Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Fußball

Schiedsrichter spielen Schicksal

 

Überall dort, wo der Mensch urteilt, passieren Fehler. Im Sport wird dies besonders deutlich, bei Wertungs- und Punktrichtern bzw. im Mannschaftssport bei Schiedsrichtern. Eine besondere Brisanz erhalten Fehlentscheidungen vor allem beim Fußball, wo es um viel Geld geht. Da spielen die Schiedsrichter Schicksal, sie entscheiden mit über Meisterschaft und Abstieg, ja sie können sogar die Existenz eines Vereins gefährden. Die Fußball-Bundesliga ist da ein gutes Beispiel. Der Internet-Dienst www.wahretabelle.de rechnet aus, wie sich die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter auswirken und siehe da, es hätte ohne falsche Pfiffe einen ganz anderen Absteiger gegeben!

Zum Glück wurde die Meisterschaft nicht durch die Schiedsrichter entschieden, auf den ersten drei Plätzen gibt es keine Verschiebungen. Aber dahinter! Nach der „wahren Tabelle“ wäre Hertha BSC Berlin Vierter und damit in der Qualifikation zur Champions League und nicht in der zur Europa League, die wäre damit nämlich sicher. Zehn Punkte mehr hätten die Berliner und landeten vor Mönchengladbach (minus drei) und Köln (plus acht). Aus dem Rennen wären Schalke 04 (minus eins) und Mainz 05 (0). Die Folgen sind gravierend, bedeuten bares Geld. Der Glückliche kann kassieren, der Unglückliche schaut auf die leere Kasse.

Noch entscheidender haben sich die falschen Pfiffe im Abstiegskampf ausgewirkt. Der VfB Stuttgart ist neben Hannover der sportliche Absteiger, aber bei immer korrekten Entscheidungen hätte es Eintracht Frankfurt getroffen und Hoffenheim hätte in die Relegation gemusst!

So sah die Tabelle aus: 15. Hoffenheim 37 Punkte, 16. Frankfurt 36, 17. Stuttgart 33.

So sieht die „wahre Tabelle“ aus: 15. Stuttgart 35, 16. Hoffenheim 29, 17. Frankfurt 27.

Besondere  Auswirkungen hat das natürlich für den VfB Stuttgart, der in die 2. Bundesliga absteigen muss. Die Schiedsrichter spielten also Schicksal und es wird sich zeigen, welchen Schaden der VfB nimmt. Kommt er gleich zurück und ereilt ihn ein Schicksal wie viele Absteiger, die quasi ewige vergebliche Anläufe zum Aufstieg nehmen? Glücklich schätzen darf sich die Eintracht, der dieses Schicksal erspart blieb, weil sie die Relegation gegen Nürnberg bestand und natürlich auch Hoffenheim, das gar nicht in diese Gefahr kam. Es war ein gütiges Schicksal. Allerdings: Hier geht es um Millionen, die Stuttgart verlieren durch den Abstieg 20 – 30 Millionen Euro, müssen ihren Etat halbieren. Dies zeigt deutlich: Es muss Mittel und Wege geben, die falschen Pfiffe zu reduzieren.

Die Fachzeitung kicker spricht von „Problemen an der Pfeife“ und hat festgestellt, dass die Schiedsrichter eine ganz schwache Saison hatten. Der ehemalige Schweizer FIFA-Schiedsrichter Urs Meier urteilt: „Die Schiedsrichter sind grundsätzlich noch amateurhaft“. Er fordert bessere Vorbereitung, bessere Einstellung, also den Profi-Schiedsrichter für Profi-Fußballer. Das nächste Mittel wird wohl der Videobeweis sein, der zumindest einen Teil der groben Fehler einschränken kann. Falsche Elfmeterpfiffe und falsche Rote Karten tun besonders weh. Am Ende könnte die „wahre Tabelle“ so sein, dass sie sich von der Wirklichkeit nicht gravierend unterscheidet. Das wäre im Sinne des Sportes. Auf der anderen Seite staunt der Sport-Grantler, dass noch kein Absteiger versucht hat, sich über die „wahre Tabelle“ in die Bundesliga zurückzuklagen. Allerdings wäre das das Ende des regulären Spielbetriebs. Auch die Spieler könnten viel dazu beitragen, den Schiedsrichtern zu helfen. Wenn sie wirklich nach dem Fair Play handeln würden. Aber das gibt es wohl nur in einem Fußball-Märchen.

Sport in Deutschland: Fußball, Fußball, Fußball, Fußball

 

Viele Sportfunktionäre regen sich in Deutschland auf, wenn sie nicht gerade im Fußball tätig sind: „In Deutschland gilt ja nur der Fußball.“ Das bezieht sich vor allem auf die öffentliche Wahrnehmung in den Medien, speziell Fernsehen und Zeitungen. Die Begeisterung für den Fußball wird im Fernsehen vor allem an den Einschaltquoten festgemacht, in den Tageszeitungen nimmt der Fußball breiten Raum, alles andere sieht sich in der Kategorie „unter ferner liefen“. Der Beweis ist erbracht: Sport in Deutschland ist Fußball, Fußball, Fußball, Fußball.

Nummer 1 Fußball: Die Bundesliga steht natürlich ganz oben, für die Übertragungsrechte wird jetzt wohl die Milliarden-Grenze gesprengt, der Bezahlfernsehsender Sky lebt vor allem vom Fußball, die Sportschau am Samstag ist ebenso Kult wie Radio-Reportagen am Nachmittag mit der berühmten Konferenzschaltung, die Sky auf den Bildschirm übernommen hat.

Nummer 2 Fußball: Die 2. Bundesliga steht zwar im Schatten des Oberhauses, aber der Sender Sport1 möchte auf sie nicht verzichten, das Abendspiel am Montag ist fester Bestandteil und es gibt Kritik, dass die Bundesliga diesen Tag künftig fünfmal für sich beanspruchen wird.

Nummer 3 Fußball: Die 3. Liga hat sich als „Vorläufer“ für die Bundesliga am Samstag in der Sportschau etabliert, die Einschaltquoten sind beachtlich.

