Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Weltverband verhindert Handball-Euphorie

 

Der Sport-Grantler hat diesen Zustand schon oft angeprangert und er fühlt sich in diesen Tagen wieder bestätigt: Gerade die Verbandsfunktionäre haben nicht die Weiterentwicklung ihres Sportes im Auge, sondern sind kurzfristig nur auf ihren eigenen und den finanziellen Vorteil ihres Verbandes bedacht. Diese Engstirnigkeit ist für die Zukunft ihres Sportes schädlich. Aktuelles Beispiel: Der Weltverband verhindert eine Handball-Euphorie!

Am Mittwoch, 11. Januar, beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Frankreich. Mit dabei ist Deutschland, was keine Selbstverständlichkeit ist. Vor zwei Jahren in Katar hatte die DHB-Auswahl die Qualifikation verpasst, bekam vom Weltverband aber eine „Wildcard“, weil der deutsche Markt doch so wichtig sei. In diesem Jahr ist Deutschland nicht so wichtig, dabei hat sich die deutsche Mannschaft unter ihrem Trainer Dagur Sigurdsson so positiv entwickelt.

Platz sieben in Katar war der Start für einen unvergleichlichen Aufschwung. Deutschland wurde vom Fußball- zum Handball-Land, als die „Bad Boys“, so nennt Sigurdsson seine Spieler, vor einem Jahr im Finale der Europameisterschaft gegen Spanien sensationell den Titel holten. 15 Millionen Zuschauer saßen begeistert vor den Fernschirmen, eine unvorstellbare Zahl, die jeden Tatort schlug und sonst nur vom Fußball erreicht wird. Die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro war noch eine freudige Zugabe. Handball im Aufwind.

Jetzt muss der Deutsche Handball-Bund wieder einen Abwind befürchten. Es ist Weltmeisterschaft und eine breite Öffentlichkeit wird dies gar nicht oder nur wenig merken. Fernsehbilder gibt es in Deutschland keine, weil der Weltverband die TV-Rechte an die katarische Firma beIN Sports vergeben hat. Und die bestand bei den Verhandlungen über Fernsehbilder darauf, dass eine Ausstrahlung über die Grenzen Deutschlands hinaus verhindert werden muss. Das konnte kein Sender leisten und auch der Bezahlsender Sky, vor zwei Jahren kurzfristig eingesprungen, zeigte kein Interesse. Die Deutsche Kredit-Bank (DKB) als Sponsor des Verbandes landete zwar noch einen Coup damit, dass sie sich die Rechte für eine Internet-Übertragung sicherte, aber die Masse wird www.handball.dkb.de kaum zuschauen. Eine Handball-Euphorie kann so kaum entstehen.

Das sollten sich alle Verbandsfunktionäre einmal merken: Bei der Vergabe der TV-Rechte muss vor allem eine weite Verbreitung gewährleistet sein, sonst kann der Sport keine Breitenwirkung erzielen, kann vor allem die Jugend nicht erreichen, um die Zukunft zu sichern. Reichweite muss vor großer Kasse stehen.

Es ist Schicksal, dass die deutsche Mannschaft bei dieser WM statt wie zuletzt nicht zu den Außenseitern gehört, sondern zum kleinen Kreis der Favoriten, zu dem Gastgeber Frankreich, Spanien, Olympiasieger Dänemark und vielleicht noch Kroatien zu zählen sind. 24 Nationen sind am Start, gespielt wird in vier Gruppen, die jeweils vier besten Teams qualifizieren sich für das Achtelfinale (ab 21. Januar). Deutschland trifft auf Ungarn, Chile, Saudi-Arabien, Weißrussland und Kroatien und hat wohl nur Kroatien zu fürchten. Der Gegner kommt dann aus der Gruppe D (Erster gegen Vierter usw.), wo vor allem Dänemark als Favorit gilt, aber auch Schweden, Katar, Ägypten und Argentinien müssen beachtet werden. Das Halbfinale gilt als Ziel zum Abschied von Dagur Sigurdsson, das Finale am 29. Januar wäre ein Traum – nur für die Handball-Fans hierzulande nicht, weil sie es im Fernsehen nicht verfolgen können.

Die Weltmeisterschaft ist das Abschiedsturnier für den Bundestrainer aus Island, der sich für eine Zukunft in Japan entschieden hat. In 28 Monaten hat er dem deutschen Handball neues Leben eingehaucht, hat Erfolge erzielt, obwohl die Mannschaft jeweils vom Verletzungspech gebeutelt wurde. Nie, auch jetzt nicht in Frankreich, konnte er seine beste Mannschaft an den Start bringen, aber er hat alle Hürden glänzend gemeistert. Nur an einer Hürde scheiterte er: Am Weltverband, dem nicht an einer Handball-Euphorie gelegen ist, sondern vor allem an einer vollen Kasse. Schade für den Deutschen Handball.

Wer gewinnt den Kampf der Moneten um die Fußball-Stars: England oder China?

 

Als in England die TV-Honorare explodierten, da ging in der deutschen Bundesliga die Angst um, dass der Ausverkauf der Stars beginnen würde. Bisher kann von Ausverkauf keine Rede sein, da gibt es aber schon wieder einen weiteren Konkurrenten, der mit Geld um sich wirft: China hat den Fußball entdeckt. Jetzt stellt sich die Frage: Wer gewinnt den Kampf der Moneten um die Fußball-Stars, England oder China?

Die Ausgangsposition könnte konträrer nicht sein. Da England, das Mutterland des Fußballs, der Klassiker schlechthin, der Sportler und Fans gleichermaßen anlockt. Stimmungsmäßig hat die Bundesliga längst aufgeholt, heute präsentiert Deutschland die moderneren Stadien, aber der Fußball in England hat an Reiz nichts verloren. Dort China, das Land mit den meisten Einwohnern, aber ein Entwicklungsland in Sachen Fußball. Die chinesischen Machthaber haben allerdings vor einiger Zeit Fußball als PR-Lokomotive für ihr Land entdeckt und Industrie und Millionäre aufgefordert, gefälligst etwas zu tun. Jetzt werden nicht nur Firmen im Ausland gekauft, sondern auch Fußballvereine und vor allem Spieler sowie Trainer. Stars sollen den Fußball attraktiv machen, an Geld fehlt es nicht.

