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Tag: Gianni Infantino

Fallen sind gestellt: Ende der Bayern-Ära?

Sieben nationale Titel in Folge, 2013 Sieger der Champions League und dort in jedem Jahr im Kreis der Favoriten – der FC Bayern München hat eine erfolgreiche Zeit hinter sich. Ja, liebe Fußball-Fans, „hat er hinter sich“ könnte stimmen, denn ob die erfolgreiche Bayern-Zeit weitergeht, darf bezweifelt werden, auch nach dem Double-Gewinn in diesem Jahr. Der Umbruch in der Mannschaft ist in vollem Gange und derzeit bleiben mehr Fragen als Antworten. Ganz im Gegenteil, als Hürden für eine erfolgreiche Zeit sind zahlreiche Fallen bereits gestellt. Es könnte sein, dass 2019 das Ende der Bayern-Ära einläutet.

Für Aufmerksamkeit sorgte in diesen Tagen ein Interview von Neuer-Berater Thomas Kroth mit der Süddeutschen Zeitung, dabei stellte er in den Raum, dass sich der Kapitän einen neuen Verein suchen könnte, wenn sein Vertrag 2021 ausläuft. Dann nämlich, wenn Neuer den Eindruck hat, dass er mit den Bayern die Champions League nicht mehr gewinnen kann. Damit sind wir schon bei der ersten Falle für die Bayern, der…

Transfer-Falle: Die Bayern versuchen verzweifelt, mit den reichen Vereinen in England, den Größen in Spanien (Barcelona und Real Madrid), sowie dem Scheich-Klub Paris St. Germain und dem reichen Juventus Turin in Italien mitzuhalten. Das Dilemma: Spieler, die Bayern verstärken könnten, sind extrem teuer, die Ablösesummen beginnen da bei den 80 Millionen, die Hernandez gekostet hat. Sind die Spieler billiger, bringen sie die Bayern auch nicht weiter. Deshalb der spöttische Blick auch auf den nationalen Konkurrenten Borussia Dortmund, Spieler wie Brandt oder Hazard sind recht und gut, doch Bayern sucht nach noch mehr Qualität. Deshalb wird weiter um Leroy Sane gebuhlt oder auf Callum Hudson-Odol von Chelsea gewartet. Dass der umstrittene Dembele von Barcelona ins Visier geraten ist, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass man das Risiko mit einem eigenwilligen Spieler eingehen würde, weil andere dieser Qualität nicht zu bekommen sind. Aber da gibt es noch ein anderes Problem, die…

Trainer-Falle: International gute Spieler sind leichter zu verpflichten, wenn sie zu einem prominenten Trainer kommen und sagen können, „der macht mich besser“. Einer wie Jürgen Klopp oder Pep Guardiola. In dieser Kategorie wird Bayern-Coach Niko Kovac nicht gesehen, ihm fehlt die internationale Reputation und der Glanz. Da gibt es aber auch die…

Sprach-Falle: Die Bayern möchten einen deutsch sprechenden Trainer und damit ist der Kreis der Kandidaten international schon sehr eingeengt. Da hat die Premier League unabhängig vom Geld zudem sprachliche Vorteile. Der Standort Deutschland also als Nachteil. Gibt es keine weiteren Verstärkungen, steht die nächste Falle schon, nämlich die…

Titel-Falle: Die Bayern waren nicht nur wegen der üppigen Bezahlung attraktiv, sondern vor allem für deutsche Spieler der Verein der Sehnsucht, weil Titelgewinne quasi garantiert wurden. Und für internationale Stars bestand die Hoffnung, mit den Bayern eben die Champions League gewinnen zu können (siehe das Neuer-Argument). Wenn die Bayern nicht mehr in der gewohnten sportlichen Größenordnung operieren können, dann fällt dieses Argument weg und damit wird gleichzeitig das Ende der Bayern-Ära eingeläutet.

Noch ist es allerdings nicht so weit, die Bayern haben eine starke Mannschaft, der Kader ist mit 17 Feldspielern allerdings zu klein (mit gerade mal sieben ging das Training los), zumal es noch einige Fragezeichen gibt, wie den wechselwilligen Sanches oder Boateng, der eigentlich gehen soll, jetzt aber als Notnagel dienen könnte. Seltsam ist der Getue um Timo Werner, der nächstes Jahr ablösefrei aus Leipzig kommen könnte, aber wohl in diesem Jahr schon gebraucht wird. Diese 40 Millionen Euro sollten die Bayern investieren. Seltsam auch, dass Talente aus der Bayern II abwandern, wie Flügelflitzer Jeong nach Freiburg oder Abwehrtalent Awoudja nach Stuttgart. Da wachsen die Zweifel an Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Die Bayern sollten sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass sie noch Zeit haben bis zum Ende der Transferphase am 2. September.

Titel an USA, Brasilien und Mexiko

National hat die neue Saison endgültig begonnen, mit den Bayern am Montag sind auch alle Bundesligisten wieder im Trainingslager und in der 3. Liga geht am 19. Juli mit dem Auftaktspiel 1860 München – Preußen Münster bereits die Punktrunde los. International standen allerdings verschiedene Meisterschaften noch im Mittelpunkt. Am Wochenende wurden Titel vergeben und die Gewinner sind: Die USA als Frauen-Weltmeister, Brasilien holte sich die Copa America und Mexiko den Gold Cup. In Afrika wird noch gespielt.

