Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Die Probleme mit den Länderspielen

Im Volksmund heißt es „wer bezahlt, schafft an“. Das ist im Profi-Fußball keineswegs so. Die Vereine bezahlen die Spieler, aber sie sind machtlos, wenn diese von den Verbänden angefordert werden und oft die Leidtragenden, wenn ihre Profis dann verletzt zu den Klubs zurückkehren, quasi als „totes Kapital“. Kein Wunder also, dass die Vereinigung der Profi-Klubs, die sich praktisch als Schutzgemeinschaft gegründet hat, hier Änderungen anstrebt und die Abstellungen zu Nationalmannschaften reduzieren will. Kein Wunder, dass die Trainer diese Länderspielpausen nicht gerne sehen. „Ich habe Angst vor den Länderspielen“, sagt zum Beispiel Bayern Münchens Coach Carlo Ancelotti, denn er weiß aus Erfahrung, „immer kommt einer verletzt zurück“. Besonders anfällig ist hier Chiles Star Arturo Vidal, der sich für sein Heimatland ins Zeug legt, aber eben auch bei den Bayern als Abräumer im Mittelfeld und Dampfmacher dringend gebraucht wird, wenn der Traum vom Triple (Meisterschaft, Pokalsieg, Gewinn Champions League) Wirklichkeit werden soll.

Gerade die Länderspielpause jetzt Ende März liegt denkbar ungünstig. Es stehen in aller Welt wieder Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland an, die Zeit wird aber auch für Freundschaftsspiele genutzt. Aber nach gerade zwei oder drei Spieltagen (je nach Land, die Bundesliga schiebt am 4./5. April einen Wochenspieltag ein) stehen die wichtigen Spiele im Viertelfinale der Champions League an, die innerhalb von zwei Wochen (11./12. und 18./19. April) durchgepeitscht werden. Es könnte also sein, dass Spieler, die verletzt von ihren Nationalmannschaften zurückkommen, bis zu diesen wichtigen Begegnungen ihres Vereins ihre Blessuren noch nicht auskuriert haben. Sie haben gerade zwei bis drei Wochen Zeit. Die Vereine bezahlen, schaffen aber nicht an!

Freilich, Verletzungen können in jedem Training oder jedem Spiel des Vereins passieren, aber es ist schon seltsam, dass Klubs wie Bayern München fast bei allen Abstellungen Spieler haben, die verletzt von ihren internationalen Einsätzen zurückkommen. Gut, WM- oder EM-Qualifikationsspiele müssen sein (zumindest so lange, bis die Bosse bei FIFA oder UEFA in den Sinn kommt, ein WM-Turnier mit allen Mitgliedsverbänden zu spielen!), aber die normalen Länderspiele, die Freundschaftsspiele, sind in Verruf gekommen. Müssen sie sein? Der Fan lässt sich da nicht mehr begeistern, die Stadien sind nicht mehr voll, weil die Attraktivität fehlt und die Trainer zu Experimenten neigen, also nicht alle Stars auf dem Feld stehen. Ein Teufelskreis, der die Probleme mit den Länderspielen deutlich macht.

Jeder muss Verständnis für die Trainer haben, eine gute Lösung für alle gibt es aber nicht. Die ist auch der Nationen-Cup nicht, der im nächsten Jahr neu eingeführt wird. Hintergedanke: Die normalen Länderspiele sollen aufgewertet werden, der Zuschauer soll den Eindruck bekommen, es geht um was. Viele Trainer haben schon abgewunken und angekündigt, dass sie dann eben bei diesem Wettbewerb auf den Pokal verzichten und die Spiele lieber als Test nehmen. Die Vereine meutern sowieso und wollen einen Riegel vorschieben: Keinesfalls mehr Spiele, lieber weniger. Gibt es künftig also keine Länderspiele mehr?

Der Deutsche Fußball-Bund serviert seinen Fans zunächst einmal attraktive Länderspiele. Könnte sein, dass dann die Stadien trotz der „wertlosen“ Spiele voll sind, weil die Gegner England (Mittwoch, 22. März in Dortmund), Spanien und Brasilien (nächstes Jahr im März)) attraktiv sind. In Dortmund absolviert Publikumsliebling Lukas Podolski zudem sein Abschiedsspiel aus der Nationalmannschaft. Der Jubel ist also gewiss, doch die Probleme um die Länderspiele bleiben. Und nicht nur Carlo Ancelotti wird zittern.

Eine WM ist eine WM – oder doch nicht?

Wenn eine Weltmeisterschaft (WM) auf dem Programm steht, dann erwarten Sportfans eigentlich, dass sich die besten Sportler der Welt im Kampf um den Titel messen. Aber weit gefehlt. Eine Weltmeisterschaft dient den meisten (ob es alle sind, weiß der Sport-Grantler nicht) Kontinentalverbänden unter anderem auch dazu, dass sich alle ihre nationalen Mitgliederverbände der ganzen Welt zeigen können. Also gilt nicht das sportliche Leistungsprinzip, sondern die Werbung. So ist eine WM zwar eine WM – aber eigentlich auch wieder nicht.

Bei den alpinen und nordischen Ski-Weltmeisterschaften in den letzten Tagen und Wochen sind die Exoten wieder aufgetaucht. Sportler, die teilweise sogar zum ersten Mal auf Skiern standen – aber bei einer Weltmeisterschaft starten dürfen. Ein Hohn! Die tollen Abfahrer versuchen im Schneepflug den Hang zu meistern, einfach lachhaft, da amüsieren wir uns schon auf den Pisten der Freizeitsportler. Ist das wirklich einer Weltmeisterschaft würdig? Machen solche linkischen Sport-Versuche den Spitzensport nicht unglaubwürdig? Beruhigend ist nur eines: Diese Athleten sind mit Sicherheit nicht gedopt.

