronze, die mit der Goldmedaille um den Hals gestand, dass sie das ganze Turnier mit einem gebrochenen linken Schienbein gespielt hatte. Unmenschlich! Mit 598 Minuten Spielzeit standen nur drei Mitspielerinnen länger auf dem Feld! Im Gegensatz zu England ist bei Spanien die Trainerin Montserrat Tomé (43) nicht beliebt, sie ist eine belastete Funktionärin vom Kuss-Skandal. Freuen konnten sich am Ende nicht einmal die spanischen Spielerinnen über Auszeichnungen. Aitana Bonmati, die gegen Deutschland entscheidend traf, wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt, Mittelstürmerin Esther war mit vier Treffern (alle in den Gruppenspielen) beste Torschützin. Gut spielt, die anderen hatten noch besser gekämpft. Gewinner waren auch die Schiedsrichterinnen – es gab keine Tumulte, keine großen Beschwerden.

Als Gewinner kann sich auch Deutschland fühlen. Das Ausscheiden im Halbfinale war unglücklich. Zwar nahm Torhüterin Ann-Katrin Berger für den Schuss ins kurze Eck zum 0:1 die Schuld auf sich, doch das ist unnötig. Es war Torhüter-Pech, sie spekulierte zurecht auf eine Flanke, Aitana überwand sie mit einem Glücksschuss. Berger war die älteste Spielerin einer jungen Mannschaft, der die Zukunft gehört, wenn sie sich in entscheidenden Punkten verbessern kann. Man darf nicht vergessen, dass es Rückschläge mit Verletzungen (Gwinn) und Sperren gab. Dazu fehlte mit der langzeitverletzten Lena Oberdorf die Mittelfeldstrategin. Übrigens kassierte der DFB insgesamt 2,7 Millionen Euro von der UEFA (England 5 Millionen), jede Spielerin erhält als Prämie 65.000 Euro.

Ab jetzt geht es um die Zukunft. Der Frauen-Fußball kommt in Deutschland an, doch beim Nachwuchs hapert es. Bezeichnend, sechs Leistungszentren gibt es bei den Mädchen, bei den Jungen sind es 58! Bedenklich, dass sich die U17 und U19 nicht einmal für die Europameisterschaften qualifiziert haben! Weiter Auftrieb könnte es geben, wenn Deutschland den Zuschlag für die nächste EM 2029 erhält. Der DFB hat bei der Bewerbung allerdings starke Konkurrenz, vor allem mit der Doppelbewerbung von Schweden und Dänemark, Polen will das erste osteuropäische Land sein, das eine Frauen-EM austrägt, Italien erhofft sich den Zuschlag, um ebenfalls den Frauen-Fußball zu forcieren. Am 3. Dezember wird entschieden

Für eine gute Zukunft ist aber vor allem die Bundesliga verantwortlich. Bei den Vereinen müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Mängel wurden vor allem im Passspiel und bei der Ballbehandlung deutlich. Der großartige Kampfeswillen kaschierte vieles. Die Aufstockung der Bundesliga von 12 auf 14 Vereine wird für mehr Aufmerksamkeit sorgen, zumal es mit dem Hamburger SV, 1. FC Nürnberg und Union Berlin attraktive Aufsteiger gibt, die alle in großen Stadien spielen wollen. Das brauchen die Frauen, die sich schon auf das Auftaktspiel der Bundesliga freuen, wenn Meister Bayern München in der Allianz-Arena am 6. September gegen Leverkusen spielt.30.000 Karten sind schon verkauft! Die Nationalmannschaft ist dann wieder zwischen dem 22. und 28. Oktober gefordert, da geht es im Halbfinale der Nations League gegen Frankreich.

Es geht wieder los: Start der 2. Bundesliga

Die Frauen dürfen kurz Urlaub machen, ab sofort übernehmen die Männer wieder das Kommando. Am Freitag startet die 2. Bundesliga mit dem Schlagerspiel Schalke 04 – Hertha BSC (20.30 Uhr/live bei SAT1) in die neue Saison (das Oberhaus folgt am 22. August). Mit dem Aufstieg der Traditionsklubs 1. FC Köln und Hamburger SV hat das Unterhaus einen großen Aderlass zu verzeichnen, aber von unten kam mit Dynamo Dresden und den Pokalhelden von Arminia Bielefeld guter Ersatz. Da dürften die Zuschauerzahlen weiterhin stimmen (zuletzt mit 9,4 Millionen ein neuer Rekord/ Schnitt 30.000) und das Motto „stärkste 2. Liga der Welt“ verliert sicher nicht an Gültigkeit. Vorfreude also, es geht wieder los!

Mit Hertha BSC Berlin zeigt sich gleich der erste Aufstiegsanwärter, aber insgesamt wird es wohl wieder ein enges Rennen geben wie im Vorjahr. Von den Traditionsklubs müssen sich Schalke und Nürnberg eher mit einem Mittelfeldplatz anfreunden, Ambitionen werden vor allem Hannover, Düsseldorf und Kaiserslautern nachgesagt. Die BL-Absteiger Kiel und Bochum müssen sich erst wieder neu aufstellen, können aber durchaus überraschen. Überraschungsteams wie im Vorjahr Elversberg, Paderborn und Magdeburg (auf den Plätzen 3 – 5) werden gesucht und wird es sicherlich wieder geben. Die Fernsehpräsenz wird gesteigert, im Free-TV gibt es mehr Übertragungen, auch RTL ist dabei. Ansonsten laufen wie bisher schon alle Spiele bei Sky.

Der 1. Spieltag: Freitag, 20.30 Uhr: Schalke – Hertha BSC. Samstag, 13 Uhr: Elversberg – Nürnberg, Paderborn – Kiel, Karlsruhe – Münster, Darmstadt – Bochum. 20.30 Uhr: Bielefeld – Düsseldorf. Sonntag, 13.30 Uhr: Hannover – Kaiserslautern, Magdeburg – Braunschweig, Fürth – Dresden.

Bayern-Erfolg im Transfer-Theater

Vor allem die Bayern füllen im Sommer das Programm im Transfer-Theater. Sie tun sich schwer mit Verstärkungen. Jetzt soll es den ersten Erfolg im Millionenspiel geben, die Bayern sollen sich mit dem FC Liverpool über den Wechsel des Kolumbianers Luis Diaz geeinigt haben, allerdings werden rund 75 Millionen (mit Boni) fällig. Der 28-jährige kampfstarke Außenstürmer kann im Angriff aus fast allen Positionen eingesetzt werden. Auf der Verkaufsliste zeichnet sich Entlastung ab, Bryan Zaragoza bleibt in Spanien (Celta Vigo gilt als Favorit), Verteidiger-Talent Adam Aznou, der bei Trainer Kompany keine Berücksichtigung fand, steht im Visier vom FC Everton, der sogar 9 Millionen Euro Ablöse zahlen will. Die Bayern haben offensichtlich weiterhin Probleme, eigene Talente im Profi-Kader zu halten. Jamal Musiala war eine Ausnahme, Paul Wanner hat zumindest die Chance evtl. der nächste zu sein.

Bei der Konkurrenz sieht es anders aus, Bayer Leverkusen setzt beim Neuaufbau auf junge Spieler, es verdichten allerdings die Meldungen, dass mit Granit Xhaka (zum FC Sunderland) der letzte routinierte Stützpfeiler geht. Frankfurt hat dagegen wieder gut verkauft mit rund 90 Millionen Euro vom FC Liverpool für Hugo Ekitiké die Kasse gut gefüllt. Wenig hört man von Borussia Dortmund, dort vertraut man offensichtlich mehrheitlich dem Kader, der zwar in der Vorsaison in die Kritik geriet, aber bei der Klub-WM eine Art Rehabilitation betrieb. Doch Vorsicht, Bundesliga und internationale Aufgaben waren da zwei verschiedene Welten!

Formel 1: Der alte Dominator versinkt im Chaos

Die Formel-1-Experten schwärmen, „es gibt keinen besseren Ort, um die zweite Hälfte der Formel-1-Saison zu beginnen, als die Ardennen. Auf dem Circuit Spa-Francorchamps sind sie zu Hause, die großen Gefühle.“ Die Berg- und Talfahrt holt das Beste aus den Rennfahrern und den Rennwagen heraus. Der zweite Teil der Saison dürfte aber sowieso spannend wie selten werden und Spannung liegt auch in der Luft, was die Zukunftsplanungen angeht. Den Weg für eine neue Zukunft hat der bisherige Dominator frei gemacht, denn Red Bull versinkt inzwischen im Chaos. Nach dem spektakulären Aus von Teamchef Christian Horner ist die Zukunft offen.

Unruhe begleitete Red Bull schon die ganze Saison, weil Max Verstappen öfters hinterher fuhr als ihm lieb ist und McLaren inzwischen den Siegerwagen auf die Strecke bringt. Oscar Piastri, der mit 234 Punkten führt, und Kollege Lando Norris (226) können sich nur gegenseitig den Griff nach dem Titel versauen und Verstappen (165) zum lachenden Dritten machen. Noch gibt es keine Stallorder. In der Konstruktionswertung liegt Red Bull mit 172 Punkten sogar nur auf Rang vier hinter McLaren (460), Ferrari (222) und Mercedes (210). Das Dilemma bei Red Bull begann mit einem Skandal um Christian Horner und dem Weggang von Genie Adrian Newey, dem Technischen Leiter. Seitdem sind die Boliden nicht mehr so schnell und fehlerhaft wie die Konkurrenz, die sich ins Fäustchen lacht. Zwölf Rennen stehen also noch aus, am 7. Dezember gibt es das Finale in Abu Dhabi.

Bei Halbzeit werden aber auch die Gerüchte um die Zukunft der einzelnen Teams immer konkreter und oft von Vertragsverlängerungen abgelöst. So machte es Mercedes-Boss Toto Wolff besonders spannend, als er für die Tage rund um Spa eine Entscheidung über die Fahrer ankündigte. Max Verstappen habe von Red Bull die Nase voll, heißt es, Mercedes buhle um ihn, obwohl der Vertrag des Niederländers noch bis 2028 läuft. Dagegen laufen die Verträge der beiden Mercedes-Fahrer George Russell und Kimi Antonelli am Saisonende aus. „Die Fahrer müssen Bescheid wissen, wie ihre Zukunft aussieht“, sagt Toto Wolff. Es wäre allerdings keine Überraschung, wenn eine Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr bekannt würde. Verstappen wird auch noch abwarten wollen, wie die Zukunft bei Red Bull aussieht, schließlich gibt man eine neunjährige Zusammenarbeit nicht so leicht auf. Sein Traum, wie Michael Schumacher fünfmal hintereinander Weltmeister zu werden, hat er wohl sowieso schon aufgegeben.

