EM war ein Fest des Frauen-Fußballs – England Europameister, Deutschland ein Gewinner
„Wir schreiben Geschichte“ hatten sie in der Schweiz gejubelt und damit ihren erstmaligen Einzug ins Viertelfinale gemeint. Aber mit der Austragung der Fußball-Europameisterschaft der Frauen haben sie auch in der Organisation Geschichte geschrieben. Es war ein einzigartiges, stimmungsvolles Fest, garniert mit einem neuen Zuschauerrekord (650.000). Alle waren begeistert von einer lockeren, angenehmen Atmosphäre, egal, ob Fans oder Spielerinnen, egal, ob in den Städten oder Stadien. Im Gegensatz zu den Männern gab es keine Ultras, keine Hooligans, keine Schlägereien. Es war ein Fest für die ganze Familie, der Frauen-Fußball der große Gewinner!
Eigentlich gab es fast nur Gewinner, als Verlierer fühlten sich allerdings die Spanierinnen, die als spielerisch beste Mannschaft des Turniers dennoch nicht den Titel holten. Glücklicher waren da die Engländerinnen, die erstaunliche Bilanzen präsentieren. In der K.o.-Runde konnten sie kein Spiel in 90 Minuten entscheiden. Der 3:1-Sieg nach Elfmeterschießen (0:1/1:1/1:1) im Finale gegen Spanien war der zweite Erfolg vom Punkt aus, im Viertelfinale gegen Schweden bedurfte es bekanntlich 14 Elfmeter (Rekord), von denen nur fünf verwandelt wurden, beim 3:2. Im Halbfinale setzte sich England gegen Italien nach Verlängerung mit 2:1 durch, Chloe Kelly traf in der 119. Minute, bis zum Schlusspfiff waren es die einzigen vier Führungsminuten in der K.o.-Runde! Kelly sorgte immer wieder als Joker für entscheidende Momente und verwandelte schließlich auch den letzten Elfmeter! Die Engländerinnen verteidigten ihren Titel also erfolgreich.
Eine besondere Bilanz hat auch Trainerin Sarina Wiegmann vorzuweisen, die Holländerin erreichte ihre fünftes Finale (einschließlich WM) in Folge und wurde dreimal in Folge Europameisterin. 2017 gewann sie noch mit der Niederlande, trainierte dann ab 2021 England und holte 2022 (ein Jahr später wegen Corona) wieder den Titel und jetzt erneut. „Ich weiß nicht, wie das alles gegangen ist,“ schüttelte die 55-Jährige selbst den Kopf. Verwundert war sie auch über ihre Verteidigerin Lucy Bronze, die mit der Goldmedaille um den Hals gestand, dass sie das ganze Turnier mit einem gebrochenen linken Schienbein gespielt hatte. Unmenschlich! Mit 598 Minuten Spielzeit standen nur drei Mitspielerinnen länger auf dem Feld! Im Gegensatz zu England ist bei Spanien die Trainerin Montserrat Tomé (43) nicht beliebt, sie ist eine belastete Funktionärin vom Kuss-Skandal. Freuen konnten sich am Ende nicht einmal die spanischen Spielerinnen über Auszeichnungen. Aitana Bonmati, die gegen Deutschland entscheidend traf, wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt, Mittelstürmerin Esther war mit vier Treffern (alle in den Gruppenspielen) beste Torschützin. Gut spielt, die anderen hatten noch besser gekämpft. Gewinner waren auch die Schiedsrichterinnen – es gab keine Tumulte, keine großen Beschwerden.
Als Gewinner kann sich auch Deutschland fühlen. Das Ausscheiden im Halbfinale war unglücklich. Zwar nahm Torhüterin Ann-Katrin Berger für den Schuss ins kurze Eck zum 0:1 die Schuld auf sich, doch das ist unnötig. Es war Torhüter-Pech, sie spekulierte zurecht auf eine Flanke, Aitana überwand sie mit einem Glücksschuss. Berger war die älteste Spielerin einer jungen Mannschaft, der die Zukunft gehört, wenn sie sich in entscheidenden Punkten verbessern kann. Man darf nicht vergessen, dass es Rückschläge mit Verletzungen (Gwinn) und Sperren gab. Dazu fehlte mit der langzeitverletzten Lena Oberdorf die Mittelfeldstrategin. Übrigens kassierte der DFB insgesamt 2,7 Millionen Euro von der UEFA (England 5 Millionen), jede Spielerin erhält als Prämie 65.000 Euro.