Es wäre aber angebracht, dass bei den Verbänden ein Umdenken stattfindet. Um das Teilnehmerfeld zu begrenzen, dürfen meist nur vier Athleten von einer Nation starten, damit eben auch die Anfänger aus exotischen Ländern ihren Startplatz bekommen. Da kann es dann eben sein, dass Spitzenleute zu Hause bleiben müssen, weil es Nationen gibt, die mehr als vier Athleten haben, die um die Medaillen mitkämpfen können bzw. könnten. Der Weltmeister oder die Weltmeisterin darf sich freuen, weil gute Konkurrenten oder Konkurrentinnen notgedrungen zuschauen müssen. Manchmal ist es eben leichter, bei einer Weltmeisterschaft zu gewinnen als bei einem beliebigen Weltcuprennen. Ist das wirklich der Sinn einer Weltmeisterschaft?

Der Fußball trat in etwa auch in diese Fußstapfen. Die Aufblähung des Teilnehmerfeldes einer WM auf 48 Nationen diente ja vor allem dazu, dass möglichst viele Länder mitmachen können, denen dies bisher verwehrt wurde. „Wir haben mehr Nationen mit Interesse an der WM“, frohlockt FIFA-Präsident Infantino und übersieht (siehe frühere Kommentare), dass der sportliche Wert sinkt. Es ist doch traurig, dass die Fußball-Weltmeisterschaft künftig erst richtig beginnt, wenn es K.o.-Spiele gibt, wenn die besten Nationen dann wirklich unter sich sind. Wollte man das Niveau verbessern, wäre eine Reduzierung des Teilnehmerfeldes die bessere Lösung. Doch dafür würde der Präsident keine Wahlstimmen bekommen. Der Sport ist ja nur Mittel zum Zweck.

So werden wir in allen oder zumindest vielen Sportarten weiter damit leben müssen, dass eine Weltmeisterschaft keine wirkliche Weltmeisterschaft ist. Dass es eine Bühne für Exoten gibt, passt besser zu den Olympischen Spielen, wo sie ja auch aufkreuzen. Dort aber gibt es bekanntlich das Motto „teilnehmen ist wichtiger als siegen“. Da passt es eigentlich, obwohl die Teilnahme allein den Spitzensportlern natürlich schon immer nicht genügt hat. Andererseits hat aber Olympia seinen besonderen Reiz für die Spitzensportler, weil dieses Fest nur alle vier Jahre stattfindet. Olympiasieger bleibt man ewig, Weltmeister ist man nur bis zur nächsten Weltmeisterschaft. Was zeigt: Weniger kann mehr sein. Nur: Funktionäre sehen das nicht so.

Infantino-Bilanz: Nichts wurde bei der FIFA besser

Er ist angetreten mit dem Versprechen, den Fußball-Weltverband (FIFA) zu reformieren. Doch die Bilanz nach einem Jahr sieht nicht golden aus. Ganz im Gegenteil, in der Öffentlichkeit wird die FIFA unter Gianni Infantino nicht besser wahrgenommen als die FIFA unter Joseph S. Blatter. Einziger Fortschritt: Die Diskussion um die Korruption ist mehr oder weniger zum Erliegen gekommen, was allerdings auch nur daran liegt, dass die erste Aufarbeitung abgeschlossen ist und die staatlichen Stellen sich mitten in ihrer eigenen Ermittlungsarbeit befinden. Da kann noch einiges folgen.

Der neue Präsident hat seine Kraft nicht zuerst in den Reformwillen investiert, sondern vor allem in öffentlichkeitswirksame Vorschläge. Eine Weltmeisterschaft mit 48 Nationen hätte die Welt nicht gebraucht, aber diese Aufstockung war Infantinos erstes Ziel, um gegenüber den Verbänden in Asien und Afrika sein Wahlversprechen zu halten. Hier ging es also um eine Aufarbeitung der besonderen Art. Die Verbände nehmen in Kauf, dass das Endturnier der Weltmeisterschaft an Qualität verliert. Ein schöner Erfolg.

Gianni Infantino hat auch mit Personalrochaden in der FIFA-Zentrale auf sich aufmerksam gemacht, doch da ging es wohl weniger um Altlasten, als vielmehr darum, seine eigenen Getreuen entsprechend in Position zu bringen. Seltsam mutet sein Vorschlag an, dass die Ethikkommission, die zuletzt durchaus gute Arbeit geleistet hatte, künftig vom FIFA-Rat bestimmt werden kann. Da kommt wieder die alte FIFA-Regel durch: Wir müssen unsere Kontrolleure selbst aussuchen (unterschwelliger Zusatz: Damit nichts gefunden wird). So sieht der Fortschritt unter Infantino aus.

Bayerns Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge hat dies klar erkannt und moniert in der Fachzeitschrift kicker: „Infantino hat … angekündigt, die Transparenz, das Demokratieverständnis und die Governance innerhalb der FIFA deutlich zu verbessern. Bis jetzt ist das … nicht gelungen.“ Bisher ist auch nichts davon zu spüren, dass der Präsident vor allem repräsentative Aufgaben vornehmen soll, während das Generalsekretariat den Verband quasi führen soll. Gianni Infantino gibt das Zepter nicht aus der Hand, zieht an allen Fäden.

So ist es also noch nicht gelungen, dass der Fußball-Weltverband wieder in besserem Licht dasteht. Der Fußball rollt, die Funktionäre sind froh, wenn einigermaßen Ruhe herrscht und keiner an ihren Pfründen rüttelt. Dann ist die Fußball-Welt für sie in Ordnung. Die Korruption ist keinesfalls aus dem Spiel.

Biathlon: Einmal König, einmal Bettler

Der Biathlon-Sport erlebte bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen (Österreich) begeisternde Wettkämpfe, an denen sich vor allem die deutschen Zuschauer erfreuen konnten. Sie fieberten zahlreich in der Arena mit, vor allem aber daheim an den Fernsehgeräten. Da machte Biathlon sogar König Fußball die Vorherrschaft streitig. Deutschland ist nicht mehr nur eine Fußball-Nation, sondern im Winter auch eine Biathlon-Nation. Jedes dritte TV-Gerät war fast bei allen Wettkämpfen eingeschaltet.

