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Tag: Lewis Hamilton

Formel E ist die Formel der Zukunft im Motorsport

Wachablösung! Am Sonntag, 26. November, ist die Saison der Formel 1 mit dem Rennen in Abu Dhabi beendet, am Samstag, 2. Dezember, beginnt die neue Saison der Formel E in Hongkong. Richtig: Die Rennserie der Boliden mit Elektromotor ist in den Städten der Welt zu Hause. Und das könnte im Rennsport überhaupt zu einer Wachablösung führen: Die Formel E ist nämlich die Formel der Zukunft.

Die Formel E hat das, was die Formel 1 gerne hätte: Sie darf in den Großstädten fahren. 14 Rennen stehen auf dem Terminplan vom 2. Dezember 2017 bis zum 29. Juli 2018. Gastiert wird nach Hongkong (zwei Rennen) noch in Marrakesch, Santiago, Mexico City, Sao Paulo, Rom, Paris, Berlin, Zürich, New York und Montreal (beiden Letztgenannten je zwei Rennen). Die Städte werben mit Rennsport mitten drin, die Formel E wirbt mit ihren Gastspielen in reizvoller Umgebung. Da kann die Formel 1 nur neidisch sein.

Und noch etwas hat die Formel E, was die Formel 1 nicht hat: Die großen deutschen Autokonzerne haben ihr Herz für den Elektromotor entdeckt. Audi ist bereits dabei, BMW steigt 2018 ein und Mercedes und Porsche haben sich schon für 2019 angemeldet. Dem Elektromotor gehört bekanntlich die Zukunft auch im Alltag und da können sich die Autokonzerne für diese Rennserie begeistern, weil sie auch wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Motoren gewinnen können. Formel E könnte am Ende auch für Erfolg stehen. Bezeichnend, dass Mercedes zum Beispiel dafür sein Engagement in der Rennserie DTM aufgibt. Ein Zeichen! Folgt eventuell bald der Rückzug aus der Formel 1? Zumindest dann, wenn der Erfolg mal ausbleiben sollte?

Noch hat die Formel E nicht die Zuschauerzahlen, wie sie die Formel 1 vorweisen kann, der Raum in den Städten ist auch eher begrenzt und was das Fernsehen angeht, da müssen erst einmal Stars gemacht werden. Da könnte die Formel E gewinnen, wenn Größen aus der Formel 1 wechseln. Formel-E-Chef Alejandro Agag bekannte bereits: „Alonso, Hamilton und Co. sind uns willkommen.“

Die Formel E ist aber auch zuschauerfreundlich. Keine Abgase, die leisen Motoren scheinen nicht zu stören, die Formel 1 will dagegen wieder lauter werden. Die Rennen in der Formel E dauern nur eine Stunde, das kommt an. Nur 14 Autos sind am Start, die Zahl soll nicht gesteigert werden, weil der Platz auf den Stadtkursen wohl fehlt. So gibt es auch weniger „Hinterherfahrer“ wie in der Formel 1. Die PS-Zahl wird auf 224 gesteigert, so dass die Rennen schneller werden. Ein letztes Mal wird es in dieser Saison noch einen Wagenwechsel geben, im nächsten Jahr sollen die Batterien ein Rennen durchhalten. Dies zeigt: Eine wertvolle Entwicklung für die Alltagsfahrzeuge.

In der Fernsehpräsenz hat die Formel 1 natürlich noch die Nase vorn, da steht die Formel E zumindest in Deutschland erst am Anfang. Eurosport überträgt und kann an die Zahlen der Formel 1 bei RTL mit manchmal über fünf Millionen Zuschauern nicht heranreichen. Aber das könnte sich ändern, wenn die Formel 1 hier sich selbst das Wasser abgräbt: Die Bosse wollen mehr Rennen ins Pay-TV verlagern, was ihnen vielleicht kurzfristig mehr Geld bringt, im Umkehrschluss aber auch Attraktivität kosten könnte.

Vielleicht heißt es deshalb bald: Freie Fahrt für die Formel E, für den Elektromotor. Möglicherweise sogar auf allen Straßen.

Das Jahr des Lewis Hamilton

Pustekuchen! Da hatten die Formel-1-Fans lange Zeit die Hoffnung, dass die Saison 2017 Spannung bis zum Schluss bringen würde, aber plötzlich gingen Ferrari und Sebastian Vettel die Puste aus und Mercedes und Lewis Hamilton wurden wieder vorzeitig Weltmeister. Und dennoch: In diesem Jahr der Formel 1 war vieles anders.

Was vor Beginn der Saison keiner gedacht hat: 2017 ist das Jahr des Lewis Hamilton. Der Titelverlust 2016 gegen den Konkurrenten im Team, Nico Rosberg, hat den Briten wohl tief getroffen. Er hat an sich gearbeitet, er scheint erwachsen geworden zu sein, ohne aber seinen Spaß am Leben mit der High Society zu verlieren. Mit 32 Jahren hat er jetzt sein Herz auch für die Technik entdeckt, wurde zum Rennwagen-Verbesserer und zur Führungspersönlichkeit. Dass Mercedes nach 2014, 2015 und 2016 zum vierten Mal hintereinander triumphierte und die Konkurrenz in Schach hielt, war ein Verdienst des gereiften Lewis Hamilton. Er bewies, dass er der beste Fahrer im Feld ist und erfüllte auch die Vorbildfunktion, die man von ihm erwartet. Der neue Formel-1-Boss Chase Carey lobte: „Keiner präsentiert den Sport besser als Lewis Hamilton.“ Ein Ritterschlag für das Feier-Biest, bei dem es scheint, als sei der Sport für ihn manchmal Nebensache. Vorbei?