Es war bezeichnend: Die Frauen wurden Weltmeister, die Männer unterlagen im Finale des Gold Cup Mexiko mit 0:1, gingen also leer aus. In den USA hat der Frauen-Fußball nach wie vor mehr Bedeutung als der Männer-Fußball und das ist auch die Grundlage dafür, dass die Amerikanerinnen den Frauen-Fußball weltweit dominieren, das 2:0 gegen den tapferen Europameister Niederlande bedeutete bereits den vierten WM-Titel, so viele, wie alle anderen Nationen zusammen (Deutschland zwei, Norwegen und Japan). Kein Wunder, dass vor allem die US-Girls auf die Barrikaden gehen und gleiche Bezahlung wie die Männer einfordern. „Equal pay“ schallte es FIFA-Präsident Infantino entgegen neben einem Pfeifkonzert. Aber auch ein anderer Präsident steht im Fokus, einen Empfang bei US-Präsident Donald Trump wollen die meisten Spielerinnen boykottieren. Kapitänin Rapinoe hatte von vornherein eine Absage kundgetan: „Wir können keinen Mann respektieren, der anderen keinen Respekt zollt.“

Die Amerikanerinnen sind sehr selbstbewusst und so traten sie auch bei der WM von Anfang an auf. Insgesamt war die Frauen-WM in Frankreich ein voller Erfolg, leider nicht für die deutsche Mannschaft, die ihre führende Rolle verloren hat und darum kämpfen muss, in der Weltspitze zu bleiben. Die Qualität hat sich international verbessert, viele Nationen haben aufgeholt bzw. kleinere Länder haben sich weiterentwickelt. Insofern macht ausnahmsweise ein Vorschlag von FIFA-Boss Infantino sogar Sinn, das WM-Teilnehmerfeld von 24 auf 32 zu erhöhen, damit mehr Nationen einen Schub für die Entwicklung bekommen. Ansonsten ist der Gigantismus bei den Männern mit größeren Teilnehmerfeldern Unsinn.

Mexiko holte also mit einem 1:0 gegen die USA den Gold Cup, allerdings in Chicago, was dem Gastgeber gar nicht gefiel. Brasilien als Gastgeber durfte allerdings feiern, der 3:1-Sieg im Finale gegen Peru war Balsam auf die verwundete brasilianische Fußballseele. Endlich wieder ein Erfolg nach dem WM-Debakel 2014 gegen Deutschland. Bezeichnend, dass der Triumph ohne Star Neymar gelang. Der Star war diesmal die Mannschaft und das war wieder einmal ein deutliches Zeichen für den Fußball als Mannschaftssport!

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WM als Turbo: Frauen kämpfen um mehr Anerkennung

Frankreich ist ab Freitag Gastgeber der 8. Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Die Premiere fand 1991 in China statt, die USA wurde erster Weltmeister, die Frage heute lautet, ist das Turnier eine Erfolgsgeschichte oder nicht? Die Antwort ist nicht einfach, natürlich haben sich die Frauen im Fußball etabliert, aber eine Hauptrolle spielen sie nicht. Gerade vor der WM in Frankreich ist das Aufbegehren deshalb besonders groß, die Frauen ringen um Anerkennung und hoffen auf diese WM als Turbo für mehr Aufmerksamkeit.

Das gilt nicht allein für Deutschland, sondern international. Kleine Beispiele gefällig. Die US-Spielerinnen vom Titelverteidiger kritisieren den Weltverband, weil die Endrunde mit der Copa Amerika in Brasilien und dem Gold Cup der Männer kollidiert. Die Australierinnen dachten über einen Boykott nach, weil sie sich bei den Prämien benachteiligt sehen. Dabei wird auch die FIFA wieder kritisiert, denn ganze 30 Millionen Dollar sind das ausgelobte Preisgeld für 24 Nationen, bei der WM 2018 der Männer in Russland gab es 400 Millionen für 32 Teams. Noch Fragen? Die beste Fußballerin der Welt, Ada Hegerberg, verzichtet auf die WM, weil sie in ihrer Heimat Norwegen die Verbandsstrukturen für den Frauen-Fußball zu unprofessionell findet.

Für die deutschen Mädchen hat eine PR-Agentur einen besonderen Werbespot für die Commerzbank inszeniert, der in der Öffentlichkeit einschlug und manche Aussage auf die Schippe nahm. In Umkehrung des legendären Spruchs von Nationaltorhüter Oliver Kahn über mehr Mut im Spiel („Wir brauchen Eier“) heißt es da bei den Mädchen „wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“ und dann folgt die Klage: „Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt.“

Vielleicht kennen am Ende des Turniers in Frankreich alle in Deutschland die Namen der Spielerinnen, doch dafür müssen sie wohl auch Weltmeister werden. Deutschland holte bisher zweimal den Titel, 2003 in den USA mit Tina Theune als Trainerin und bei der erfolgreichen Titelverteidigung 2007 in China (ohne Gegentor!) unter Silvia Neid, die Deutschland 2016 zudem zum Olympiasieg in Brasilien führte. Erfolge sind also da, zumal das DFB-Team mit acht Titeln auch in Europa dominierte. Genügend Gold also, um in der Öffentlichkeit bekannt zu werden. Doch der Hype um das Team war nie von Dauer, mit dem Alltag der Bundesliga verschwanden die Mädchen wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Trauriger Beweis: Gerade mal 833 zahlende Zuschauer im Schnitt kommen zu den Spielen der Bundesliga (lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar vom 3. Mai „Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht“).

Wird mit Frankreich alles besser? Alle hoffen auf eine stimmungsvolle WM und vor allem auf viel Spannung. Der Kreis der Favoriten war noch nie so groß. Bisher gewannen nur vier Nationen den Titel, neben zweimal Deutschland noch dreimal die USA (1991, 1999, 2015), Norwegen 1995 und Japan 2011 sensationell in Deutschland, als der Gastgeber im Viertelfinale geschlagen wurde. Diese Nationen gehören alle wieder zum Favoritenkreis, dazu aber ebenso Gastgeber Frankreich, Europameister Niederlande, England, Schweden und Australien. Diesbezüglich darf man schon sagen, dass sich viel getan hat.