Das lag natürlich vor allem an den Erfolgen der neuen Biathlon-Königin Laura Dahlmeier. Die 23jährige Partenkirchnerin zeigte beeindruckende Wettkämpfe, bewies Nervenstärke am Schießstand und Ausdauer in der Loipe. Die passionierte Bergsteigerin ging fast immer über ihre Schmerzgrenze hinaus und trotzte sogar Schwächeanfällen nach den Rennen. Der Lohn waren Medaillen, fünf Goldene und eine Silberne in Hochfilzen, im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft vor einem Jahr in Oslo sogar elf Medaillen hintereinander. Das hat noch niemand geschafft, nicht einmal ihre große Vorgängerin in Deutschland, Magdalena Neuner, die den WM-Rekord mit zwölf Titeln hält. Sollte Dahlmeier nicht wie Neuner mit 24 Jahren bereits an den Rücktritt denken, dann hat sie gute Chancen auf einen neuen Rekord, mit bisher sieben Titeln. Sie gilt schließlich als die perfekte Athletin, die weder am Schießstand noch in der Loipe Schwächen hat. Wann hat es das jemals gegeben.

Die Deutschen also lieben Biathlon, aber es ist das Schicksal dieses interessanten und spannenden Wintersports, dass er nur in einzelnen Ländern die Sportfans hinter dem Ofen hervor holt. So klagt zum Beispiel Frankreichs Vorzeige-Athlet Martin Fourcade darüber, dass sich in seinem Heimatland niemand für ihn und seine Erfolge interessiert. Im Gegensatz dazu ist die letztjährige Weltcupsiegerin Gabriela Koukalova in ihrem Heimatland Tschechien ein großer Star. So ist es halt beim Biathlon, einmal König, einmal Bettler.

In Nordamerika weiß auch nur eine Minderheit mit Biathlon etwas anzufangen. Da musste der Präsident sogar als Beispiel herhalten. Der Überraschungs-Weltmeister Lowell Bailey auf die Frage, ob US-Präsident Donald Trump wohl etwas über Biathlon wisse: „Ich denke, so wie bei vielen Sachen, hat er davon keine Ahnung.“ Vielleicht ändert sich das jetzt bei Trump und den anderen Amerikaner, nachdem Bailey der erste amerikanische Weltmeister wurde und Susan Dunklee mit Silber im Massenstart die erste Medaille für die USA bei den Frauen gewann. Allerdings wird in Nordamerika aus dem Bettler nie ein König werden, genau so, wie wohl aus Trump nie ein guter Präsident werden wird.

Den Ursprung hat Biathlon im militärischen Bereich, in Skandinavien und Russland. Da gingen einst die Jäger auf Skiern auf die Jagd, entdeckte eben auch das Militär die Vorteile der Verbindung von Ski und Gewehr im Winter. In Skandinavien, vor allem in Norwegen, und Russland ist Biathlon besonders populär. Wobei der Sport darunter leidet, dass vor allem die Russen Erfolge mit unlauteren Mitteln erzwingen wollen. Zahlreiche Dopingsperren brachten Biathlon in Verruf und sorgten auch in Hochfilzen für negative Schlagzeilen. So wurde das Mannschaftsquartier von Kasachstan von der Polizei durchsucht. Der Biathlon-Weltverband zeigt sich hier nicht konsequent genug.

Biathlon hat genau wie König Fußball den Vorteil, dass es eine interessante und spannende Sportart ist. Wer mal die Rennen verfolgt hat, wird sie immer wieder anschauen, wenn die Spannung zum Beispiel beim letzten Schießen fast ins Unermessliche steigt. Wer trifft, wer schießt daneben, was bringt die letzte Runde. Manche Rennen werden dann erst buchstäblich auf der Ziellinie entschieden. Sportler-Herz, was willst Du mehr!

Champions League: Machen die Favoriten den Weg frei?

Im Herbst das Vorgeplänkel, im Frühjahr die Entscheidung. Im europäischen Fußball geht es jetzt erst richtig los, wenn in der Champions League (CL) das Achtelfinale und in der Europa League (EL) die Zwischenrunde mit 32 Klubs ab Dienstag, 14. Februar anstehen. Die K.o.-Phase, das ist es, was die Fans sehen wollen. Die Finals finden am 24. Mai in Solna (Schweden/EL) und 3. Juni in Cardiff (Wales/CL) statt. Es könnte sein, dass auf dem Weg dahin einige Favoriten straucheln, denn die Formkurve der Spitzenteams in Europa ist sehr dubios. Die Frage also: Machen die Favoriten den Weg frei?

In der Europa League wird es sowieso einen neuen Titelträger geben, denn der Seriensieger der letzten Jahre, der FC Sevilla, hat es diesmal ins Achtelfinale der Champions League geschafft und gibt gerne den EL-Pott mal weiter. Die Spanier siegten die letzten drei Jahre, davor schaffte es 2013 der FC Chelsea. Auch diesmal könnte ein englischer Klub profitieren, Manchester United gilt als Favorit. Die nächste Hürde heißt AS St. Etienne und sollte eigentlich kein Stolperstein sein. Auch die deutschen Klubs träumen vom Finale, Borussia Mönchengladbach stieg aus der CL ab und hat den AC Florenz in einem offenen Duell als Gegner, Schalke 04 zog als Gruppensieger in die nächste Runde ein und fürchtet gegen PAOK Saloniki vor allem die heißblütigen griechischen Fans. Wie auch immer, die Europa League wird weiter im Schatten des großen Bruders Champions League bleiben.

Die großen Vereine Europas haben auch ihre Probleme, sie suchen ihre Form. Titelverteidiger Real Madrid gilt zwar erneut als Favorit, doch zwei Aspekte stehen dagegen: Erstens der Fluch des Siegers, denn bisher konnte noch kein Klub den Titel erfolgreich verteidigen, zweitens die Form, denn seit dem Ende der Rekord-Siegesserie in der „La Liga“ in Spanien mit 40 ungeschlagenen Spielen konnte Real kaum überzeugen, wenn es auch die Tabelle in Spanien nach wie vor anführt. Das geht nur deshalb, weil auch der FC Barcelona schwächelt und immer wieder überraschend Punkte abgibt. Abgefallen ist auch Atletico Madrid, das zuletzt die großen Klubs ärgerte und 2014 und 2016 im Finale von Real jeweils nur unglücklich unterlag. Aber jetzt ist der Wurm drin, Trainer Diego Simeone, bekannt als „Heißmacher“ an der Linie, mosert über fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen: „Da gewinnen wir leichter in der Champions League als in Spanien.“ Im Achtelfinale könnte Bayer Leverkusen der Leidtragende sein. Die Deutschen sind jedenfalls Außenseiter.

