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Tag: Premier League

Nach dem Supercup heißt es „Vorteil Dortmund“

Je nach Standpunkt und Ergebnis wird die Bedeutung des Supercups hervorgehoben oder heruntergespielt. Dies ist in der Fußball-Bundesliga nicht anders als zum Beispiel in England, wenn sich der Meister und der Pokalsieger (bei einem Doublegewinn darf der Vizemeister ran) im „Vorlauf“ der neuen Punktrunde gegenüberstehen. Ist es ein erster Fingerzeig wenn man den ersten Pokal in den Händen hält oder doch nur ein weiteres Testspiel? Im Fall des 2:0 von Borussia Dortmund gegen den Titelverteidiger (auf allen Ebenen) Bayern München ist es auf jeden Fall ein erster Fingerzeig und so heißt es nach dem Supercup „Vorteil Dortmund“. Entsprechend wurde bei der Borussia auch gefeiert (mit dem Elan feiern sie in München die Meisterschaft).

Die Dortmunder feierten, weil der Erfolg ihnen die Bestätigung brachte, dass sie den Rivalen aus dem Süden wirklich angreifen können und für die Saison gerüstet sind. Er ist die Bestätigung dafür, dass die ausgegebene Parole „wir wollen Meister werden“ durch Substanz absolut gerechtfertigt ist. Wie das 2:0 zustande kam, zeigte vor allem Trainer Lucien Favre, dass er mit seiner taktischen Marschroute zumindest im direkten Vergleich richtig liegt: Die Abwehr muss stehen und das Umschaltspiel klappen. Da nützte den Bayern 65 Prozent Ballbesitz gar nichts. Die Dortmunder waren also keineswegs besser, aber cleverer und sie haben weniger Fehler gemacht. Das sollte also den Bayern zu denken geben.

In München spielen sie Bedeutung der Niederlage natürlich herunter. Motto: Gar nichts passiert. Andererseits nutzten einige Spieler die Gelegenheit, um weitere Verstärkungen einzufordern. Sie wollen auf der Bank Spieler, die sofort helfen können. Vergessen dabei allerdings, dass sie dann selbst auf der Bank sitzen könnten und ihren Unmut äußern. Da gerät der Trainer schnell in die Bredouille. Das könnte Niko Kovac jetzt auch wieder passieren, denn es keimt schon wieder eine Systemdiskussion auf. Zuletzt setzte er auf das 4-3-3, was vor einem Jahr zur Herbstkrise führte. Die Bayern schafften dem geliebten 4-2-3-1 der Spieler dann die Wende. Noch heißt es, das System spielt keine Rolle, doch wenn die Ergebnisse nicht stimmen, spielt es plötzlich die Hauptrolle.

In Dortmund standen sich mehr oder weniger noch die „alten Teams“ gegenüber, beide Mannschaften haderten auch mit Verletzungen. Einziger Neuzugang bei den Borussen war Nico Schulz, die Bayern hatten besondere „Neuzugänge“: Einmal Tolisso, der die letzte Saison mehr oder weniger wegen Verletzungen verpasste, zum anderen Jerome Boateng, dem eigentlich der Abgang nahegelegt wurde. Jetzt stieg er zur festen Größe auf – Abgang dennoch nicht ausgeschlossen.

Überhaupt sind neue Spieler ein besonderes Thema bei den Bayern, sie agieren nach wie vor unglücklich. Zuletzt meldeten einige Medien, dass der Wechsel von Leroy Sane bevorstehe, doch plötzlich scheint alles wieder offen, weil Sane beim Supercup in England nach wenigen Minuten verletzt vom Platz musste. 100 Millionen Euro oder mehr für einen verletzten Spieler ausgeben? Die Bayern gingen schon mit 80 Millionen für den verletzten Hernandez ein großes Risiko ein. Die Dortmunder schauen sich dieses Theater in Ruhe an, bei ihnen geht es nur noch darum, wer noch abgegeben werden kann. Bei den Bayern ist der Kader zu klein, in Dortmund zu groß.

Im Pokal „Vorteil für die Kleinen“

Es ist eine schöne Tradition, dass die erste Runde im DFB-Pokal vor dem Start der Bundesliga quasi die neue Saison einläutet. Im Pokal heißt es „Vorteil für die Kleinen“, die Heimvorteil genießen und ein Fest feiern, wenn Bundesligisten zu Gast sind. Alle Änderungswünsche diesbezüglich müssen deshalb auch für immer ad acta gelegt werden, an diesen Festtagen darf nicht gerüttelt werden. Dortmund und Bayern können noch einmal ein bisschen durchschnaufen, doch unterschätzen sollte man die Gegner nicht. Das müssen Jahr für Jahr einige Bundesligisten schmerzhaft erkennen. Wen erwischt es diesmal?