Bei Deutschland steht die Bewährungsprobe für die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg an, die gewissermaßen die unglückliche Steffi Jones als Nachfolgerin von Silvia Neid beerbt hat, mit Helfer Horst Hrubesch als Zwischenlösung, der die Mannschaft wieder in die richtige Spur geführt hat. Martina Voss-Tecklenburg hat den Umbruch beschleunigt und eine junge Mannschaft nominiert, die wenig Turniererfahrung hat. Begeisterung, Elan und Schnelligkeit sollen das Manko ausgleichen. Gruppengegner sind China, Spanien und Südafrika, der Gruppensieg sollte sein, um den USA aus dem Wege zu gehen. Ziel ist das Halbfinale, denn das würde auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio bedeuten. Das Ticket in Europa bekommen nur die besten drei Teams, was bei der Konkurrenz (siehe oben) schwer genug ist. Andererseits gibt es einige Führungsspielerinnen im Team, die für Halt sorgen sollten, angefangen von Torhüterin Almuth Schult, über Kapitänin Alexandra Popp, Mittelfeld-As Dzsenifer Marozsan (Champions-League-Siegrin mit Lyon) und dem Münchner Mittelfeld-Duo Melanie Leupolz und Sarah Däbritz (künftig Paris).

Jogi Löw stiehlt die Show

Aufmerksamkeit im Fernsehen gibt es für die Mädchen genug, ARD und ZDF übertragen alle Spiele, wenn auch zum Teil nur im Streaming im Internet. Aber bei den deutschen Spielen können die deutschen Fans immer dabei sein, rund vier Millionen sind es ja schon bei „normalen“ Länderspielen. Und dennoch wird auch in Deutschland den Fußball-Frauen wieder die Show gestohlen, denn auch Bundestrainer Joachim Löw ist mit seiner Mannschaft präsent. Die DFB-Männer bestreiten zwei Spiele in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020. Am Samstag sind sie in Weißrussland und am Dienstag erwarten sie in Mainz Estland als Gegner. Siege sollten da eine Selbstverständlichkeit sein. Auch wenn der Bundestrainer selbst im Krankenstand nur TV-Zuschauer ist, die Schlagzeilen werden Manuel Neuer und Co. gehören, wobei es ja zumindest eine Gemeinsamkeit gibt, beide Teams wollen die Verjüngung bewältigen. Aber schon im Vorfeld war der Zuspruch für die Männer groß, die sich dem neuen Motto „Nähe zu den Fans“ verschrieben haben und sich bei einem Trainingsspiel in Aachen als Stars zum Anfassen präsentierten. Die Nähe zu den Fans, die muss man die Mädchen nicht diktieren, sie haben die Nähe zu den Fans noch nicht verloren und wollen noch mehr Nähe, sprich eben Anerkennung, gewinnen.

Beifall für einen Selbstdarsteller

Den Fußball-Frauen die Show gestohlen hat auch die FIFA selbst, denn die hielt ihren Verbandskongress ab, um Präsident Gianni Infantino per Huldigung die Amtszeit für weitere vier Jahre zu verlängern. Es war nur Zufall, dass auch US-Präsident Donald Trump gerade „nebenan“ in England weilte, aber die Gemeinsamkeiten der beiden größten Witzfiguren, die sich selbst in ihrem Metier für die Größten halten, aber meist nur Unsinn verzapfen, ist unübersehbar, aber die Welt als Ganzes und die Fußball-Welt im Kleinen leiden unter ihnen. Beide halten sich für unfehlbar, beide machen Kritiker mundtot und Meldungen gegen sie sind dann ganz einfach „Fake News“. Trump lieferte in London einen skurrilen Beweis, als er auf die Proteste gegen ihn angesprochen wurde: „Ich werde überall geliebt, ich habe keine Proteste gesehen, das sind nur Fake News“. Hat er halt nicht aus dem Fenster geschaut.

Ähnlich trumpfte Infantino auf, als er behauptete, „die neue FIFA steht für Offenheit, Einigkeit und Führungsqualitäten“. Das hat mit der Realität aber auch rein gar nichts zu tun, Kenner sagen, es wurde seit dem Sturz von Joseph Blatter alles nur schlimmer, aber Infantino hat es sogar geschafft, die Schweizer Bundesanwaltschaft auszutricksen. In perfider Art und Weise hat er alle Kritiker kaltgestellt und lässt sich feiern, weil die großen Nationen, die auch nur eine Stimme haben, gegen die vielen kleinen Länder auf verlorenem Posten stehen. Und so heißt es zum Beispiel aus Nigeria „wir lieben Infantino“, weil die Gelder fließen und laut Süddeutscher Zeitung dürfen sich Afrikas Verbandschefs 20 Prozent der Fördergelder ganz offiziell in die eigene Tasche stecken. Das ist das System Infantino, der Regeln bricht, weil er seine eigenen Regeln aufstellt. Statuten interessieren ihn genauso wenig, wie die Tatsache, dass die FIFA immer mehr an Ansehen verliert. Infantino bastelt sich seine eigene Welt wie eben Donald Trump auch.

Und Vorsicht Europa! Infantino kritisierte laut kicker Europas Monopol. „Das große Geld konzentriert sich in zehn Klubs in fünf Ländern in Europa. Und nur zehn Nationalteams können Weltmeister werden, fast alle kommen aus Europa“ Er wolle, dass 50 Klubs und 50 Nationalteams aus aller Welt siegen können. Befall aus Afrika und Asien sicherlich für Infantino den Träumer.

Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs

Er war von Anfang an nur eine Notlösung, ein Kompromiss zwischen Profis und Amateuren, gelitten, aber nicht akzeptiert und am Ende eher verhöhnt, viele sehnten das Ende seiner Amtszeit herbei. Das Ende von Reinhard Grindel als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes kam nun schneller als gedacht, als Knall nach zahlreichen verbalen und sonstigen Entgleisungen. Grindel (vorher war er Schatzmeister) schaffte es nie in den 1082 Tagen seiner Regentschaft Verband, Vereine, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit hinter sich zu bringen, stattdessen schaffte er es von einem Fettnäpfchen ins andere zu treten. Ansonsten blieb er ein blasser Präsident. Krisenbewältigung war erstaunlicherweise nicht das Metier des ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Journalisten. So wurde er hinter vorgehaltener Hand als „Präsident Peinlich“ bezeichnet.