Komisch, aus der Bundesliga kam bisher kein Aufschrei trotz der utopischen Summen, die von China ausgerufen werden. Was gab es für ein Gezeter, als Frankreichs Star Paul Pogba für 120 Millionen Euro von Turin zu Manchester United ging. Lächerlich fanden dagegen alle die 200 Millionen Euro, die China für Superstar Cristina Ronaldo aufrief. Sein Manager offenbarte diese Summe und betonte gleichzeitig, der Torjäger werde Real Madrid nicht verlassen. Ronaldo verdient in Madrid gut, in China hätte er noch besser verdienen können, angeblich 100 Millionen Euro – im Jahr wohlgemerkt. Carlos Tevez, eigentlich am Ende seiner Karriere, die er mit 32 Jahren in Südamerika ausklingen lassen wollte, ist dem Ruf des Geldes gefolgt. Für 40 Millionen Euro im Jahr muss er in China wahrscheinlich nicht einmal mehr laufen.

Die Chinesen wollen allerdings nicht allein in Stars ihr Geld stecken. Sie wollen es cleverer anstellen, als die Amerikaner, die einst in ihren Anfängen vor allem auf große Namen setzten wie Pele und Franz Beckenbauer, aber den Aufbau des Nachwuchses versäumten. In China entstehen Talentschmieden und – man höre und staune – auch die Bundesliga beteiligt sich als Entwicklungshelfer. Da wird der künftige Konkurrent selbst großgezogen. Wieder einmal geht hier Wirtschaft vor Sport, denn der chinesische Markt ist attraktiv, das hat zum Beispiel auch Bayern München erkannt, mit Gastspielen in China. Logisch, dass es die Vereinsseite im Internet auch auf Chinesisch gibt. China träumt von der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 und will spätestens dann um den Titel mitspielen. Bis dahin soll auch die Bevölkerung für Fußball begeistert werden. Heute sehen im Schnitt 24.000 die Spiele der Spitzenliga, die auch schon Top-Trainer angelockt hat, wie Italiens Lippi, Brasiliens WM-Coach Scolari, den Schweden Eriksson und nicht zuletzt Felix Magath.

Wer ist also in Zukunft die größte Gefahr für die Bundesliga? England mit seiner Tradition oder China mit seiner Zukunft? Die Bundesliga wird nicht untergehen, das Gros der Spieler wird zu Hause bleiben, nach dem Motto, „da weiß ich, was ich habe“. Und gut verdienen kann man in Deutschland auch. Und außerdem: Fällt die 50+1-Regelung, da wird bald ein Bundesligist einen chinesischen Eigner haben!

2017 wird das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler

 

Für den Spitzensport ist 2017 ein sogenanntes „Zwischenjahr“, es stehen weder Olympische Spiele noch Großereignisse wie Welt- und Europameisterschaften im Fußball an. Dennoch könnte 2017 ein bedeutendes Jahr für den Sport werden, wenn, ja wenn die Sportfunktionäre ein Herz für den Sport und Fans zeigen würden und in ihren Entscheidungen nicht dem Ruf des Geldes folgen. Diesbezüglich wird 2017 also das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler. Ob es ein bedeutendes Jahr wird, entscheidet sich also am „grünen Tisch“.

Geprägt wird das neue Jahr wohl vor allem wieder durch die Diskussion um das Doping. Russland steht mit dem (vom Land selbst verleugneten) Staatsdoping weiter am Pranger und wir warten auf Entscheidungen. Doping wird auch bei den Großveranstaltungen weiter eine Rolle spielen. Es geht aber auch um die Zukunft der großen Turniere im Fußball, wo der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino die Reklametrommel für größere Teilnehmerfelder rührt. Bereits im Januar soll es da erste Entscheidungen geben. Aber auch das IOC muss sich Gedanken um seine Zukunft und die der Olympischen Spiele machen. 2016 war typisch. Brasilien feierte seine Spiele und erleidet jetzt einen olympischen Kater. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben, der Sport darf nicht zum Ruin eines Staates beitragen. Hoffnung hat der Sport-Grantler aber nur wenig, dass die Vernunft künftig die Oberhand behält.

Typisches Beispiel ist der Welt-Fußballverband FIFA, der jetzt hat untersuchen lassen, welche Turnier-Form den größten Gewinn verspricht. Angeblich könnte ein Turnier mit 48 Nationen, unterteilt in 16 Dreier-Gruppen, die größten Einnahmen erzielen. Eine Steigerung von 5,5 auf 6,5 Milliarden US-Dollar wäre angeblich möglich. Die Dollar-Zeichen glänzen in den Augen der Funktionäre, die sportliche Qualität und der Anreiz für die Fans spielen mit Sicherheit nur eine untergeordnete Rolle.

Großen Sport wird es aber auch ohne Großereignisse an 2017 geben. Der Wintersport feiert seinen WM-Winter wie immer in ungeraden Jahren. Die großen Tennis- und Golf-Turniere stehen wie jedes Jahr an, wobei der prestigeträchtige Ryder-Cup der Golfer erst wieder 2018 in Paris ausgetragen wird. Dazu gibt es wie immer Formel 1, die Tour de France und die Motorrad-WM.

Verschiedene Welt- und Europameisterschaften werden ihr Interesse finden. Den Anfang macht die Handball-Weltmeisterschaft vom 11. – 29. Januar in Frankreich, wobei die deutschen Fans wohl buchstäblich in die Röhre gucken, weil es im Free-TV wohl keine Fernsehbilder zu sehen gibt. Dabei gehört Deutschland als Europameister mit zu den WM-Favoriten. Im Mai schließt sich die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland (Köln) und Frankreich (Paris) an. Der Deutsche Eishockey-Bund erhofft sich positive Schlagzeilen mit Übertragungen bei Sport1. Die Leichtathletik-WM folgt vom 4. – 13. August in London, die Basketballer spielen ihre Europameisterschaft vom 30. August bis 17. September gleich in vier Ländern, nämlich Finnland, Israel, Rumänien und der Türkei. Ob das ein echtes Turnier mit entsprechender Stimmung wird?