Neu in diesem Jahr ist, dass sich der Fernsehsender Sport1 Rechte für ein Live-Spiel in jeder Runde gesichert hat, er zeigt am Freitag Bayer Uerdingen gegen Borussia Dortmund. Die ARD hat sich bei ihrer Auswahl für die Bayern entschieden, die ja gute Einschaltquoten garantieren. Der Titelverteidiger muss am Montag bei Energie Cottbus ran, das vor einem Neubeginn in der Regionalliga steht. Das war auch schon mal ein Bundesliga-Duell. Die Bayern sollten aber nicht meinen, dass sie da so einfach das Toreschießen üben können.

Start in der Premier League

Die Premier League in England ist schneller als die Bundesliga, da geht es bereits am Freitag los, die Liga ist mit 20 Vereinen ja auch größer. Champions-League-Sieger FC Liverpool hat die Ehre des Eröffnungsspiels gegen Neuling Norwich City. Titelverteidiger Manchester City folgt am Samstag bei West Ham United. Die Teams der Trainer Jürgen Klopp und Pep Guardiola gelten wieder als Favoriten. Im ersten direkten Vergleich, dem Community Shield (quasi der Supercup), trennte man sich 1:1, da City das Elfmeterschießen gewann, fuhr Pep gleich wieder den ersten Titel ein. Die spektakulären Transfers blieben aus, die Klubs in England sind stark genug, wie sich in der Champions League zeigte. Allerdings haben viele Beobachter die Sorge, dass die vielgerühmte Spannung von früher verloren gehen könnte. Nicht vier oder sechs Klubs streiten um die Meisterschaft, vielleicht wieder nur zwei. Chelsea London, die Tottenham Hotspur, Arsenal London, Manchester United und vielleicht auch der FC Everton, der ein bisschen aufgerüstet hat, müssen Langeweile an der Spitze also verhindern.

In Deutschland ist das Interesse an der Premier League groß, schließlich ist das deutsche und vor allem das Bundesliga-Element (viele ehemalige BL-Stars) ein Anreiz. Deshalb hat der Privatsender Sky auch einige Euro hingelegt, um DAZN wieder die Übertragungsrechte abzujagen. Sky-Zuschauer können also dabei sein und testen, wo der bessere Fußball geboten wird, in der Bundesliga oder in der Premier League.

Ein Hinweis: In dieser Woche folgt noch eine Zwischenbilanz der Formel 1.

Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft

„Das Thema“ im deutschen Fußball ist nach wie vor die Ausbootung von drei Weltmeistern für die Nationalmannschaft von Joachim Löw. Der Bundestrainer überraschte mit der Absage an die Bayern-Stars Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng die gesamte Fußball-Welt, sorgte für Erstaunen, aber auch für Kopfschütteln. Einmal für diese kurz vor der nächsten Kader-Nominierung in dieser Woche offensichtlich überstürzte Entscheidung, zum anderen aber auch für die Endgültigkeit, die er nach außen von sich gibt. Was ist da hinter den Kulissen wirklich passiert? Löw will auf junge, schnelle Spieler setzen und hat die „Alten“, die eigentlich mit 30 gerade im besten Fußball-Alter sind, vor die Tür gesetzt. Alt ist eher Jogi Löw selbst mit 59 Jahren. Das Problem: Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft.

Der Bundestrainer war offensichtlich schlecht beraten, er hätte sich eine Hintertür offen lassen sollen, dann würde er in den kommenden Aufgaben nicht so unter Druck stehen. Jetzt muss Jogi Löw bzw. sein Team in den kommenden Spielen, vor allem in der EM-Qualifikation beweisen, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Mit Argusaugen werden auch die Leistungen der drei Bayern-Spieler beobachtet und typisch war schon die Schlagzeile einer Sonntagszeitung: „Guck mal, Jogi! Müller trifft!“ Müller, Hummels und Boateng zeigten beim 6:0 gegen Wolfsburg das, was sich Bayern-Trainer Niko Kovac versprochen hat: „Sie werden eine Trotzreaktion zeigen, beweisen wollen, was sie können, Bayern wird davon eher profitieren.“ Macht Löw die Bayern zum Meister?

