Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: England

Der Fußball und die Probleme der Gesellschaft

Die Bilder der vergangenen Woche, die man vom deutschen Fußball sah, waren erschreckend. Chaoten reagierten in den Stadien ihren Frust über Niederlagen und Abstiege ihrer Mannschaften mit Gewalt ab. Leidtragende waren in erster Linie die Ordner der Vereine und die Polizei, die teilweise in Hundertschaften aufmarschieren mussten, Leidtragender war aber auch der Fußball, der von manchen Kritikern als Verursacher der Gewalt hingestellt wird. Doch das falsch. Der Fußball muss diesbezüglich die Probleme der Gesellschaft ausbaden.

Die Bundesliga hat nicht allein mit diesen Probleme zu kämpfen. England hat sie gehabt, Italien kämpft einen verzweifelten Kampf vor allem gegen Rechtsradikale und Schmähungen von den Tribünen aus, in Polen und Russland gehören Krawalle fast zum normalen Spielbetrieb, „Kampfbrigaden“ aus Russland haben schon die Fußball-Welt erschüttert. In Deutschland hieß es bisher immer, „wir haben die Probleme der Hooligans und Chaoten im Griff“, doch die Vorkommnisse der letzten Wochen beweisen das Gegenteil. Platzsturm in Braunschweig, Attacken von den Rängen aus mit dem Werfen von Sitzschalen und Stangen auf das Feld in München, Aufmarsch der „Fans“ von Dynamo Dresden in Kampfkleidung mit einer „Kriegserklärung“ gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Karlsruhe, Randale und tätliche Angriffe in Dortmund gegen Anhänger von RB Leipzig schon vor dem Stadion. Nur ein Teil, denn die Liste des Horrors ist lang – zu lang.

Der Fußball leidet, ein Zuschauer-Rückgang wird folgen, weil sich zum Beispiel Familien in diesem Umfeld nicht mehr sicher fühlen. Dazu kommt, dass Großereignisse auch im Sport verstärkt ins Blickfeld der Krake Terror rücken. Und die komplette Sicherheit gibt es nicht, unverständlich, dass zum Beispiel immer noch verbotene Pyrotechnik in die Stadien geschmuggelt werden kann. Sind es demnächst Bomben? Ob jemand Unbeteiligter Schaden nimmt, ist diesen Chaoten egal. Sie wollen bewusst gegen Verbote verstoßen. Ein Experte für Fan-Projekte erläutert in einem Interview aber ganz klar: „Ich erkenne kein fußballspezifisches Problem, sondern generell ein gesellschaftliches. Der schwindende Respekt gegenüber Mitmenschen ist eine bedauernswerte Entwicklung, die ich leider auch in anderen Bereichen des Lebens zunehmend registriere.“

Fast ein Hohn ist es, das zur gleichen Zeit darüber diskutiert wird, ob der Fußball nicht für die Einsätze der Polizei zahlen muss. Das Land Bremen hat eine Vereinbarung zwischen Liga und den Bundesländern ignoriert und die Polizei-Einsätze in Rechnung gestellt. Dies wurde zwar in erster Instanz vor Gericht zurückgewiesen, aber vor allem wegen formeller Fehler. Viele Kritiker sehen aber nur das Geld, das im Fußball verdient und umgesetzt wird, aber nicht, dass Polizei-Einsätze grundsätzlich eine Pflicht des Staates sind. Für den öffentlichen Raum ist nur die Polizei als Gesetzhüter verantwortlich. Im Zuge der Gerechtigkeit müssten künftig alle Veranstalter für die Polizei zahlen. Aber nicht sie – oder eben der Fußball – sind Schuld an den Auswüchsen, sondern die Gesellschaft, in der eine gewisse Verrohung immer weiter fortschreitet. Was ja auch nicht verwunderlich ist, wenn sich schon Staatsoberhäupter als Pöpler gefallen.