Der Fußball ist nicht außen vor und bietet kleinere Turniere, die durchaus Interesse finden werden. Der Confed-Cup vom 17. Juni bis 2. Juli in Russland gilt als Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2018. Davon will Bundestrainer Joachim Löw allerdings nichts wissen, er will eher junge Spieler testen. Dabei werden die Trainer beratschlagen, welches Talent sich bei Löw bewähren darf und wer mithelfen soll, Deutschland U21 zum Titel zu führen. Bei der Europameisterschaft der U21 vom 16. – 30. Juni in Polen will Deutschland ganz vorne landen. Das geht aber nur, wenn der neue Bundestrainer Stefan Kuntz seine beste Mannschaft aufbieten kann. Kein Kompetenzgerangel gibt es bei den Frauen, da steht die neue Bundestrainerin Steffi Jones bei der Europameisterschaft vom 16. Juli bis 6. August in den Niederlanden vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.

Also, auch das Sportjahr 2017 kann sich sehen lassen, wir werden Jubel und Enttäuschungen erleben, großen Sport, leider wohl aber auch wieder Lug und Trug, so wie im richtigen Leben halt auch. Wünschen wir den Funktionären den Weitblick, den Spitzensport in eine gute Zukunft zu führen.

Das deutsche Golf hofft auf ein glückliches neues Jahr

 

An der Ausgangsposition hat sich nichts geändert: Der Deutsche Golf-Verband sucht nach Mitteln und Wegen, um an Bedeutung zu gewinnen und mehr Mitglieder rekrutieren zu können. Gerade was das Interesse an dem einst als elitär verschrienen Sport angeht, tritt der Verband auf der Stelle. Die Auslastung der Golfplätze ist eher rückläufig, immer mehr Betreibergesellschaften klagen über finanzielle Probleme. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Gehofft haben die Verantwortlichen auf große sportliche Erfolge, leider gab es da zuletzt Magerkost. Das Aushängeschild des deutschen Golfs ist nach wie vor Oldie Bernhard Langer, der die US-Senioren-Tour beherrscht und dort inzwischen mehr Geld verdient, als er es vorher als durchaus erfolgreicher Profi (erste Nummer 1 der Weltrangliste) mit zwei Masters-Siegen geschafft hatte. Martin Kaymer dagegen, einst die große Hoffnung und wie Langer Nummer 1 der Welt, ist inzwischen auf Rang 53 der Weltrangliste abgestürzt und damit nicht mehr von vornherein für alle großen Turniere startberechtigt. 2016 erfüllten sich die Hoffnungen also nicht.

Dennoch hofft das deutsche Golf auf ein glückliches neues Jahr. Mut macht, dass Martin Kaymer ja durchaus sporadisch Siegchancen hatte und nur sein ganzes Potenzial wieder auf den Platz bringen muss. Ein Vorstoß ganz an die Spitze liegt wohl in weiter Ferne, aber unter die besten 50 sollte er wieder gelangen können. Hoffnung ist aber vor allem da, weil die deutschen Golfer aus der zweiten Reihe inzwischen aufbegehren. Ist da vielleicht einer, der zumindest in die Fußstapfen von Kaymer treten kann? Marcel Siem hat es nicht geschafft, er ist inzwischen nur noch die Nummer 380 der Welt. Alexander Cejka (161) spielt vor allem in Amerika, er ist in der deutschen Öffentlichkeit nicht präsent.

Die Deutschen aus der zweiten Reihe bilden 2017 eine große Gruppe auf der European Tour. Sieben Deutsche werden hier antreten und da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich dies nicht leistungsfördernd auswirkt. Es sind also nicht nur Kaymer, Siem und der inzwischen etablierte Maximilian Kieffer (Nr. 280 der Welt) dabei, sondern über die Turnier-Erfolge und die Qualifying School haben es auch Florian Fritsch, Bernd Ritthammer, Alexander Knappe und Stefan Heisele geschafft. Aufsteiger des Jahres war der 27jährige Alexander Knappe, der als 114. der Welt auf dem Sprung unter die „Top 100“ steht. „Das ist cool, das wir jetzt eine deutsche Gruppe sind, es ist viel Potenzial vorhanden“, freut sich Florian Fritz, der gehandicapt ist, weil er wegen Flugangst nicht alle Turniere spielen kann. Die Hoffnung ist, dass sich die deutschen Spieler gegenseitig pushen. Erfreuliche Ergebnisse sollten die Folge sein.

Damit könnte das deutsche Golf vielleicht doch noch ein bisschen den Aufschwung schaffen, den es sich einst von großen Turnieren in Deutschland erhofft hatte. Aber der Traum von der Austragung des Ryder Cup ist ausgeträumt, der findet 2018 in Paris und 2020 vor den Toren von Rom statt. Die großen Turniere werden ansonsten in den USA bzw. mit den British Open auf der Insel ausgetragen. Vom 6. bis 9. April findet in Augusta traditionell das erste Masters statt. Es könnte da die Rückkehr des großen Golfstars Tigers Wood geben, der bei einem ersten Schnupperturnier auf den Bahamas teilweise alte Klasse zeigte. Auch international hat das Golf also für 2017 Hoffnung, die Hoffnung nämlich, dass ein gesunder Tigers Woods die Aufmerksamkeit wieder mehr auf Golf lenkt. Seine Nachfolger wie Jason Day (Australien, derzeit Nummer 1 der Welt) oder Rory McIlroy (Nordirland, Nr. 2) ziehen die Sportfans in aller Welt nicht so in ihren Bann, wie es eben der Tiger schafft. Für den Tiger gibt es noch keinen Ersatz.