Der bessere und diplomatischere Weg für den Bundestrainer wäre gewesen, wenn er vorsichtiger mit der Zukunftsplanung umgegangen wäre. Er hätte allen dreien die Tür offen halten müssen, denn er kann auf sie, wenn sie in Bestform sind, eigentlich nicht verzichten. Sind denn Süle, Ginter, Tah oder Rüdiger in der Abwehr wirklich besser? Warum hat er zum Beispiel nicht Boateng (zuletzt verletzt) nur diesmal nicht nominiert (ohne Absage für die Zukunft), Hummels vielleicht im Kader gelassen (er hat z. B. in Liverpool gezeigt, was er kann) und Müller als Alternative zu den jungen, schnellen Stürmern Gnabry, Sane und Werner in der Hinterhand gehalten. Wenn die nämlich gegen eine starke Abwehr nicht ankommen, dann könnte immer noch Müller mit seinem Torriecher und der unkonventionellen Spielweise helfen. Joachim Löw hat sich ohne Not in eine schlechte Position gebracht. Aber er hat die Nationalmannschaft natürlich ins Gespräch gebracht, erhöhte Aufmerksamkeit für die Kader-Benennung, gesteigertes Interesse am Freundschaftsspiel gegen Serbien am 20. März und das erste EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande am 24. März.

Bayern und Dortmund – beide auf ihrem Platz

In der Bundesliga herrschen wieder geordnete Verhältnisse, die Bayern und Dortmund befinden sich wieder auf ihrem angestammten Platz. Das hätte vor kurzem noch keiner gedacht, dass die Aufholjagd der Bayern nach neun Punkten Rückstand gegenüber der Borussia so schnell erfolgreich sein könnte. Aber entschieden ist die Meister-Jagd natürlich noch nicht, doch die Äußerungen sind deutliche Zeichen für die Zukunft. Die Bayern glaubten nach Beendigung der Herbstkrise immer an ihre Chance und demonstrieren jetzt mit ihrer Leistung, die alten Bayern sind wieder da. Trainer Niko Kovac kann sich dabei als einer der Gewinner fühlen. Andererseits scheint es, als wären die Dortmunder froh, dass sie nicht mehr die Gejagten sind. Sie bekamen das große Zittern und hören sich jetzt plötzlich selbstbewusster an in der bekannten Rolle des Jägers: „Das hat noch nichts zu sagen“, machte sich Borussia-Kapitän Marco Reus auf Platz zwei selbst Mut. Fehlen ja auch nur zwei Tore. Alles schaut auf das große Duell am 6. April in München.

Im Abstiegskampf versuchen es die fünf Kandidaten vor allem mit Kampfgeist und Defensivtaktik. Notfalls mit einer Quittung für die Spieler, nur wer kämpft, darf spielen. Am erfolgreichsten ist dabei der FC Augsburg, der nach seinem Sieg gegen Dortmund nun auch CL-Anwärter Leipzig einen Punkt abtrotzte. Stuttgart versuchte ähnliches in Dortmund, wo Trainer Lucien Favre klagte, „die haben einen Bus vor dem Tor geparkt“. Am Ende durfte er sich doch freuen, weil seine Mannen den Riegel knackten. Ähnliches bei Schalke, Hannover und Nürnberg, mit Pech schrammten sie gegen Bremen, Leverkusen und Hoffenheim an Punktgewinnen vorbei. Nichts Neues also, auch in Sachen Konsequenzen, so arbeiten die Trainer Tedesco, Weinzierl und wohl auch Baum von Woche zu Woche unter Bewährung. Von besonderer Brisanz dabei das Duell Augsburg – Hannover am Samstag, der FCA könnte mit einem Sieg Hannover in den Abgrund stürzen. Dort hat ja sogar Vereinsboss Martin Kind erkannt, „die Mannschaft ist kaputt“. Der Boss selbst und Manager Horst Heldt sind dabei die Hauptschuldigen.

Wachablösung in der Champions League

In der Champions League (CL) steht die zweite Woche des Achtelfinals an, doch die Wachablösung hat bereits stattgefunden. Mit Paukenschlägen wurde das Achtelfinale eröffnet, vor allem Ajax Amsterdam verzauberte und erstaunte die Fußball-Welt. Wenn Joachim Löw von den jungen Wilden träumt, dann hat sie Ajax bereits und die spielten Titelverteidiger Real Madrid buchstäblich an die Wand. Ajax träumt von alten Zeiten, bei Real sind die guten Zeiten vorbei, in der Saison verspielten die „Königlichen“ alles, Champions League, Meisterschaft und nationalen Pokal. Trainer Zinedine Zidane wusste offensichtlich, warum er gegangen ist. Das zweite Desaster erlebte Paris St. Germain, das nach einem 2:0 im Hinspiel nun gegen Manchester United in Paris eine 1:3-Pleite erlebte. Dabei trat Manchester so ungefähr mit einer Notelf an. Peinlich für Thomas Tuchel und Co. Keine Ehre für die Bundesliga legte auch Borussia Dortmund ein, das gegen Tottenham beim 0:3 und 0:1 nicht einmal einen Treffer zustande brachte. Englands Team sind auf dem Vormarsch.