Was den deutschen Fußball angeht, so muss der Verband die Relegationsspiele überdenken. Gerade diese Endspiele um Auf- und Abstieg beinhalten ein hohes Konfliktpotential. Die Emotionen sind in diesen Spielen besonders stark. Mit einem ausschließlich direkten Auf- und Abstieg könnten sich DFL und DFB viel Ärger ersparen. Eine Änderung diesbezüglich wäre keineswegs ein Einknicken vor den Chaoten. Außerdem sind harte Strafen gegen diese Chaoten in den Fußballstadien angebracht. Aber auch hier kann der Fußball nur zum Teil tätig werden.

Was bedenklich stimmt, ist die Tatsache, dass in vielen Vereinen die sogenannten „Ultras“, die harten Fans, die für Stimmung in den Stadien sorgen, aber für sich auch einen Teil der Macht reklamieren, tatsächlich eine gewisse Macht erreicht haben und die Vorstände unter Druck setzen. Hier müssen die Vorstände eine Grenze ziehen und notfalls auf Stimmung verzichten. Wie in England könnte man mit der Abschaffung der Stehplätze die Grenze deutlich machen. Weniger Begeisterung bedeutet in diesem Fall auch weniger Krawall. Der Fußball darf nicht den Ultras gehören! Und dann würden sich die Spieler auf dem Feld vielleicht auch nicht mehr so sehr genötigt sehen, den Torjubel teilweise aufreizend und den Gegner missachtend auszudehnen. Auch dies heizt die (negative) Stimmung an.

Trotz allem: Fußballstadien können keine Insel der Glücksseligkeit werden, wenn die Menschheit generell verroht.

Wer gewinnt den Kampf der Moneten um die Fußball-Stars: England oder China?

 

Als in England die TV-Honorare explodierten, da ging in der deutschen Bundesliga die Angst um, dass der Ausverkauf der Stars beginnen würde. Bisher kann von Ausverkauf keine Rede sein, da gibt es aber schon wieder einen weiteren Konkurrenten, der mit Geld um sich wirft: China hat den Fußball entdeckt. Jetzt stellt sich die Frage: Wer gewinnt den Kampf der Moneten um die Fußball-Stars, England oder China?

Die Ausgangsposition könnte konträrer nicht sein. Da England, das Mutterland des Fußballs, der Klassiker schlechthin, der Sportler und Fans gleichermaßen anlockt. Stimmungsmäßig hat die Bundesliga längst aufgeholt, heute präsentiert Deutschland die moderneren Stadien, aber der Fußball in England hat an Reiz nichts verloren. Dort China, das Land mit den meisten Einwohnern, aber ein Entwicklungsland in Sachen Fußball. Die chinesischen Machthaber haben allerdings vor einiger Zeit Fußball als PR-Lokomotive für ihr Land entdeckt und Industrie und Millionäre aufgefordert, gefälligst etwas zu tun. Jetzt werden nicht nur Firmen im Ausland gekauft, sondern auch Fußballvereine und vor allem Spieler sowie Trainer. Stars sollen den Fußball attraktiv machen, an Geld fehlt es nicht.

Komisch, aus der Bundesliga kam bisher kein Aufschrei trotz der utopischen Summen, die von China ausgerufen werden. Was gab es für ein Gezeter, als Frankreichs Star Paul Pogba für 120 Millionen Euro von Turin zu Manchester United ging. Lächerlich fanden dagegen alle die 200 Millionen Euro, die China für Superstar Cristina Ronaldo aufrief. Sein Manager offenbarte diese Summe und betonte gleichzeitig, der Torjäger werde Real Madrid nicht verlassen. Ronaldo verdient in Madrid gut, in China hätte er noch besser verdienen können, angeblich 100 Millionen Euro – im Jahr wohlgemerkt. Carlos Tevez, eigentlich am Ende seiner Karriere, die er mit 32 Jahren in Südamerika ausklingen lassen wollte, ist dem Ruf des Geldes gefolgt. Für 40 Millionen Euro im Jahr muss er in China wahrscheinlich nicht einmal mehr laufen.