Ja, Michael Schumacher ist in Spa allgegenwärtig, es war schließlich seine Hausstrecke, da fuhr er Rekorde ein. Heute ist die Formel 1 in Deutschland in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent, weil hierzulande keine Rennen mehr gefahren werden. Mit einem Kracher beendete allerdings der letzte Deutsche im Fahrerfeld, Nico Hülkenberg, die erste Saisonhälfte, als er im Regenrennen von Silverstone aufs Podest fuhr. Da ging für ihn ein Lebenstraum in Erfüllung, noch nie musste ein Fahrer so lange auf einen Platz auf dem Stockerl warten. Für Hülkenberg waren es genau 5593 Tage. Mit seinem Sauber hielt er die Verfolger Hamilton und Verstappen auf Distanz und schürte damit die Hoffnung auf das nächste Jahr, wenn Audi bei Sauber einsteigt. Es geht jetzt schon aufwärts bei dem Sauber-Team, das mit 41 Punkten Rang sechs in der Konstrukteurswertung belegt, Hülkenberg (37/Rang 9) ist dabei ein eifriger Punktesammler. Wer hätte das gedacht. Sauber stand zuletzt 2012 auf dem Podest!

Vier Rennen stehen mit Spa, Budapest, Zandvoort und Monza noch in Europa an, bevor es nach Asien, Amerika und den Vorderen Orient geht. Die Formel 1 hat ja vor allem in den USA durch Internetaktivitäten neue Fans gewonnen, so dass es in den nächsten Jahren eher weniger Rennen in Europa geben wird. Madrid soll zwar bald ein Stadtrennen bekommen, dafür dürfte aber ein anderer traditionsreicher Kurs wegfallen. Die Formel 1 ist Teil der Unterhaltungsindustrie, die Fans fühlen sich gerade in diesem Jahr gut unterhalten.

Das Wunder von Basel: Frauen sorgen bei ihrer EM für Spektakel

Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz ist ein überwältigender Erfolg. Die Stadien sind voll, die Stimmung im Land großartig, dafür hat auch die eigene Mannschaft gesorgt. Gerade die Spiele im Viertelfinale waren zudem ein richtiges Spektakel. Schweden und England sorgten für einen Elfmeter-Rekord, die deutsche Mannschaft sicherte sich mit einem heroischen Kampf und einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich einen Eintrag in die Geschichtsbücher. Beste Reklame also für den Frauen-Fußball – Fußball-Herz was willst du mehr!

Im Fußball geläufig ist das „Wunder von Bern“ von 1954, als Deutschland gegen Favorit Ungarn sensationell mit einem 3:2-Sieg die erste Weltmeisterschaft gewann. Ein Sieg, der für Euphorie im Land sorgte und heute noch als wichtiger Antrieb für den gelungenen Wiederaufbau Deutschlands gilt. Ganz so geschichtsträchtig ist der 6:5 (1:1/1:1/1:1)-Erfolg n. E. über Frankreich nicht, aber der tolle Kampf der Mädchen mit dem glücklichen Ende durch eine überragende Torhüterin Ann-Katrin Berger wird in Erinnerung bleiben. Das Spiel bot alles, was den Fußball interessant macht, was die Zuschauer von den Sitzen reißt.

Die Dramaturgie hätte kein Autor besser erfinden können. Die DFB-Elf trat als Außenseiter an, Bundestrainer Christian Wück hatte von vornherein auf eine defensive Ausrichtung gesetzt. Dann aber die ominöse 13. Minute: Kathrin Hendrich, neu hereingekommen, greift im eigenen Strafraum der Französin Mbock an den Zopf, zieht offensichtlich, also Rot und Elfmeter. Geyoro verwandelte, damit nahm das Drama seinen Anfang. Deutschland musste 75 Minuten (am Ende waren es 105 ohne Nachspielzeit) in Unterzahl überstehen, dazu schied kurz danach mit Sarai Linder die nächste Rechtsverteidigerin verletzt aus. Auf dem Posten liegt offensichtlich ein Fluch, Gwinn verletzt, Wamser gesperrt, jetzt Linder (von links nach rechts gewechselt) verletzt. Die Mannschaft aber hielt sich an das Motto, das der Bundestrainer sowieso schon mit auf den Weg gegeben hatte: „Mentalität schlägt Talent“. Der verbliebene Rest kämpfte auf dem Feld mit einer Leidenschaft, die bei einem vollzähligen Team wohl kaum abgerufen worden wäre. Dazu half ein genauer Eckball von Klara Bühl, den Sjoeke Nüsken ins lange Eck verlängerte. Mit einem 1:1 war alles drin, sogar der Sieg war möglich, aber in der 69. Minute scheiterte Nüsken mit einem Foulelfmeter an Torhüterin Peyraud-Magnin. Im Elfmeterschießen machte sie es besser. Es war also alles geboten.

Dass es überhaupt zu einem Elfmeterschießen kam, war Ann-Kathrin Berger zu verdanken, die einen verunglückten Kopfball von Kapitänin Minge mit der „Parade des Jahres“ von der Linie kratzte. Im Showdown hielt Berger dann zudem zwei Elfmeter und verwandelte den fünften zudem selbst sicher, so dass es auch vom Punkt zu einer Verlängerung kam. Berger hielt gleich den ersten Elfer, Minge, Dallmann und Knaak trafen, ehe Däbritz vergab. Nach Berger waren dann aber Bühl und Nüsken erfolgreich, ehe Berger den Schuss von Sombath hielt. Der Rest war Jubel! Der Kraftakt war von Erfolg gekrönt, typisches Beispiel des Willens war die junge Franziska Kett, die in beeindruckender Weise ihre renommierten Gegenspielerinnen Cascarino und Mateo in Schach hielt. Die Französinnen waren fassungslos, „wir haben das nicht verdient, wir waren die bessere Mannschaft“, jammerte Verteidigerin Bacha, gestand aber auch „ich bin eine schlechte Verliererin.“ Frankreich hatte in der Gruppenphase durch schönes Spiel imponiert, fand diesmal aber kein Rezept gegen die kampfstarken Deutschen.

Mit dieser unerwarteten Leistung und vor dem Halbfinale gegen Weltmeister Spanien hat die DFB-Elf bereits beste Reklame für den Frauen-Fußball gemacht. Die Fans in Deutschland sind wachgerüttelt, für die in der Regel niedrigen TV-Einschaltquoten im Sommer sind über 10 Millionen Zuschauer eine sagenhafte Zahl – und keiner wird das Einschalten bereut haben! Aber jetzt kommt die nächste große Aufgabe gegen Spanien am Mittwoch in Zürich. Dort verlor man am Samstag 1:4 gegen Schweden! Gegen Spanien sind die Vorzeichen ähnlich wie vor Frankreich: Der Weltmeister ist ebenfalls Favorit, hat imponiert. 14 Tore in den Gruppenspielen sind Rekord. Spanien mit seinen Stars Alexia, Aitana und Paredes galt sowieso als erster Titelanwärter, hat das Zeug einen deutschen Riegel zu knacken. Aber: Deutschland ist gegen Spanien noch ungeschlagen, gilt als „bastia negra“, das „Schwarze Biest“. In acht Spielen gab es fünf DFB-Siege, bei der WM 2019 wurde Spanien 1:0, geschlagen, bei der EM mit 2:0 ausgeschaltet und bei Olympia 2024 in Paris holte Deutschland mit einem 1:0 gegen Spanien Bronze! Spanien wurde auch noch nie Europameister. Bundestrainer Christian Wück muss sich aber wieder etwas einfallen lassen, mit Hendrich, Nüsken (beide gesperrt) und Linder (verletzt) fehlen drei Stammspielerinnen. „Wir wollen nach Basel, dieses Stadien gefällt mir“, hat Klara Bühl den Blick auf das Finale am Sonntag gerichtet.

Das zweite Finale bestreiten am Dienstag in Genf England und Italien. Die Titelverteidigerinnen aus England haben im Viertelfinale gegen Schweden für einen Rekord gesorgt. Auch da gab es nach einem 2:2 nach 120 Minuten ein Elfmeterschießen, sage und schreibe 14 waren nötig, zum 3:2-Sieg für England. Neun Elfmeter wurde also nicht verwandelt – das gab es noch nie! Auffallend: Außer Spanien stehen nur Gruppenzweite im Halbfinale! Die EM bietet wirklich alles!

Bayern im Transfer-Dilemma

Einige Bundesligisten haben schon reihenweise neue Spieler verpflichtet, andere tun sich schwer, Verstärkungen zu finden. Vorne dran dabei Meister Bayern München, das Team zu verstärken ist aber auch schwer und vor allem teuer. Und so bleibt Woche für Woche alles in der Schwebe. Stuttgart will wegen Nick Woltemade nicht verhandeln, 65 Millionen Euro sind zu wenig. Dabei könnten die Bayern Druck ausüben, haben Torhüter Nübel als Leihspieler beim VfB und wenn die Stuttgarter ins Trainingslager an den Tegernsee kommen, hat es Bayern-Legende Uli Hoeneß nicht weit zu einem Machtwort mit Neffe Sebastian Hoeneß, dem VfB-Trainer. Und noch einen Plan B gibt es, Talent Paul Wanner haben die Stuttgarter im Visier, aber er könnte bei den Bayern die Lücke des verletzten Musiala füllen, ganz ohne Woltemade. Ohne Trumpf sind die Münchner also nicht.

Kein Woltemade, aber vielleicht ein Luis Diaz. Der kolumbianische Stürmer des FC Liverpool gilt als perfekte Lösung als linker Stürmer, weil er auch Back-up für Harry Kane in der Mitte sein kann. Allerdings ruft Liverpool rund 70 Millionen Euro als Ablöse auf. Diaz soll sich mit den Bayern einig sein, vielleicht braucht Liverpool das Geld, weil für Wirtz, Frimpong und neuerdings zudem noch Ekitiké von Eintracht Frankfurt (für 90 Millionen!) rund 250 Millionen allein in die Bundesliga fließen. Aber auch hier könnte es noch eine Weile dauern. Immerhin gibt es bei den Bayern eine Entscheidung: Herbert Hainer hat sich entschlossen, bei der Jahreshauptversammlung im November wieder als Präsident zu kandidieren. Die Wiederwahl des 71-Jährigen gilt als sicher. Es wäre seine dritte Amtsperiode, 2019 hatte er Uli Hoeneß beerbt.

Schwerer als die Bayern wird es in der neuen Saison vor allem Bayer Leverkusen haben. Nach den Team-Stützen Tah, Wirtz und Frimpong wird jetzt auch über einen Abgang vom Mittelstrategen Granit Xhaka spekuliert, den saudisches Geld locken soll. Da steht der neue Trainer Erik ten Hag vor einem ziemlichen Neuaufbau.