Reinhard Grindel versagte als Konfliktlöser, machte in der Affäre Özil ebenso eine schlechte Figur wie nach der WM-Pleite der Nationalmannschaft in Russland oder in Kommentaren zu Entscheidungen von Bundestrainer Joachim Löw. Noch bei seiner Abschiedsrede zählte er die Vergabe der Europameisterschaft 2024 nach Deutschland als seinen Erfolg auf, doch bei der UEFA sagen sie, Deutschland habe die EM nicht wegen, sondern trotz Grindel erhalten. Grindel versuchte sich als Vertreter der Amateure zu inszenieren, doch eine richtige Akzeptanz fand er nicht. Ein Präsident suchte seinen Weg und fand ihn nicht. Ganz im Gegenteil, Grindels Wirken machte die Schattenseiten des Fußballs deutlich.

Den Millionen von ehrenamtlichen Funktionären an der Basis, vorwiegend in den kleinen Vereinen der Dörfer tätig, die sich wirklich um den Fußball kümmern, wird suggeriert, dass dem DFB ein ehrenamtlicher Präsident vorsteht, doch dies ist beileibe nicht der Fall. Wer 170.000 Euro im Jahr als Verdienstausfall und Aufwandsentschädigung kassiert, macht dies wohl nicht ehrenamtlich. Dazu ist das Amt des DFB-Präsidenten das Sprungbrett auf die internationale Bühne, die Vorstandsämter bei FIFA und UEFA werden mit 500.000 Euro jährlich üppig dotiert. Weil das noch nicht reicht, kassierte Grindel zudem 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB Medien GmbH. Bei solchen Summen war ihm wohl das Gespür abhanden gekommen, was eine Uhr im Wert von 6000 Euro als Geschenk von einem ukrainischen Skandalfunktionär bedeutet. Für ihn eine Kleinigkeit, für andere Bestechung. Das Fass war übergelaufen. Möglicherweise auch für FIFA und UEFA.

Der DFB befindet sich wie Weltverband und europäischer Verband wieder einmal im Dilemma. Die heile Welt des Fußballs gibt es nicht mehr, der Sport tritt in den Hintergrund, korrupte und geldgierige Funktionäre bestimmen die Schlagzeilen. Der Fußball ist krank, er stinkt vom Kopf her. Der DFB ist zwar ein Sportverband, aber eigentlich ein Wirtschaftsunternehmen. Mehrere Hundert Mitarbeiter sind anzuleiten, zuletzt wies die Bilanz eine Summe von 320 Millionen Euro aus. Da ist es mit der Ehrenamtlichkeit vorbei.

Die letzten Präsidenten wie Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach (nach dem Skandal um die WM 2006) mussten wie Grindel vorzeitig gehen. Dies macht deutlich, dass der Verband eine neue Struktur mit Profis an der Spitze braucht. Die Arbeit im Verband muss von Hauptamtlichen geleistet werden, ein Aufsichtsrat hat die Entscheidungen zu kontrollieren. Aber die Diskrepanzen zwischen dem Profi-Fußball und den Amateuren machen eine Einigung auf eine neue Struktur kompliziert. Das wissen auch die beiden Interims-Präsidenten Reinhard Rauball, Präsident der DFL, und Rainer Koch, Präsident in Bayern, die als Vize-Präsidenten satzungsgemäß schon nach dem Niersbach-Rücktritt den Verband führten. Koch hat ihre Aufgaben deutlich umrissen: „Wir werden einen neuen Präsidenten erst ausgucken, wenn wir wissen, wie die neuen Strukturen aussehen“.

Es stellt sich sowieso die Frage, wer sich dieses Amt des DFB-Präsidenten antut. Eine Automatik, dass es jemand aus dem Präsidium ist, wie es früher die Regel war, soll es nicht geben, verschiedene Ex-Nationalspieler wie Philipp Lahm (hat angeblich abgesagt), Christoph Metzelder oder Oliver Bierhof werden genannt. Das klingt aber eher nach einem Feigenblatt, als nach einem Fachmann, der im Verband aufräumt.

Der Sport in den Ligen wird weitergehen, vor allem die Amateure werden wie gehabt „auf die da oben“ schimpfen. Und einen neuen Kandidaten als „Präsident Peinlich“ gibt es auch schon. FIFA-Präsident Gianni Infantino wäre bestens geeignet…

Das ist ja irre: FIFA verkauft den Fußball

„Sind die alle irre geworden“, das sagte ein Freund mit einem Blick auf das Geschehen im Fußball in der vergangenen Woche. In der Tat könnte man meinen, die Fußball-Welt ist ein durcheinander geraten und wird auch noch von einem Präsidenten, der den Irrsinn als tolle Zukunft propagiert, regiert. Denn das ist ja wirklich irre: Die FIFA verkauft den Fußball.

Als Gianni Infantino das Amt des FIFA-Präsidenten von Joseph Blatter übernommen hat, um den Fußball-Weltverband nach Misswirtschaft und Korruption wieder in eine bessere, vor allem auch anständige Zukunft zu führen, da hatte der Sport-Grantler schon damals seine Zweifel. Es ist nichts besser geworden, eher schlechter. Der Fußball spielt beim Schweizer nicht die Hauptrolle, sondern das Geld. Man stelle sich vor: Der Fußball, der vom Verband geschützt werden soll, wird gewinnbringend verkauft! Im Mittelpunkt ein Angebot von 25 Milliarden, von dem Infantino nicht sagt, wer dahinter steckt. Aber die FIFA soll im Sinne dieser dubiosen Geldgeber entscheiden und Rechte abgeben. Und die nationalen Verbände machen mit, vor allem die kleinen Verbände, die teilweise nicht mal einen geregelten Spielbetrieb haben, aber kassieren und Infantino ihre Stimme geben. Infantino der Verkäufer.