Die Chinesen wollen allerdings nicht allein in Stars ihr Geld stecken. Sie wollen es cleverer anstellen, als die Amerikaner, die einst in ihren Anfängen vor allem auf große Namen setzten wie Pele und Franz Beckenbauer, aber den Aufbau des Nachwuchses versäumten. In China entstehen Talentschmieden und – man höre und staune – auch die Bundesliga beteiligt sich als Entwicklungshelfer. Da wird der künftige Konkurrent selbst großgezogen. Wieder einmal geht hier Wirtschaft vor Sport, denn der chinesische Markt ist attraktiv, das hat zum Beispiel auch Bayern München erkannt, mit Gastspielen in China. Logisch, dass es die Vereinsseite im Internet auch auf Chinesisch gibt. China träumt von der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 und will spätestens dann um den Titel mitspielen. Bis dahin soll auch die Bevölkerung für Fußball begeistert werden. Heute sehen im Schnitt 24.000 die Spiele der Spitzenliga, die auch schon Top-Trainer angelockt hat, wie Italiens Lippi, Brasiliens WM-Coach Scolari, den Schweden Eriksson und nicht zuletzt Felix Magath.

Wer ist also in Zukunft die größte Gefahr für die Bundesliga? England mit seiner Tradition oder China mit seiner Zukunft? Die Bundesliga wird nicht untergehen, das Gros der Spieler wird zu Hause bleiben, nach dem Motto, „da weiß ich, was ich habe“. Und gut verdienen kann man in Deutschland auch. Und außerdem: Fällt die 50+1-Regelung, da wird bald ein Bundesligist einen chinesischen Eigner haben!

Wer ist die Nummer 1 in Europas Fußball: Geld? Klasse? Stimmung?

 

Olympia geht am Sonntag zu Ende bzw. ist (wer später liest) zu Ende gegangen, also Bühne frei für Europas Fußball. Die Top-Ligen nehmen in diesen Tagen alle ihren Spielbetrieb auf, die Bundesliga ist mit Rücksicht auf das Olympia-Team (hört, hört!) am 26. August der Spätstarter. Vor jeder Saison stellt sich neu die Frage, welche Liga eigentlich die Nummer 1 in Europa ist. Dafür gibt es derzeit drei Antwortmöglichkeiten: Das Geld? Die Klasse? Oder gar die Stimmung?

Eigentlich könnte man sich die Antwort leicht machen, nämlich mit einem Blick auf die UEFA-Fünfjahreswertung, die aktuell so aussieht:1. Spanien 105,713 Punkte, 2. Deutschland 80,177, 3. England 76,284, 4. Italien 70,439, 5. Portugal 53,082, 6. Frankreich 52,749.

Doch die Punktzahlen und das Feeling sind zwei Paar Stiefel. Spanien ist unbestreitbar sportlich die Nummer 1. Die klare Führung in der Fünfjahreswertung ist das Resultat der großartigen Erfolge: In den letzten drei Jahren gewannen nur spanische Klubs die beiden europäischen Titel! Der FC Sevilla holte das Triple in der Europa League (EL), Real Madrid (2014 und 2016) und der FC Barcelona lösten sich in der Champions League (CL) ab. Nichtspanische Sieger waren also 2013 Chelsea London in der EL und der FC Bayern München in der CL. Spanien hat also die Klasse, doch hat die Primera Division auch die Reputation als Nummer ?

