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Tag: Joachim Löw

Zwei Turniere, ein Ziel – die Zukunft

Dass der Fußball-Weltverband FIFA in erster Linie ans Geld denkt und dann erst der Sport kommt, das mussten wir schon des Öfteren leidvoll erfahren. Auch die Terminplanung wird dem unterworfen, sonst würden die Gedankenspiele nicht um die Aufblähung von verschiedenen Turnieren kreisen. Unsinnig ist auch, dass jetzt der Confed Cup in Russland und die Europameisterschaft der U 21 sich terminlich überschneiden. Beides sind Turniere bei denen es um die Weiterentwicklung des Nachwuchses geht. Doch das will die FIFA nicht wahrhaben, sie sieht blauäugig den Confed Cup als „Fest der Meister“. Aus deutscher Sicht aber heißt es: Zwei Turniere, ein Ziel – die Zukunft.

Der Confed Cup oder „Confederation Cup“, wie er offiziell heißt, hatte seinen Vorläufer im „König Fahd-Pokal“, der 1992 und 1995 in Saudi-Arabien ausgetragen wurde. 1997 übernahm die FIFA, der Pokal wurde bis 2005 alle zwei Jahre ausgetragen, dann war es den meisten Nationen zu viel und danach galt der Vier-Jahres-Rhythmus und der Confed Cup als Test für den WM-Ausrichter ein Jahr vor der eigentlichen Weltmeisterschaft. Doch immer mehr Nationen sprechen sich dafür aus, den Confed Cup ganz abzuschaffen. So dürfte Russland mit dem Turnier vom 17. Juni bis 2. Juli der Abgesang sein. Vor allem 2021 in Katar ist eine Austragung undenkbar, weil der Confed Cup dann aus klimatischen Gründen wie die WM selbst 2022 auch im Winter stattfinden müsste und die Kontinentalverbände da kaum mitspielen. Geld hin und Geld her.

Beim Confed Cup starten die Meister der sechs Kontinentalverbände sowie der Weltmeister und der Ausrichter. Russland ist Gastgeber für Neuseeland (Ozeanien), Portugal (Europa), Mexiko (Mittelamerika), alle in der Gruppe A, sowie Deutschland (Weltmeister), Kamerun (Afrika), Chile (Südamerika) und Australien (Asien), alle in der Gruppe B. Die jeweils Ersten und Zweiten jeder Gruppe kommen ins Halbfinale, die Sieger sind im Finale (Sonntag, 2. Juli, 20.00 Uhr), die Verlierer spielen um Platz drei (Sonntag, 2.7., 14.00 Uhr, wo gibt es das noch?).

Es ist bei der FIFA nicht gut angekommen, dass Bundestrainer Joachim Löw von Anfang an dem Confed Cup nur eine geringe Bedeutung beigemessen hat und vielen Stammspielern für den Sommer freigegeben hat. Sein Argument ist stichhaltig: „Ziel ist die WM 2018, da wollen wir nach Möglichkeit unseren Titel erfolgreich verteidigen. Viele Spieler sind laufend im Einsatz, die brauchen auch mal einen Sommer Pause.“ Gastgeber Russland ist verschnupft, der Eintrittskartenverkauf gestaltet sich zäh, aber nicht alle Nationen denken so. Portugal und Chile zum Beispiel kündigten ihre besten Mannschaften an (mit Cristiano Ronaldo bzw. Vidal und Sanches). Aber eigentlich ist jeder gewarnt, den Confed Cup ja nicht zu gewinnen, denn der Sieger wurde noch nie Weltmeister! Bitter war dies vor allem für Rekordteilnehmer und Seriensieger Brasilien (vier Siege). Außerdem trugen sich Mexiko (1999) und Frankreich (2002 und 2005 in Deutschland) als Titelträger ein. Deutschland war bisher nur Mitläufer und gerade mal beim eigenen Turnier 2005 Dritter.

Dritter, damit wäre Löw auch in Russland zufrieden und jeder Spieler dürfte außerdem vom DFB 30.000 Euro Prämie einstreichen (50.000 Euro für den Sieg). Der Bundestrainer hat ein anderes Ziel: Wer kann den Stammspielern im Hinblick auf die WM Druck machen? Könnte sein, dass sich sein Kreis erweitert. Wer beim Confed Cup überzeugt, der ist einen Schritt weiter und hat die WM-Teilnahme vor Augen. In den ersten Länderspielen galt dies vor allem für Torjäger Sandro Wagner.