Manchester City wird wohl gegen das gebeutelte Schalke nach dem 3:2 im Hinspiel der nächste Klub der Premier League sein, der im Viertelfinale vertreten ist. Ja, und dann fehlt nur noch der FC Liverpool. Wird er wirklich fehlen? Bayern München stellt die letzte Hürde da und der Vergleich hat quasi an Bedeutung noch einmal zugelegt. Beide Klubs gewannen ihre Generalprobe, die Bayern überzeugten beim 0:0 im Hinspiel mit großem Kampfgeist, doch jetzt ist auch Spielkunst gefragt. Kimmich und Müller sind gesperrt, dagegen kann Trainer Jürgen Klopp auf Abwehrchef Virgil van Dijk, der mit seiner Kopfballstärke auch eine Gefahr für das Bayern-Tor ist, zurückgreifen. Ein 0:0 wird es kaum noch einmal geben, was bedeutet, dass die Bayern wohl sogar mehr als einen Treffer erzielen müssen. Die Bayern hoffen wieder auf Alaba und Coman und den Schwung als Tabellenführer. Die Frage wird sein: Wer hat die bessere Tagesform? Schade für die Fußball-Fans, dass die CL im Pay-TV verschwunden ist. Hoffentlich gibt es bei den nächsten Verhandlungen über die Fernsehverträge ein Umdenken der Verantwortlichen.

Fußball in Europa: Krisen und Spannung

Die Punktrunden in Europas Fußball haben Pause, wieder steht eine Länderspielpause an, die diesmal mit der neuen Nations League gefüllt wird. Für die Fans die Gelegenheit, ein bisschen durchzuschnaufen, für viele Klub-Bosse eher die Gelegenheit zu meckern: Ihnen gefällt die Unterbrechung der Meisterschaft gar nicht. Immerhin dreimal gibt es diese Länderspielpausen im Herbst, wenig Willkommen sind sie dann, wenn es in den Ligen gerade Spannung pur gibt. Und dies ist diesmal durchaus der Fall, dort Krisen, da Spannung, ein Blick auf den Fußball in Europa lohnt sich.

Spannung gibt es meist dann, wenn die Favoriten überraschend schwächeln, so wie vor allem Bayern München in der Bundesliga. Der Abonnement-Meister der letzten sechs Jahre ist offensichtlich ein bisschen satt geworden oder Verein und Spieler haben den Trainerwechsel von Altmeister Jupp Heynckes auf den relativ unerfahrenen, am 15. Oktober 47-Jährigen Niko Kovac nicht verkraftet. Der Start mit Siegen in Serie ist nach vier Pflichtspielen ohne Sieg und nur Rang sechs in der Bundesliga vergessen. Die Bayern weinen, die Liga lacht, endlich gibt es wieder Spannung in Deutschland. Und das Beste an der Sache ist: Diejenigen, die vorne stehen, egal ob Tabellenführer Borussia Dortmund, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach oder Hertha BSC Berlin spielen alle durchaus ansehnlichen Fußball. Also wieder Hoffnung in der Bundesliga. Selbst in München. Dort allerdings, die Hoffnung, dass die Krise schnell gemeistert wird. Mehr Spannung geht nicht.

Oder doch? In England sind sie froh, dass die Spannung auch wieder zurückgekehrt ist. Der Alleingang von Manchester City im Vorjahr ist vergessen und war auch im Vorfeld nicht mehr zu erwarten. Die Premier League brüstet sich ja immer damit, dass es in keiner anderen Liga solch ein breites Favoritenfeld gibt wie auf der Insel. Und weil dort auch das meiste Geld fließt, es aber nicht nur deshalb viele Spieler nach England zieht, ist schnell von der besten Liga der Welt die Rede. Ein bisschen kann man sich bestätigt fühlen, mit Manchester City, Chelsea London und dem FC Liverpool liegen drei der Favoriten mit 20 Punkten nach acht Spielen gleichauf, dahinter lauern mit Arsenal London und den Tottenham Hotspur weitere zwei Titelanwärter nur zwei Zähler zurück. Allein Manchester United hat aus diesem Kreis den Anschluss verloren (nur 13 Punkte), dafür sorgt Trainer Jose Mourinho für die größten Schlagzeilen. Man muss halt im Gespräch bleiben. Das wird die Premier League aber auch ohne den exzentrischen Portugiesen.

