Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Sebastian Vettel

Uli Hoeneß und andere Auffälligkeiten

Der Fußball hat eigentlich genug Aufmerksamkeit, so dass er übertriebene PR-Aktionen gar nicht braucht. So war auch die Aufregung um eine Beschwerde von Torhüter Marc-Andre ter Stegen über eine mangelnde Berücksichtigung in der Nationalmannschaft eigentlich gar nicht nötig. Was muss nur Bayern-Präsident Uli Hoeneß geritten haben, dass er aus einer harmlosen Aussage eine Affäre machte. Die „Abteilung Attacke“ des FC Bayern ist wieder einmal über das Ziel hinaus geschossen und hat nur eines deutlich gemacht: Der angekündigte Rückzug aufs Altenteil ist richtig.

Barcelonas Torhüter beschwerte sich in Spaniens Medien darüber, dass sein Aufenthalt bei der DFB-Elf eine „schwere Zeit“ gewesen sei. Er hätte gern einen Einsatz gehabt, den ihm ja Bundestrainer Joachim Löw auch öffentlich zugesagt hat („ter Stegen wird seine Einsätze bekommen“). Jetzt hätte ter Stegen nach starken Leistungen (auch in Dortmund wieder) gern mal gespielt. Unklar ist, ob ihm Löw Hoffnung auf das Spiel in Nordirland gemacht hat, richtig war, dass Löw in dem vorentscheidenden Match der EM-Qualifikation auf Nummer Sicher ging und mit Manuel Neuer ein Experiment ausschloss. Kapitän Neuer konterte die Attacke von ter Stegen kühl („wir sind eine Mannschaft, das war nicht der richtige Zeitpunkt“) und damit wäre alles erledigt gewesen. Wenn da nicht Uli Hoeneß eine Laus über die Leber gelaufen wäre…

Der Bayern-Boss fühlte Manuel Neuer und Bayern angegriffen und wollte sich in übertriebener Väterlichkeit vor seinen Spieler stellen, machte sich dabei aber fast zur Lachnummer. Aus einer Mücke einen Elefanten zu machen ist dann sinnvoll, wenn man in die Schlagzeilen will, um endlich mal wieder Aufmerksamkeit zu bekommen. Das haben aber weder die Bayern noch Hoeneß nötig. Die Medien ließen natürlich alle möglichen interessanten und uninteressanten Menschen zu Wort kommen und bauschten das Thema auf. Nur einer meldete sich nicht, der wichtigste Mann, nämlich Joachim Löw. Der Bundestrainer wird mit Schrecken an die nächsten Länderspiele gedacht haben, am 9. Oktober das Testspiel gegen Argentinien, am 13. 10. in der EM-Qualifikation in Estland. Ter Stegen wird auf jeden Fall einmal spielen, dann wird es heißen, „man muss sich nur beschweren…“. Schließlich gibt es so gleich wieder eine schöne Schlagzeile. Dies ist das einzig Negative, ter Stegen hat Löw unter Druck gesetzt, aber Uli Hoeneß ist schier geplatzt.

Es gab aber nicht nur Uli Hoeneß, sondern auch noch andere Auffälligkeiten. So zum Beispiel die Pleiten der Bundesligisten auf Europas Bühne. Leverkusen blamierte sich beim 1:2 gegen Lokomotive Moskau in der Champions League, Borussia Mönchengladbach verkam beim 0:4 gegen den Wolfsberger AC aus Österreich zur Lachnummer. Frankfurt mühte sich dagegen gegen Arsenal London, wenn am Ende auch ein 0:3 stand. Trotz Siegen von Bayern, Leipzig und Wolfsburg (allerdings Zuschauerpleite) und dem achtungsvollen 0:0 von Dortmund gegen Barcelona hat die Bundesliga also insgesamt keine gute Figur in der ersten Runde der Europapokalwettbewerbe abgegeben.

Apropos Europa, auffällig ist, dass einige Star-Klubs schwächeln. So Real Madrid, das beim 0:3 in Paris unterging, sich national aber wieder gefangen hat, dafür gibt es jetzt Krach in Barcelona nach einer 0:2-Pleite in Granada und nur Platz acht in der Liga. Da tobte sogar der sonst so ruhige Lionel Messi. Dafür sorgt der umstrittene Brasilianer Neymar in Paris für Auffälligkeiten, mit Toren dankt er Trainer Thomas Tuchel dafür, dass dieser den Wechselwilligen in Gnaden wieder aufgenommen hat. So kann St. Germain eine Verletzungsmisere kaschieren. Auffällig auch, dass Serien-Meister Juventus Turin in Italien nicht die Nummer 1 ist, sondern derzeit Inter Mailand. Deutet sich da ein Erdbeben an? In Spanien ist es Athletic Bilbao (!), in England dagegen der FC Liverpool. Der hat sogar nach dem 2:1 bei Chelsea weiter fünf Punkte Vorsprung vor Verfolger Manchester City, das zuletzt gegen Neuling Norwich patzte. Da nützte es nichts, dass sich die Pep-Schützlinge gegen Watford mit 8:0 den Frust von der Seele schossen.

Auffällig in der Bundesliga die Verletztenmisere bei Werder Bremen. Ungefähr zehn Stammspieler fehlen Trainer Florian Kohfeldt, für den vor allem der Ausfall von Torjäger Niclas Füllkrug ein Schock war. Da war das 0:3 gegen Leipzig nur logisch und jetzt geht es auch noch nach Dortmund. Auffällig aber, dass RB Leipzig damit weiter von der Tabellenspitze grüßt, Dortmund aber die erste Verfolgerrolle mit dem 2:2 in Frankfurt an die Bayern abtrat. Bei den Bayern läuft nicht alles rund, aber das wird überdeckt von der Tormaschine Robert Lewandowski und von der Freude über Neuzugang Coutinho, der immer mehr andeutet, welche Verstärkung er für die Münchner sein kann.

