Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Basketball-Bundesliga mit Mut und Kreativität

In den Zeiten der Corona-Pandemie ist alles ganz anders und wer nicht untergehen will, der muss Mut haben und Kreativität. Dies beweist jetzt die Basketball-Bundesliga, die anders als die Handball-Bundesliga oder die Deutsche Eishockey Liga nicht die Saison abgebrochen hat, sondern mit einem Turnier den Deutschen Meister ermitteln will. Dabei gab es Einschränkungen und Zugeständnisse, doch alles, was zählt, bringt Münchens Geschäftsführer Marko Pesic auf den Punkt: „Wir wollten einfach nicht komplett von der Bildfläche verschwinden.“

Nein, von der Bildfläche verschwindet die Basketball-Bundesliga nicht, ganz im Gegenteil, ähnlich wie der große Bruder Fußball wird die deutsche Bundesliga international zum beachteten Vorbild. Mut und Kreativität werden überall bewundert, aber es bedurfte schon einiger Zugeständnisse, um dieses Finalturnier zu ermöglichen. Von den insgesamt 17 Vereinen konnten sich nur zehn für die Fortsetzung der Saison erwärmen, der Rest beendete lieber die Saison, zum Teil aus finanziellen Gründen, zum Teil, weil sie keine spielfähige Mannschaft mehr vorhanden war. Viele ausländische Spieler machten sich beim Abbruch der Runde in die Heimat auf, Verträge wurden aufgelöst und eine Weiterbeschäftigung wäre meist zu teuer. Dass es dieses Finalturnier gibt, wird von ihnen jedoch toleriert.

Dadurch gibt es allerdings seltsame Konstellationen, zum Beispiel sind die Frankfurt Skyliners dabei, die nach 21 Spieltagen vor der Unterbrechung nur auf Rang 14 lagen. Jetzt haben sie, genau wie auch Göttingen und Ulm, die außerhalb der Play-Off-Ränge zu finden waren, noch die Möglichkeit, Deutscher Meister zu werden! Von den Spitzenklubs ist übrigens nur Würzburg nicht dabei. Kurios sind aber auch Spielerwechsel, wie der von Dylan Osetkowski. Der US-Center, der auch einen deutschen Pass besitzt spielte für Göttingen, löste den Vertrag auf, um bei seiner Familie in Kalifornien zu sein und tritt jetzt im Finalturnier für Ulm an und trifft u. a. auf Göttingen! Kein Wunder, dass es Stimmen gibt, die vom „verrücktesten Turnier aller Zeiten“ sprechen. Wohl auch, weil sich alle Beteiligten in wochenlange Quarantäne begeben müssen. Das Hygiene-Konzept umfasst 42 Seiten, etwa 3000 Corona-Tests werden durchgeführt, um die rund 250 Spieler, Trainer, Schiedsrichter und den restlichen Staff regelmäßig zu untersuchen.

Diskussionen gab es natürlich um den Austragungsort München, aber der Titelverteidiger präsentierte rundum das beste Paket mit dem Audi Dome, naheliegendem Hotel und besten organisatorischen Möglichkeiten. Die zehn Mannschaften spielen in zwei Gruppen eine Vorrunde, die jeweils vier besten Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für das Viertelfinale, das ebenso wie Halbfinale und Finale mit zwei Duellen gegeneinander ausgetragen wird. Ein hartes Programm wartet auf die Spieler vom Start am Samstag, 6. Juni, bis zum Finale am Sonntag, 28. Juni. Das bedeutet für die Finalteilnehmer zehn Spiele in 23 Tagen, fast alle zwei Tage also ein Match. Doch Basketballer, das weiß man aus Bundesliga und den europäischen Wettbewerben, sind stressresistent. Und auch ohne Zuschauer bekommen sie die gewünschte Aufmerksamkeit, Partner Magenta TV überträgt alle Spiele live im Streaming und Sport1 dazu noch ausgewählte Begegnungen im Free TV.

Das Argument von Kritikern, dass in einem Turnier kein Deutscher Meister ermittelt werden kann, ist wenig stichhaltig und wird von den Befürworten schnell entkräftet, schließlich werden Europameister und Weltmeister auch in Turnierform ermittelt und keiner sieht hier eine sportliche Beeinträchtigung. Ein Novum ist es natürlich und klar ist, dass der Weg für Überraschungen frei ist, die Favoriten Bayern München und Alba Berlin müssen auf der Hut sein. Auch die Frage nach der Form ist offen, zumal nicht alle Teams in Bestbesetzung antreten können (manche Ausländer kehrten nicht zurück), dafür konnte jede Mannschaft zwei Spieler neu verpflichten. Manche Teams haben aber auch nur eine Notbesetzung am Start wie Rasta Vechta, das statt der möglichen 14 Spieler nur zehn im Aufgebot hat.

Aber: Hauptsache gespielt wird. Die Zukunft bleibt dennoch ungewiss, so sagt mancher Vereinsmanager, „wenn wir bis zum Jahresende ohne Zuschauer spielen müssen, wird das kein Verein finanziell überleben.“

Die Gruppeneinteilungen, die ausgelost wurden: Gruppe A: Göttingen (bisher 9.), Crailsheim (3.), München (1.), Ulm (10.), Oldenburg (5.). Gruppe B: Frankfurt (14.), Berlin (4.), Vechta (6.), Ludwigsburg (2.), Bamberg (7.). Spiele vom 6. – 1. 15. 6., Viertelfinale 17. -20., Halbfinale 21. – 24., Finale 26. und 28. Juni.

Hansi Flick ist der Beweis: Auf den Trainer kommt es an

Früher hat man immer scherzhaft gesagt, Bayern München brauche gar keinen Trainer, die Mannschaft habe so eine Qualität, da täte es auch der Platzwart. Diese These ist schon lange widerlegt, spätestens in dieser Saison, als es mit Nico Kovac nicht klappte und der Rekordmeister der Musik hinterher lief. Mit dem bisherigen Assistenten Hansi Flick kam die Wende und die Bestätigung, der FC Bayern braucht doch einen Trainer. Ganz im Gegenteil, gerade beim vorentscheidenden 1:0-Sieg in Dortmund zeigte sich, auf den Trainer kommt es an. Dass die Weichen Richtung Meisterschaft gestellt wurden, war auch ein Erfolg von Flick über Favre.

Es war vor dieser Saison wie immer, ging es um die Frage des Titels, dann hieß es bei den üblichen Verdächtigen, „wir müssen da sein, wenn die Bayern schwächeln“. Einzig Dortmund wagte sich in die Offensive und gab die Meisterschaft als Ziel an. Eins ist gewiss: Die Mannschaft hat die Qualität dazu. Bittere Erkenntnis jetzt nach sieben Punkten Rückstand auf die Bayern und Platz 1: Dortmund hat offensichtlich nicht den Trainer dazu. Kein Wunder, dass immer wieder darüber spekuliert wird, dass Favre bald gehen muss. Da helfen auch alle Beteuerungen der Vereinsspitze nichts, man sei mit Favre zufrieden. Der Schweizer gilt als absoluter Fachmann, kann die Spieler sicherlich besser machen, aber er kann sie wenig begeistern, er ist kein Motivator, hat einfach nicht das Meister-Gen.

Das hatte Jürgen Klopp, er führte Dortmund zu den Titelgewinnen 2011 und 2012, die Borussia war da, als Bayern schwächelte, dann rüsteten die Münchner auf und starteten ihre Rekordserie an Titelgewinnen. Der achte liegt jetzt bereit und für die Zukunft darf sich die Konkurrenz eigentlich keine Hoffnung machen. Hansi Flick wird gefeiert als Trainer von der Qualität eines Jupp Heynckes, der Inbegriff des Trainer-Vorbildes für die Bayern. Der Vertrag wurde bis 2023 verlängert, die Bayern sind noch nicht satt.