Beste Liga? Die größten Stars kann England nicht vorweisen. Mbappe und Neymar spielen in Paris, Spanien hat immer noch Messi und mit Luka Modric den aktuellen Welt-Fußball des Jahres, obwohl Cristina Ronaldo La Liga verlassen hat. Er heuerte aber nicht in England an, sondern in Italien. Dort sorgt er eher dafür, dass keine Spannung aufkommt und Juventus Turin weiterhin der Seriensieger bleibt. Sehr zum Leidwesen, der Klubs aus Rom, Mailand und Neapel. Auch in Frankreich keine Spannung, Paris St. Germain mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel, hat nach neun Spieltagen mit der vollen Punktausbeute von 27 Zählern bereits acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten OSC Lille.

Da geht der Blick doch leichter nach Spanien, gemäß der UEFA-Rangliste die stärkste Liga in Europa und damit wohl auch in der Welt. La Liga hat die Abgänge von Cristina Ronaldo und auch Iniesta (nach China, um noch ein bisschen Geld zu verdienen) nicht verkraftet. Aber dadurch, dass sich der FC Barcelona und vor allem Real Madrid nicht in Bestform präsentieren, steigt die Spannung. Das Tabellenbild ist ungewohnt, der FC Sevilla, führt vor dem FC Barcelona, Atletico Madrid und dem Lokalrivalen Real, das zudem punktgleich mit Espanyol Barcelona und Deportivo Alaves ist. Kein Wunder, dass der als Nationaltrainer erfolgreiche Julen Lopetegui als Real-Coach in die Schusslinie geraten ist, die Fans trauern Zinedine Zidane nach, der ihnen dreimal hintereinander die Champions League gewann. Das ist Lopetegui natürlich auch noch möglich, die Frage ist, ob er die Zeit bekommt. Ein Phänomen von Real ist es ja, dass nationale Krisen an der Mannschaft international vorbeigehen. Die Mannschaft kann sich offensichtlich punktgenau auf die entscheidenden Spiele der Champions League konzentrieren (manchmal hilft allerdings auch in bisschen Wohlwollen der Schiedsrichter).

Überhaupt schwebt die Champions League als großer Unbekannter über den nationalen Meisterschaften. Endgültig abgerechnet wird am 1. Juni 2019 in Madrid (im Stadion von Atletico), wenn der Henkelpott vergeben wird. Wer ihn in die Höhe halten kann, hat die Saison gerettet, egal welche nationale Krise es vorher gegeben hat. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, mit vielen Krisen und hoffentlich auch viel Spannung. Und natürlich Länderspielpausen.

Start der Premier League: Europa schaut nach England

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist Vergangenheit, der Ball rollt jetzt wieder auch in den großen Ligen Europas. „Appetitmacher“ waren die Ligen in Österreich, Schweiz oder Tschechien, richtig interessant wird es aber erst jetzt, wenn die Premier League in England startet, aber auch Ligue 1 in Frankreich. Allerdings könnten diese beiden Ligen unterschiedlicher nicht sein, da eine Masse an starken Traditionsvereinen, dort das übermächtige Paris St. Germain. Nächste Woche geht es auch in Spanien und Italien los, die Bundesliga wartet bekanntlich bis zum 24. August. Vorausschauend wurde Spielern und Vereinen viel Zeit gegeben, um die WM-Enttäuschung zu verarbeiten…

Im Mittelpunkt aber der Start der Premier League – alle schauen nach England. Bekanntlich übt die Premier League nicht nur eine große Anziehungskraft aus, weil dort der Fußball gelebt wird, sondern vor allem, weil die Geldtöpfe besonders gut bestückt sind. Diesmal schaut der Rest Europas allerdings auch deshalb nach England, weil die Premier League ein Experiment gewagt hat und die Transferliste bereits am Donnerstag, 9. August, geschlossen hat, so dass einigermaßen Ruhe an der Transferfront einkehrt, weil Englands Geld nicht mehr lockt. Andererseits können überzählige Spieler aus der Premier League durchaus abgegeben werden – auch deshalb lohnt sich also der Blick nach England! Mal sehen, ob es die Klubs in England am Ende als Vorteil werten, dass der Transfermarkt vor Beginn der Saison geschlossen wurde.

Aber lassen wir das Transfertheater, bleiben wir beim Sport. Und da stellt sich in England eine seltsame Frage: Gibt es wieder einen Alleingang von Manchester City? Pep Guardiola hatte in der letzten Saison die Liga geschockt, der Ex-Bayern-Coach dominierte mit seinem Team das Geschehen, eroberte 100 Punkte, sorgte für Langeweile an der Spitze mit 19 Punkten Vorsprung und seine Mannen erzielten 106 Tore. Fast eine Demütigung für die Konkurrenz, eine Überlegenheit wie sie in Deutschland mit Bayern München und Frankreich mit Paris St. Germain als schädlich erachtet wird. Der Unterschied: In Deutschland und Frankreich wird keine Änderung erwartet, in England schon.