Geldgier und Machthunger als Schatten über dem Profi-Fußball

 

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu und mit der Auslosung der Achtelfinales im europäischen Fußball, in der Champions League und Europa League, ging der Blick auch schon wieder ins Jahr 2017. Die Fans können sich auf großen und spannenden Fußball freuen, aber sie werden auch einigen Ärger herunterschlucken müssen. Vor allem dann, wenn sie Anhänger von kleineren Vereinen sind. Die müssen nämlich befürchten, abgehängt zu werden. Die Großen drängen an die Geldtöpfe und tun alles, um ihre Pfründe noch zu vergrößern. Die Geldgier und der Machthunger der Funktionäre liegen zum Jahreswechsel als Schatten über dem Profi-Fußball.

Ein gewisser Größenwahn zeigt sich zum Beispiel bei den Plänen vom neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Vom 46jährigen Schweizer hat man bisher nur wenig gehört darüber, wie er den Weltverband wieder zu einer seriösen Organisation machen will. Aber viel über Gedanken, wie die Fußball-Weltmeisterschaft noch größer, noch attraktiver und noch mehr zur Gelddruckmaschine für die Verbände werden kann. Mit 32 Teilnehmern stößt die WM für viele Nationen schon an organisatorische Grenzen, aber Infantino brachte schon Turniere mit 40 und kürzlich sogar mit 48 Teilnehmern ab 2026 ins Gespräch. Wenn der FIFA-Kongress im Januar 2017 tagt, da geht es offensichtlich gar nicht mehr darum, ob das Teilnehmerfeld erweitert wird, sondern nur noch darum, in welchem Umfang. Der Grund für Infantinos Größenwahn ist klar: Er will die kleineren Verbände gnädig stimmen für die nächste Wahl. Mehr Teilnehmer, mehr Stimmen. Mit komplizierten Spielplänen will der FIFA-Präsident dafür sorgen, dass eine Weltmeisterschaft nicht länger als 32 Tage dauert. Wie sie organisiert werden soll, sagt er allerdings nicht. Und welche Unbillen die Fans dann auf sich nehmen müssen, ist ihm vollkommen egal. Die Turniere werden nicht übersichtlicher.

Mit der Weltmeisterschaft allein hat sich Infantino natürlich nicht beschäftigt, er hat noch andere große Visionen. So ist er mit der Klub-Weltmeisterschaft, die derzeit bis zum 18. Dezember in Japan ausgetragen wird, nicht zufrieden. Bisher nahmen acht Vereine von den verschiedenen Kontinenten teil, wobei die Champions aus Südamerika und Europa (in diesem Jahr Medellin/Kolumbien und Real Madrid/Spanien) bereits fest das Halbfinale gebucht haben. Infantino will als größer, besser, stärker, brachte 32 Mannschaften ins Spiel. Woher er die Zeit nehmen will und wie solch ein Mammutturnier überhaupt in den schon prallen Terminkalender passt, sagt er nicht. Der Sport-Grantler hätte da eine bessere Lösung: Abschaffen!

Für die Champions League ist der FIFA-Präsident nicht zuständig, aber auch hier heißt es, wie können wir noch mehr Geld verdienen. Erstaunlich ist, dass es die starken Verbände geschafft haben, die kleinen Verbände auszutricksen, weil die ja eigentlich in ihrer Gesamtheit über mehr Stimmen bei allen Beschlüssen verfügen. Tatsache ist jedenfalls, dass ab 2018 die stärksten Verbände Spanien, Deutschland, England und Italien vier feste Vertreter für die Champions League abstellen können. Die Meister der kleineren Verbände haben es damit noch schwerer in den Kreis der erlauchten Geldverdiener aufzurücken. Viele Präsidenten erhoben ihre Stimme, tobten „diese Reform ist ein Skandal“, doch ändern können sie nichts mehr. Im Achtelfinale dieser Saison stehen Vereine aus sechs Ländern: Spanien, Deutschland, England, Italien, Portugal und Frankreich. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Das sind die Schatten, die über dem Fußball liegen. Wird der Wettbewerb wirklich attraktiver, wenn die Großen unter sich sind und Überraschungen zur Ausnahme werden?

Der neue UEFA-Präsident Aleksander Ceferin scheint ein bisschen anders zu ticken als Kollege Infantino, der Slowene stammt ja aus einem kleinen Verband und hat es bei der Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees geschafft, dass für die benachteiligten Nationen wenigstens ein kleiner Ausgleich geschaffen wird. So wird die Europa League zum Auffangbecken und bekommt 50 Millionen Euro zusätzlich als Ausschüttung. Aber wieder geht es halt ums Geld: Mit ein paar Moneten wird der große Hunger nach dem Reibach ein bisschen gestillt. Die Schatten über dem Fußball bleiben und der Machthunger der Funktionäre ist unstillbar.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Rücktritt?

 

Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg hat mit seinem Rücktritt unmittelbar nach dem Gewinn des Titels alle überrascht, natürlich auch den Sport-Grantler. Danach wurde heftig diskutiert, ob ein Sportler mit 31 Jahren zurücktreten kann, ja manche Leute fragten sogar, ob einer da überhaupt zurücktreten darf. Au dem Höhepunkt seiner Karriere! Nico Rosberg hat es getan und zunächst einmal scheint er mit seiner Entscheidung glücklich zu sein. Doch wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für einen Rücktritt?

Um es kurz zu machen: Den richtigen Zeitpunkt gibt es im Prinzip nicht. Der richtige Zeitpunkt kann erst in der Zukunft bestätigt werden, wenn der Blick in die Vergangenheit geht. So wird sich auch der Formel-1-Weltmeister sicherlich noch öfters fragen, ob er nicht doch noch seiner Rennsportkarriere hätte einige Jahre hinzufügen sollen. Aber es scheint, als wäre der Entschluss des Rücktritts beim gebürtigen Wiesbadener kein spontaner gewesen, sondern er hat wohl mit seiner Frau Vivian Vor- und Nachteile und das Leben in der Zukunft ausdiskutiert. Da Familie, dort Rennsportkarriere, da das Glück der Siege, dort die Strapazen und der Ärger eines Spitzensportlers, der mit Stress und Niederlagen nicht leben will. Es schaut so aus, als hätte Nico Rosberg die richtige Entscheidung getroffen.