Ein Blick auf die Auswechselbank beim Spitzenspiel machte eigentlich deutlich, dass Lucien Favre die besseren Auswahlmöglichkeiten als Flick hatte, um eine Wende herbei zu führen, er konnte Can, Sancho, Witsel, Götze und Reyna einwechseln, Flick musste auf Peresic, Hernandez und Martinez zurückgreifen, alles Akteure ohne Spielpraxis, dahinter saßen Talente aus der zweiten Mannschaft auf der Bank. Beweis: Favre macht zu wenig aus den Möglichkeiten.

Dortmund galt bisher als die Mannschaft der Zukunft, doch das könnte sich ändern. Im Vergleich der Spitzenteams haben die Münchner die Borussia vielleicht schon überholt, der Umbruch ist in vollem Gange und scheint geglückt. Die Überraschung der Saison sind die Außenverteidiger, hier wurden der anfangs unscheinbare Benjamin Pavard (viele rätselten vor der Saison, was die Bayern mit dem Absteiger aus Stuttgart wollten) und der unbekannte Alphonso Davies zu Volltreffern. Der Franzose beeindruckt auch mit Toren, der Kanadier begeistert als „Roadrunner“, er ist immer mit Volldampf unterwegs und bereinigte so schon viele brisante Situationen vor dem eigenen Tor. Da werden schon Vergleiche zu den legendären Verteidigerpaaren wie Lizarazu/Sagnol oder Lahm/Alaba gezogen. Und ein Manko hat die Borussia auch weiterhin: Dortmund wird vonTalenten wie Sancho und Haaland als Durchgangsstation gesehen, die Bayern gelten als einer der führenden Vereine in der Welt und damit für viele auch als Traumziel. Stichwort: Bei Bayern gewinnst du Titel.

Spannung im Abstiegskampf

Die Meisterschaft scheint also entschieden zu sein, spannend bleibt der Kampf um die Plätze in der Champions League bzw. Europa League, aber noch viel spannender geht es am Tabellenende zu. Dort hat sich Werder Bremen zur Verfolgung aufgemacht und bringt die Klubs davor wieder zum Zittern. Nur den tapferen SC Paderborn muss man trotz aller Bemühungen wohl abschreiben, die Ostwestfalen gehen erhobenen Hauptes. Aber wer begleitet sie? Ein Blick auf das Restprogramm zeigt, dass noch viele direkte Duelle anstehen und es vielleicht auf die Heimspiele ankommt, obwohl die durch die leeren Stadien an Bedeutung verloren haben. Eine Hochrechnung lässt den Schluss zu, dass es am Ende Düsseldorf neben Paderborn erwischen könnte und sich Mainz in die Relegation retten könnte, Bremen, Augsburg und Union aber den Klassenerhalt schaffen könnten. Doch ungewiss ist alle Theorie, jeder kann seine eigene Hochrechnung anstellen. Hier das Restprogramm:

Union Berlin (31 Punkte): Schalke (zu Hause), Köln (auswärts), Paderborn (H), Hoffenheim (A), Düsseldorf (H). – Augsburg (31): Köln (H), Mainz (A), Hoffenheim (H), Düsseldorf (A), Leipzig (H). – Mainz (28): Frankfurt (A), Augsburg (H), Dortmund (A), Bremen (H), Leverkusen (A). – Düsseldorf (27): Hoffenheim (H), Dortmund (H), Leipzig (A), Augsburg (H), Union (A). – Bremen (25): Frankfurt (H), Wolfsburg (H), Paderborn (A), Bayern (H), Mainz (A), Köln (H).

Werbung für Frauen-Fußball

Die Geisterspiele in leeren Stadien sind natürlich gewöhnungsbedürftig, doch böse Zungen behaupten, dass sich die Frauen da gar nicht umstellen müssen, weil sie ja sowieso nur vor einer kleinen Zuschauerkulisse spielen. Na ja, immerhin rund 900 Besucher beträgt der Schnitt in der Frauen-Bundesliga. Und dennoch war es besonders wichtig, dass auch die Frauen-Bundesliga wie ihr Pendant der Männer als erste Liga in Europa mit dem Re-Start beginnen konnte. So wurde der erste Spieltag nach der Pause zu einer einzigen Werbeaktion für den Frauen-Fußball.

Deren Beispiele gibt es viele, so war sogar das internationale Interesse groß, fast 20 Nationen interessierten sich per Fernsehübertragungen für den Start in Deutschland, in England war die Live-Übertragung des Spitzenspiels Bayern – Hoffenheim ein Hit bei den Sportfans, bei denen der Frauen-Fußball einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland genießt. Doch die Frauen spielten sich auch hierzulande in den Blickpunkt, da berichtete die ARD-Sportschau ebenso wie das ZDF-Sportstudio, wo zudem Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg Studiogast war. Auch die größte Sonntagszeitung, die Bild am Sonntag, widmete dem Frauen-Fußball eine ganze Seite. Wann gibt es schon diese Aufmerksamkeit!

Aber auch das Spiel selbst zwischen den Bayern und Hoffenheim war Werbung für den Frauen-Fußball, wobei die Bayern hier die bessere Ausgangsposition allein schon in der Vorbereitung hatten und mit dem 3:0-Sieg die Weichen Richtung Champions League stellen konnten. Kritische Stimme im Umfeld einiger Vereine gab es, weil viele Spielerinnen neben dem Fußball auch ihrem Beruf nachgehen müssen oder im Studium sind. Nur die Spitzenvereine beschäftigen Vollprofis. So mussten einige Mädchen Urlaub nehmen, um die Quarantäne-Bestimmungen einhalten zu können oder künftig auch für Spiele unter der Woche. Doch diese Opfer lohnen sich für die gesamte Frauen-Bundesliga, die kaum noch einmal diese Werbung genießen wird. Da war es dann fast nur noch eine Randnotiz, dass auch die 3. Liga der Männer trotz aller Streitigkeiten wieder gespielt hat. Fragt sich nur, wie lange das gut geht. Bei den Frauen gibt es da eigentlich weniger Bedenken.

Beste Werbung für die Fußball-Bundesliga

Das Experiment der Geister-Spiele in der Fußball-Bundesliga ist gelungen. Nein, eigentlich ist es noch mehr, die Geister-Spiele sind national und international beste Werbung. Natürlich bleibt der Makel, dass ohne Fans die Atmosphäre fehlt, aber das lässt das nach wie vor umtriebige Coronavirus nicht zu. Aber aus der vertrackten Situation haben die DFL und ihre Vereine das Beste gemacht, auch mit Hilfe der Fans, die offensichtlich vernünftig genug sind, den Spielbetrieb nicht zu torpedieren. Hoffentlich bleibt das so. Ganz im Gegenteil, die Idee der Pappkameraden auf den Rängen in Mönchengladbach war ein voller Erfolg und verbreitete wenigstens ein bisschen von Zuschauer-Feeling. Leider müssen die Pappfiguren zwangsläufig stumm bleiben, eine Hilfe für die Borussia beim 1:3 gegen Leverkusen waren sie deshalb nicht.

Aber der Ball rollt und die Bundesliga bleibt Vorbild für andere internationale Ligen sowie für andere Sportarten. „Machen wir es doch wie die Bundesliga“ ist derzeit fast schon eine gängige Redewendung. Auch der Pay-TV-Sender Sky darf sich zu den Gewinnern zählen und verzeichnet ebenso Rekord-Einschaltquoten wie zahlreiche internationale Fernsehsender. Und jetzt steht auch noch der „deutsche Clasico“ bevor, das Duell zwischen Borussia Dortmund und Bayern München am Dienstag. Da schaut wieder die ganze Welt nach Deutschland. Nun müssen die Akteure auf dem Rasen dafür sorgen, dass auch das Spitzenspiel zur besten Werbung wird.