Nach dem FIFA-Council in Miami ist Gianni Infantino seinen Zielen einen Schritt weitergekommen. Die umstrittene Klub-Weltmeisterschaft wird vom 21. Juni bis 4. Juli 2021 mit 24 Mannschaften stattfinden. Die ECA, die Vertretung der europäischen Klubs, hatte vorher dagegen protestiert („Kein europäischer Spitzenklub wird daran teilnehmen“), aber die Front bröckelt, Real Madrid und Bayern München zum Beispiel hatten unterschrieben, zeigen aber Interesse. Zugegeben, das alte Format war nicht attraktiv, aber das neue ist es auch nicht, doch es bringt Geld. „Her mit der WM“, jubiliert Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge fordert: „Die Ausschüttung soll an die Verbände gehen, das geht nicht, das muss an die Vereine gehen.“ Kasse ist wichtig, dabei raubt der Termin den Spielern den Sommer-Urlaub – oder wird der Ligen-Beginn wegen ein paar Spitzenklubs verschoben? Wir wissen: Geld vernebelt den Verstand. Außerdem: Eine Klub-WM wird nie die Begeisterung wie die richtige WM wecken, die Mehrheit eines Landes steht nur hinter der Nationalmannschaft.

Um Geld und Stimmen geht es auch bei Infantinos Ziel, bereits die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar mit 48 statt 32 Nationen stattfinden zu lassen. Generell hat er freie Fahrt bekommen, wenn sich Co-Gastgeber finden lassen. Eine Studie hat die Machbarkeit bestätigt, allerdings heißt es, dass diese Studie von der FIFA „gefärbt“ sei. Auch hier spielt allein das Geld eine Rolle, nicht der Sport, denn die Qualität sinkt und die Qualifikation verliert an Bedeutung und Spannung. Verbände und Vereine werden reich, aber die Fans sind arm dran. Der Fußball schaufelt sich mit Dollars sein eigenes Grab.

Beben in der Champions League

Dabei wäre der Fußball sportlich doch so interessant. Zum Beispiel auf Europas Bühnen. In der Champions League gab es buchstäblich ein Beben. Real Madrid raus, Paris St. Germain raus, Bayern München raus – das ist ja irre. Real wurde von den forschen Youngstern von Ajax Amsterdam mit 4:1 buchstäblich überrollt und befand sich kurz im Schockzustand, bis Präsident Perez Erfolgstrainer Zinedine Zidane erneut als Trainer präsentierte. Der Franzose soll Real auf den Erfolgsweg zurückbringen, was in der Meisterschaft schon klappte. Doch Titel kann er erst im nächsten Jahr gewinnen. Er war so klug, nach den größten Triumphen zurück zu treten, ob es jetzt klug ist, das Amt wieder zu übernehmen?

Die Trainer in Paris und München stehen nicht zur Debatte, Thomas Tuchel soll sogar seinen Vertrag verlängern, während in München an Niko Kovac ein bisschen gezweifelt wird. Ist er der richtige Mann für den Neuaufbau bei den Bayern? Die wirkten beim 1:3 gegen den FC Liverpool erstaunlich zahm und vor allem mutlos, kein Zeichen von „mia san mia“, dem sonstigen Wahlspruch. Das 6:0 gegen Mainz am Wochenende machte deutlich: Champions League und Bundesliga sind auch für die Bayern zwei Paar Stiefel, von den besten Klubs in Europa ist Deutschlands Spitze immer weiter entfernt und wird mangels Geld (schon wieder das Geld!) so schnell nicht aufschließen können. Die Bundesliga blamierte sich, bezeichnend das 0:7 von Schalke bei Manchester City und kein Tor von Dortmund gegen Tottenham. Erstmals seit 2006 ist die Bundesliga im Viertelfinale nicht vertreten. Dort spielen am 9./10. und 16./17. April Tottenham – Manchester City, Liverpool – Porto, Manchester United – FC Barcelona und Amsterdam – Juventus Turin.

Die Ehre der Bundesliga rettete Eintracht Frankfurt mit einem überzeugenden 1:0-Sieg bei Inter Mailand und dem Einzug ins Achtelfinale der Europa League. Dort ist Benfica Lissabon der nächste Gegner, was machbar erscheint, allerdings gab es in 48 Duellen von deutschen Klubs mit den Portugiesen nur 14 Siege. Immerhin, in der UEFA-Ranglist ist der wichtige vierte Rang für die Bundesliga nicht in Gefahr.

Die falsche Null von Huub Stevens

Es war ein Akt der Verzweiflung von Schalke O4, als der neue Sportvorstand Jochen Schneider den alten Recken Huub Stevens („Ich mache das aus Liebe zum Verein“) zusammen mit Mike Büskens als Co-Trainer als Nachfolger des entlassenen Domenico Tedesco präsentierte. Ist das irre? Das alte Motto von Stevens’ (Die Null muss stehen) kam gleich wieder zum Tragen, doch es war die falsche Null, Schalke unterlag Leipzig mit 0:1. Positiv: Der Kampfgeist wurde wiederbelebt. Die Bayern freuten sich, dass es wieder Bundesliga gab (siehe oben) und bauten den Vorsprung nach Toren gegenüber Dortmund aus. Aber die Borussia tat auch etwas für das Selbstbewusstsein mit dem 3:2 bei Hertha in der Nachspielzeit trotz Verletzungssorgen. So kann es also doch noch etwas mit der Meisterschaft werden. Alles wartet auf das direkte Duell am 6. April.

Eine Vorentscheidung im Abstiegskampf durch den 3:1-Sieg des FC Augsburg gegen Hannover. Nur ein Wunder kann Nürnberg, 20 Spiele ohne Sieg, und Hannover noch retten. Der FCA ging sogar an Schalke vorbei, Stuttgart wertet das 1:1 gegen Hoffenheim als positiv und hat mit dem Schweizer Steven Zuber einen neuen Star. Der feierte sogar seinen Tor-Erfolg gegen den eigenen Verein und die Fans, da er ja noch Hoffenheim gehört. Er verstieß damit gegen den unausgesprochenen Ethikcode, doch fühlt er sich halt ganz als Stuttgarter. Die Brisanz im Abstiegskampf bleibt erhalten, nach der Länderspielpause trifft Hannover auf Schalke und Augsburg kann in Nürnberg den Klassenerhalt fast perfekt machen.