Eine besondere Auffälligkeit auch außerhalb des Fußballs: Sebastian Vettel hat in Singapur in der Formel 1 sein erstes Rennen nach über einem Jahr gewonnen! Zuletzt hatte der Heppenheimer mehr mit Fehlern und Hinterherfahren für Schlagzeilen gesorgt, er wurde zum Sorgenkind. Vielleicht hat ihm jetzt deshalb Ferrari den Sieg geschenkt, denn eine verkorkste Stallregie bremste den führenden Charles Leclerc aus und brachte Vettel nach vorn. Die Folge: Krach bei Ferrari, Leclerc will sich das nicht gefallen lassen. Auch Mercedes half gnädigerweise mit einer verpatzten Stallregie für Hamilton und Bottas mit, als wenn man sagen wollte, wir müssen diesen mutlosen Sebastian Vettel ein bisschen aufzubauen. Hoffentlich hält sich Vettel nicht gleich wieder für den Größten. Andererseits wird es mal wieder an der Zeit, dass Mercedes zeigt, dass es noch siegen kann, nachdem jetzt Ferrari dreimal vorn lag und damit eine Wiederauferstehung feierte. Die Formel 1 aber freut sich über die Spannung vor dem nächsten Rennen am Sonntag in Sotschi.

Ein Hinweis: In dieser Woche noch ein Kommentar zur bevorstehenden Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar.

Werbeanzeigen

Die Sieger und Verlierer der Formel 1

Die Sommerpause nach dem Rennen in Ungarn dürfte der Formel 1 sehr ungelegen kommen (weiter geht es am 1. September in Spa), denn die letzten Rennen machten eigentlich Lust auf mehr. Endlich gab es die Spannung, nach der die Motorsportfans schon lange gelechzt haben. Die Formel 1 also als Sieger. Allerdings werden einige Teams auch froh sein um die Pause, denn die wollen sie nutzen, um ihre Rennwagen zu verbessern. Ferrari zum Beispiel. Der Sport-Grantler nutzt die Sommerpause zu einer Zwischenbilanz und zeigt auf, wer als Sieger und wer als Verlierer gelten kann.

Die Sieger der Formel 1

Lewis Hamilton: Der Weltmeister befindet sich auf dem Weg zur nächsten erfolgreichen Titelverteidigung, es wird für ihn der sechste Titel und damit wäre der siebte und der Rekord, den Michael Schumacher hält, nicht mehr weit. Zum Sieger macht ihn vor allem die Tatsache, dass er fahrerisch überzeugen konnte, es liegt nicht nur am Auto. Das bewies der 34-Jährige Engländer eindrucksvoll bei der Aufholjagd in Ungarn.

Mercedes: Die Silberpfeile sind seit fünf Jahren schier unschlagbar, holten sich immer den Konstrukteurstitel. Das wird auch in diesem Jahr so sein, immerhin zeigt die Konkurrenz aber dann und wann mal die Zähne.

Max Verstappen: Der 21-Jährige Niederländer gilt als Heißsporn, sein fahrerisches Talent zeigt er schon lange, mancher Crash beschädigte aber seinen guten Ruf. Scheinbar ist er bedachter und damit noch schneller geworden. Endlich schaffte er auch seine erste Pole Position und machte damit deutlich: Ich bin für Hamilton und Mercedes der Herausforderer Nummer 1!

Aston Martin Red Bull Racing: Nennen wir mal den offiziellen Titel des Rennstalls. Vor der Saison war vom Zweikampf zwischen Mercedes und Ferrari die Rede, Red Bull wurden höchstens Außenseiterchancen eingeräumt. Jetzt ist Red Bull dabei, den „Roten“ Rang zwei abzulaufen. Hinter Mercedes (438 Punkte) ist Ferrari (288:244) allerdings noch Zweiter. Was Red Bull fehlt, ist ein zweiter starker Fahrer, Pierre Gasley ist es wohl nicht.

Charles Leclerc: Ferrari hat den zweiten starken Fahrer, was heißt den zweiten, der 21-Jährige Monegasse ist fast schon die Nummer 1 im Team, zumindest macht er Vettel gehörig Druck und wird ihn bald nicht mehr gemäß Stallorder vorbeilassen. Leclerc gehört im Team die Zukunft.

Die Verlierer der Formel 1

Sebastian Vettel: Logisch, vor der Saison muss man auf Optimismus machen und forsch Siegeswillen zeigen. Der Heppenheimer konnte die Erwartungen aber in keiner Weise erfüllen und es liegt nicht allein am Auto. Statt von Heldentaten zu berichten, wie es von Leclerc oder Hamilton der Fall war, wurden bei Vettel die Fehler aufgezeigt. Innerhalb eines Jahres seit Juli 2018 verlor er neun Rennen durch seine Fehler. Heute wird eher gemunkelt, ob Vettel, der bei Ferrari noch einen Vertrag bis 2020 besitzt, nicht schon am Ende dieser Saison zurücktritt.

Ferrari: Ein Deutscher sollte die glorreichen Zeiten eines Michael Schumacher wieder zurückbringen. Vettel schaffte es bekanntlich nicht. Aber Ferrari schaffte es auch nicht, ein Auto auf die Straße zu bringen, das ernsthaft um den Titel mitfahren kann. Jedes Jahr das gleiche Spiel, vor der Saison große Töne, nach der Saison Katzenjammer. Die Roten bremsen sich selbst aus.