Im Vorfeld der beiden Turniere haben die Trainer Löw und Stefan Kuntz für die U 21 genau abgestimmt, wer in welcher Mannschaft antreten soll. Auch die Europameisterschaft gilt als wichtiger Meilenstein für die Zukunft, frühere Europameister der U 21 wurden später auch Weltmeister (Torhüter Manuel Neuer zum Beispiel). Das wünscht man sich auch für die Zukunft. So galt es, für die Spieler eine Perspektive beim Confed Cup zu finden, andererseits eine starke Mannschaft zur Europameisterschaft zu schicken, denn dort ist durchaus der Titel das Ziel. Die Konkurrenz ist allerdings beim Turnier in Polen (16. bis 30. Juni) stark. Zwölf Nationen spielen zunächst in drei Gruppen, nur die Gruppensieger und der beste Zweite kommen ins Halbfinale. Ein harter Modus. Deutschland bekommt es in der Gruppe C mit Tschechien, Dänemark und Italien zu tun (Gruppe A Polen, Slowenien, Schweden, England, Gruppe B Portugal, Serbien, Spanien, Mazedonien). Einige A-Nationalspieler sind dabei, einige U 21-Kandidaten auch bei Löw. Im Hinblick auf den WM-Kader werden die Augen vor allem auf Abwehrchef Jonathan Tah (Leverkusen), die Mittelfeldasse Max Meyer (Schalke) und Mahmoud Dahoud (Gladbach) sowie Torjäger Serge Gnabry (Bremen, bald Bayern) gerichtet sein. Auch Mitchell Weiser (Hertha) und Davie Selke (Leipzig, bald Hertha) könnten sich noch in den Vordergrund spielen.

Dies zeigt, an Talenten mangelt es in Deutschland nicht. Deshalb gibt es bei zwei Turnieren nur ein Ziel – die Zukunft. Es könnte eine gute Zukunft sein.

Ist Jogi Löw ein guter Bundestrainer?

 

Ein Bekannter überraschte mich kürzlich mit der Frage: „Wie denkst Du denn über den Löw?“ Der Sport-Grantler war perplex. „Wie meinst Du das?“, fragte er zurück. „Na ja, ist der Löw ein guter Bundestrainer oder nicht?“ Ja, darf man denn an der Qualität eines Weltmeister-Trainers überhaupt zweifeln?

Der DFB-Präsident tut es offensichtlich nicht. Von Beginn seiner Amtszeit an zielte Reinhard Grindel auf eine Verlängerung des Vertrages mit Joachim Löw, der Stand jetzt nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 endet. Löw hat für dieses Turnier ein klares Ziel ausgegeben: Erfolgreiche Titelverteidigung, Deutschland soll wie 2014 Weltmeister werden. Eigentlich eine gute Eigenschaft, nicht den Duckmäuser zu spielen, sondern klare Kante zu zeigen. Doch der Erfolg ist damit nicht garantiert, schließlich wollte Deutschland 2016 auch Europameister werden. Der Titel ging an Portugal, Deutschland schied im Halbfinale unglücklich gegen Gastgeber Frankreich aus.

Jogi Löw feiert in diesem Jahr sein 10-Jähriges Jubiläum, im August 2006 war er erstmals als Bundestrainer für die DFB-Auswahl verantwortlich, als Nachfolger von Jürgen Klinsmann. Der Deutsche Fußball-Verband darf mit der Bilanz zufrieden sein, obwohl sich die Erfolge schon früher hätten einstellen können. Löw hat seine Mannen immer ins Halbfinale geführt, war bereits 2008 bei der EM im Finale, bei der WM 2010 Dritter und bei der WM 2014 schließlich Weltmeister. Das kaschierte, dass er bei den Turnieren zuvor den einen oder anderen taktischen Fehler begangen hat und deshalb für das vorzeitige Ausscheiden mit verantwortlich war. Inzwischen hat Löw die DFB-Auswahl sogar in mehr Länderspielen betreut als der beliebte Helmut Schön (1964 – 1978). Mit dem Match gegen Tschechien ist Löw mit 140 Spielen an Schön (139) vorbeigezogen, nur der legendäre Sepp Herberger (1936 – 1964) liegt noch vor ihm mit 167 Spielen. Damals gab es aber auch viel weniger Länderspiele. Helmut Schön schaffte das, was Löw fehlt, er wurde Weltmeister (1974) und Europameister (1972).

