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Tag: Ferrari

Scheiden tut manchmal gar nicht weh

Der Volksmund sagt „scheiden tut weh“, doch Ferrari und Sebastian Vettel beweisen jetzt in der Formel 1, dass eine Scheidung manchmal gar nicht weh tut. Beide haben sich auseinander gelebt, was vor fünf Jahren als Traumhochzeit gefeiert wurde, endete jetzt als großes Missverständnis. Sebastian Vettel ist eben nicht Michael Schumacher. Ferrari hatte den Traum, dass es Vettel wie Schumacher schaffen würde, die „Roten“ wieder auf die Siegesstraße zu bringen, Vettel hatte den Traum, wie Schumacher der Held der deutschen Motorsportfans zu werden. Es wurden aber fünf Jahre der Enttäuschung, alle Hoffnungen blieben unerfüllt, Vettel gewann ein paar Rennen, aber keinen Titel. Mercedes und Lewis Hamilton standen im Weg und zuletzt sogar Stall-Rivale Charles Leclerc. Ferrari und Vettel haben eingesehen, die Zusammenarbeit der Erfolgslosigkeit zu beenden.

Die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung waren nur noch ein Schattenboxen. Ferrari bot Vettel nach dieser Saison nur einen Kontrakt über ein Jahr an, weil absehbar war, dass Vettel hinter Leclerc nur noch die Nummer zwei sein würde. Vettel wiederum wollte diese Rolle nicht spielen und beharrte auf sein Prinzip, nur einen Dreijahresvertrag zu akzeptieren. Es war ihm klar, dass er diesen bei den Italienern nicht bekommen würde. Am Ende gibt es auf beiden Seiten nur eins: Erleichterung!

Sebastian Vettel kam als vierfacher Weltmeister 2015 zu Ferrari. Von 2010 bis 2013 räumte er mit Red Bull die Titel ab, da war die Welt noch in Ordnung. Erste Schatten gab es, als er 2014 den Atem von Teamkollegen Daniel Ricciardo im Nacken spürte. Vettel machte Fehler, wurde Fünfter. Noch aber lebte er vom frischen Ruhm der Titel und erfüllte sich seinen Traum: Einmal für Ferrari fahren. Die Italiener sahen wiederum in einem Deutschen den Hoffnungsträger und träumten von einer goldenen Zukunft. Träume wiederholen sich aber nicht immer.

Ferrari baut also auf den Monegassen Charles Leclerc, auf den 22-Jährigen Jungspund, der den Weltmeister ausgestochen hat. An seiner Seite wird wohl künftig der 25-Jährige Carlos Sainz jun. fahren, der einen berühmten Namen trägt, der Vater war der weltbeste Rallyefahrer. Der Spanier ist schnell, machte auf sich aufmerksam, wird aber wohl die Rolle als Nummer zwei akzeptieren.

Sebastian Vettel aber will zunächst mal in Ruhe über seine Zukunft nachdenken. Noch hat er wohl einige Zeit, bis die Formel 1 wieder fährt, wenn sie überhaupt fahren kann. Die Atmosphäre im Team der „Roten“ wird nicht gut sein, es scheint, Ferrari hat das Jahr schon abgehakt, wird sich verstärkt auf 2021 konzentrieren. Für Vettel werden sich danach nicht viele Türen auftun, am ehesten McLaren, das eben Sainz verliert. Eine Rückkehr zu Red Bull ist keine Option, an Max Verstappen kommt Vettel nicht vorbei. Ob Mercedes für ihn eine Zukunft darstellt ist ebenfalls zweifelhaft. Lewis Hamilton hat wohl keine Veranlassung die Silbernen zu verlassen. Er könnte in diesem Jahr den Rekord von Michael Schumacher mit sieben WM-Titeln einstellen, wenn gefahren wird. Und sollte diese einst unvorstellbare Siegesserie gelingen, dann hat er wohl den alleinigen Rekord im Visier und der ist Stand heute am ehesten mit Mercedes möglich.

Sollte Sebastian Vettel seine Karriere in der Formel 1 beenden, dann wäre auch die einst so glorreiche Ära der deutschen Fahrer in der Königsklasse endgültig zu Ende. Einst wurde die Formel 1 als „Formel D“ bezeichnet, als 2010 mit Schumacher, Vettel, Nico Rosberg, Nick Heidfeld, Adrian Sutil, Nico Hülkenberg und Timo Glock gleich sieben deutsche Fahrer am Start waren und in Hockenheim und am Nürburgring die Formel 1 zweimal in Deutschland gastierte. Auch hier steht Deutschland derzeit im Abseits. Die einzige deutsche Hoffnung heißt Schumacher, Michals Sohn Mick hat offensichtlich viel Talent vom Vater geerbt, sorgt in der Formel 2 für Schlagzeilen und gehört dem Perspektivkader von Ferrari an. Die deutsche Hoffnung lebt also weiter in Maranello.

Der 32-Jährige Sebastian Vettel, der seit einigen Jahren mit seiner Familie auf einem ausgebauten Bauernhof in der Schweiz lebt, könnte allerdings noch einmal zum Hoffnungsträger werden. In der Formel E, der anscheinend die Zukunft gehört. Die neue Rennserie der Elektrorennwagen sorgt immer mehr für Furore und könnte einen Star aus der Formel 1 als PR-Lokomotive gut gebrauchen. Es wäre eine Win-Win-Situation, wenn Vettel noch genug Racing-Blut in seinen Adern verspürt.