Ab jetzt geht es um die Zukunft. Der Frauen-Fußball kommt in Deutschland an, doch beim Nachwuchs hapert es. Bezeichnend, sechs Leistungszentren gibt es bei den Mädchen, bei den Jungen sind es 58! Bedenklich, dass sich die U17 und U19 nicht einmal für die Europameisterschaften qualifiziert haben! Weiter Auftrieb könnte es geben, wenn Deutschland den Zuschlag für die nächste EM 2029 erhält. Der DFB hat bei der Bewerbung allerdings starke Konkurrenz, vor allem mit der Doppelbewerbung von Schweden und Dänemark, Polen will das erste osteuropäische Land sein, das eine Frauen-EM austrägt, Italien erhofft sich den Zuschlag, um ebenfalls den Frauen-Fußball zu forcieren. Am 3. Dezember wird entschieden
Für eine gute Zukunft ist aber vor allem die Bundesliga verantwortlich. Bei den Vereinen müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Mängel wurden vor allem im Passspiel und bei der Ballbehandlung deutlich. Der großartige Kampfeswillen kaschierte vieles. Die Aufstockung der Bundesliga von 12 auf 14 Vereine wird für mehr Aufmerksamkeit sorgen, zumal es mit dem Hamburger SV, 1. FC Nürnberg und Union Berlin attraktive Aufsteiger gibt, die alle in großen Stadien spielen wollen. Das brauchen die Frauen, die sich schon auf das Auftaktspiel der Bundesliga freuen, wenn Meister Bayern München in der Allianz-Arena am 6. September gegen Leverkusen spielt.30.000 Karten sind schon verkauft! Die Nationalmannschaft ist dann wieder zwischen dem 22. und 28. Oktober gefordert, da geht es im Halbfinale der Nations League gegen Frankreich.
Es geht wieder los: Start der 2. Bundesliga
Die Frauen dürfen kurz Urlaub machen, ab sofort übernehmen die Männer wieder das Kommando. Am Freitag startet die 2. Bundesliga mit dem Schlagerspiel Schalke 04 – Hertha BSC (20.30 Uhr/live bei SAT1) in die neue Saison (das Oberhaus folgt am 22. August). Mit dem Aufstieg der Traditionsklubs 1. FC Köln und Hamburger SV hat das Unterhaus einen großen Aderlass zu verzeichnen, aber von unten kam mit Dynamo Dresden und den Pokalhelden von Arminia Bielefeld guter Ersatz. Da dürften die Zuschauerzahlen weiterhin stimmen (zuletzt mit 9,4 Millionen ein neuer Rekord/ Schnitt 30.000) und das Motto „stärkste 2. Liga der Welt“ verliert sicher nicht an Gültigkeit. Vorfreude also, es geht wieder los!
Mit Hertha BSC Berlin zeigt sich gleich der erste Aufstiegsanwärter, aber insgesamt wird es wohl wieder ein enges Rennen geben wie im Vorjahr. Von den Traditionsklubs müssen sich Schalke und Nürnberg eher mit einem Mittelfeldplatz anfreunden, Ambitionen werden vor allem Hannover, Düsseldorf und Kaiserslautern nachgesagt. Die BL-Absteiger Kiel und Bochum müssen sich erst wieder neu aufstellen, können aber durchaus überraschen. Überraschungsteams wie im Vorjahr Elversberg, Paderborn und Magdeburg (auf den Plätzen 3 – 5) werden gesucht und wird es sicherlich wieder geben. Die Fernsehpräsenz wird gesteigert, im Free-TV gibt es mehr Übertragungen, auch RTL ist dabei. Ansonsten laufen wie bisher schon alle Spiele bei Sky.
Der 1. Spieltag: Freitag, 20.30 Uhr: Schalke – Hertha BSC. Samstag, 13 Uhr: Elversberg – Nürnberg, Paderborn – Kiel, Karlsruhe – Münster, Darmstadt – Bochum. 20.30 Uhr: Bielefeld – Düsseldorf. Sonntag, 13.30 Uhr: Hannover – Kaiserslautern, Magdeburg – Braunschweig, Fürth – Dresden.
Bayern-Erfolg im Transfer-Theater
Vor allem die Bayern füllen im Sommer das Programm im Transfer-Theater. Sie tun sich schwer mit Verstärkungen. Jetzt soll es den ersten Erfolg im Millionenspiel geben, die Bayern sollen sich mit dem FC Liverpool über den Wechsel des Kolumbianers Luis Diaz geeinigt haben, allerdings werden rund 75 Millionen (mit Boni) fällig. Der 28-jährige kampfstarke Außenstürmer kann im Angriff aus fast allen Positionen eingesetzt werden. Auf der Verkaufsliste zeichnet sich Entlastung ab, Bryan Zaragoza bleibt in Spanien (Celta Vigo gilt als Favorit), Verteidiger-Talent Adam Aznou, der bei Trainer Kompany keine Berücksichtigung fand, steht im Visier vom FC Everton, der sogar 9 Millionen Euro Ablöse zahlen will. Die Bayern haben offensichtlich weiterhin Probleme, eigene Talente im Profi-Kader zu halten. Jamal Musiala war eine Ausnahme, Paul Wanner hat zumindest die Chance evtl. der nächste zu sein.
Bei der Konkurrenz sieht es anders aus, Bayer Leverkusen setzt beim Neuaufbau auf junge Spieler, es verdichten allerdings die Meldungen, dass mit Granit Xhaka (zum FC Sunderland) der letzte routinierte Stützpfeiler geht. Frankfurt hat dagegen wieder gut verkauft mit rund 90 Millionen Euro vom FC Liverpool für Hugo Ekitiké die Kasse gut gefüllt. Wenig hört man von Borussia Dortmund, dort vertraut man offensichtlich mehrheitlich dem Kader, der zwar in der Vorsaison in die Kritik geriet, aber bei der Klub-WM eine Art Rehabilitation betrieb. Doch Vorsicht, Bundesliga und internationale Aufgaben waren da zwei verschiedene Welten!