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Tag: Real Madrid

Start in das WM-Jahr – die heiße Fußball-Zeit beginnt

Am Freitag, 16. März, fiel gewissermaßen der Startschuss: In der Champions League wurde das Viertelfinale ausgelost, die Top-Teams sind unter sich. Zwei Stunden später verkündete Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader für die Länderspiele gegen Spanien und Brasilien, die erste Auswahl im WM-Jahr, die wohl Fingerzeige geben sollte. Das bedeutet: Wir haben den Start in das WM-Jahr – die heiße Fußball-Zeit beginnt.

Das es heiß wird, davon kann vor allem der FC Bayern München reden, denn nach der Länderspielpause stehen dem Deutschen Meister vom 31. März an (Gegner Dortmund) mit Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League (also das Triple, von dem die Bayern träumen) sieben Spiele in 21 Tagen bevor, der April wird der Monat der Entscheidung. Der Start in die heiße Phase war für die Münchner glücklich, bei der Viertelfinal-Auslosung der Champions League wurde keiner der großen Favoriten gezogen, sondern der FC Sevilla. Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, „es gibt keine leichten Gegner mehr“, heißt es natürlich, aber Sevilla ist sicher leichter als Barcelona oder Real Madrid. Das Halbfinale sollte möglich sein. Aber: Sevilla gewann schließlich die Europa League von 2014 bis 2016 dreimal hintereinander und schaltete Manchester United aus. So schlecht sind die Spanier also nicht.

Drei Teams aus Spanien, zwei aus England und Italien sowie die Bayern schafften es ins Viertelfinale. Ein englischer Vertreter wird auch im Halbfinale zu finden sein, denn der FC Liverpool und Manchester City treffen aufeinander, die alten Konkurrenten Jürgen Klopp und Pep Guardiola duellieren sich also wieder. Erstaunlich: Die Bilanz spricht mit sechs Siegen, einem Remis und fünf Niederlagen für Klopp! Das zweite heiße Duell ist der Aufguss des letzten Finals, Juventus Turin und Titelverteidiger Real Madrid treffen sich diesmal bereits im Viertelfinale. Schwierig für die alten Herren der alten Dame Juve, Real will seine letzte Chance auf einen Pokal in der Champions League nutzen und außerdem den historischen Triumph erweitern: Sie schafften erstmals eine erfolgreiche Titelverteidigung, jetzt wollen Ronaldo und Co. den Hattrick. Er ist nur noch fünf Spiele entfernt. Im vierten Duell ist der FC Barcelona großer Favorit gegen den AS Rom.

Im April und Mai gehören die Fußball-Schlagzeilen der Champions League, danach übernimmt endgültig die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Doch die WM ist quasi bei jedem Spiel präsent, geht es doch um die endgültige Auswahl der Nationaltrainer, jedes Match ist eine Bewährungsprobe für die Kandidaten. Bundestrainer Joachim Löw hat ein bisschen Einblick gegeben, aber die Karten noch nicht auf den Tisch gelegt. Der Kader für die Länderspiele gegen Spanien am 23. März in Düsseldorf und Brasilien am 27. März in Berlin wurde bewusst groß gehalten. Bei 26 Spielern muss Löw nicht allzu viele enttäuschen, zumal er zwei Kandidaten guten Gewissens zu Hause lassen kann, nämlich die Dortmunder Marco Reus und Mario Götze, die nach langer Verletzungspause noch nicht in Hochform sein können und sich lieber schonen sollen. Sie stehen auf der Warteliste. So ist kein einziger Dortmunder im Aufgebot. Das Ausscheiden gegen Salzburg in der Europa League (1:2 und 0:0) zeigte, warum.

Ein bisschen in die Karten schauen kann man Jogi Löw jedoch schon, obwohl er wie üblich betont, dass die Tür für jeden noch offen stehe. So hält er an seinem bekannten Torhüter-Trio fest (außer Kapitän Manuel Neuer auf den er ja noch hofft), Münchens Neuer-Vertreter Sven Ulreich, der derzeit als bester Torhüter der Bundesliga gilt, bekam keine Chance. Wenn Löw ihn hätte testen wollen, dann wohl jetzt. Das gilt auch für den Augsburger Philipp Max, dem viele eine Chance als Linksverteidiger gegeben hätten, schließlich ist er der Vorlagen-König der Bundesliga. Statt ihm kehrt der etablierte Jonas Hector vom 1. FC Köln wieder zurück. Ein schlechtes Zeichen hat wohl auch Flügelflitzer Amin Younes bekommen, der gerade bei Ajax Amsterdam Probleme hat, denn er fehlt.

Dagegen drückt sich Löw bei 26 Kandidaten vor weiteren Entscheidungen. So sind neben Timo Werner die klassischen Strafraum-Mittelstürmer Mario Gomez und Sandro Wagner dabei, doch nur für einen wird Platz im WM-Aufgebot sein. Kandidaten für die Streichliste sind wohl auch Lars Stindl (Gladbach) und Sebastian Rudy (Bayern). Der eine hat nicht die Form wie zum Beispiel vom Confed-Cup, der andere hat nicht allzu viele Spielanteile beim neuen Verein. Keine guten WM-Voraussetzungen.

Soll es draußen auch noch einmal stürmen und schneien, der Fußball ist ganz heiß. Das Frühjahr ist traditionell in den großen Ligen die Zeit der Entscheidungen. Im Fußball wird die Ernte im April und Mai eingefahren, doch die Mehrheit der Klubs wird am Ende eher von einer schlechten Ernte sprechen.

Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen

Das hat sich Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani so einfach vorgestellt: Wenn ich ein paar hundert Millionen Euro in eine Mannschaft stecke, dann ist der Erfolg garantiert. Jetzt weiß er: Das ist garantiert nicht so. Spätestens am Dienstag muss ihm das schmerzhaft bewusst geworden sein, enttäuscht verließ er nach 66 Minuten den Prinzenpark in Paris, um nicht die große Demütigung seiner Mannschaft erleben zu müssen. Da führte Real Madrid bei Paris St. Germain mit 1:0 und nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel war eigentlich alles klar. So bekam der Emir von Katar auch die letzte Demütigung nicht mit, die zweite Niederlage von Paris.

Die Fußball-Fans in aller Welt, vor allem die Ultras (außer denen in Paris oder Frankreich vielleicht) werden glücklich sein, weil sich der begehrteste Pokal in Europa gewehrt hat, der Henkel-Pott der Champions League lässt sich nicht so einfach kaufen.