Nur: Wer kann Pep Guardiola und seinen Mannen Paroli bieten? Dem Vorjahreszweiten und Lokalrivalen Manchester United mit Trainer Jose Mourinho wird dies eigentlich nicht zugetraut. Eher wird da der FC Liverpool mit Jürgen Klopp genannt. Der deutsche Coach hat sein Team gezielt verstärkt, vor allem die Schwachstelle Torhüter mit Roms Brasilianer Alisson geschlossen, zu dieser Zeit war es mit angeblich 72,5 Millionen Euro der teuerste Torhüter-Transfer. Zudem sollen Leipzigs Naby Keita, Fabinho und Shaqiri das Mittelfeld verstärken bzw. den Kader insgesamt besser machen. Jürgen Klopp rüstet sich wie in Dortmund in seinem dritten Jahr zum Kampf um den Titel. Schon in der Bundesliga hat er Pep Guardiola bekanntlich gerne geärgert.

Die weiteren großen Rivalen in London versuchen es mit neuen Trainern. Bei Arsenal ging die große und erfolgreiche Ära des Franzosen Arsene Wenger zu Ende, Unai Emery musste in Paris gehen, weil der Erfolg in der Champions League ausblieb. Jetzt soll er die Titelträume der Arsenal-Fans erfüllen, die letztmals 2004 die Meisterschaft feiern durften (in Liverpool wartet man schon seit 1990!). Antonio Conte hatte mit Chelsea erst 2017 den Titel geholt – und dennoch war er nicht mehr wohl gelitten. Jetzt soll es Maurizio Sarri richten, der in Neapel mit viel Erfolg gearbeitet hat. Chelsea sorgte zum Transferschluss noch für Aufmerksamkeit, weil sich Belgiens WM-Torhüter Courtois Richtung Real Madrid verabschiedet und die Londoner dafür einen 23-Jährigen Keeper namens Kepa von Athletic Bilbao holten – für 80 Millionen Euro, jetzt ist der Spanier der teuerste Torhüter der Welt. Aber alle sollten auch Mauricio Pochettino nicht übersehen, fast heimlich, still und leise hat er aus den Tottenham Hotspurs einen Meister-Anwärter gemacht, allen voran geht bzw. trifft der WM-Torjäger Harry Kane.

Der Rest des Feldes ist auch in England mehr oder weniger nur Staffage und hofft höchstens auf einen Platz in der Europa League. Apropos Europa, mit dem Brexit will sich Großbritannien ja politisch und wirtschaftlich von Europa entfernen, im Fußball will England endlich in Europa triumphieren. Fast eine Schmach und für die größte Geld-Liga Europas, dass man in der Champions League den Henkel-Pott zuletzt immer anderen überlassen musste, zuletzt dreimal Real Madrid. Immerhin war der FC Liverpool 2018 im Finale und verlor unglücklich mit 1:3. Den Titel gewann zuletzt Chelsea London 2012 glücklich gegen Bayern München, davor brachte 2008 Manchester United den Pott nach England heim. Den Run der Spanier seit 2014 (2015 siegte der FC Barcelona und davor 2013 Bayern München) will man vor allem in England endlich beenden. Man will sich nicht mehr nachsagen lassen, dass Geld keinen Erfolg bringt. Auch deshalb schaut Europa nach England.

Der deutsche Vereinsfußball in der Krise

Die alte Diskussion wird nie enden, aber die deutschen Fußball-Fans müssen derzeit ein bisschen zurückhaltend sein, wenn es darum geht, zu bestimmen, welche nationale Liga die stärkste in Europa ist. Gerne haben wir dann auf Deutschland verwiesen, doch mit solch einer Einschätzung macht man sich derzeit gegenüber England und Spanien, ja sogar Italien lächerlich. Die europäischen Wettbewerbe waren ein einziges Desaster für die Bundesliga, Deutschland landete in der UEFA-Wertung nur auf Platz elf. Der deutsche Vereinsfußball befindet sich in der Krise.

Ein Trost zum Advent, weil immer noch ein Lichtlein brennt. Das betrifft zum Beispiel die Nationalmannschaft, die als amtierender Weltmeister derzeit auch die Nummer 1 der Weltrangliste ist. Die Ausnahme ist auch Bayern München, das sich mit dem 3:1-Sieg über Paris St. Germain nach dem blamablen 0:3 im Hinspiel mit der verunglückten Ancelotti-Aufstellung wieder international rehabilitiert hat. Traurig aber, dass der deutsche Meister als einziger Bundesligist ins Achtelfinale der Champions League (CL) einzog. In der Europa League (EL) schieden zudem alle Bundesligisten sang- und klanglos aus, so dass nur die CL-Absteiger Dortmund und Leipzig in der EL vertreten sind.