In die Phalanx der Großen mit Formschwächen reiht sich auch der FC Bayern München ein. Die Bayern waren der letzte CL-Sieger, der nicht aus Spanien kam (2013). Zu gern würden sie das Triple von damals (zudem Meisterschaft und nationaler Pokal) wiederholen. Pep Guardiola konnte diesen Traum bekanntlich nicht zur Wirklichkeit werden lassen, die Bayern scheiterten zuletzt immer im Halbfinale. Jetzt trägt sein Nachfolger Carlo Ancelotti die Hoffnungen, u. a. deshalb, weil er einst mit Real seinen Kollegen Guardiola und die Bayern austrickste und demütigte. Aber in der Liga sind auch die Bayern nicht in Form und die Fans fragen sich, ob es in der CL so einfach besser geht. Da könnte Arsenal London mal Historisches schaffen, nämlich die Bayern ausschalten. Bisher galten die Londoner unter Arsene Wenger als Lieblingsgegner der Münchner, in drei Duellen hatte Arsenal das Nachsehen. Es würde in die Tendenz passen, wenn Bayern diesmal straucheln würde, die Tendenz nämlich, dass die Favoriten den Weg frei machen.

Eine ähnliche Konstellation ergibt sich im Duell zwischen dem FC Barcelona und St. Germain Paris. Die Spanier waren für die Franzosen 2013 und 2015 im Viertelfinale Endstation, jetzt träumen die Franzosen wieder, obwohl auch sie dem Fluch der mangelnden Form unterliegen. Der Abgang von Torjäger Ibrahimovic wiegt schwer. Erstmals seit vier Jahren grüßen sie in der nationalen Liga nicht von der Spitze der Tabelle. Nicht die besten Voraussetzungen für eine Überraschung.

Wer aber könnte den Weg gehen, wenn Hürden beiseite geräumt werden? Als erstes schreit wohl Juventus Turin „hier“, die Italiener wollen schon lange an die Spitze Europas und den früheren Glanz des italienischen Fußballs wieder herstellen. Gut in Form ist auch der SSC Neapel, warum also nicht den Titelverteidiger Real stürzen? Oder gar der englische Meister Leicester City? Das wäre die nächste Sensation, denn in England befindet sich der Meister in diesem Jahr im Abstiegskampf und Gegner FC Sevilla hat bekanntlich viel vor. Mehr darf man da Manchester City und Pep Guardiola zutrauen. Der Ex-Bayern-Trainer ist zwar in England noch nicht ganz angekommen und es droht eine Saison ohne Titel zu werden, es sei denn, es gelingt eine Überraschung in der CL! Oder gar Borussia Dortmund? Bisher war es so, in der Liga „pfui“, in der CL „hui“. Wer in den Gruppenspielen Real Madrid auf Platz zwei verdrängt hat, der muss wohl zumindest in den Kreis der aussichtsreichen Außenseiter aufgenommen werden. Die Jungspunde aus Dortmund könnte Europa überrennen, was vielleicht leichter ist, als Woche für Woche im Alltag Bundesliga beste Leistungen zu zeigen. Der Sport ist ja bekanntlich voller Rätsel und die Champions League in diesem Jahr auch.

Das CL-Achtelfinale: Benfica Lissabon – Borussia Dortmund, Paris St. Germain – FC Barcelona, Bayern München – Arsenal London, Real Madrid – SSC Neapel, Bayer 04 Leverkusen – Atletico Madrid, Manchester City – AS Monaco, FC Porto – Juventus Turin, FC Sevilla – Leicester

DFB-Pokal: Die Amateure kämpfen um ihr Fest

Es ist wieder so weit, am Dienstag/Mittwoch (7./8. Februar) befindet sich die Fußballgemeinde in Deutschland wieder im Pokalfieber. In allen Nationen hat der Pokal seinen besonderen Reiz, weil der Vergleich zwischen den großen und kleinen Vereinen nicht alltäglich ist und wenn dann auch noch David gegen Goliath siegt, ist die Begeisterung besonders groß. Vor allem für die Amateur-Klubs ist es ein Feiertag, wenn einmal ein Bundesligist bei ihnen auftaucht. Doch das Fest der Amateure ist in Gefahr.

Immer wieder wird gerade von den großen Klubs eine Pokalreform ins Gespräch gebracht. Früher gab es ja sogar noch Hin- und Rückspiele, die vor allem aus zwei Gründen in Deutschland richtigerweise abgeschafft wurden (in anderen Ländern gibt es sie noch): Einmal schmälert das die Chance der kleineren Klubs, andererseits muss für die international tätigen Vereine ein weiterer Termin im sowieso schon prall gefüllten Kalender untergebracht werden. Die jetzige Regelung könnte eigentlich Bestand haben, mit 64 Vereinen in der ersten Runde, die zuletzt jeweils quasi als Saisonstart vor dem ersten Bundesliga-Spieltag ausgetragen wurde. Wenn, ja wenn nicht dieser frühe Start der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ein Dorn im Auge wäre. Sie würde ihre Klubs lieber vermehrt zu PR-Zwecken ins Ausland schicken. Ein Spiel in Peking bringe mehr als ein Spiel in Walldorf.