Die Ausgangslage ist klar, für Dortmund geht es darum, praktisch die letzte Chance zu nutzen, um gegen die Bayern, vier Punkte Vorsprung, im Titelrennen zu bleiben. Beide Mannschaften beeindrucken in der Rückrunde mit Top-Leistungen (je sechs Siege in Folge), die Münchner steuern sogar einen neuen Torrekord an. Für die Bayern stehen die vorentscheidenden Spiele an mit den Aufgaben in Dortmund, in Leverkusen und gegen Gladbach (mit dem Treffen gegen Abstiegskandidat Düsseldorf dazwischen). Am 13. Juni könnten die Weichen für die Meisterschaft gestellt sein – oder eben auch nicht. Dortmund hat als letzte schwierige Aufgabe das Gastspiel in Leipzig am vorletzten Spieltag. Ist es noch von Bedeutung?

Die Welt schaut also auf dieses Spiel und vor allem auf das Duell der Torjäger Erling Haaland, dem talentierten Norweger, dem derzeit die Schlagzeilen gehören, und Robert Lewandowski, der Tor-Maschine und wohl derzeit bestem Mittelstürmer der Welt. Da will Haaland noch hin. Beide Teams bangen aber auch um wichtige Akteure, Dortmund um Hummels und Witsel, die Bayern um Thiago. Nach der Tendenz der Geisterspiele sind die Bayern Favorit, meist siegen nämlich die Auswärtsteams!

Bitte Abstand halten – auch in der Tabelle

Ein Blick auf die Tabelle offenbart Seltsames, nämlich, dass für die Bundesliga und Corona offensichtlich die gleichen Verhaltensregeln gelten, nämlich Abstand halten! Abstand zwischen den besten fünf Teams und dem Rest des Feldes, wobei von Wolfsburg (39 Punkte), über Freiburg (37), Schalke (37), Hoffenheim (36) bis Köln und die Hertha (beide 34) alle nicht den Eindruck machen, als sollten sie reif für Europa sein. Freiburg zum Beispiel scheint richtiggehend Angst vor dem internationalen Geschäft zu haben. Schalke ist nach toller Vorrunde in der Rückrunde ein Rätsel, mit jetzt neun Spielen ohne Sieg! Ein Gewinner der Corona-Pause sind dagegen die Berliner. Jetzt redet keiner mehr über das Chaos, sondern über den Start mit zwei Zu-Null-Siegen im Derby bei Union (3:0) und jetzt Frankfurt (4:0). Bruno Labbadia ist mal wieder der Trainer der Stunde.

Dahinter heißt es wieder Abstand, ab dem FC Augsburg (30 Punkte) geht es gegen den Abstieg, Ausgang ungewiss. Die Augsburger verschafften sich im Duell der Verlierer bei Schalke mit dem 3:0-Sieg etwas Luft und schenkten Neu-Trainer Heiko Herrlich ein erfolgreiches Debüt nach seinem Corona-Fehltritt. Aber jetzt folgt das noch wichtigere Heimspiel gegen Schlusslicht SC Paderborn. Der Neuling galt schon vor der Saison als Absteiger Nummer eins, wehrt sich aber tapfer und erwarb sich durchaus Anerkennung. Die Westfalen sind alles andere als Kanonenfutter. Davor haben Bremen und Düsseldorf den Kampfgeist entdeckt, das Aufbäumen ist da und schon geraten Mainz und Frankfurt in Not. Ihnen wäre es lieber, die Teams hinter ihnen würden den nötigen Abstand halten!

Es hat sich also gelohnt, dass der Fußball wieder rollt, das gilt auch für die 2. Bundesliga, wo es ähnlich interessant ist. die Altmeister aber Rätsel aufgeben. Der Hamburger SV und VfB Stuttgart treten auf der Stelle und präsentieren Spitzenreiter Arminia Bielefeld quasi den Aufstieg. In Nürnberg heißt es gern „der Club is a Depp“, das könnte sich wieder einmal bewahrheiten, der Abstieg ist nah, die Stürmer treffen nicht und ohne Tore kein Klassenerhalt.

Es lohnt sich, wenn der Fußball rollt, das sollte sich die 3. Liga zu Herzen nehmen, doch dort herrscht Streit (siehe auch die nächste Kolumne „Die Ligen sind immer wichtiger als die Vereine“), herrschen Lügen und Intrigen, damit wollen Abstiegskandidaten den Klassenerhalt retten. Die Vereine der 3. Liga würden ja gern unter das Dach der DFL rutschen, wobei finanzielle Gründe den Anreiz bilden, dort könnten sie sich dieses Theater jedoch nicht leisten. DFL-Boss Christian Seifert sieht es sehr richtig: „Je nach Tabellenplatz entdeckt man plötzlich die Moral.“

Start der Frauen-Bundesliga

Der Fußball rollt auch in der Frauen-Bundesliga wieder, ohne Streit, auch wenn Schlusslicht Jena gegen die Fortsetzung war, weil es Probleme mit Training und Stadion hat. Nur noch sechs Spieltage stehen an, dazu drei Runden im Pokal. Der Start hat es gleich in sich, denn Bayern München erwartet am Samstag (13.00 Uhr) die TSG Hoffenheim. Zweiter gegen Dritter also, wobei die Münchnerinnen gerade mal einen Zähler Vorsprung haben und bereits das Hinspiel mit 0:1 in den Sand setzten. Wer kommt also besser aus den Startlöchern?

Am Titelgewinn des noch ungeschlagenen VfL Wolfsburg gibt es allerdings keine Zweifel bei acht Punkten Vorsprung vor den Bayern. Die Mädchen freuen sich aber, dass sie wieder auf der Bildfläche erscheinen und bei Eurosport und Magenta TV im Fernsehen zu sehen sind. Bei ihnen schaut allerdings keineswegs die ganze Welt zu, doch für das Image ist der Re-Start von großer Bedeutung.

Die Ligen sind immer wichtiger als die Vereine

Die Aufmerksamkeit, welche die 3. Liga im deutschen Fußball derzeit erfährt, hätte sie eigentlich immer gern. Sportlich natürlich. Doch diesmal ist die Aufmerksamkeit in Zeichen der Corona-Krise und Saison-Unterbrechung, eher negativ, denn die 3. Liga ist heillos zerstritten, das heißt, die einen Vereine wollen in die eine Richtung, die anderen wiederum genau in die entgegengesetzte Richtung. Zur Klarheit: Die knappe Mehrheit, nämlich zehn Vereine, so ergab es eine Abstimmung Ende April, ist für eine Fortsetzung der Saison, acht Vereine votierten für einen Rundenabbruch (zwei enthielten sich) und versuchen mit populistischen Parolen in der Öffentlichkeit dieses vorzeitige Saisonende auch zu erzwingen. Der Verband als Verantwortlicher machte keine gute Figur, doch jetzt sprach er ein Machtwort: Die Runde wird am 30. Mai fortgesetzt und soll bis Ende Juni beendet sein. Fünf englische Wochen kommen auf die Vereine zu, einige der Quertreiber haben bereits gerichtliche Schritte angekündigt.

Das zeigt deutlich, dass einige Klubs das große Ganze nicht sehen, sondern nur ihren eigenen Probleme. Aber sie müssten eigentlich wissen, dass die Ligen immer wichtiger sind als die einzelnen Vereine. Bezeichnend, dass sich gerade die Klubs für einen Abbruch stark machen, die sportlich in Nöten sind und die auf diesem Weg dem Abstieg entgehen wollen. Bezeichnend, dass auch die Vereine einen Abbruch erzwingen wollen, die vorne stehen und den Aufstieg am grünen Tisch perfekt machen könnten. Dass der Sport so mit den Füßen getreten wird, sehen sie nicht.