Nummer 4 Fußball: Selbst die Regionalliga hat Aufnahme im Fernsehen gefunden, Sport1 hat mit Übertragungen gute Erfahrungen gemacht und will den Amateuren weiterhin eine Plattform bieten. Da wurde sogar die ARD aufmerksam, die am Samstag, 28. Mai, jetzt einen „Finaltag der Amateure“ ins Programm gehoben hat. Von 12.30 Uhr bis 20.00 Uhr gibt es in Konferenzschaltungen 17 Finalspiele des Länderpokals. Da fragen sich andere Sportarten: Gibt es nur Fußball, Fußball, Fußball, Fußball?

Vor allem die anderen Mannschaftssportarten leiden. Die Bundesliga im Handball wird gern als „die beste Liga der Welt“ bezeichnet, doch die Wahrnehmung in der breiten Öffentlichkeit ist gering. Basketball bekam Aufmerksamkeit durch das Mitwirken des FC Bayern München, aber ansonsten ist allein NBA-Star Dirk Nowitzki eine Notiz wert. Eishockey steht noch weiter hinten dran, selbst die Weltmeisterschaft in den letzten Wochen bekam kaum Aufmerksamkeit. Woran das liegt? Die Vereine sind nicht bekannt, geschweige denn die Spieler. Der Fernsehsender Sport1 hat die Erfahrung gemacht, dass die Regionalliga im Fußball mehr Zuschauer findet als Handball und Basketball. Im Schnitt wurden 470.000 Zuschauer erreicht, beim Handball sind es 250.000, beim Basketball gerade mal 100.000. Diese Zahlen zählen.

Im Fußball zählt offensichtlich Tradition, denn viele Klubs der Regionalliga haben eben einen guten Namen, stehen für eine zum Teil glorreichen Vergangenheit: Geballt im Südwesten mit Waldhof Mannheim, Kickers Offenbach, Eintracht Trier, 1. FC Saarbrücken, Hessen Kassel, Wormatia Worms, im Westen beeindruckten früher Rot-Weiß Essen, Alemannia Aachen, Viktoria Köln oder Wattenscheid 09, im Norden sorgten der VfB Oldenburg oder SV Meppen schon für Furore, im Süden Jahn Regensburg, Wacker Burghausen und Vikoria Aschaffenburg. Sage keiner Namen sind nur Schall und Rauch, sie zählen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma gibt es für die anderen Sportarten nicht. Sie können nur mal kurz aus dem Schatten des Fußballs treten, wie der Handball, als die Nationalmannschaft Europameister wurde und rund 13 Millionen vor die Bildschirme holte. Die Begeisterung färbte auf die Liga nicht ab. Im Winter füllen Skisport und Biathlon die Lücke, die der Fußball mit der Winterpause hinterlässt. Aber selbst in dieser Zeit können sich Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey nicht in den Vordergrund spielen. Ein Problem, das sie schon ewig aus der Welt schaffen wollen, aber Lösungen wurden bis heute nicht gefunden. Es bleibt halt bei Fußball, Fußball, Fußball, Fußball. Und dabei hat der Sport-Grantler die Fußball-Nationalmannschaft sogar noch außen vor gelassen. Bei Welt- und Europameisterschaften werden bei den Einschaltquoten Rekorde erzielt. Selbst das Pokalfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund am Samstag sorgte für einen Rekord, 1379 Millionen saßen im Schnitt vor den TV-Geräten, 18 Millionen waren es in der Spitze. Keine andere Sendung hatte in diesem Jahr mehr Zuschauer. Die Deutschen lieben halt den Fußball.

Fußball-Trainer drehen den Spieß um

 

Das normale Geschäft im Profi-Fußball geht so: Spielt die Mannschaft schlecht und es besteht die Gefahr, dass die anvisierten Ziele nicht erreicht werden, vielleicht sogar der Abstieg droht, dann muss der Trainer gehen. Der Trainer ist bekanntlich das schwächste Glied in der Kette. Vorstand und Manager oder Sportdirektor haben die Macht, eine ganze Mannschaft kann man schlecht austauschen. Mit warmen Worten wird der Coach verabschiedet, er hat tolle Arbeit geleistet, aber es hat halt nicht gepasst. Eine hohe Abfindung versüßt den zeitweiligen Ruhestand.

Inzwischen hat sich das Blatt allerdings gewendet. Gerade in dieser Saison ist es in der Fußball-Bundesliga auffällig, wie viele Trainer im Gespräch sind, ihren Verein von sich aus frühzeitig zu verlassen. Die Fußball-Trainer drehen ganz einfach den Spieß um. Sie sagen zum Saisonende ihrem Verein, ich habe gern bei Dir gearbeitet, aber ich habe Größeres vor. Ade Abstiegskampf, willkommen Champions League. So ungefähr. Es gehört wohl auch zum Geschäft, dass interessierte Vereine Trainer auf ihrem Zettel haben, die woanders noch untere Vertrag stehen. Mit Millionen lassen sich Verträge auflösen.

Bisher kannte man es nur von den Spielern, dass sie ihre Vereine vorzeitig verlassen wollen und andere, höhere Ziele anstreben. Nach dem Bosman-Urteil war es sowieso üblich, dass der Vertrag vorzeitig beendet wurde, damit der Verein noch eine Ablösesumme kassieren kann. Jetzt also auch bei den Trainern. Nehmen wir das Beispiel Markus Weinzierl beim FC Augsburg. In Zeiten, als er schon bei anderen Klubs begehrt war, setzte er ein Zeichen und verlängerte seinen Vertrag beim FCA bis 2019. Jubel im Verein und bei den Fans. Kaum beachtet, aber wohl Wahrheit: Sollte ein gutes Angebot kommen, könne Weinzierl gehen. Der Verein hat dann zwar ein paar Millionen Euro, aber keinen Trainer mehr.

Weinzierl steht nicht allein da, auch Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt hat noch einen Vertrag, flirtet aber heftig mit anderen Vereinen. Die Gerüchteküche kocht. Mittendrin der RB Leipzig, wo Manager Ralph Rangnick die Doppelrolle als Trainer nicht mehr spielen möchte. Viele Namen kursierten, auch Weinzierl war im Gespräch, aber jetzt scheint es auf Hasenhüttl hinaus zu laufen. Das Problem: Erst muss Leipzig in die Bundesliga aufsteigen, damit der Verein für den Österreicher überhaupt interessant wird. Oder nimmt er notfalls den Umweg über die 2. Bundesliga in Kauf? Aber die Brause von Red Bull scheint in Leipzig attraktiver zu sein, als Audi in Ingolstadt.