In Corona-Zeiten leidet der Motorsport noch unter einem anderen Virus

Corona ist in aller Munde, aber wenn es um den Motorsport geht, dann sorgt nicht allein Corona für Kopfschmerzen. Der Motorsport leidet noch unter einem anderen Virus, der am Ende sogar zu einer Selbstzerstörung führen könnte. Problem Nummer 1: Motorsport ist in Zeiten des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. Problem Nummer 2 ist hausgemacht: Eine Einigkeit unter den Firmen gibt es nicht, jeder versucht nur seine Vorteile zu sichern, denn nur Siege bescheren die nötige Aufmerksamkeit. Da sind wir aber bei Problem Nummer 3: Mit Erfolgen im Motorsport erzielt man nicht mehr den großen Imagegewinn wie früher. Wir sehen: Ein weitgestreutes Virus lässt den Motorsport leiden. Am Ende der Corona-Zeiten werden auch da Opfer zu beklagen sein.

Aktuelles Beispiel ist natürlich die DTM (Deutsches Tourenwagen-Masters), der Audi wohl den Todesstoß versetzt hat. Ein Blick zurück zeigt, wie sehr der angekündigte Ausstieg von Audi die DTM trifft. Letztes Rennen in Hockenheim, auf dem Siegerpodest verspritzen Nico Müller, Mike Rockenfeller und Gesamtsieger Rene Rast den Champagner. Alle drei fahren für Audi! 2021 wollen die Ingolstädter nicht mehr dabei sein, ob 2020 überhaupt gefahren wird, steht wie bei vielen Sportveranstaltungen in den Sternen. Nach dem Ausstieg von Mercedes und dem nur einjährigen Gastspiel von Aston Martin steht BMW jetzt alleine da. Da wird DTM-Chef Gerhard Berger bald nur noch das Ende der Serie verkünden können. Dabei war er hoffnungsvoll gewesen und sah eine Zusammenarbeit mit der japanischen Super-GT-Serie als Rettung. Mehr Internationalität, mehr Aufmerksamkeit und damit mehr Sponsoren und Teilnehmer war seine Kalkulation. Er hat sich verrechnet.

Es ist ein Bild der Zukunft: Audi sagt Nein zur DTM, aber Ja zur Formel E. Die Elektro-Serie elektrisiert die Konzerne, da sind neben Audi auch Mercedes und BMW dabei und diese Rennen sind auch im Zeichen des Klimawandels zeitgemäß, der Motorsport will auf leisen Sohlen quasi überleben. Die Formel E mit ihren Rennen in den Großstädten der Welt wird über kurz oder lang auch der Formel 1 den Rang als Königsklasse ablaufen.

Die Formel 1 ist auch ohne Corona krank. Gut, das Virus ist natürlich schuld, dass die Rennen 2020 bisher alle abgesagt werden mussten, alle Zukunftspläne mit Kostenreduzierung und neuen Regeln 2021 wurden zunichte gemacht. Jetzt kämpft die Formel 1 ums Überleben, versucht verzweifelt einige Rennen zu retten, wo doch 2020 eine Rekordsaison mit 22 Rennen sein sollte. Jetzt wird ein Start am 5. Juli in Spielberg ins Auge gefasst, ohne Zuschauer natürlich, nur für das Fernsehen. Sogar ein zweites Rennen am 12. Juli ist möglich und am 19. soll es in Silverstone in England weitergehen. Selbst Hockenheim, 2020 eigentlich Zuschauer, kommt wieder ins Gespräch. Geisterrennen kann man sich vielleicht eher vorstellen als Geisterspiele im Fußball. Corona hat viele Geister ins Sportlerleben gebracht. Der Vorteil der Formel 1: Die Mechaniker sind sowieso unter ihren Helmen mit Visier geschützt. Zumindest beim Rennen und Training.

Die Formel 1 versucht verzweifelt die Gegenwart zu meistern, aber die Zukunft sieht dennoch eher düster aus. Die neuen Besitzer, der US-Konzern Liberty Media, werden nicht glücklich mit dem Motorsport weil Boss Chase Carey den Laden nicht im Griff hat, Bernie Ecclestone kann nur den Kopf schütteln. Und so werden nur Schreckensmeldungen in die Welt gesetzt. Keine Einigkeit bei den Rennställen über die Kostendeckelung, die den Großen zu weit, den Kleinen aber nicht weit genug geht. Ferrari setzte sogar das Gerücht des Ausstiegs in die Welt, doch jeder weiß, die Formel 1 ist für Ferrari überlebensnotwendig. Wenn es nur endlich wieder Siege gäbe. Aber auch um Seriensieger Mercedes ranken sich Gerüchte, die Stuttgarter müssen wie alle Firmen sparen, haben Kurzarbeit ausgerufen und sinnieren schon, ob sich die Formel 1 noch lohnt. Dazu wurde aus dem Chefstrategen Toto Wolff ein unsicherer Kantonist, Gerüchte sind ein Trennungsvirus: Mal sieht man ihn als neuen Formel-1-Chef, mal sieht man ihn zur Konkurrenz abwandern, mal wird kolportiert, dass er sich ganz aus dem Motorsport zurückzieht. Nur über die Zukunft bei Mercedes wird wenig geredet. Und die Vertragsverlängerung von Weltmeister Lewis Hamilton ist auch noch offen. RTL-Experte Ralf Schumacher brachte jetzt sogar einen Platztausch von Sebastian Vettel und Hamilton bei Ferrari und Mercedes ins Gespräch. Das würde fast schon den Ausstieg von Mercedes bedeuten.