Dabei war die 3. Liga eigentlich auf einem guten Weg. Unbestritten ist sie sowieso eine Problemliga zwischen den Regionalligen als oberste Amateurligen und der 2. Bundesliga, wo es erstmals richtig Geld aus den Fernsehübertragungen zu verdienen gibt. Wohlgemerkt, die 3. Liga ist eine Profiliga, doch gerade jetzt verhalten sich viele Vereine gar nicht profimäßig. So haben einige der Rebellen einfach die Statuten missachtet und keine Anstalten gemacht, die Hygienebestimmung des DFB, die eine Grundvoraussetzung für den weiteren Spielbetrieb sind, umzusetzen. Dazu hilft in Thüringen und Sachsen-Anhalt offensichtlich die Politik den heimischen Vereinen, sperrt Stadien und setzt den Sport vor die Tür. Übersehen wurde aber, dass in den Regeln eindeutig steht, dass sich ein Verein um eine Ersatzlösung bemühen muss, wenn das eigene Stadion nicht spielfähig ist. Das gilt immer, auch zu Corona-Zeiten! Was nun also in Jena, Halle, Magdeburg?

Die 3. Liga war, wie gesagt, auf einem guten Weg, hat steigende Zuschauerzahlen zu verzeichnen mit einem Schnitt von rund 8000, gilt damit weltweit als attraktivste 3. Liga, und ist laufend im Fernsehen präsent. Und gerade dieser Vertragspartner möchte auch bedient werden. Die ARD ist dabei und Magenta Sport überträgt alle Spiele live. Auch hier würde die 3. Liga viel Kredit verspielen, wenn ein Abbruch erzwungen würde, die Liga würde im Image um Jahre zurückfallen.

Auch eine Zweiteilung in eine Gruppe Süd und Nord wurde einen Rückschritt bedeuten und die Kluft zur 2. Bundesliga größer werden lassen. Der Saarländische Verband hat diesen Antrag für den Außerordentlichen Verbandstag des DFB am 25. Mai gestellt. So soll der Saisonabbruch abgefedert werden, ein Abstieg wäre hinfällig. Aber der Schaden für die Zukunft wäre immens. Ebenso, wenn das eintritt, was einige wohl sehen, dass 2020 gar nicht mehr gespielt wird. Wie soll die Regelung dann zu den anderen Ligen aussehen? Will jemand die 3. Liga ganz in der Versenkung verschwinden lassen?

DFL und DFB sind bemüht, trotz Corona-Krise die Saison im Profi-Fußball zur retten und bis Ende Juni oder spätestens Mitte Juli über die Bühne zu bringen. Dazu gehört eben auch die 3. Liga und dazu gehören die Relegationsspiele, die hinfällig wären, wenn eine Liga einen Alleingang unternehmen würde. Hinfällig wäre wohl dann auch eine Hilfsaktion der Spitzenklubs der Bundesliga, die 7.5 Millionen Euro zur Unterstützung der 3. Liga und Frauen-Bundesliga zur Verfügung gestellt haben.

Wenig geredet wird dagegen über die Frauen-Bundesliga. Dort sind sich die Vereine einig und der Re-Start erfolgt am 29. Mai. Nur noch sechs Spieltage und drei Pokalrunden sind zu absolvieren. Wäre schön, wenn die Frauen in der Folge mehr Aufmerksamkeit bekämen als die aufmüpfigen und engstirnigen Drittligisten.

Eine Bilanz: Der andere Fußball ohne Fans

Es ist vollbracht, die Fußball-Bundesliga hat ihren ersten Spieltag ohne Zuschauer gut über die Bühne gebracht. Jubel brach über die Geister-Spiele keiner aus, die Kritiker warnen natürlich (Das ist erst der Anfang) und bleiben skeptisch, das Ausland schaut mit Respekt nach Deutschland und auf dem Rasen selbst, na ja, da war der Fußball wie immer, nämlich logischerweise mal gut und mal schlecht, aber das Ambiente war ungewohnt und seltsam. Die Stille hatte ihr Gutes und ihr Schlechtes. Eine Bilanz über den anderen Fußball ohne Fans.

Zunächst ein Kompliment an die DFL und ihren Boss Christian Seifert, nur mit guter Arbeit und Besonnenheit wurde dieser Re-Start der Bundesliga möglich. Das Konzept wurde bis ins kleinste Detail erarbeitet, aber dort wo Menschen zugange sind, klappt natürlich nicht alles. Der eine oder andere Verein ist vielleicht nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit an die Sache rangegangen, es wurde deutlich, welche Klubs gut organisiert sind und welche nicht. So scheint Manager Michael Preetz den Laden bei Hertha BSC nicht im Griff zu haben. Zu viel Chaos gab es in den letzten Monaten (Stichwort Klinsmann), zu viele Peinlichkeiten in den letzten Tagen, angefangen mit dem unsäglichen und kindischen Video von Spieler Kalou. Auch jetzt ließen die Berliner die Ernsthaftigkeit vermissen, kein Team jubelte so ausgelassen und hautnah, alle Corona-Empfehlungen missachtend,wie die Herthaner. Da ist es auch das 3:0 gegen Hoffenheim keine Entschuldigung, weil bei der Hertha zuletzt Siege Mangelware waren. Also jubeln darf man schon, Bruno Labbadia feierte einen Einstand nach Maß und die Kirsche auf der Torte ist die Tatsache, dass die Hertha jetzt, am 26. Spieltag, wieder einen Punkt vor dem Lokalrivalen Union steht. Welche Fügung des Terminplans, dass am Freitag im (leeren) Olympiastadion das Berliner Derby steigt!

Auffallend war, dass die Mannschaften wohl einige Zeit brauchten, um sich an das komische Szenario ohne Fans zu gewöhnen. Die Spiele begannen zögerlich, wie „Alte Herren“, wie Thomas Müller treffend bemerkte. Das erste Geister-Tor fiel erst nach 29 Minuten, der Torschütze war – wenig verwunderlich – Dortmunds Norweger Erling Haaland. Das Derby gegen Schalke riss aber niemand aus dem Fernsehsessel, Dortmund trumpfte auf, Schalke 04 war schwach und machte seinem Vereinsnamen beim 0:4 wenig Ehre. Dortmund feierte seinen 800. Bundesliga-Sieg (nur die Bayern haben mehr, 1112!), Schalke hat jetzt eine Bilanz von acht Spielen ohne Sieg und rutschte aus den Europacup-Rängen. Am Sonntag (13.30 Uhr) kommt es zum Treffen zweier Sorgenkinder, Schalke erwartet mit dem FC Augsburg die schlechteste Mannschaft der Rückrunde (nur vier Punkte). Die Bayern glänzten auch nicht, doch sie fuhren ein souveränes 2:0 bei Union ein. Da war wohl der Eindruck eines Vorbereitungsspiels für den Tabellenführer zu stark. Wir wissen, die Bayern laufen dann zur Bestform auf, wenn es um etwas geht. Und so warten die Fans (im Wohnzimmer) auf den Schlager in Dortmund am Dienstag, 26. Mai (18.30 Uhr).

Apropos Fans, die blieben zu Hause oder versammelten sich (oft mit vorschriftsmäßigen Abstand – anders als die Hertha-Spieler!) in Kneipen und bescherten dem Pay-TV-Sender Sky einen Zuschauerrekord. Sky hat also beste Werbung für sich betrieben und richtig gehandelt, die Konferenz-Übertragung für alle zugänglich zu machen. Für viele Zuschauer an den Bildschirmen waren die Geister-Übertragungen sogar ein Gewinn, denn die Kommentatoren waren ohne Hintergrundgeräusche (oft das unsägliche Trommeln auf den Tribünen) gut zu verstehen und selbst Schiedsrichter Felix Brychs Erklärung über seine Hand-Entscheidung wurde als unfreiwilliger Service übertragen. Gewissermaßen erlebten die TV-Zuschauer Fußball pur. Ähnlich wie bei Skirennen, wo Jubel auch erst im Ziel aufbrandet. Ruhiger als sonst ging es auch auf dem Rasen zu, die Spieler agierten mit weniger Hektik und Reklamierten kaum, die aufgehetzte Stimmung auf den Tribünen ist ansonsten wohl Treibstoff für Proteste.

