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Tag: 2. Bundesliga

Unten ist oben! Zweite Liga erstklassig

Vor einer Woche war an dieser Stelle von der 3. Liga im deutschen Fußball die Rede und davon, dass sie im europäischen Vergleich an der Spitze liegt, was das Interesse angeht. Dies lässt sich auch von der 2. Bundesliga sagen, die am Freitag mit der neuen Saison beginnt. Die zweite Liga ist in Sachen Interesse, heißt Zuschauerschnitt, in Europa erstklassig. Rund 19.000 kamen in der letzten Saison im Schnitt, der Rekord liegt bei 21.580 in der Saison 2016/17. Manchmal kann unten und eben doch oben sein!

In der Tat hat die 2. Bundesliga an Image gewonnen, das liegt daran, dass Traditionsvereine das Unterhaus zwangsläufig „besuchen“ und scheinbar führt das auch dazu, dass das spielerische Niveau steigt. Die Trainer konstatieren, dass die Liga bei Weitem keine „Kampfliga“ mehr sei. Und dennoch sind sich die Favoriten, meist die Bundesliga-Absteiger, einig: „Wir müssen die zweite Liga annehmen“. Das gilt aber vor allem auch psychologisch, nicht dass einer meint, „wir sind eigentlich ein Bundesligist, die zweite Liga gewinnen wir im Vorbeigehen“. Das kann zur Ernüchterung führen, der Bundesliga-Dino Hamburger SV musste es in der letzten Saison erleben. Er blieb auf der Strecke, neben dem Rückkehrer 1. FC Köln machten der SC Paderborn und Union Berlin das Rennen. Sie sind jetzt oben.

Die Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart, Hannover 96 und 1. FC Nürnberg gehören neben dem Hamburger SV also zum Favoritenkreis und möchten schnellstmöglich wieder zurück. Gleichzeitig steigern sie natürlich die Attraktivität der 2. Bundesliga, die ja mit Dynamo Dresden, dem FC St. Pauli und Aufsteiger Karlsruher SC weitere klangvolle Namen zu bieten hat. Nur sechs Vereine des 18er-Feldes haben noch keine Bundesliga-Luft geschnuppert. Also auch da ist die zweite Liga fast erstklassig.

Auffallend ist, dass sich im Unterhaus wie im Oberhaus das Trainerkarussell kräftig drehte. Sieben neue Trainer gibt es oben, sechs sind es auch in der 2. Bundesliga. Bezeichnend, alle großen Favoriten probieren es mit neuen Coaches. Die Neuen sind Tim Walter (Stuttgart), Mirko Slomka (Hannover), Damir Canadi (Nürnberg) und Dieter Hecking (Hamburg), außerdem Mersad Selimbegovic (Regensburg) und Andre Schubert (Kiel). Einer der Erstgenannten vier wird also in die Röhre schauen, wobei einige schon vorsichtig sagen, wir wollen nach oben, muss aber nicht gleich in diesem Jahr sein. Ein „Muss“ ist es wohl beim Hamburger SV, schließlich ist es der zweite Anlauf, die größten Erwartungen gibt es darüber hinaus wohl in Stuttgart. Der Start hat es gleich in sich mit dem Duell Stuttgart – Hannover. Wer ist besser gerüstet?

Das sind die 18 Teams: VfB Stuttgart, Hannover 96, 1. FC Nürnberg, Hamburger SV, FC Heidenheim, Holstein Kiel, Arminia Bielefeld, Jahn Regensburg, FC St. Pauli, Darmstadt 98, VfL Bochum, Dynamo Dresden, Greuther Fürth, Erzgebirge Aue, SV Sandhausen, VfL Osnabrück, Karlsruher SC, Sv Wehen Wiesbaden.