Klub-WM: Ein Triumph Europas und des Geldes

Das war sie nun, die erste Klub-Weltmeisterschaft im XXL-Format mit 32 Mannschaften (vorher 7) ist Vergangenheit. Wird sie uns als großes Fußball-Ereignis in Erinnerung bleiben? Den Fans in Europa wohl kaum, auch wenn FIFA-Präsident Gianni Infantino sie als „größtes Ereignis des Fußballs“ preist (oder hat er sogar „in der Welt“ gesagt?). Es ist sein Kind und so musste es auf jeden Fall „großartig“ sein, egal wie die Wirklichkeit aussah. Die Klub-WM wurde aber zu einem Triumph der Vereine Europas und des Geldes. Sie ist vielleicht im Großen und Ganzen keine schlechte Idee, aber mit erheblichen Mängeln und negativen Auswirkungen behaftet. Die Weltmeisterschaft der Nationen ist wesentlich attraktiver und eher dazu geeignet, als „größtes Ereignis des Fußballs“ gepriesen zu werden. Ob sie das in den USA, Mexiko und Kanada im nächsten Jahr wird, darf allerdings in Zweifel gezogen werden, dafür gab es zu viele Probleme in den USA.

Zuerst zum Sport. Im Finale waren Europas Klubs unter sich. Typisch für das Turnier des Geldes mit Millionen-Aussschüttungen, es standen sich zwei geldsubventionierte Klubs gegenüber. Der Sport stand dennoch im Mittelpunkt, denn mit Chelsea London gewann der Außenseiter, der Champions-League-Sieger Paris St. Germain mit 3:0 fast demütigte. Die Pariser, die sich sicher waren, den nächsten großen Titel zu gewinnen, hatten übersehen, dass Chelsea seit 2012 jedes Finale gewonnen hat! 2012 und 2021 die Champions League, 2013 und 2014 die Europa League, 2025 die Conference League und 2021 und jetzt 2025 die Klub-WM. „Vater des Erfolges“ ist der 45-jährige Enzo Maresca, der aus einem Verlierer-Team ein Sieger-Team machte. „Vor einem Jahr war Chelsea von der Weltbühne verschwunden“, erzählt er stolz, „jetzt sind wir wieder wer.“ In der Premier League schaffte Chelsea mit Mühe gerade noch Platz vier und damit die Qualifikation für die CL. Aus einem Kader von rund 40 Spielern (!) bastelte der Trainer ein Siegerteam und das natürlich mit Geld. Ein entscheidender Faktor war der Brasilianer Joao Pedro, der während der Klub-WM für 63,7 Millionen Euro von Brighton verpflichtet wurde und diese Investition sofort eingespielt hat. Er half mit seinen Toren entscheidend mit, dass Chelsea als Sieger genau 114,535 Millionen Dollar kassiert. Matchwinner im Finale war aber Cole Palmer, der zweimal die Pariser düpierte, zudem hat sich Maresca eine raffinierte Siegestaktik einfallen lassen. Er stellte optisch defensiv auf, überraschte den Gegner aber mit offensiven Spiel. Chelsea führt auch die Geldrangliste an, Zweiter ist Paris auch hier mit 106,835 Dollar, die Bayern sind Fünfter mit 58,14 und Dortmund dahinter Sechster mit 52,29 Millionen Dollar (Schlusslicht ist Auckland mit 4,58 Millionen).

Die europäischen Teams gaben sportlich den Ton an (fünf im Viertelfinale, drei im Halbfinale), die Fans der südamerikanischen Mannschaften sorgten dagegen für die Stimmung, sonst wäre die WM eine trostlose Angelegenheit gewesen. Die Bundesligisten mischten tapfer mit, Dortmund war zufrieden, die Bayern am Ende eher nicht, geschockt auch von der Musiala-Verletzung. Unzufrieden vor allem auch Real Madrid, das Debüt von Xabi Alonso als neuer Coach ging in die Hose, doch Schuld trifft ihn nicht, dass Real in dieser Saison ohne Titel blieb. Dass die WM eine große Zusatzbelastung für alle Spieler war, wird nicht nur an zu vielen Verletzungen deutlich, sondern auch in privaten Belastungen, die Nationalspieler Pascal Groß deutlich machte, er habe in den letzten fünf Wochen seine Kinder nur an drei Tagen gesehen.

Die USA wurde als Austragungsort gewählt, um quasi für die „echte“ WM 2026 zu trainieren. Die Organisation klappte, doch nicht alles war perfekt. So gab es vor allem Kritik an den Spielfeldern, der Rasen war oft schlecht, ließ kein gutes Spiel zu. Für das Wetter kann niemand etwas, aber es gibt sicher Jahreszeiten, die nicht so von Unwettern geprägt sind wie der Sommer. Eine Frage des Geldes sind wiederum die Anstoßzeiten, die sich wesentlich nach den Wünschen der Europäer richten, so dass um die heiße Mittagszeit gespielt werden musste. Die Fernsehzuschauer konnte man aber in Europa nicht vor die Bildschirme locken (in Deutschland sahen bei SAT1 nur 1,7 Millionen das Finale). Das wird bei der WM der Nationen anders sein. Was die Auslastung der Stadien angeht, da schwärmte Infantino von einem Zuschauererfolg, verklärte aber die Realität, weil die FIFA ein gleitendes Ticketsystem einführte. Teure Karten wurden plötzlich billig, wenn ein leeres Stadion drohte. Statt einer dreistelligen Summe konnte man für elf Dollar ein Halbfinalspiel sehen!

Aber wie gesagt, es war nicht alles schlecht, einen erneuten Versuch wird es in vier Jahren geben, angeblich haben Katar und Brasilien bereits Interesse gezeigt, möglich wäre aber vor allem Spanien/Portugal mit einem Testlauf für die WM 2030. Gedanken, das Teilnehmerfeld gleich wieder zu erhöhen, sollte man allerdings fallen lassen. 48 Teams sind sinnlos, entsprechen aber natürlich dem Größenwahn von Infantino. Die Finanzierung könnte zum Problem werden, nicht immer wird Saudi-Arabien mit einer Milliarde Dollar eine Pleite verhindern.

Bei den Frauen ist die Euphorie verflogen

Der Traum vom Gewinn der Europameisterschaft kann noch immer Realität werden, doch die Wahrscheinlichkeit liegt nur bei wenigen Prozent. Im Moment glauben die Mädchen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft selbst nicht mehr an den großen Coup, zu tief sitzt der Schock der 1:4-Niederlage gegen Schweden, die Euphorie ist nach der höchsten EM-Niederlage aller Zeiten verflogen, es regiert der Frust. Die deutsche Auswahl wurde fast vorgeführt, nach einer starken Anfangsviertelstunde schwammen die Felle davon, ein Platzverweis (Handspiel) gegen Abwehrspielerin Carlotta Wamser in der 32. Minute war der frühzeitige K.o., das 1:3 die Folge. Trainer Christian Wück wirkte am Spielfeldrand auch hilflos. Seine Taktik mit offensivem Pressing führte hier zum Debakel, von schnellen Schwedinnen clever ausgenutzt. Wück hatte kleinen Plan B und das ist im Hinblick auf das Viertelfinale am Samstag gegen Frankreich bedenklich.

Die deutsche Mannschaft ist nicht so gut, wie es Siege gegen kleinere Nationen suggerierten. Wir haben ein paar Weltklassespielerinnen wie Klara Bühl und Jule Brand, die auch bei der EM für Furore sorgen, was der Mannschaft aber fehlt, ist jemand als Lenker und Denker im Mittelfeld, als Halt bei schwächeren Momenten. Das hätte die verletzte Gwinn sein können, da fehlt aber vor allem die langzeitverletzte Lena Oberdorf, die in Zukunft sicher wieder das Kommando im Mittelfeld übernehmen wird. Sjoeke Nüsken und Elisa Senß wurden ihre Grenzen aufgezeigt. Vor allem aber in der Abwehr hapert es, es fehlen Tempo und Sicherheit, einzig Kapitän Janina Minge sticht heraus. Auch Torhüterin Amn-Katrin Berger sorgt mit ihrem Spiel nicht für Sicherheit. Da muss Wück wohl umstellen, er hat mit Kathrin Hendrich und Sophia Kleinherne guten Ersatz zur Verfügung. Auch im Mittelfeld könnten Sydney Lohmann und Sara Däbritz ihre Chance von Anfang an bekommen. Gegen die schnellen und spielfreudigen Französinnen ist vor allem eine gute Abwehr gefragt, aus einer Abwehr-Dreierkette sollten schnelle Konter möglich sein, das System der Schwedinnen könnte kopiert werden. Was auch eine Chance für die junge Franziska Kett sein könnte. Wamser wurde nur für ein Spiel gesperrt, aber ob sie noch einmal zum Einsatz kommen kann? Da müsste ein Sieg gegen Frankreich her. Sechs Tage bleiben Zeit zur Vorbereitung. Am Montag war erst einmal frei, damit die Mädchen auf andere Gedanken kommen.

Die deutschen Fans lechzen nach Erfolgen der Frauen, sie stehen ihnen zur Seite, 7,66 Millionen sahen am Samstag beim ZDF zu, es war die erfolgreichste Sendung am Wochenende, die Frauen-EM schlug an allen Tagen die Klub-WM der Männer wieder um Längen. Die Klub-WM ist beendet, bei den Frauen steht von Mittwoch bis Samstag das Viertelfinale an. Im Mittelpunkt steht für den Ausrichter vor allem das Spiel der Schweizerinnen am Freitag in Bern gegen Weltmeister Spanien. Die Schweizerinnen qualifizierten sich das erste Mal für ein EM-Viertelfinale, die Euphorie ist hier im Gegensatz zum deutschen Team groß, die Mannschaft wuchs über sich hinaus. Spanien dürfte allerdings eine Nummer zu groß sein. Der Viertelfinal-Reigen beginnt am Mittwoch in Genf mit der Partie Norwegen – Italien, am Donnerstag folgen in Zürich Schweden und England, ein Spiel zweier Teams, die zum Ende der Gruppenphase auftrumpften. Die beiden Sieger treffen dann im Halbfinale am Dienstag, 22. Juli, in Genf aufeinander. Der Gegner von Spanien/Schweiz wird zwischen Frankreich und Deutschland ermittelt, das zweite Halbfinale ist am Mittwoch, 23. Juli, in Zürich, das Finale am Sonntag, 27. Juli (18 Uhr), in Basel.

Schock-Samstag für die Bayern – Dortmund dagegen ein Gewinner der Klub-WM

Das hatten sich die Bayern bei der ersten großen Klub-Weltmeisterschaft im Fußball anders vorgestellt: Vor dem Abflug in die USA träumten sie davon, der erste Sieger dieses Moneten-Turniers zu werden, mit vollen Taschen und dem ersten internationalen Erfolg seit langem wieder heim zu fliegen. Es kam ganz anders. Am Samstag war die Bayern-Welt geschockt, weil gleich beide Lieblinge bei Männern und Frauen schwere Verletzungen davontrugen. Giulia Gwinn erlitt bereits am Freitag im EM-Spiel der Frauen gegen Polen bei einer Rettungsaktion vor dem eigenen Tor eine schwere Knieverletzung, als sie im Gras hängen blieb. Ein Tor verhinderte sie, doch am Samstag die traurige Diagnose, dass sie monatelang ausfallen wird. Dies steht auch Jamal Musiala bevor, den es noch schlimmer erwischte, als ihn Paris-Torhüter Donnarumma unnötig abräumte. Die Folgen sind verheerend mit Wadenbeinbruch und Verrenkung des Knöchels. Bereits am Sonntag wurde Musiala von Orlando nach München geflogen, damit er baldmöglichst operiert werden kann.