Valtteri Bottas: Der Finne kam mit Elan und Mut aus der Winterpause zurück und zeigte sich als Herausforderer für Hamilton. Doch der Schwung ist dahin, vielleicht stoppt den bald 30-Jährigen die Tatsache, dass er an dem Engländer doch nicht vorbei kann. Zweifel statt Selbstvertrauen und die traurige Zukunft, dass über seinen Platz spekuliert wird. Der junge Franzose Esteban Ocon (derzeit Testfahrer bei Mercedes) gilt als Nachfolger. Kaum glaubhaft, dass Max Verstappen als Konkurrent von Hamilton ins gleiche Team wechselt.

Renault: Eigentlich sollte der nächste Schritt Richtung Spitze gemacht werden, doch die Franzosen treten auf der Stelle. An den Fahrern Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg liegt es wohl nicht, die haben ihr Können schon bewiesen. Sie haben kein Spitzenauto zur Verfügung. Im Moment liegen sogar noch McLaren und Toro Rosso vor Renault (derzeit Sechster in der Teamwertung).

Hockenheimring: Möglich, dass wir 2019 das letzte Formel-1-Rennen in Deutschland gesehen haben, die finanzielle Situation ist zu kompliziert geworden, die Formel 1 für die deutschen Veranstalter Nürburgring und Hockenheimring zu teuer. Wenn ein Traditionsstandort verloren geht, wird auch die Formel 1 zum Verlierer. Ob Expansion um des schnöden Geldes Willen wirklich weiterhilft? Neben Hockenheim ist auch die Zukunft von Barcelona und Monza ungewiss, dafür stehen die neuen Standorte Zandvoort in den Niederlanden (wohl wegen Verstappen und der Begeisterung der holländischen Fans) und Hanoi in Vietnam bereit. 21 Rennen soll es 2020 geben, mit Saudi-Arabien wird verhandelt.

Vielleicht gibt es einen Retter für Formel-1-Rennen in Deutschland. Er hat einen bekannten Namen, er heißt Schumacher, Mick Schumacher, der Sohn von Michael. In Ungarn gewann der 20-Jährige sein erstes Rennen in der Formel 2, die als Sprungbrett für die Formel 1 gilt. Er hat das Talent, um den Sprung wirklich zu schaffen und Formel-1-Boss Chase Carey ließ bereits verlauten, „Mick hat einen besonderen Platz bei uns“. Begeisterung in Deutschland könnte wieder Vollgas für die Formel 1 hierzulande bedeuten. Hoffnung für Hockenheim.

Die Bundesliga ist Theater auf großer Bühne

„Mach nicht so ein Theater“, ist eine gängige Zurechtweisung im Alltag. Das Theater als solches gilt bei der Bevölkerung als Inbegriff der Kunst, der Kultur-Tempel schlechthin. Die Platzzahl ist allerdings begrenzt und nur mit Zuschüssen bleiben die Theater am Leben. Dabei wird das größte Theater im Sport gespielt, die Bundesliga ist Theater auf großer Bühne, jede Woche pilgern im Schnitt 40.000 Zuschauer zu den Spielen und die Akteure bieten wie im richtigen Theater gute und schlechte Kunst. Beste, aber berüchtigte Schauspielkunst liefern die Akteure etwa bei den berühmten „Schwalben“. Besser geht es auf keiner anderen Bühne. Ein Ausschnitt vom Bundesliga-Theater:

Der Titelkampf: Bayern München und Borussia Dortmund liefern sich ein spannendes Duell, dass alle Degen-Helden auf den Bühnen verblassen lässt. Da die selbstbewussten Helden aus München, die sechs Jahre lang schon auf dem Thron sitzen und sich nicht verdrängen lassen wollen. Dort die „Wegelagerer“ aus Dortmund, die zwar ein bisschen an sich selbst zweifeln, die aber doch den ganzen Mut zusammennehmen, um die Helden zu besiegen. Der Ausgang ist ungewiss. Die Bayern müssen vorerst auf einen Helden verzichten, Manuel Neuer hat sich wieder verletzt, fällt mindestens zwei Wochen aus. Und das vor den Bremen-Festspielen. Die 2019 noch ungeschlagenen Werderaner (übrigens als einziges Team in den Top-Ligen Europas!) gastieren am Samstag in München und erwarten dann die Bayern zum Halbfinale im DFB-Pokal. Welche Dramatik! Das Publikum wartet auf die erste Niederlage.

FC Augsburg: Auch eine Provinzbühne kann sich in den Vordergrund spielen, der FCA tat es. Im ansonsten beschaulichen Schwaben krachte es, Trainer entlassen und seine Assistenten dazu. Manuel Baum ging nicht allein, sondern vor allem der berühmte Star Jens Lehmann musste seine Nebenrolle als Assistent gleich wieder aufgeben. Impulse gingen von ihm nicht aus. Wohl aber vom neuen Trainer Martin Schmidt, der seinen Mannen mit der Devise „einfach spielen“ das Kontrastprogramm zu Baum lieferte (ausgeklügelte Taktik). Und dann gab es ein Märchen auf der Bundesliga-Bühne, dass es im wirklichen Leben nie geben würde: Schmidt gewann bei seinem Amtsantritt in Mainz 3:1 gegen Frankfurt und jetzt: 3:1 mit dem FCA in Frankfurt. Held des Spiels war der U21-Nationalspieler Marco Richter, er erzielte seine ersten beiden Saisontreffer. Vorher hatte er einmal getroffen – gegen Frankfurt. Das nennt man dann beste Eintracht. Die Frankfurter aber erlebten eine Tragödie, erste Niederlagen in diesem Jahr, und das ausgerechnet in der Europa League mit dem 2:4 bei Benfica Lissabon. Die Hoffnung schwindet vor dem Rückspiel am Donnerstag, die Eintracht wirkt ziemlich ausgelaugt. Noch einmal werden die Helden aber auf die Bühne gerufen.