Joachim Löw ist in der Öffentlichkeit durchaus anerkannt, aber nicht unbedingt so beliebt, wie es Sepp Herberger und Helmut Schön waren. Löw ist bekannt, aber nicht sonderlich populär, sein Auftreten manchmal etwas seltsam, negative Schlagzeilen erntete er als Nasenpopler auf der Bundesligatribüne oder mit Hosen-Gate, dem Griff in die eigene Hose an der Seitenlinie. Löw hatte und hat den Vorteil, dass er eine Generation von überaus talentierten Spielern anführen kann, mit dem besten Torwart der Welt als Rückhalt. Der Bundestrainer hat durchaus das Können, aus guten Spielern auch eine gute Gemeinschaft zu machen, Spielfreude ist sein Programm. Auffällig, dass er sein Team immer gut in Form bringen kann, wenn er vor einem Turnier genügend Vorbereitungszeit erhält.

Ja, Jogi Löw ist zweifellos ein guter Bundestrainer. Er hat wohl seine Berufung gefunden, denn als Vereinstrainer hielten sich seine Erfolge in Grenzen (Pokalsieger mit dem VfB Stuttgart, Meister in Österreich mit Tirol Innsbruck, Supercupsieger in der Türkei mit Fenerbahce Instanbul). Aber Löw ist kein sehr guter oder überragender Bundestrainer, als dass es nicht eine Steigerung geben könnte. Deshalb ist es verwunderlich, dass DFB-Präsident Reinhard Grindel so auf eine Vertragsverlängerung über 2018 hinaus drängt. Die WM-Qualifikation sollte kein Problem darstellen, aber der Titel in Russland ist keineswegs garantiert. Und was, wenn Deutschland frühzeitig scheitern sollte? Dann wäre eine Trennung die logische, aber auch teure Folge für den Verband. Also ruhig Blut, Herr Präsident. Der Löw rennt Ihnen nicht davon! Vertragsverlängerung höchstens dann, wenn es eine entsprechende günstige Ausstiegsklausel für den DFB gibt.

Übrigens: In einer Umfrage fragt die Fachzeitung kicker Ihre Leser, ob der DFB mit Löw den Vertrag verlängern soll. 54 Prozent stimmten bisher mit Nein.

Jogi Löw: Alte Kameraden und junges Blut

 

Eigentlich beginnt die Fußball-Europameisterschaft erst am 10. Juni in Frankreich, aber der Startschuss fällt bei allen Teilnehmern in diesen Tagen – es ist die Zeit der EM-Nominierung. Als Verbeugung vor dem Gastgeber stellte Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader (Die Mannschaft) in der französischen Botschaft in Berlin vor. Er hat im Vorfeld von Überraschungen gesprochen und ein bisschen hat er Wort gehalten. Was auffällt: Jogi Löw hält an alten Kameraden fest, hat aber seinem erweiterten Kader auch junges Blut zugefügt. Dafür wird der eine oder andere Spieler bei einem Anruf des Bundestrainers aus allen Wolken gefallen sein, weil er eben nicht dabei ist. Das gilt für die Torhüter Trapp und Zieler, sowie für die Weltmeister Durm und Ginter aus Dortmund, die höchstens noch auf Verletzungen im vorläufigen EM-Kader hoffen können. Auch die Weltmeister Kramer und Großkreutz fehlen. Dafür ist Torjäger Mario Gomez wieder dabei, der ja auf die WM verzichten musste.

Große Experimente geht der Bundestrainer nicht ein. Natürlich bilden die Weltmeister das Gerüst der Mannschaft und er hält auch an manchen alten Kameraden fest, die noch verletzt sind (Schweinsteiger, Khedira) oder nicht gerade in Bestform (Podolski). Lange Weggefährten lässt Löw nicht einfach zu Hause. So sieht er seinen Kapitän Bastian Schweinsteiger als echten Mannschaftsführer und will ungern auf ihn verzichten. Er hofft auf einen ähnlichen Effekt wie bei der Weltmeisterschaft, als Schweinsteiger nicht fit anreiste, im Finale aber quasi der Vorkämpfer war und großen Anteil am Titelgewinn hatte. So hofft Löw auch, dass sowohl Khedira als auch Höwedes Stabilisatoren im Team sein werden.