Aber wie gesagt, es war erst der erste von insgesamt neun Spieltagen (dazu Pokal) und gewonnen ist noch nichts. Die Mannschaften waren vorher in einer einwöchigen Quarantäne, jetzt dürfen alle wieder nach Hause, sollen aber bei ihren Familien bleiben, um Ansteckungen zu vermeiden. Doch können auch Familienangehörige das Virus einschleppen, zum Beispiel Kinder von der Schule mitbringen. Dies trifft zwar dann nur einige Spieler, die einzeln aus dem Verkehr gezogen werden, aber die Gefahr ist nicht gebannt. Und wie leichtsinnig selbst die Trainer mit den Bestimmungen umgehen, zeigte Augsburgs Coach Heiko Herrlich. Er sollte den FCA auf den Erfolgsweg bringen und war nicht bei der Mannschaft, die prompt verlor. Peinlicher kann ein Einstand nicht sein.

Ein vorzeitiger Abbruch der Saison ist also immer möglich und gilt als Horrorszenario. Deshalb hat die DFL dieses Thema – das ist der einzige große Fehler – wohl vor sich hingeschoben. Doch Entscheidungen müssen im Notfall getroffen werden. Ganz gefährlich sind Ideen, dass bei einem Saisonabbruch der Abstieg ausgesetzt werden muss und die Liga aufgestockt werden soll. Dieser Vorschlag wurde für alle Ligen gemacht, aber in der 3. Liga zeigt sich schon, dass sich manche Vereine gar nicht bemühen, die Saison fortzusetzen. Abstiegskandidaten könnten einen SaIson-Abbruch provozieren, um so die Klasse zu erhalten! Eine gerechte Lösung wird es nicht geben, aber es sollte immer der letzte Stand der Tabelle zählen, evtl. hochgerechnet auf alle Spiele. Jede Mannschaft hat bis dahin die Chance, sich entsprechend zu platzieren. Aufstockungen sorgen für Probleme in der nächsten Saison. Bei einigen fehlt halt der Weitblick und der Blick für das Ganze.

Scheiden tut manchmal gar nicht weh

Der Volksmund sagt „scheiden tut weh“, doch Ferrari und Sebastian Vettel beweisen jetzt in der Formel 1, dass eine Scheidung manchmal gar nicht weh tut. Beide haben sich auseinander gelebt, was vor fünf Jahren als Traumhochzeit gefeiert wurde, endete jetzt als großes Missverständnis. Sebastian Vettel ist eben nicht Michael Schumacher. Ferrari hatte den Traum, dass es Vettel wie Schumacher schaffen würde, die „Roten“ wieder auf die Siegesstraße zu bringen, Vettel hatte den Traum, wie Schumacher der Held der deutschen Motorsportfans zu werden. Es wurden aber fünf Jahre der Enttäuschung, alle Hoffnungen blieben unerfüllt, Vettel gewann ein paar Rennen, aber keinen Titel. Mercedes und Lewis Hamilton standen im Weg und zuletzt sogar Stall-Rivale Charles Leclerc. Ferrari und Vettel haben eingesehen, die Zusammenarbeit der Erfolgslosigkeit zu beenden.

Die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung waren nur noch ein Schattenboxen. Ferrari bot Vettel nach dieser Saison nur einen Kontrakt über ein Jahr an, weil absehbar war, dass Vettel hinter Leclerc nur noch die Nummer zwei sein würde. Vettel wiederum wollte diese Rolle nicht spielen und beharrte auf sein Prinzip, nur einen Dreijahresvertrag zu akzeptieren. Es war ihm klar, dass er diesen bei den Italienern nicht bekommen würde. Am Ende gibt es auf beiden Seiten nur eins: Erleichterung!

Sebastian Vettel kam als vierfacher Weltmeister 2015 zu Ferrari. Von 2010 bis 2013 räumte er mit Red Bull die Titel ab, da war die Welt noch in Ordnung. Erste Schatten gab es, als er 2014 den Atem von Teamkollegen Daniel Ricciardo im Nacken spürte. Vettel machte Fehler, wurde Fünfter. Noch aber lebte er vom frischen Ruhm der Titel und erfüllte sich seinen Traum: Einmal für Ferrari fahren. Die Italiener sahen wiederum in einem Deutschen den Hoffnungsträger und träumten von einer goldenen Zukunft. Träume wiederholen sich aber nicht immer.

Ferrari baut also auf den Monegassen Charles Leclerc, auf den 22-Jährigen Jungspund, der den Weltmeister ausgestochen hat. An seiner Seite wird wohl künftig der 25-Jährige Carlos Sainz jun. fahren, der einen berühmten Namen trägt, der Vater war der weltbeste Rallyefahrer. Der Spanier ist schnell, machte auf sich aufmerksam, wird aber wohl die Rolle als Nummer zwei akzeptieren.

Sebastian Vettel aber will zunächst mal in Ruhe über seine Zukunft nachdenken. Noch hat er wohl einige Zeit, bis die Formel 1 wieder fährt, wenn sie überhaupt fahren kann. Die Atmosphäre im Team der „Roten“ wird nicht gut sein, es scheint, Ferrari hat das Jahr schon abgehakt, wird sich verstärkt auf 2021 konzentrieren. Für Vettel werden sich danach nicht viele Türen auftun, am ehesten McLaren, das eben Sainz verliert. Eine Rückkehr zu Red Bull ist keine Option, an Max Verstappen kommt Vettel nicht vorbei. Ob Mercedes für ihn eine Zukunft darstellt ist ebenfalls zweifelhaft. Lewis Hamilton hat wohl keine Veranlassung die Silbernen zu verlassen. Er könnte in diesem Jahr den Rekord von Michael Schumacher mit sieben WM-Titeln einstellen, wenn gefahren wird. Und sollte diese einst unvorstellbare Siegesserie gelingen, dann hat er wohl den alleinigen Rekord im Visier und der ist Stand heute am ehesten mit Mercedes möglich.

Sollte Sebastian Vettel seine Karriere in der Formel 1 beenden, dann wäre auch die einst so glorreiche Ära der deutschen Fahrer in der Königsklasse endgültig zu Ende. Einst wurde die Formel 1 als „Formel D“ bezeichnet, als 2010 mit Schumacher, Vettel, Nico Rosberg, Nick Heidfeld, Adrian Sutil, Nico Hülkenberg und Timo Glock gleich sieben deutsche Fahrer am Start waren und in Hockenheim und am Nürburgring die Formel 1 zweimal in Deutschland gastierte. Auch hier steht Deutschland derzeit im Abseits. Die einzige deutsche Hoffnung heißt Schumacher, Michals Sohn Mick hat offensichtlich viel Talent vom Vater geerbt, sorgt in der Formel 2 für Schlagzeilen und gehört dem Perspektivkader von Ferrari an. Die deutsche Hoffnung lebt also weiter in Maranello.

Der 32-Jährige Sebastian Vettel, der seit einigen Jahren mit seiner Familie auf einem ausgebauten Bauernhof in der Schweiz lebt, könnte allerdings noch einmal zum Hoffnungsträger werden. In der Formel E, der anscheinend die Zukunft gehört. Die neue Rennserie der Elektrorennwagen sorgt immer mehr für Furore und könnte einen Star aus der Formel 1 als PR-Lokomotive gut gebrauchen. Es wäre eine Win-Win-Situation, wenn Vettel noch genug Racing-Blut in seinen Adern verspürt.