Jetzt muss Jogi Löw liefern

Auf dem Irrweg befindet sich womöglich auch Bundestrainer Joachim Löw. Mit der Ausmusterung der Bayern-Stars Boateng, Hummels und Müller hat er sich selbst unter Druck gesetzt, jetzt muss er liefern. Vor den Länderspielen gegen Serbien am Mittwoch in Wolfsburg und den Niederlande am Sonntag in Amsterdam hat er sich selbst unter Druck gesetzt. Wenn die EM-Qualifikation mit einer Niederlage beginnt, werden die Kritiker laut werden. Vor allem, wenn es Abwehrfehler gibt. Löw will mehr Tempo und betont, „es war unerlässlich, etwas zu ändern“. Ob zum Beispiel Toni Kroos zum schnellen Spiel passt? Bezeichnend, dass vor dem Besuch in München oberste Geheimhaltung herrschte und nicht einmal der DFB-Präsident eingeweiht wurde. Löw weiß wohl, dass Reinhard Grindel gern plaudert…

Mit drei Neulingen (Klostermann, Stark, M. Eggestein) beginnt Löw die neue Zukunft, hoffentlich gibt es keinen Rückfall in alte Fehler, Das wäre ja dann wirklich irre.

Der Sonntag gehört uns – den Amateuren

Beim Deutschen Fußball-Bund herrscht derzeit die höchste Alarmstufe. Es brennt überall, von Ruhe keine Spur und wie die Zukunft aussieht weiß derzeit keiner genau. Letzter Nackenschlag war eine Anklage, dass die Gemeinnützigkeit des Verbandes in Gefahr sei, weil seine Funktionäre in Saus und Braus gelebt hätten und nicht alle Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt würden. Der Wirbel um das Sommermärchen 2006 mit Bestechungsgeldern und dubiosen Millionen lässt grüßen. Dazu kommt, dass es auch mit dem Spielbetrieb für die Zukunft Probleme gibt. Und das ist für die Vereine und die Fans das größte Problem.

Dabei droht auch internationale Gefahr. Dass FIFA-Boss Gianni Infantino den Weltverband an einen geheimen Geldgeber für 25 Milliarden Euro quasi verkaufen will, ist bekannt und wurde hier schon angeprangert. Die Gier nach Geld sprengt alle Grenzen. Deshalb muss auch vor den neuesten Plänen der UEFA gewarnt werden, denn auch da geht es um noch größere Verdienstmöglichkeiten. So gibt es offenbar Gedanken, die Spiele der Champions League und der Europa League auf das Wochenende zu legen, weil dann bessere Vermarktungsmöglichkeiten nach Asien, Süd- und Nordamerika bestehen würden. Die nationalen Ligen müssten dann im Wechsel auf die Spieltage unter der Woche ausweichen – und die Fans hätten ein Reise- und Arbeitsproblem. Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, würden sie den Fußball in seinen Grundfesten erschüttern und bedeuten auch eine Gefahr für die Zukunft. Die Basis, die Amateure, würde noch mehr leiden. Deshalb der nationale Weckruf: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren. So schnell lassen sich die Pläne abeer nicht verwirklichen, dem stehen laufende TV-Verträgen entgegen.

Es gibt für den DFB nämlich auch national genügend Probleme. So vor allem die leidige Aufstiegsregelung von den Regionalligen in die 3. Liga. Viel kritisiert wird ja, dass die Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen können, was sportlich ein Unding ist. Aber eine Lösung, die allen gefällt, hat keiner. Ein Kompromissvorschlag sieht so aus, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, die 3. Liga aufgestockt wird und es dort vier Absteiger gibt. Unzufriedenheit macht sich sowohl in der 3. Liga breit, wo sogar eine Abnabelung vom DFB hin zum Profi-Fußball, der DFL, diskutiert wird, als auch in den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern, denn aus diesen drei sollen zwei werden (Bestandsschutz für West und Südwest als Regionen mit den meisten Vereinen). Ob es genügend Willen zum Kompromiss gibt?

Darunter kämpfen die Amateure um ihr Wochenende und auch da sollte der DFB seine Hand schützend drüber halten. Der Zusammenschluss der Bundesliga-Fans hat dafür gesorgt, dass die Montag-Spiele mit der nächsten Ausschreibung der Fernsehrechte ab 2021 wieder wegfallen. Die Vereine gaben dem Druck der Fans nach. Auch die 2. Bundesliga will diesen Schritt gehen, obwohl das Spiel am Montag schon fester Bestandteil bei Sport1 wurde. Den Amateuren gefällt aber nicht, dass dafür der Sonntag als Ausweichmöglichkeit angesehen wird. Mehr Profi-Spiele bedeutet weniger Zuschauer auf den Amateurplätzen und das könnte für manchen Verein zu finanziellen Problemen führen.

Der DFB und die Regionalverbänden müssen darauf achten, dass die Musik nicht nur bei den Profis spielt. Es geht nicht nur um das große Geld, sondern auch um die kleinen Vereine. Wenn die Basis wegbricht, dann hat der Fußball auch keine Zukunft mehr. Verbände und Vereine dürfen nicht nur auf das Geld hören, sondern auch auf die Fans. Darum muss das Motto weitgehend Gültigkeit haben: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren.

P.S.: Die Champions League gibt es derzeit in Deutschland nicht im Free-TV, aber die Amateure! Der „Tag der Amateure“ findet am 25. Mai statt, mit 21 Endspielen der Landesverbände und die ARD überträgt rund zehn Stunden live!