Nico Rosberg wird sich nachträglich noch oft beglückwünschen, dass er mit dem Gewinn des WM-Titels seine Karriere auf dem Höhepunkt beendet hat. Er wird erkannt haben, dass er den Nervenkrieg mit dem ehrgeizigen Konkurrenten nicht ein zweites Mal gewinnen kann. Hamilton wiederum profitierte offensichtlich davon, dass er die unangefochtene Nummer 1 bei Mercedes war und vom neuen Konkurrenten, dem Finnen Valtteri Bottas, nichts zu befürchten hatte. So verlor Hamilton seine Kraft nicht im Kleinkrieg mit dem Kollegen, sondern konzentrierte sich auf Team und Auto. Formel-1-Sportchef Ross Brawn beobachtete: „Lewis ist noch einmal gereift. Es lässt sich nicht mehr so schnell von äußeren Einflüssen von seinem Weg abbringen.“ Insofern hat vielleicht auch Nico Rosberg noch einen nachträglichen Anteil an der Formsteigerung von Hamilton! Der hat jetzt seinen vierten WM-Titel nach 2008 (mit McLaren), 2014 und 2015 errungen, ist der erfolgreichste britische Rennfahrer und steht auf einer Stufe mit Alain Prost und Sebastian Vettel. Nur Michael Schumacher (7) und Juan Manuel Fangio (5) haben mehr Titel errungen.

Diese Wende war wohl auch notwendig, denn Konkurrent Ferrari hatte offensichtlich wesentliche Fortschritte gemacht. Die Italiener und ihr Fahrer Sebastian Vettel wollten Siege und träumten vom Titel. Lange Zeit waren sie auf dem richtigen Weg, schockten Mercedes gleich mit dem Auftaktsieg in Melbourne und Vettel führte zwischendurch die WM-Wertung an. Die Rennen eins, drei, sechs und elf gewann Vettel, dann war es vorbei. Es blieb bei vier Siegen, Hamilton hat zwei Rennen vor Schluss bereits neun. Seit Ferrari nach dem Erfolg am 30. Juli in Budapest quasi der Sprit ausging, siegten nur noch Hamilton und zweimal Max Verstappen.

Sebastian Vettel musste in diesem Jahr erkennen, dass ihm zum großartigen Lewis Hamilton einiges fehlt, vor allem ein starkes Nervenkostüm. Der Brite blieb auch in der Bedrängnis cool, als Vettel führte, während der Heppenheimer hektisch und zum Rambo wurde, als ihm die Felle davon zu schwimmen drohten. Bezeichnend sein Rammstoß gegen Hamilton, bezeichnend aktuell der Startunfall in Mexiko, als Vettel die Karambolage verursachte und die letzte Chance auf den Titelgewinn vergab. Vettel findet nicht das richtige Maß. Gewinnt er, jubelt er mit einem richtigen Kindergeschrei ins Mikrofon, verliert er, wirkt er ratlos. Doch er wird die Hoffnung von Ferrari bleiben, Anerkennung hat er sich dort verschafft, aber die Fußstapfen eines Michael Schumacher sind zu groß für ihn. Es liegt an den Technikern, ob das Ferrari-Hoch 2018 länger hält.

Vielleicht wird Red Bull sogar der größere Konkurrent von Mercedes und Lewis Hamilton. Das Auto ist reif für Siege, wie Max Verstappen bewies. Der 20-jährige Belgier gilt als Mann der Zukunft und wird auf Dauer der größte Konkurrent des Briten sein bzw. ihn langfristig wohl an der Spitze des Feldes ablösen. Vielleicht sogar im Mercedes. Doch das ist Zukunftsmusik. Auf jeden Fall dürfen die neuen Besitzer der Formel 1 schon zwei Rennen vor Saisonende glücklich sein: Die Formel 1 ist zurück, ist wieder interessant und hat Zukunft. Vielleicht sogar mit Elektro-Antrieb, dann schaut sowieso wieder alles anders aus. 2017 war jedenfalls das Jahr des Lewis Hamilton.

Glückliche Formel 1: Nörgler Vettel gegen Lebemann Hamilton

2017 – welch ein Jahr! Genau das hatte sich die Formel 1 gewünscht, endlich wieder Spannung an der Spitze. Ferrari kann Mercedes wirklich herausfordern. Bei Halbzeit, nach zehn von 20 Rennen, führt Mercedes zwar erneut in der Konstrukteurs-Wertung (330 Punkte, Ferrari 275, Red Bull 174), aber in der Fahrer-Wertung hat Ferrari-Pilot Sebastian Vettel mit 177 Punkten noch einen Zähler Vorsprung vor Lewis Hamilton (Mercedes). Das Duell des Deutschen mit dem Engländer elektrisiert endlich wieder einmal die Formel-1-Fans. Hier der Nörgler Vettel, der sich oft benachteiligt sieht, dort der Lebemann Hamilton, der den Sport nicht so ernst zu nehmen scheint. Allerdings sprechen die Ergebnisse eine andere Sprache.

Aber angesichts dieser Duelle, zumal sich auch Red Bull immer wieder mal in den Vordergrund drängt, ist die Formel 1 aus ihrem Dornröschenschlaf wieder erwacht. Es ist auch wieder Leben in der Bude, wenn auch nicht immer im Sinne des Sports, wie Vettels Rammstoss in Baku gegen Konkurrent Hamilton. Der Deutsche hätte viel gravierender bestraft werden müssen als mit einer Verwarnung. Ein Punktabzug wäre gerechter gewesen, hätte aber der Spannung geschadet. Da geht offensichtlich das Geschäft vor den Sport. Zum Sport gehören allerdings auch Reifenplatzer und da war Ferrari in Silverstone im Pech. Vettel fiel auf Rang sieben zurück und büßte gegenüber Sieger Hamilton seinen einst komfortablen Vorsprung fast gänzlich ein. Und nörgelte: „Geht es bei den Reifen mit rechten Dingen zu?“ Man wird ja noch mal fragen dürfen… Beim angeblichen Frühstart von Mercedes-Pilot Bottas in Spielberg vergaloppierte er sich allerdings in der Kritik, schließlich lieferten die TV-Bilder den Beweis, dass der Finne einfach nur schnell und glücklich reagiert hatte. Vettel schießt auf der Strecke und verbal gerne einmal über das Ziel hinaus. So wird er in den Herzen der Fans nicht zum Nachfolger von Formel-1-Ikone Michael Schumacher.