Nico Rosberg liegt auf einer Ebene mit der Biathletin Magdalena Neuner, die 2012 im Alter von nur 25 Jahren dem Spitzensport ade gesagt hat. Sie überraschte damit ähnlich wie Rosberg und gab ganz klar der Familie den Vorzug, heute ist sie zweifache Mutter. Im Sport hatte sie alles erreicht, war Doppel-Olympiasiegerin, gewann 34 Rennen, war dreimal Weltcup-Gesamtsiegerin, mit 12x Gold bei Weltmeisterschaften Rekordsiegerin, dreimal Sportlerin des Jahres in Deutschland. Was sollte noch kommen?

Viele Sportler haben den richtigen Zeitpunkt des Rücktritts verpasst. Alternde Boxer haben Schatten über ihre Karriere gelegt, weil sie im Alter plötzlich zu Prügelknaben mutierten. Leichtathleten, die statt vorneweg nur noch hinterher liefen, Schwimmer, denen man es nach Siegen später nur noch als Leistung ansah, dass sie nicht ertrunken sind. Fußballer, die nicht mehr auf dem Feld standen und eine Mannschaft führten, sondern nur noch auf der Ersatzbank versauerten. Viele Sportler (das gilt immer für Frauen und Männer) haben allerdings nicht für die Zeit nach ihrer Karriere vorgesorgt, bei vielen hat der Außenstehende den Eindruck, dass sie nichts anderes haben als den Sport und diesen dann notfalls eben bis zum bitteren Ende ausführen. Wer vom Held zur Witzfigur wird, der hat den richtigen Zeitpunkt seines Rücktritts wohl verpasst.

Wohl dem, der seine Karriere und seinen Rücktritt so planen kann wie der frühere Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Philipp Lahm. Auf dem Höhepunkt seiner internationalen Karriere trat er 2014 nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft aus der Nationalmannschaft zurück. Jetzt hat er für 2018 auch seinen Abschied vom Leistungssport angekündigt, wird er den Vertrag bei Bayern München nicht mehr verlängern und seine Karriere als Fußballer endgültig beenden. Lahm ist im „Nebenberuf“ schon Unternehmer und ihm winkt auch eine Funktionärskarriere in seinem Stammverein. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat Lahm bereits als künftigen Sportdirektor im Visier. Besser kann ein Übergang von der sportlichen zur nachsportlichen Leben nicht sein. Wohl dem, der den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt vom Leistungssport erkennt.

Es könnte sein, dass Nico Rosberg alles richtig gemacht hat. Warum soll er sich mit Lewis Hamilton, den Rennwagen und der Formel 1 noch herumärgern. Sein Lebensziel war es, Weltmeister zu werden. Ziel erreicht.

Nico Rosberg – der ungeliebte Formel-1-Weltmeister

 

Für ihn ging ein Traum in Erfüllung, für andere war der Weltmeister Nico Rosberg eher ein Albtraum. Die Stimmung in der Welt der Formel 1 ist geteilt: Da die Vernünftigen und Sportlichen, die von einem verdienten Titel für Nico Rosberg sprechen, dort die Geschäftemacher und PR-Strategen, die auf der Linie von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone liegen: „Ein Weltmeister Rosberg ist für ihn selbst und Mercedes gut, bringt aber der Formel 1 nichts“. Der 86jährige vermisst den Glamour-Faktor beim Deutschen.

Nico Rosberg ist endlich am Ziel, deshalb können diese Kritiken dem 31jährigen neuen Weltmeister egal sein. Er muss allerdings mit der Rolle des ungeliebten Weltmeisters leben. Da sind schon die Deutschen, die den gebürtigen Wiesbadener nicht als „ihren“ Weltmeister adoptiert haben. Rosberg liegt nicht auf der gleichen Beliebtheitsskala wie Sebastian Vettel oder schon gar nicht Michael Schumacher, die anderen beiden deutschen Weltmeister. Aufgewachsen in Wiesbaden und auf Ibiza, seit langem mit Wohnsitz in Monte Carlo, sehen die Deutschen den Rennfahrer mit deutscher Mutter und finnischem Vater nicht als „Einheimischen“. Rosberg hat die deutsche und finnische Staatsbürgerschaft, fährt mit deutscher Lizenz und spricht nicht einmal finnisch, dafür deutsch, englisch, französisch und italienisch fließend.

Das ist eben der Unterschied: Rosberg gilt als Liebling der oberen Elite, als gut erzogen, gebildet und gibt sich zurückhaltend. Glamour ist seine Sache nicht, Frau und Tochter geben ihm die notwendige Entspannung zwischen den Rennen. Konkurrent Lewis Hamilton, ebenfalls 31, ist der Lebemann, er sucht die Aufmerksamkeit, hat internationale Stars als wechselnde Freundinnen, beeindruckt mit Tätowierungen und dicken Goldketten. Der Engländer sorgt für die Schlagzeilen, die Bernie Ecclestone so gut für das Geschäft findet. Na ja, Hamilton war Weltmeister 2008, 2014 und 2015, da kann die Formel 1 einen braven Weltmeister Nico Rosberg verkraften. Zumal er dadurch, dass sein Vater Keke vor 34 Jahren ebenfalls Weltmeister war (das gab es außerdem nur bei Graham und Sohn Damon Hill), eine besondere WM-Geschichte schrieb.

Eine besondere WM-Geschichte schrieb sicherlich auch Mercedes und ebenso die Saison 2016. Sie war mit 21 Rennen die längste aller Zeiten und sie sorgte weitgehend für die in den letzten Jahren so schmerzlich vermisste Spannung. Das war zwar in erster Linie dem Stall-Duell bei Mercedes zuzuschreiben, aber das Finale in Abu Dhabi bewies, dass die Zeit der Alleinherrschaft von Mercedes zu Ende gehen könnte. Vor allem Red Bull hat aufgeholt.

Ein Verlierer der Saison war aber Ferrari, weil die Träume von einem Saisonsieg nicht in Erfüllung gingen und Red Bull an den Italienern vorbeizog. Ein Verlierer war deshalb auch Sebastian Vettel, der Ferrari in naher Zukunft den WM-Titel holen sollte, doch der ist weiter weg als vor einem Jahr. „Wie es weitergeht, werden wir im Laufe der nächsten Saison sehen“, äußerte sich Teamchef Maurizio Arrivabene bedeutungsschwer zur Zukunft des Deutschen, der allerdings beim Finale mit einer wilden Aufholjagd und Platz drei Punkte für sich gutmachen konnte. Vielleicht findet Vettel bei Mercedes einen Ausweg!