Bundesliga-PR von Bayern und Dortmund

Im Oberhaus tummeln sich die Favoriten im internationalen Geschehen. Bayern München und Borussia Dortmund weilten beide in den USA auf Werbetour, wobei diesmal allerdings nur die Münchner am Champions Cup teilnahmen. Aber beide sorgten für beste PR für die Bundesliga. Die Dortmunder besiegten Ex-Trainer Jürgen Klopp mit Champions-League-Sieger FC Liverpool mit 3:2 und die Bayern verwiesen nach einem 1:2 gegen Arsenal London den alten Rivalen Real Madrid mit 3:1 in die Schranken. Eine Wohltat für beide Teams und Lob gab es obendrein. So urteilte Jürgen Klopp über Dortmunds Leistung „eindrucksvoll“ und Reals Trainer Zinedine Zidane nahm die Münchner wieder in den Kreis der Favoriten für die Champions League auf: „Sie haben ein Team, das den Titel gewinnen kann“. Dortmund hat sich bekanntlich spektakulär verstärkt, die Bayern halten mit einem etablierten Team dagegen: „Uns muss man erst mal schlagen.“ Und wenn es keine Neuzugänge gibt, dann bleiben halt die eigentlich erwarteten Abgänge: Renato Sanches will sich endgültig bei den Bayern durchsetzen, Jerome Boateng warb mit starken Leistungen für sich, nach dem Motto „geht doch“. Bei ihm ist das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Das erste Duell zwischen Dortmund und Bayern wird schon sehnsüchtig erwartet, es ist der Supercup am 3. August. In der Bundesliga muss man noch bis zum Wochenende 9./10. November warten.

Übrigens zeigt sich bei beiden Vereinen wieder einmal der Unterschied: Da der Glamour-Klub Bayern, der bei Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger in Los Angeles zum Grillen eingeladen war (unter den Gästen auch Sylvester Stallone und Dolph Lundgren, Star-Koch Alfons Schuhbeck sorgte mit Kaiserschmarrn für die Nachspeise) und die NASA besuchte, passend zum erhofften weiteren Höhenflug. Der bodenständige Verein aus dem Ruhrpott gönnte sich als Abwechslung einen Besuch in einem Burger-Restaurant.

Während sich 17 Bundesligisten noch auf die neue Saison vorbereiten, wartet auf einen Verein schon der Ernstfall, Eintracht Frankfurt muss bereits in der 2. Qualifikationsrunde der Europa League ran (25. Juli/1. August). Gegner ist Flora Tallinn, Tabellenführer in Estland, das sich mit 2:0, 2:2 gegen den eigentlich favorisierten serbischen Vizemeister Radnicki Nis durchsetzen konnte. Kann Tallinn zum Stolperstein werden? Beobachter glauben nicht, das spielerische Niveau sei überschaubar gewesen. Die Hessen wollen die Europa-Euphorie des letzten Jahres wiederholen und haben sich im Rahmen der Saison-Vorbereitung bestmöglich in Form gebracht, doch rund um die Mannschaft gibt es noch Fragezeichen. Die Torjäger Jovic und Haller haben sich bekanntlich verabschiedet, um Torhüter Kevin Trapp gibt es mit Paris noch eine Hängepartie. So ist der Däne Frederik Rönnow die Nummer 1. Er kann also Werbung für sich betreiben. Sollte sich Frankfurt für die Europa League qualifizieren und auch im DFB-Pokal erfolgreich sein, warten auf die Mannschaft bis Weihnachten 31 Spiele! „Müde Weihnachten“ wären dann wohl auch „frohe Weihnachten“.

Die Bundesliga ist eine Wundertüte

Am kommenden Wochenende geht die Saison der Fußball-Profi-Ligen in Deutschland zu Ende. Was die Bundesliga angeht, braucht die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schon seit Jahren nicht mehr rätseln, wo sie die Meisterschale abliefern soll. Sie könnte in München auf Dauer deponiert bleiben. Auch bei der Torjäger-Kanone gibt es keine Zweifel, der Dortmunder Aubemayang hat mit seinem Wechsel nach London für Robert Lewandowski den Weg frei gemacht. Es gibt also noch die schöne, heile Welt der Bundesliga.

Aber selbst bei den Bayern war die Welt im Herbst nicht ganz heil. Und ansonsten zeigte sich die Bundesliga überhaupt als Wundertüte. Von Konstanz war bei fast allen Klubs nicht die Rede. Nehmen wir Borussia Dortmund als Beispiel: Einmal erstklassiger Fußball, fast wie in alten Zeiten, dann wieder uninspiriert wie in den Wochen vor Peter Stöger, Typisch für Letzteres das 1:2 gegen Mainz, das die Teilnahme an der Champions League wieder in Gefahr bringt. Ähnlich wie in Dortmund war es in Leverkusen, erst auf dem Weg nach oben, zuletzt drei Spiele ohne Torerfolg. Leipzig mal gut, mal schlecht, ein 4:1 gegen Wolfsburg zeugt noch nicht von alter Klasse. Beständig einzig Schalke 04, aber spielerisch kaum einmal überzeugend. Weil die Konkurrenz eben schwächelte, feiern sie in Gelsenkirchen die Vize-Meisterschaft. Diesmal ist Schalke aber nicht der „Meister der Herzen“ nachdem ihnen Bayern mal in letzter Sekunde die Schale entriss, sondern sie sind „Meister des Rests“ nach den Bayern von Gnaden der unbeständigen Konkurrenz. Da zeigte sich auch in der nationalen Saison, warum die Bundesliga auf internationalem Parkett an Boden verlor. Guter Fußball war eine Rarität. Doch mehr dazu nächste Woche in der Bilanz.