Nein! Im Gespräch war in diesem Sommer vor allem die Premier League in England. Dabei ging es vor allem um das Geld und die Auswirkungen auf den Fußball in Europa. Umgerechnet 2,3 Milliarden Euro kassieren die 20 Klubs allein durch die Inlandsvermarktung. Das ist mehr, als Italien (943 Millionen), Spanien (816) und Bundesliga (538) zusammen erlösen! Und das Geld wird mit vollen Händen ausgegeben, für Stars und für neue Trainer, die Ablösesummen steigen auf astronomische Zahlen. Den Vogel schoss bekanntlich Manchester United mit dem neuen Coach Jose Mourinho ab, das Paul Pogba für 105 Millionen Euro von Juventus Turin nach England holte. Nur deshalb konnte sich Juve als Ausgleich Torjäger Gonzalo Higuain für 90 Millionen vom SC Neapel leisten. Nicht allein die Spieler, sondern sogar eher noch die neuen Trainer sorgten aber für die Schlagzeilen. Pep Guardiola suchte nach Bayern München nun bei Manchester City eine neue Herausforderung und Chelsea schnappte sich Italiens Nationaltrainer Antonio Conte. Da bleibt kein Ruhm mehr für Leicesters sensationellen Meistermacher Claudio Ranieri und den „ewigen“ Arsene Wenger bei Arsenal London. Gefühlt also macht das Geld England zur Nummer 1. Gespannt sein darf man, wie sich die Aufrüstung sportlich dann tatsächlich auf Europas Bühne auswirkt.

In Spanien die Klasse und in England das Geld – was hat der Rest zu bieten? Italien und Frankreich sind ins Abseits geraten, gerade mal Juventus Turin und Paris St. Germain (nun ohne Ibrahimovic) können mithalten. Nicht ganz überraschend liegt sogar Portugal vor Frankreich, weil die Spitzenklubs aus Lissabon (Benfica und Sporting) und der FC Porto fast schon traditionell auf der Bühne Europas erfolgreich sind.

Aber an Deutschland kommen sie alle nicht vorbei. Was hat die Bundesliga zu bieten? Sie leidet ein bisschen unter der Dominanz von Bayern München, das unter Carlo Ancelotti jetzt nach einem neuen Rekord mit dem fünften Titel in Folge greift. Andererseits profitiert die Bundesliga von den Bayern, denn sie sorgten mit ihren Erfolgen hauptsächlich dafür, dass Deutschland im internationalen Vergleich so gut dasteht. Die Bayern schafften es auch, international umworbene Spieler zu verpflichten bzw. auch bei hohen Angeboten zu halten. Die Bundesliga hat zudem ein Pfund, mit dem sie wuchern kann: Die modernen Stadien und die gute Stimmung. „Hier macht es Spaß, Fußball zu spielen“, heißt es oft und manche Stars erkennen, dass ja auch in Deutschland genügend Geld verdient wird und zudem der Spaß vielleicht ein bisschen größer ist.

Dennoch herrscht eine gewisse Zukunftsangst in Deutschland. Real Madrid und der FC Barcelona werden mit ihren Geldgebern bei vernünftiger sportlicher Planung auch in der Zukunft England Paroli bieten können, vielleicht schafft das die nächsten Jahre auch Bayern München, aber der Rest der Bundesliga hat Angst vor dem Ausbluten, dem Weggang der besten Spieler. Spaß vor Geld wird nicht immer die Losung sein.

Demnächst hier beim Sport-Grantler die etwas andere Bilanz der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Was muss sich bei Olympia ändern?

Wer hat die Macht: Spieler? Verein? Berater?