Seltsam ist, dass Trainer zum Ende der Saison angezählt werden, obwohl ihre Vereine gar nicht so schlecht dastehen. Andre Breitenreiter steht bei Schalke 04 auf verlorenem Posten. Da gibt es Theater um den scheidenden Manager Horst Heldt und den künftigen Manager Christian Heidel, der derzeit noch für seinen alten Verein Mainz 05 arbeitet, aber dennoch Schalke im Visier hat. Offensichtlich mit Markus Weinzierl als neuen Trainer. Breitenreiter kam vor der Saison als Hoffnungsträger, legte den besten Saisonstart aller Zeiten hin und dann ging die Luft aus. Offensichtlich machte er sich im Umfeld unbeliebt, aber nicht bei der Mannschaft. Sollte Weinzierl kommen, könnte er von Anfang an zwischen den Stühlen sitzen. Vom beschaulichen Augsburg ins Chaos von Schalke 04? Wer nach oben will, muss leiden können!

Auch bei Borussia Mönchengladbach wurde Trainer Andre Schubert gefeiert, als er Lucien Favre abgelöst hatte und mit der Mannschaft eine Siegesserie hinlegte. Der Verein konnte gar nicht anders, als der öffentlichen Meinung nachzugeben, dass Schubert, eigentlich als Übergangslösung gedacht, bleiben müsse. Doch seit der Vertragsverlängerung ist der Lack ab, Gladbach rutschte ab, zeigt vor allem eine bedenkliche Auswärtsschwäche. Bezeichnend, dass Schalke und Gladbach bei 45 Punkten beide um einen Platz im europäischen Wettbewerb fürchten müssen, also die Trainer angezählt sind. Hier gilt noch das alte Geschäft.

In Bremen wissen sie nicht so recht, was sie machen sollen. Da soll Trainer Viktor Skripnik die Klasse halten, dennoch wird er angezählt. Geschäftsführer Thomas Eichin zeigt sich mutig und hält am Trainer fest, macht allerdings unterschwellig deutlich, dass diese Treue nur bis zum Ende der Saison gilt. Skripnik macht eine mürrische Miene zum bösen Spiel, zog mit dem 3:2-Sieg aber den Kopf aus der Schlinge. Werder ist für ihn eine Herzensangelegenheit, sonst hätte er schon lange ebenfalls den Spieß umgedreht.

Neu ist auch, dass sich die Trainer heutzutage gern die Freiheit nehmen, ein sogenanntes Sabbatjahr einzulegen. Das können sich freilich nur die großen Namen leisten. Bestes Beispiel war Pep Guardiola, der beim FC Barcelona vorzeitig ging, weil er ausgebrannt war. Nach einem Jahr Pause entschied er sich für den FC Bayern München, zeigte aber auch frühzeitig an, dass er seinen Dreijahresvertrag nicht verlängern würde. Immerhin erfüllt er ihn bzw. darf ihn erfüllen. Ob am Ende auch die Erfüllung steht, nämlich das Triple, das steht in den Sternen. Möglich auch, dass er wieder Pech hat. In München löste er Alt-Meister Jupp Heynckes ab, der sich mit dem Triple verabschiedete. Bei Manchester City sollte Guardiola endlich für internationale Erfolge sorgen, aber gerade jetzt liefert die Mannschaft ihre beste Saison und steht im Halbfinale der Champions League. Armer Pep, wenn City gerade jetzt die Champions League gewinnt…

Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti kommt übrigens ebenfalls ausgeruht zu den Bayern. Er hat nach seiner Aufgabe bei Real Madrid ein Sabbatjahr hinter sich, hat sich abwechseln in Vancouver und New York vergnügt. Es scheint, wir müssen die Fußball-Trainer nicht bemitleiden. Sie haben immer mehr das Heft des Handelns in der Hand.

Schauspieler auf der falschen Bühne

 

Wir kennen das aus dem Alltag, es gibt Berufe, die übt nicht nur der Fachmann aus, sondern viele fühlen sich zu artfremden Tätigkeiten berufen. Nehmen wir nur die Handwerker, die in manches Haus nicht hineinkommen, weil der Herr des Hauses zwar Buchhalter, aber eben auch ein genialer Heimwerker ist. Bleiben wir aber beim Sport. Nehmen wir den Bundestrainer, der zwar für die Nationalmannschaft zuständig ist, aber Millionen Heimtrainer wissen es besser. Nur einer macht Fehler, eben der Bundestrainer. Seit einiger Zeit haben auch die Fußballer selbst einen Zweitberuf entdeckt. Wer schlecht spielt, will wenigstens als Schauspieler glänzen.

Echte Schauspieler gehören auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Sie sorgen für vergnügliche Stunden im Theater, Film und Fernsehen. Fußballer können uns ebenfalls vergnügliche Stunden bereiten, doch manchmal sorgen sie leider auch für ein Missvergnügen, weil sie ein Schmierentheater abliefern. Ein aktuelles Beispiel lieferte der Brasilianer Marcelo von Real Madrid. Seine Mannschaft verlor in Wolfsburg in der Champions League mit 0:2, aber Marcelo wollte sich nebenbei für die Oscar-Verleihung empfehlen. Der Brasilianer suchte den unfairen Kontakt mit dem Wolfsburger Maximilian Arnold, ließ sich dann aber selbst theatralisch fallen. Marcelo beging eine Tätlichkeit, verführte durch sein Theater den schwachen Schiedsrichter Rocchi (Italien) dazu, dass er beiden Spielern Gelb zeigte, vollkommen unsinnig also. Der Fußballer Marcelo war schlecht, der Schauspieler Marcelo war gut. Ist er bei Real wirklich richtig aufgehoben?

Szenen wie diese erleben wir leider oft genug in allen Fußballstadien der Welt. Zu der Schauspielerei gehören auch die sogenannten Schwalben, die viele Spieler immer wieder zeigen, um Elfmeter oder Freistößen zu schinden. Schlimm, wenn Beobachter dies dann als „cleveres Verhalten“ adeln. Die Verbände FIFA und UEFA propagieren das Fair Play, aber sie sorgen nicht dafür, dass es auch eingehalten wird. Die Funktionäre halten sich nicht nur selbst nicht dran (siehe Korruption), sondern sie unternehmen auch viel zu wenig gegen die Schauspieler, die auf dem Spielfeld erwiesenermaßen auf der falschen Bühne stehen.