Der Emir hat das wohl nicht als Experiment sondern als Geschäft angesehen, als er 2011 beim Pariser Nobelklub einstieg. Inzwischen soll er 935 Millionen Euro investiert haben, aber es reichte in allen Jahren sogar nicht immer zum nationalen Titel. Mit der Verpflichtung des Brasilianers Neymar sollte der Großangriff endlich erfolgreich sein. Für Neymar blätterte der Scheich 222 Millionen Euro hin und machte den Stürmer zum teuersten Spieler der Welt. Mit Geld allein kann man den Pokal aber nicht kaufen, ausgerechnet vor den entscheidenden Spielen verletzte sich Neymar, das Geld versickerte buchstäblich im Sand der Wüste.

Die Katari haben übersehen, dass viele gute Einzelspieler bis zu einer gewissen Grenze Erfolge garantieren, aber für den ganz großen Coup braucht es mehr, nämlich auch ein Quäntchen Glück, vor allem aber Mannschaftsgeist. Und eine gewachsene Mannschaft mit großem Teamgeist ist Paris St. Germain nicht, kann es vielleicht auch nicht sein. In einer Ansammlung von Stars herrscht meist vor allem der Geist des Neids. Und sinnvoll zusammenstellt scheint die Mannschaft des französischen Meisters auch nicht, manchmal kann man für weniger Geld zielgerichtet die sinnvolleren Spieler einkaufen. In den Duellen mit Real Madrid zeigte sich, das die alternden Dani Alves (34 Jahre), Thiago Silva (33) und Thiago Motta (35) nicht unbedingt die großen Hoffnungsträger sind.

Es muss für Weltfußballer Cristiano Ronaldo eine Genugtuung gewesen sein, mit Real den Emporkömmling mit dem vielen Geld in die Schranken verwiesen zu haben. Ronaldo schmerzt es, dass er als bester Spieler der Welt, als der er sich fühlt (und der vielleicht Messi heißt), nicht auch der teuerste und der meistverdienende ist. Dafür gibt es eigentlich nur eine Lösung: Der Emir muss noch einmal tief in die Kasse greifen und Ronaldo verpflichten! Nein, besser wäre es, nicht den schnellen Erfolg zu suchen, sondern eine Mannschaft langfristig aufzubauen. Die letzten Jahre kam das Aus im Achtelfinale gegen die großen Favoriten FC Barcelona (mit dem 1:6 nach 4:0 in Paris) und eben Real Madrid, das in der Champions League zu besonderen Leistungen fähig ist und vom Hattrick träumt. Da wird sich der Henkel-Pott wohl nicht wehren. Das erste Opfer des Misserfolgs steht fest, Trainer Unai Emery muss nach der Saison gehen.

Die ersten Achtelfinal-Rückspiele bewiesen, dass Geld keine Berge versetzen kann, wohl aber der Mannschaftsgeist. Die alternden Stars von Juventus Turin waren der Gegenentwurf zu Paris St. Germain und bewiesen beim 2:1 bei den Tottenham Hotspur Comeback-Qualitäten. Tottenham war überlegen, war die bessere Mannschaft, doch die alte Dame Juve war quicklebendig und wendete in drei Minuten das Blatt. Der England-Fluch mit dem Ausscheiden in den letzten fünf Duellen war besiegt und die Premier League wird nicht in voller „Mannschaftsstärke“ (fünf Teams im Achtelfinale) in die nächste Runde einziehen.

Das nächste große Duell steht mit FC Barcelona – Chelsea London am Mittwoch, 14. März, an, die Auslosung am 16. März wird besonders interessant werden. Mit dabei sicher der deutsche Meister Bayern München nach dem 5:0 im Hinspiel gegen Besiktas Istanbul. Da steht beim Gastspiel am Mittwoch (18.00 Uhr) in der Türkei wohl mehr das Sightseeing im Mittelpunkt. Die Bayern schwören übrigens auch auf den Mannschaftsgeist, der damit die Grundlage für den Cup-Gewinn 2013 war. Das sollte der Emir wissen.

Champions League: Altes Geld gegen neues Geld

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind ein Weltereignis, aber sie regieren nicht allein die Sportwelt. Zumindest in Europa nicht. Am Dienstag, 13. Februar, geht auch die Champions League im Fußball wieder los und mit dem Achtelfinale wird es endlich auch richtig interessant. Die Gruppenphase ist nur ein teilweise langweiliges Vorspiel im Herbst. Die Lose wollten es so, dass es ein mögliches Endspiel bereits im Achtelfinale gibt: Titelverteidiger Real Madrid gegen den Newcomer Paris St. Germain. Man könnte auch sagen altes Geld gegen neues Geld, alter Reichtum gegen neuen Reichtum, ein Großprotz vergangener Tage verteidigt seinen Ruhm gegen den aktuellen Großprotz.

Damit keine Zweifel aufkommen, es geht um Fußball. Aber im Spitzenfußball geht es in erster Linie um das Geld. Die Fans können sich am Spiel erfreuen, die Vereine und Profis erfreuen sich am üppigen Spielgeld. Laut der Fachzeitung kicker haben die Klubs der fünf Top-Ligen in Europa die gigantische Summe von 4,43 Milliarden Euro im vergangenen Sommer für neue Spieler ausgegeben. Bekanntlich schoss Paris mit Katars Scheich Nasser Al-Khelaifi mit 222 Millionen Euro für Barcelonas Torjäger Neymar den Vogel ab. Paris dominiert erwartungsgemäß die Liga in Frankreich, aber erst die Champions League zählt wirklich. Der Pott soll her, endlich. Barcelona war im Vorjahr ein demütigender Stolperstein, nach einem 4:0 zu Hause schied Paris mit einem 1:6 in Barcelona aus. Neymar zirkelte in den Schlussminuten einen Freistoß ins Eck und traf mit Elfmeter und strahlte, „das war wohl das Spiel meines Lebens“. Dann war er weg.

Real Madrid gegen Paris St. Germain am 14. Februar, das elektrisiert. Wobei es in dieser Saison um den Titelverteidiger viele Fragezeichen gibt. Fast gibt es schon eine Art Endzeitstimmung in Spanien. Ohne Sieg gegen Tottenham landete Real in der Gruppe hinter den Engländer und hat nun den Salat mit Paris als Gegner. National klappt es überhaupt nicht, Platz vier und 19 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Barcelona sind eine Demütigung, im Pokal ist Madrid ausgeschieden. Die Schlagzeilen waren in den letzten Wochen entsprechend: „Königliche Gurkentruppe“ hieß es oder „Die Zeit von Zidane läuft ab“ über den einst gefeierten Trainer oder eben „Die Königlichen sind ratlos“. Einst kaufte sich Real eine Mannschaft der Stars zusammen, doch „BBC“ ist in die Jahre gekommen. Bale meist verletzt, Benzema kein Torjäger, der immer trifft und Cristiano Ronald unzufrieden. Den Weltfußballer wurmt, dass Konkurrent Messi in Barcelona wohl mehr verdient und erfolgreicher ist, außerdem merkt „CR7“ mit 32 Jahren langsam das Alter, die Spritzigkeit lässt nach. Real spielt um die letzte Chance, vielleicht auch darum, ob es noch eine Zukunft hat.