 

Ist die Fußball-Welt verrückt geworden? Außenstehende schütteln den Kopf, über die Unsummen, die im Fußball bezahlt werden. Wie kann ein Verein 110 Millionen Euro, mit Bonuszahlungen vielleicht noch mehr, für einen Spieler bezahlen? Die TV-Gelder von rund drei Milliarden Euro pro Saison in England sorgen für eine Geldschwemme und machen die Preise kaputt. Der 23jährige Franzose Paul Pogba wechselt für diese ungeheure Summe von 110 Millionen von Juventus Turin zu Manchester United, weil ihn der neue Trainer Jose Mourinho unbedingt will. Juventus hatte schon im Vorgriff auf diesen Transfer Torjäger Gonzalo Higuain für 90 Millionen Euro aus Neapel geholt. Kein Preis, der der Leistung gerecht wird, den aber der Markt offensichtlich hergibt. Bisher galten Gareth Bale und Cristiano Ronaldo mit rund 100 bzw. 94 Millionen Euro als die teuersten Spieler der Welt. Real Madrid blätterte das Geld hin.

Wenn diese ungeheuren Geldsummen zirkulieren, dann fragt sich der Fan, wer hat eigentlich die Macht im Fußball? Ist dies der Spieler? Der Verein? Oder sind es gar die Berater?

Ein deutsches Sprichwort heißt „Wer bezahlt, schafft an“. Die Vereine müssen zwar bezahlen, aber anschaffen können sie gar nichts. Und wenn sie Pech haben, werden Millionen in den Sand gesetzt, weil sich der Spieler schwer verletzt. Die Vereine haben nur eine Macht – die Macht des Vertrages. Die heute üblichen langen Laufzeiten sorgen dafür, dass die Vereine hohe Ablösesummen verlangen können. Die Vereine können einen Transfer allerdings auch verweigern. Oft ist eine Zustimmung von einem „unmoralischen Angebot“, wie es die Manager gerne nennen, abhängig. Was aber, wenn der Verein seine Macht ausübt und den Spieler nicht gehen lässt?

Das wird in dieser Saison in Wolfsburg gut zu beobachten sein, wo Nationalspieler und Hoffnungsträger Julian Draxler öffentlich kundtat, dass er die VW-Städter nach einem Jahr gerne wieder verlassen würde. Wolfsburg ist ihm doch zu langweilig. Manager Klaus Allofs und der VW-Vorstand nutzten allerdings die Macht des Vertrages (bis 2019), der erst für 2017 eine Ausstiegsklausel für 75 Millionen Euro beinhaltet. Draxler muss bleiben und zeigen, dass er Profi ist, nämlich mit guten Leistungen. Die muss er allerdings auch zeigen, damit ein Verein die 75 Millionen für ihn auch hinblättert.

Im Visier der reichen Vereine sind auch immer wieder Spieler des FC Bayern München. Laufend werden Angebote für David Alaba und Robert Lewandowski in der Öffentlichkeit platziert, die Bayern lehnen gebetsmühlenartig ab, sie können sich das leisten, die Spieler haben langfristige Verträge. Notfalls werden sie, so ein Angebot an Lewandowski, noch einmal verlängert, verbunden mit einem noch höheren Salär. Hier zeigt sich die Macht der Spieler.

Die eigentliche Macht haben aber offensichtlich die Berater. Als Berater stellen sich Laien einen Fachmann vor, der den betreuten Spieler in allen Lebenslagen berät, ihn bei den Tücken des Alltags hilft und in einer Art Rundum-Service dafür sorgt, dass es seinem Schützling gut geht. In Wirklichkeit scheint es so zu sein, dass Verein und Familie den Spielern zur Seite stehen und die Berater vor allem dafür sorgen, dass die Spieler viel kassieren – und die Berater natürlich mit.

Typisches Beispiel ist Mino Raiola, der Berater von Paul Pogba. Bei dem Deal zu Manchester United fallen für den Berater laut Medien selbst über 20 Millionen Euro ab! Raiola hat bereits Superstar Zlatan Ibrahimovic (der Schwede war ablösefrei, dafür fallen hohe Zahlungen an Spieler und Berater an!) und Dortmunds Henrikh Mkhitaryan zu ManU gebracht. Trainer Mourinho wird es nicht gerne hören, aber Raiola hat die Macht bei Manchester United!