VfB Stuttgart: Von Helden ist hier nicht die Rede, sondern von Schurken. Der Argentinier Ascacibar spielte die Rolle des Lamas, doch Spuck-Attacken sind auf der Bundesliga-Bühne nicht erwünscht. Die Tragik der Stuttgarter: Sie dezimieren sich im Abstiegskampf selbst mit Verletzungen und Platzverweisen. Und das vor dem „Endspiel“ am Samstag in Augsburg, nur mit einem Sieg bei den Provinzhelden bleibt die Hoffnung auf den Klassenerhalt ohne Umweg Relegation bestehen.

Fortuna Düsseldorf: Die meisten Theaterstücke sehen die beliebte Rollenverteilung so vor, da der brave Held, dort der Schurke. In Düsseldorf wird das Bühnenstück perfekt dargeboten. Der brave Trainer Friedhelm Funkel wird gefeiert, er führte den Aufsteiger trotz aller Widerwärtigkeiten zum vorzeitigen Klassenerhalt. Die Rolle des Schurken nimmt Vorstands-Chef Robert Schäfer ein, der den braven Funkel entlassen wollte, aber zurückgepfiffen wurde. Weil er so ein Miesepeter ist, muss er jetzt selbst gehen. So wollen es die Leute, der Brave muss gewinnen.

Timo Werner: Jeder Vereinswechsel ist ein Theaterstück in mehrer Akten und vor allem bei den Medien äußerst beliebt, denn er liefert Gesprächsstoff über Monate hinweg. Bestes Beispiel ist Nationalstürmer Timo Werner. Dessen Vertrag bei RB Leipzig läuft 2020 aus und branchenüblich heißt es im Jahr davor verlängern oder verkaufen. Nur selten wird der Vertrag voll erfüllt, weil der Verein ja Geld verliert. So wird jetzt gerätselt, geht er oder bleibt er? Und wenn er geht, wohin? Seine neue Bühne soll angeblich in München stehen. Dort wird das Honorar sicher höher sein.

Die Bühnen außerhalb der Bundesliga

Europa: Wir wollen ja nicht sagen, das Europas Bühnen spektakulärer sind als die Bundesliga, aber sie bieten doch einiges, vor allem Geld. So drängen sich auch die Bundesligisten auf diese Bühnen, aber die Hauptrollen sind begehrt und im letzten Akt fehlen die Bundesligisten als Hauptdarsteller. Die große Bühne genießt vor allem einer: Cristiano Ronaldo. Die Champions League ist sein Metier und er hält Juves Chance am Leben gegen die Jung-Darsteller aus Amsterdam. Ein großes Stück. Das will auch Messi mit Barcelona liefern, der Titel ist das Ziel. Die Rolle des tragischen Helden könnte Pep Guardiola zukommen, das 0:1 bei Tottenham ist eine schwere Hypothek. Pep hat sich vercoacht, ja wie gibt es denn so was. Im zweiten Akt fehlt allerdings Tottenhams Held Harry Kane, eine Chance für Manchester City und Pep.

Tiger Woods: Das Comeback des Jahres, Tiger Woods ist zurück, ist wieder auf der Siegesstraße. Nach elf Jahren, in denen persönliche Tragödien und Operationen die Hauptrolle spielten, gewann der Golf-Star wieder ein Major-Turnier, das Masters in Augusta. Es ist sein 15. Major-Titel, nur noch drei fehlen zum Rekord von Jack Nicklaus, dem „goldenen Bär“. Nur eine Nebenrolle spielten die deutschen Golfer in Augusta, Bernhard Langer bekam als ältester Teilnehmer mit guten Leistungen aber viel Aufmerksamkeit. Am Ende ging dem „alten Mann“ die Luft aus.

Formel 1: Der Motorsport liebt die große Bühne und feierte ein großes Jubiläum in China, das 1000. Rennen! Es gab aber keine Überraschung, auch da triumphierte wieder Mercedes, der strahlende Held war Lewis Hamilton, der tragische Held dagegen Sebastian Vettel. Große Hoffnungen und Sprüche vor der Saison, aber bei Ferrari und Vettel läuft es nicht. Der Wagen nicht so schnell wie erhofft, der Fahrer nicht so gut wie erwartet. Nach Fahrfehlern brauchte Vettel Hilfe von der Regie, damit er den Team-Kollegen überholen konnte und erstmals wieder auf dem Podest stand. Begeisterung dafür gab es nicht. Aber im Theater Formel 1 wird noch lange gespielt, da ist die Hauptrolle für den Heppenheimer immer noch möglich. Von Überraschungen lebt jedes Theater!

Einen großen Abgang von der Sport-Bühne gab es in der vergangenen Woche, lesen Sie dazu den nachfolgenden Kommentar „Dirk Nowitzki ist der Größte“.