Die aktuelle Jahres-Rangliste der UEFA spricht Bände. England vor Spanien und Italien, Deutschland, in der Fünfjahreswertung immerhin noch Vierter, aktuell nur Elfter – hinter der Ukraine, Zypern, Türkei und Österreich. Da darf keiner sagen, das liege – mit Blick auf die reichen englischen Vereine – am Geld. Gegenüber den genannten Nationen sind die deutschen Klubs wohl finanziell besser ausgestattet. Es fehlte den EL-Vertretern Hoffenheim, Hertha BSC Berlin und 1. FC Köln vor allem an Ehrgeiz und Siegeswillen. Sie sahen die EL als Spaß an, als Abwechslung zum Bundesliga-Alltag, der absoluten Vorrang genießt. Bei dieser Einstellung brauchen wir nie mehr davon sprechen, die Bundesliga könne die Nummer 1 in Europa sein.

England macht es vor, die Vereine der Premier League haben die Gelder des Fernsehens und der Sponsoren wohl doch gut investiert. Fünf Klubs starteten in der CL, alle fünf sind jetzt im Achtelfinale immer noch dabei, vier davon qualifizierten sich als Gruppensieger. In 30 Spielen gab es 21 Siege und nur drei Niederlagen. Die Bilanz von München, Dortmund und Leipzig ist mit 7 Siegen (davon allein fünf die Bayern, zwei Leipzig), 3 Unentschieden und 8 Niederlagen negativ! In der Europa League sah es nicht besser aus: Nur 4 Siege, 4 Remis, 8 Niederlagen. Gut Nacht deutscher Fußball. Deutsche Urlauber werden sich in Österreich etwas anhören dürfen, bei der besseren Bilanz des Nachbarn.

Es muss ein Umdenken bei den Klubs der Bundesliga geben. Die internationalen Wettbewerbe müssen mit allem Ehrgeiz bestritten werden, auch die Europa League muss angenommen werden. Es wirkt noch immer nach, dass „Kaiser“ Franz Beckenbauer in seiner unnachahmlichen Art den zweitklassigen Wettbewerb einst als „Cup der Verlierer“ bezeichnet hat. Seltsam ist nur, dass während der Saison die Vereine nach den Plätzen für Europa schielen. Nur deshalb, weil sie dann sicher sein können, mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu haben? Auch in der EL lässt sich gutes Geld verdienen, man muss dafür allerdings auch etwas tun.

Bleibt das Umdenken aus, wird sich Deutschland bald aus der Zone der privilegierten Nationen verabschieden, nämlich Rang der 4 der Jahreswertung gegen Frankreich oder Russland verlieren und damit auch vier fixe Starter in der Champions League. Dann allerdings ist das Geschrei in der Liga wieder groß.

Vielleicht gibt es ein bisschen Wiedergutmachung schon in den K.o.-Spielen im Frühjahr, wenn Bayern München der Konkurrenz trotzt, Borussia Dortmund zu alter Stärke zurückfindet und Punkte in der EL holt und RB Leipzig im Lernprozess weiter kommt und die Überraschung gegen Neapel schafft. Auch für die Bundesliga gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ob nur ein vorübergehendes Tief oder eine echte Krise werden wir im nächsten Jahr sehen. Doch von der Bundesliga als bester Liga in Europa wollen wir nicht mehr reden. Da lässt England grüßen.

Die Bundesliga denkt ans Geld, nicht an die Fans

 

Der Startschuss zum Wettrennen um die TV-Vermarktung der Fußball-Bundesliga ist gefallen. Mit der Ankündigung der Ausschreibung hat das Milliardenspiel begonnen. Die Klubs gieren nach mehr Einnahmen, sind unruhig geworden, nachdem die Premier League in England groß abkassiert. 2,3 Milliarden Euro kassieren die englischen Klubs künftig, dazu kommen rund eine Milliarde aus der Auslandsvermarktung. Dagegen sind es nur bescheidene 663 Millionen Euro, die in dieser Saison die Bundesliga vom Fernsehen erhält, noch bescheidener liest sich die Auslandsvermarktung mit 154 Millionen. Die Bundesliga fürchtet, angesichts dieses Ungleichgewichts von England abgehängt zu werden und giert ebenfalls nach mehr Geld. Eine Milliarde soll es mindestens sein. Notfalls will man auch beim Spielplan den TV-Sendern entgegenkommen. Von den Fans spricht niemand.