In der Torhüterfrage gaben wohl die letzten Bundesligaspiele den Ausschlag. Ron-Robert Zieler, viele Jahre braver Ersatzmann, litt unter dem Abstieg seines Vereins Hannover 96, Kevin Trapp konnte sich in Paris nicht so profilieren wie Bernd Leno zuletzt in Leverkusen. Leno (noch ohne Länderspiel) schien eher ein Kandidat für die Olympischen Spiele zu sein. So stehen beide Torhüter der U 21 als Ersatzleute auf einer Stufe hinter Manuel Neuer, der unumstrittenen Nummer 1.

Jogi Löw geht ohne „echten“ Rechtsverteidiger zur EM, weil auf dieser Position keiner den Ansprüchen genügt oder man kann auch sagen, weil es ihn mit Ausnahme von Philipp Lahm nicht mehr gibt. So hinterlässt der Rücktritt des WM-Kapitäns schon eine erhebliche Lücke. Wer auch immer hier spielt, wird nur eine Notlösung sein, egal ob Höwedes, Can oder Rudy. Es mutet fast schon seltsam an, dass ein limitierter Mann wie Hoffenheims Sebastian Rudy, selbst im Verein nicht unumstritten, zum EM-Kader gehört.

Die Augen der Öffentlichkeit werden sich aber vor allem auf die jungen Spieler richten. Jogi Löw will einen flexiblen und harmonierenden Kader, dazu können Julian Weigl (Dortmund), Joshua Kimmich (Bayern), Julian Brandt (Leverkusen) und Leroy Sané (Schalke) beitragen. Auffallend, dass sie die Rückennummern von 24 bis 27 erhalten, also die Streichnummern im erweiterten Kader der 27 Mann, 23 werden am 31. Mai endgültig nominiert. Das heißt aber nicht, dass sie ohne Chance sind. Kimmich zum Beispiel hat bei den Bayern seine Flexibilität bewiesen, Sané und Brandt können im Angriff durchaus für Belebung sorgen. Für alle vier gilt: Wer bei der Europameisterschaft dabei ist, muss auf die Olympischen Spiele verzichten. Wer noch ausscheidet, auf den wartet also mehr als ein Trostpflaster!

Es ist zu früh, darüber zu spekulieren, ob Joachim Löw die künftigen Europameister nominiert hat. Er hat eine gute Mannschaft zur Verfügung, technisch ebenso gut wie kampfstark und mit Möglichkeiten für Überraschungen. Zu einem Titelgewinn braucht jedes Team aber auch ein bisschen Glück. Den nötigen Rückenwind sollte man von der Weltmeisterschaft 2014 haben. 20 Jahre nach dem letzten Europatitel 1996 wäre es ja wieder mal Zeit für den EM-Pokal!

Die EM-Vorbereitung beginnt am 24. Mai mit dem Trainingslager in Ascona, Länderspiele stehen für den 29. Mai in Augsburg gegen die Slowakei und 4. Juni in Gelsenkirchen gegen Ungarn auf dem Programm. Am 12. Juni ist in Lille die Ukraine der erste EM-Gegner (außerdem Polen und Nordirland), am 10. Juli soll das Finale in Paris das letzte EM-Spiel sein…

Der EM-Kader: Tor: Neuer, ter Stegen, Leno. – Abwehr: Boateng, Hummels, Höwedes, Hector, Rüdiger, Rudy, Can, Mustafi. – Mittelfeld/Angriff: Schweinsteiger, Khedira, Kroos, Özil, Kimmich, Weigl, Müller, Gomez, Schürrle, Götze, Podolski, Reus, Bellarabi, Draxler, Sané, Brandt.

Jogi Löw in der Kapitäns-Falle

 

Als seine Entscheidung gefallen war, da war sie absolut nachvollziehbar. Als nach der Fußball-Weltmeisterschaft Philipp Lahm als Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft seinen Abschied nahm, da bestimmte Bundestrainer Joachim Löw den damaligen Co-Kapitän Bastian Schweinsteiger als Nachfolger von Lahm. Schweinsteiger hatte sich im WM-Finale buchstäblich für sein Team aufgearbeitet, das Team zum Titel geführt und abseits des Feldes schon immer Verantwortung übernommen. So weit so gut, doch Schweinsteiger galt auch zu der Zeit schon als verletzungsanfällig und fehlte oft bei Länderspielen. Dies hat sich fortgesetzt, doch jetzt fehlt der Mannschaft eben der Kapitän – und Jogi Löw befindet sich in der Kapitäns-Falle.