Alles spricht für die Bayern als Geister-Meister

Nach wie vor bleibt der Re-Start der Fußball-Bundesliga am kommenden Samstag, 16. Mai, umstritten. Die Kritiker kommen aus allen Ecken, da melden sich Politiker zu Wort um Schlagzeilen zu fischen, da warnen Ärzte, weil mögliche Langzeitschäden der Corona-Infektionen noch gar nicht erforscht wären (wie lange muss dafür der Spielbetrieb ruhen?), da erheben Moralapostel den Zeigefinger, dass die reiche Bundesliga doch ein schlechtes Beispiel für arme Kinder sei. Über den Sport spricht keiner. Drum: Reden wir heute über den Sport (mehr über den Hintergrund lesen Sie in der anschließenden Kolumne („Ganz Europa schaut auf die Bundesliga“).

Eines ist klar: Es wird für alle ungewohnt sein, in ein leeres Stadion ohne Fans und Geräuschkulisse aufzulaufen, ohne die gewohnten Abläufe vor dem Spiel. Kein Klatschen von den Rängen, kein Abklatschen mit Mitspielern und Gegnern, keine Einlaufkinder, kein Aufstellen am Spielfeldrand. Der eine oder andere Spieler hat ein Geisterspiel schon erlebt (zum Beispiel Gladbach – Köln im März). Dennoch ist die wichtigste Frage: Wer kommt mit dieser komischen Atmosphäre zurecht, wer kann angesichts des Eindrucks eines Trainingsspiels seine beste Leistung abrufen?

Das Form-Barometer ist ebenfalls nur ein großes Fragezeichen. Der Re-Start ist wie ein Saisonstart ohne Trainingslager. Einzeltraining in Zeichen der Kontaktsperre konnte nur zum Teil die Form bewahren, das Mannschaftstraining reduziert sich auf ein paar Einheiten mitten in der einwöchigen Quarantäne, in die alle Mannschaften in dieser Woche vor dem Start geschickt wurden. Damit verbunden die Hoffnung, dass unmittelbar vor dem Auftakt kein Akteur (dazu zählen auch die Schiedsrichter und der Staff um das Team) eine Corona-Infektion aufweist. Ob die Rechnung aufgeht?

Wer also findet am Schnellsten seinen Rhythmus, wer kommt mit der ungewohnten Atmosphäre zurecht? Eigentlich spricht alles für den FC Bayern München als Geister-Meister. Der Titelverteidiger und Tabellenführer (vier Punkte Vorsprung vor Dortmund und fünf vor Leipzig) hat erfahrene Spieler und in der Gesamtheit wohl auch das Personal, das mangelnde Form oder Fitness mit Klasse und Technik überspielen kann. Das Gastspiel am Sonntag (18.00 Uhr) bei Neuling Union Berlin ist eigentlich gleich typisch. In normalen Zeiten hätte Union in der Alten Försterei auf seine Fans als Rückhalt gebaut, die Anfeuerung, welche die Spieler zu mehr Einsatz treiben kann, fällt jetzt weg. Dagegen sind die Bayern die Mannschaft, die am ehesten ohne Anfeuerung leben kann. Dies auch im eigenen Stadion und deshalb haben die Bayern hier auch einen Vorteil gegenüber Dortmund, weil die Borussia auf ihre berüchtigte „Gelbe Wand“ verzichten muss. Das ist schon ein besonderer Aspekt beim Revier-Derby am Samstag zwischen Dortmund und Schalke. Die Fans fehlen werden auch Teams wie Augsburg, Frankfurt und Schalke, dagegen werden sich wohl die Hertha (meist ein halbleeres Stadion), Leverkusen und Wolfsburg leichter tun, denn überkochende Stimmung kennen sie nicht.

Vor dem Re-Start herrscht also große Ungewissheit und Unsicherheit, es könnte Überraschungen hageln, weil der eine ohne Fans zu großer Form aufläuft, der andere dagegen überhaupt nicht in Schwung kommt. Da tönen auch wieder die Kritiker, dass Punktspiele ohne Publikum ungerecht wären und den Ausgang der Meisterschaft beeinflussen würden. Allerdings: Jeder hat die gleichen Bedingungen.

Vereine wollen den Spielbetrieb zu Fall bringen

Ob die Fußball-Saison überhaupt zu Ende gespielt werden kann, das steht in den Sternen. Sicher ist nichts, selbst in der 1. und 2. Bundesliga. Die Beispiele Köln und Dresden sind typisch: In Köln gab es noch getrenntes Gruppen-Training als drei Infizierte in Quarantäne geschickt wurde, der Rest durfte weiter trainieren. In Dresden wurde das gesamte Team zur Quarantäne verdonnert, weil es bereits Mannschaftstraining gab. Möglich aber auch, dass das Gesundheitsamt in Köln großzügiger reagierte als das in Dresden. Die ersten beiden Spiele von Dynamo fallen schon aus, noch hat der Terminplan die nötigen Lücken für Nachholspiele, doch irgendwann kann es eng werden.

Aber ist gibt noch eine Gefahr für den ganzen Fußballbetrieb. Das sind zum Teil die Klubs selbst. Es hat nämlich den Anschein, als wollten einige Vereine den Spielbetrieb zu Fall bringen. Besonders auffällig ist dies in der 3. Liga, wo die Mannschaften auf den Abstiegsplätzen und in Abstiegsgefahr für einen Abbruch plädieren und darauf vertrauen, dass es dann keinen Absteiger geben wird. Ähnlich denken die Spitzenteams, die wiederum auf einen Aufstieg ohne weitere Hindernisse spekulieren, wenn abgebrochen wird. Auffällig auch das Zusammenspiel der Gesundheitsämter in Halle und Magdeburg, die Spielverbote aussprachen. Gäbe es ein Ende der Runde wären beide Teams in der 3. Liga gerettet. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt… Nehmen wir die ersten drei Ligen zusammen, dann entscheiden 56 Gesundheitsämter über 56 Vereine und der Fußball besitzt kein Widerspruchsrecht. Das macht deutlich, dass es fast einem Wunder gleich käme, wenn die Saison im Profi-Fußball wirklich beendet werden könnte.

Vor allem in der 3. Liga wird weiter gerungen, der DFB will eine Klärung in einem außerordentlichen Verbandstag am 25. Mai. Festgelegt wurde darüber hinaus dass das Pokalfinale am 4. Juli wie gewohnt im Berliner Olympiastadion ausgetragen werden soll, natürlich ohne Zuschauer. Die Halbfinals sind für den 9. und 10. Juni vorgesehen, möglich, dass hier der Anpfiff bei Tageslicht erfolgt, weil die Polizei Bedenken bei Abendspielen äußerte. Die Frauen-Bundesliga soll übrigens am 29. Mai starten, hier stehen noch sechs Spieltage aus.

Zunächst einmal rollt der Fußball wieder ab dem 16. Mai, doch wie lange er rollt, das weiß keiner.

Ganz Europa schaut auf die Bundesliga

Es ist geschafft! Die Fans atmen auf, die Fußball-Bundesliga spielt wieder und startet am 16. Mai in den Endspurt mit dem 26. Spieltag von insgesamt 34. Am Samstag, 27. Juni, soll dann der Meister gekürt werden. Die Fans atmen auf, aber nicht alle sind begeistert, weil die Zuschauer ausgesperrt sind und Geisterspiele eigentlich keinen hinter dem Ofen hervorlocken. Doch inzwischen hat sich auch bei den Anhängern die Erkenntnis durchgesetzt, dass Geisterspiele das geringere Übel sind, um einige Vereine vor der Pleite zu bewahren.