Der Sport-Grantler fordert die Regelhüter der FIFA auf, hier endlich zu handeln. Fußball muss wieder ehrlicher werden. Die modernen Techniken bieten die Möglichkeit, die schlimmsten Verfehlungen noch nachträglich zu ahnden. Im Fall Marcelo hieße das, dass er eben doch noch mit Rot bestraft wird und wegen Schauspielerei zudem eine höhere Strafe erhält. Im Fall der Schwalben-Könige hieße das, dass zwar die Entscheidung des Schiedsrichters (zum Beispiel Elfmeter) nicht mehr rückgängig gemacht werden kann und der betrogene Verein womöglich verloren hat, aber der Spieler, der betrogen hat, wird nachträglich gesperrt mit einem „Schwalben-Bonus“ oben drauf. Nur mit solchen Mitteln können diese Schauspielereien eingedämmt werden und der Fußball wieder ein Stück ehrlicher werden. Dann hätten wir ein bisschen mehr Fair Play auf dem Rasen.

Die Bundesliga denkt ans Geld, nicht an die Fans

 

Der Startschuss zum Wettrennen um die TV-Vermarktung der Fußball-Bundesliga ist gefallen. Mit der Ankündigung der Ausschreibung hat das Milliardenspiel begonnen. Die Klubs gieren nach mehr Einnahmen, sind unruhig geworden, nachdem die Premier League in England groß abkassiert. 2,3 Milliarden Euro kassieren die englischen Klubs künftig, dazu kommen rund eine Milliarde aus der Auslandsvermarktung. Dagegen sind es nur bescheidene 663 Millionen Euro, die in dieser Saison die Bundesliga vom Fernsehen erhält, noch bescheidener liest sich die Auslandsvermarktung mit 154 Millionen. Die Bundesliga fürchtet, angesichts dieses Ungleichgewichts von England abgehängt zu werden und giert ebenfalls nach mehr Geld. Eine Milliarde soll es mindestens sein. Notfalls will man auch beim Spielplan den TV-Sendern entgegenkommen. Von den Fans spricht niemand.

Stand der Dinge ist, dass die Fußball-Fans mit dem derzeitigen Angebot zufrieden sind. Seit 25 Jahren ist das Bezahlfernsehen der Hauptgeldgeber der Bundesliga, Sky zahlte beim letzten Vertrag bis 2017 durchschnittlich 485 Millionen Euro pro Saison. Vor allem die Konferenzschaltung am Samstag wurde Kult wie früher im Radio. Fester Bestandteil ist auch die ARD-Sportschau am Samstag ab 18.30 Uhr. Die Klubs würde diese „heilige Kuh“ notfalls schlachten, doch das Kartellamt hat bereits einen Riegel vorgeschoben und verfügt, dass es weiterhin eine Sendung der Höhepunkte im freien Fernsehen geben muss. Doch wann und von welchem Sender ist offen. Die ARD zahlte zuletzt 100 Millionen Euro für die Rechte und durfte jeweils zu Saison- und Rückrundenbeginn ein Startspiel live übertragen.

Bei diesen eingeführten Fernsehgewohnheiten wird es nicht bleiben. Gegenüber weitergehenden Gedankenspielen hat die Bundesliga aber bereits zurück gerudert und den Samstagnachmittag als Hauptspieltag festgelegt. Im Prinzip soll es beim bisherigen Schema mit einem Spiel am Freitag, fünf plus eins am Samstag und zwei am Sonntag bleiben. Angesichts der vielfältigen Aufgaben auf Europas Bühne sind allerdings weitreichende Änderungen möglich, mit Spielen am Sonntag um 13.30 Uhr und fünf am Montagabend, was wieder von der zweiten Liga als Affront angesehen wird, wenn ihr Montagspiel als fester Bestandteil gekippt wird. Auch die Fanklubs gehen bereits auf die Barrikaden, denn wer kann schon am Montag seine Mannschaft begleiten. Die Bundesliga denkt ans Geld, nicht an die Fans.

Mit welchen Paketen die Deutsche Fußball-Liga wirklich auf den Markt geht, wird in diesen Tagen entschieden. Statt acht soll es maximal nur sechs Pakete geben, aber die Interessenten werden mehr sein und deshalb wird wohl auch der Preis in die Höhe getrieben werden. Bayern Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge setzt auch die Liga-Verantwortlichen unter Druck, bezeichnet eine Milliarde als „Muss“, als Minimum. Da wird Sky blechen müssen, wenn es die Bundesliga-Rechte als wesentlichen Bestandteil des Programms behalten will. Konkurrenten werden wohl die Telekom und auch der amerikanische Konzern Discovery sein, der schon mit dem Erwerb der Olympia-Rechte in Deutschland für Aufregung sorgte. Die Bundesliga auf einem Bezahlkanal von Eurosport? Auch die ARD muss um ihre Sportschau bangen, die sie ja früher schon einmal verloren hatte. Vor allem RTL soll wieder Interesse haben, nachdem der Privatsender ARD und ZDF schon die EM- und WM-Qualifikationsspiele der Fußball-Nationalmannschaft geklaut hat. Die Fernsehlandschaft könnte im Hinblick auf den Fußball in Unordnung geraten. Ob für die Fans dann wirklich eine Verbesserung herauskommt, steht in den Sternen.

Die Bundesliga sollte nicht nur nach dem Geld gieren, sondern auch an die Fans und die Öffentlichkeit denken. Kontinuität wäre wünschenswert und machte in den letzten Jahren die höchste Klasse im Fußball auch zu einem erstklassigen Produkt. Der gemeine Zuschauer an den Bildschirmen liebt seine Gewohnheiten und möchte nicht in irgendwelchen Pay- und Internetkanälen nach dem Fußball suchen. Die Fans sorgen für Stimmung in den Stadien und sind es leid, immer kurzfristiger ihre Reisen planen zu müssen. Die Vereine müssen aufpassen, dass sie am Ende zwar mehr Geld haben, die Stimmung aber fehlt, die einen großen Anteil daran hat, dass die Bundesliga so beliebt ist. Auch bei anderen Sendungen zeigt es sich zum Beispiel deutlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender mehr Zuschauer vor den Bildschirm bringen als die Privatsender. Auch das trägt zur Popularität der Bundesliga bei.