Da setzt Hamilton ganz anders in Szene, der Engländer ist dabei, in den nächsten Rennen einen der legendären Rekorde von Schumacher zu brechen. Er steht bei 67 Pole Positions, Schumacher liegt mit 68 vorn, einst dachte man für die Ewigkeit. Dafür waren dann Mercedes und Hamilton in den letzten Jahren einfach zu stark. Ferrari brauchte zu lange, um den Stuttgarter Paroli zu bieten und seinem einstigen Star den Rekord zu retten.

Die Formel 1 aber schaut nicht nur in eine glückliche Zukunft, sondern hat auch schon wieder Sorgenfalten. Grund dafür ist ein neuer Kopfschutz an den Autos, der die Piloten bei Überschlägen und herumfliegenden Gegenständen (das können sogar Reifen sein) schützen soll. Seltsam, dass sich der Weltverband FIA gegen die Teams, die es ja eigentlich betrifft, durchsetzte und die Einwände ignorierte. Der Schutzbügel sieht wie ein Heiligenschein aus und wird dementsprechend auch „Halo“ (englisch für Heiligenschein) genannt. Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda bringt die Kritik auf den Punkt: „Es ist grundfalsch, diesen Cockpit-Schutz einzuführen. Wir haben neue Autos gebaut, die für den Fan und für den Fahrer wieder attraktiver sind, und jetzt setzt man denen ein Stahlgerüst drauf. Die Autos sind mittlerweile so sicher und das Restrisiko so klein, dass diese Entscheidung nicht gut ist für die Formel 1. Es ist eine Überreaktion.“

Das meint der Sport-Grantler zu „Halo“: Einst liebten die Fans beim Rennsport vor allem den Nervenkitzel. Was ist davon geblieben? Natürlich wollen wir keine Toten mehr sehen, aber ein „Sicherheitskasten“ gehören nicht zum Rennsport!

Die Probleme gehen bei der Formel 1 nicht aus. So hoffen die Fans, dass die Spannung bleibt, zwischen Nörgler Vettel und Lebemann Hamilton, zwischen den roten Ferraris und den Silberpfeilen, am Besten bis zum letzten Rennen am 26. November in Abu Dhabi.

Strafe muss sein! Im Sport nicht immer!

„Der Sport hat seine eigenen Gesetze“ heißt es oft bei strittigen Entscheidungen. Manchmal werden dann auch allgemeine Lebensregeln außer Kraft gesetzt, zum Beispiel die Weisheit „Strafe muss sein“. Die gilt zwar auch im Profisport, aber eben nicht immer. Drei Beispiele, die in der letzten Zeit zu Diskussionen in der Öffentlichkeit führten.

Nummer 1 die Attacke von Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton in der Formel 1. Der Deutsche wurde zum Rächer, als ihn Konkurrent Lewis Hamilton vermeintlich widerrechtlich ausbremste, was für ihn eben nur in der Wahrnehmung galt, aber nicht wirklich so war. Vettel ließ seinem Wutausbruch freien Lauf, die Vernunft hatte Pause und zudem ignorierte er die Regeln und fuhr Hamilton als Revanche seitlich ins Auto. Eine Aktion, die im Rennsport überhaupt nicht geht, wo es immer wieder Todesopfer zu beklagen gibt und sich Fahrer und Verbände Gedanken machen, wie die Sicherheit erhöht werden kann. All diese Bemühungen konterkarierte Vettel. Seine Strafe: Zehn Sekunden „Nachsitzen“, eine Wartezeit, die nicht ausreichen kann, um sein Mütchen zu kühlen. Weil Konkurrent Hamilton dann auch noch technische Probleme hatte, wurde „Rambo“ Vettel zum punktemäßigen Gewinner des Laufs in Baku. Der Weltverband beschäftigte sich zwar im Nachhinein noch einmal mit dem Vorfall, beließ es aber nach einer Entschuldigung von Vettel bei einer Verwarnung. Hier wurde die Weisheit „Strafe muss sein“ außer Kraft gesetzt, Vettel hätte zumindest die WM-Punkte für diesen Lauf verlieren müssen oder eine Sperre für wenigstens ein Rennen zur Abkühlung gebraucht. Den Gerüchten sind Tür und Tor geöffnet, profitierte Vettel davon, dass sein Rennstall Ferrari oft Sonderbehandlungen erhält oder von der Nähe des FIA-Präsidenten Jean Todt zu Ferrari? Vettels Vorbild Michael Schumacher hat für einen ähnlichen Rammstoß mal alle WM-Punkte einer Saison verloren. Noch Fragen?

Nummer 2 im Finale des Fußball-Confed-Cup in Russland. Deutschland brachte den selbsternannten Favoriten Chile zur Verzweiflung und der Ehrgeiz der Südamerikaner wurde ebenso wie die Ungeduld immer größer. Da schlägt man schon mal über die Stränge, Gonzalo Jara tat dies eine halbe Stunde vor Schluss mit einem Rammstoss mit dem Ellenbogen in das Gesicht des Deutschen Timo Werner. Bilder zeigen, wie sich dessen Gesicht verformte. Die Fernsehbilder sprachen eine deutliche Sprache. Nicht für Schiedsrichter Mazic. Der Serbe konnte auf den Videobeweis zurückgreifen und griff dann mit seiner Karte daneben, nachdem er die Tätlichkeit zuvor sogar ignoriert hatte: Gelb statt Rot. Die Weisheit „Strafe muss sein“ wurde also auch hier außer Kraft gesetzt, ein Sträfchen statt Strafe. Immerhin siegte ja Deutschland dennoch mit 1:0. Ein bisschen Gerechtigkeit.