Statt als strahlende Sieger kehren die Bayern geschlagen und erschüttert nach München zurück, die Reise hat sich nicht gelohnt, dafür wurden die Sorgen größer, zum Teil auch selbst eingebrockt. Den großen Reibach konnten die Bayern nicht machen, weil sie zu früh die Segel streichen mussten. Dazu nutzte Trainer Vincent Kompany die WM nicht, um Talente heran zu führen, nur Karl und Aznou bekamen eine geringe Einsatzzeit, Neugang Tom Bischof konnte sich nur eine Halbzeit zeigen. Kompanys größter Fehler: Er denkt nicht an die Zukunft. Dabei ist die Gegenwart ernüchternd, wenn man genauer hinschaut. Die Meisterschaft war ein Trostpflaster, aber international verloren die Bayern an Reputation, Tatsache ist, dass sie alle Duelle gegen die großen europäischen Konkurrenten verloren haben, es gelangen nur Siege gegen die Underdogs Bratislava und Celtic Glasgow. Bayern muss sich eingestehen: Wir sind weit weg von Europas Spitze und den eigenen Ansprüchen. Zwei Niederlagen in fünf Spielen sind keine berauschende WM-Bilanz.

Dazu kommt das Münchner Dilemma beim Umbau des Kaders. Musialas Ausfall macht die Planungen noch schwieriger. Sportdirektor Max Eberl kann kaum Erfolge vorweisen, scheint eher überfordert zu sein, die Bayern nach den Fehlern der Vergangenheit, eine überteuerte Mannschaft, in eine bessere Zukunft zu führen. Er soll sparen, aber bei den Bayern in Not schlägt die Konkurrenz bei Ablösesummen eher noch was drauf. Siehe Nick Woltemade, der für die Bayern noch wichtiger wird, aber sicherlich auch noch teurer. Unter 80 Millionen Euro, wie sie der VfB Stuttgart schon forderte, geht in der Notsituation wohl gar nichts.

Kann Thomas Müller helfen? Die lebende Vereinslegende hatte durch das Musiala-Unglück einen traurigen Abgang, die 0:2-Niederlage gegen Paris war eigentlich Müllers letztes Spiel für die Bayern. Oder doch nicht? Kann Müller für eine gewisse Zeit die Lücke füllen? Will er das? Besserwisser Lothar Matthäus fordert in seiner bestimmenden Art „Bayern muss Müller für ein halbes Jahr verpflichten“. Eberl ist mehrfach gefordert, Müller selbst kann in Ruhe überlegen, nur er selbst weiß, wie er seine Zukunft sieht. Er ließ schon raus, dass er sich durchaus eine Verlängerung seiner Karriere bei Bayerns Partnerverein in Los Angeles vorstellen könnte, auch mit der zusätzlichen Rolle als Repräsentant. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine großartige Karriere, die Zahlen sind beeindruckend: 503 BL-Spiele (150 Tore, 215 Assists), 756 Spiele insgesamt (250 Tore, 283 Assists). Es würde den Bayern sicher guttun, wenn „Radio Müller“, in welcher Rolle auch immer, künftig weiter im Verein aktiv wäre. Zumindest die Spieler haben jetzt Ruhe, drei Wochen Urlaub gewährt Trainer Kompany, der sagt: „Weniger geht nicht“. Die Vorbereitung auf die neue Saison wird kurz, am 7. August steht das erste Testspiel an.

Zwei Bundesligisten im WM-Viertelfinale ist durchaus beachtlich, keiner im Halbfinale ist nicht so schön. Die Bayern hadern, Borussia Dortmund reist dagegen als einer der Gewinner aus den USA ab. Die Dortmunder haben den Aufenthalt nicht nur zum Geldverdienen genutzt, sondern auch zur Image-Verbesserung, so freuen sie sich über mehr als zwei Millionen neue Social-Media-Follower. Die Finanzlage hat sich extrem verbessert, zu den rund 45 Millionen Euro an Preisgeld kommen etwa 65 Millionen Euro als Ablöse für Jamie Gittens, den Halbfinalist Chelsea London kauft. Sportlich zeigte sich die Mannschaft von Niko Kovac gefestigt, das Ausscheiden gegen Real Madrid war ehrenhaft und am Ende wild, aus dem ruhigen 0:2-Rückstand wurde nach turbulenten letzten Minuten eine fast unglückliche 2:3-Niederlage.

Im Halbfinale stehen sich jetzt am Dienstag und Mittwoch Fluminense aus Brasilien und Chelsea London (das hätte niemand getippt) sowie Paris St. Germain und Real Madrid (eigentlich das wahre Endspiel) gegenüber. Das Finale wird am Sonntag (21 Uhr) ausgetragen.

Frauen wollen auch ohne Gwinn gewinnen

Der Sport-Grantler hatte zuletzt bei diesen diversen Titelkämpfen gefragt, wer denn die Lieblinge der Nation werden. Die Frauen-Nationalmannschaft ist auf dem besten Weg dazu, die TV-Einschaltquoten beweisen es. 8,2 Millionen Zuschauer sahen am Freitag den erfolgreichen 2:0-EM-Auftakt gegen Polen, das ist mehr als die U21 bei ihrer EM hatte und die Bundesligisten haben sie damit fast schon deklassiert. Im Schnitt 2,5 Millionen sahen am Samstag Bayern – Paris und am Abend um 22 Uhr sogar nur 1,6 Millionen Dortmund – Madrid. Da interessierten sich um 21 Uhr mit 2,3 Millionen sogar mehr Fans für das Frauen-Spiel Frankreich – England (2:1). Am Sonntag interessierten sich sogar 3,45 Millionen für die Partie Schweiz – Island. Nach dem 2:0-Sieg hat die Schweiz jetzt am Donnerstag ein Endspiel um Platz gegen das punktgleiche Finnland. Norwegen ist schon weiter, Island ist ausgeschieden.

Die deutsche Mannschaft muss sich erst wieder sammeln und neu orientieren, damit der Erfolg treu bleibt. Giulia Gwinn war zuletzt schließlich die Galionsfigur der Mannschaft, die Kapitänin wurde auch zum Gesicht und Sprachrohr des Teams. Ihre bisherige Stellvertreterin Janina Minge ist ja noch nicht so lange dabei und muss als neue Kapitänin erst in diese Rolle hineinwachsen. Als ihre Stellvertreterin nominierte Bundestrainer Christian Wück Sjoeke Nüsken.

Der Blick im Team geht natürlich nach vorn. Vom Ziel Titelgewinn will man nicht lassen, auch ohne Gwinn soll gewonnen werden. Ihr Vertreterin als Rechtsverteidigerin dürfte Carlotta Wamser werden, in dieser Rolle eigentlich neu, sie ist gelernte Stürmerin, machte es aber als Gwinn-Ersatz sehr gut und leistete die Vorarbeit zum ersten Treffer, einem Traumtor von Jule Brand. Die erwies sich in toller EM-Form, auch Klara Bühl sorgte für viel Wirbel. Im Tor sorgte Ann-Katrin Berger für Sicherheit, auch wenn sie manchmal riskant spielt, das aber ist ihre Art. Jetzt warten aber zwei harte Brocken aus Skandinavien auf die Wück-Schützlinge, am Dienstag (18 Uhr) Dänemark und am Samstag (21 Uhr) Schweden. Die verbliebenen sechs Bayern-Asse treffen dabei auf ihre Mitspielerinnen Pernille Harder bzw. Magdalena Eriksson. Vor allem die dänische Torjägerin Harder dürfte der deutschen Abwehr einige Rätsel aufgeben. Aber nur mit Siegen wird bei den Zuschauern das Interesse hoch gehalten. Also heißt es: Gewinnen ohne Gwinn. Das Viertelfinale wird vom 16. bis 19. Juli ausgetragen, da warten Frankreich, England oder die Niederlande als Gegner. Die harten Brocken gehen also nicht aus.

Wer sind die Lieblinge der Nation: Bayern, BVB, die U21 oder die Frauen?

Der Fußball-Sommer hat es in sich, von Erholung keine Spur, nicht nur wegen der Hitze, wie es scheint, derzeit überall auf der Welt. Bei den Turnieren geht es sowieso hitzig zu und was die deutschen Teilnehmer angeht, da steht die Frage im Raum: Wer sind denn wirklich die Lieblinge der Nation?

Eine Mannschaft hat sich zweifellos in die Herzen der Fans gespielt. Ein Team, von dem man es nicht erwartet hatte, denn wer interessierte sich bisher schon groß für die U21. Die Stars von morgen waren Mitläufer im Heute. Doch diesmal war bei der Europameisterschaft in der Slowakei alles anders. Die Jungs um Noah Antubolu, Rocco Reitz und Nick Woltemade begeisterten mit ihrem erfrischenden Spiel die Nation, der übertragende TV-Sender SAT1 hatte ungeahnt gute Einschaltquoten, über sechs Millionen Fans drückten beim Endspiel an den Bildschirmen die Daumen. Sie eroberten die Herzen, gewannen am Ende aber doch keinen Titel, das Aluminium stand bei der 2:3-Niederlage nach Verlängerung im Finale gegen England zweimal in den entscheidenden Minuten im Wege. So gab es nach zwei Jahren und 20 Spielen erstmals wieder eine Niederlage. Helden waren sie am Ende also nicht. Woltemade konnte sich damit trösten, dass er mit sechs Treffern bester Torschütze des Turniers wurde, am Ende bremste ihn aber, dass er ungewollt mit Wechselgerüchten im Mittelpunkt stand. Als bester Spieler des Turniers wurde der Engländer Elliott gewählt, der seine Mannschaft zum zweiten Titelgewinn in Folge führte. Trost spendete Bundestrainer Julian Nagelsmann: „Sie hätten den Titel verdient gehabt. Ich bin mir sicher, dass wir einige in der A-Nationalmannschaft sehen werden.“ Kollege Antonio Di Salvo war dagegen geknickt, auch für ihn platzte ein Traum, aber er hat an Geltung gewonnen. Nun geht es mit dem nächsten Jahrgang an den Neuaufbau, sieben aus dem Team können altersmäßig bleiben (Stichtag 1.1.2004).