Die Fans können nur auf das Ergebnis warten. Noch vor der Europameisterschaft im Juni soll die Entscheidung fallen. Mal sehen, ob Geldgier und Wünsche der Fans in Einklang zu bringen sind.

Übrigens: Dass die Geldgier im Fußball keine Grenzen kennt, zeigt auch die Diskussion um die Einführung einer Super League in Europa mit Teilnahme der bekanntesten Klubs noch über der Champions League. Einerseits wird über die zu große Belastung der Spieler geklagt, andererseits gibt es für das Streben nach höheren Einnahmen offensichtlich kein Tabu! Irgendwann wird auch die Anzahl der Spiele für die Fans zu viel, die es sich schlichtweg finanziell nicht mehr leisten können. Irgendwann schneiden sich die Klubs ins eigene Fleisch.

Die Bayern sind etwas Besonderes – Blatter nicht

 

In Bayern sind die Königsschlösser die Highlights für alle Touristen. König Ludwig II hat da ein schönes Erbe hinterlassen. Die Bayern lieben nach wie vor „ihren Kini“ und es gibt sogar ein Völkchen im südlichsten Bundesstaat Deutschlands, das gern „seinen“ König wieder hätte. Mancher Ministerpräsident fühlt bzw. fühlte sich wohl deshalb manchmal auch als „König“ im Freistaat. Gerne vermitteln sie in Bayern das Gefühl „wir sind etwas Besonderes“.

Warum die Vorrede? Sie soll verdeutlichen, warum man sich auch beim FC Bayern München für etwas Besonderes hält und warum es die Bayern geschafft haben, in Fußball-Deutschland, nein Fußball-Europa, sogar in der gesamten Fußball-Welt eine besondere Stellung einzunehmen. Die Münchner haben diesbezüglich aufgeholt, früher gab auf dem internationalem Markt Manchester United den Ton an, schwärmten die Leute von Real Madrid und Cristiano Ronaldo, es waren halt die „Königlichen“, später trat an diese Stelle der FC Barcelona, ganz zu Schweigen von Brasiliens Fußball, der aber auf Vereinsebene nicht die großen Schlagzeilen machte. Auf diesem Level steht jetzt aber auch Bayern München und macht mit dem typischen „mia san mia“ das besondere Selbstbewusstsein der Bayern deutlich. Soll heißen: An uns kommt keiner vorbei.

Diese neue Stellung der Münchner im internationalen Fußball machte es auch möglich, dass der Trainerwechsel für den Sommer 2016 zwar nicht geräuschlos, das ist bei den heutigen Medien nicht mehr möglich, aber reibungslos über die Bühne ging. Vom Spanier Pep Guardiola im Sommer zum Italiener Carlo Ancelotti. Vom Titelhamsterer zum Titelhamsterer, von beiden ist die Rede als „weltbesten Trainer“. Im Zweifel könnte es ein besonderer Coup der Bayern sein: Nach dem Perfektionisten Pep Guardiola, der etwas stur sein Konzept durchzog, folgt der warmherzige, aber dennoch kühle Taktiker Carlo Ancelotti. Der Italiener könnte das Spiel der Bayern zur Perfektion bringen, was Guardiola wollte, aber (vielleicht) nicht erreichte. Das Frühjahr bleibt ihm noch dafür. Für einen glanzvollen Abschluss muss Guardiola mit den Münchnern das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen, so wie sein Vorgänger Jupp Heynckes 2013, der dem Spanier damit eine große Last aufbürdete. Es wird aber nur gelingen, wenn die Verletzungsserie gestoppt wird. War das die Schwachstelle im Training des Spaniers, das seine Mannschaft nicht fit genug war? Hat er falsch trainiert?

Insofern wird das Frühjahr spannend, denn die Niederlagen in den letzten Jahren jeweils im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid und den FC Barcelona haben vor allem bei Pep Spuren hinterlassen. Pep Guardiola steht unter Zugzwang, weil er als der besondere Trainer gilt und weil er zeigen muss, dass Bayern München auch ein besonderer Verein ist.

 

Nur Blatter hält sich für etwas Besonderes

Das „mia san mia“ passt auch zum gesperrten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Acht Jahre Sperre hat ihm die Ethikkommission seines eigenen Verbandes verpasst, weil er das Ethikreglement verletzt hat. Eine Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an den ebenfalls für acht Jahre gesperrten UEFA-Präsident Michel Platini verstieß gegen die Regeln, weil es dafür „keine rechtliche Grundlage“ gab. Das versteht dann jedes Kind, nur Joseph Blatter nicht. Das „mia san mia“ übersetzt der Schweizer in „ich bin ich, ich bin der König“. Er hält sich für etwas Besonderes, ist es aber nicht. Was er selbst als „Schande“ einstuft, weil er verurteilt wird, ist eigentlich nur Gerechtigkeit. Schändlich war, wie er als FIFA-Präsident gearbeitet hat. Er hat zwar zum Wohle des Weltverbandes zur Geldvermehrung beigetragen, aber der Preis, den er offensichtlich dafür gezahlt hat, war eindeutig zweideutig, aus Sicht der Justiz in den USA und der Schweiz nämlich nicht gesetzmäßig. Der gefallene König sieht sich noch auf dem Thron.

Die Korruptionsaffäre rollte über die FIFA, UEFA und den Deutschen Fußball-Bund hinweg. Alle drei Verbände sind derzeit führungslos, manchmal wirken sie auch hoffnungslos. Die Funktionäre machen allesamt keine gute Figur. Ein Neuanfang auf allen Ebenen wird nicht leicht, weil jeder bisher genannte Hoffnungsträger irgendwie doch in alten Verstrickungen gefangen ist. Das „mia san mia“ ist da überhaupt nicht angebracht. Die Funktionäre müssen lernen: Wir sind nichts Besonderes, sondern wir sollen dem Fußball allein dienen. Bitte richtig lesen: Dienen – nicht am Fußball verdienen!

Der Traum von der Weltliga

Träumen ist bekanntlich erlaubt und tut niemandem weh, der Träumer selbst kommt manchmal in gute Stimmung. Schlecht ist nur, wenn er Träume als Realität ansieht. Gut ist, wenn man versucht Träume Realität werden zu lassen. So wird auch im Sport, vor allem von Sportfunktionären, oft geträumt. Sie träumen von einer besseren Vermarktung ihrer Sportart, von mehr Bedeutung, Zuspruch und mehr Geld. In fast jeder Sportart wird nach Wegen gesucht, mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. In Mannschaftsportarten gibt es deshalb immer wieder den Traum von der Weltliga. Realität wurde er noch nicht.