Corona hält die Welt in Atem und hat den Zerfall des Motorsports weltweit mit Sicherheit beschleunigt. In welchem Tempo das passiert, ist offen. Aber auch hier gilt: Nach Corona wird nichts mehr so sein wie vorher.

2020 ist ein besonderes Jahr für die Formel 1

In den letzten Jahren galt die Formel 1 oft als langweilig und hat sicherlich viele Fans verloren. 2020 wird ganz anders werden und vielleicht gewinnt die Formel 1 wieder viele Fans hinzu. In Zeiten des Coronavirus wird es auch für den Motorsport ein schwieriges Jahr und dennoch herrscht vor dem Start am Sonntag, 15. März, in Melbourne viel Optimismus.

2020 ist nämlich ein besonderes Jahr für die Formel 1. Zunächst einmal werden Jubiläen gefeiert: Ferrari steht vor seinem 1000. Grand Prix (dabei erinnern wir uns an den ersten WM-Titel von Michael Schumacher mit Ferrari 2000) und die Königsklasse feiert in Silverstone ihren 70. Geburtstag (ihr Ex-Boss Bernie Ecclestone wird im Oktober stolze 90). Ein besonderes Jahr ist 2020 auch, weil ein totaler Umbruch bevorsteht. 2020 ist das letzte Jahr der „alten Formel 1“, die 2021 mit einer Regel-Revolution und Kostenbegrenzung von 153 Millionen Euro für jeden Rennstall total auf den Kopf gestellt wird. Dann könnten sich auch die Machtverhältnisse vollkommen verschieben.

2020 könnte deshalb ein besonderes Jahr für Mercedes und Titelverteidiger Lewis Hamilton werden, aber auch für Ferrari und Sebastian Vettel. Mercedes will seine beeindruckende Siegesserie fortsetzen, Hamilton die Chance nutzen, den Rekord von Michael Schumacher einzustellen und zum siebten Mal Weltmeister werden. Ab dem nächsten Jahr werden die Unwägbarkeiten größer. Ferrari und Sebastian Vettel träumen erneut vom lang ersehnten Titelgewinn, für Vettel könnte es sogar die letzte Chance sein. Wird er nicht Weltmeister, steht eine Vertragsverlängerung bei den „Roten“ in den Sternen. Der Deutsche hat zwei Hürden zu nehmen: Einmal muss das Auto im Jubiläumsjahr für ihn passen und vor allem auch stark genug sein, zum anderen ist da sein Teamkollege Charles Leclerc, der ihm im Vorjahr schon das Leben schwer gemacht hat. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr landete Vettel am Ende hinter den Mercedes-Fahrern Hamilton und Bottas sowie hinter Verstappen mit dem Red Bull und Leclerc nur auf Rang fünf. Mit zahlreichen Fehlern hat er sich selbst eine bessere Platzierung verbaut. Nun muss sich zeigen: Was kann Vettel wirklich! Bleibt er der Pannen-Basti?

2020 wird für zwei Rennstrecken ein besonderes Jahr: Zandvoort in den Niederlanden erlebt am 3. Mai ein Comeback nach 35 Jahren Pause. Die Begeisterung ist groß und könnte nur von Corona gebremst werden. Das gilt auch für Hanoi, denn am 5. April soll in Vietnam die Formel-1-Premiere gefeiert werden, doch macht die Epidemie die Austragung fraglich. Abgesagt wurde wegen Corona bereits der Lauf in Shanghai am 19. April, ob er nachgeholt wird, steht noch nicht fest. Statt der Rekordzahl von 22 könnte es also nur 21 oder 20 Rennen geben. Fehlen wird auf jeden Fall Deutschland, Zandvoort erhielt den Vorzug vor Hockenheim.

2020 wird deshalb auch für die deutschen Fans ein besonderes, eher trauriges Jahr. Mercedes (wobei das Auto ja eher ein Engländer ist) und Sebastian Vettel halten die deutsche Fahne hoch. Nico Hülkenberg musste ja leider seinen Platz bei Renault räumen und konnte sich kein neues Cockpit angeln. Es gab mal eine Zeit, da galt die Formel 1 als deutsch.

2020 könnte aber auch ein schwieriges Jahr werden, nicht nur wegen Corona und den Einschränkungen (so wird es in Bahrain keine Zuschauer geben). Im Vorfeld der neuen Saison kochte schon ein Streit von Ferrari gegen den Rest der Teams hoch, die den Italienern Betrug vorwarfen. Es geht um eine Benzin-Manipulation, die der Weltverband nicht genügend geahndet habe. Die FIA untersuchte den Vorgang, kam zu dem Urteil, dass wohl nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei, aber Beweise könne sie keine vorlegen, deshalb keine Bestrafung, sondern ein Vergleich, dessen Inhalt zwischen den Parteien bleiben solle. Das riecht ziemlich deutlich Klüngelei und brachte logischerweise die Konkurrenz auf die Palme. Möglich, dass der Streit wieder hoch kocht, so dachte Besitzer Gene Haas schon laut über einen Rückzug seines Teams nach. Die Formel 1 wie sie leibt und lebt. Corona ist nicht der einzige Virus.