Das alte Geld ist ausgegeben, Klubs mit Scheichs in der Hinterhand können mit dem neuen Geld das Kommando übernehmen. Das gilt nicht nur für Paris, sondern zum Beispiel auch für Manchester City mit Trainer Pep Guardiola, der seine Mannschaft mit etlichen Millionen aufgerüstet hat. 250 Millionen Euro waren es im Sommer, jetzt noch einmal über 100 Millionen. Das Ergebnis sind unvorstellbare 13 Punkte Vorsprung in der Premier League, wo doch ansonsten im Kampf um den Titel Spannung Trumpf ist. Doch richtig gefeiert wird bei City und vor allem von Pep Guardiola wohl erst, wenn auch der Sieg in der Champions League gelingt. Der FC Basel sollte im Achtelfinale kein Stolperstein sein.

Die Engländer wollen mit viel Geld angreifen und sind mit fünf Mannschaften noch dabei. Das neue Geld schießt scheinbar Tore. Die schwierigste Aufgabe hat zweifellos ausgerechnet das kriselnde Chelsea London mit dem FC Barcelona zu lösen. Auch hier trifft also neues Geld auf altes Geld. Bei Barca geht es zwar mitunter in der Führung auch drunter und drüber, aber im Notfall wird es Messi schon richten.

Die deutschen Klubs haben sich auf Europas Bühne blamiert. „Das Zeugnis eines Debakels“ urteilte der kicker, weil erstmals nur drei Bundesliga-Klubs in Europa überwintert haben. Freiburg, Köln, Hertha und Hoffenheim sind teilweise blamabel ausgeschieden. Nur Bayern München hält in der Champions League die Fahne hoch, wie so oft. Auch die Bayern spüren das neue Geld in Europas Ligen, sind aber im Umsatz immer noch Nummer vier in Welt des Fußballs und träumen von der Wiederholung des Triples von 2013. Das gute Omen: Auch 2013 hatte die Bundesliga diese miese Bilanz, aber am Ende stand das deutsche Endspiel in Wembley. Es bedarf Los-Glück, damit die Münchner zumindest ins Halbfinale kommen, der erste Gegner Besiktas Istanbul gilt als leichtester der möglichen Gegner. Gegen Paris hat man in der Gruppe besondere Erfahrungen gemacht und ist über das 0:3 im ersten Aufeinandertreffen fast dankbar: Trainer Carlo Ancelotti musste gehen und der 72-jährige Jupp Heynckes, Triple-Macher 2013, wurde reaktiviert. Heute gilt es als Glücksbringer und soll gar nicht mehr in den Ruhestand gehen.

Die in der Königsklasse ausgeschiedenen Borussia Dortmund und RB Leipzig wollen sich in der Europa League profilieren, doch die Leistungen in der Bundesliga waren zuletzt nicht so, dass die deutschen Fußball-Fans sehr hoffnungsfroh in die Zukunft schauen können. Die Italiener Atalanta Bergamo und SSC Neapel könnten die Rausschmeißer spielen. Das deutsche Debakel wäre dann wirklich perfekt.

Ein Blick in die Zukunft: Nach Olympia wird es an dieser Stelle in der Regel jeden Montag einen Bundesliga-Kommentar geben.

Der FC Bayern München am Scheideweg

Der Verein ist ein Markenzeichen, das selbstbewusste „mia san mia“ ist legendär, in Fußball-Deutschland hält der FC Bayern München fast alle Rekorde, seit fünf Jahren dominiert er in die Bundesliga, seine Titelsammlung ist national unerreicht: 27 Meisterschaften, 18 Pokalsiege, je 6 Siege im Supercup und Ligapokal, dazu international Champions-League-Sieger (2001, 2013), davor Europapokalsieger der Landesmeister (1974, 1975 und 1976 das Triple), Europapokalsieger der Pokalsieger (1967), UEFA-Pokalsieger (1996), Weltpokalsieger (1976, 2001), Klub-Weltmeister (2013) und UEFA-Superpokalsieger (2013). Kein Wunder, dass Bayern München auch auf Europas Bühne Spitze ist und in einem Atemzug mit den englischen und spanischen Spitzenteams genannt wird. Doch jetzt ist der Wurm drin, das Ende der glorreichen Jahre droht – wenn nicht die Wende gelingt. Auf jeden Fall steht der FC Bayern München am Scheideweg.

Als der Deutsche Rekordmeister 2013 unter Jupp Heynckes das begehrte Triple holte, als der Traum vom Sieg in der Champions League in einem deutschen Finale gegen Borussia Dortmund wahr wurde (dazu national Meisterschaft und Pokalsieg), da schien eine glorreiche Zeit für die nächsten Jahre möglich, zumal der Spanier Pep Guardiola als Nachfolger von Heynckes gewonnen werden konnte, damals allgemein als bester Trainer der Welt bezeichnet, nachdem er mit dem FC Barcelona erfolgreich war und „Zauber-Fußball“ bot. So sollte er in München weitermachen, allerdings gelang der große Wurf in der Champions League nicht. Immerhin dominierte Pep mit seinem Team den nationalen Fußball und die Bayern spielten in dieser Phase ihren schönsten Fußball. Den Drei-Jahres-Vertrag wollte der Spanier am Ende nicht verlängern und die Münchner holten sich einen Mann, der offensichtlich weiß, wie man die Champions League gewinnt: Den Italiener Carlo Ancelotti.

Diese Verpflichtung war allerdings ein großes Missverständnis. Der Italiener und sein Trainer-Team konnten die erfolgreiche Arbeit von Guardiola nicht fortsetzen, ganz im Gegenteil, es gab keine positive, sondern eine negative Entwicklung. Ein Jahr lang profitierten Mannschaft und Ancelotti noch von der Arbeit Guardiolas, dann ging es abwärts. Die Politik der langen Leine war verfehlt, die Italiener bildeten offenbar ein eigenes Grüppchen, der Zusammenhalt im Team bröckelte, die Vereinsspitze schaute zu. Die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß müssen eingestehen, dass sie den schleichenden Niedergang der Mannschaft nicht rechtzeitig aufgehalten haben, dass sie die Stimmen der Führungsspieler ignoriert haben. Wenn sich schon Spieler über ein zu lasches Training beschweren und geheimes Sondertraining betreiben, dann sagt das alles über den Trainer. Das Ende von Carlo Ancelotti nach der 0:3-Niederlage in Paris und dem Debakel einer provokanten Aufstellung, als er die Routiniers brüskierte, kam zu spät. Schon im Sommer hätten Rummenigge und Co. die Reißleine ziehen müssen.