DFL-Boss Christian Seifert geht fast perfide vor, wenn er betont, dass die Bundesliga keineswegs die kleinen Klubs vor den Kopf stoßen will und ein Freilos für international spielende Klubs gefordert wird. Er könnte sich statt 64 sogar 128 oder 256 Vereine im DFB-Pokal vorstellen, so dass mehr Klubs vom Geldsegen DFB-Pokal profitieren könnten, aber er verschweigt geflissentlich, dass in diesen ersten Runden die Amateure eben unter sich wären. Zwangsläufig findet die Auswahl schon vorher auf Landesebene statt, ehe sich eben die Landesbesten für die erste Runde auf Bundesebene qualifizieren von dem Festtag träumen dürfen, weil eben richtigerweise die Amateure in allen Runden Heimrecht genießen. Dann muss die Glücksfee eben ein gutes Händchen haben, damit auch wirklich ein Bundesligist kommt und kein Zweitligist. Sonst fällt das Fest natürlich ein wenig kleiner aus.

An diesem Grundprinzip darf nicht gerüttelt werden, wenn in diesem Jahr über die neue Vereinbarung zwischen DFL und DFB um die Zukunft des Pokals verhandelt wird. Die Amateure gehen sogar noch weiter und setzen den Profi-Fußball unter Druck. So hat sich eine Aktionsgemeinschaft „Rettet die Amateurvereine“ gebildet, die mehr Geld vom Profi-Fußball fordert. Initiator ist der frühere Vorsitzende der SpVgg Unterhaching, Engelbert Kupka, der fordert: „Nach dem großartigen Fernsehvertrag der DFL muss mehr Geld an die Amateur fließen.“ Im Grundlagenvertrag, der bis 2023 läuft, sind drei Prozent festgeschrieben, die Aktionsgemeinschaft fordert zehn Prozent der 1,5 Milliarden, also statt 45 Millionen gleich 150 Millionen – dreimal so viel. Diese Probleme sehen die Klubs: Die Amateurvereine sind vielfach am Ende, die Zuschauer fehlen und damit Einnahmen, die Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern wird immer schwieriger, Vereine müssen aufgeben, Spielgemeinschaften allein sind nicht die Rettung. Angeblich mussten bereits 16.000 Mannschaften aufgeben.

Aber die Bundesliga schaut nicht nach unten, sondern über die Grenzen Deutschlands hinaus. Allerdings sollte sie nie vergessen, dass „König Fußball“ Probleme bekommen wird, wenn die Basis weg bricht. Da darf dann nicht auch noch das Fest der Amateure in Frage gestellt werden, denn das ist ebenfalls eine dringend notwendige PR-Arbeit an der Basis. Es ist sicherlich richtig, die Fans in China, Japan oder Amerika für die Bundesliga zu interessieren, aber das darf erst an zweiter Stelle stehen.

Übrigens: In der ersten Runde des Pokals 2016/2017 sind sechs Bundesligisten ausgeschieden, Jetzt im Achtelfinale sind noch neun Bundesligisten vertreten mit drei direkten Duellen (Dortmund – Hertha BSC Berlin, Hamburg – Köln, Bayern München – Wolfsburg), während Astoria Walldorf der letzte Vertreter der kleinen Klubs ist, aber immerhin in der Regionalliga spielt. Zweitligist Arminia Bielefeld ist der Gegner, nachdem Astoria bisher Zweitligist Bochum und Bundesligist Darmstadt ausgeschaltet hatte. Jetzt träumt der Regionalligist vom nächsten Coup. So soll es bleiben: Festtage der Amateure im DFB-Pokal.

Winter-Könige und Yetis

Schade, dass es in diesem Jahr keine Olympischen Winterspiele gibt, deutschen Athletinnen und Athleten wäre ein Medaillensegen gewiss gewesen. Allerdings glänzen sie nicht in allen Sportarten. So gibt es Winter-Könige (oder Königinnen), die der Konkurrenz das Fürchten lehren, aber auch Yetis, Sportler, die kaum vorne zu sehen sind und deshalb teilweise als Fabelwesen oder Schneegeister wahrgenommen werden.

Da wir also alle auf Olympia bis 2018 in Südkorea warten müssen, konzentrieren sich die Wintersportler auf ihre Weltmeisterschaften und da ist der Februar der Monat der Entscheidungen, quasi also der Ersatz für Winter-Olympia. Herzstück bei Olympia sind die alpinen Ski-Wettbewerbe und sie werden auch mit ihrer Weltmeisterschaft ab Montag, 6. Februar, an der traditionsreichen Stätte in St. Moritz international die größte Aufmerksamkeit bekommen (bis 19. Februar). Die Deutschen wiederum lieben Biathlon (was sich an den Einschaltquoten im Fernsehen ablesen lässt, da schlug Biathlon sogar den Fußball!), aber da ist es gar nicht so glücklich, dass die Biathlon-WM in Hochfilzen parallel zu den Ski-Stars abläuft (9. bis 19. Februar). Aber man kann es ja auch so sehen: Ein bisschen Olympia ist halt doch.

Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied: Bei der WM sind vor allem die Titel begehrt, da zählt schon der zweite Platz nicht so viel, bei Olympia ist das Spektrum größer, da freuen sich die Athleten sogar über einen dritten Platz, auch Bronze ist nämlich eine der begehrten Olympia-Medaillen. Ein WM-Titel ist ein großer Erfolg, ein Olympia-Sieg macht einen Athleten fast unsterblich.

Das Eis können wir fast ausklammern, da sind die Deutschen eher die Yetis, da taucht mal Sprinter Ihle auf oder die Eisschnelllauf-Oma Claudia Pechstein, die aber im Alter eher als Grantlerin von sich Reden macht. In der Eisröhre haben die Rodler ihre Weltmeisterschaft hinter sich und einen Teil ihrer Dominanz eingebüßt, vor allem die Herren um Felix Loch rodelten hinterher, dafür holte sich Tatjana Hüfner mit ihrem fünften Titel einen Rekord. Das Leistungszentrum in Oberhof hat der Medaillenschmiede in Berchtesgaden wieder den Rang abgelaufen. Ein internes deutsches Duell ist da im Gange, das leistungsfördernd sein sollte, aber auch zu Sand im Getriebe führen kann. Dann lässt sich schlecht rodeln. Nach dem einen oder anderen WM-Titel strecken auch Bob und Skeleton die Hand aus.