Die Rennen: 15. März (6.10 Uhr) Melbourne/Australien. 22. März (16.10 Uhr je MEZ) Manama /Bahrain. 5. April (9.10 Uhr MESZ) Hanoi/Vietnam. 19. April (8.10 Uhr) Shangai/China verschoben. 3. Mai (14.10 Uhr) Zandvoort/Niederlande. 10. Mai (15.10 Uhr) Barcelona/Spanien. 24. Mai (15.10 Uhr) Monte Carlo/Monaco. 7. Juni (14.10 Uhr) Baku/Aserbaitschan. 14. Juni (20.10 Uhr) Montreal/Kanada. 28. Juni (15.10 Uhr) Le Catellet/Frankreich. 5. Juli (15.10 Uhr) Spielberg/Österreich. 19. Juli (16.10 Uhr) Silverstone/England. 2. August (15.10 Uhr) Budapest/Ungarn. 30. August (15.10 Uhr) Spa/Belgien. 6. September (15.10 Uhr) Monza/Italien. 20. September (14.10 Uhr) Singapur. 27. September (13.10 Uhr) Sotschi/Russland. 11. Oktober (6.10 Uhr) Suzuka/Japan. 25. Oktober (20.10 Uhr) Austin/USA. 1. November (20.10 Uhr) Mexico City/Mexiko. 15. November (18.10 Uhr) Sao Paulo/Brasilien. 29. November (14.10 Uhr) Abu Dhabi.

König Lewis auf den Spuren von König Michael

Sieben Weltmeistertitel in der Formel 1, einst war man sich sicher, dass Michael Schumacher mit seinen Gesamtsiegen 1994, 1995 und von 2000 bis 2004 fünf Mal in Folge einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt hatte. Michael Schumacher galt für ewig als „König der Formel 1“. Jetzt macht sich allerdings der „Prinz“, der „König der Gegenwart“ auf, die Ewigkeit Gegenwart werden zu lassen. König Lewis befindet sich auf den Spuren von König Michael. Lewis Hamilton macht nämlich deutlich, dass er mit dem vorzeitigen Gewinn des sechsten Titels keineswegs satt ist. Und sein Auto, der Silberpfeil, bietet dem Weltmeister 2019 die Basis dafür, dass er noch Rekorde für die Ewigkeit aufstellen kann.

Michael Schumacher glänzte einst im Ferrari und jetzt können ausgerechnet die Italiener dafür sorgen, dass sein Rekord wirklich für die Ewigkeit hält. Dazu müssen sie aber wieder eine Qualität erreichen wie damals, bei Schumachers Siegen. In diesem Jahr träumten die „Roten“ vom Titelgewinn, doch mit zahlreichen Fehlern standen sie sich selbst im Weg. In der zweiten Saisonhälfte sah es so aus, als sollte Ferrari tatsächlich an Mercedes vorbeiziehen können, doch Bestzeiten in der Qualifikation konnten im Rennen oft nicht in Siege umgemünzt werden. Dazu gab es jetzt noch üble Gerüchte, Ferrari soll technisch getrickst und die Boliden entgegen den Regeln schneller gemacht haben. Nach Kontrollen waren sie in den USA wieder langsamer. Und Lewis Hamilton Weltmeister.

Es hängt nicht nur von Ferrari ab, ob Lewis Hamilton den Rekord von Michael Schumacher einstellen oder sogar brechen kann. Logisch, wenn die Roten wieder einen Schritt nach vorne machen können wie in diesem Jahr und ihre Fehler abstellen, dann sind sie in der Lage, die Mercedes in die Schranken zu weisen. Allerdings müssen sie dann auch in der Mannschaft für Ruhe sorgen und sich entscheiden, wer der Trumpf auf der Strecke sein soll: Routinier Sebastian Vettel, der unter Druck leider zu Fehlern neigt, oder Talent Charles Leclerc, der sich im Übermut manchmal selbst im Wege steht, aber gezeigt hat, dass er der schnellere Fahrer ist. Die Entscheidung könnte für Vettel bedeuten, dass er den Traum vom WM-Titel ad acta legen muss. Oder König Lewis zerstört eben diesen Traum.

Mehr Probleme könnten Mercedes und Hamilton aber ab 2021 mit dem neuen Reglement der Formel 1 bekommen. Das Budget der Teams wird auf 158 Millionen Euro gedeckelt, der Erfindergeist der finanzstarken Teams damit gebremst. Die Technik soll vereinfacht und das ganze Konzept nachhaltiger werden. Dazu soll die Zahl der Rennen auf 25 aufgestockt werden, dafür dauert der Rennzirkus am Wochenende nur noch drei statt vier Tage. Da gibt es also einige Unwägbarkeiten und die Kräfteverhältnisse könnten sich wieder verschieben. Zuletzt war Mercedes der König nach den Regeländerungen, in der Vergangenheit zeigte sich immer, dass Veränderungen neue Könige hervorbringen.