Jetzt hechelt der ruhmreiche FC Bayern sowohl in Deutschland als auch in Europa hinterher. Nach sieben Spielen in der Bundesliga fünf Punkte Abstand zum starken Tabellenführer Borussia Dortmund sind happig und rekordverdächtig. In der Champions League wurde mit der hohen Niederlage in Paris fast schon der Gruppensieg verspielt, im Zweikampf mit Celtic Glasgow geht es um Platz zwei und das Weiterkommen. Dann drohen in der nächsten Runde wieder ein übermächtiger Gegner (Gruppensieger) und das vorzeitige Ausscheiden. Der Traum vom Gewinn der Champions League ist ganz weit weg, zumal Europas Spitzenklubs dank der Oligarchen aus Russland und der Scheichs vor allem aus Katar (Paris) mit Geld um sich schmeißen und eklatant aufrüsten. Da können bodenständige Klubs aus Deutschland nicht mehr mithalten. Spitze in Europa? Das könnte auch für den FC Bayern bald Vergangenheit sein.

Das Problem: Können die Münchner sportlich mit den Spaniern, Engländern und eben Paris nicht mithalten, werden sie nicht nur keine Stars bekommen (weil die Bayern keine 100 Millionen Euro und mehr zahlen wollen bzw. können), sondern auch aufstrebende Talente werden sich andere Vereine suchen, damit sie schneller an die Spitze und an die Geldtöpfe kommen. Dies könnte eine Kettenreaktion auslösen und den Niedergang des stolzen Vereins bedeuten.

Wie dies aufzuhalten ist? Mit einem starken Trainer und einer erfolgreichen Mannschaft. Noch haben die Bayern ein Team, das durchaus in der Lage ist, mit Real Madrid, Barcelona, Paris oder den Klubs aus England mitzuhalten. Dann muss aber teamintern und sportlich alles stimmen. Insofern wird der nächste Trainer auch die Zukunft des Vereins bestimmen, weil auch der Umbruch einer alternden Mannschaft zu bewältigen ist. Eine Herkulesaufgabe. Gerade jetzt können sich die Bayern den Trainer aber nicht aussuchen, sondern müssen nehmen, was auf dem Markt ist. Kein Wunder, dass Dortmunds Ex-Coach Thomas Tuchel als Favorit auf die Ancelotti-Nachfolger genannt wird, nur er ist von den bekannten Trainern frei. Zukunfts-Hoffnungen wie Julian Nagelsmann in Hoffenheim stehen unter Vertrag. Ein Problem, das die Bayern-Bosse im Sommer hätten leichter lösen können. Jetzt müssen sie hoffen, dass sie mit dem neuen Trainer den Abwärtstrend stoppen können und der Weg wieder nach oben zeigt, in die Spitze Deutschlands und Europas. Noch ist die Saison jung, noch ist einiges zu reparieren.

Vergessen werden darf allerdings nicht, dass mit Kapitän Manuel Neuer die Mannschaftsstütze in den entscheidenden Spielen fehlt und jetzt mit Franck Ribery eine weitere Führungsfigur ausfällt. Gerade die Sicherheit, die der beste Torhüter der Welt, Neuer, ausstrahlt, fehlte dem Team bei den letzten Pleiten. Eine verzwickte Situation.

Start der Champions League: Der Sport lockt die Fans – nicht das Geld

Der Kaufrausch ist vorbei, jetzt geht es für die Fußball-Fans wieder um den Sport. Die Vereine und die Scheichs und die anderen Milliardäre, die mit ihrem Geld um sich schmeißen, sollten erkennen: Nur der Sport lockt die Fans – nicht das Geld. Also freuen wir uns trotz des Transfertrubels, als die Millionen nur so durch Europa flatterten, auf die neue Saison. Eines haben die teuren Transaktionen nämlich bewirkt: Es wird in der Champions League noch interessanter.

Es ist wirklich so, da spielt das Geld eine große Rolle. Zum Beispiel Paris St. Germain. Der neue Traumsturm mit dem jetzt teuersten Spieler, Neymar, und Talent Mbappe (nur ausgeliehen, um die UEFA und das Financial Fairplay auszutricksen) sowie Torjäger Cavani soll den Scheichs von Katar den Henkelpott bescheren. In diesem Fall schießt Geld wohl wirklich Tore, aber ist die Abwehr stark genug für die großen Spiele und halten die Nerven? Auch Millionäre sind nur Menschen. Die Sympathien werden Paris nirgends zufliegen. Erstes Test-Objekt ist in der Gruppenphase Bayern München. Sie werden sich mit ihrem typischen „mia san mia“ nicht wie das Kaninchen vor der Schlange benehmen.

Der Blick geht aber auch nach England. Dort wurden ja die meisten Millionen umgesetzt, die Premiere League befand sich wirklich im Kaufrausch, steigerte ihren Umsatz für neue Spieler auf 1.549 Milliarden Euro und will endlich die Dominanz der Spanier brechen. Allein Manchester City gab 250 Millionen Euro aus, davon 140 Millionen für drei neue Verteidiger. Trainer Pep Guardiola muss seinen Scheichs liefern, er blieb in seiner Trainer-Karriere das erste Jahr ohne Titel. Da darf man schon fragen: Kann Pep nur mit Geld? Wir werden es sehen. Aber auch Englands Meister Chelsea London will angreifen und Manchester United mit dem ehrgeizigen Pep-Erzfeind Jose Mourinho, der als Sieger der Europa League einen Platz in der Elite-Klasse ergatterte.

Also, welche Wünsche gehen nun in Erfüllung? Spannung ist garantiert, allerdings nicht in der Gruppenphase. Da sorgte die seltsame UEFA-Regelung mit einer Bevorzugung der acht Meister der besten Nationen dafür, dass es uninteressante Gruppen gibt und in einigen Fällen werden wir wieder erleben, dass sich Vereine vorzeitig das Weiterkommen sichern und manchmal sogar die zwei letzten Spieltage uninteressant werden. Aber auch hier regiert ja das Geld, weil die Gruppenphase mehr Spiele garantiert, ginge man gleich zum K.o.-Modus über (wie früher), wäre für viele der Reibach kaum möglich. Seltsam sind Umfragen vor dem Start nach dem künftigen Titelträger. Ergebnisse aus den Gruppen sind Schall und Rauch, auf die K.o.-Runde und dann auf Glückslose oder nicht kommt es an. Sprechen wir uns also wieder im Frühjahr. Der Herbst ist das manchmal interessante und am Ende oft langweilige Warm up.