Viele offene Fragen sorgen für Spannung 2019

Es gibt keine Olympischen Spiele und keine Fußball-Weltmeisterschaft – 2019 ist wieder eines dieser „Zwischenjahre“ ohne die ganz großen Ereignisse. Das Sportjahr 2019 verspricht aber dennoch Spannung, denn es stehen viele offene Fragen im Raum und außerdem bleibt es immer spannend, zu verfolgen, mit welchen kruden Ideen manche Funktionäre die Öffentlichkeit suchen. So ist eine der interessanten Fragen, ob FIFA-Präsident Infantino es schafft, den Fußball für viel Geld (wohl auch in die eigene Tasche) zu verkaufen…

Aber bleiben wir bei den sportlichen Fragen. Sie betreffen zum Beispiel die deutschen Fußball-Nationalmannschaften. Die Frauen haben eine neue Trainerin, die Männer noch ihren alten Coach. Die Frauen sind bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich gefordert und die „Neue“ wird sich beweisen müssen. Martin Voss-Tecklenburg soll nach dem Tiefpunkt unter Steffi Jones wieder an die Erfolge von Silvia Neid anknüpfen, der Titelgewinn wäre allerdings eine unerwartete Krönung. Da hat es Jogi Löw leichter, von ihm und seiner Mannschaft wird nur die problemlose Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 verlangt. Nun gut, das sollte gegen die Niederlande, Weißrussland, Estland und Nordirland gelingen, da Platz zwei reicht. Allerdings sind da Siege nicht alles, sondern es soll auch eine Weiterentwicklung der DFB-Elf zu alter Stärke erkennbar werden, zum Beispiel mit einer erfolgreichen Revanche gegen die Niederlande. Wird am Ende des Jahres Löw wieder zum „Erfolgstrainer“ werden oder ist er dann endgültig gescheitert? Spannend.

Offene Fragen machen aber auch andere große Sportarten bzw. Meisterschaften und Turniere spannend. So schauen nicht nur die deutschen Tennis-Fans auf Angelique Kerber, welche Stellung 2019 in ihrem Auf und Ab einnimmt, 2016 schoss Kerber mit zwei Grand-Slam-Siegen nach oben, 2017 verzweifelte sie, 2018 gewann sie Wimbledon. 2019 wollen wir sie nicht verzweifelt sehen… Auch die Golf-Fans schauen gespannt auf das neue Jahr, nachdem Hero Tiger Woods sein Comeback als Turniersieger feiern konnte. Schafft er jetzt auch das Sieges-Comeback bei einem Major-Turnier? Vier Siege fehlen ihm hier noch zur Unsterblichkeit. Wenn nur die Gesundheit mitspielt.

Ansonsten bietet auch 2019 alle Welt- Europameisterschaften von den Verbänden, die auf die jährliche Ausrichtung nicht verzichten wollen, die Biathlon und Eishockey zum Beispiel. Einige Highlights stechen zudem hervor, so ist ein ungerades Jahr immer ein WM-Jahr im Wintersport, vorrangig die alpine Ski-WM vom 5. bis 17. Februar in Are/Schweden und die nordische WM vom 22. Februar bis 2. März im österreichischen Seefeld. Den Start an attraktiven WM-Turnieren macht aber Handball mit der Weltmeisterschaft vom 10. bis 27. Januar in Dänemark und Deutschland. Da träumen deutsche Fans schon wieder von einem Wintermärchen wie 2007, als Deutschland Weltmeister wurde. Heiß wird es bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die vom 27. September bis 6. Oktober in Doha/Katar ausgetragen wird. Wieder also ein Verband, der in die Fänge der Pedro-Dollars der Scheichs geriet. Manche Wettbewerbe werden wegen der zu erwartenden Hitze erst um Mitternacht unserer Zeit entschieden.

Am Anfang des Sportjahres steht wie immer auch der Super Bowl, das Finale der American-Football-Profiliga NFL, eines der größten Sportereignisse der Welt, TV-Quoten-Hit in den USA. Ausgetragen diesmal in Atlanta. Die Formel 1 möchte auch gern ein Weltereignis sein, gastiert deshalb überall in der Welt. Deshalb bietet sie diesmal auch etwas Besonderes, nämlich 21 Rennen vom 17. März in Melbourne bis 1. Dezember (Finale spät wie nie) in Abu Dhabi. Aktualisiert wird wieder das technische Reglement, eine offene Frage ist, ob es mal wieder einen neuen Weltmeister gibt, zum Beispiel bei einem Comeback von Ferrari.

Bei allen nationalen und internationalen Meisterschaften werden uns die Schattenseiten des Sports auch 2019 wieder begleiten. Die Doping-Diskussion wird nicht enden, wir dürfen aber auch nicht glauben, dass ein entscheidender Durchbruch zu mehr Ehrlichkeit und Gerechtigkeit gelingt. Eine offene Frage für alle ist doch immer, ist der Sieger gedopt oder nicht? Ähnliches gilt auch für das Wirken der Sport-Funktionäre, die immer noch nicht eingesehen haben, dass der Sport vor allem den Menschen, den Fans, gehört und nicht einigen abgehobenen und geldgierigen Funktionären und Milliardären, die sich im Glanze des Sportes präsentieren wollen. Auch die Hooligans mit ihren Schlägertruppen werden uns weiter beschäftigen, schlimmstenfalls wird der Sport sogar Zielscheibe des Terrors. Auch der Spitzensport ist schließlich Teil einer immer unsicherer werden Welt. Da hilft nur Aufmerksamkeit oder aber ein gewisser Verdrängungsmechanismus, der uns eins lässt: Den Spaß am Sport.

Duell Dortmund – Bayern: Es geht um alles!

In der Fußball-Bundesliga sind erst zehn von 34 Spieltagen absolviert, doch das Gipfeltreffen Borussia Dortmund – Bayern München am Samstag (18.30 Uhr) hat bereits den Charakter eines Endspiels. Es geht um alles – vor allem natürlich für den FC Bayern, der als Titelverteidiger dem Rivalen aus dem Ruhrpott hinterher hechelt und am vergangenen Wochenende mit dem 1:1 gegen Freiburg nicht nur Boden verloren hat, sondern auch den Rückkehr der Krise verkraften muss. In Dortmund sieht es ganz anders aus, quasi das Gegenteil ist der Fall: In 15 Pflichtspielen ist die Borussia unter dem neuen Trainer Lucien Favre noch ungeschlagen, Höhenflug statt Krise also. Gewinnt Dortmund, kann es den Vorsprung auf sieben Punkte ausbauen!