So muss das Formel-1-Volk schon noch warten, ob es einen neuen König bekommt. Noch regiert König Michael, leider kann er es aus gesundheitlichen Gründen wohl nicht verfolgen, und ob König Lewis die Regentschaft, sprich den Rekord, wirklich übernimmt, werden wir frühestens 2021 sehen. Bei Mercedes weiß er, was er hat, kein Wunder, dass er sich vorstellen kann, noch länger für die Stuttgarter zu fahren. Und satt ist der König auch nicht, ihm dürstet nach weiteren Erfolgen. Ferrari wird es nicht gerne hören.

Uli Hoeneß und andere Auffälligkeiten

Der Fußball hat eigentlich genug Aufmerksamkeit, so dass er übertriebene PR-Aktionen gar nicht braucht. So war auch die Aufregung um eine Beschwerde von Torhüter Marc-Andre ter Stegen über eine mangelnde Berücksichtigung in der Nationalmannschaft eigentlich gar nicht nötig. Was muss nur Bayern-Präsident Uli Hoeneß geritten haben, dass er aus einer harmlosen Aussage eine Affäre machte. Die „Abteilung Attacke“ des FC Bayern ist wieder einmal über das Ziel hinaus geschossen und hat nur eines deutlich gemacht: Der angekündigte Rückzug aufs Altenteil ist richtig.

Barcelonas Torhüter beschwerte sich in Spaniens Medien darüber, dass sein Aufenthalt bei der DFB-Elf eine „schwere Zeit“ gewesen sei. Er hätte gern einen Einsatz gehabt, den ihm ja Bundestrainer Joachim Löw auch öffentlich zugesagt hat („ter Stegen wird seine Einsätze bekommen“). Jetzt hätte ter Stegen nach starken Leistungen (auch in Dortmund wieder) gern mal gespielt. Unklar ist, ob ihm Löw Hoffnung auf das Spiel in Nordirland gemacht hat, richtig war, dass Löw in dem vorentscheidenden Match der EM-Qualifikation auf Nummer Sicher ging und mit Manuel Neuer ein Experiment ausschloss. Kapitän Neuer konterte die Attacke von ter Stegen kühl („wir sind eine Mannschaft, das war nicht der richtige Zeitpunkt“) und damit wäre alles erledigt gewesen. Wenn da nicht Uli Hoeneß eine Laus über die Leber gelaufen wäre…

Der Bayern-Boss fühlte Manuel Neuer und Bayern angegriffen und wollte sich in übertriebener Väterlichkeit vor seinen Spieler stellen, machte sich dabei aber fast zur Lachnummer. Aus einer Mücke einen Elefanten zu machen ist dann sinnvoll, wenn man in die Schlagzeilen will, um endlich mal wieder Aufmerksamkeit zu bekommen. Das haben aber weder die Bayern noch Hoeneß nötig. Die Medien ließen natürlich alle möglichen interessanten und uninteressanten Menschen zu Wort kommen und bauschten das Thema auf. Nur einer meldete sich nicht, der wichtigste Mann, nämlich Joachim Löw. Der Bundestrainer wird mit Schrecken an die nächsten Länderspiele gedacht haben, am 9. Oktober das Testspiel gegen Argentinien, am 13. 10. in der EM-Qualifikation in Estland. Ter Stegen wird auf jeden Fall einmal spielen, dann wird es heißen, „man muss sich nur beschweren…“. Schließlich gibt es so gleich wieder eine schöne Schlagzeile. Dies ist das einzig Negative, ter Stegen hat Löw unter Druck gesetzt, aber Uli Hoeneß ist schier geplatzt.

Es gab aber nicht nur Uli Hoeneß, sondern auch noch andere Auffälligkeiten. So zum Beispiel die Pleiten der Bundesligisten auf Europas Bühne. Leverkusen blamierte sich beim 1:2 gegen Lokomotive Moskau in der Champions League, Borussia Mönchengladbach verkam beim 0:4 gegen den Wolfsberger AC aus Österreich zur Lachnummer. Frankfurt mühte sich dagegen gegen Arsenal London, wenn am Ende auch ein 0:3 stand. Trotz Siegen von Bayern, Leipzig und Wolfsburg (allerdings Zuschauerpleite) und dem achtungsvollen 0:0 von Dortmund gegen Barcelona hat die Bundesliga also insgesamt keine gute Figur in der ersten Runde der Europapokalwettbewerbe abgegeben.

Apropos Europa, auffällig ist, dass einige Star-Klubs schwächeln. So Real Madrid, das beim 0:3 in Paris unterging, sich national aber wieder gefangen hat, dafür gibt es jetzt Krach in Barcelona nach einer 0:2-Pleite in Granada und nur Platz acht in der Liga. Da tobte sogar der sonst so ruhige Lionel Messi. Dafür sorgt der umstrittene Brasilianer Neymar in Paris für Auffälligkeiten, mit Toren dankt er Trainer Thomas Tuchel dafür, dass dieser den Wechselwilligen in Gnaden wieder aufgenommen hat. So kann St. Germain eine Verletzungsmisere kaschieren. Auffällig auch, dass Serien-Meister Juventus Turin in Italien nicht die Nummer 1 ist, sondern derzeit Inter Mailand. Deutet sich da ein Erdbeben an? In Spanien ist es Athletic Bilbao (!), in England dagegen der FC Liverpool. Der hat sogar nach dem 2:1 bei Chelsea weiter fünf Punkte Vorsprung vor Verfolger Manchester City, das zuletzt gegen Neuling Norwich patzte. Da nützte es nichts, dass sich die Pep-Schützlinge gegen Watford mit 8:0 den Frust von der Seele schossen.