Jetzt ist es im Handball wieder einmal so weit. Wie die Fachzeitung Sport-Bild enthüllte, gibt es diese Gedanken bei Trainern und Funktionären im deutschen Handball. Vereine in Kroatien, Ungarn, Polen und Frankreich stehen diesen Plänen angeblich offen gegenüber, das „Forum Club Handball“, ein Zusammenschluss wichtiger Handballvereine in Europa, denkt wohl schon länger über eine Weltliga nach und will bald beim europäischen Verband und beim Weltverband vorstellig werden. Es geht aber nicht nur um eine Europaliga, sondern um eine Weltliga, denn die Fühler wurden bereits zum Scheichtum Katar ausgestreckt, von dort soll das notwendige Geld kommen. Handball gilt in Katar als beliebte Sportart.

Die Handballer stehen mit solchen Plänen nicht allein da. Im Basketball und Volleyball wurde schon darüber geredet, im Eishockey gab es Gedanken, die Profi-Liga NHL mit den Spitzenklubs in Europa zu verzahnen. Aber gerade im Eishockey fristet selbst der europäische Wettbewerb ein Schattendasein. Auch im Fußball wurde bereits geredet, wurden Pläne geschmiedet, allerdings beschränken sich die Ideen auf Europa, schließlich wäre die Einbindung von Brasilien und Argentinien zum Beispiel mit großen Reisestrapazen verbunden.

Die Frage ist immer, gibt es eine Welt- oder Europaliga, was wird dann mit den nationalen Meisterschaften oder auch mit den europaweiten Wettbewerben wie der Champions League, die nicht nur im Fußball funktioniert, sondern auch im Handball und Basketball. Gerade im Fußball wird groß kassiert, insgesamt 1,64 Millionen Euro schüttet die UEFA in dieser Saison für Champions- und Europa League aus. Das Geld muss auch in einer Europaliga erst mal reinkommen. 12 Millionen Euro als Startgeld sind schon happig. Als zusätzlicher Wettbewerb für die Spitzenklubs ist sie kaum einführbar, weil einfach die Termine fehlen.

Sicherlich wäre es reizvoll, eine Europaliga zu sehen, in der es nur Schlagerspiele gibt. Den FC Barcelona, Real Madrid, Atletico Madrid, Bayern München, Chelsea London, Manchester City, Manchester United, Arsenal London, Paris St. Germain, FC Porto, Juventus Turin, AS Rom, Zenit St. Petersburg oder Galatasaray Istanbul zum Beispiel in ständigen Duellen zu erleben, würde bedeuten, dass jeder Spieltag zu einem Höhepunkt wird. In der Champions League haben wir das frühestens mit dem Viertelfinale.

Aber es gibt auch Nachteile. Wie gesagt, was wird mit den nationalen Meisterschaften? Gibt es auch einen Abstieg? Kann man die nicht so attraktiven Klubs der kleineren Verbände außen vor lassen? Und wie soll eine Europaliga terminlich gestaltet werden, wenn die Champions League nicht geopfert werden soll? Außerdem gäbe es dann zwei europäische Sieger!

So wird also immer wieder von einer Welt- oder Europaliga geträumt, die Euro-Noten tauchen in den Augen der Funktionäre auf, aber eigentlich ist der internationale Spielverkehr nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball und Basketball an den Belastungsgrenzen der Aktiven angelangt. Schließlich müssen auch die Nationalmannschaften berücksichtigt werden und die sind im Bewusstsein der Öffentlichkeit immer noch das größte Aushängeschild.

Deshalb liebe Sportfunktionäre: Träumt mal schön!

Die zwei Seiten des Fußballs: Lebenshilfe und Geldmaschine

In den letzten Monaten scheint zumindest zum Teil die Welt aus den Fugen geraten zu sein. Eine Horrormeldung jagt die andere, Kriege, Attentate, Schrecken überall, Menschen auf der Flucht. Dazwischen sicherlich die Kunst, vor allem aber der Sport als eine Oase der Glücksseligen. Vor allem der Fußball beherrscht weiterhin weltweit die Schlagzeilen. In diesen Tagen kommen aber auch mal andere Gedanken auf und da zeigen sich die zwei Seiten des Fußballs – nämlich zwischen Lebenshilfe und Geldmaschine.

Der Fußball an der Basis ist sicherlich eine Art Lebenshilfe. Das war er schon früher so, als der Fußball am Sonntag in einem Dorf auf dem Land das Ereignis der Woche war. Da traf sich die Dorfbevölkerung nach Kirche und Frühschoppen am Vormittag. Auch da schon zeigte sich der Fußball auch völkerverbindend, als die ersten Ausländer anfangs wohl zaghaft, aber dann immer mehr in die Vereine eintraten und bei entsprechenden Künsten auch zu Publikumslieblingen wurden. Diese Bedeutung hat der Fußball auf dem Land heute leider ein bisschen verloren. Es gibt zu viel andere Ablenkung.

Der Fußball verbindet aber auch heute noch und gibt zum Beispiel manchen Flüchtlingen Hoffnung oder zumindest Trost im grauen Alltag. Es braucht nicht mehr als einen Ball und schon steigt die Stimmung, da gibt es auch mal ein Lachen, wo sonst nur ernste Gesichter vorherrschen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Flüchtlinge und einige organisieren auch ein Fußballtraining oder sogar ein Spiel. Die Vereine laden Flüchtlinge ein, sorgen so für ein bisschen Sonne im tristen Leben. Der Fußball schafft es, die Gedanken an schlimme Geschehnisse in der Vergangenheit zu verdrängen. Das ist die gute Seite des Fußballs.