Insofern ist die Entscheidung der Politik eine lebensrettende Maßnahme, doch der Chor der Kritiker war lauter als die Jubeltöne. Was wurde nicht alles kritisiert, dass die Bundesliga eine unangebrachte Bevorzugung erhalte. Der Deutschlandtrend der ARD bestätigt die Skepsis, in einer Umfrage ist die Hälfte der Befragten gegen den Wiederbeginn der Bundesliga, 36 Prozent sind dafür. Da bekommt sogar der bekennende Fußball-Fan Markus Söder mehr Zustimmung, 53 Prozent halten Bayerns Ministerpräsidenten für den besten Kanzlerkandidaten von CDU/CSU. Söder beliebter als der Fußball!

In Deutschland wird vor allem über die Kritik diskutiert, außerhalb der Grenzen ist es anders. Ganz Europa schaut auf die Bundesliga, lobt den Wiederbeginn und zeigt Respekt vor der Arbeit der DFL. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin stellte die Bundesliga sogar als „leuchtendes Vorbild“ dar. Die Medien in den Ländern der Top-Ligen sehen das genauso und würden sich wünschen, dass in ihren Ligen ebenso gut und konsequent gehandelt wird. In Italien heißt es u. a. „Die Lokomotive des europäischen Fußballs kommt wieder in Bewegung“ oder „Angela Merkel gibt ein wichtiges Zeichen der Normalisierung in Deutschland“. In Frankreich loben die Zeitungen „Der Bundesliga ist weltweite Beachtung sicher“ oder „Wenn wieder Fußball gespielt wird, ist Licht am Ende des Tunnels“ und „Deutschland profiliert sich in einem undurchsichtigen Europa.“

Natürlich bleibt der Spielbetrieb mit direkten Zweikämpfen eine Gratwanderung. Die DFL hat aber ein schlüssiges Sicherheitskonzept erarbeitet und damit alles menschenmögliche getan. Gegen Undiszipliniertheiten wie sie Hertha-Star Kalou offenbarte, kommt das beste Konzept nicht an. Wie heißt es so schön „Fußballer sind wie Kinder“ (deshalb darf die Bundesliga genau so schnell spielen wie die Kitas wieder geöffnet haben!) oder (was allerdings schon oft widerlegt worden ist) „die Fußballer haben es in den Füßen, nicht im Kopf“ Angesichts solcher Ausfälle kommen alte Vorurteile wieder hoch.

Es gibt genügend Unwägbarkeiten, die den Spielbetrieb wieder stoppen können. Zum Beispiel wenn sich die Fans vor den Stadien oder zu Hause vor den Fernsehern versammeln und Abstand Abstand sein lassen und zusammenrücken. Steigt die Zahl der Infizierten eklatant, ist Schluss. Oder auf dem Feld springt Covid-19 von einem zum anderen bei Zweikämpfen, bei Gerangel im Strafraum oder wenn die Mauer gestellt wird. Immerhin alle sind ja getestet und sollten Corona-frei sein. Auf gängige Gewohnheiten sollten die Profis verzichten: Das Spucken auf den Rasen, Rudelbildung und Beschimpfungen nah am Gegner mit Kopf-an-Kopf-Diskussion. Fußball in Corona-Zeiten kann auch ein bisschen Knigge-Schulung werden.

Im Deutschlandtrend sind nur 36 Prozent für den Start der Bundesliga, doch eigentlich hat man das Gefühl ganz Deutschland freut sich auf den Re-Start. Immerhin geht es gleich mit dem Revier-Derby Dortmund – Schalke los, Meister Bayern kreuzt am Sonntag bei Neuling Union Berlin auf. Mehr zum ersten Geister-Spieltag in Bälde an dieser Stelle.

Die Sehnsucht nach Normalität hilft auch dem Sport

Eine Nation rüttelt an den Ketten. Deutschland hat die Nase voll vom Lockdown und giert nach Bewegungsfreiheit. Die Regierung in Berlin bremst und beschreitet den Weg der Vernunft, doch das Leben zeigt immer wieder, ein bisschen Unvernunft gehört dazu. Deshalb ist es auch nur eine Frage der Zeit, wann es weitere Lockerungen der Beschränkungen für die Bevölkerung gibt, bei der nächsten Konferenz der Länder-Chefs mit der Kanzlerin wird das über die Bühne gehen. Die einzige Frage: Wie weit werden die Lockerungen gehen?

Von der Sehnsucht nach Normalität im Leben profitiert auch der Sport, der ja eigentlich Sinnbild ist für den Bewegungsdrang. Es geht nicht nur um die Wirtschaft oder um unsere Kinder, im Sport geht es eigentlich um uns alle. Der Stern, der ganz oben leuchtet (manchmal natürlich auch nicht) ist der Fußball, gerade die Nationalmannschaft kann eine ganze Nation bewegen. Die Lokomotive ist die Bundesliga und die rüttelt eben auch an den Ketten, will endlich wieder spielen. Für die Leute, aber in erster Linie natürlich für sich selbst, damit das Geld der Fernsehanstalten drohende Insolvenzen verhindert.

In der Öffentlichkeit gibt es eine Gemengelage, bei der deutlich wird, wie die Fußball-Bundesliga polarisiert. Die einen tönen „zuerst müssen die Kinder raus, ehe Fußball gespielt wird“, die anderen sehen die Bundesliga als Beitrag zur Normalität, als Abwechslung nach dem düsteren Corona-Szenario. Die Bundesliga übt sich im Gegensatz zu ihrem sonstigen Auftreten in Demut, will die Corona-Tests natürlich selbst bezahlen und unterstützt in vielfältigen Spendenaktionen (das wird immer wieder vergessen!) die leidende und über die Grenzen der Kraft gehende Bevölkerung. Auf diese Pluspunkte weist keiner der Populisten hin.

Dafür versuchen Politiker Pluspunkte zu sammeln, wenn sie dem Volk nach dem Mund reden. Typisches Beispiel ist der SPD-Co-Chef Norbert Walter-Borjans (wer kennt den eigentlich?), der fordert, die Bundesliga-Spiele müssten im freien Fernsehen zu sehen sein, damit auch wirklich jeder zuschauen kann, wenn schon gespielt wird (ohne Zuschauer in den Stadien). Verträge ignoriert er, genauso den Grund des Drängens nach Geisterspielen, weil nur dann eben das überlebensnotwendige Geld fließt. Es liegt am Rechteinhaber Sky, ob er als Werbegründen Spiele frei empfangbar ausstrahlt. Scheinbar will die Politik Druck machen, damit sich Fans nicht in Gruppen vor dem Sky-Fernseher versammeln. Aber Sky ist nun mal der Rechteinhaber.

Für die Bundesliga ist der Spielbetrieb so oder so eine Gratwanderung, weil eben keiner vorhersagen kann, ob Corona zuschlägt und wenn, in welchem Maße. Typisch der erste Schreckschuss, als drei Mann beim 1. FC Köln positiv getestet wurden und in Quarantäne mussten. Das Gesundheitsamt sagt aber: Eine erhöhte Ansteckungsgefahr durch die positiv getesteten Kollegen gibt es nicht. Die Kritiker der Geisterspiele sehen sich dagegen bestätigt, zum Beispiel der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach: „Das Konzept floppt und ist kein Vorbild“, Die zweite, entscheidende Testreihe blieb ohne positiven Befund, Aufatmen in Köln und in der Bundesliga. Danach hat die DFL erste Zahlen bekannt gegeben: Bei 1724 Tests in der 1. und 2. Bundesliga gab es ganze zehn positive Fälle.

Es geht aber nicht nur um Fußball. Der Sport ist ein Stück Normalität, so sitzen auch andere Sportarten in den Startlöchern wie die Basketball-Bundesliga zum Beispiel, in der zehn von 17 Vereinen noch den Meister ermitteln wollen und zwar an einem zentralen Standort. Aber es gibt auch viele kleine Vereine und deshalb macht der Dachverband DOSB Druck auf die Politik und fordert die Freigabe für den Amateursport. Für viele Kinder ist der Fußballplatz der beste Spielplatz.