Die Spannung wiegt einiges auf, wie schon vorausgesagt hält sie bis zum letzten Spieltag. Gesucht werden neben den Bayern und Schalke noch zwei Teilnehmer an der Champions League, danach können sich zwei oder drei Vereine mit der Europa League trösten. In Dortmund, Hoffenheim, Leverkusen, Leipzig, Frankfurt, Stuttgart und Mönchengladbach wird gerechnet und gehofft. Hoffentlich setzen sich Mannschaften durch, die dann auch mit dem nötigen Rüstzeug auf Europas Bühnen auftreten. Am stärksten sind Zweifel beim VfB Stuttgart angebracht, der sich mit einem ausgeklügeltem Defensivkonzept nach oben schob. Stuttgart könnte dann ein Schicksal wie der 1. FC Köln erleben: Von Europa zum Abstieg!

Am letzten Spieltag gibt es tatsächlich nur eine Partie, die völlig ohne Bedeutung ist, nämlich das „Freundschaftsspiel“ zwischen Mainz 05 und Werder Bremen. Zwei, die dennoch feiern können, weil sie dem Abstiegskampf rechtzeitig entronnen sind. Anders sieht es in Wolfsburg und Hamburg aus. Im letzten Jahr das direkte Duell um den Platz in der Relegation, diesmal ein Fernduell, wobei für Wolfsburg schon ein Unentschieden gegen Absteiger Köln eine Art Wiederauferstehung wäre, die Mannschaft liegt am Boden, Trainer Labbadia ist ratlos. Köln machte auf jeden Fall zuletzt den besseren Eindruck. Ob die Bundesliga-Uhr beim Dino HSV endgültig stehen bleibt, liegt auch an Borussia Mönchengladbach, das noch eine minimale Chance auf die Europa League hat. Der Ausgang ist ungewiss, denn auch Gladbach gehört zu den Wundertüten-Teams der Bundesliga. Bei Anpfiff weiß man nie, was bis zum Abpfiff wirklich rauskommt.

Im Unterhaus kann man nur sagen „glückliche 2. Bundesliga“. Sie hat zudem ein echtes Endspiel, wenn auch kein brisantes. Wie es der Terminplan so will, treffen sich die beiden punktgleichen Aufsteiger zum direkten Duell. Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg wären die richtigen Nachfolger für Köln und z. B. dem HSV: Da löst der eine rheinische Rivale den anderen ab, dort ein Traditionsverein den anderen. Noch aber tickt die Uhr in Hamburg… Gegner in der Relegation wird übrigens Holstein Kiel sein, der Zweitliga-Aufsteiger hat also immer noch die Chance, direkt in die Bundesliga durchzumarschieren.

Spannung verspricht auch in der 2. Bundesliga der Abstiegskampf. Den hat nur der 1. FC Kaiserslautern verloren, sieben Vereine sind dagegen in den Kampf um den zweiten direkten Absteiger und die Relegation involviert. Besondere Brisanz versprechen die direkten Duelle Darmstadt – Aue und Heidenheim – Fürth, aber auch Braunschweig, Dresden und Sandhausen müssen noch zittern. Wer neu in die 2. Bundesliga kommt, steht fest. Der FC Magdeburg und der SC Paderborn haben den Aufstieg geschafft, der Karlsruher SC als Dritter ist der Kontrahent in der Relegation. Die Vereine wollten es so, dass durch die Relegation die Saison mit dem letzten Spieltag der Punktrunden noch nicht beendet ist. Die Relegation ist praktisch die Zugabe an Spannung, Freude und Trauer.

Champions League: Wer die Champions League vermisst, liest den nachfolgenden Kommentar „Bayerns unerfüllter Traum vom Henkel-Pott“.