Gespannt darf man nämlich sein, wie die Zukunft bei Mercedes aussieht. Zum wiederholten Male hat Lewis Hamilton gegen die Stallorder verstoßen. Die Aufforderung, er solle schneller fahren, hat ihn in Abu Dhabi kalt gelassen, er hat alle taktischen Kniffe aus dem Hut gezogen, Nico Rosberg eingebremst und die Konkurrenz (sehr zum Unwillen von Mercedes) aufholen lassen. Sein Kalkül: Rosberg sollte Probleme bekommen und möglichst zwei Konkurrenten an ihm vorbeiziehen. Das wäre der Titel für Hamilton gewesen. Rosberg bewies eiserne Nerven, beeindruckte mit einem weltmeisterlichen Überholmanöver gegen Verstappen und hielt bis zum Ende Platz zwei, was reichte, auch wenn Hamilton mit elf Saisonsiegen die Nase vorn hatte. Rosberg genügten zehn Siege, er hatte u. a. 2016 das Glück, dass Hamilton wiederholt von technischen Problemen gestoppt wurde. Andererseits machte der Engländer selbst Fehler und machte so den Weg zum Titel frei.

So mag Nico Rosberg ein ungeliebter Weltmeister sein, ein würdiger und sympathischer ist er auf jeden Fall. Und Bernie Ecclestone mag sich trösten. 2016 mit dem Weltmeister Rosberg macht mehr Lust auf die WM 2017 als ein Dauer-Weltmeister Hamilton. Und nachdem der Formel-1-Chef quasi Krawall sucht, hat er ja noch Max Verstappen in der Hinterhand, der vom Zweitteam Toro Rosso in die erste Liga bei Red Bull aufstieg, Der 19jährige Niederländer mischte die Formel 1 mit forschen Auftritten auf und verunsicherte sie gleichzeitig. Dem jungen Draufgänger gehört die Zukunft – ganz im Sinne von Bernie Ecclestone.

Kalter Sommer, weiße Pracht

 

Wenn es kalt wird, läuft der Sport heiß. Dabei war es für die deutschen Sommersportarten auch ein kalter Sommer, zumindest mit einem Blick auf die nur mäßigen Erfolge, zum Beispiel bei den Olympischen Sommerspielen in Rio. Ins Hintertreffen geraten Leichtathletik, Schwimmen und Co. inzwischen aber auch bei der Beliebtheit der deutschen Sportfans. Beleg dafür sind die Einschaltquoten im Fernsehen. Und da freuen sich ARD und ZDF wieder auf den Winter, der ihnen quasi eine weiße Pracht bringt, sprich hohe Einschaltquoten.

Am Wochenende 26./27. November geht es wieder richtig los mit den Wintersportarten. Das ZDF startet mit den Übertragungen am Samstag und Sonntag und ist von ca. 13.00 bis 18.00 Uhr bzw. 13.00 bis 19.00 Uhr auf Sendung. „Immer nur Wintersport, das kann doch nicht sein“, mosern die Nichtsportbegeisterten, übersehen aber, dass an diesen Wintertagen etwa eine Million Zuschauer mehr einschalten als an den sonstigen Wochenenden. Im Schnitt 2,65 Millionen sitzen beim ZDF vor dem Fernseher, 2,43 Millionen zählte die ARD, beides Zahlen weiter über dem Durchschnittswert. Da mag das Wetter mit eine Rolle spielen, Leichtathletik und Co. haben es im Sommer schwerer, die Leute vom Aufenthalt im Schwimmbad oder im Garten abzuhalten.

Eine Hauptrolle spielen aber auch die Erfolge der deutschen Wintersportler, die in vielen Wettbewerben mit um den Sieg kämpfen. Das ist im Sommer nicht so, da bleibt nicht nur die Küche kalt, sondern eben auch das Herz der Sportfans, wenn nur selten um Siege mitgefiebert werden kann. So ist es nun einmal, Sportfans wollen Erfolge feiern und deshalb schwimmt zum Beispiel seit Jahren Biathlon auf einer Sympathiewelle. Die Wettbewerbe sind spannend und die deutschen Frauen und Männer erfolgreich. Da werden Stars geboren wie Magdalena Neuner oder aktuell eben Laura Dahlmeier, die bei der letzten WM fünf Medaillen holte.

Am ersten Wochenende stehen Rodeln, Langlauf, Nordische Kombination, Skispringen, Ski alpin und Biathlon auf dem Programm – deutsche Erfolge wohl inbegriffen. Ja, die Leute schauen sogar Rodeln an, weil eben Felix Loch und andere meist mit vorne rodeln. Die Nordische Kombination findet immer mehr Anhänger, weil die Verfolgung im Langlauf spannend sein kann und deutsche Athleten meist mit um den Sieg kämpfen. Eric Frenzel war zuletzt Weltcupgesamtsieger, Johannes Rydzek Doppel-Weltmeister. Weiße Pracht: 2017 ist wieder ein Jahr der Weltmeisterschaften im Skisport (siehe unten). Die Nordische Ski-WM findet vom 22. Februar bis 5. März im finnischen Lahti statt.

Der alpine Skisport hat ein bisschen an Aufmerksamkeit verloren, weil die deutschen Erfolge an einer Hand abzuzählen sind. Viktoria Rebensburg und Felix Neureuther sind die deutschen Stars mit Podestchancen und Zuneigung der Fans. Mehr Interesse gehört da noch den Skispringern, die in der Vier-Schanzen-Tournee ihren jährlichen Höhepunkt um den Jahreswechsel haben (30. 12. – 6. 1.). Die Einschaltquoten erreichen da Höhen wie sonst nur der Fußball, da werden auch die Biathleten blass. Die „Rentner“ Martin Schmitt und Sven Hannawald sind heute immer noch Stars (und neuerdings auch TV-Experten). Severin Freund will nach einer Hüftoperation bald wieder vorne mitspringen, aber auch Richard Freitag und Andreas Wellinger können vorne dabei sein. Ihr Pech allerdings: Im Vorjahr war der Slowene Peter Prevc der Überflieger schlechthin und kaum zu schlagen. Dennoch: Skispringen boomt.