Gut möglich, dass die Fußball-Europameisterschaft im Juni ohne den deutschen Kapitän über die Bühne geht. Als die Nationalmannschaft in den letzten Tagen ihre Länderspiele gegen England (2:3) und Italien (4:1) austrug, da weilte Schweinsteiger lieber in Florida und drückte seiner Freundin Ana Ivanovic auf der Tribüne die Daumen. Wieder einmal hatte ihn eine Knieverletzung außer Gefecht gesetzt und es heißt, er würde wohl bis Saisonende ausfallen und Manchester United in der Premier League nicht mehr zur Verfügung stehen. Wegen dieser Verletzungsanfälligkeit hat ihn wohl auch Bayern München leicht nach England ziehen lassen. Doch was wird mit der EM? Wird Schweinsteiger rechtzeitig wieder fit und kann er noch helfen? Zur Erinnerung: Auch bei der Weltmeisterschaft 2014 kam der 31jährige erst verspätet zum Einsatz. Dies wird eventuell ein Vabanquespiel für Löw.

Bleibt die Frage, ob Schweinsteiger überhaupt noch helfen und wenn ja, wie. Auf dem Feld? Oder besser daneben, als Teil des Teams, aber nicht als Spieler? Wie man den Bundestrainer kennt, wird Jogi Löw bis zur letzten Sekunde warten und Schweinsteiger am 17. Mai zumindest in das erweiterte Aufgebot berufen. Am 31. Mai ist dann allerdings Meldeschluss für den 23-köpfigen EM-Kader. Hat Schweini Schwein und kann dabei sein?

Bei den letzten Länderspielen führten einmal Sami Khedira und dann Thomas Müller die Mannschaft aufs Feld, davor fungierte auch Torhüter Manuel Neuer als Kapitän. In einer Umfrage der Fachzeitung kicker votierten immerhin 34 Prozent der Leser für Schweinsteiger als Kapitän, damit siegte er klar vor Neuer (19%), Müller (18) und Khedira (12). Bei den Fans hat er also noch Kredit.

Bei den Länderspielen machte sich das Fehlen von Schweinsteiger bemerkbar, dann wiederum nicht. Als das DFB-Team gegen England einen 2:0-Vorsprung verspielte, da hieß es allgemein, ein Stratege und eine Führungspersönlichkeit wie Bastian Schweinsteiger habe gefehlt. Beim 4:1 gegen Italien lief vieles allein, Bundestrainer Löw hatte der Mannschaft eine interessante Formation mit Dreier-Kette in der Abwehr verpasst. Das spricht für Schweinsteiger: In der Not tut der Kapitän vielleicht doch gut.

Die letzten Test-Länderspiele überall in Europa waren eigentlich generell ein Muster ohne Wert. In vielen Vergleichen war zu beobachten, dass es ein Auf und Ab gab. England siegte zum Beispiel in Deutschland und verlor gegen die Niederlande. Für die Trainer wird sich nicht viel geändert haben und in den Kreis der Favoriten hat sich auch keiner neu hineingespielt. Interessanter wird es im Mai und abgerechnet wird zwischen dem 10. Juni und 10. Juli in Frankreich.

Anmerkung: Der Sport-Grantler feiert ein kleines Jubiläum, dies ist die 150. Kolumne seit dem 20. August 2013! Ein Dank an meine geschätzten Leser auf allen fünf Kontinenten!

Löw und die Probleme mit seinen Weltmeistern

Weltmeister werden ist nicht schwer, Weltmeister sein dagegen sehr – so müssen sich derzeit Bundestrainer Joachim Löw und seine Schützlinge nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien fühlen. Die erste Saison der DFB-Elf mit dem vierten Stern auf der Brust war der eines Weltmeisters nicht würdig. Kurios: Nicht nur Brasilien leidet noch heute unter dem Schock des Ausscheidens mit der katastrophalen 1:7-Niederlage gegen Deutschland, der Weltmeister selbst leidet noch unter den Nachwehen des Kraftaktes bis zum Titelgewinn. Die Bilanz klingt nicht sehr erbaulich: Zehn Spiele, fünf Siege, drei Niederlagen, zwei Unentschieden, 22: 12 Tore. „Ein schweres Jahr“, meint Jogi Löw rückblickend.