Die Klub-WM stand demgegenüber fast im Schatten, aber die deutschen Klubs Bayern München und Borussia Dortmund kämpfen noch darum, die Herzen der Fans daheim zu gewinnen. Von begeisternden Spielen kann bisher allerdings kaum die Rede sein, allerdings bremsten Hitze und Unwetter vielfach die Stars auf dem Rasen, die sich eher als Grillhähnchen fühlten. Die Bayern hatten im letzten Gruppenspiel einen Hänger, als sie mit einem 0:1 gegen Benfica Lissabon den Gruppensieg aus der Hand gaben. Sie gingen zwar Chelsea aus dem Weg, handelten sich aber die schwerere Seite des Spielplans ein. Na ja, Benfica schied mit einem 1:4 n. V. gegen Chelsea aus, die Bayern blieben dagegen mit einem beeindrucken 4:2 gegen Flamengo aus Rio de Janeiro im Rennen. Nun geht es am Samstag (18 Uhr MESZ) im gekühlten Stadion von Atlanta gegen den WM-Favoriten Paris St. Germain. Aber: Wer Weltmeister werden will, muss jeden schlagen. Harry Kane war mit zwei Treffern der maßgebliche Faktor, Leroy Sané verabschiedete sich mit einem letzten Einsatz nach Istanbul.

So weit wie die Bayern ist Borussia Dortmund noch nicht, da steht im Achtelfinale am Mittwoch (3 Uhr) die Hürde CF Monterrey aus Mexiko noch bevor. Begeistern konnte die Borussia bisher nicht, aber sie ging Stück für Stück ihren Weg. „Wir müssen uns allein auf uns besinnen“, hat Trainer Niko Kovac als Losung ausgegeben. Für ihn ist klar, dass nicht der beste Fußball nach der langen Saison gezeigt werden kann. „Keiner kann hier Höchstleistungen zeigen.“ So will man sich Stück für Stück weiter hangeln. Ein deutsches Halbfinale wäre möglich.

Bei den Bayern geriet allerdings die Klub-WM ein wenig in den Hintergrund, weil die Transfergerüchte um Nick Woltemade die Schlagzeilen beherrschten. Kontaktaufnahmen lassen sich bei der heutigen Medienlandschaft nicht mehr verheimlichen und so kam raus, dass es gegenseitige Sympathien gibt: Die Bayern wollen Woltemade, Woltemade will nach München. Der große Mitspieler ist der VfB Stuttgart, bei dem der Jungstar noch einen Vertrag bis 2028 hat. Wenn er gehen will, sind 100 Millionen Euro Ablöse aufgerufen, die Bayern gehen von 50 Millionen aus. Heikel ist Verhandlungsposition mit Sebastian Hoeneß und Vater Dieter auf der einen und Onkel/Bruder Uli auf der anderen Seite. Der hat noch einen anderen Mitspieler abgekanzelt. Lothar Matthäus, bekanntlich Experre auf allen Kanälen, hat verlauten lassen, dass Woltemade 80 bis 100 Millionen wert sei, was Uli Hoeneß mit „der hat nicht alle Tassen im Schrank“ kommentierte. Matthäus sorgt mit seiner Aussage dafür, dass am Ende einer immer als Verlierer dasteht.

Den Bayern geht es lieber um Siege und da feierten sie in der Heimat ein Erfolgserlebnis. Die Basketballer gewannen doch noch im fünften Spiel gegen Ulm die Deutsche Meisterschaft, die nach Pokal-Aus und Verpassen der Euroleague-Play-Offs ein bisschen die Saison rettete. Präsident Herbert Hainer strich eine Besonderheit heraus: „Ich bin der erste Präsident, der alle drei deutschen Titel gewonnen hat, im Fußball bei Frauen und Männern und jetzt im Basketball.“ Basketball-Fan Uli Hoeneß hatte das nicht geschafft.

Frauen wollen den Titel

Wie man Fans begeistern kann, das wissen die deutschen Fußball-Frauen. Am Montag kamen sie in ihrem Fünf-Sterne-Quartier in Zürich an und stellten gleich mal klar: „Wir wollen den Titel gewinnen.“ Zu den Favoritinnen gehört die Mannschaft von Bundestrainer Christian Wück auf jeden Fall, auf gleicher Stufe stehen bei der Europameisterschaft in der Schweiz mindestens auch England und Spanien. Aber die Frauen können auch ohne Titelgewinn begeistern, das letzte EM-Finale 2022 in Wembley verfolgten in Deutschland 17,95 Millionen Zuschauer in der ARD. Das wird kaum zu wiederholen sein, aber die Herzen werden ihnen wieder zufliegen, noch mehr als der U21, wenn sie erfolgreich sind. „Wir wollen die Fans begeistern“, sagt DFB-Sportdirektorin Nia Künzer. Begeisterung gibt es auch bei den Einheimischen, ein neuer Zuschauerrekord ist sicher, in England waren es 574.875 Besucher, in der Schweiz sind von 630.000 Tickets bereits an die 600.000 verkauft. Vielleicht gibt es sogar südländische Stimmung auf den Rängen!

Zurück zum Spiel. In Wembley unterlag Deutschland Gegner England mit 1:2 nach Verlängerung, den letzten Titelgewinn gab es 2013, es war der sechste in Folge seit 1995, außerdem gewann Deutschland 1989 und 1991, ist also mit Abstand Rekordhalter. Schweden gewann zum Start 1984, Norwegen 1987 und 1993, England 2022 und die Niederlande davor 2017. Weltmeister Spanien war also noch nie Europameister, da wird der Ehrgeiz besonders groß sein.

Die große Stärke der Wück-Schützlinge ist die mannschaftliche Geschlossenheit. „So eine gute Stimmung haben wir noch nie erlebt,“ heißt es aus Mannschaft. Der Trainer musste sich erst an die Frauen gewöhnen (und sie an ihn), aber er hat Erfahrung mit Titelgewinnen. 2023 führte Wück die U17-Jungs sensationell zum Europa-Titel und danach sogar zum Gewinn der Weltmeisterschaft. Der Bundestrainer hat in der Mannschaft nach Irritationen bei der Nominierung jetzt rechtzeitig für Klarheit gesorgt, „jede kennt ihre Rolle“. Die Mannschaft hat sich in den letzten Länderspielen abgezeichnet, dass es jetzt über Wochen keinen Test gab, war der Wunsch vom Trainer. „Wir simulieren das im Training, wir sind bestens vorbereitet.“

Das Team steht, aber es gibt auch eine starke zweite Reihe. Das Stammteam dürften so lauten: Berger – Gwinn, Minge, Knaak, Linder – Nüsken, Senß – Brand, Dallmann, Bühl – Schüller. Wechsel wird es immer geben, Talent Kett könnte für Linder kommen, Lohmann und Däbritz warten im Mittelfeld, Freigang könnte Job-Sharing mit Dallmann machen, Cerci, Zicai und Hoffmann stehen im Angriff bereit. Start in Gruppe C ist am Freitag (21 Uhr) in St. Gallen gegen Polen, danach folgen Dienstag, 8.7. (18 Uhr) in Basel Dänemark und am Samstag, 12.7. (21 Uhr) in Zürich Schweden. Eine starke Konkurrenz, dennoch sollte der Gruppensieg möglich sein. In Gruppe A spielen Gastgeber Schweiz, Norwegen, Island und Finnland. in Gruppe B Spanien, Portugal, Belgien und Italien, in Gruppe D ist der größte Konkurrenzkampf zwischen England, Frankreich und den Niederlanden, dazu kommt Wales. ARD und ZDF haben die TV-Übertragungsrechte und werden alle Spiele live übertragen (teilweise in der Mediathek). Schon im Vorfeld wurde Werbung für das Turnier betrieben. Es ist also angerichtet, dass die Frauen zu den Lieblingen der Nation werden. Doch entscheidend ist – wie immer – auf dem Platz!

Bei der Klub-WM Zweikampf zwischen Europa und Südamerika

Die Klub-Weltmeisterschaft im Fußball steuert bei ihrem überdimensionierten Turnier in den USA auf das Finale der Gruppen zu. Von Samstag bis Mittwoch, 2. Juli, wird danach das Achtelfinale ausgespielt. Die deutschen Klubs sollte dabei sein, Bayern München hat sich bereits qualifiziert, Borussia Dortmund hat nach dem 4:3 gegen Sundowns aus Südafrika beste Chancen, zumal gegen das bisher punktlose Ulsan aus Südkorea am Mittwoch ein Zähler reicht. Die Qualität der Spiele war teilweise besser als gedacht, doch fallen einige Mannschaften ab, eine WM mit 24 Teams statt der 32 hätte das Turnier reizvoller und damit hochwertiger gemacht. Aber es wäre ja gegen die Natur von FIFA-König Gianni Infantino nicht gleich in die Vollen zu gehen.

Infantino muss aber hinnehmen, dass seine vollmundigen Versprechungen nicht der Realität entsprechen. Die erste Klub-WM ist keinesfalls die größte Show und ein Publikumsrenner, vielfach bleiben die Stadien leer, mühsam werden im Fernsehen die leeren Ränge vertuscht. Für Stimmung sorgen allein die Fans aus Südamerika, die Amerikaner können dem Ganzen nicht viel abgewinnen. Sie gucken auf das Turnier und sagen sich, „schön und gut, aber da muss ich nicht hin.“ Insofern ist die Klub-WM auch kein Anheizer für die Weltmeisterschaft der Nationen im nächsten Jahr in den USA, Mexiko und Kanada. Probleme macht auch das Wetter, Regengüsse manchmal nahe am Weltuntergang, Spiele musste bis zu zwei Stunden unterbrochen werden. Wer bleibt da im Stadion?

Sportlich zeichnet sich ein Zweikampf um den Titel zwischen Europa und Südamerika ab. Es gilt: „Europa hat das Geld, Südamerika aber die Begeisterung“. So wurden anfangs die europäischen Klubs überrascht, Bayern München rettete die Ehre, war mit dem mühsamen 2:1 gegen die Boca Juniors aus Argentinien nach fünf Niederlagen und drei Unentschieden das erste Team aus Europa, das eins aus Südamerika bezwingen konnte. Alle vier Teams aus Brasilien sind noch ungeschlagen. Noch ist ungewiss, welche Duelle sich in Achtelfinale ergeben, aber auf einige reizvolle Paarungen darf man sich freuen. Mit den besten 16 Teams geht es halt erst richtig los.

Bayern München ist also dabei und kassiert 7,5 Millionen Euro als Prämie. Ob als Gruppensieger wird sich am Dienstag gegen Benfica Lissabon zeigen. Benfica erreichte gegen die Boca Juniors nur ein 2:2, liegt also zurück und muss um das Weiterkommen noch kämpfen. Den Bayern genügt ein Unentschieden zu Platz 1, Gegner im Achtelfinale dürfte entweder Chelsea London oder der ES Tunis sein. Flamengo besiegte Chelsea mit 3:1 und so haben die Brasilianer gegen das schwächste Team aus Los Angeles Platz 1 fast sicher. Deshalb könnte es gegen Chelsea gehen, ein dicker Brocken. Die Bayern konnten bisher überzeugen, Harry Kane zeigt sich in einer Führungsrolle und Michael Olise ist der Skorerkönig des Turniers. Pechvogel Jamal Musiala sollte seine kleine Wadenblessur auskuriert haben. Gegen Benfica haben die Bayern übrigens eine bemerkenswerte Bilanz: In 13 Vergleichen gab es keine Niederlage.