Träumer Vettel greift nach den Sternen

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ – der Film war ein Erfolg, in dem ein Mann in einer Zeitschleife fest hing und eine tägliche Wiederholung erlebte. Ähnlich geht es der Formel 1, die Jahr für Jahr darauf hofft, dass die Rennen spannender und interessanter werden und Mercedes vielleicht einmal nicht Weltmeister. 2019 gilt diese Hoffnung also auch, dass sie in diesem Jahr noch ein bisschen größer ist, hängt mit verschiedenen Regeländerungen zusammen. So machen sich manche Fahrer Mut, „jeder kann Weltmeister werden“, sagt zum Beispiel Max Verstappen und meint damit natürlich sich selbst und Red Bull. Am Sonntag, 17. März, geht es in Melbourne los, am 1. Dezember, wenn in Abu Dhabi das letzte Rennen beendet ist, heißt es vielleicht wieder „Weltmeister Lewis Hamilton, Weltmeister Mercedes“ – und jährlich grüßt das Murmeltier der Formel 1.

Dass dies nicht so wird, davon träumt vor allem Sebastian Vettel und davon träumt Ferrari. Für den Deutschen ist 2019 vielleicht die letzte Chance, die Träume der Italiener Wirklichkeit werden zu lassen, bei einem erneuten Scheitern verlieren sie wohl den Glauben an ihre Nummer 1. Vettel will aber endlich wirklich im doppelten Sinne nach den Sternen greifen und denkt dabei auch an sein Vorbild Michael Schumacher. Der Rekord-Weltmeister holte seinen ersten Titel mit Ferrari auch im fünften Jahr bei den Roten und im Team gab es eine Aufbruchstimmung: Mattia Binotto löste den überforderten Maurizio Arrivabene als Teamchef ab, der 49 Jahre alte Schweizer war einst (gutes Omen!) Motoringenieur bei Schumacher. Dazu soll der neue Mann an Vettels Seite neuen Schwung bringen, der 21-Jährige Jungstar Charles Leclerc anstelle von Routinier Kimi Räikkönen. Viele glauben sogar, dass Leclerc dem Deutschen um die Ohren fahren könnte. Na, davon träumt Vettel nicht.

Im doppelten Sinne nach den Sternen greifen heißt, den Titel gewinnen und Mercedes einen Rekord vermasseln. Die Silberpfeile mit dem Stern holten jetzt fünfmal hintereinander den Titel, sechsmal in Folge schaffte nicht einmal Schumacher mit Ferrari. Trotz dieser Serie gehen die Stuttgarter nicht einmal als Favorit ins Rennjahr, weil eben Ferrari Fortschritte erkennen lässt, was sich in den Testfahrten zeigte, weil ein in Teilen neues Reglement die Kräfteverhältnisse verschieben könnte und auch andere Konkurrenten den Tests nach aufgeholt haben. In erster Linie hofft Red Bull auf mehr Siege, aber auch Renault sieht sich in einer besseren Position.

Es könnte wirklich eine interessante Saison werden, die Korrekturen an den Autos sollen zum Beispiel besseres Überholen ermöglichen. Auffallend sind breitere Heck- und Frontflügel, Fahrer und Autos dürfen schwerer sein. Bei den Reifen ist eine neue Taktik erforderlich, es gibt nur noch fünf statt sieben Reifentypen, drei davon für jedes Rennen. Vorteil Mercedes: James Vowles von Mercedes gilt als bester Rennstratege. Vorteil Mercedes: Nach anfänglichen Problemen hat es Mercedes noch immer verstanden, einen eventuellen Rückstand zu Ferrari in einen Vorsprung umzuwandeln. Lewis Hamilton ist auf die ganze Saison gesehen der nervenstärkere Fahrer gegenüber Vettel. In den Tests beeindruckte Ferrari mit Schnelligkeit, Mercedes mit Haltbarkeit. Ein Extra-Zuckerl noch im Jubiläumsjahr, 70 Formel 1: Für die schnellste Rennrunde gibt es einen Extrapunkt, der Fahrer muss allerdings unter den ersten zehn platziert sein.

Was die Fahrer angeht, so hat sich einiges getan. Zwölf Cockpits sind neu besetzt. Neulinge sind George Russell bei Williams, Alexander Albon bei Torro Rosso und Lando Norris bei McLaren. Im Mittelpunkt aber das Comeback des Polen Robert Kubica, der 2008 in Kanada seinen einzigen Grand Prix gewann, 2011 aber bei der Rallye Andorra schwer verunglückte. Der rechte Arm und die rechte Hand sind in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigt, viele zweifeln, ob man unter diesen Umständen einen Rennboliden steuern kann. Kubica galt als großes Talent und war bei Testfahrten schnell, wie aber kann er kritische Situationen meistern. Williams gibt ihm eine Chance. Der spektalulärste Wechsel war wohl der von Daniel Ricciardo von Red Bull zu Renault, wo der Australier Partner von Nico Hülkenberg wird. Der Deutsche kann sich nun beweisen, wie schnell er wirklich ist. Ricciardo hatte wohl die Zusammenarbeit mit Heißsporn Verstappen satt. Red Bull setzt übrigens jetzt auf Motoren von Honda, weil man mit Renault nicht zufrieden war.

Mit einem Schock musste die Formel 1 unmittelbar vor dem Start in Melbourne auch leben, denn Charlie Whiting, der anerkannte und beliebte Renndirektor starb am Mittwoch mit 66 Jahren an einer Lungenembolie. Whiting galt als „Stimme der Vernunft“ und „Eckpfeiler des Sports“, die Formel 1 wird ihn also sehr vermissen.