Im alpinen Ski-Zirkus bleibt den Deutschen eher die Yeti-Rolle. Keine Fabelwesen sind Viktoria Rebensburg bei den Damen und Felix Neureuther bei den Herren, doch die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Medaillen keine Selbstverständlichkeit sind. Die Hauptrollen sind jedenfalls an andere verteilt, An Marcel Hirscher (Österreich), Kristoffersen (Norwegen), Lara Gut (Schweiz), Mikaela Shiffrin oder Lindsey Vonn (beide USA).

Anders im Biathlon, wo in jedem Rennen ob bei Damen oder Herren die deutschen Farben auf dem Siegerpodest zu sehen sein könnten (aber natürlich nicht müssen). Bei den Herren ist der Franzose Martin Fourcade der Überläufer, aber doch nicht unschlagbar. Bei den Damen hat Laura Dahlmeier die WM als großes Ziel ausgegeben, nicht den Kampf um das Gelbe Trikot. Vor einem Jahr holte die Garmischerin fünf Medaillen, was durchaus wieder möglich wäre, aber ein Alleinstellungsmerkmal wie Fourcade hat sie nicht, da spielen auch Gabriela Koukulova (Tschechien), Kaisa Mäkäräinen (Finnland) und Marie Dorin-Habert (Frankreich) und andere mit. Die Spannung jedenfalls ist so groß, dass die TV-Einschaltquoten in Deutschland wieder stimmen werden.

Den Abschluss des WM-Reigens bilden die Nordischen Weltmeisterschaften vom 22. Februar bis 5. März in Lahti (Finnland). Da werden die deutschen Damen und Herren in der Langlaufspur die Yeti-Rolle übernehmen, die Kombinierer sind jedoch das Gegenteil. Sie haben im Verlauf der Saison bisher alle Einzelwettbewerbe gewonnen und dominieren den Weltcup mit den ersten drei Plätzen (Frenzel, Rydzek, Rießle) in der Gesamtwertung. Das wäre ja ein Ding, wenn sie ausgerechnet bei der WM nicht die erste Geige spielen könnten. Aber Bundestrainer Hermann Weinbuch warnt schon: „Die Norweger werden immer stärker, einen schlechten Tag können wir uns nicht leisten.“ Aber das ist ja der Reiz des Sportes, ein bisschen Ungewissheit bleibt immer, der Traum, dass David den Goliath schlagen kann, ist immer präsent. Und nach den Weltmeisterschaften träumen die Winter-Asse nicht vom Sommer, sondern von Olympia. Garantiert.

Kann der Fußball noch attraktiver werden?

Stillstand bedeutet bekanntlich Rückschritt, insofern darf es nicht verwundern, dass sich auch die Funktionäre im Fußball-Weltverband Gedanken machen, wie der Fußball weiterentwickelt werden kann. Aber die Frage ist eben auch berechtigt: Kann der Fußball noch attraktiver werden?

Tatsache ist, dass der Fußball weltweit eine Spitzenposition einnimmt, in Europa und Südamerika als Nummer eins aller Sportarten, in Asien und Nordamerika ist er auf dem Vormarsch. Die Umsätze steigen ebenso wie die Fernsehhonorare und wenn der Fußball Rückschläge hinnehmen musste, dann nicht durch den Sport, sondern durch Funktionäre, die den Sport mit Korruption und anderem mit den Füßen getreten haben. Wie stark muss der Fußball sein, wenn er einen Skandal wie den um seinen ehemaligen Präsidenten Sepp Blatter fast schadlos überstehen kann! Dennoch kann und muss man sich natürlich Gedanken machen, schade nur, dass manche so abwegig sind, wie die Aufblähung der Weltmeisterschaft auf nun 48 Nationen.

Aber jetzt geht es nicht um einen Turniermodus, sondern der neue Sportdirektor der FIFA, der einstige Weltklassestürmer Marco van Basten, hat laut darüber nachgedacht, wie das Spiel verbessert und attraktiver werden kann. Wer viele Vorschläge bringt, schießt manchmal auch über das Ziel hinaus, mal sehen was Wirklichkeit werden kann. Bisher war es so, dass Regeln schonend verändert wurden und dass nicht gravierend ins ursprüngliche Spiel eingegriffen wurde. Nehmen wir nur die Änderungen für die Torhüter, die heute bei einem Rückpass den Ball nicht in die Hand nehmen dürfen. Fortschritte gab es immer wieder, wie jetzt mit der Einführung des Videobeweises, wenn die moderne Technik helfen soll, das Spiel gerechter zu machen. Stillstand gibt es also nicht.

Die Frage ist immer, wie weitreichend Neuerungen sind bzw. sein dürfen. Schlagworte der Vorschläge des Niederländers sind „Abseits abschaffen“, „Zeitstrafen statt Gelber Karten“, „Fliegende Wechsel“ oder „Shoot-out statt Verlängerung“. Manches wurde schon oft diskutiert und wieder verworfen, zum Beispiel beim Abseits. Es ganz abzuschaffen würde den Fußball gravierend verändern – auf die Streichliste.

Zeitstrafen werden schon lange diskutiert, im Amateurfußball gab es positive Erfahrungen und dennoch wurden sie teilweise wieder abgeschafft. Zeitstrafen statt Gelber Karten könnten für mehr Gerechtigkeit sorgen, weil der Gegner unmittelbar von der Bestrafung profitiert und nicht der nächste Gegner. Da sind Überlegungen also angebracht.

Fliegende Wechsel kann man vergessen, weil sie bei 22 Mann auf dem Spielfeld nicht zu kontrollieren sind und nicht nur die Zuschauer den Überblick verlieren, sondern wahrscheinlich auch Trainer und Schiedsrichter – Streichliste.

Das Shoot-out gab es früher in Nordamerika und hat sich nicht bewährt. Es sorgt für nicht mehr Spannung als ein Elfmeter, wenn der Spieler weitab vom Tor den Ball aufnimmt und auf den Torhüter zuläuft. Der Elfmeter ist dagegen kurz und knackig – also Streichliste. Schwierig wird es auch, den Fußball in punkto Zeitspiel gerechter zu machen, selbst wenn die Uhr (Vorschlag in den letzten Minuten) zum Ende zu angehalten wird. Was ist mit den Spielverzögerungen zuvor? Nein, da müssen die Schiedsrichter weiterhin ein entsprechendes Fingerspitzengefühl zeigen. Und auch Unterbrechungen für die Trainer für kurze Spielerbesprechungen (Time Out) sind nicht notwendig.