Jetzt ist allerdings erst einmal wirklich Sommerpause, im August beginnt die neue Saison. Dann jedoch gilt es mit Blickrichtung auf die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Gefährlich ist, dass alle Beteiligten im deutschen Team davon sprechen, dass die Qualifikation dafür kein Problem sei. Ein Blick auf die Mannschaft zeigt allerdings, dass durchaus Probleme entstehen könnten. Siege gegen Polen (4. September, die nächste Aufgabe), in Schottland (7. September) und in Irland (8. Oktober) sind keine Selbstverständlichkeit, aber wichtig im Kampf um einen der beiden ersten Plätze in der Gruppe D. Den Abschluss der Qualifikation bildet das Match gegen Georgien am 31. Oktober. Es könnte sogar noch entscheidenden Charakter bekommen, Polen trifft dann auf Irland, Schottland darf sich auf Gibraltar freuen.

Frisches Blut durch die U21

Was wird sich bis dahin in der deutschen Mannschaft ändern, was muss sich ändern? Erst einmal muss Jogi Löw über seinen Schatten springen und für frisches Blut im Team sorgen. Er hat ja in letzter Zeit schon bewiesen, dass er durchaus bereit ist, einen Schnitt zu machen, siehe die Dortmunder Schmelzer und Großkreutz. Auf der Kippe steht vor allem sein Liebling Lukas Podolski, der in seiner derzeitigen Form keine Daseinsberechtigung im Team mehr hat. Torhüter Roman Weidenfeller hat wohl gegen Gibraltar seine Abschiedsvorstellung gegeben. Gesucht werden vor allem Außenverteidiger und ein Stürmer mit eingebauter Torgarantie. Doch dies geht nicht nur Löw so, sondern vielen Vereinen und Nationaltrainern auf der ganzen Welt. Wohl dem, der einen Messi, Cristiano Ronaldo, Neymar oder Ibrahimovic hat. Deutschland hat wenigstens noch Thomas Müller. Keine „echte Neun“, aber immer für Tore gut.

Hoffnungen setzt Jogi Löw für die Zukunft – und die beginnt im August – auf einige Akteure der U21, die ab Mittwoch bei der Europameisterschaft in Tschechien um den Titel und Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro kämpft. Da stehen zum Beispiel die Torhüter ter Stegen und Bernd Leno auf dem Sprung die Nachfolge von Roman Weidenfeller anzutreten oder sogar Ron-Robert Zieler zu verdrängen. In der Abwehr gibt es einige junge Spieler, doch vorerst sind wohl Boateng, Hummels, Höwedes und Badstuber (wenn er nur mal längere Zeit fit bleibt) nicht zu verdrängen. Ein Faible hat der Bundestrainer zudem für Mustafi und Rüdiger, der aber noch zuverlässiger werden muss. Im Mittelfeld herrscht fast kein Bedarf, Emre Can könnte aber auch eine Lösung für den rechten Außenposten sein. Im Angriff könnte Kevin Volland früher oder später eine Rolle spielen.

Fragezeichen um Kapitän Schweinsteiger

Die Stützen der Mannschaft werden auch in naher Zukunft die Weltmeister sein, wenn es auch bei dem einen oder anderen Fragezeichen gibt. In erster Linie gilt dies für den neuen Kapitän Bastian Schweinsteiger. Die Frage, die sich sowohl die Bayern als auch Jogi Löw stellen: Macht der auch im WM-Finale so geschundene Körper noch lange mit? Schweinsteiger müssen wohl öfters Pausen gegönnt werden, die Bayern haben dafür den Wechsel Alonso/Schweinsteiger im Visier. Bei beiden reicht die Kraft nur für eine gewisse Anzahl von Spielen. Löw muss aber auch abwarten, wie Khedira und Reus wieder in Form kommen und ob Andre Schürrle sich in Wolfsburg durchsetzen kann. Als dreifacher Torschütze gegen Gibraltar und Vorbereiter des entscheidenden WM-Tores hat er sicherlich einen Bonus. Ein Rätsel auch: Wohin mit Mario Götze? Er war übrigens als einziger in allen zehn Spielen dabei!

Kapitän Schweinsteiger gehört aber normal zur bestimmenden Achse im Team, die Torhüter Neuer, Abwehr-As Boateng, Schweinsteiger, Kroos, Özil und Thomas Müller bilden. Darum herum sollte sich eine Mannschaft formen lassen, die im Hinblick auf die Qualifikation zur Europameisterschaft nichts anbrennen lässt. Löw muss aber noch Schlüssel dazu finden, Abwehrbollwerke zu knacken und sich von tief stehenden Mannschaften nicht auskontern zu lassen. Diesbezüglich kann er sich auch mit Bayern-Trainer Pep Guardiola austauschen. Im Prinzip ist es auch so: Erfolgreiche Bayern werden für ein erfolgreiches DFB-Team sorgen.