Nummer 3 betrifft den Radsport, nach dem Motto, die Tour de France muss doch dabei sein. Aber gerade dort, wo in Sachen Doping lange Zeit viel zu wachsweich gehandelt wurde und auch heute noch die Augen gerne verschlossen werden, wurde als Zeichen „wir wollen Gerechtigkeit“ hart durchgegriffen. Für viele, selbst für die Konkurrenten, zu hart. Weltmeister Peter Sagan fuhr im Zielsprint die Ellenbogen aus, brachte Mitstreiter Mark Cavendish zu Fall und kassierte die härteste Strafe, die es nur geben kann: Ausschluss von der Tour de France. Im Radsport wird immer hart gesprintet, sind Stürze im Gewühl des Zielsprints fast schon an der Tagesordnung, da hat die Tour-Leitung über das Ziel hinausgeschossen. Das Zeichen für die Öffentlichkeit, „schaut, wir greifen durch“ war daneben, denn im führenden Team Sky, das die Tour bisher dominiert und dies wahrscheinlich bis zum Schluss in Paris auch weiter tun wird, fahren die Doping-Verdächtigungen weiter mit. Gültige Antworten auf die Anschuldigungen hat es bisher nicht gegeben, sondern nur Ausflüchte. „Strafe muss sein“, aber nicht für den Falschen.

So zeigt sich wieder einmal, dass wir im Spitzensport die Gerechtigkeit leider viel zu selten finden. Im Vordergrund steht das Geschäft und es herrscht eben oft auch trotz aller Regeln die Willkür, dass gerecht ist, was dem Geschäft dient. Ein Wunder, dass der Profisport weltweit noch so viele Anhänger hat. Zugegeben: Auch der Sport-Grantler ist einer

Die Formel 1 soll wieder die Formel 1 werden

Leise, langsam, langweilig – so war die Formel 1 in den letzten Jahren, urteilten jedenfalls viele Kritiker. Nur noch ein Abklatsch der früheren Rennen, von einer Königsklasse des Motorsports weit entfernt. Lauter, schneller, spannender – so soll die Formel 1 in der neuen Saison sein. Die Boliden sind breiter, schneller, die Technik weniger, die Fahrer wichtiger – die Formel 1 wird also wieder die Formel 1. Eine echte Königsklasse.

Bis auf das Gros des Fahrerfeldes ist eigentlich alles neu bei der Formel 1 im Jahr 2017. Die Autos (siehe oben) von vielen „Monster“ genannt, fallen als erstes auf. Die wichtigste Veränderung fand aber im Hintergrund statt: Es ist das Jahr eins nach Bernie Ecclestone. Für den 86-jährigen Briten ist die Zeit abgelaufen, der US-amerikanische Medienkonzern Liberty Media ist der neue Besitzer, die Amerikaner Chase Carey (Geschäftsführer) und Sean Bratches (Kommerz) sowie Technik-Genie Ross Brawn als Sportchef sind die neuen Herren. Sie versprechen eine bessere Zukunft, zurück zum Sport, zurück zur Tradition und zurück zu einer Formel 1, die auch für kleine Teams finanzierbar bleibt. Dies wird nur in kleinen Schritten vorangehen, denn die alten Verträge laufen noch bis 2020. Erst dann sind wirklich große Veränderungen möglich. Doch Vorsicht: Auch der neue Besitzer will an der Formel 1 vor allem gut verdienen.

Der Fan aber schaut auf Autos und Fahrer und wünscht sich Spannung. Sicher ist, es wird einen neuen Weltmeister geben. Nico Rosberg ist nach seinem Titelgewinn im Vorjahr überraschend zurückgetreten, was für viele unverständlich war. Sieht man allerdings die Entwicklung, hat der Deutsche, der in Monte Carlo lebt, vielleicht den richtigen Riecher gehabt. Sollte er sich das noch einmal antun? Alles neu, alles schwieriger, wieder der Hader mit dem Kollegen und darüber die Ungewissheit, ob sein Auto überhaupt noch das schnellste ist? Rosberg wählte die Gewissheit des schönen Lebens statt der Ungewissheit in der Formel 1.

Ungewissheit aber elektrisiert die Fans. Sind die Autos neu, werden die Karten auch wieder neue gemischt. Dies war auch der Sinn, um die Dominanz von Mercedes zu beenden. Allerdings wird bei Mercedes immer noch der stärkste Motor vermutet. Andererseits haben wohl vor allem Ferrari und Red Bull in punkto Aerodynamik aufgeholt. Bei den ersten Tests in Barcelona beeindruckte Ferrari die Konkurrenz, die Karten werden aber erst bei den Rennen aufgedeckt. Also am Sonntag, 26. März, in Melbourne. 20 Rennen stehen bis Ende November auf dem Programm, Deutschland bleibt nur die Rolle des Zuschauers. Das Land der Weltmeister (16 Titel gegenüber 12 von Großbritannien) wird erst wieder 2018 Gastgeber sein.

Sind die Rennen spannend, wird auch der Kampf um den Titel spannend. Dabei müssen sich die Sportchefs auch eine neue Taktik einfallen lassen, denn die neuen Reifen von Ausrüster Pirelli sind breiter und haltbarer, so dass es wohl nur zu ein bis zwei Boxenstopps kommen wird. Die Fahrer müssen sich wieder an höhere Geschwindigkeiten und höhere Fliehkräfte in den Kurven gewöhnen, die Rundenzeiten sollen um ca. fünf Sekunden schneller werden, außerdem sind die Fahrer beim Start gefordert.