Die deutschen Vereine hoffen darauf, dass sie im Frühjahr noch in den Lostöpfen zu finden sind. Das sollte Bayern München gelingen, weil man neben der Bewährungsprobe gegen Paris die anderen Gegner Anderlecht und Celtic Glasgow schlagen muss, wenn man sie nicht unterschätzt. Von einer „Hammergruppe“ spricht Borussia Dortmund, mit dem ewigen Rivalen Real Madrid (im Vorjahr zweimal 2:2!) sowie Tottenham Hotspur und dem Außenseiter Nikosia. Der dritte im Bunde ist der Newcomer RB Leipzig, der als Bundesliga-Neuling gleich in die Champions League durchstartete. Die Gegner AS Monaco, FC Porto und Besiktas Istanbul sind Chance und Bewährungsprobe zugleich. Dies ist eine dieser Gruppen ohne einen der großen Favoriten und Leipzig sollte die Stärke besitzen, sich hier durchzusetzen. Allerdings fehlt die internationale Erfahrung. Ein nicht zu unterschätzendes Handicap.

Das Finale gibt es am 26. Mai 2018 in Kiew. Real Madrid will das Triple, nachdem es bis dahin kein Verein geschafft hatte, überhaupt den Titel erfolgreich zu verteidigen. Genügend Vereine wollen Cristiano Ronaldo und Trainer Zinedine Zidane stoppen (u. a. natürlich auch der FC Barcelona mit Messi), doch wer schafft es? Bayern München musste zuletzt im Viertelfinale erkennen, das notfalls höhere Mächte den Spaniern helfen. Nach der selbstverschuldeten Heimniederlage (Vidal verschoss einen entscheidenden Elfmeter) hielt im Rückspiel Ungarns Schiedsrichter Kasai schützend seine Hand über Real und erklärte Abseitstore von Ronaldo als gültig. Nicht nur das Geld spielt also eine große Rolle.

Champions League: Zwiespalt zwischen Kommerz, Posten und Sport

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Die neue Saison der Champions League im Fußball beginnt erst am 12. September, die Weichen dazu wurden am Donnerstag in Monaco gestellt. Kritiker sagen, „das Spannendste an der Champions League ist die Auslosung“. Spannend war sie in der Tat, aber sie offenbarte auch den Zwiespalt, in dem der Fußball steckt.

Da der Kommerz, die Champions League wurde gerade für die großen Klubs fast zur Gelddruckmaschine. Dort das Buhlen um die Stimmen der kleineren Verbände, die manchem UEFA-Funktionär erst den begehrten Posten sichern. Der Sport ist dabei nur das Schlusslicht, er ist das Mittel zum Zweck, dass er überhaupt nur die Fans in die Stadion lockt und zur Attraktivität für die Sponsoren wird, das wird als gegeben angesehen. Motto: Der Sport ist ja da, das andere müssen wir uns sichern.

Die Lostöpfe der Champions League wurden vor einiger Zeit geändert. Früher ging es in erster Linie nach Leistung, die besten Vereine kamen in Lostopf 1, der UEFA-Klubkoeffizient war die Basis. Doch die Top-Funktionäre bei FIFA und UEFA sehen sich auch als Anwalt der kleineren Verbände, weil sie so leicht Stimmen für ihre Wiederwahl gewinnen können. Nur aus diesem Grund geriet der Sport in den Hintergrund. Nun liegen nicht mehr die Kugeln der besten Vereine in Lostopf 1, sondern der Titelverteidiger (Real Madrid war in Spanien auch Meister) und die der Meister der sieben nachfolgenden Verbände der UEFA-Fünfjahreswertung. Dadurch schafften es auch Benfica Lissabon, AS Monaco, Spartak Moskau und Schachtar Donezk in Topf 1. Die Ironie dabei, die insgesamt stärksten Mannschaften tummelten sich in Topf 2! Das ist fast schon eine Art Wettbewerbsverzerrung!

Das der Sport hier nicht im Vordergrund steht, wird dadurch deutlich, dass Moskau nur in Topf 4 zu finden wäre, Monaco und Donezk in Topf 3. So sah Topf 1aus: Real Madrid, Bayern München, FC Chelsea, Juventus Turin, Benfica Lissabon, AS Monaco, Spartak Moskau, Schachtor Donezk. So Topf 2: FC Barcelona, Atletico Madrid, Paris St. Germain, Borussia Dortmund, FC Sevilla, Manchester City, FC Porto, Manchester United als EL-Sieger. So wäre es sportlich richtig gewesen nach der Klubwertung: Topf 1 Real Madrid, Bayern, Barcelona, Atletico Madrid, Juventus, Paris, Dortmund, Sevilla. Topf 2: Benfica, Manchester City, Chelsea, FC Porto, Manchester United, SSC Neapel, Donezk, Tottenham Hotspur. Die Diskrepanz wird deutlich!

Am Los-Glück oder Los-Pech hängt es, ob die Gruppenphase wirklich attraktiv wird oder ob es stimmt, dass die Auslosung der spannendste Teil des Wettbewerbes ist. Die jetzige Aufteilung lässt es auf jeden Fall eher zu, dass auf der einen Seite Hammer-Gruppen entstehen, auf der anderen Seite relativ uninteressante Gruppen, wie diesmal zum Beispiel mit der Gruppe G mit Monaco, Porto, Besiktas Istanbul und RB Leipzig. Das ist gewollt: Eine Chance den Außenseitern! Die Hammer-Gruppe schlechthin ist die Gruppe H mit Real Madrid, Borussia Dortmund, Tottenham Hotspur und dem armen Klub Apoel Nikosia.

Aber kassieren dürfen sie alle, im Marktpool für die Champions League befinden sich 507 Millionen Euro, allein das Startgeld beträgt 15,7 Millionen Euro, ein Verein wie der FC Bayern München rechnet insgesamt mit rund 50 Millionen Einnahmen. Angesichts solcher Zahlen gerät der Sport halt in den Hintergrund. Hauptsache die Kasse stimmt und die Posten werden an die richtigen Leute vergeben, die viel sagen, wenig tun und am liebsten kassieren.

Juve und das „lachende Triple“

Cardiff war das Ziel aller Träume in der Champions League, der 3. Juni ist jener Samstag, bis zu dem die Klubs aller Nationen gerne ihre Saison verlängert hätten. Nur zwei konnten es schaffen, dass der eine davon Titelverteidiger Real Madrid ist, überraschte niemanden, dass Juventus Turin der Gegner ist, war zwar für möglich, aber nicht für sehr wahrscheinlich gehalten worden. Der FC Barcelona muss ebenso zuschauen wie der FC Bayern München, für den die Saison sogar schon vorzeitig beendet ist. Mit dem fünften Meistertitel in Folge, ein Rekord in Deutschland, ein Titelansammlung, die auch die „alte Dame“ Juve in Italien geschafft hat. Und Juve kann noch mehr schaffen, könnte neben Bayern und Real der „lachende Dritte“ sein, in diesem Fall das „lachende Triple“ erreichen, was Real (im nationalen Pokal vorzeitig ausgeschieden) nicht mehr möglich ist. Juve hat bereits das nationale Double, Real will das bedeutendere Double von Champions League und Meisterschaft holen. Es geht also um mehr als nur den Henkelpott der UEFA.