Die 21 Rennen: 17. März Australien, 31. März Bahrain, 14. April China, 28. April Aserbaidschan, 12. Mai Spanien, 26. Mai Monaco, 9. Juni Kanada, 23. Juni Frankreich, 30. Juni Österreich, 14. Juli Großbritannien, 29. Juli Deutschland, 4. August Ungarn, 1. September Belgien, 8. September Italien, 22. September Singapur, 29. September Russland, 13. Oktober Japan, 27. Oktober Mexiko, 3. November USA, 17. November Brasilien, 1. Dezember Abu Dhabi.

Die Teams: Mercedes: Lewis Hamilton, Valterri Bottas. Ferrari: Sebastian Vettel, Charles Leclerc. Aston Martin Red Bull: Pierre Gasly, Max Verstappen. Renault: Daniel Ricciardo, Nico Hülkenberg. Haas: Romain Grosjean, Kevin Magnusson. McLaren: Lando Norris, Carlo Sainz jr. Racing Point: Sergio Perez, Lance Stroll. Alfa Romeo Sauber: Kimi Räikkönen, Antonio Giovinazzi. Toro Rosso: Alexander Albon, Daniil Kwyat. Williams: George Russell, Robert Kubica.

Rot träumt, Silber holt Gold

Drei Rennen stehen in der Formel 1 noch auf dem Programm (Mexiko 26.10., Sao Paulo 11.11., Abu Dhabi 26.11.), doch die Spannung ist dahin. Der WM-Titel 2018 ist praktisch vergeben, Lewis Hamilton benötigt gerade noch einen siebten Platz, um die Ernte einzufahren, umgekehrt müsste Sebastian Vettel aber auch alle drei Rennen gewinnen, um seine Chance zu wahren. Wer glaubt daran… Schon ein Sieg von Vettel in Mexiko City wäre ein Wunder, seine Bilanz der letzten drei Rennen: Ausfall, Zeitstrafe, Kollision mit Hamilton und kein Sieg.

Die Saison 2018 hat sich für Ferrari und den Deutschen anders entwickelt, als sie es vorgehabt haben. Dabei ging es gut los und Vettel saß anscheinend im besseren Auto. Doch Ferrari und Vettel blieben sich treu, Fehler auf beiden Seiten. Von einem Vorsprung gegenüber Mercedes konnte in der zweiten Saisonhälfte keine Rede mehr sein und Sebastian Vettel muss anerkennen, dass Lewis Hamilton der bessere Fahrer ist – ein würdiger Weltmeister. Dass Ferrari durchaus gewinnen kann, zeigte ausgerechnet der Finne Kimi Räikkönen, der bekanntlich gehen muss. „Rot“ träumte vom Titel, Vettel hatte wie Hamilton seine fünfte Meisterschaft im Visier, aber anscheinend träumte der Heppenheimer auch auf der Strecke, nur so lassen sich drei Crash in den letzten fünf Rennen erklären. Hamilton behielt die Nerven und so holt jetzt Silber das Gold.

Bei Mercedes wird offensichtlich seriöser und beständiger gearbeitet als bei Ferrari, wo eher mal Luftschlösser gebaut werden. Das Ungestüme der Italiener färbt wohl auch auf Vettel ab, der in den Zweikämpfen gern das Risiko sucht und oftmals der Leidtragende ist, wenn der Gegner nicht – wie von Vettel erwartet – zurückzieht. Vettel kann bei Hamilton eine Lehrstunde nehmen, der blieb vernünftiger und nahm da und dort eine Niederlage im direkten Duell mit einem Konkurrenten hin – um am Ende eben zu gewinnen. Sein Rat für den Deutschen: „Es ist manchmal besser, nicht das Risiko zu suchen.“ So wird man dann Weltmeister.

Sebastian Vettel hat eine Chance vergeben, für die nächste Saison kann er noch einmal träumen, aber er sollte aufmerksam verfolgen, was sein englischer Kontrahent von sich gibt. Lewis Hamilton glaubt nämlich „ich habe das Beste noch vor mir“ und auch der bald fünfmalige Weltmeister, der damit mit der Legende Juan Fangio gleichziehen kann, hat Träume: „Mein großes Ziel sind acht Titel.“ Er möchte den bisherigen Rekordweltmeister Michael Schumacher (sieben Titel) entthronen. Wer kann ihm den Rekord verwehren? Ein Vettel, der ruhiger und vernünftiger wird, oder vielleicht das ebenfalls noch ungestüme Talent Max Verstappen mit Red Bull? Ein Trost für die Formel-1-Fans, dass ein bisschen Spannung schon noch erhalten bleibt, trotz der Dominanz von Mercedes und Hamilton.

Träumen werden auch die Rennsportfans in Deutschland und von Ferrari, dass nämlich die Legende Schumacher wieder auflebt. Wie es dem bei einem Skiunfall schwer verunglückten Rekord-Weltmeister geht, bleibt im Geheimen, aber Sohn Mick hat sich aufgemacht, in die großen Fußstapfen des Vaters zu treten. Der 19-Jährige holte sich die Meisterschaft der Formel 3, was als Sprungbrett in die Formel 1 gilt. Die sogenannte Superlizenz für die Königsklasse hat er mit seinem Erfolg schon in der Tasche. Jetzt fragt sich jeder, wer hat bald Mick in der Tasche? Ferrari träumt, dass der Name Schumacher wieder auf der Siegerliste der Roten stehen könnte. Mercedes will sich hier nicht mit Silber (sprich Zweiter zufrieden geben), sondern arbeitet daran, dass es für Mick eine silberne Ära geben könnte. Auch bei Mercedes träumt man ja ein bisschen, nämlich von einem deutschen Fahrer im deutschen Auto. Mit Michael Schumacher klappte es nicht mehr, Nico Rosberg war die Ausnahme.