Auch in der Bundesliga hatten wir bereits diese Konstellationen. Wenn Vereine nicht aufpassen und viele Spieler von einer Agentur oder einem Berater in ihren Reihen haben, dann geraten sie zwangsläufig in eine Art Abhängigkeit. Da hat kein Vorstand, kein Trainer mehr die Macht, sondern die geht an Spieler und Berater. Welche Folgen das haben kann, zeigt sich jetzt auch wieder beim VfL Wolfsburg. Die prominentesten Spieler, die den Verein verlassen haben oder verlassen wollen (jetzt ist Luiz Gustavo als Nachfolger von Pogba bei Juventus Turin im Gespräch) haben den gleichen Berater. Der Verein steht ziemlich machtlos da. Der Fußball allerdings auch und leidet mit. Die Fans staunen nur und sehen diesen Teil des Geschäftes als unaufhaltsamen Prozess.

Übrigens: Am kommenden Wochenende (12. – 15. August) beginnt die „Geldliga“ in England. Das Topspiel heißt wohl Arsenal London – FC Liverpool, Manchester United muss in Bournemouth ran und Manchester City erwartet Sunderland. Im Mittelpunkt aber stehen die neuen Stars und neuen Trainer, neben Mourinho vor allem Pep Guardiola bei City und der Italiener Conte bei Chelsea London (gegen West Ham). Neben der Meisterschaft wollen die Besitzer der Vereine vor allem aber einen Pott: Den der Champions League.

Copa America schlägt die EM!

 

Die Fußball-Europameisterschaft holt die Deutschen derzeit auf die Sofas, das Fernsehen feiert hohe Einschaltquoten. Aber die Begeisterung ist dennoch gedämpft, Public Viewing ist nicht mehr der große Renner, da spielt natürlich auch das Wetter eine Rolle. Angst vor Terror und Nässe ersticken ein mögliches Sommermärchen im Keim. Aber auch sportlich lässt die Europameisterschaft Wünsche offen. Und dies, obwohl die sogenannten „Kleinen“ wie Wales oder Island für Begeisterung sorgen. Erstickt wird auch der begeisternde Fußball, nämlich im taktischen Geplänkel. Diesbezüglich könnte die kürzlich beendete Copa America, die „Europameisterschaft“ in Südamerika, als Vorbild dienen. Dort, so beobachtete es Österreichs Ex-Nationalspieler Andreas Herzog als Co-Trainer der USA, „wird der offensivere und technisch feinere Fußball mit der besseren individuellen Klasse geboten“. Klare Aussage: Die Copa America schlägt die Europameisterschaft!

Zum 100-jährigen Jubiläum wurde die „Copa America Centenario 2016“ in den USA ausgetragen und so waren auch die USA ausnahmsweise dabei. Nach anfänglicher Zurückhaltung gab es große Begeisterung im Land des Gastgebers, Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 1994 wurden wach und die USA darf diese Copa auch als Bewerbung für die WM 2026 einreichen. Die Copa hatte den Vorteil, dass 16 Nationen am Start waren, so wie bisher ebenfalls bei der EM. Die Aufstockung auf 24 Nationen tat der EM in Frankreich nicht gut, aber eine Reduzierung wird es nicht mehr geben. Bei der Copa fielen auch viel mehr Tore, die Spiele konnten begeistern. Mit dem Ausscheiden von Brasilien bereits nach der Gruppenphase gab es ebenfalls einen großen Favoritensturz. Die Copa bot alles!

