Wer ist die Nummer 1 in Europas Fußball: Geld? Klasse? Stimmung?

von knospepeter

 

Olympia geht am Sonntag zu Ende bzw. ist (wer später liest) zu Ende gegangen, also Bühne frei für Europas Fußball. Die Top-Ligen nehmen in diesen Tagen alle ihren Spielbetrieb auf, die Bundesliga ist mit Rücksicht auf das Olympia-Team (hört, hört!) am 26. August der Spätstarter. Vor jeder Saison stellt sich neu die Frage, welche Liga eigentlich die Nummer 1 in Europa ist. Dafür gibt es derzeit drei Antwortmöglichkeiten: Das Geld? Die Klasse? Oder gar die Stimmung?

Eigentlich könnte man sich die Antwort leicht machen, nämlich mit einem Blick auf die UEFA-Fünfjahreswertung, die aktuell so aussieht:1. Spanien 105,713 Punkte, 2. Deutschland 80,177, 3. England 76,284, 4. Italien 70,439, 5. Portugal 53,082, 6. Frankreich 52,749.

Doch die Punktzahlen und das Feeling sind zwei Paar Stiefel. Spanien ist unbestreitbar sportlich die Nummer 1. Die klare Führung in der Fünfjahreswertung ist das Resultat der großartigen Erfolge: In den letzten drei Jahren gewannen nur spanische Klubs die beiden europäischen Titel! Der FC Sevilla holte das Triple in der Europa League (EL), Real Madrid (2014 und 2016) und der FC Barcelona lösten sich in der Champions League (CL) ab. Nichtspanische Sieger waren also 2013 Chelsea London in der EL und der FC Bayern München in der CL. Spanien hat also die Klasse, doch hat die Primera Division auch die Reputation als Nummer ?

Nein! Im Gespräch war in diesem Sommer vor allem die Premier League in England. Dabei ging es vor allem um das Geld und die Auswirkungen auf den Fußball in Europa. Umgerechnet 2,3 Milliarden Euro kassieren die 20 Klubs allein durch die Inlandsvermarktung. Das ist mehr, als Italien (943 Millionen), Spanien (816) und Bundesliga (538) zusammen erlösen! Und das Geld wird mit vollen Händen ausgegeben, für Stars und für neue Trainer, die Ablösesummen steigen auf astronomische Zahlen. Den Vogel schoss bekanntlich Manchester United mit dem neuen Coach Jose Mourinho ab, das Paul Pogba für 105 Millionen Euro von Juventus Turin nach England holte. Nur deshalb konnte sich Juve als Ausgleich Torjäger Gonzalo Higuain für 90 Millionen vom SC Neapel leisten. Nicht allein die Spieler, sondern sogar eher noch die neuen Trainer sorgten aber für die Schlagzeilen. Pep Guardiola suchte nach Bayern München nun bei Manchester City eine neue Herausforderung und Chelsea schnappte sich Italiens Nationaltrainer Antonio Conte. Da bleibt kein Ruhm mehr für Leicesters sensationellen Meistermacher Claudio Ranieri und den „ewigen“ Arsene Wenger bei Arsenal London. Gefühlt also macht das Geld England zur Nummer 1. Gespannt sein darf man, wie sich die Aufrüstung sportlich dann tatsächlich auf Europas Bühne auswirkt.

In Spanien die Klasse und in England das Geld – was hat der Rest zu bieten? Italien und Frankreich sind ins Abseits geraten, gerade mal Juventus Turin und Paris St. Germain (nun ohne Ibrahimovic) können mithalten. Nicht ganz überraschend liegt sogar Portugal vor Frankreich, weil die Spitzenklubs aus Lissabon (Benfica und Sporting) und der FC Porto fast schon traditionell auf der Bühne Europas erfolgreich sind.

Aber an Deutschland kommen sie alle nicht vorbei. Was hat die Bundesliga zu bieten? Sie leidet ein bisschen unter der Dominanz von Bayern München, das unter Carlo Ancelotti jetzt nach einem neuen Rekord mit dem fünften Titel in Folge greift. Andererseits profitiert die Bundesliga von den Bayern, denn sie sorgten mit ihren Erfolgen hauptsächlich dafür, dass Deutschland im internationalen Vergleich so gut dasteht. Die Bayern schafften es auch, international umworbene Spieler zu verpflichten bzw. auch bei hohen Angeboten zu halten. Die Bundesliga hat zudem ein Pfund, mit dem sie wuchern kann: Die modernen Stadien und die gute Stimmung. „Hier macht es Spaß, Fußball zu spielen“, heißt es oft und manche Stars erkennen, dass ja auch in Deutschland genügend Geld verdient wird und zudem der Spaß vielleicht ein bisschen größer ist.

Dennoch herrscht eine gewisse Zukunftsangst in Deutschland. Real Madrid und der FC Barcelona werden mit ihren Geldgebern bei vernünftiger sportlicher Planung auch in der Zukunft England Paroli bieten können, vielleicht schafft das die nächsten Jahre auch Bayern München, aber der Rest der Bundesliga hat Angst vor dem Ausbluten, dem Weggang der besten Spieler. Spaß vor Geld wird nicht immer die Losung sein.

Demnächst hier beim Sport-Grantler die etwas andere Bilanz der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Was muss sich bei Olympia ändern?

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