Auffällig in der Bundesliga die Verletztenmisere bei Werder Bremen. Ungefähr zehn Stammspieler fehlen Trainer Florian Kohfeldt, für den vor allem der Ausfall von Torjäger Niclas Füllkrug ein Schock war. Da war das 0:3 gegen Leipzig nur logisch und jetzt geht es auch noch nach Dortmund. Auffällig aber, dass RB Leipzig damit weiter von der Tabellenspitze grüßt, Dortmund aber die erste Verfolgerrolle mit dem 2:2 in Frankfurt an die Bayern abtrat. Bei den Bayern läuft nicht alles rund, aber das wird überdeckt von der Tormaschine Robert Lewandowski und von der Freude über Neuzugang Coutinho, der immer mehr andeutet, welche Verstärkung er für die Münchner sein kann.

Eine besondere Auffälligkeit auch außerhalb des Fußballs: Sebastian Vettel hat in Singapur in der Formel 1 sein erstes Rennen nach über einem Jahr gewonnen! Zuletzt hatte der Heppenheimer mehr mit Fehlern und Hinterherfahren für Schlagzeilen gesorgt, er wurde zum Sorgenkind. Vielleicht hat ihm jetzt deshalb Ferrari den Sieg geschenkt, denn eine verkorkste Stallregie bremste den führenden Charles Leclerc aus und brachte Vettel nach vorn. Die Folge: Krach bei Ferrari, Leclerc will sich das nicht gefallen lassen. Auch Mercedes half gnädigerweise mit einer verpatzten Stallregie für Hamilton und Bottas mit, als wenn man sagen wollte, wir müssen diesen mutlosen Sebastian Vettel ein bisschen aufzubauen. Hoffentlich hält sich Vettel nicht gleich wieder für den Größten. Andererseits wird es mal wieder an der Zeit, dass Mercedes zeigt, dass es noch siegen kann, nachdem jetzt Ferrari dreimal vorn lag und damit eine Wiederauferstehung feierte. Die Formel 1 aber freut sich über die Spannung vor dem nächsten Rennen am Sonntag in Sotschi.

Ein Hinweis: In dieser Woche noch ein Kommentar zur bevorstehenden Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar.

Die Sieger und Verlierer der Formel 1

Die Sommerpause nach dem Rennen in Ungarn dürfte der Formel 1 sehr ungelegen kommen (weiter geht es am 1. September in Spa), denn die letzten Rennen machten eigentlich Lust auf mehr. Endlich gab es die Spannung, nach der die Motorsportfans schon lange gelechzt haben. Die Formel 1 also als Sieger. Allerdings werden einige Teams auch froh sein um die Pause, denn die wollen sie nutzen, um ihre Rennwagen zu verbessern. Ferrari zum Beispiel. Der Sport-Grantler nutzt die Sommerpause zu einer Zwischenbilanz und zeigt auf, wer als Sieger und wer als Verlierer gelten kann.

Die Sieger der Formel 1

Lewis Hamilton: Der Weltmeister befindet sich auf dem Weg zur nächsten erfolgreichen Titelverteidigung, es wird für ihn der sechste Titel und damit wäre der siebte und der Rekord, den Michael Schumacher hält, nicht mehr weit. Zum Sieger macht ihn vor allem die Tatsache, dass er fahrerisch überzeugen konnte, es liegt nicht nur am Auto. Das bewies der 34-Jährige Engländer eindrucksvoll bei der Aufholjagd in Ungarn.

Mercedes: Die Silberpfeile sind seit fünf Jahren schier unschlagbar, holten sich immer den Konstrukteurstitel. Das wird auch in diesem Jahr so sein, immerhin zeigt die Konkurrenz aber dann und wann mal die Zähne.

Max Verstappen: Der 21-Jährige Niederländer gilt als Heißsporn, sein fahrerisches Talent zeigt er schon lange, mancher Crash beschädigte aber seinen guten Ruf. Scheinbar ist er bedachter und damit noch schneller geworden. Endlich schaffte er auch seine erste Pole Position und machte damit deutlich: Ich bin für Hamilton und Mercedes der Herausforderer Nummer 1!

Aston Martin Red Bull Racing: Nennen wir mal den offiziellen Titel des Rennstalls. Vor der Saison war vom Zweikampf zwischen Mercedes und Ferrari die Rede, Red Bull wurden höchstens Außenseiterchancen eingeräumt. Jetzt ist Red Bull dabei, den „Roten“ Rang zwei abzulaufen. Hinter Mercedes (438 Punkte) ist Ferrari (288:244) allerdings noch Zweiter. Was Red Bull fehlt, ist ein zweiter starker Fahrer, Pierre Gasley ist es wohl nicht.

Charles Leclerc: Ferrari hat den zweiten starken Fahrer, was heißt den zweiten, der 21-Jährige Monegasse ist fast schon die Nummer 1 im Team, zumindest macht er Vettel gehörig Druck und wird ihn bald nicht mehr gemäß Stallorder vorbeilassen. Leclerc gehört im Team die Zukunft.