Stand der Dinge ist, dass die Fußball-Fans mit dem derzeitigen Angebot zufrieden sind. Seit 25 Jahren ist das Bezahlfernsehen der Hauptgeldgeber der Bundesliga, Sky zahlte beim letzten Vertrag bis 2017 durchschnittlich 485 Millionen Euro pro Saison. Vor allem die Konferenzschaltung am Samstag wurde Kult wie früher im Radio. Fester Bestandteil ist auch die ARD-Sportschau am Samstag ab 18.30 Uhr. Die Klubs würde diese „heilige Kuh“ notfalls schlachten, doch das Kartellamt hat bereits einen Riegel vorgeschoben und verfügt, dass es weiterhin eine Sendung der Höhepunkte im freien Fernsehen geben muss. Doch wann und von welchem Sender ist offen. Die ARD zahlte zuletzt 100 Millionen Euro für die Rechte und durfte jeweils zu Saison- und Rückrundenbeginn ein Startspiel live übertragen.

Bei diesen eingeführten Fernsehgewohnheiten wird es nicht bleiben. Gegenüber weitergehenden Gedankenspielen hat die Bundesliga aber bereits zurück gerudert und den Samstagnachmittag als Hauptspieltag festgelegt. Im Prinzip soll es beim bisherigen Schema mit einem Spiel am Freitag, fünf plus eins am Samstag und zwei am Sonntag bleiben. Angesichts der vielfältigen Aufgaben auf Europas Bühne sind allerdings weitreichende Änderungen möglich, mit Spielen am Sonntag um 13.30 Uhr und fünf am Montagabend, was wieder von der zweiten Liga als Affront angesehen wird, wenn ihr Montagspiel als fester Bestandteil gekippt wird. Auch die Fanklubs gehen bereits auf die Barrikaden, denn wer kann schon am Montag seine Mannschaft begleiten. Die Bundesliga denkt ans Geld, nicht an die Fans.

Mit welchen Paketen die Deutsche Fußball-Liga wirklich auf den Markt geht, wird in diesen Tagen entschieden. Statt acht soll es maximal nur sechs Pakete geben, aber die Interessenten werden mehr sein und deshalb wird wohl auch der Preis in die Höhe getrieben werden. Bayern Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge setzt auch die Liga-Verantwortlichen unter Druck, bezeichnet eine Milliarde als „Muss“, als Minimum. Da wird Sky blechen müssen, wenn es die Bundesliga-Rechte als wesentlichen Bestandteil des Programms behalten will. Konkurrenten werden wohl die Telekom und auch der amerikanische Konzern Discovery sein, der schon mit dem Erwerb der Olympia-Rechte in Deutschland für Aufregung sorgte. Die Bundesliga auf einem Bezahlkanal von Eurosport? Auch die ARD muss um ihre Sportschau bangen, die sie ja früher schon einmal verloren hatte. Vor allem RTL soll wieder Interesse haben, nachdem der Privatsender ARD und ZDF schon die EM- und WM-Qualifikationsspiele der Fußball-Nationalmannschaft geklaut hat. Die Fernsehlandschaft könnte im Hinblick auf den Fußball in Unordnung geraten. Ob für die Fans dann wirklich eine Verbesserung herauskommt, steht in den Sternen.

Die Bundesliga sollte nicht nur nach dem Geld gieren, sondern auch an die Fans und die Öffentlichkeit denken. Kontinuität wäre wünschenswert und machte in den letzten Jahren die höchste Klasse im Fußball auch zu einem erstklassigen Produkt. Der gemeine Zuschauer an den Bildschirmen liebt seine Gewohnheiten und möchte nicht in irgendwelchen Pay- und Internetkanälen nach dem Fußball suchen. Die Fans sorgen für Stimmung in den Stadien und sind es leid, immer kurzfristiger ihre Reisen planen zu müssen. Die Vereine müssen aufpassen, dass sie am Ende zwar mehr Geld haben, die Stimmung aber fehlt, die einen großen Anteil daran hat, dass die Bundesliga so beliebt ist. Auch bei anderen Sendungen zeigt es sich zum Beispiel deutlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender mehr Zuschauer vor den Bildschirm bringen als die Privatsender. Auch das trägt zur Popularität der Bundesliga bei.

Die Fans können nur auf das Ergebnis warten. Noch vor der Europameisterschaft im Juni soll die Entscheidung fallen. Mal sehen, ob Geldgier und Wünsche der Fans in Einklang zu bringen sind.

Übrigens: Dass die Geldgier im Fußball keine Grenzen kennt, zeigt auch die Diskussion um die Einführung einer Super League in Europa mit Teilnahme der bekanntesten Klubs noch über der Champions League. Einerseits wird über die zu große Belastung der Spieler geklagt, andererseits gibt es für das Streben nach höheren Einnahmen offensichtlich kein Tabu! Irgendwann wird auch die Anzahl der Spiele für die Fans zu viel, die es sich schlichtweg finanziell nicht mehr leisten können. Irgendwann schneiden sich die Klubs ins eigene Fleisch.