Der Fußball kann durchaus auf andere Sportarten schauen und darüber diskutieren, was ihm helfen kann. Aber der Fußball muss ein Original bleiben, nicht umsonst schauen fast alle anderen Sportarten neidisch auf den Fußball. Nehmen wir Deutschland als Beispiel, da heißt es Fußball, Fußball, Fußball und dann kommt lange nichts. Hier können einschneidende Änderungen der Fußballeuphorie eher schaden. Vereine und Funktionäre sollten sich eher bemühen, die Volkstümlichkeit des Fußballs zu bewahren und ihn nicht zur reinen Geldverkehrung zu missbrauchen.

Wenn der Profi-Fußball gar nicht professionell ist

 

Zweistellige Millionensummen an Ablöse und horrende Gehälter (oft auch zweistellig) sorgen für Schlagzeilen, die Vereine rühmen sich mit ständig steigenden Umsätzen (die Bundesliga hat die Schallmauer von drei Milliarden Euro durchbrochen), die Stars sind berühmt wie Filmschauspieler, sie leben oft ein bisschen in einer eigenen Welt und kleinere Probleme tun sie oft oberflächlich ab mit dem Hinweis „wir sind ja Profis“. Das ist der schöne Profi-Fußball, doch manchmal verhalten sich die Profis gar nicht professionell. Bevor der Fußball in aller Welt wieder auf Hochtouren läuft, zeigt der Sport-Grantler an einigen Beispielen auf, wo es fehlt.

Die Nächte: Gerade bei Spitzenklubs verdienen die Profis ein Haufen Geld und dann kann man auch erwarten, dass die Herren Millionäre in allen Bereichen ein profimäßiges Verhalten an den Tag legen. Tun sie aber nicht. Das Beispiel Max Kruse bei Werder Bremen zeigt es: Der Stürmer baute früh um 4.00 Uhr einen Unfall auf der Autobahn, als er bei Glatteis von der Fahrbahn rutschte. Um 10.00 Uhr war er zwar pünktlich beim Training, doch professionell ist eine Nachtfahrt vor den Übungseinheiten nicht. Er ist bei weitem kein Einzelfall, oft machen Fußballspieler Schlagzeilen mit Barbesuchen bei Nacht, professionelles Verhalten sieht anders aus.

Die Öffentlichkeit: Interviews für die Presse und Autogramme für die Fans gehören zu den vertraglichen Verpflichtungen. Für manche sind sie ganz einfach Pflichtübungen, keine Selbstverständlichkeit. Interviews werden gerne gegeben, wenn die Mannschaft gewonnen hat, bei Niederlagen verdrücken sich die meisten Spieler. Professionell ist das nicht. Genauso gegenüber den Fans, die oft lange auf ihre vergötterten Stars nach Training oder Spiel warten, dann kalt abserviert und keines Blickes gewürdigt werden. Sie aber machen die Spieler erst zu Stars, die manchmal auf einem zu hohen Ross sitzen. Professionell ist das nicht und müsste von vielen Vereinen entsprechend sanktioniert werden.

Die Trikots: Die Fußballklubs rühmen sich oft selbst über ihre großartige Organisation, aber manchmal sind sie einfach amateurhaft. Das darf es einfach nicht geben, dass sogar bei Länderspielen oft Mannschaften ohne Spielernamen auf den Trikots antreten. Das müssen die Verbände verbieten! Der Zuschauer im Stadion hat vielleicht noch ein Programmheft und kann die Spieler anhand der Rückennummern identifizieren, der Zuschauer am Bildschirm aber nicht. Jede Mannschaft muss in der Lage sein, vor einem Spiel, das im Fernsehen übertragen wird, die Trikots entsprechend zu beflocken. Außerdem sollten die Verbände zu einer einheitlichen Regelung finden. Einmal ist der Vereinsname oben über der Nummer, dann wieder der Spielername. Nicht einmal in der Bundesliga ist das einheitlich. Das Verbandslogo müssen alle tragen, dann aber auch bitte eine einheitliche Regelung bei den Trikots. Der Spielername gehört nach oben, damit der Spieler eben auch schnell erkannt werden kann. Außerdem muss es einen einheitlichen Sprachgebrauch geben. Da haben viele Spieler einen Künstlernamen, einmal wird dieser Name genannt, dann wieder sein richtiger. Zu lesen waren schon in manchen Berichten zwei Namen. Zum Beispiel wird der Mainzer Spieler Jairo Samperio einmal nur Jario, dann wieder Samperio genannt. Oder der Mexikaner Javier Hernandez bei Bayer Leverkusen, genannt „Chicharito“ (die kleine Erbse). Chicharito steht auf dem Trikot, Hernandez in der Aufstellung. Wer sich nicht auskennt, sagt sich „haben die mit zwölf Mann gespielt?“ oder fragt: „Warum spielt der Hernandez nicht?“

Die Belastung: Manchmal hat man den Eindruck, die Fußball-Stars wollen gern Millionen verdienen, aber nur für einen Hungerlohn arbeiten. Klagen über die Belastung, wenn sogenannte „englische Wochen“ anstehen, wenn also unter der Woche gespielt werden muss, gehören sich nicht. Viele Athleten anderer Sportarten schauen mit Neid auf den Fußball, wo viel verdient, aber oft auch weniger getan wird als in anderen Sportarten. Hier stellt sich die Frage, ob der Fußball trainingstechnisch wirklich alles ausgeschöpft hat. Unverständlich zum Beispiel, dass ein Profi-Fußballer mit links und rechts nicht gleichstark operieren kann. Das sollte man zumindest in der Jugend lernen, wenn man Profi werden will. Seltsam: Viele Torhüter können das problemlos, Welttorhüter Manuel Neuer schlägt die Bälle exakt mit links und rechts zu seinen Mitspielern. Das muss jeder können!