Wer also kommt mit den neuen Bedingungen am besten zurecht? Lewis Hamilton, Weltmeister von 2008, 2014 und 2015) hofft darauf, dass Mercedes ihm wieder das beste Auto hinstellt und das der neue Kollege Valtteri Bottas zwar bei der Entwicklung des Boliden Klasse zeigt, aber nicht auf der Strecke. Sebastian Vettel will, soll oder muss sogar die Misserfolgsserie von Ferrari beenden, den letzten Sieg gab es 2015, den letzten Titel 2007 von Kimi Räikkönen. Am Saisonende läuft der Drei-Jahres-Vertrag von Vettel bei den Italienern aus. Entweder er wird gefeiert oder er wird gefeuert! Angeblich wartet Mercedes schon auf ihn, der Finne Bottas habe deshalb nur einen Vertrag für dieses Jahr. Zu beachten sind aber auch die Red Bull mit Draufgänger Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Es könnte ein gutes Jahr eins nach Bernie Ecclestone werden.
Die Rennen: 26. März Melbourne, 9. April Shanghai, 16. April Bahrain, 30. April Sotschi, 14. Mai Barcelona, 28. Mai Monte Carlo, 11. Juni Montreal, 25. Juni Baku, 9. Juni Spielberg, 16. Juli Silverstone, 30. Juli Budapest, 27. August Spa, 3. September Monza, 17. September Singapur, 1. Oktober Sepang, 8. Oktober Suzuka, 22. Oktober Austin/Texas, 29. Oktober Mexico City, 12. November Sao Paulo, 26. November Abu Dhabi.

Die Teams: Mercedes: Lewis Hamilton, Valtteri Bottas. Ferrari: Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen. Red Bull: Daniel Ricciardo, Max Verstappen. Williams: Felipe Massa, Lance Stroll. Haas: Kevin Magnusson, Romain Grosjean. Force India: Sergio Perez, Esteban Ocon. Renault: Nico Hülkenberg, Jolyon Palmeer. Toro Rosso: Daniil Kwjat, Carlos Sainz jr.. Sauber: Pascal Wehrlein, Marcus Eriksson. McLaren: Fernando Alonso, Stoffel Vandoorne.

Nico Rosberg – der ungeliebte Formel-1-Weltmeister

 

Für ihn ging ein Traum in Erfüllung, für andere war der Weltmeister Nico Rosberg eher ein Albtraum. Die Stimmung in der Welt der Formel 1 ist geteilt: Da die Vernünftigen und Sportlichen, die von einem verdienten Titel für Nico Rosberg sprechen, dort die Geschäftemacher und PR-Strategen, die auf der Linie von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone liegen: „Ein Weltmeister Rosberg ist für ihn selbst und Mercedes gut, bringt aber der Formel 1 nichts“. Der 86jährige vermisst den Glamour-Faktor beim Deutschen.

Nico Rosberg ist endlich am Ziel, deshalb können diese Kritiken dem 31jährigen neuen Weltmeister egal sein. Er muss allerdings mit der Rolle des ungeliebten Weltmeisters leben. Da sind schon die Deutschen, die den gebürtigen Wiesbadener nicht als „ihren“ Weltmeister adoptiert haben. Rosberg liegt nicht auf der gleichen Beliebtheitsskala wie Sebastian Vettel oder schon gar nicht Michael Schumacher, die anderen beiden deutschen Weltmeister. Aufgewachsen in Wiesbaden und auf Ibiza, seit langem mit Wohnsitz in Monte Carlo, sehen die Deutschen den Rennfahrer mit deutscher Mutter und finnischem Vater nicht als „Einheimischen“. Rosberg hat die deutsche und finnische Staatsbürgerschaft, fährt mit deutscher Lizenz und spricht nicht einmal finnisch, dafür deutsch, englisch, französisch und italienisch fließend.

Das ist eben der Unterschied: Rosberg gilt als Liebling der oberen Elite, als gut erzogen, gebildet und gibt sich zurückhaltend. Glamour ist seine Sache nicht, Frau und Tochter geben ihm die notwendige Entspannung zwischen den Rennen. Konkurrent Lewis Hamilton, ebenfalls 31, ist der Lebemann, er sucht die Aufmerksamkeit, hat internationale Stars als wechselnde Freundinnen, beeindruckt mit Tätowierungen und dicken Goldketten. Der Engländer sorgt für die Schlagzeilen, die Bernie Ecclestone so gut für das Geschäft findet. Na ja, Hamilton war Weltmeister 2008, 2014 und 2015, da kann die Formel 1 einen braven Weltmeister Nico Rosberg verkraften. Zumal er dadurch, dass sein Vater Keke vor 34 Jahren ebenfalls Weltmeister war (das gab es außerdem nur bei Graham und Sohn Damon Hill), eine besondere WM-Geschichte schrieb.

Eine besondere WM-Geschichte schrieb sicherlich auch Mercedes und ebenso die Saison 2016. Sie war mit 21 Rennen die längste aller Zeiten und sie sorgte weitgehend für die in den letzten Jahren so schmerzlich vermisste Spannung. Das war zwar in erster Linie dem Stall-Duell bei Mercedes zuzuschreiben, aber das Finale in Abu Dhabi bewies, dass die Zeit der Alleinherrschaft von Mercedes zu Ende gehen könnte. Vor allem Red Bull hat aufgeholt.

