Der Traum von der Weltliga

von knospepeter

Träumen ist bekanntlich erlaubt und tut niemandem weh, der Träumer selbst kommt manchmal in gute Stimmung. Schlecht ist nur, wenn er Träume als Realität ansieht. Gut ist, wenn man versucht Träume Realität werden zu lassen. So wird auch im Sport, vor allem von Sportfunktionären, oft geträumt. Sie träumen von einer besseren Vermarktung ihrer Sportart, von mehr Bedeutung, Zuspruch und mehr Geld. In fast jeder Sportart wird nach Wegen gesucht, mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. In Mannschaftsportarten gibt es deshalb immer wieder den Traum von der Weltliga. Realität wurde er noch nicht.

Jetzt ist es im Handball wieder einmal so weit. Wie die Fachzeitung Sport-Bild enthüllte, gibt es diese Gedanken bei Trainern und Funktionären im deutschen Handball. Vereine in Kroatien, Ungarn, Polen und Frankreich stehen diesen Plänen angeblich offen gegenüber, das „Forum Club Handball“, ein Zusammenschluss wichtiger Handballvereine in Europa, denkt wohl schon länger über eine Weltliga nach und will bald beim europäischen Verband und beim Weltverband vorstellig werden. Es geht aber nicht nur um eine Europaliga, sondern um eine Weltliga, denn die Fühler wurden bereits zum Scheichtum Katar ausgestreckt, von dort soll das notwendige Geld kommen. Handball gilt in Katar als beliebte Sportart.

Die Handballer stehen mit solchen Plänen nicht allein da. Im Basketball und Volleyball wurde schon darüber geredet, im Eishockey gab es Gedanken, die Profi-Liga NHL mit den Spitzenklubs in Europa zu verzahnen. Aber gerade im Eishockey fristet selbst der europäische Wettbewerb ein Schattendasein. Auch im Fußball wurde bereits geredet, wurden Pläne geschmiedet, allerdings beschränken sich die Ideen auf Europa, schließlich wäre die Einbindung von Brasilien und Argentinien zum Beispiel mit großen Reisestrapazen verbunden.

Die Frage ist immer, gibt es eine Welt- oder Europaliga, was wird dann mit den nationalen Meisterschaften oder auch mit den europaweiten Wettbewerben wie der Champions League, die nicht nur im Fußball funktioniert, sondern auch im Handball und Basketball. Gerade im Fußball wird groß kassiert, insgesamt 1,64 Millionen Euro schüttet die UEFA in dieser Saison für Champions- und Europa League aus. Das Geld muss auch in einer Europaliga erst mal reinkommen. 12 Millionen Euro als Startgeld sind schon happig. Als zusätzlicher Wettbewerb für die Spitzenklubs ist sie kaum einführbar, weil einfach die Termine fehlen.

Sicherlich wäre es reizvoll, eine Europaliga zu sehen, in der es nur Schlagerspiele gibt. Den FC Barcelona, Real Madrid, Atletico Madrid, Bayern München, Chelsea London, Manchester City, Manchester United, Arsenal London, Paris St. Germain, FC Porto, Juventus Turin, AS Rom, Zenit St. Petersburg oder Galatasaray Istanbul zum Beispiel in ständigen Duellen zu erleben, würde bedeuten, dass jeder Spieltag zu einem Höhepunkt wird. In der Champions League haben wir das frühestens mit dem Viertelfinale.

Aber es gibt auch Nachteile. Wie gesagt, was wird mit den nationalen Meisterschaften? Gibt es auch einen Abstieg? Kann man die nicht so attraktiven Klubs der kleineren Verbände außen vor lassen? Und wie soll eine Europaliga terminlich gestaltet werden, wenn die Champions League nicht geopfert werden soll? Außerdem gäbe es dann zwei europäische Sieger!

So wird also immer wieder von einer Welt- oder Europaliga geträumt, die Euro-Noten tauchen in den Augen der Funktionäre auf, aber eigentlich ist der internationale Spielverkehr nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball und Basketball an den Belastungsgrenzen der Aktiven angelangt. Schließlich müssen auch die Nationalmannschaften berücksichtigt werden und die sind im Bewusstsein der Öffentlichkeit immer noch das größte Aushängeschild.

Deshalb liebe Sportfunktionäre: Träumt mal schön!

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