Rückblende: In den letzten sieben Jahren waren die Bayern nach dem 10. Spieltag jeweils Tabellenführer! Schlechter sah es nur in der Saison 2010/11 aus, mit Platz 7 und 10 Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund. Trainer war damals Louis van Gaal. Am 11. Spieltag gab es ein 3:3 in Gladbach, mit dem Abrutschen auf Platz 9 und12 Punkte Rückstand auf Dortmund.

Früher hieß es bei dem Star-Ensemble der Münchner, diese Mannschaft könnte auch der Platzwart trainieren. Man sah zuletzt, dies gilt nicht mehr. Niko Kovac hat sein „Meisterstück“ mit dem Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt (gegen die Bayern!) gemacht und sich damit empfohlen. Mit der Ansammlung der Stars hat er aber offensichtlich seine Probleme. Verloren gegangen ist der spielerische Glanz, mit dem die Bayern einst unter Pep Guardiola beeindruckten, weggeblasen ist das Selbstbewusstsein, das „mia san mia“, das noch unter Jupp Heynckes zum Titelgewinn führte. Abgelöst wurde es von Unsicherheit und Unzufriedenheit, „Markenzeichen“ heute sind schlampige Pässe, Fehler in der Abwehr und mangelnde Chancenverwertung. Klingt eigentlich nach den Sorgen eines Absteigers.

Bezeichnend: Nationaltorhüter Manuel Neuer bekommt kaum einen Ball zu fassen, von den letzten zehn Schüssen waren acht im Netz. Torjäger Robert Lewandowski ging die Selbstverständlichkeit verloren, bei einer entscheidenden Szene vor dem Freiburger Tor musste er nachdenken, ob er den linken oder rechten Fuß nimmt – Chance vorbei. Wenn ein Torjäger nachdenkt, trifft er nicht. Die Versetzung von Joshua Kimmich als Thiago-Ersatz (im Pokalspiel verletzt) ins Mittelfeld erwies sich als Flop, Kimmich produzierte fast nur Fehlpässe, aber Kovac reagierte nicht. Ein Problem ist auch, dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic keine Führungsstärke zeigt, um dem Trainer zur Seite zu stehen, die Spieler an die Kandare zu nehmen. Vier Heimspiele in Folge konnten die Bayern jetzt nicht gewinnen, wenn das keine Krise ist. Das lässt auch nichts Gutes erahnen für das Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen AEK Athen, obwohl die Bayern das Hinspiel mit 2:0 gewannen. Auswärts sind sie auch in der Bundesliga noch das stärkste Team. Ein Hoffnungsschimmer für Dortmund?

Eins ist sicher: In Dortmund geht es um alles. Es folgt die Länderspielpause und damit Zeit für die Verantwortlichen, sich nach einem Nachfolger für Niko Kovac umzusehen, der die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur bringt (Jupp Heynckes wird es wohl kaum sein!). Nur ein Sieg rettet wohl den Coach. Er muss seinem Team endlich seine Handschrift verpassen, er muss taktisch zeigen, dass er der Aufgabe gewachsen ist. Dortmund hat in dieser Woche auch die Leichtigkeit verloren, aber der Tabellenführer machte das, was bisher die Bayern auszeichnete und zum Erfolg führte: Schlechte Spiele dennoch gewinnen.

Von Siegen träumen auch andere Teams, am Tabellenende drohen die Schlusslichter Stuttgart und Düsseldorf (die kurioserweise beide 0:3 verloren und gleichauf blieben) und Hannover (mit sechs Punkten einen Zähler mehr) den Anschluss nach oben zu verlieren. Die Saison ist zwar noch lang, aber sie wird besonders schwer, wenn der Rückstand zu groß wird. Insofern stehen da auch zwei „Endspiele“ an, nämlich Nürnberg gegen Stuttgart und Hannover gegen Wolfsburg, Für Düsseldorf könnten die Punkte gegen Hertha BSC besonders hoch hängen.

Hirngespinst „Super League

Geht es auch für die Bundesliga um alles? In den letzten Tagen geisterte wieder einmal das Hirngespinst einer europäischen „Super League“ durch die Medien. Offensichtlich arbeitet vor allem Real Madrids Vereinsboss Perez an der Umsetzung einer alten Idee der Spitzenklubs, die immer wieder aufmucken, weil sie sich mit dem „Fußvolk“ der nicht ganz so großen Vereine nicht abgeben wollen. Doch der Drang nach der große Kasse wurde bisher immer von der Vernunft und der Realität gebremst und so wird es auch diesmal wieder sein. Allein die gesamte Organisation würde in Unordnung geraten, die Pläne-Schmieder konnten nicht beantworten, was zum Beispiel mit den Nationalspielern passiert, wenn sie die Verbände verlassen wollen. Eine eigene Luxus-Liga gerät schnell an ihre Grenzen.

Und so wird es auch für die Bundesliga nicht um alles gehen, auch wenn Beteuerungen aus Dortmund und München, die nationale Liga nicht verlassen zu wollen, keineswegs eine Garantie für die Zukunft sind. Die Super League könnte nur an die Stelle der Champions League treten, wäre aber auf Dauer selbst bei großer Gewinn-Marge am Ende sportlich und gesellschaftlich eher ein Verlustgeschäft.

Dem Fußball würde es mehr helfen, wenn sich auch die geldgierigen Vereinsbosse damit beschäftigen würden, Korruption und unlautere Geschäfte zu ahnden bzw. zu verbannen. Was rund um FIFA-Präsident Infantino erneut an die Öffentlichkeit kam, lässt nur einen Schluss zu: Beim Weltverband wurde unter dem neuen Präsidenten alles nur noch korrupter und schlechter. Eine Tatsache, die nach der Ära Josef Blatter eigentlich als undenkbar schien. Aber das wurde hier schon oft angeprangert.