Ein Verlierer der Saison war aber Ferrari, weil die Träume von einem Saisonsieg nicht in Erfüllung gingen und Red Bull an den Italienern vorbeizog. Ein Verlierer war deshalb auch Sebastian Vettel, der Ferrari in naher Zukunft den WM-Titel holen sollte, doch der ist weiter weg als vor einem Jahr. „Wie es weitergeht, werden wir im Laufe der nächsten Saison sehen“, äußerte sich Teamchef Maurizio Arrivabene bedeutungsschwer zur Zukunft des Deutschen, der allerdings beim Finale mit einer wilden Aufholjagd und Platz drei Punkte für sich gutmachen konnte. Vielleicht findet Vettel bei Mercedes einen Ausweg!

Gespannt darf man nämlich sein, wie die Zukunft bei Mercedes aussieht. Zum wiederholten Male hat Lewis Hamilton gegen die Stallorder verstoßen. Die Aufforderung, er solle schneller fahren, hat ihn in Abu Dhabi kalt gelassen, er hat alle taktischen Kniffe aus dem Hut gezogen, Nico Rosberg eingebremst und die Konkurrenz (sehr zum Unwillen von Mercedes) aufholen lassen. Sein Kalkül: Rosberg sollte Probleme bekommen und möglichst zwei Konkurrenten an ihm vorbeiziehen. Das wäre der Titel für Hamilton gewesen. Rosberg bewies eiserne Nerven, beeindruckte mit einem weltmeisterlichen Überholmanöver gegen Verstappen und hielt bis zum Ende Platz zwei, was reichte, auch wenn Hamilton mit elf Saisonsiegen die Nase vorn hatte. Rosberg genügten zehn Siege, er hatte u. a. 2016 das Glück, dass Hamilton wiederholt von technischen Problemen gestoppt wurde. Andererseits machte der Engländer selbst Fehler und machte so den Weg zum Titel frei.

So mag Nico Rosberg ein ungeliebter Weltmeister sein, ein würdiger und sympathischer ist er auf jeden Fall. Und Bernie Ecclestone mag sich trösten. 2016 mit dem Weltmeister Rosberg macht mehr Lust auf die WM 2017 als ein Dauer-Weltmeister Hamilton. Und nachdem der Formel-1-Chef quasi Krawall sucht, hat er ja noch Max Verstappen in der Hinterhand, der vom Zweitteam Toro Rosso in die erste Liga bei Red Bull aufstieg, Der 19jährige Niederländer mischte die Formel 1 mit forschen Auftritten auf und verunsicherte sie gleichzeitig. Dem jungen Draufgänger gehört die Zukunft – ganz im Sinne von Bernie Ecclestone.

Die Formel 1 fährt wieder – und Vettel fährt hinterher

 

Rasant ist die Formel 1 aus ihrer Sommerpause gekommen. Als wollte sie ein Signal setzen, dass die Königsklasse des Motorsports keineswegs langweilig ist, sorgte sie mit einem Crash in der ersten Kurve gleich für Aufmerksamkeit. Der Verursacher in Spa, Jungtalent Max Verstappen (oder war doch Sebastian Vettel der Schuldige?), bekam aber kein Lob, sondern einiges auf die Ohren (einige sagten, „dem fehlt es zwischen den Ohren“). Die Formel 1 fährt also wieder, aber nicht immer, Manchmal steht sie auch. Ein seltenes und seltsames Bild, als in Spa nach einem schweren Unfall alle Boliden in der Boxengasse standen und auf die Fortführung des Rennens warteten.

Wie auch immer, die Formel 1 war im Gespräch, allein das ist für die Macher um Bernie Ecclestone wichtig. Vorbei sind die Schattenwerfer Fußball-Europameisterschaft und Olympische Sommerspiele. Wenn die Formel 1 auch nicht in Belangen freie Fahrt hat, geht es um die Höhepunkte im Sport, so mischt die Formel 1 zumindest wieder mit. Tatsache ist: Die Rennen sind interessanter geworden.

Noch acht Rennen von insgesamt 21 stehen an, am kommenden Sonntag, 4. September, präsentiert sich mit Monza in Italien gleich wieder ein Hochgeschwindigkeitskurs, so, als hieße es, mit Vollgas in den Endspurt. In Spa standen die aktuellen Fahrer sowieso im Schatten eines Altmeisters, Michael Schumacher nämlich, der vor 25 Jahren in Spa seine große Karriere in der Formel 1 begonnen hatte. „Plötzlich war er da…“ hieß es, das Talent kam aus dem Nichts und mischte die Rennkönige auf. Nach seinem folgenschweren Skiunfall ist Michael Schumacher plötzlich wieder weg – leider (alles Gute, Michael).

Einen würdigen Nachfolger hat er bisher nicht gefunden. Sebastian Vettel ist es nicht, was die deutschen Fahrer angeht, und Lewis Hamilton ist es nicht, was die Spitze angeht. Ganz im Gegenteil, Vettel ist bisher der Verlierer der Saison. Im Vorfeld der neuen Saison hatten die Beobachter eine Hoffnung: Ferrari sollte die Alleinherrschaft von Mercedes ins Wanken bringen und von einem Dreikampf um den Titel war die Rede, zu Hamilton und Nico Rosberg sollte sich Sebastian Vettel gesellen. Doch die Hoffnung, genährt durch drei Siege im Vorjahr, trog, Vettel fuhr bisher mehr hinterher als vorneweg, Ferrari ist nicht die zweite Kraft, sondern die dritte. Red Bull hat ihnen die Show gestohlen, Daniel Ricciardo (Australien) ist in der Fahrerwertung Dritter vor Vettel und in der Konstrukteurswertung zeigt Red Bull den Ferraris den Auspuff. Während das Brause-Team große Fortschritte erzielte, herrschte in Maranello Stillstand. Ferrari kommt buchstäblich nicht vom Fleck. Vettel ist ein Stück weg verzweifelt, Optimisten verweisen darauf, dass es unter Schumacher auch drei Jahre gedauert hatte, bis sich die Erfolge einstellte. Ein gutes Rennen in Monza soll jetzt zum Stimmungsaufheller werden.