Nummer eins bleibt allerdings über die Saison hinweg Biathlon. Erstaunlich, dass der deutsche Verband in den letzten Jahren immer wieder für Ersatz sorgen konnte, wenn erfolgreiche Stars in den Ruhestand gingen. Ob bei Frauen oder Männern, in allen Rennen haben deutschen Athleten, angeführt von Laura Dahlmeier und Simon Schempp, die Chance, vorne mitzulaufen. Einschaltquoten jenseits der Vier-Millionen-Grenze sind für ARD und ZDF der Lohn, manchmal werden sogar die Quoten der Formel 1 übertroffen.

Wenn auch das Wetter oft nicht mitspielt, Wettbewerbe verschoben oder ganz abgesagt werden müssen, selten wirklich eine herrliche Schneelandschaft in den Bergen zu finden ist, vom Interesse her bleibt der Wintersport eine „weiße Pracht“.

Weltmeisterschaften 2017: Rodel-WM 26. – 29. Januar in Innsbruck, Alpine Ski-WM 6. – 19. Februar St. Moritz, Biathlon-WM 9. – 19. Februar Hochfilzen, Bob/Skeleton 13. – 26. Februar Sotschi, Nordische Ski-WM 22. Februar – 5. März Lahti.

Rote Bullen nehmen die Bundesliga auf die Hörner

 

Die Fußball-Bundesliga ist durcheinander geraten. Der FC Bayern München ist nicht mehr Tabellenführer, zum ersten Mal seit 14 Monaten. Was sich die Konkurrenz gewünscht hatte, aber eigentlich nicht zu hoffen wagte, ist eingetreten. Die erste Niederlage nach 20 Spielen ohne doppelten Punktverlust, das 0:1 in Dortmund und der gleichzeitige Siegeszug des RB Leipzig lässt in der Bundesliga quasi eine neue Zeitrechnung beginnen. Das Ende der Bayern-Dominanz ist gekommen.

Es gibt zwei Ursachen für diese Wende im deutschen Fußball. Da sind einmal die Bayern selbst. Die Ära Pep Guardiola war eine erfolgreiche, der Spanier sammelte national Titel, unter anderem den Hattrick in der Meisterschaft, in Verbindung mit dem Sieg von Vorgänger Jupp Heynckes war es 2016 ein Rekord, noch nie zuvor hatte ein Team in der Bundesliga viermal hintereinander die Meisterschaft geholt. Und der fünfte Titel lag auf dem Präsentierteller, niemand wagte daran zu denken, dass die Bayern ins Wanken geraten könnten, ganz zaghaft wurde angemerkt, dass jede Siegesserie noch immer ein Ende gefunden hatte und vielleicht wären die Münchner einfach satt, nicht mehr erfolgshungrig genug. Offensichtlich sind sie satt, Beobachten mahnen, dass die Spieler Übergewicht mit rumschleppen würden, außerdem fehle die Gier nach Erfolg. Und plötzlich sind die Bayern nur noch Zweiter. Da ist der Ärger zumindest so groß wie beim VfL Wolfsburg auf Platz 14.

Zehn Spieltage lang ging ja alles gut. Die Bayern begannen furios und es kam ob des Sturmlaufs in den ersten Spielen sogar leise Kritik an Pep Guardiola auf. „Unter Ancelotti werden die Spieler von der Leine gelassen“, hieß es ein bisschen hämisch. Danach schwächelte der Meister allerdings, doch er hielt die Tabellenspitze und so wurde übersehen, dass die Bayern weniger lauffreudig waren, sich die Fehlpässe häuften, das Spiel in die Spitze schlampig war. Die Quittung folgte: Drei Unentschieden, eine Niederlage nach einem Drittel der Punktrunde. Heute heißt es, „bei Pep hat es das nicht gegeben“. Verloren gegangen ist die Dominanz auf dem Feld. Die Konkurrenz wittert ihre Chance: Die Bayern in der Saison 2016/17 sind schlagbar.

Die Bayern dankten früher ab als gedacht, ein Neuling trumpft dafür früher auf als gedacht und wahrscheinlich sogar selbst geplant. Die Roten Bullen aus Leipzig nehmen die Bundesliga auf die Hörner. Mit Argwohn wurden die Pläne des Brause-Herstellers Red Bull und dessen Besitzer Dietrich Mateschitz beobachtet, als er in Leipzig mit dem Aufbau einer Mannschaft begann und die Bundesliga und sogar die Champions League als Fernziel ausgab, im Bewusstsein, das dauert Jahre. „Das schafft er nie“, höhnten die einen, „Vorsicht, mit seinen Millionen geht alles“, waren andere skeptisch. Der DFB verschloss die Augen vor der Mateschitz-Masche des „leibeigenen“ Vereins, wollte nur den Firmennamen nicht als Vereinsnahmen akzeptieren. So wurde im Mai 2009 aus dem Vorortklub SSV Markranstädt der RasenBallsport Leipzig, eben RB und im Sprachgebrauch die „Roten Bullen“. Da kann der DFB halt nichts machen.

RB begann in der Oberliga und als Ralf Rangnick 2012 die Geschicke übernahm, begann der Aufstieg. 2013 Aufstieg in die 3. Liga und Durchmarsch in die 2. Bundesliga, dort hielt man sich auch gerade mal zwei Jahre auf. Nun die Bundesliga, nun die Tabellenspitze, die Bundesliga fühlt sich auf die Hörner genommen. Über 100 Millionen hat Mateschitz mit Sicherheit in sein Projekt gesteckt, doch das Geld nicht für teure Stars ausgegeben, sondern ein Vorzeigemodell im Gesamten hingestellt, nämlich auch ein verheißungsvolles Nachwuchsleistungszentrum. Rangnick suchte bewusst Spieler aus, die in sein Konzept passen mussten, zum Beispiel für die Bundesliga schnelle und technisch begabte Spieler, zudem mit Ralph Hasenhüttl einen Trainer, der seinen Höchstgeschwindigkeitsfußball als sein eigenes Credo sieht. So überrollte Leipzig die Bundesliga, immer mit Tempo, rasende Bullen sind es geworden.