Die Formel 1 ist aber kein Traumland, sondern harte Arbeit ist gefragt. Arbeit und Talent, aber auch die entsprechende Vernunft und manchmal eben auch Zurückhaltung. Nicht nur Mick Schumacher muss noch lernen, sondern auch der 31 Jahre alte vierfache Weltmeister Sebastian Vettel.

Duell der Giganten: Rambo Vettel gegen Showman Hamilton

Die Formel 1 macht Sommerpause. Die Helden der Rennstrecken können sich ausruhen, doch in den Teams herrscht eher hektische Betriebsamkeit. Ingenieure und Mechaniker müssen alles versuchen, um die Autos schneller zu machen. Das gilt vor allem bei Mercedes und Ferrari, im Kampf um die Krone werden noch einige PS gesucht, um ihren Fahrern wenn möglich einen Vorteil zu verschaffen. Im Duell der Giganten um die WM-Krone zählt allerdings nicht nur das Auto, es zählen auch die Nerven, es kommt auf das Glück an. Wer holt sich am Ende seinen fünften Titel (beide liegen bei vier): Rambo Sebastian Vettel oder Showman Lewis Hamilton?

Im Moment heißt es „Vorteil Hamilton“. Der 32-Jährige Engländer hatte in den letzten Jahren in der zweiten Saisonhälfte immer seine stärksten Leistungen gezeigt. Das spricht für starke Nerven. Vor einem Jahr hatte sein Konkurrent Vettel zur Sommerpause sogar 14 Punkte Vorsprung, ehe Vettel den Titel durch Fahrfehler und technische Probleme noch verspielte. In dieser Saison hat Hamilton nach 12 von 21 Rennen seinerseits 24 Punkte Vorsprung, ist also fast einen Sieg voraus.

Eigentlich eine Überraschung, denn in den letzten Wochen sprach alles für den Deutschen. Der Ferrari gilt inzwischen als das schnellere Auto, die Italiener haben offensichtlich die PS-Vorteile von Mercedes nicht nur aufgeholt, sondern die Deutschen sogar überholt. Auch technisch gab es weniger Probleme, die traten eher bei Mercedes auf, doch die Stuttgarter bekamen irgendwie immer wieder die Kurve, manchmal stand ihnen auch das Glück zur Seite, so wie beim letzten Rennen in Budapest, als Regen in der Qualifikation WM-Führenden Hamilton die Pole Position schenkte (was die Basis für den Sieg war), auf einer Strecke, auf der Mercedes zuletzt kaum Erfolge einfuhr. Es scheint, dass sich auch das Glück auf die Seite von Hamilton geschlagen hat.

Sebastian Vettel verspielte wohl wieder einmal seinen Vorteil. Vor dem Rennen in Hockenheim hatte ein Sportfachblatt einen Vergleich von Vettel und Hamilton angestellt und kam zu dem Schluss, dass im Duell der Giganten der Deutsche vier von sechs Duellen für sich entscheiden würde. Auf der Strecke sieht es anders aus, falsch war zum Beispiel das Urteil, dass Vettel einen Vorteil in der mentalen Stärke hätte. Das Gegenteil ist der Fall, Vettel wird eher unruhig wenn es nicht läuft und auf der Strecke zum Rambo. Der Fahrfehler in Hockenheim ist ebenso der Beweis, wie das überharte Manöver gegen Bottas in Budapest. Vettel will den Titelgewinn erzwingen, Hamilton wirkt gelassener. Dem Showman helfen da vielleicht seine Ausflüge ins Showgeschäft – die richtige Ablenkung.

Aber noch ist nichts entschieden, es könnte ein harter Kampf bis zum letzten Rennen am 25. November in Abu Dhabi bleiben. Am 26. August geht es in Spa/Belgien weiter, der Lieblingsstrecke von Vettels Vorbild Michael Schumacher. Dessen Erfolge mit Ferrari will ja Vettel wiederholen, er wartet sehnsüchtig auf den Anfang einer Siegesserie. Immerhin hat dieses Duell der Giganten die Formel 1 wieder ins Gespräch gebracht, auch in Deutschland wurde das Interesse wieder geweckt, der übertragende Fernsehsender RTL freut sich über steigende Zuschauerzahlen und in Hockenheim kam man diesmal ohne Verlust über die Runden. Das lässt hoffen, dass am 22. Juli nicht das letzte Formel-1-Rennen in Deutschland stattfand.

Die Formel 1 hofft auf einen verglühenden Stern

Es ist angerichtet, die neue Saison der Formel 1 beginnt am Sonntag, 25. März, um 7:10 Uhr MESZ in Australien, genauer gesagt in Melbourne. Neue Saison, neue Hoffnung, altes Leiden. Wird Mercedes erneut das Geschehen dominieren? Die neuen Besitzer der Rennserie, der Konzern Liberty Media, wünscht sich sehnlichst einen verglühenden Stern. Die Hoffnung gilt Ferrari und Red Bull, dass einer den Stuttgartern wirklich Paroli bieten kann. Sebastian Vettel war vor einem Jahr auf dem Weg dahin, doch Mitte des Jahres ging sowohl dem Heppenheimer als auch Ferrari die Puste aus. Fahrfehler auf der einen Seite, technische Probleme auf der anderen. Freie Fahrt also für Lewis Hamilton und Mercedes. Eigentlich ist auch für 2018 kein Stopp-Zeichen in Sicht.