Die Verlierer der Formel 1

Sebastian Vettel: Logisch, vor der Saison muss man auf Optimismus machen und forsch Siegeswillen zeigen. Der Heppenheimer konnte die Erwartungen aber in keiner Weise erfüllen und es liegt nicht allein am Auto. Statt von Heldentaten zu berichten, wie es von Leclerc oder Hamilton der Fall war, wurden bei Vettel die Fehler aufgezeigt. Innerhalb eines Jahres seit Juli 2018 verlor er neun Rennen durch seine Fehler. Heute wird eher gemunkelt, ob Vettel, der bei Ferrari noch einen Vertrag bis 2020 besitzt, nicht schon am Ende dieser Saison zurücktritt.

Ferrari: Ein Deutscher sollte die glorreichen Zeiten eines Michael Schumacher wieder zurückbringen. Vettel schaffte es bekanntlich nicht. Aber Ferrari schaffte es auch nicht, ein Auto auf die Straße zu bringen, das ernsthaft um den Titel mitfahren kann. Jedes Jahr das gleiche Spiel, vor der Saison große Töne, nach der Saison Katzenjammer. Die Roten bremsen sich selbst aus.

Valtteri Bottas: Der Finne kam mit Elan und Mut aus der Winterpause zurück und zeigte sich als Herausforderer für Hamilton. Doch der Schwung ist dahin, vielleicht stoppt den bald 30-Jährigen die Tatsache, dass er an dem Engländer doch nicht vorbei kann. Zweifel statt Selbstvertrauen und die traurige Zukunft, dass über seinen Platz spekuliert wird. Der junge Franzose Esteban Ocon (derzeit Testfahrer bei Mercedes) gilt als Nachfolger. Kaum glaubhaft, dass Max Verstappen als Konkurrent von Hamilton ins gleiche Team wechselt.

Renault: Eigentlich sollte der nächste Schritt Richtung Spitze gemacht werden, doch die Franzosen treten auf der Stelle. An den Fahrern Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg liegt es wohl nicht, die haben ihr Können schon bewiesen. Sie haben kein Spitzenauto zur Verfügung. Im Moment liegen sogar noch McLaren und Toro Rosso vor Renault (derzeit Sechster in der Teamwertung).

Hockenheimring: Möglich, dass wir 2019 das letzte Formel-1-Rennen in Deutschland gesehen haben, die finanzielle Situation ist zu kompliziert geworden, die Formel 1 für die deutschen Veranstalter Nürburgring und Hockenheimring zu teuer. Wenn ein Traditionsstandort verloren geht, wird auch die Formel 1 zum Verlierer. Ob Expansion um des schnöden Geldes Willen wirklich weiterhilft? Neben Hockenheim ist auch die Zukunft von Barcelona und Monza ungewiss, dafür stehen die neuen Standorte Zandvoort in den Niederlanden (wohl wegen Verstappen und der Begeisterung der holländischen Fans) und Hanoi in Vietnam bereit. 21 Rennen soll es 2020 geben, mit Saudi-Arabien wird verhandelt.

Vielleicht gibt es einen Retter für Formel-1-Rennen in Deutschland. Er hat einen bekannten Namen, er heißt Schumacher, Mick Schumacher, der Sohn von Michael. In Ungarn gewann der 20-Jährige sein erstes Rennen in der Formel 2, die als Sprungbrett für die Formel 1 gilt. Er hat das Talent, um den Sprung wirklich zu schaffen und Formel-1-Boss Chase Carey ließ bereits verlauten, „Mick hat einen besonderen Platz bei uns“. Begeisterung in Deutschland könnte wieder Vollgas für die Formel 1 hierzulande bedeuten. Hoffnung für Hockenheim.

Träumer Vettel greift nach den Sternen

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ – der Film war ein Erfolg, in dem ein Mann in einer Zeitschleife fest hing und eine tägliche Wiederholung erlebte. Ähnlich geht es der Formel 1, die Jahr für Jahr darauf hofft, dass die Rennen spannender und interessanter werden und Mercedes vielleicht einmal nicht Weltmeister. 2019 gilt diese Hoffnung also auch, dass sie in diesem Jahr noch ein bisschen größer ist, hängt mit verschiedenen Regeländerungen zusammen. So machen sich manche Fahrer Mut, „jeder kann Weltmeister werden“, sagt zum Beispiel Max Verstappen und meint damit natürlich sich selbst und Red Bull. Am Sonntag, 17. März, geht es in Melbourne los, am 1. Dezember, wenn in Abu Dhabi das letzte Rennen beendet ist, heißt es vielleicht wieder „Weltmeister Lewis Hamilton, Weltmeister Mercedes“ – und jährlich grüßt das Murmeltier der Formel 1.