Borussia Dortmund ist noch nicht endgültig weiter, hat bisher spielerisch nicht ganz überzeugt, aber doch viel Willen gezeigt. Beim 4:3 gegen die Südafrikaner Mamelodi Sundowns schlichen sich nach einer 4:1-Führung Unkonzentriertheiten ein und am Ende musste man noch zittern, bis das 4:3 gerettet war. Vielleicht lag es auch an der Hitze, die Spieler fühlten sich als „Grillhähnchen“, die Ersatzspieler blieben in der Kabine, weil es zu heiß war. Einen neuen Star hat die Borussia mit Jobe Bellingham, der von den Fans wie einst sein Bruder gefeiert und besungen wird, statt „Hey Jude“ heißt es jetzt „Hey Jobe“. Der jüngere Bellingham präsentiert sich schon als Gewinn. Im Achtelfinale könnte es gegen Inter Mailand gehen, das gegen River Plate Rang eins im direkten Duell ausspielt. Es gibt Hoffnung, dass die Klub-WM noch ein bisschen Spaß macht.

Di Salvo fielen Steine vom Herzen

Wenn die U21 bei der Europameisterschaft beobachtet wird, dann auch mit den Hintergedanken, wer sich denn für die A-Nationalmannschaft empfiehlt. Fast müsste man bei dem Auftreten in der Slowakei sagen „alle“. Die Stärke der Schützlinge von Bundestrainer Antonio Di Salvo ist der mannschaftliche Zusammenhalt und eine tolle Ausgeglichenheit. Beweis: Im letzten Gruppenspiel gegen England nahm der Trainer eine Totalrotation vor und Deutschland zog dennoch mit einem 2:1-Sieg als Gruppensieger ins Viertelfinale ein! So etwas gab es noch nie!

Im Viertelfinale war Italien dann eine harte Nuss, schwächte sich allerdings selbst. Gleich zwei Spieler musste gegen Ende der regulären Spielzeit mit Gelb-Rot vom Feld, doch die vermeintlich leichte Aufgabe wurde für das DFB-Team eher schwerer. „Es war ungewohnt,“ hatte der Trainer Verständnis, „jeder denkt, jetzt geht es von allein, Italien hat alles reingeworfen und wir wurden nervös.“ Bis dahin musste Deutschland den ersten Rückstand verkraften, aber Turnier-Torjäger Woltemade und Joker Weiper sorgten für eine 2:1-Führung. In der letzten Minute reihten sich allerdings Fehler an Fehler, Italien profitierte von einem Freistoß vor dem 16er und weil die Mauer falsch stand, ging es sogar in die Verlängerung. Am Ende aber fielen Di Salvo „ich weiß nicht wie viele Steine vom Herzen“, als der Freiburger Röhl mit einerm platzierten Schuss erfolgreich war. Jetzt steht am Mittwoch das Halbfinale gegen Frankreich an, der Einsatz von Rosenfelder und Kapitän Martel ist nicht sicher. Logisch ist das Finale am Sonntag das Ziel. England gegen Niederlande heißt das zweite Halbfinale.

Die deutschen Fans zu Hause bangen mit der Mannschaft, SAT1 verzeichnete mit über vier Millionen Zuschauern in der 2. Halbzeit eine Rekord-Einschaltquote. Lustig übrigens: Ob aus dem Kader wirklich alle für die deutsche A-Elf in Frage kommen, ist nicht nur aus Leistungsgründen offen. Elf Spieler des Teams haben durch ihre Familie die Möglichkeit für eine andere Nation anzutreten!

Deutschlands teuerster Fußballer

Die jungen Spieler aus der U21 haben künftig wohl ein Vorbild: Florian Wirtz. Das 22-jährige Supertalent von Bayer Leverkusen hat jetzt endgültig beim FC Liverpool unterschrieben und mit der Ablösesumme von 135 bis 150 Millionen Euro (die kolportierten Zahlen schwanken) wird er zu Deutschlands teuerstem Fußballer. Nicht nur das, nach Neymar (Brasilien, für 222 Millionen von Barcelona nach Paris) und Mbappé (Frankreich, für 180 Millionen von Monaco nach Paris) hat Wirtz die dritthöchste Ablösesumme weltweit erzielt!

Der Leverkusener hat Liverpool anderen Vereinen vorgezogen, weder Real Madrid noch Bayern München konnten bei ihm landen. Viele sehen dies zum Beispiel als Beweis, dass selbst die Bayern international im Rennen um die besten Spieler finanziell nicht mehr mithalten können und die Münchner ziehen offensichtlich auch nicht mehr, dass Spieler kommen, weil sie mit ihnen Titel gewinnen können. Da war zuletzt das Abschneiden in der Champions League nicht gut genug. Leverkusen ist am rotieren, um die Abgänge von Wirtz, Tah und anderen wieder zu kompensieren, die CL soll es schließlich sein. Die Bayern dagegen tun sich schwer einen Flügelflitzer von der Klasse eines Olise zu finden und als Ersatz von Sané. Manager Max Eberl ist dafür extra von der Klub-WM zurück nach München, besonders im Visier angeblich Gittens von Borussia Dortmund, aber die Klasse von Olise hat er dort noch nicht nachgewiesen. Aber auch international, egal ob bei Williams von Bilbao, Leao vom AC Mailand oder Barcola aus Paris, ein Haken findet sich immer. Wirklich gut genug (?), andererseits aber auch zu teuer. Bis zu 70 Millionen Euro werden aufgerufen. Favorit könnte Leao sein, weil Milan angeblich Interesse an Kim hat, da wäre ein Tauschgeschäft oder eine Anrechnung möglich. Der Sommer in Deutschland soll wettermäßig heiß werden, was die Wechselgeschäfte angeht, wird er in der Bundesliga auf jeden Fall heiß.

Ist die Null-Nummer zum Start ein Omen für die Klub-WM?

Ein der Wirklichkeit entrückter FIFA-Präsident Gianni Infantino preist sein „Kind“, seine „Geldmaschine“, die Klub-Weltmeisterschaft in den USA, als „eine neue Ära für den Klub-Fußball“ an. Doch der in anderen Sphären schwebende Schweizer muss auch erkannt haben, dass sein „großartigstes Ereignis der Welt“ mit ganz profanen Problemen kämpfen muss. Im Ausrichter-Land herrscht keineswegs Fußball-Fieber, die Bevölkerung in den USA hat andere Sorgen, sie muss mit einem anderen entrückten „König“ fertig werden und macht in Protesten deutlich „No King“. Eigentlich müssten die nationalen Fußball-Verbände in punkto Infantino die gleiche Forderung stellen, doch Geld überdeckt manches.

Der Auftakt bei der Klub-WM kann als Omen dienen. Afrikas CL-Sieger Al-Ahly aus Ägypten und Inter Miami, von Infantino als Attraktion mit Messi ins Teilnehmerfeld gehievt, brachten im Eröffnungsspiel nur eine Null-Nummer zustande. Gleiches passierte im zweiten Gruppenspiel zwischen Palmeiras (Brasilien) und dem FC Porto, allerdings auf höheren Niveau. Das Gegenstück war Bayerns 10:0 gegen Auckland City, den Amateuren aus Neuseeland, aber auch das ist kein WM-würdiges Ergebnis. Bleibt die Gruppe B, die das erste Schlagerspiel sah, Paris besiegte Atletico Madrid mit 4:0 und unterstrich damit seine Favoritenrolle, Botafoga (Brasilien) hatte es gegen die Seattle Sounders beim 2:1 schwerer. Die sind übrigens der wahre USA-Champion.

Doch etwas anderes muss Infantino zu denken geben (wenn er das überhaupt noch kann). Die Begeisterung ist spürbar nicht so groß und die Stadien sind bei weitem nicht ausverkauft. Nicht alle sehen die Spiele als großes Ereignis, viele Plätze in den Stadien blieben leer, obwohl sie als „ausverkauft“ gemeldet wurden. Überteuerte Preise von 350 Dollar für das Eröffnungsspiel wurde schon auf 200 Dollar reduziert und später sogar auf 55 Dollar. Das wird den frühzeitigen Ticketkäufern nicht gefallen haben.. Am Ende erhielten Studenten noch das Angebot mit vier Dollar für die Karte. Die TV-Kameras waren bemüht, schöne Bilder zu bringen, keine leeren Plätze. In anderen Stadien gab es sogar Freikarten. Irgendwie muss die Begeisterung doch geschürt werden. Begeistert ist übrigens (und geblendet) auch Deutschlands von den Medien dazu erhobener Fußball-Experte Nummer 1, Lothar Matthäus, der glaubt, „das Turnier werde sehr gut angenommen. Die Stadien werden gut ausgelastet sein.“ Weiß es der sonstige Besserwisser nicht besser?

Den Bayern kann es egal sein. Im Vorfeld des Schützenfestes hieß es volle Konzentration, nur keine Blamage. Mit einem Spaziergang begann also die WM, auf dem Weg zum Ziel, das Trainer Kompany so formulierte: „Wir haben zwei Turniere. Erst einmal musst du die Gruppe gewinnen, dann den zweiten Teil.“ Egal, wie leicht der Gegner war, es gab viele Gewinner. Jonathan Tah führte sich mit einer erfolgreichen Vorlage ein und präsentierte sich bereits als Abwehrchef. Jamal Musiala feierte ein glanzvolles Comeback mit drei Toren nach der 61. Minute, als er für Harry Kane (ohne Tor) aufs Feld kam. Und Thomas Müller begann sein Abschiedsturnier mit zwei Treffern, damit ist er der erste Spieler, der bei einer WM der Nationen und der Klubs traf, dazu erzielte er sein 250 Tor für die Bayern! Schwerer wird es sicher am Samstag (3.00 Uhr MESZ) gegen die Boca Juniors aus Argentinien und dann wartet am Dienstag gleich Benfica Lissabon.

Borussia Dortmund greift erst am Dienstag (18 Uhr) ein, Fluminense aus Brasilien dürfte gleich der schwerste Gegner sein. Helfen kann ein spektakulärer Neuzugang, nämlich Jobe Bellingham (19), der jüngere Bruder von Jude, der sich in Dortmund in den Blickpunkt spielte und für viel Geld zu Real Madrid wechselte. Ähnliches schwebt der Borussia mit Jobe vor, er gilt als wichtigster Transfer. Apropos Transfers, die Nummer 1 ist natürlich Florian Wirtz, dessen Wechsel von Leverkusen zum FC Liverpool fest ausverhandelt sein soll, nur die Unterschrift fehlt noch. Doch das dauert, Florian ist lieber erst einmal im Urlaub. Schneller war Leroy Sané, der ruckzug bei Galatarsay Istanbul unterschrieben hat. Er jettete zum türkischen Meister, wurde von den Fans als Heilsbringer gefeiert und flog weiter nach Orlando in die USA. Dort gehört er zum Bayern-Kader bis zum 30. Juni, so lange läuft sein Vertrag noch. „Wir brauchen ihn“, meint Manager Max Eberl. Zunächst saß Sané auf der Bank, Olice und Coman auf den Flügeln zeigten, „wir brauchen ihn nicht.“ Neun Millionen Euro netto soll Sané in Istanbul verdienen, mehr als bei den Bayern.