Die Konkurrenz muss sich umstellen und neu einstellen. Jetzt ist nicht die Frage, wer stoppt die Bayern, sondern jetzt ist die Frage, „wer stoppt die Bullen?“ Von Null auf Hundert, sprich zum Titel, ist nicht unmöglich. Zwei Beispiele dienen der Bundesliga als Warnung: Der 1. FC Kaiserslautern wurde 1978 unter Otto Rehhagel als Aufsteiger gleich Meister und in England dominierte im Vorjahr Nobody Leicester City, von der Konkurrenz lange Zeit nicht ernst genommen.

Doch, ernst nehmen tun die Münchner, Dortmunder und die anderen Leipzig jetzt schon. Sie vertrauen allerdings darauf, dass die Bullen mal müde werden, dass sie mal eine Schwächephase haben werden und dann wollen die anderen zuschlagen. Klar ist, diesen Tempo-Fußball könnte Leipzig nicht durchhalten, wenn die Mannschaft unter der Woche auch international gefordert wäre. „Sie liegen unter der Woche auf der Couch und können sich schonen“, ätzte der baldige neue Präsident der Bayern, Uli Hoeneß. Er ist einer der Hoffnungsträger, dass die Bayern wieder schnelle Beine bekommen und die Roten Bullen einfangen. Plötzlich gehören den Bayern die Sympathien der Fußball-Fans. Ein Brause-Meister, das geht gar nicht!

Sehnsucht nach Medaillen, Sehnsucht nach Geld

 

Die Bilanz war eigentlich gar nicht so schlecht: Platz fünf im Medaillenspiegel, 42 Medaillen geholt, davon sogar 17 Goldene. Mehr Gold gab es nur unmittelbar nach der Wende, 1992 mit 33 (insgesamt 82 Medaillen) und 1996 mit 20 (65). Deutschlands Sport könnte zufrieden sein am Ende des Jahres 2016 mit den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro.

Ist er aber nicht. Egal, ob Fans, Verbände oder Regierung – es gibt eine Sehnsucht nach Medaillen. Platz fünf (hinter den USA, Großbritannien, China und Russland) ist ganz gut, aber Deutschland soll Spitze sein, 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta stand Deutschland auf Platz drei im Medaillenspiegel, übrigens ein Ranking, das Deutschland auch im Schnitt aller Sommerspiele seit 1896 einnimmt. Rang fünf ist also zu wenig.

Die Regierung fördert den Sport mit rund 160 Millionen Euro im Jahr und will dafür Medaillen sehen. Die Athleten sollen sauber sein, Doping ist nicht erwünscht, aber sie sollen auch erfolgreich sein, das geht selbst in einer dopingverseuchten Sportwelt. Die Frage ist nur, wie geht der Weg zum Erfolg, sprich Titel und Medaillen. Die Verbände selbst haben auch eine Sehnsucht nach Medaillen, davor aber steht die Sehnsucht nach Geld. Ihre Gleichung ist einfach: Mehr Geld ist gleich mehr Erfolg.

Doch die Gleichung geht nicht auf, das zeigte Rio deutlich. Die Versager waren vor allem die Schwimmer und Fechter, am Geld mangelte es ihnen nicht, sie unterhalten Leistungsstützpunkte, die früher durchaus erfolgreich waren. Die Frage ist jetzt, wie das Geld verteilt werden soll. Innenminister Thomas de Maiziére stellt klar: „Es geht nicht nach dem Gießkannenprinzip. Wer wenig Potenzial hat, kann nicht so viel Geld kriegen, wie jener, der viel Potenzial hat.“ Da verknotet sich ein gordischer Knoten: Wer noch keinen Erfolg hat, bekommt also wenig Geld, er will aber mehr Geld, damit er die Voraussetzungen für mehr Erfolg schaffen kann. Die Lösung könnte sein: Untersuchen, welche Verbände denn Erfolg versprechen!

Allerdings darf es im deutschen Sport nicht nur um Medaillen und Titel gehen. Erfolge tun sich auch da auf, wo die Bevölkerung zum Sport findet, wo die Jugend raus aus Dicos und runter vom Sofa geholt wird, weg von den Computern, hin zu Bewegung, zu Sport in Hallen und an frischer Luft. Gelingt das, hat der Sport schon einmal einen Erfolg erzielt. Am Ende der Kette werden dann auch Medaillen stehen, wenn die Talente richtig gefördert werden.

Es scheint aber so zu sein, dass es im deutschen Sport vorne und hinten knirscht und zwackt. So ist es ein Unding, dass viele Bundestrainer noch keinen Vertrag für 2017 haben. Der Leistungssport wird auch durch unfähige Funktionäre und zu viel Bürokratie gebremst. Die Sportverbände kämpfen um ihre Pfründe und die beginnen beim Geld. So formiert sich Widerstand gegen die geplante Spitzensport-Förderung, die den Erfolgreichen Vorteile verschafft. Viel Zündstoff für die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sport-Bundes Anfang Dezember in Magdeburg. Dort wird sie wieder offen zutage treten, die Sehnsucht nach Medaillen, zuerst aber die Sehnsucht nach Geld. Und apropos Gießkannenprinzip: Alle werden die Hand aufhalten.

Statistik-Übersicht (deutsche Medaillen bei Sommerspielen, Gold-Silber-Bronze-Gesamt-Rang Medaillenspiegel):

1992 Barcelona: 33-21-28-82-3.

1996 Atlanta: 20-18-27-65-3.

2000 Sydney: 13-17-26-56-5.

2004 Athen: 13-16-20-49-6.

2008 Peking: 16-10-15-41-5.

2012 London: 11-19-14-44- 6.

2016 Rio de Janeiro: 17-10-15-42-5.