Die USA unter Jürgen Klinsmann schaffte es sogar ins Halbfinale, hatte aber beim 0:4 gegen Argentinien keine Chance. Im zweiten Halbfinale trafen sich die Mannschaften, die neben Argentinien am meisten begeisterten, nämlich Kolumbien und Chile, der Titelverteidiger und erneute Meister. Wieder setzte sich Chile (angeführt vom Bayern-As Arturo Vidal) im Finale gegen Argentinien im Elfmeterschießen durch und unterstrich, dass es in Südamerika die Rolle der Fußball-Großmacht von Brasilien übernommen hat. Im Land vom einstigen Super-Star Pele ist die Trauer groß, aber auch Argentinien jammert, weil Lionel Messi nach Final-Niederlagen in Serie mit der Nationalmannschaft die Lust verloren hat und seinen Rücktritt erklärte. Die Copa bot also alles, Begeisterung und tiefe Niedergeschlagenheit.

Was wird am Ende der Europameisterschaft nach dem Finale am 10. Juli stehen? Welche Fußball-Größen haben danach die Niederlagen satt? Einige Trainer haben schon ihren Abschied verkündet, weil ihre Mannschaften die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Das Brasilien von Europa war wohl England, das mit einer vermeintlich hoffnungsvollen Mannschaft in Frankreich antrat und am Ende gegen Island hoffnungslos unterging. Was noch fehlt für die letzte Woche ist spektakulärer Fußball frei von taktischen Zwängen, getragen von Begeisterung. Doch ist das in Europa überhaupt möglich?

Brexit und der Sport

 

Die Absage der Briten an Europa hat die Welt erschüttert und alle fragen sich: Was bringt die Zukunft? Es hat den Anschein, als hätten sich viele Briten, die für den Brexit, also den Ausstieg aus der EU gestimmt haben, auch erst danach überlegt, was das eigentlich bedeutet. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen und auch im Sport gibt es viele Mahner, Schwarzseher und Besserwisser. Dabei ist es doch eigentlich logisch: Der Sport hatte schon immer seine eigenen Regeln und er wird sich seine Statuten so hinbiegen, dass die britischen Sportlerinnen und Sportler unter dem Brexit nicht leiden müssen.

Die Blicke sind natürlich vor allem auf den Fußball in England gerichtet. Dort werden ja angesichts der Milliarden, die künftig aus der TV-Vermarktung fließen, Wundertransfers erwartet und Pessimisten zum Beispiel in Deutschland haben Angst, dass die Bundesliga ausblutet. Jetzt werfen sie ihren Blick auf die Statuten in England und frohlocken, dass normale Bundesliga-Stars künftig gar nicht mehr nach England wechseln dürfen, weil es für Spieler aus Nicht-EU-Staaten Einschränkungen gibt. Das ist Schwarzmalerei, denn mit einem Federstrich werden die Bestimmungen geändert und der Weg für Verpflichtungen aus der bisherigen EU ist wieder offen. Die Politik hat den Sport zwar oft missbraucht, aber sie weiß auch genau, wann der Sport ihr dienlich sein kann. Also: Keine Gefahr!

Nein, der Sport wird unter dem Brexit nicht leiden. Wenn sich jetzt einige englische Sportstars verärgert äußern, dann nicht wegen der Zukunft des Sports, sondern weil sie eben zu denen gehörten, die gegen den unsäglichen Brexit waren. Leiden wird England selbst, weil die Stellung des Landes in der politischen Welt eher geschwächt wird, leiden wird vor allem die Wirtschaft, weil erst wieder Handelsabkommen geschlossen werden müssen und London seine zentrale Stellung (zum Beispiel bei den Banken) verlieren könnte. Auswirkungen könnte der Brexit allein auf die Formel 1 haben, weil die meisten Teams in England ansässig sind, aber Chefvermarkter Bernie Ecclestone, ein Brexit-Befürworter, hat schon verkündet: „Das macht in unserem Geschäft keinen Unterschied.“

Der Sport leidet nicht unter dem Brexit, sondern eher unter dem Größenwahn der Funktionäre, unter den zahlreichen Dopingsündern und darunter, dass er zum Teil als Geldbeschaffungsmaschine missbraucht wird. Es wäre aber doch eine schöne Pointe, wenn England am 10. Juli Fußball-Europameister werden würde!