Ansonsten wird in der Bundesliga mehr über die Trainer geredet. Fündig geworden ist der VfL Wolfsburg, der ein neues Gesicht in der Liga präsentiert, nämlich den Niederländer Paul Simonis, der aber gerade mal ein Jahr im Profi-Fußball gearbeitet hat. Allerdings sorgte er gleich für Aufmerksamkeit mit dem Pokal-Triumph mit Go Ahead Eagles Deventer und Platz 7 in der Eredivisie – und das mit einem Provinzklub. Na ja, viele sehen ja auch Wolfsburg als eine Art Provinz… NIcht so weit ist RB Leipzig mit dem neuen Coach. Ole Werner soll es eigentlich sein, doch Werder Bremen macht mit Ablöseforderungen aus dem Wechsel ein Problem. Erfolgreich waren die Leipziger im Nachwuchsbereich, denn der scheidende Manuel Baum wird durch David Wagner ersetzt, ein Vertrauter von Jürgen Klopp, Trainer in Norwich, Bern, bei Schalke und in Huddersfield.

U21 eine Runde weiter

Es läuft für die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft der U21 in der Slowakei. Dem Auftaktsieg gegen Slowenien (3:0) folgte am Sonntag ein 4:2 (nach 4:0-Führung) gegen Tschechien, damit ist der Weg ins Viertelfinale frei. England, das als größter Konkurrent in Sachen Gruppensieg gilt, kam gegen Slowenien nicht über ein 0:0 hinaus, jetzt reicht am Mittwoch ein Unentschieden für Platz 1. Überragender Mann im DFB-Team war bisher Nick Woltemade, der seine gute Form offensichtlich konservieren kann. Gegen Slowenien schaffte er einen Hattrick und war auch gegen Tschechien erfolgreich. Da wird man in Stuttgart zittern, ob er bleibt. Bayern München soll ihn schon quasi als Wirtz-Ersatz auf der Liste haben. In guter Form auch Torhüter Atubolu, der in wichtigen Situationen mit herausragenden Paraden für Sicherheit sorgte. Das Viertelfinale beginnt dann am Wochenende. Die deutschen Fußball-Fans haben sich auch für den Nachwuchs interessiert, jeweils an die fast drei Millionen Zuschauer sind bei SAT1 vor dem Fernseher dabei.

Aufgebot der Frauen ohne Überraschungen

Die Fußball-Frauen durften in den letzten Tagen ein bisschen Urlaub machen, aber die erste wichtige Entscheidung ist gefallen, Bundestrainer Christian Wück hat seinen Kader für die Europameisterschaft in der Schweiz bekannt gegeben. Am Donnerstag beginnt der Lehrgang im Home Camp in Herzogenaurach, in Bayern ein Feiertag. Ob es bei der EM ab 2. Juli noch mehrere geben wird?

Christian Wück hat bei der Nominierung den Fehler seiner Vorgängerin nicht wiederholt und die letzte Entscheidung auf die lange Bank geschoben, sondern frühzeitig für Klarheit gesorgt. Bekannt war ja, dass es Lena Oberdorf doch nicht schafft nach ihrer schweren Verletzung. Überraschungen gab es nicht, Frankfurts Torjägerin Nicole Anyomi muss noch eine Verletzung auskurieren, dass er auf Verteidigerin Felicitas Rauch verzichtet, war schon früh klar. Dafür ist Franziska Kett von den Bayern dabei, ihre Mannschaftskameradin Alara Sehitler muss allerdings zu Hause bleiben, sie fehlte zuletzt wegen Abiturprüfungen. „Sie hat noch viele Turniere vor sich,“ macht ihr Wück für die Zukunft Hoffnung. Sara Dioorsoun war nur auf Abruf nominiert und kündigte daraufhin prompt ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. Alles geklärt, die EM kann kommen. Es sind übrigens elf Spielerinnen dabei, die 2022 das EM-Finale erreichten!

Das Aufgebot: Tor: Berger, Johannes, Mahmutovic. – Abwehr: Gwinn, Hendrich, Kett, Kleinherne, Knaak, Linder Minge, Wamser. – Mittelfeld und Angriff: Brand, Bühl, Cerci, Däbritz, Dallmann, Freigang, Hoffmann, Lohmann, Nüsken, Schüller, Senß, Zicai.

Rückschlag für Nagelsmann und die DFB-Elf

Die Nations League sollte eine wertvolle Durchgangsstation vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada sein. Ein Titelgewinn sollte für Auftrieb sorgen, die Nationalmannschaft sich an Siege gewöhnen. Doch die Nations League ist nicht der Wettbewerb der Deutschen. Einen Abstieg verhinderte einst nur eine Aufstockung der Gruppen und statt eines glorreichen Triumphs beim Final Four in München und Stuttgart gab es bittere Niederlagen. Bundestrainer Julian Nagelsmann und die DFB-Elf erlebten mit dem 1:2 gegen Portugal und 0:2 gegen Frankreich einen Rückschlag. Vom WM-Titel im nächsten Jahr sollte keiner mehr reden, nicht die Niederlagen an sich und der letzte Platz statt Pokalgewinn ist der Grund, sondern die Art und Weise, wie die Mannschaft auftrat. Es war ein Rückfall in alte Zeiten, das Urteil vom Rumpelfußball tauchte wieder auf.

Nicht Deutschland, nicht Favorit Spanien stand am Ende ganz oben, sondern Portugal mit dem ewig jungen, 40-jährigen Cristiano Ronaldo holte sich die Trophäe. Auch für Spanien und sein Supertalent Lamine Yamal wachsen die Bäume also nicht in den Himmel, immerhin blieben sie weiter ungeschlagen, und das seit 27 Monaten, weil sie sich Portugal erst im Elfmeterschießen geschlagen geben mussten. Ausgerechnet Kapitän und Torjäger Morata vergab den entscheidenden Elfmeter. Dagegen traf Ronaldo sowohl gegen Deutschland zum 2:1, als auch gegen Spanien zum 2:2 entscheidend. Wird er auch mit 100 noch Tore schießen? Es war im 222. Länderspiel sein dritter Titel mit Portugal nach der Europameisterschaft 2016 und dem Gewinn der NL bei der ersten Ausführung 2019. Fest im Sattel sitzen dürfte jetzt auch der heftig kritisierte Trainer Roberto Martinez. Ein Titel heilt Wunden und lässt Enttäuschungen vergessen. Mittelfeldlenker Bruno Fernandes droht der Konkurrenz: „Wenn wir alle zusammenhalten, können wir auch den WM-Titel holen.“ Von diesem Auftrieb hat Nagelsmann geträumt.

Die Wirklichkeit bei der deutschen Mannschaft sieht anders aus. Es macht sich Ernüchterung breit, weil die letzten guten Leistungen offensichtlich zu einer Überschätzung der Fähigkeiten geführt haben. In der Spitze gibt es keine Breite, mit Rüdiger, Havertz, Musiala, Stiller, Schlotterbeck und Kleindienst fehlten Stützen, die nicht ersetzt werden konnten. Andere, wie Wirtz, Sané oder Tah konnten nicht das Kommando übernehmen, produzierten eher Fehler. Kapitän Joshua Kimmich bemühte sich nach besten Kräften, aber vergebens, Torhüter ter Stegen zeigte alte Klasse, Neuling Nick Woltemade war noch ein kleiner Lichtblick, aber das war es schon. Gegen Portugal kam eine unerklärliche Lethargie dazu, der Einsatz fehlte. Das war gegen Frankreich besser, aber die Gier auf den Sieg fehlte in vielen Momenten. Frankreichs Fachzeitung L’Equipe urteilte treffend: „Deutschland fehlten Ideen und Talent.“

Julian Nagelsmann scheint als Bundestrainer immer noch einen Lernprozess durchzumachen. Gegen Portugal änderte er unnötig das System, was zu seiner Verunsicherung führte. Bezeichnend, Kollege Martinez wechselte den Sieg ein, Nagelsmann mit Gosens, Gnabry und Füllkrug die Niederlage. Nagelsmann hat jetzt drei Monate Zeit, sich die richtigen Gedanken für die Zukunft zu machen. Er könnte auf den einen oder anderen Spieler wie Groß, Andrich, Gosens, Gnabry, Kehrer und Anton endgültig verzichten und mehr jungen Spielern eine Chance geben. Am 4. September beginnt in der Slowakei die WM-Qualifikation, die gegen die weiteren Gegner Nordirland und Luxemburg zu schaffen sein sollte. Platz 1 sollte es sein, bei der WM drohen dann trotzdem starke Gruppengegner, weil sich Deutschland in der Weltrangliste nicht verbessern konnte.

U21-EM im Schatten der Klub-WM

Nichts wurde es bei der A-Nationalmannschaft mit dem Titel der Nations League, doch davon will sich der Nachwuchs nicht beeindrucken lassen. Die U21 von Bundestrainer Antonio Di Salvo hat den Titelgewinn bei der Europameisterschaft vom 11. bis 28. Juni in der Slowakei im Visier. Allerdings steht dieses Turnier im Schatten der ersten Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften ab dem 15. Juni in den USA. Der Weltverband FIFA, der sich oft rühmt, den Nachwuchs zu fördern, hat keine Rücksicht auf den europäischen Nachwuchs genommen. Eine Breitseite von FIFA-König Infantino gegenüber seinem Widersacher Ceferin in Europa.

Unter der Terminüberschneidung leidet auch Di Salvo, der auf Spieler aus München (Bischof, Urbig), Dortmund (Beier, Adeyemi) und Salzburg (Morgalla, Blank) verzichten muss. Dafür reiste Nick Woltemade als frischgebackener Nationalspieler der U21 nach und mit Paul Wanner kann er auf ein Talent zurückgreifen, den die Bayern freigegeben haben (er war nach Heidenheim ausgeliehen) und der auch für Österreich spielen könnte. Der Bundestrainer ist trotz der Ausfälle optimistisch. „Wir haben eine gute Mannschaft, haben eine Chance, aber es muss alles passen.“ Zuletzt war Deutschland immer vorn dabei, holte nach 2000 wieder 2017 und 2021 den Titel und unterlag 2019 im Finale gegen Spanien. Titelverteidiger ist England, das 2023 Spanien 1:0 besiegte und Gruppengegner der Deutschen ist. Los geht es am Donnerstag gegen Slowenien, am Sonntag ist Tschechien der Gegner und England bildet am Mittwoch,18. Juni, den Abschluss der Vorrunde (alle Spiele 21.00 Uhr, SAT1 überträgt live).