Abseits von der Diskussion vom Corona-Szenario kann der Spitzenfußball so schnell nicht aus seiner Haut. Typisches Beispiel Bayern Münchens Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der den Fans wohl Hoffnung für die Zukunft geben wollte und kundtat, dass die Bayern für die neue Saison mit Verstärkungen durch einen Topspieler und ein Toptalent planen. Damit erntete er Kritik (wer denkt jetzt an so was) und machte die zuletzt gute Arbeit zum Teil wieder kaputt, nämlich diverse Vertragsverlängerungen, u. a. mit Trainer Hansi Flick und Thomas Müller. Diesbezüglich soll es bald weitere Erfolgsmeldungen geben mit Manuel Neuer, David Alaba und Thiago („Ich könnte mir vorstellen, meine Karriere in München zu beenden“). So wird die Corona-Pause positiv genutzt.

Übrigens lassen sich die Bayern-Frauen ebenfalls nicht lumpen, sie rüsten auch für die Zukunft auf und könnten bald unter dem Namen SC Freiburg antreten. Mit dem 19-jährigen Stürmertalente Klara Bühl haben sie insgesamt jetzt die siebte Spielerin (!) aus Freiburg verpflichtet und mit Jens Scheuer gleich den Trainer dazu. Aus Essen kamen aktuell Torjägerin Lea Schüller und Marina Hegering, Bayern bläst also zum Angriff auf den dominierenden VfL Wolfsburg. Schade ist, dass die Frauen-Bundesliga die Corona-Pause ansonsten nicht zu mehr Eigenwerbung nutzen konnte. Auch die Frauen wollen spielen, angesichts der sonstigen Zuschauerkulisse mit unter tausend Besuchern im Schnitt ist der Schritt zu Geisterspielen gar nicht so weit.

In Corona-Zeiten leidet der Motorsport noch unter einem anderen Virus

Corona ist in aller Munde, aber wenn es um den Motorsport geht, dann sorgt nicht allein Corona für Kopfschmerzen. Der Motorsport leidet noch unter einem anderen Virus, der am Ende sogar zu einer Selbstzerstörung führen könnte. Problem Nummer 1: Motorsport ist in Zeiten des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. Problem Nummer 2 ist hausgemacht: Eine Einigkeit unter den Firmen gibt es nicht, jeder versucht nur seine Vorteile zu sichern, denn nur Siege bescheren die nötige Aufmerksamkeit. Da sind wir aber bei Problem Nummer 3: Mit Erfolgen im Motorsport erzielt man nicht mehr den großen Imagegewinn wie früher. Wir sehen: Ein weitgestreutes Virus lässt den Motorsport leiden. Am Ende der Corona-Zeiten werden auch da Opfer zu beklagen sein.

Aktuelles Beispiel ist natürlich die DTM (Deutsches Tourenwagen-Masters), der Audi wohl den Todesstoß versetzt hat. Ein Blick zurück zeigt, wie sehr der angekündigte Ausstieg von Audi die DTM trifft. Letztes Rennen in Hockenheim, auf dem Siegerpodest verspritzen Nico Müller, Mike Rockenfeller und Gesamtsieger Rene Rast den Champagner. Alle drei fahren für Audi! 2021 wollen die Ingolstädter nicht mehr dabei sein, ob 2020 überhaupt gefahren wird, steht wie bei vielen Sportveranstaltungen in den Sternen. Nach dem Ausstieg von Mercedes und dem nur einjährigen Gastspiel von Aston Martin steht BMW jetzt alleine da. Da wird DTM-Chef Gerhard Berger bald nur noch das Ende der Serie verkünden können. Dabei war er hoffnungsvoll gewesen und sah eine Zusammenarbeit mit der japanischen Super-GT-Serie als Rettung. Mehr Internationalität, mehr Aufmerksamkeit und damit mehr Sponsoren und Teilnehmer war seine Kalkulation. Er hat sich verrechnet.

Es ist ein Bild der Zukunft: Audi sagt Nein zur DTM, aber Ja zur Formel E. Die Elektro-Serie elektrisiert die Konzerne, da sind neben Audi auch Mercedes und BMW dabei und diese Rennen sind auch im Zeichen des Klimawandels zeitgemäß, der Motorsport will auf leisen Sohlen quasi überleben. Die Formel E mit ihren Rennen in den Großstädten der Welt wird über kurz oder lang auch der Formel 1 den Rang als Königsklasse ablaufen.

Die Formel 1 ist auch ohne Corona krank. Gut, das Virus ist natürlich schuld, dass die Rennen 2020 bisher alle abgesagt werden mussten, alle Zukunftspläne mit Kostenreduzierung und neuen Regeln 2021 wurden zunichte gemacht. Jetzt kämpft die Formel 1 ums Überleben, versucht verzweifelt einige Rennen zu retten, wo doch 2020 eine Rekordsaison mit 22 Rennen sein sollte. Jetzt wird ein Start am 5. Juli in Spielberg ins Auge gefasst, ohne Zuschauer natürlich, nur für das Fernsehen. Sogar ein zweites Rennen am 12. Juli ist möglich und am 19. soll es in Silverstone in England weitergehen. Selbst Hockenheim, 2020 eigentlich Zuschauer, kommt wieder ins Gespräch. Geisterrennen kann man sich vielleicht eher vorstellen als Geisterspiele im Fußball. Corona hat viele Geister ins Sportlerleben gebracht. Der Vorteil der Formel 1: Die Mechaniker sind sowieso unter ihren Helmen mit Visier geschützt. Zumindest beim Rennen und Training.

Die Formel 1 versucht verzweifelt die Gegenwart zu meistern, aber die Zukunft sieht dennoch eher düster aus. Die neuen Besitzer, der US-Konzern Liberty Media, werden nicht glücklich mit dem Motorsport weil Boss Chase Carey den Laden nicht im Griff hat, Bernie Ecclestone kann nur den Kopf schütteln. Und so werden nur Schreckensmeldungen in die Welt gesetzt. Keine Einigkeit bei den Rennställen über die Kostendeckelung, die den Großen zu weit, den Kleinen aber nicht weit genug geht. Ferrari setzte sogar das Gerücht des Ausstiegs in die Welt, doch jeder weiß, die Formel 1 ist für Ferrari überlebensnotwendig. Wenn es nur endlich wieder Siege gäbe. Aber auch um Seriensieger Mercedes ranken sich Gerüchte, die Stuttgarter müssen wie alle Firmen sparen, haben Kurzarbeit ausgerufen und sinnieren schon, ob sich die Formel 1 noch lohnt. Dazu wurde aus dem Chefstrategen Toto Wolff ein unsicherer Kantonist, Gerüchte sind ein Trennungsvirus: Mal sieht man ihn als neuen Formel-1-Chef, mal sieht man ihn zur Konkurrenz abwandern, mal wird kolportiert, dass er sich ganz aus dem Motorsport zurückzieht. Nur über die Zukunft bei Mercedes wird wenig geredet. Und die Vertragsverlängerung von Weltmeister Lewis Hamilton ist auch noch offen. RTL-Experte Ralf Schumacher brachte jetzt sogar einen Platztausch von Sebastian Vettel und Hamilton bei Ferrari und Mercedes ins Gespräch. Das würde fast schon den Ausstieg von Mercedes bedeuten.

Corona hält die Welt in Atem und hat den Zerfall des Motorsports weltweit mit Sicherheit beschleunigt. In welchem Tempo das passiert, ist offen. Aber auch hier gilt: Nach Corona wird nichts mehr so sein wie vorher.