Diese Aufzählung nur als kleine Beispiele, die aufzeigen, dass der Profi-Fußball oft auch nur eine schöne Scheinwelt um sich aufbaut. Hinter den Kulissen schaut es oft gar nicht professionell aus!

Fußball-WM mit 48 Nationen und die Folgen

 

Als der FIFA-Rat am Dienstag in Zürich tagte, da gab es schon im Vorfeld keine Zweifel mehr, dass die Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 48 Nationen aufgebläht wird. Selten hatten FIFA-Präsident Gianni Infantino so gute Laune wie an diesem Tag: Er hat Wort gehalten, als er den Funktionären vor allem in Afrika und Asien mehr WM-Plätze versprochen hat und sein Verband macht in der Zukunft (ab 2026 wird erstmals mit 48 gespielt) noch mehr Gewinn, von rund 600 Millionen Euro ist die Rede. Ist die Aufstockung aber auch sportlich ein Gewinn? Wohl auf keinen Fall. Der Sport-Grantler beleuchtet das Für und Wider dieser WM mit 48, zeigt die Folgen auf.

Sport: Der Sport wird leiden, denn von einem Turnier der Besten kann keine Rede mehr sein. Die Qualität der Spiele wird sinken, weil die schwächeren Nationen ihr Heil in einer Abwehrschlacht suchen werden. Schon die Aufstockung bei der Europameisterschaft hatte die gleichen Folgen: Erst mit der K.o.-Runde geht das Turnier richtig los. Der Turniermodus klingt ja genial, denn 16 Gruppen mit je drei Teams, von denen gleich zwei weiterkommen und anschließend sofort die Play-Offs, das bedeutet nicht mehr Spiele als bisher und keine längere Austragungsdauer. Beschwerden über eine höhere Belastung der Spieler greifen nicht.

Aber wie so oft, die FIFA hat etwas beschlossen, das große Ganze, aber wie es im Detail aussehen soll, das muss erst noch beraten werden. So zum Beispiel ist der Austragungsmodus in den Gruppenspielen ungerecht, weil es unterschiedliche Ruhezeiten gibt (was sich nicht verhindern lässt). Außerdem muss verhindert werden, dass in den letzten Spielen geschummelt werden kann. Aber die FIFA öffnet ja dem Betrug gern eine Tür… Ob die Abschaffung von Unentschieden der Weisheit letzter Schluss ist, muss durchgerechnet werden. Gibt es kein Unentschieden, werden viele schwächere Teams versuchen, sich ins Eltmeterschießen zu retten, die Spiele werden unansehnlich. Schöne Zukunft.

Geld: Das zählt bei der FIFA, deren eigene Untersuchungen ergeben haben, dass der Modus mit 32 Nationen sportlich am Besten ist. Aber ein Turnier mit 48 Teilnehmern verspricht mehr Gewinn (siehe oben) und vor allem viele Nationen in Afrika und Asien können nun davon träumen, erstmals ein WM-Teilnehmer sein zu können. Sie träumen auch von einer WM-Gewinn-Ausschüttung. Diese Träume wollte Infantino Wirklichkeit werden lassen und sammelte damit Stimmen. Geld kommt vor Sport.

Qualifikation: Infantino schwärmte davon, dass eine WM-Euphorie noch weiter in die Welt hinaus getragen wird. Rund ein Viertel der 211 FIFA-Mitglieder wird bei der WM vertreten sein. Was unter dieser Masse leidet, sind die WM-Qualifikationen, die an Bedeutung und an Spannung verlieren werden. Ob dies dem guten Ruf des Fußballs nützt? Das Endturnier sportlich schlechter, die Qualifikation uninteressanter – die Aufstockung wurde nicht zu Ende gedacht. Außerdem gibt es jetzt schon Streit um die Vergabe der zusätzlichen Plätze. Jeder Kontinent will natürlich partizipieren und vor allem Europa fürchtet um seine Spitzenstellung. In Süd- und Mittelamerika wird dagegen darüber diskutiert, die Qualifikation zusammen zu legen. In Südamerika könnten sich von zehn Nationen nicht mehr vier, sondern künftig sechs direkt qualifizieren. Wie gesagt, die Spannung leidet. WM und –Qualifikation kein Krimi mehr, sondern eine Seifenoper…

Veranstalter: 16 Gruppen – wo sollen die spielen? Mindestens zwölf WM-Stadien schweben dem FIFA-Präsidenten vor, er wird kaum ein Land finden, dass diese Mammut-WM allein ausrichten kann. Bereits im Vorfeld hatte die FIFA den Weg für eine WM in mehreren Staaten freigemacht, dies wird zur Gewohnheit werden. Für 2026 haben schon die USA, Mexiko und Kanada gemeinsam ihr Interesse angemeldet (der neue US-Präsident Trump hat bis dahin abgedankt und kann Mexiko nicht mehr schaden). In Europa könnte Deutschland mit Frankreich und Italien als Ausrichter auftreten. Oder holt sich China die Mammut-WM ins Mammut-Land?

Fans und Stimmung: Da sind wir beim nächsten strittigen Punkt. An die Fans denkt keiner, ein richtiges WM-Feeling, wie wir es beim Sommermärchen 2006 in Deutschland erlebt haben, wird nicht mehr auftreten. Die Fans werden gerade noch ihre eigene Mannschaft verfolgen können, aber ansonsten wenig von einer Weltmeisterschaftsatmosphäre mitbekommen. Die WM-Freude soll in alle Länder transportiert werden, aber es wird eher Weltmeisterschaften ohne WM-Stimmung geben.

Der Beschluss der Aufstockung von 32 auf 48 Nationen für die Fußball-Weltmeisterschaft steht. Es ist ähnlich wie bei den WM-Vergaben für 2018 an Russland und vor allem 2022 nach Katar, die Folgen wurden nicht bedacht. Ein alter Filmtitel passt gut zu den FIFA-Räten: Denn sie wissen nicht, was sie tun.