Wir wissen: Der Fußball ist auch eine Geldmaschine. Der Profisport verbindet nicht, sondern trennt eher. Da die Fans des einen Klub, dort die des Konkurrenten, wir müssen schon froh sein, wenn solche Aufeinandertreffen nicht in Gewalt ausarten. Im Profi-Fußball geht es nur um zwei Dinge: Erfolg und Gewinn. Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt, der Spieler ist das Mittel zum Zweck, die Fans haben die Aufgabe für Stimmung zu sorgen. Sie sind – quasi unfreiwillig und zwangsläufig – ein Teil dieser Geldmaschine, die unbeirrt läuft. Der Fußball als weltweit populärster Sport zieht die Sponsoren an, zieht das Fernsehen an, zieht die Fans an und es darf kassiert werden: Von Vereinen, von Spielern und ihren Beratern. Millionen gehen über den Tisch und in die Taschen und der einfache Mensch fragt sich: Muss das sein? Muss nicht, aber so ist das Geschäft. Angebot und Nachfrage regeln bekanntlich den Markt. In England zum Beispiel fließen die Gelder vom Fernsehen und der Vermarktung, die Vereine sorgen für Durchfluss, vom TV zum Spieler, horrende Verträge sorgen für Aufsehen und Aufregung. Viele fragen sich: Wann platzt die Blase? Kein Wunder, dass dieses Geschäft auch zur Korruption animiert (die FIFA lässt grüßen).

Egal, ob Dorf-Fußball, Flüchtlingshilfe oder Profi-Fußball, es braucht nicht mehr als nur einen Ball und schon sind die Menschen elektrisiert. Der Sport-Grantler ist sich nicht sicher, ob die Geschichte mit Adam und Eva und dem Apfel so stimmt. Lockte nicht eher ein Fußball Adam aus dem Paradies…

EM-Qualifikation: Probleme für den Weltmeister und andere Favoriten

Wie heißt es so schein im Fußball: Es gibt keine Kleinen mehr. Na gut, die ganz Kleinen können die ganz Großen mal ärgern, aber auf Dauer doch nicht wirklich Paroli bieten. Die nicht ganz so Kleinen, die aber begehren in der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft auf. Sie sorgen bisher dafür, dass selbst der Weltmeister und andere Favoriten so ihre Schwierigkeiten bekommen.

Erstmals in der neuen Saison steht wieder eine „Woche des Fußballs“ an. So nennen die Erfinder ihren Spielplan, der auseinandergezogen wurde, aber eigentlich auch für einen Spannungsverlust sorgt. Von Donnerstag, 3. September, bis Dienstag, 8. September, ziehen sich jetzt zahlreiche Qualifikationsspiele hin. Kompakte Spieltage mit allen Gruppen waren dem Sport-Grantler lieber. Spannend wird es dennoch, denn jetzt gelten keine Ausreden mehr, gibt es kein Pardon, jetzt tritt der Ernstfall ein im Kampf um die EM-Plätze. Als die Entscheidung fiel, dass erstmals 24 Nationen am Endturnier teilnehmen dürfen (bisher 16), da galt dies als Spannungstöter, weil die sogenannten Großen in der Qualifikation vor einem Spaziergang stehen würden. Doch dem ist nicht. Bisher haben allein England und die Slowakei (!) mit jeweils sechs Siegen die volle Punktzahl erreicht.

So sieht es in den Gruppen aus und manche Favoriten sind zum Siegen verdammt.

Gruppe A: Island (15 Punkte) führt vor Tschechien (13) und den Niederlanden (10). Bei den Holländern gab „Bondscoach“ Guus Hiddink auf, er brachte den „Oranje“ kein Glück. Gegen Island muss jetzt gewonnen werden und auch am Sonntag in der Türkei. Auch Tschechien erwarten die Niederländer noch zu Hause.

Gruppe B: Wales (14) führt vor dem Favoriten Belgien (11) und Zypern sowie Israel (je 9). Auch Bosnien-Herzegowina (8) hat noch Chancen. Wales ist die Überraschung, hier kann noch alles passieren.

Gruppe C: Die Slowakei (18) marschiert und profitiert vom 2:1-Überraschungssieg über Spanien (15). Das Rückspiel steht gleich für Samstag auf dem Plan, der Titelverteidiger muss aufpassen, dass er nichts Straucheln gerät.

Gruppe D: Natürlich war der Weltmeister der große Favorit, aber nach dem Titelgewinn in Brasilien fand Deutschland nicht in die Spur. Jetzt stehen die entscheidenden Spiele gleich zum Start der heißen Phase an. Am Freitag erwartet Deutschland (13) Tabellenführer Polen (14) und muss am Montag zum Dritten, Schottland (11). Bundestrainer Joachim Löw verspricht zwei Siege, die Spieler sind zuversichtlich („Wir werden uns durchsetzen“), doch die Realität sieht bisher anders aus. Löw muss seine Schützlinge sofort in Form bringen, bangt aber noch um Spielmacher Mesut Özil. Der Weltmeister nicht bei der Europameisterschaft dabei, das kann sich keiner vorstellen. Die Spieler sollten den Fokus nicht auf das Endturnier richten („Wir wollen Europameister werden“), sondern erst einmal die Qualifikation bestehen. Vorteil: Wenn es darauf ankam, war Deutschland immer stark.

Gruppe E: England (18) im Aufwind und klarer Tabellenführer, die Schweiz (12) ist erster Verfolger und muss sich Slowenien (9) vom Leib halten. Eine Vorentscheidung kann dabei im direkten Duell am Samstag fallen.

Gruppe F: Eine Gruppe ohne Favoriten, Rumänien (14) führt vor Nordirland (13) und Ungarn (11). Für die Ungarn, deren bisheriger Trainer Pal Dardai nun ganz Hertha BSC Berlin dient, steht das entscheidende Wochenende an: Rumänien und Nordirland sind die Gegner. Zwei Niederlagen würden das Aus bedeuten.

Gruppe G: Österreich (16) ist das Überraschungsteam und führt die Tabellen vor Schweden (12) an. Mehr hatte man von Russland (8) erwartet, wo Trainer Fabio Capello gehen musste. Ob da noch einmal die Wende gelingt?

Gruppe H: Kroatien (14) liegt vor dem Favoriten Italien (12) und Norwegen (10). Also auch hier ein Dreikampf um zwei Plätze. Das entscheidende Spiel könnte am letzten Spieltag sein, wenn Italien am 13. Oktober Norwegen erwartet.

Gruppe I: Portugal (12) führt in der Fünfer-Gruppe, aber Albanien hat Dänemark (beide 10) geschockt. Am Samstag steht das direkte Duell an (Hinspiel in Albanien 1:1).