In Turin träumen sie seit Jahren von einem Triumph auf europäischer Bühne, der letzte Erfolg in der Champions League gelang 1996. Italiens Fußball drohte in den letzten Jahren den Anschluss an die großen Nationen zu verlieren. In der UEFA-Fünfjahreswertung liegen Spanien, Deutschland und England vor Italien, die Zuschauer zeigten den Klubs der Serie A oft genug die kalte Schulter, dafür sorgten Hooligans und Rechtsradikale immer wieder für Ärger. Der Profi-Fußball war keine Erfolgsgeschichte mehr, sondern eher ein Sorgenkind.

Das hat sich zuletzt gebessert und Italiens Fußball befindet sich im Aufwind. Auch Juventus Turin, einst im Rahmen eines Bestechungsskandals sogar in die zweite Liga verbannt, wurde vom Sorgenkind zum Leuchtturm des italienischen Fußballs. Vor Cardiff heißt es jetzt respektvoll: Wer will Real schlagen? Juve – wer sonst!

Andere Vereine träumen vom „Triple“ (siehe Kommentar vom 2. Mai: „Bayern München und die Sehnsucht nach dem Triple“), Juve kann es schaffen. Wenn nicht Juve – wer sonst! Gegen Real Madrid spricht außerdem, dass es in der Champions League noch nie eine erfolgreiche Titelverteidigung gab. Auch ein Anreiz für Cristiano Ronaldo und Co.! Für Juve spricht, dass Trainer Massimiliano Allegri über die Jahre hinweg ein Team „mit preußischem Stehvermögen und spielerischen Glanzpunkten“ (Süddeutsche Zeitung) geformt hat. Die BBC-Abwehr gilt als schier unüberwindbar, die Herren Barzagli, Bonucci und Chiellini sind in die Jahre gekommen, aber noch nicht alt, sondern nur alt genug, um allen Stürmern zu trotzen. Sie haben auch keine Angst vor CR7. Und dahinter will sich Gigi Buffon den großen Traum erfüllen, endlich die Champions League zu gewinnen. „Alle anderen Trophäen habe ich schon“, sagt der Welt- und Europameister, „aber für diesen Henkelpott läuft mir langsam die Zeit davon“. Könnte sein, dass der bald 40jährige seine Karriere nicht vor dem großen Sieg beendet. Oder ist er am Samstag am Ziel?

Es ist die Stärke des italienischen Meisters, dass nicht nur das Abwehrbollwerk eine Macht ist, sondern dass mit Cuadrado und dem Deutschen Sami Khedira Wucht und spielerischer Glanz im Mittelfeld gegeben ist, dass der Brasilianer Dani Alves in seinem dritten Frühling wieder zu alter Klasse fand und dass mit Dybala und Higuain Tore keineswegs Mangelware sind. Dies zeigt, Juventus Turin kann es mit Real Madrid und Zinedine Zidane aufnehmen, kann Ronaldo, Kroos, Modric, Benzema und Co. stoppen. Die Sympathien werden den Italienern gehören, allein, weil es wohl ihre letzte große Chance ist. Und Juve kann in Cardiff das „lachende Triple“ schaffen.

Bayern München und die Sehnsucht nach dem Triple

Große Vereine haben große Ziele. Ein Titel allein reicht da nicht, je nach Gewichtung soll es die Meisterschaft sein oder die Champions League (schon die Europa League gilt als zweitklassig), eigentlich beide und dazu als Dreingabe der Pokal. Real Madrid zum Beispiel entließ bereits Trainer, weil sie zwar die Champions League gewannen, national aber hinter dem Erzrivalen FC Barcelona blieben oder eben auch umgekehrt. Jedenfalls war es oft ein Titel zu wenig. Das ist in München nicht anders. Der FC Bayern dominiert in Deutschland und so ist die nationale Meisterschaft Gewohnheitssache. Fünfmal in Folge Meister, ein neuer Rekord – na und? Der Frust über das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid sitzt tief und überdeckt den Jubel über die Meisterschaft. Was nach der Saison 216/17 bleibt, ist die Sehnsucht nach dem Triple.

Die Münchner wissen allerdings sehr wohl, so wie es eigentlich alle Fachleute und vielleicht sogar Laien wissen sollten, alle Pokale in einem Jahr zu holen ist außergewöhnlich und nicht so leicht zu wiederholen. Da muss eben alles passen, da darf der Schiedsrichter nicht gegnerische Abseitstore anerkennen (eigene darf er selbstverständlich anerkennen, ist sogar wünschenswert), da dürfen entscheidende Spieler nicht verletzt ausfallen, da muss der Ball ins Tor und nicht ans Gestänge gehen und man darf keine Fehler machen. Ein bisschen viel auf einmal, oder etwa nicht?

Dazu kommt natürlich, dass auf internationaler Ebene die Konkurrenz immer stärker wird. Es werden ja in der Zukunft nicht Barcelona und Real Madrid allein sein, die den Bayern das Triple verwehren können, Juventus Turin (vielleicht nutzen die Italiener ihre Chance sogar schon in diesem Jahr), Paris St. Germain und die englischen Klubs lechzen ebenfalls nach dem großen Erfolg. Da investieren Scheichs und Oligarchen aus Russland viele Millionen, um sich im Glanz eines Pokals zu sonnen. Die Aufgabe wird für die Münchner also von Jahr zu Jahr schwieriger, vielleicht haben sie in diesem Jahr eine Chance unglücklich verpasst, die so vielleicht so schnell gar nicht mehr wiederkommt. Zwischen den Triumphen in der Champions League lagen zwischen 2001 und 2013 ja auch zwölf Jahre.

Nationale Erfolge sorgen in Bayern nicht mehr für Ekstase, weil die Konkurrenz zuletzt zu schwach war. Es wird nur noch gerätselt, wie frühzeitig die Münchner ihre Meisterschaft unter Dach und Fach bringen, ob schon im März oder im April. Sie schafften es wieder, bevor der Mai begann. Es war 2011 und 2012, als Bayern München zuletzt ohne jeglichen Titel blieb und mit der großen Aufrüstung der Mannschaft begann. Kommt ähnliches in diesem Jahr?

Da scheinen sich die Vereinsoberen noch nicht ganz einig zu sein. Nachdem die Mannschaftsstützen Philipp Lahm und Xabi Alonso nach der Saison ihre Karriere beenden, ist viel von Umbruch die Rede und davon, dass vermehrt junge Spieler eingebaut werden müssen. Dazu stehen die Flügelflitzer Robben und Ribery vor ihrem Karriereende, aber sie waren jetzt schon beleidigt, wenn sie jungen Spielern Platz machen mussten. Keine einfache Aufgabe für Trainer Carlo Ancelotti, der zeigte, dass er mehr auf Routine setzt als auf Jugend, der aber schon ankündigte, den Talenten mehr Spielzeit zu gewähren. Da muss er Ribery und Robben erst mal beruhigen und vielleicht auch die Chefs, wenn es mit den gewohnten Erfolgen mal nicht so klappt. Andererseits müssen die sich fragen, ob ein alter Trainer der richtige für junge Talente ist. Zumal ja auch ein Sportdirektor als ausgleichende Stütze noch fehlt. Der Meister hat also noch durchaus Aufgaben zu erfüllen.