Das Maß aller Dinge bleibt also Mercedes, das wenigstens durch den Zweikampf zwischen Titelverteidiger Hamilton und Herausforderer Rosberg für Spannung sorgt. Die Konkurrenz konnte offensichtlich das Entgegenkommen, dass das Reglement für mehr Entwicklungsfreiheiten gelockert wurde, nicht nutzen. Aber Red Bull befindet sich im Aufwind, weckt die Hoffnung für die Zukunft und glaubt an einen Trumpf: Im nächsten Jahr soll bei den Neuerungen die Aerodynamik eine größere Rolle spielen und da gilt Technikdirektor Adrian Newey als wahrer „Zauberer“. So einen braucht die Formel 1, damit der Zauber der Königsklasse nicht verfliegt. Mal sehen, welches Fazit wir nach dem letzten Rennen am 27. November in Abu Dhabi ziehen können. Sebastian Vettel als Weltmeister ist allerdings unwahrscheinlich.

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung

 

Drei Mann und ein Befehl: Macht die Weltmeisterschaft der Formel 1 spannend! Diese drei Mann sind Titelverteidiger Lewis Hamilton, sein Herausforderer im Mercedes-Team Nico Rosberg und Sebastian Vettel im Ferrari. Vor allem ihm drücken die Formel-1-Fans die Daumen, die endlich wieder Spannung wollen. Selbst Mercedes wäre froh, mehr herausgefordert zu werden. Langeweile ist schlecht für das Geschäft, leichte Siege bringen keine Anerkennung. 22 Autos, aber nur drei, denen Siege zugetraut werden – die Formel 1 lebt von der Hoffnung.

Die neue Saison wird lang, die längste aller Zeiten. Von Melbourne am kommenden Sonntag, 20. März, bis Abu Dhabi am 27. November stehen 2016 erstmals 21 Rennen auf dem Programm. Auch Deutschland ist mit dem Hockenheimring (31. Juli) wieder dabei. 21 Rennen und Langeweile – nichts kann tödlicher sein.

Für Spannung könnte Nico Rosberg sorgen. „Es muss mein Jahr werden“, hofft er, weil er weiß, dass mit jedem Jahr hinter dem Rivalen Lewis Hamilton die Chance auf den Titel immer kleiner wird und sogar sein Cockpit in Gefahr gerät. Als der Engländer im letzten Jahr als Weltmeister feststand, siegte Rosberg plötzlich in den letzten drei Rennen. Ein Zeichen, dass er dem Druck nicht gewachsen ist? Die Bilanz 2015 sah Hamilton immer vorn: Zehn Siege (Rosberg 6), 17 Podestplätze (15), Elfmal Pole Position (7), 18 Rennen in den Punkten (17) und im Trainingsduell 12:7. Für Rosberg gibt es Verbesserungspotential. Aber der Deutsche strahlt nicht das Selbstbewusstsein des Engländers aus, der Extravaganzen liebt und sich die Gelassenheit offensichtlich im Showbusiness holt.

Für Spannung soll Sebastian Vettel sorgen. Er ist sich sicher, „unser Auto ist besser geworden“, aber er schränkt ein, „wir wissen nicht, wie viel besser auch der Mercedes geworden ist“. Im Vorjahr sorgte Vettel gleich im zweiten Rennen in Malaysia mit seinem Sieg für einen Paukenschlag, dann aber war es erst einmal vorbei. Erst im zehnten Rennen in Budapest klappte es wieder und schließlich noch einmal in Singapur. Drei Siege als Anfang, drei Siege als Hoffnung.

Traurig, dass von den restlichen Teams wohl keines für einen Sieg in Frage kommt. Selbst Vettel kann nur hoffen, dass er von Teamkollege Kimi Räikkönen Unterstützung bekommt. Williams, Red Bull, McLaren, Force India, Toro Rosso, Renault, Manor, Sauber und die Neulinge vom Team Haas kämpfen darum, zwischendurch wenigstens einmal auf dem Treppchen zu stehen. Red Bull möchte Williams Platz drei in der Konstrukteurswertung streitig machen. Von Erfolgen wie in der Vor-Hybrid-Ära sind sie weit entfernt.

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung, aber auch von den Deutschen. Mercedes hat den besten Motor und stellt mit vier Piloten das Gros im Fahrerfeld. DTM-Meister Pascal Wehrlein bekam ein Cockpit bei Manor, das jetzt mit Mercedes-Motoren beliefert wird. Der 23jährige gilt als große Nachwuchshoffnung und sitzt Nico Rosberg im Nacken. Nico Hülkenberg will mit dem starken Force India wenigstens ab und zu aus dem Schatten von Rosberg und Vettel treten.

Neuerungen gibt es natürlich ebenfalls wieder, wenn auch im bescheidenen Rahmen. Für die echten Renn-Fans erfreulich: Die Motoren werden wieder lauter. Das Qualifying soll dadurch interessanter werden, dass alle 90 Sekunden der Langsamste rausfliegt. Dadurch sollen alle Teams frühzeitig auf die Strecken gezwungen werden. Ein Pokerspiel wird es bei der Reifenwahl geben, 13 Sätze gibt es für ein Rennwochenende für jeden Fahrer, drei werden von Hersteller Pirelli vorgeschrieben, der neue Ultrasoft ist besonders weich und schnell. Die Top 10 müssen mit dem Reifensatz im Rennen starten, mit dem sie im zweiten Qualifying die Bestzeit erzielt haben. Die Formel 1 liebt es immer noch kompliziert. Es müssen ja nicht gleich alle den richtigen Überblick haben. Neu im Rennkalender ist auch Baku, am 19. Juni wird in der Hauptstadt von Aserbaidschan gefahren. Der bekannt geldgierige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat dort eine neue Einnahmequelle entdeckt. Unter diesem Aspekt ist die Zukunft in Deutschland ziemlich mit einem Fragezeichen zu versehen. Ob Hockenheim alle zwei Jahre das nötige Kleingeld besorgen kann, ist nicht sicher.