Für die Europameisterschaft qualifizieren sich jeweils die Gruppensieger und Gruppenzweiten sowie der beste Gruppendritte. Die anderen Dritten ermitteln in Play-Offs mit Hin- und Rückspiel im November die vier weiteren EM-Teilnehmer, nur Gastgeber Frankreich ist direkt qualifiziert. Am 12. Dezember werden in Paris die sechs Vorrundengruppen der EM ausgelost, am 10. Juni 2016 bestreitet Frankreich im „Stade de France“ in Saint-Denis das Eröffnungsspiel. Dort findet am 10. Juli auch das Finale statt. Gespielt wird außerdem in Lens, Saint-Etienne, Toulouse und Marseille sowie in Bordeaux, Decines-Charpieu (bei Lyon), Nizza und Villeneuve-d’Ascq (bei Lille), wo jeweils neue Stadien gebaut wurden.

So gibt es bei den Sportfans in aller Welt sicherlich eine gewisse Vorfreude auf 2016 mit den Höhepunkten Fußball-Europameisterschaft und Olympische Sommerspiele in Rio de Janeiro im August.

Von Beckenbauer bis Marco Sturm: Bundestrainer – Nur der Name zählt!

Gemeinhin gilt der Posten eines Bundestrainers als Traumjob. Gut, je nach Sportart ist das ein bisschen verschieden. Besonders im Blickpunkt steht natürlich der Bundestrainer im Fußball und gerade dort wird der Traumjob schnell zur Belastung, weil eigentlich jeder Fußball-Fan ein potentieller Bundestrainer ist. Allerdings wird der Bundestrainer-Job auch als halbe Urlaubsbeschäftigung gesehen: Ein bisschen auf den Tribünen sitzen, die interessantesten Spiele angucken und ab und zu ein Lehrgang. So sieht es der gemeine Fan. Warum aber haben viele Verbände ein Problem, den richtigen Bundestrainer zu finden?

Aktuell war zuletzt der Deutsche Eishockey-Bund auf Trainersuche. Mit Pat Cortina war der neue DEB-Präsident Franz Reindl nicht zufrieden, es gab mehr Misserfolge als Erfolge. Reindls alter Freund Uwe Krupp sollte Nachfolger werden, doch da baute sich ein unüberwindbares Hindernis auf: Krupp ist Trainer bei den Eisbären Berlin, der ehemalige Stanley-Cup-Sieger, schon einmal als Bundestrainer erfolgreich, kann nicht zwei Herren gleichzeitig dienen.

Das ist das Problem, einen guten Mann für den Traumjob zu finden: Die besten Leute stehen meist unter Vertrag, sind kurzfristig nicht zu bekommen. Viele arbeiten lieber im Verein („Ich brauche die tägliche Arbeit mit den Spielern“), als nur von Zeit zu Zeit in den Mittelpunkt zu rücken und eigentlich nur beschränkt eine Mannschaft entwickeln zu können. So stieß auch der DEB an Grenzen und zauberte dann einen Neuling aus dem Hut: Der frühere NHL-Star Marco Sturm wird der neue Krupp. Er kann Erfolge als Spieler vorweisen, hat einen guten Namen und soll sogar in der Doppel-Funktion als Bundestrainer und Generalmanager das Eishockey in der Öffentlichkeit gut verkaufen. Sturm ist Neuling, hat zwar die Trainerscheine gemacht, aber ihm fehlt die Erfahrung am Rande der Bande. Doch das rückt in den Hintergrund. Für den Job als Bundestrainer zählt vor allem der Name! Der Verband hofft auf eins: Dass die Spieler bei einem Bundestrainer Marco Sturm wieder gern zur Nationalmannschaft kommen, zuletzt hatte es eher Absagen gehagelt, warum auch immer.

Früher war es undenkbar, dass ein Neuling quasi die wichtigste Mannschaft eines Verbandes coachen könnte. Noch heute gilt, dass die Nationalmannschaft das Aushängeschild einer Sportart ist. Entsprechend ist der Bundestrainer aber auch das Gesicht der Mannschaft, im Fall Sturm wird der Trainer vor allem das bekannteste Gesicht der Mannschaft sein (Wer kennt die aktuellen Eishockey-Cracks?). Das allein ist Qualifikation genug!

Der Teamchef war die Lösung

Vorbild für diese Art der Trainerfindung war Fußball-„Kaiser“ Franz Beckenbauer. Es war eine Revolution, als Beckenbauer 1984 bei der Nationalmannschaft den unglücklichen Jupp Derwall ablöste. Die erforderliche Trainerlizenz hatte Beckenbauer nicht, deshalb machte ihn der Deutsche Fußball-Bund kurzerhand zum „Teamchef“. Ihm zur Seite standen zunächst Horst Köppel und dann Holger Osieck, beide mit entsprechender Lizenz. Zumindest wurden damit die Regeln eingehalten. Beckenbauer war ein echter Teamchef, nicht der Trainer. Mit Osieck bildete ein kongeniales Gespann, da der versierte Trainer auf dem Feld, dort der Motivator, der Verkäufer, die Lichtgestalt, zu der die Spieler aufschauten und dem sie alles glaubten. Legendär seine Aufforderung, „geht’s raus und gewinnt“ – gesagt, getan. Die Krönung war bekanntlich der WM-Titel 1990, danach verabschiedete sich Beckenbauer wieder. Aber er hatte eine neue Art von Bundestrainer geschaffen. Nicht der Schein zählt, sondern der Name.

Ähnliches wiederholt der DFB bei den Frauen, denn der Verband hat Steffi Jones als Neuling zur Nachfolgerin von Silvia Neid bestimmt, die 2016 nach den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro die Leitung der Frauen-Nationalmannschaft abgibt. Der Verband bekam Kritik vor allem von den gestandenen Trainern der Spitzenvereine, die um die Fortsetzung der guten Arbeit von Silvia Neid fürchten (auch wenn es nach der letzten WM Kritik an ihr gab!). In der Tat, ist es auch hier seltsam, dass ein Neuling sich ausgerechnet beim Aushängeschild des Verbandes versuchen darf. Immerhin kann Steffi Jones etwas vorweisen: Sie hat sich als Funktionärin beim DFB bewährt, war das „Gesicht“ der WM 2011 in Deutschland und hat eine gewinnende Art, gilt also als guter Verkäufer in der Öffentlichkeit. Den entsprechenden Trainerschein hat sie übrigens, Erfahrung aber nicht. Es gilt also auch hier: Bundestrainer – der Name zählt!