Die Konkurrenz hofft natürlich darauf, dass ein Umbruch die Bayern ein bisschen ins Trudeln bringt und die Meisterliste endlich wieder einen neuen Namen erhält. Borussia Dortmund als Hauptkonkurrent ist mit dem Umbruch schon ein bisschen weiter, hat eine junge, talentierte Mannschaft, der in diesem Jahr noch die Konstanz fehlte. Doch Dortmund hat auch das Problem, dass die besten Spieler weggekauft werden, oft auch von den Bayern. Torjäger Aubameyang und Dribbelkünstler Dembele sind die nächsten Kandidaten. Und wie sich die Newcomer des Jahres, Leipzig und Hoffenheim, entwickeln, muss erst mal abgewartet werden. Auch da dürften die besten Spieler bald dem Ruf des Geldes folgen.

Eines ist sicher, wenn vor der nächsten Saison in der Bundesliga wieder nach dem Meisterschaftsfavoriten gefragt wird, dann fällt nur der Name Bayern München und die Konkurrenz gefällt sich in der Ankündigung, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Die letzten fünf Jahre war niemand da. Die Bayern werden auch ihre Aussage wiederholen, „wir wollen das Triple holen“, aber Boss Karl-Heinz Rummenigge hat jetzt schon eingeschränkt, „wir wissen auch, dass das nicht so leicht ist“. Aber die Sehnsucht nach dem Triple bleibt bestehen bei Bayern München.

Bundesliga-Drama auf den Fußball-Bühnen Europas

Auf den Theaterbühnen der Welt wird rezitiert, gesungen, gelacht, geweint, geschimpft, gelogen, betrogen, ja sogar gemordet (natürlich nicht wirklich, sonst gingen den Bühnen ja die Schauspieler aus). All dies zum Vergnügen des Publikums, das, je nach Qualität der Aufführung, begeistert ist oder auch mal buht. Besonders beliebt sind die Dramen, erregende Schauspiele mit einem traurigen Geschehen.

All das, was die Bühnen der Welt ausmacht, erlebte die Bundesliga auf den Fußball-Bühnen Europas. Ja, es wurde sogar versucht, wirklich zu morden. Der Anschlag eines habgierigen Deutsch-Russen auf Borussia Dortmund muss Verständnis dafür wecken, dass die Westfalen im Vergleich mit dem AC Monaco nicht ihre beste Leistung bringen konnten. Es war fast schon ein unmenschlicher Akt, dass die Spieler einen Tag nach dem Attentat wieder auf dem Platz stehen mussten und innerhalb einer Woche drei Spiele bestreiten mussten. Vielleicht war dies sogar gut für die Angst-Aufarbeitung, aber die sportliche Leistung musste leiden. Dennoch: Unter dem Strich bleibt das Bundesliga-Drama mit dem Ausscheiden aller deutschen Klubs in der Champions- und Europa League jeweils im Viertelfinale, wobei nicht nur Dortmund, sondern auch Bayern München und Schalke 04 nicht ohne Drama von der Bühne abtraten. Es war insgesamt ein trauriges Geschehen.

Die Bundesliga hat in diesen Wochen an Reputation verloren. Erstmals seit 2009 gibt es keinen deutscher Vertreter im Halbfinale der Champions League. Die Bayern waren zuletzt fünfmal hintereinander im Halbfinale, 2013 der Glanzpunkt mit einem deutschen Finale und dem glorreichen Triple der Bayern. Heute: Ein Drama. Die Bundesliga behält in der Europa-Rangliste zwar Platz zwei hinter den erfolgreichen Spaniern, aber die Tendenz ist fallend. Dies bestätigt auch der Blick auf die Bundesliga-Saison 2016/17, wo die Top-Klubs allesamt Schwächen zeigen, ganz im Gegensatz zu den Ligen in Spanien, England, Frankreich und Italien. Klar, die Öffentlichkeit liebt Überraschungen von Underdogs wie im Vorjahr von Leicester City in England, aber sie sollten nicht einhergehen mit einem Leistungsabfall der Großen. Das ist in Deutschland so mit Ausnahme von Bayern München.

Ob die Emporkömmlinge von RB Leipzig und der TSG Hoffenheim im nächsten Jahr auf Europas Bühnen für Furore sorgen können, ist noch höchst zweifelhaft. Sie bringen zwar viel Schwung ins Geschehen, aber Bundesliga und die Champions League mit ausgefuchsten Teams und Trainern sind zwei Paar Stiefel. Da sind schon Zweifel angebracht, andererseits gibt es vielleicht große Überraschungen in den Schauspielen. Es muss nicht unbedingt ein Drama sein. Andererseits: Deutsche und Engländer müssten sich mal Gedanken machen, was die Spanier haben, was sie nicht haben. Die spanische Dominanz auf Europas Bühnen ist schon auffällig. Das kann doch nicht daran liegen, dass die Spanier die Dramen lieben?

Nun, die deutschen Entschuldigungen für die schlechten Aufführungen wecken Verständnis. Dortmund litt unter dem Anschlag, München litt unter einem schwachen Schiedsrichter. „Die Schiedsrichter sollten nicht die Pokale verteilen“ hatte der Sport-Grantler am 4. April geschrieben, als wenn er es geahnt hätte. Der Ungar Viktor Kassai hievte Real Madrid mit anerkannten Abseitstoren ins Halbfinale, von einem „Unparteiischen“ zu sprechen, verbietet sich. Fünf zu zwei lauteten seine Fehlentscheidungen zu Gunsten von Real, aber sieben folgenschwere Fehler in einem Spiel dürfen einem internationalen Top-Schiedsrichter nicht passieren. Das reicht normal für eine ganze Saison. Kassai muss mehrere Lehrgänge absolvieren oder aus dem Verkehr gezogen werden.

Auch Schalke 04 wollte in der Europa League nicht ohne Drama ausscheiden, 120 Minuten wirkten wie ein Abbild der Saison, einen ständiges Auf und Ab. Nach einer 3:0-Führung war das 0:2 aus dem Hinspiel gegen Ajax Amsterdam umgekehrt worden, doch dann Fehler und der Gegner traf sogar in Unterzahl.