Noch immer sieht sich die Formel 1 als die Krone des Motorsports. Doch ist sie das wirklich, wenn nur drei von 22 Autos um den Titel fahren können, vielleicht aber auch wieder nur zwei? Die Formel 1 lebt von der Hoffnung und die Fans auch. Wie schön wäre es, wenn wenigstens die Hälfte des Feldes für den Sieg in Frage käme! Träume!

Die Rennen: 20. 3. Melbourne/Australien, 3. 4. Manama/Bahrain, 17. 4. Shanghai/China, 1. 5. Sotschi/Russland, 15. 5. Barcelona/Spanien, 29. 5. Monte Carlo/Monaco, 12. 6. Montreal/Kanada, 19. 6. Baku/Aserbaidschan, 3. 7. Spielberg/Österreich, 10. 7. Silverstone/England, 24. 7. Budapest/Ungarn, 31. 7. Hockenheim/Deutschland, 28. 8. Spa/Belgien, 4. 9. Monza/Italien, 18. 9. Singapur, 2. 10. Sepang/Malaysia, 9. 10. Suzuka/Japan, 23. 10. Austin/USA, 20. 10. Mexiko City/Mexiko, 13. 11. Sao Paulo/Brasilien, 27. 11. Abu Dhabi/VAE.

Formel-1-Traum: Spannender, lauter, billiger

Das ist gar nicht im Sinne der „Macher“ der Formel 1, besonders vom großen Zampano Bernie Ecclestone, der gerade seinen 85. Geburtstag gefeiert hat und noch nicht an die Rente denkt: Drei Rennen stehen noch aus, aber die Entscheidungen sind gefallen. Was bleibt ist Langeweile. Eine Langeweile, die bei den Fans auch während der Saison schon aufgekommen ist und deshalb rauchen die Köpfe der Verantwortlichen vor allem in Richtung Zukunft. Die Formel 1 soll wieder spannender, lauter, vor allem aber auch billiger werden. Bleibt das nur ein Traum?

Formel-1-Fans beschäftigt das Thema schon die ganze Saison, auch der Sport-Grantler hat sich damit beschäftigt (siehe am 27. Juli „Formel 1 soll wieder eine echte Königsklasse werden“). Passiert ist noch nichts, aber es pressiert und Vorschläge liegen auf dem Tisch. Aber es droht auch ein Aufstand, die kleineren Teams wollen mehr Geld. Sauber und Force India klagen bei der EU, sie sehen eine Wettbewerbsverzerrung und hinterfragen die Bonuszahlungen an die Top-Teams. Die Formel 1 soll also auch gerechter werden.

Die große Frage ist zunächst, wie die Formel 1 spannender werden kann. Mercedes und Lewis Hamilton dominierten das Geschehen in dieser Saison, frühzeitig waren Team- und Einzeltitel unter Dach und Fach. Dem Briten gefällt das, er feierte seinen dritten Titelgewinn und hat den vierten im Visier. Mannschaftskollege Nico Rosberg wurde notfalls von der Piste geschubst, wenn er im Wege stand. Die einen sagen „unfair“, die anderen sehen darin die Kaltblütigkeit eines echten Champions, Rosberg dagegen sei zu brav. Hamilton kann sich aber außerhalb des eigenen Hauses auf mehr Konkurrenz einstellen, nicht nur, weil Ferrari mit Sebastian Vettel aufholt und im nächsten Jahr chancenreich um den Titel kämpfen will.

Hamilton wird mehr Konkurrenz bekommen, weil Mercedes einen Teil seines technischen Vorsprungs freiwillig aufgibt und zugestimmt hat, dass die Konkurrenz früher als vorgesehen die Motoren weiterentwickeln darf. Auch Mercedes gewinnt lieber gegen starke Konkurrenz. Schlecht für das Geschäft wäre es nur, wenn die Konkurrenz so stark wird, dass Mercedes nicht mehr gewinnt… Wie auch immer, gewinnen könnte vor allem die Formel 1.

Mehr Konkurrenz versprechen sich manche auch davon, wenn es einheitliche Motoren gäbe, vor allem für die kleinen Teams, die unter den horrenden Preisen für Motoren stöhnen. Mehr Konkurrenz verspricht besseres Geschäft. Andererseits sind die Motoren sowieso der Knackpunkt. Mercedes sieht sich das Ganze von oben an, Ferrari arbeitet verzweifelt daran, die Lücke zu schließen, die anderen fahren hinterher. Vor allem Red Bull ist mit Renault nicht zufrieden, aber Mercedes und Ferrari wollen den einst übermächtigen Konkurrenten nicht wieder zur Nummer 1 machen. McLaren blockiert die Motorenlieferung von Honda, so dass sich Red Bull in der Zwickmühle befindet. Ein Rückzug von Red Bull und dem zweiten Team Toro Rosso würde der Formel 1 schaden und auch Mercedes und Ferrari nicht gefallen. Mal sehen, wer im Pokerspiel die besten Karten in der Hand hält.

Eins ist klar: Wieder einmal liegt die größte Spannung bei der Formel 1 in der Zukunftsfrage. Was kommt am Ende wirklich auf den Tisch, was wird Wirklichkeit und wie lange machen die Fans die Spielchen noch mit? Wieder einmal steht die Formel 1 am Scheideweg, wobei zumindest die Zielrichtung für alle klar ist: Spannender, lauter, billiger.