Ein bisschen bleibt dennoch die Frage: Es ist angerichtet – aber für wen? Die Hoffnung: Titelverteidiger Lewis Hamilton und Herausforderer Sebastian Vettel liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide haben als vierfache Weltmeister (Hamilton 2008/McLaren, 2014, 2015, 2017/alle Mercedes, Vettel 2010 – 2013 alle Red Bull) ein Ziel vor Augen: Die Legende Juan Manuel Fangio als fünffachen Titelträger einholen. Bis Michael Schumachers Rekord von sieben Titeln ist noch ein bisschen hin. Lustig, dass beide Kontrahenten mit den Startnummern z. B. auf ihren Helmen Hinweise auf den Wettkampf geben. Hamilton hat die 44 (es steht also 4:4), Vettel hat die 5 (der 5. Titel ist in Sicht!). Es könnte aber auch einen Spielverderber geben, Max Verstappen hat mit seinem Red Bull in den Tests einen guten Eindruck hinterlassen und mischte auch im letzten Jahr schon ein bisschen mit. Die Formel-1-Bosse wären glücklich über einen offenen Kampf.

Es ist angerichtet – auch in diesem Jahr ist (vor allem für die deutschen Fernsehzuschauer) einiges neu. Auffällig bei den Boliden vor allem der „Heiligenschein“, das System Halo, ein Titanbügel über den Kopf des Fahrers, der den Piloten vor herumfliegenden Teilen schützen soll, aber natürlich nicht schön aussieht. Die Techniker nutzten ihn sogar zur Aerodynamik. Neu ist auch, dass es mehr Reifenauswahl, aber weniger Motoren gibt. Exklusiv-Lieferant Pirelli stellt zwei weitere Reifenmischungen zur Verfügung, Hypersoft und Superhard. Dafür müssen die Motoren länger halten, statt vier gibt es nur noch drei Motoren für 21 Rennen. Da sind schon etliche Strafversetzungen in Sicht.

21 Rennen stehen an, Malaysia fehlt, dafür feiern Frankreich (erstmals seit zehn Jahren wieder dabei, erstmals seit 1990 wieder in Le Castellet) und Hockenheim ihr Comeback. Das Finale geht wie schon in den letzten Jahren am 25. November in Abu Dhabi über die Bühne. Neue Startzeiten sollen den Zuschauern entgegenkommen, die volle Stunde hat ausgedient, in Europa wird um 15.10 Uhr statt 14.00 Uhr gestartet. Sollen die zehn Minuten nach der vollen Stunde die Spannung steigern? Die Piloten werden sich am Start ein bisschen allein gelassen fühlen, denn die Grid-Girls als Blickfang wurden abgeschafft, sie passen nicht mehr in die Zeit.

Die deutschen Formel-1-Fans haben im Fernsehen außerdem nicht mehr die Wahl, weil sich Sky zurückgezogen hat. So hat RTL freie Bahn auf freiem Kanal, leider von Werbung unterbrochen. So gibt es das Rennen nicht mehr in einem Stück, sondern mit den unsäglichen Werbeunterbrechungen, dann heißt es, „das Rennen ist spannend, bleiben Sie dran, wir sind gleich wieder dran“. Das tolle Überholmanöver von Vettel gegen Hamilton wird dann nachgereicht. So etwas nennt sich dann live! RTL-Zuschauer müssen im übrigen künftig auf Niki Lauda als Experten und schnoddrigen Kommentaren verzichten, die Nachfolger Nico Rosberg und Timo Glock sind wohl eher in der Kategorie „Gentleman“ einzuordnen. Gerade Rosberg kann aber wieder erzählen, wie klug es von ihm war, nach dem Gewinn des Weltmeistertitels aufzuhören. Das Feld der deutschen Fahrer hat sich weiter reduziert, neben Vettel ist nur noch Nico Hülkenberg (Renault) dabei.

Es ist angerichtet – attraktiver sollen auch die Team-Namen werden, so kehren legendäre Marken zumindest im Namen zurück. Red Bull holte sich Aston Martin an Bord, Sauber Alfa Romeo. Liberty Media träumt vor allem davon, dass auch bald wieder Porsche mit einem eigenen Team an den Start geht. Außerdem wird weiter nach neuen Rennstrecken gesucht, Miami, Buenos Aires und Hanoi bleiben im Gespräch. Konkurrent Formel E soll nicht bei den attraktiven Orten allein abräumen. Außerdem muss Liberty Media im eigenen Lager für gute Stimmung sorgen, denn 2020 laufen die Verträge mit den Herstellern aus. Auch dann soll es noch heißen: Es ist angerichtet. Hoffen wir also auf eine spannende Saison.

Die Rennen 2018: 25. März Australien, 8. April Bahrein, 15. April China, 29. April Aserbaidschan, 13. Mai Spanien, 27. Mai Monaco, 10. Juni Kanada, 24. Juni Frankreich, 1. Juli Österreich, 8. Juli Großbritannien, 22. Juli Deutschland, 29. Juli Ungarn, 26. August Belgien, 2. September Italien, 16. September Singapur, 30. September Russland, 7. Oktober Japan, 21. Oktober USA, 11. November Brasilien, 25. November Abu Dhabi.

Die Teams: Mercedes: Lewis Hamilton, Valtteri Bottas. Ferrari: Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen. Red Bull: Max Verstappen, Daniel Ricciardo. Renault: Nico Hülkenberg, Carlos Sainz. Toro Rosso: Pierre Gasky, Brendon Hartley. Force India: Esteban Ocon, Sergio Perez. Williams: Lance Stroll, Sergej Sirotkin. Sauber: Marcus Eriksson, Charles Leclerc. McLaren: Fernando Alonso, Stoffel Vandoorne. Haas: Kevin Magnussen, Romain Grosjean.