Im EM-Kader von Di Salvo befinden sich mit Sicherheit einige Kandidaten für den Sprung zu Nagelsmann. Das gilt nicht nur für Nick Woltemade, sondern vor allem auch für den technisch versierten Brajan Gulda, der bei Brighton & Hove Albion in der Premier League beeindruckt, aber auch für Paul Nebel und Nelson Weiper aus Mainz, Rocco Reitz (Gladbach) und die Frankfurter Verteidiger Nathaniel Brow und Namdi Collins, die die Sorgen auf der rechten Verteidigerposition beenden könnten und Joshua Kimmich erlösen. Freiwillig verzichtet hat Di Salvo auf Dortmunds Talent Moukoko, der nach Monaco ausgeliehen ist, dort aber nicht zum Zug kommt. Der einstige Hoffnungsträger ist zum Sorgenkind geworden.

Bei der Klub-WM spielt Geld die Hauptrolle

„Wer wird Geldmeister?“ titelt der Boulevard und damit ist eigentlich alles über die erste Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften gesagt. Geld spielt die Hauptrolle, eine Milliarde (!) Dollar an Prämien schüttet die FIFA aus. Ihr Präsident hatte allerdings mit der Finanzierung des Turniers vom 15. Juni bis 13. Juli in den USA einige Probleme. Das Scheichtum Saudi Arabien half aus und darf sich dafür Hoffnung auf eine echte Weltmeisterschaft machen. Goldig glänzt auch der WM-Pokal, ein Hingucker, der die Erde als Planeten darstellt und auf dem zweimal der Name des Präsidenten Infantino eingraviert ist! Alle vier Jahre soll dieses Großereignis nun stattfinden, es hat den bisherigen Confed-Cup als Test im Vorfeld einer WM abgelöst.

Beteiligt sind die Erdteile Europa, Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien und Australien. Europa stellt mit zwölf Teams das Gros der Mannschaften, die letzten Sieger der Champions League waren qualifiziert, dazu die besten Teams der UEFA-Rangliste. Allerdings dürfen nicht mehr als zwei Mannschaften pro Nation antreten, deshalb fehlt zum Beispiel der FC Barcelona. Deutschland ist mit Bayern München und Borussia Dortmund vertreten, wobei die Borussia von der Schwäche Leipzigs profitierte, dass den Geldsegen in der CL verspielte. Als Antrittsgeld erhalten die Klubs 30 Millionen Dollar, der Sieger darf mit 100 Millionen rechnen.

Die mehrwöchige Klub-WM ist wegen der zusätzlichen Belastung für die Spieler umstritten, außerdem gibt es Probleme mit den Spielerwechseln in der Transferperiode. Teilnehmer der Klub-WM durften schon ab 1. Juni neue Spieler verpflichten, die aber bis zum 30. Juni unter Vertrag stehen. Deshalb werden Ablösesummen fällig. So zahlt Bayern München rund eine Millioen Euro an Leverkusen und 300.000 Euro an Hoffenheim, damit Jonathan Tah und Tom Bischof bereits mitwirken können, zumal die Bayern nach wie vor Verletzungssorgen haben, aber auf Musiala und Upamecano hoffen. Real Madrid lässt sich den vorzeitigen Dienstantritt von Alexander-Arnold aus Liverpool zehn Millionen kosten. Damit genügend Stars vertreten sind, hat Infantino eine Wild Card des Ausrichters an Inter Miami vergeben, das mit Lionel Messi antritt. Cristiano Ronaldo hat es abgelehnt kurzfristig zu wechseln, weil sein Klub nicht dabei ist.

Die 32 Mannschaften spielen in acht Gruppen, die beiden ersten zwei jeder Gruppe qualifizieren sich für das Achtelfinale. Gespielt wird in zwölf Städten, vorwiegend im Osten der USA (Ausnahmen Seattle und Los Angeles). Bayern München trifft am Sonntag (18 Uhr) in Cincinnati auf Auckland City (Neuseeland), am 21. Juni (3 Uhr) in Miami auf Boca Juniors (Argentinien) und am 24. Juni (21 Uhr) in Charlotte auf Benfica Lissabon. Im Turnierbaum lauern Chelsea London, Paris St. Germain und Atletico Madrid als mögliche Gegner. Dortmund bekommt es zunächst am 17. Juni (18 Uhr) in New York mit Fluminense (Brasilien) u tun, am 21. Juni (18 Uhr) mit Mamelodi Sundowns (Südafrika) und am 25. Juni (21 Uhr, jeweils in Cincinnati) mit Ulsan HD (Südkorea). Inter Mailand, Manchester City und Real Madrid warten als mögliche Gegner. Stärkste Gruppe dürfte die Gruppe B mit Paris, Atletico, Botafogo (Brasilien) und Seattle (USA) sein. Die Bayern lehnen sich schon weit aus dem Fenster, wenn sie davon sprechen, dass sie die WM gewinnen wollen. Immerhin gewannen sie den alten Weltpokal viermal, Dortmund war 1997 erfolgreich.

Olympische Spiele sind auch heute noch für jede Stadt ein Gewinn

Olympische Spiele sind nach wie vor eine Einmaligkeit und in früheren Zeiten drängten sich Nationen und Städte danach, die Spitzensportler der Welt beherbergen zu können und selbst im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Der Glanz ist inzwischen ein wenig verblasst, weil einerseits der Sport an Reputation (Thema Doping) verloren hat, andererseits das ehrwürdige Internationale Olympische Komitee inzwischen den Ruf als geldgierige Institution hat. „Olympia? Ist doch heute nur ein Geschäft für das IOC, das sich bereichern will“, winken die Kritiker ab. Stimmen der Kritik werden heutzutage immer am ehesten gehört, aber trotz aller Diskussionen steht fest: Olympische Spiele sind auch heute noch für jede Stadt ein Gewinn.

Deshalb wird auch in Deutschland seit Jahren darüber diskutiert, endlich wieder einmal Olympische Spiele zu organisieren. Deutschland war zuletzt 1972 Gastgeber, als die Sommerspiele in München ein echtes Volksfest waren. Die Stadtväter sind sich heute noch sicher, dass die Bayerische Landeshauptstadt ohne Olympia nicht dieses hohe Ansehen genießen würde. Mehrere Anläufe hat es gegeben, aber in Hamburg, Berlin und Leipzig scheiterten die Pläne für Sommerspiele ebenso wie in München die für Winterspiele. Jetzt wird ein neuer Anlauf unternommen, der Deutsche Olympische Sportbund hatte interessierte Städte aufgefordert, ihre Konzepte einzureichen und vier Städte bzw. Regionen bewerben sich. Los Angeles ist 2028, Gastgeber, Brisbane in Australien 2032 und für 2036, 2040 oder 2044 will sich der DOSB bewerben. Interesse haben München, Berlin, Hamburg und das Ruhrgebiet mit Düsseldorf als Mittelpunkt. Bis zum 31. Mai mussten die Unterlagen eingereicht werden, im Herbst 2026 soll eine bunt gemischte Jury mit Vertretern aus Sport, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik entscheiden.

Wer hat die beste Bewerbung abgegeben? Was bisher bekannt ist, darf sich München in der Pole Position fühlen. München setzt auf zwei Aspekte: Nachhaltigkeit, die meisten Sportstätten sind schon da, und die internationale Beliebtheit von Bayern und München (siehe Oktoberfest). Das Olympiastadion, inzwischen ein Denkmal, könnte wieder das Gesicht der Spiele werden. Ohne Neubauten geht es nirgends, für die Unterbringung müssen Olympisches Dorf und Pressestadt immer neu gebaut werden, doch Kritikern sei gesagt, das ist willkommen, es fehlen doch Wohnungen. Beide „Dörfer“ haben auch 1972 München geholfen.

Berlin hat den Vorteil der Hauptstadt, wirbt mit geschichtsträchtigen Bauten und will Ähnliches schaffen wie Paris vor einem Jahr, das mit den Spielen in der ganzen Stadt einen Volltreffer landete und viel für sein Ansehen und das von Frankreich getan hat. Nach ähnlichem Konzept will Berlin vorgehen, zum Beispiel mit Beachvolleyball vor dem Brandenburger Tor. Aber Berlin will auch die Region einbeziehen, nämlich Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und sogar Leipzig. Skeptiker allerdings sagen, „Berlin, siehe Flughafen, hat doch zuletzt nichts zu Wege gebracht.“

Hamburg kann auch mit Weltoffenheit werben, der Hafen gilt schließlich als „Tor zur Welt“. Die Hansestadt hat allerdings den Nachteil, dass viele Neubauten fällig werden, einige sollen temporär errichtet werden. Glanzstück soll ein neues Olympiastadion werden. Doch das ist eigentlich ein Schwachpunkt, denn der Fußball liebt zum Beispiel kein Stadion mit Laufbahn. Hamburg muss auch mit dem Handicap leben, dass die Bevölkerung schon einmal eine Bewerbung abgelehnt hat.

Es klingt reizvoll, ist aber eigentlich ein Nachteil: An Rhein und Ruhr sollen die Olympischen Spiele ihre Heimat finden. Die Region macht schon mehrere Jahre für sich Werbung und zeigt sich immer wieder an Olympia besonders interessiert. Doch es gibt Olympia-Städte und keine Region, wo soll das Herz der Spiele schlagen? Düsseldorf wird deshalb in den Vordergrund geschoben, doch selbst im Konzept findet sich angeblich noch kein fester Standort für das Olympiastadion. Eine Bewerbung, die also keine wesentlichen Vorteile bieten kann und Spiele der kurzen Wege schon gar nicht.

Eine große Hürde gibt es für alle Bewerber: Das IOC will wissen, ob auch die Bevölkerung hinter der Bewerbung steht, deshalb soll es in allen Städten eine Volksbefragung geben. Hamburg hat da schon einmal eine schlechte Erfahrung gemacht, in den Umfragen war die Bevölkerung dafür, bei der Wahl selbst setzten sich die Kritiker durch. Sie haben das leichtere Spiel, denn wer dagegen ist, geht leichter zur Wahl. Das könnte auch in München passieren, wo nach ersten Umfragen 66 Prozent der Bewohner für die Spiele sind. Bereits im Oktober soll es eine Entscheidung der Bevölkerung geben.

Bei einer deutschen Bewerbung muss auch mit starken Gegnern gerechnet werden. Die erste Hürde stellt das undurchsichtige IOC dar, denn bei der Benennung der Austragungsorte gab es zuletzt keine Wahl mehr, sondern die wurden in einem etwas undurchsichtigen Prozedere bestimmt. Da sind Unwägbarkeiten groß, zumal der deutsche Sport international nicht mehr die Bedeutung wie früher genießt. Für 2036 sollte sich Deutschland vor dem Hintergrund 100 Jahr nach 1936 in Berlin mit Nazi-Regime gar nicht bewerben, zudem gelten Indien und Katar bereits als Favoriten. Für 2040 und 2044 könnte es besser aussehen, zumal dann Europa wieder den Zugriff bekommen sollte. Istanbul und Madrid wird bereits Interesse nachgesagt. Wie auch immer, es ist ein langer und beschwerlicher Weg zu Olympia in Deutschland. Der Sport hätte es aber verdient, wieder einmal Gastgeber zu sein. Denn auch das ist der Vorteil von Olympia im eigenen Land: Der Sport gewinnt an Gewicht und die Jugend findet wieder leichter den Weg zum Sport.