Dass dies nicht so wird, davon träumt vor allem Sebastian Vettel und davon träumt Ferrari. Für den Deutschen ist 2019 vielleicht die letzte Chance, die Träume der Italiener Wirklichkeit werden zu lassen, bei einem erneuten Scheitern verlieren sie wohl den Glauben an ihre Nummer 1. Vettel will aber endlich wirklich im doppelten Sinne nach den Sternen greifen und denkt dabei auch an sein Vorbild Michael Schumacher. Der Rekord-Weltmeister holte seinen ersten Titel mit Ferrari auch im fünften Jahr bei den Roten und im Team gab es eine Aufbruchstimmung: Mattia Binotto löste den überforderten Maurizio Arrivabene als Teamchef ab, der 49 Jahre alte Schweizer war einst (gutes Omen!) Motoringenieur bei Schumacher. Dazu soll der neue Mann an Vettels Seite neuen Schwung bringen, der 21-Jährige Jungstar Charles Leclerc anstelle von Routinier Kimi Räikkönen. Viele glauben sogar, dass Leclerc dem Deutschen um die Ohren fahren könnte. Na, davon träumt Vettel nicht.

Im doppelten Sinne nach den Sternen greifen heißt, den Titel gewinnen und Mercedes einen Rekord vermasseln. Die Silberpfeile mit dem Stern holten jetzt fünfmal hintereinander den Titel, sechsmal in Folge schaffte nicht einmal Schumacher mit Ferrari. Trotz dieser Serie gehen die Stuttgarter nicht einmal als Favorit ins Rennjahr, weil eben Ferrari Fortschritte erkennen lässt, was sich in den Testfahrten zeigte, weil ein in Teilen neues Reglement die Kräfteverhältnisse verschieben könnte und auch andere Konkurrenten den Tests nach aufgeholt haben. In erster Linie hofft Red Bull auf mehr Siege, aber auch Renault sieht sich in einer besseren Position.

Es könnte wirklich eine interessante Saison werden, die Korrekturen an den Autos sollen zum Beispiel besseres Überholen ermöglichen. Auffallend sind breitere Heck- und Frontflügel, Fahrer und Autos dürfen schwerer sein. Bei den Reifen ist eine neue Taktik erforderlich, es gibt nur noch fünf statt sieben Reifentypen, drei davon für jedes Rennen. Vorteil Mercedes: James Vowles von Mercedes gilt als bester Rennstratege. Vorteil Mercedes: Nach anfänglichen Problemen hat es Mercedes noch immer verstanden, einen eventuellen Rückstand zu Ferrari in einen Vorsprung umzuwandeln. Lewis Hamilton ist auf die ganze Saison gesehen der nervenstärkere Fahrer gegenüber Vettel. In den Tests beeindruckte Ferrari mit Schnelligkeit, Mercedes mit Haltbarkeit. Ein Extra-Zuckerl noch im Jubiläumsjahr, 70 Formel 1: Für die schnellste Rennrunde gibt es einen Extrapunkt, der Fahrer muss allerdings unter den ersten zehn platziert sein.

Was die Fahrer angeht, so hat sich einiges getan. Zwölf Cockpits sind neu besetzt. Neulinge sind George Russell bei Williams, Alexander Albon bei Torro Rosso und Lando Norris bei McLaren. Im Mittelpunkt aber das Comeback des Polen Robert Kubica, der 2008 in Kanada seinen einzigen Grand Prix gewann, 2011 aber bei der Rallye Andorra schwer verunglückte. Der rechte Arm und die rechte Hand sind in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigt, viele zweifeln, ob man unter diesen Umständen einen Rennboliden steuern kann. Kubica galt als großes Talent und war bei Testfahrten schnell, wie aber kann er kritische Situationen meistern. Williams gibt ihm eine Chance. Der spektalulärste Wechsel war wohl der von Daniel Ricciardo von Red Bull zu Renault, wo der Australier Partner von Nico Hülkenberg wird. Der Deutsche kann sich nun beweisen, wie schnell er wirklich ist. Ricciardo hatte wohl die Zusammenarbeit mit Heißsporn Verstappen satt. Red Bull setzt übrigens jetzt auf Motoren von Honda, weil man mit Renault nicht zufrieden war.

Mit einem Schock musste die Formel 1 unmittelbar vor dem Start in Melbourne auch leben, denn Charlie Whiting, der anerkannte und beliebte Renndirektor starb am Mittwoch mit 66 Jahren an einer Lungenembolie. Whiting galt als „Stimme der Vernunft“ und „Eckpfeiler des Sports“, die Formel 1 wird ihn also sehr vermissen.

Die 21 Rennen: 17. März Australien, 31. März Bahrain, 14. April China, 28. April Aserbaidschan, 12. Mai Spanien, 26. Mai Monaco, 9. Juni Kanada, 23. Juni Frankreich, 30. Juni Österreich, 14. Juli Großbritannien, 29. Juli Deutschland, 4. August Ungarn, 1. September Belgien, 8. September Italien, 22. September Singapur, 29. September Russland, 13. Oktober Japan, 27. Oktober Mexiko, 3. November USA, 17. November Brasilien, 1. Dezember Abu Dhabi.

Die Teams: Mercedes: Lewis Hamilton, Valterri Bottas. Ferrari: Sebastian Vettel, Charles Leclerc. Aston Martin Red Bull: Pierre Gasly, Max Verstappen. Renault: Daniel Ricciardo, Nico Hülkenberg. Haas: Romain Grosjean, Kevin Magnusson. McLaren: Lando Norris, Carlo Sainz jr. Racing Point: Sergio Perez, Lance Stroll. Alfa Romeo Sauber: Kimi Räikkönen, Antonio Giovinazzi. Toro Rosso: Alexander Albon, Daniil Kwyat. Williams: George Russell, Robert Kubica.