Die Deutschen also im Halbfinale nur Zuschauer, die Fernsehsender werden sich fragen, für was sie viel Geld bezahlt haben und es leichter verschmerzen, wenn sie bei der neuen Vergabe der Fernsehrechte leer ausgehen. Für die deutschen Fans könnte das zu einem neuen Drama führen. Und was die Zukunft von Bayern München angeht, schließlich gilt der Meister als einer der drei besten Klubs in Europa, da muss man schauen, was kommt. Aber das ist ein eigenes Thema. Hauptsache die Zukunft wird nicht zum Drama.

Champions League: Machen die Favoriten den Weg frei?

Im Herbst das Vorgeplänkel, im Frühjahr die Entscheidung. Im europäischen Fußball geht es jetzt erst richtig los, wenn in der Champions League (CL) das Achtelfinale und in der Europa League (EL) die Zwischenrunde mit 32 Klubs ab Dienstag, 14. Februar anstehen. Die K.o.-Phase, das ist es, was die Fans sehen wollen. Die Finals finden am 24. Mai in Solna (Schweden/EL) und 3. Juni in Cardiff (Wales/CL) statt. Es könnte sein, dass auf dem Weg dahin einige Favoriten straucheln, denn die Formkurve der Spitzenteams in Europa ist sehr dubios. Die Frage also: Machen die Favoriten den Weg frei?

In der Europa League wird es sowieso einen neuen Titelträger geben, denn der Seriensieger der letzten Jahre, der FC Sevilla, hat es diesmal ins Achtelfinale der Champions League geschafft und gibt gerne den EL-Pott mal weiter. Die Spanier siegten die letzten drei Jahre, davor schaffte es 2013 der FC Chelsea. Auch diesmal könnte ein englischer Klub profitieren, Manchester United gilt als Favorit. Die nächste Hürde heißt AS St. Etienne und sollte eigentlich kein Stolperstein sein. Auch die deutschen Klubs träumen vom Finale, Borussia Mönchengladbach stieg aus der CL ab und hat den AC Florenz in einem offenen Duell als Gegner, Schalke 04 zog als Gruppensieger in die nächste Runde ein und fürchtet gegen PAOK Saloniki vor allem die heißblütigen griechischen Fans. Wie auch immer, die Europa League wird weiter im Schatten des großen Bruders Champions League bleiben.

Die großen Vereine Europas haben auch ihre Probleme, sie suchen ihre Form. Titelverteidiger Real Madrid gilt zwar erneut als Favorit, doch zwei Aspekte stehen dagegen: Erstens der Fluch des Siegers, denn bisher konnte noch kein Klub den Titel erfolgreich verteidigen, zweitens die Form, denn seit dem Ende der Rekord-Siegesserie in der „La Liga“ in Spanien mit 40 ungeschlagenen Spielen konnte Real kaum überzeugen, wenn es auch die Tabelle in Spanien nach wie vor anführt. Das geht nur deshalb, weil auch der FC Barcelona schwächelt und immer wieder überraschend Punkte abgibt. Abgefallen ist auch Atletico Madrid, das zuletzt die großen Klubs ärgerte und 2014 und 2016 im Finale von Real jeweils nur unglücklich unterlag. Aber jetzt ist der Wurm drin, Trainer Diego Simeone, bekannt als „Heißmacher“ an der Linie, mosert über fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen: „Da gewinnen wir leichter in der Champions League als in Spanien.“ Im Achtelfinale könnte Bayer Leverkusen der Leidtragende sein. Die Deutschen sind jedenfalls Außenseiter.

In die Phalanx der Großen mit Formschwächen reiht sich auch der FC Bayern München ein. Die Bayern waren der letzte CL-Sieger, der nicht aus Spanien kam (2013). Zu gern würden sie das Triple von damals (zudem Meisterschaft und nationaler Pokal) wiederholen. Pep Guardiola konnte diesen Traum bekanntlich nicht zur Wirklichkeit werden lassen, die Bayern scheiterten zuletzt immer im Halbfinale. Jetzt trägt sein Nachfolger Carlo Ancelotti die Hoffnungen, u. a. deshalb, weil er einst mit Real seinen Kollegen Guardiola und die Bayern austrickste und demütigte. Aber in der Liga sind auch die Bayern nicht in Form und die Fans fragen sich, ob es in der CL so einfach besser geht. Da könnte Arsenal London mal Historisches schaffen, nämlich die Bayern ausschalten. Bisher galten die Londoner unter Arsene Wenger als Lieblingsgegner der Münchner, in drei Duellen hatte Arsenal das Nachsehen. Es würde in die Tendenz passen, wenn Bayern diesmal straucheln würde, die Tendenz nämlich, dass die Favoriten den Weg frei machen.

Eine ähnliche Konstellation ergibt sich im Duell zwischen dem FC Barcelona und St. Germain Paris. Die Spanier waren für die Franzosen 2013 und 2015 im Viertelfinale Endstation, jetzt träumen die Franzosen wieder, obwohl auch sie dem Fluch der mangelnden Form unterliegen. Der Abgang von Torjäger Ibrahimovic wiegt schwer. Erstmals seit vier Jahren grüßen sie in der nationalen Liga nicht von der Spitze der Tabelle. Nicht die besten Voraussetzungen für eine Überraschung.

Wer aber könnte den Weg gehen, wenn Hürden beiseite geräumt werden? Als erstes schreit wohl Juventus Turin „hier“, die Italiener wollen schon lange an die Spitze Europas und den früheren Glanz des italienischen Fußballs wieder herstellen. Gut in Form ist auch der SSC Neapel, warum also nicht den Titelverteidiger Real stürzen? Oder gar der englische Meister Leicester City? Das wäre die nächste Sensation, denn in England befindet sich der Meister in diesem Jahr im Abstiegskampf und Gegner FC Sevilla hat bekanntlich viel vor. Mehr darf man da Manchester City und Pep Guardiola zutrauen. Der Ex-Bayern-Trainer ist zwar in England noch nicht ganz angekommen und es droht eine Saison ohne Titel zu werden, es sei denn, es gelingt eine Überraschung in der CL! Oder gar Borussia Dortmund? Bisher war es so, in der Liga „pfui“, in der CL „hui“. Wer in den Gruppenspielen Real Madrid auf Platz zwei verdrängt hat, der muss wohl zumindest in den Kreis der aussichtsreichen Außenseiter aufgenommen werden. Die Jungspunde aus Dortmund könnte Europa überrennen, was vielleicht leichter ist, als Woche für Woche im Alltag Bundesliga beste Leistungen zu zeigen. Der Sport ist ja bekanntlich voller Rätsel und die Champions League in diesem Jahr auch.

Das CL-Achtelfinale: Benfica Lissabon – Borussia Dortmund, Paris St. Germain – FC Barcelona, Bayern München – Arsenal London, Real Madrid – SSC Neapel, Bayer 04 Leverkusen – Atletico Madrid, Manchester City – AS Monaco, FC Porto – Juventus Turin, FC Sevilla – Leicester